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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Eigene Geschichte im Vordergrund statt falsche KontinuitÃ¤ten: Hauptfeldwebel Lagenstein statt General Emmich - Kasernenumbenennung und neuer Traditionserlass der Bundeswehr</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Internationale Politik und Regionen + Sudan + Stellungnahme</span>

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        <h1>
            Eigene Geschichte im Vordergrund statt falsche KontinuitÃ¤ten: Hauptfeldwebel Lagenstein statt General Emmich - Kasernenumbenennung und neuer Traditionserlass der Bundeswehr         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 31. März 2018 21:48:53 +01:00 (171223 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Am 28. M&auml;rz fand eine politisch positive Nachricht in die erste Reihe der aktuellen Berichterstatung: Der nach 36 Jahren aktualisierte und gesch&auml;rfte Traditionserlass der Bundeswehr setzt die &uuml;ber 60-j&auml;hrige eigene Geschichte der Bundeswehr in den Vordergrund. Bekr&auml;ftigt wurde dieser Vorsatz durch eine besondere Kasernenumbenennung: Erstmalig wurde eine Kaserne nach einem gefallenen Bundeswehrsoldat benannt, nach dem 31-j&auml;hrigen Feldj&auml;ger und Personensch&uuml;tzer Hauptfeldwebel Tobias Lagenstein. Er fiel am 28. Mai 2011 in Taloqan/NO-Afghanistan zusammen mit einem Deutschen und sieben Afghanen einer ferngez&uuml;ndeten Sprengfalle zum Opfer, mehr als zehn Menschen wurden dabei zum Teil schwer verwundet.&nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Kasernen-Umbenennung und neuer Traditionserlasse der Bundeswehr: Hauptfeldwebel Lagenstein statt General Emmich &ndash; </strong></p>
<p align="center"><strong>eigene Geschichte im Vordergrund statt falsche Kontinuit&auml;ten</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB a.D. (M&auml;rz 2018)</p>
<p align="center">(Fotos auf <a href="http://www.facebook.com/winfried.nachtwei">www.facebook.com/winfried.nachtwei</a> )</p>
<p>Am 28. M&auml;rz 2018 wurde die bisherige Emmich-Cambrai-Kaserne in Hannover, Sitz der Schule f&uuml;r Feldj&auml;ger und Stabsdienst der Bundeswehr, bei einem feierlichen Appell in <strong>Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne</strong> umbenannt. Erstmalig wurde damit eine Bundeswehrkaserne nach einem im Einsatz gefallenen Bundeswehrsoldaten benannt.</p>
<p>Vorher fand im Scharnhorst-Saal eine Feierstunde statt, bei der Generalinspektor Volker Wieker, Schulkommandeur Oberst Dirk Waldau und Dr. Klaus Naumann, Mitglied im Beirat Innere F&uuml;hrung, moderiert von Prof. Dr. Manfred G&ouml;rtemaker zur Tradition der Bundeswehr sprachen. Anschlie&szlig;end unterzeichnete Verteidigungsministerin Dr. Ursula von der Leyen den neuen Traditionserlass der Bundeswehr. Angesichts der seit den 90er Jahren gravierend ver&auml;nderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen l&ouml;st der neue Erlass den Traditionserlass von 1982 ab. (vgl. <a href="https://www.bmvg.de/de/aktuelles/ministerin-benennt-kaserne-in-hannover-um-23320">https://www.bmvg.de/de/aktuelles/ministerin-benennt-kaserne-in-hannover-um-23320</a> mit Bericht, Reden von Ministerin und Kommandeur und Erlass)</p>
<p>Hierzu ein <strong>Radio-Interview</strong> von Barbara Knopf/BR mit mir am 29. M&auml;rz <em>&bdquo;Neuer Traditionserlass: Die Bundeswehr auf der Suche nach ihrer Identit&auml;t. Was bedeutet die Umbenennung einer Kaserne und ein neuer Traditionserlass f&uuml;r das Selbstverst&auml;ndnis der Bundeswehr?&ldquo;</em> ( <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/kulturwelt/bundeswehr-kaserne-traditionserlass-armee-100.html">https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/kulturwelt/bundeswehr-kaserne-traditionserlass-armee-100.html</a> , Bayern 2, kulturWelt)</p>
