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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Bundeswehrreform: StÃ¼ckwerk ohne Politikreform</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Internationale Politik und Regionen + Vereinte Nationen (UNO) + Stellungnahme</span>

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                                            <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=11-120-99-83">Any of these categories</a>
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        <h1>
            Bundeswehrreform: StÃ¼ckwerk ohne Politikreform         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 28. Dezember 2011 14:47:47 +02:00 (102561 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>In der Januarausgabe des &quot;JS-Magazins - Die Evangelische Zeitschrift fÃ¼r junge Soldaten&quot; kommentiert W. Nachtwei die laufende Bundeswehrreform als &quot;StÃ¼ckwerk ohne Politikreform&quot;. Zweiter Kommentator ist Rolf Clement, Leiter der Abteilung &quot;Hintergrund&quot; beim Deutschlandfunk. Das JS-Magazin wurde kÃ¼rzlich mit dem &quot;kress award 2011&quot; als bestes &quot;Corporate-Media-Product&quot; ausgezeichnet. www.js-magazin.de</p></div>
            <div>    <p><!--[if gte mso 9]><xml> Normal   0   21         false   false   false                             MicrosoftInternetExplorer4 </xml><![endif]--><!--[if gte mso 9]><xml> </xml><![endif]--><!--[if gte mso 10]> <mce:style><!   /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-ansi-language:#0400; 	mso-fareast-language:#0400; 	mso-bidi-language:#0400;} --> <!--[endif] --><!--[if gte mso 9]><xml> </xml><![endif]--><!--[if gte mso 9]><xml> </xml><![endif]--></p>
<p align="center"><strong>Bundeswehrreform: StÃ¼ckwerk ohne Politikreform</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB a.D. (12/2011)</p>
<p>Ob im Einsatz oder im Inland - Ã¼berall ist in der Bundeswehr zu spÃ¼ren, dass sich was Ã¤ndern muss. EinsatzfÃ¤higkeit und Motivation werden durch ÃœberbÃ¼rokratisierung und AusrÃ¼stungsmÃ¤ngel behindert. Auch wenn es manche nicht mehr hÃ¶ren kÃ¶nnen: Ein neuer Reformanlauf war Ã¼berfÃ¤llig. Minister zu Guttenbergs â€žSchnellabschaltung&quot; der Wehrpflicht schaffte zunÃ¤chst mehr Verwirrung, weil die Nachwuchsgewinnung noch nicht umgebaut war. Minister de MaiziÃ¨re ging seriÃ¶ser an die Neuausrichtung der Bundeswehr heran. Auf dem Boden der Haushaltstatsachen sollen Struktur und AusrÃ¼stung der Bundeswehr solide werden.</p>
<p>Entscheidungen zur neuen Struktur, zu Stationierung und Beschaffungsvorhaben sind notwendig, aber nicht ausreichend. Eine Reform, die endlich lÃ¤nger halten soll, muss mehr beinhalten. Ihr Realismus darf sich nicht in der BerÃ¼cksichtigung der absehbarenÂ  Haushaltslage und BevÃ¶lkerungsentwicklung erschÃ¶pfen. Sie muss zugleich Antworten finden auf eine doppelte Krise, in der die AuslandseinsÃ¤tze der Bundeswehr stecken, vor allem der in Afghanistan:</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  In einer Wirksamkeitskrise: trotz des vorbildlichen Einsatzes vieler Soldaten hat die NATO das Ziel eines stabil-sicheren Umfeldes nicht erreicht;</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  In einer Akzeptanzkrise: die Mehrheit der BevÃ¶lkerung lehnt des Afghanistaneinsatz ab - und auch die Soldaten stellen seinen Sinn zunehmend infrage.</p>
<p>Eine zukunftsfÃ¤hige Bundeswehrreform geht nicht nur die AngehÃ¶rigen der Bundeswehr und das Verteidigungsministerium an, sondern die Politik und die Gesellschaft insgesamt. AuÃŸer bei der Stationierungsfrage ist davon bisher nichts zu spÃ¼ren.</p>