<p><strong>Der 31-j&auml;hrige Hauptfeldwebel Tobias Lagenstein</strong></p>
<p>vom Feldj&auml;gerbataillon 5./152 (Bremen) war bei seinem vierten Auslandseinsatz 2011 Personensch&uuml;tzer des damaligen Kommandeurs des Regionalkommandos ISAF Nord, Generalmajor Markus Kneip. Bei einem hochrangigen Sicherheitstreffen beim Gouverneur der nordostafghanischen Provinz Takhar in Taloqan fiel er am 28. Mai 2011 einem Anschlag mit einem ferngesteuerten Sprengsatz zum Opfer. Mit ihm starben Major Thomas Thole (43), engster Mitarbeiter des Regionalkommandeurs, General Daoud Daoud, Polizeichef von Nordafghanistan, Shah Jahan Nuri, Polizeichef von Taloqan und f&uuml;nf afghanische Polizisten. Teilweise schwer verwundet wurden General Kneip und f&uuml;nf weitere Bundeswehrsoldaten sowie der Gouverneur der Provinz, Abdul Jabar Taqwa, und etliche weitere afghanische Mitarbeiter. Besonders schwer verwundet wurde die Dolmetscherin von General Kneip, Oberleutnant Soraya Alekozei. Die 56-j&auml;hrige Deutsch-Afghanin soll die erste Soldatin der Bundeswehr sein, die im Einsatz, ihrem sechsten in Afghanistan, durch gegnerische Einwirkung verwundet wurde. Sie machte &uuml;ber 30 Operationen durch. (<em>vgl. die ehrlichen, &auml;u&szlig;erst bewegenden Erinnerungen einer besonders starken Frau: &bdquo;Sie konnten mich nicht t&ouml;ten. Als Afghanin im Einsatz f&uuml;r die Bundeswehr&ldquo;, Berlin 2014</em>)</p>
<p>Am 3. Juni 2011 fand in der Epiphaniaskirche in Hannover eine kirchlich-staatliche Trauerfeier f&uuml;r Major Thomas Toli, Hauptfeldwebel Tobias Lagenstein und dem Hauptmann Markus Matthes (DSO Stadtallendorf) statt. Letzterer war am 25. Juni in Chahar Darreh einem IED-Anschlag zum Opfer gefallen war. (General Kneip und seine Dolmetscherin kamen am 28. Mai von der Trauerfeier f&uuml;r Hauptmann Matthes aus Kunduz nach Taloqan.) Ich erlebte die Trauerfeier wieder als tief aufw&uuml;hlend: Die Bilder der Gefallenen im Altarraum. Die jeweils sechs Feldwebeldienstgrade und Offiziere der Totenwache an jedem Sarg, alle durch Alter, Dienstgradgruppe und oft auch pers&ouml;nlich den Toten besonders nahe. Die vielen Trauerg&auml;ste, die selbst in Afghanistan waren oder sein werden, und jetzt den Tod, den Verlust besonders tief sp&uuml;ren. Redner, die die Toten in Erinnerung rufen und etwas wiederaufleben lassen. Das die Zeit verlangsamende, w&uuml;rdige Trauerritual. Das Trompetensolo mit dem &bdquo;Lied vom guten Kameraden&ldquo;, als die S&auml;rge aus der Kirche getragen werden und hunderte Trauernde - Uniformierte gr&uuml;&szlig;end - Abschied nehmen. Jede solcher Trauerfeiern ist mir zugleich eine Gewissenspr&uuml;fung: WOF&Uuml;R? Tun &bdquo;wir&ldquo; politische Auftraggeber wirklich alles daf&uuml;r, dass dieser Einsatz auch Wirkung hat und Sinn macht?</p>
<p>(Am 1. Juni hatte ich mich in einem Trauer- und Solidarit&auml;tsschreiben an General Kneip, die Soldatinnen und Soldaten und Angeh&ouml;rigen gewandt. Die Schlusss&auml;tze: &bdquo;<em>Umso mehr haben Sie alle Aufmerksamkeit und Unterst&uuml;tzung aus Deutschland verdient &ndash; unabh&auml;ngig vom legitimen politischen Streit um den Afghanistaneinsatz. Sie haben vor allem Anspruch auf eine Politik, die sich der Riesenaufgabe Afghanistan ehrlich und konsequent, mir Realismus und Ehrgeiz stellt, die ihrer Grundpflicht zum klaren und erf&uuml;llbaren Auftrag naschkommt.&ldquo;</em>)</p>
<p><strong>Die Initiative zu der Kasernenumbenennung</strong></p>
<p>ging 2014 von Angeh&ouml;rigen der Schule f&uuml;r Feldj&auml;ger und Stabsdienst der Bundeswehr aus. Die Kaserne trug den Namen von Otto von Emmich, Kommandierender General des X. Armee-Korps in Hannover, das 1914 eine erste gro&szlig;e Operation (Eroberung von L&uuml;ttich) f&uuml;hrte, und der nordfranz&ouml;sischen Stadt Cambrai, wo im November 1917 die erste gro&szlig;e Panzerschlacht der Geschichte stattfand (mit rund 95.000 Verwundeten, Gefallenen und Gefangenen) und die von den deutschen Truppen 1918 beim R&uuml;ckzug niedergebrannt wurde.</p>
<p>Schulkommandeur Oberst Dirk Waldau berichtet in seiner Rede, dass Emmich und Cambrai f&uuml;r heutige Soldaten zeitlich und inhaltlich zu weit weg seien und keine Identifikation geboten h&auml;tten:</p>
<p><em>&bdquo;Wir haben Namensvorschl&auml;ge gesammelt, von Regionen, von Personen, und dann miteinander und ohne Ansehen vom Amt und Stellung dar&uuml;ber diskutiert. Dabei haben wir unbewusst auch unser heutiges berufliches Selbstverst&auml;ndnis gekl&auml;rt und gesch&auml;rft.</em></p>
<p><em>Wir wollten einen Namen finden, der uns einen Bezug zu unserem heutigen soldatischen Dienst erlaubt, der uns etwas sagt, der uns motiviert, der uns auch stolz machen kann.</em></p>
<p><em>Der Vorschlag Hauptfeldwebel Lagenstein war schnell da. (&hellip;)</em></p>
<p><em>Hauptfeldwebel Lagenstein bleibt uns als ein Ma&szlig;st&auml;be setzender Unteroffizier mit Portepee in Erinnerung, der in au&szlig;ergew&ouml;hnlichem Ma&szlig;e zur Menschenf&uuml;hrung bef&auml;higt war. Durch seine mitrei&szlig;ende Art, seine Freude an und in der Verantwortung sowie sein F&uuml;hren von vorn ist er ein herausragendes Vorbild f&uuml;r die nachwachsenden Feldwebelgenerationen. Dabei blieb er stets bescheiden im Auftreten, konsequent und unbeirrbar in der Auftragserf&uuml;llung.</em></p>
<p><em>Hauptfeldwebel Lagenstein ist im M&auml;rz 2011 an diese Schule versetzt worden und sollte nach der R&uuml;ckkehr aus Afghanistan in der Ausbildung der angehenden Vorgesetzten seine Aufgabe finden &ndash; er war daf&uuml;r vorbildlich geeignet.</em></p>
<p><em>Auch wenn er als Berufsunteroffizier zur Feldj&auml;gertruppe geh&ouml;rt, k&ouml;nnen sich die Angeh&ouml;rigen der Dienststellen des Sanit&auml;tsdienstes und der anderen hier dienenden Truppengattungen mit ihm als Person sicher und eindeutig identifizieren. Er steht f&uuml;r Werte, die, losgel&ouml;st von Barett- oder Kragenspiegelfarbe, universell g&uuml;ltig sind und jeden Soldaten unmittelbar betreffen und binden: Pflichtbewusstsein, F&uuml;hrungswillen, Verantwortungsgef&uuml;hl, Tapferkeit.</em></p>
<p><em>Sein Lebenslauf, seine milit&auml;rische Profession und seine Leistung im Einsatz in Afghanistan haben uns &uuml;berzeugt, die von ihm gelebten Werte sind auch unsere Werte, sie bestimmen unser Selbstverst&auml;ndnis &ndash; so soll unsere Kaserne hei&szlig;en.&ldquo;</em></p>
<p><strong>Vorbildhaft im Einsatz</strong></p>
<p>Wenige Wochen vor dem Anschlag im Mai 2011 war ich bei einem 16. Afghanistanbesuch in Mazar Generalmajor Kneip und Major Tholi, m&ouml;glicherweise auch Hauptfeldwebel Lagenstein und Oberleutnant Alekozai begegnet. General Daoud war uns erstmalig 2004 in Kunduz begegnet.</p>