<p>Absolut notwendig ist zuerst ein klarer <strong>Auftrag fÃ¼r die Bundeswehr.</strong> Ein Unding ist, dass der seit bald zwei Jahrzehnten erweiterte Auftrag - Teilnahme an internationaler KrisenbewÃ¤ltigung - nicht ausdrÃ¼cklich im Grundgesetz vorkommt. Das Grundgesetz muss hier genauer formuliert werden, etwa in dem Sinne, dass <em>bewaffnete StreitkrÃ¤fte jenseits der Landes- und BÃ¼ndnisverteidigung nur eingesetzt werden dÃ¼rfen, wenn im Rahmen der UNO Gewalt eingedÃ¤mmt und internationales Recht durchgesetzt werden soll.</em> Mit einer solchen <strong>GrundgesetzÃ¤nderung</strong> wÃ¼rde ein Trennungsstrich gezogen zu einem schrankenlosen Verteidigungsbegriff und einem Interventionismus fÃ¼r Einzelinteressen. Entsprechend mÃ¼sste man auch die Eidesformel der Soldaten Ã¤ndern.</p>
<p>Um die Aufgaben der Bundeswehr klarer festzulegen und falschen Erwartungen vorzubeugen, mÃ¼ssen die <strong>AuslandseinsÃ¤tze systematisch ausgewertet</strong> werden - das ist schon lange Ã¼berfÃ¤llig. Wie sicher ist das Umfeld in Afghanistan, wie stabil sind die Strukturen? Nur so kÃ¶nnen BevÃ¶lkerung und Politik beurteilen, was StreitkrÃ¤fte leisten, wo ihre Grenzen liegen, was andere besser kÃ¶nnen - und letztlich, ob ein Einsatz sinnvoll ist. Bisher strÃ¤ubten sich politisch Verantwortliche, eine unabhÃ¤ngige Wirksamkeitsbewertung von AuslandseinsÃ¤tzen durchzufÃ¼hren. Die Folge davon waren RealitÃ¤ts- und GlaubwÃ¼rdigkeitsverlust.</p>
<p>ErfÃ¼llbare EinsÃ¤tze brauchen kÃ¼nftig als erstes realitÃ¤tsnÃ¤here und Ã¼berprÃ¼fbare Ziele. Die bisherigen guten und hehren Ziele der Bundestagsmandate reichen da nicht aus.</p>
<p>Eine grundsÃ¤tzliche Erfahrung von KriseneinsÃ¤tzen ist, dass sie nur Aussicht auf Erfolg haben, wenn sie ein <strong>Gemeinschaftsunternehmen</strong> zwischen zivilen, polizeilichen und militÃ¤rischen KrÃ¤ften unter dem Primat der Politik sind. Wo Politik ihre FÃ¼hrungsaufgabe vernachlÃ¤ssigt und zu wenig die politische KonfliktlÃ¶sung unterstÃ¼tzt, wo nur wenige Polizeiberater an stabilen Sicherheitsstrukturen arbeiten, da ist der Einsatz von StreitkrÃ¤ften einer gegen WindmÃ¼hlenflÃ¼gel. Damit der Anspruch des vernetzten Ansatzes auch Wirklichkeit wird, sind ressortgemeinsame Lageerfassung, Planung und Auswertung sowie ausgewogene FÃ¤higkeiten der verschiedenen staatlichen Ressorts eine Grundvoraussetzung. Auch das Bundesinnenministerium und das Entwicklungsministerium brauchen schnell verfÃ¼gbare, stehende KrÃ¤fte. Sonst kÃ¶nnen die besonders wichtigen Startmonate eines Einsatzes nicht genutzt werden, und die Aufgaben landen doch wieder beim MilitÃ¤r. Bei der jetzigen Bundeswehrreform bleiben diese zivil-militÃ¤rischen MissverhÃ¤ltnisse vÃ¶llig unberÃ¼cksichtigt.</p>
<p>Die Verankerung der Bundeswehr in Demokratie und Rechtsstaat ist eine historische Errungenschaft sondergleichen. Dazu gehÃ¶rt, dass Auftrag und EinsÃ¤tze der Bundeswehr von der groÃŸen Mehrheit der BevÃ¶lkerung akzeptiert werden. Um Akzeptanz zu erreichen, ist eine <strong>breite</strong> <strong>sicherheitspolitische Debatte</strong> und VerstÃ¤ndigung unabdingbar. Zu dieser seit Jahren geforderten, aber nicht erreichten Debatte mÃ¼ssten vor allem beitragen: Verteidigungsminister, die endlich ihre Grundlagendokumente nicht nur erlassen, sondern vorher zur Diskussion stellen sollten; Einsatzpraktiker, die ohne MaulkÃ¶rbe ihre konkreten Erfahrungen und Kompetenzen in die Ã¶ffentliche Debatte einbringen; friedens- und sicherheitspolitisch interessierte Organisationen, die eine Querkommunikation zwischen ihren Diskussionszirkeln aufbauen; schlieÃŸlich und vor allem die politisch Verantwortlichen, die ihre bisherige sicherheitspolitische SelbstgenÃ¼gsamkeit Ã¼berwinden und StrategiefÃ¤higkeit entwickeln mÃ¼ssen.</p>
<p>Wo die Krise der AuslandseinsÃ¤tze in erster Linie eine politische ist, muss jede Bundeswehrreform auch in eine <strong>Reform der Sicherheitspolitik</strong> eingebettet sein. Eine bloÃŸe Ressortreform greift zu kurz und bleibt StÃ¼ckwerk. Ein seriÃ¶ser Minister de MaiziÃ¨re Ã¤ndert nichts daran, dass hier Kabinett und Koalition insgesamt in der Verantwortung stehen.</p>
<p><em>(Erschienen im JS-Magazin - Die Evangelische Zeitschrift fÃ¼r Junge Soldaten, Januar 2012, hier mit punktuellen ErgÃ¤nzungen)</em></p></div>


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