<p>Hauptfeldwebel Lagenstein ist der erste im Einsatz gefallene Feldj&auml;ger. Seine Todesart ist typisch f&uuml;r asymmetrische bewaffnete Konflikte: Er war der 23. Bundeswehrsoldat, der in Afghanistan bis Mai 2011 durch eine Sprengfalle get&ouml;tet wurde &ndash; bei 34 durch unmittelbare Feindeinwirkung Gefallenen der Bundeswehr bis dahin in Afghanistan.</p>
<p>Tobias Lagenstein steht f&uuml;r mich exemplarisch f&uuml;r die dutzenden Personensch&uuml;tzer, deren Wachsamkeit, Professionalit&auml;t, Entschlossenheit und h&ouml;chste Einsatzbereitschaft ich in Einsatzgebieten, insbesondere in Afghanistan kennen und enorm sch&auml;tzen gelernt habe.</p>
<p>Er steht beispielhaft f&uuml;r die Portepee-Unteroffiziere als R&uuml;ckgrat des ISAF-Einsatzes; f&uuml;r die Soldatinnen und Soldaten, die sich unter hoher Belastung und h&ouml;chstem Risiko f&uuml;r mehr Sicherheit in einem kriegsgeschundenen Land, im Auftrag des deutschen Parlaments und im Dienste der Vereinten Nationen einsetzten, im Sinne der internationalen kollektiven Sicherheit und menschlicher Solidarit&auml;t.</p>
<p>Zu begr&uuml;&szlig;en ist, dass mit Hauptfeldwebel Lagenstein ein Soldat von der Basis der Bundeswehr f&uuml;r seinen H&ouml;chsteinsatz, den Einsatz seines Lebens, geehrt wird.</p>
<p>In den zur&uuml;ckliegenden Jahrzehnten setzten viele nach vermeintlichen Weltkriegs&ldquo;helden&ldquo; benannte Kasernen falsche Zeichen von Kontinuit&auml;t zwischen der Wehrmacht, dem willigen Werkzeug eines monstr&ouml;sen Staatsverbrechens, und der Bundeswehr als Armee im und f&uuml;r den demokratischen Rechtsstaat. (Eine meiner ersten Bundestagsreden hielt ich am 12.10.1995 zum SPD-Antrag f&uuml;r die Umbenennung der Generaloberst-Dietl- und General-K&uuml;bler-Kasernen in F&uuml;ssen und Mittenwald, siehe Anlage) Nach etlichen Kasernenumbenennungen tragen inzwischen elf die Namen von M&auml;nnern des milit&auml;rischen und des Rettungswiderstandes und f&uuml;nf von Ex-Wehrmachtsgeneralen, die sich um den Aufbau der Bundeswehr verdient gemacht haben. Bei sechs Kasernennamen (z.B. Lent-K. in Rotenburg/W&uuml;mme, Marseille-K. in Appen, Schulz-Lutz-K. in Munster) ist die Traditionsw&uuml;rdigkeit nicht gegeben bzw. sehr umstritten.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund ist die jetzige Kasernenumbenennung in Hannover ein sehr wichtiger und &uuml;berf&auml;lliger Schritt. Diese Positivnachricht wird heute mal nicht von einer</p>
<p>Negativnachricht verdr&auml;ngt und gelangt in die erste Reihe der aktuellen Berichterstattung.</p>
<p><strong>Lernen aus dem Einsatz</strong></p>
<p>Das vorbildhafte, gar traditionsw&uuml;rdige Verhalten der einzelnen Soldaten ist das eine. Das andere bleibt das lebensnotwendige selbstkritische Lernen aus den Eins&auml;tzen. So die Beurteilung des &bdquo;Sicherheitsvorfalls&ldquo; des Angriffs auf das hochrangige Sicherheitstreffen in Taloqan 2011. Nach der Schilderung von Marco Seliger muss es im Vorfeld erhebliche Fehler in der Sicherheitsanalyse, Risikobewertung und Geheimhaltung, also vermeidbare Sicherheitsl&uuml;cken gegeben haben. (<em>M. Seliger, Sterben f&uuml;r Kabul, Hamburg 2011, S. 193 ff.)</em></p>
<p>Hinzu kam der st&auml;ndige Zielkonflikt zwischen Selbstschutz einerseits und Vertrauensbildung zum Zweck besserer Auftragserf&uuml;llung andererseits. Als mich am 28. Mai bei einer Afghanistan-Tagung bei Bonn die schockierende Anschlagsnachricht erreichte, berichtete ein seit l&auml;ngerem in Nordostafghanistan arbeitender Forscher vom Kontext in Taloqan: Der Gouverneur, ein intellektueller Mujahedin, sei au&szlig;ergew&ouml;hnlich zug&auml;nglich, sein B&uuml;ro stehe einfach allen B&uuml;rgern offen. Die Beziehung zum deutschen Provincial Advisory Team (PAT) sei eng und vertrauensvoll.</p>
<p><strong>Der neue Traditionserlass</strong></p>
<p>Die Kasernenumbenennung bekr&auml;ftigt zugleich die Kernbotschaft des gegen&uuml;ber 1982 aktualisierten und pr&auml;zisierten Traditionserlasses, dass die inzwischen 62-j&auml;hrige Geschichte der Bundeswehr selbst im Vordergrund ihrer Traditionsbildung und &ndash;pflege stehen soll: zur Orientierung im Rahmen des heutigen wertegebundenen Auftrages und zur St&auml;rkung von Identifikation und Zusammenhalt. Das Verh&auml;ltnis zur Wehrmacht wie zur NVA ist klar und eindeutig: Als zentrale Gewaltorgane zweier &ndash; sehr unterschiedlicher &ndash; Diktaturen sind diese Streitkr&auml;fte und ihre Verb&auml;nde ausdr&uuml;cklich nicht traditionsw&uuml;rdig, auch nicht einzelne ihrer Soldaten allein wegen besonderer milit&auml;risch-handwerklicher Leistungen. Einzelne Angeh&ouml;rige der Wehrmacht und NVA k&ouml;nnen aber bei vorbildlicher soldatisch-ethischer Haltung und nach Einzelfallpr&uuml;fung in das &bdquo;Traditionsgut&ldquo; der Bundeswehr aufgenommen werden. Auf einem anderen Blatt steht der Umgang mit Wehrmacht, NVA, fr&uuml;heren deutschen Streitkr&auml;ften (und ausl&auml;ndischen Streitkr&auml;ften und bewaffneten Kr&auml;ften) im historisch-politischen Unterricht und der milit&auml;rfachlichen Lehre und Ausbildung, wo es um Erinnerungswertes und Lehrreiches geht. Hierbei ist der jeweilige historische und politische Zusammenhang zu ber&uuml;cksichtigen. Ansonsten ist meines Erachtens die historische und fachliche Auseinandersetzung frei.</p>
<p>Der neue Erlass richtet sich an die F&uuml;hrungskr&auml;fte der verschiedenen Ebenen.</p>
<p>Im Beirat f&uuml;r Fragen der Inneren F&uuml;hrung wie auch beim Bundeswehrverband fand der Erlass starken Zuspruch. Besonderen Dank verdient deshalb Oberst i.G. Sven Lange als verantwortlicher Referatsleiter F&uuml;SK III 3.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Fokus bundeswehreigene Tradition</span></strong></p>
<p>Der Anspruch wird seit Jahren immer wieder beschworen, aber erstaunlich wenig in die Tat umgesetzt. Entscheidend ist jetzt die Umsetzung: vor allem auf der Ebene der Verb&auml;nde als Haupttr&auml;ger der Traditionsbildung und &ndash;pflege, als F&uuml;hrungsaufgabe, in historisch-politischem Unterricht, mit Regionalausstellungen, F&ouml;rderung von Verbands- und Einsatzgeschichten etc. Ohne ausreichend Zeit daf&uuml;r wird es mit der Umsetzung nichts werden.</p>
<p>Gespannt sein darf man auf die Ergebnisse der Bottom-up-Prozesse zur Traditionsbildung, wie sie in den letzten Monaten in den Verb&auml;nden, Teilstreitkr&auml;ften und Organisationsbereichen gelaufen sind. Ich pers&ouml;nlich bekam Einblick in den Prozess &bdquo;Tradition und Identifikation im Heer&ldquo;, wo ich bei mehreren Veranstaltungen (Dresden, Calw) als Externer referieren konnte.</p>
<p>Beim Podiumsgespr&auml;ch in der Hannoveraner Feierstunde thematisierte Klaus Naumann die vielen wegen der fortgesetzten Umstrukturierungen &bdquo;gebrochenen Verbandsgeschichten&ldquo; in der Bundeswehr. General Wieker bekr&auml;ftige die Feststellung: Wir seien in der Vergangenheit Gro&szlig;meister in Umbenennungen gewesen. Viele Traditionslinien in der Bundeswehr seien dadurch zerst&ouml;rt worden. Das sei eine F&uuml;hrungsfehlleistung gewesen.</p>
<p>Wo Individualisierung und die galoppierende Revolution der sozialen Kommunikation Fragmentierungen f&ouml;rdern und soziale Zusammenhalte schw&auml;chen, darf Traditionsbildung nicht ihrerseits soziales Auseinanderdriften und wuchernde Parallelwelten bef&ouml;rdern. Die Verb&auml;nde und Truppengattungen sind zentrale, d&uuml;rfen aber auf keinen Fall die einzigen Orte von Traditionsbildung sein. Gem&auml;&szlig; der Grunderfahrung &bdquo;Keiner schafft`s allein&ldquo; sollte Traditionsbildung auch weitere Zusammenhalte (in konzentrischen Kreisen) in den Blick nehmen, zuerst andere Akteure des vernetzten Ansatzes. Die Traditionsarmut etlicher anderer Akteure (angefangen bei der Polizei) wird das erschweren, aber nicht unm&ouml;glich machen. Die f&uuml;nf Tage des Peacekeepers seit 2013 zeigen das.</p>
<p>Bisher interessierte die Traditionspflege in der Bundeswehr in Medien und Politik fast nur, wenn was &bdquo;passiert&ldquo; war, wenn Verdacht auf verkl&auml;rende Kontinuit&auml;tspflege zur Wehrmacht bestand. Die Parlamentsarmee Bundeswehr und ihre Staatsb&uuml;rger in Uniform haben einen Anspruch darauf, dass ihre politischen Auftraggeber den Prozess der Traditionsbildung und Selbstvergewisserung in der Bundeswehr nicht nur reaktiv, sondern auch aktiv und konstruktiv begleiten.</p>
<p>F&uuml;r Vortr&auml;ge im Rahmen des Konsultationsprozesses &bdquo;Tradition und Identifikation im Heer&ldquo; habe ich vor dem Hintergrund meiner vielen Begegnungen mit Bundeswehr exemplarisch &bdquo;Anregungen zur bundeswehreigenen Traditionspflege aus politischer Sicht&ldquo; zusammengestellt und mit Geschichten und Bildern illustriert, &uuml;berwiegend in chronologischer Reihenfolge. Hierbei stehen wegen der Vortragsanl&auml;sse Beispiele aus den Eins&auml;tzen des Heeres im Mittelpunkt, kommen Beispiele aus Luftwaffe, Marine, Streitkr&auml;ftebasis, Sanit&auml;tswesen und Grundbetrieb zu kurz. (<em>Der Vortrag und die Dokumentation &bdquo;Beispielhaft im Einsatz &ndash; bis zum scharfen Ende. Begegnungen mit Bundeswehr in Einsatzgebieten (Auswahl): Bosnien, Kosovo, Afghanistan 1996, 2001/03/05/09, 2010/11/12/15&ldquo;ist erh&auml;ltlich &uuml;ber </em><a href="mailto:winfried@nachtwei.de">winfried@nachtwei.de</a> , <em>die Kurzfassung des Vortrags unter</em> <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1517">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1517</a> )</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Hier die Beispiele und Vorschl&auml;ge in Stichworten:</span></strong></p>
<p>(1) <strong>Aufbauphase</strong> Bundeswehr, Grunderfahrung Kameradschaft, Kriegsteilnehmer als Vorgesetzte, erste deutsche Wehrpflichtarmee in und f&uuml;r Rechtsstaat, Staatsb&uuml;rger in Uniform.</p>
<p>(2) Internationale Hilfseins&auml;tze ab Agadir, seit 1960 &uuml;ber 130</p>
<p>(3) Katastrophenhilfe Inland, Sturmflut 1962</p>
<p>(4) <strong>Kalter Krieg</strong>/Abschreckung: Paradigmenwechsel zum Auftrag + Wille zur Kriegsverh&uuml;tung, enorme Aufr&uuml;stung, Extremrisiko der &bdquo;atomaren Heimatverteidigung&ldquo; (teils vorbildhaft, teils erinnerungswert).</p>
<p>(5) <strong>Balkan</strong>, Luftbr&uuml;cke Sarajevo 7/1992-1/1996, mehrfach unter Beschuss</p>
<p>(6) Hang von Sarajevo 1996: jahrelange Verdr&auml;ngung, (zu) sp&auml;te Einsicht (Legitimation von Intervention zum Schutz vor Massengewalt)</p>
<p>(7) Begegnung verschiedener Welten: Gr&uuml;ne Spitzendelegation (Fischer, Trittin, M&uuml;ller) trifft Bw-IFOR-Offiziere unter General Riechmann, die &uuml;berzeugt f&uuml;r Kriegsverh&uuml;tung im UN-Auftrag wirken.</p>
<p>(8) Zugriffsoperationen gegen mutma&szlig;liche Kriegsverbrecher in Bosnien, Raum Foca 1998-2000 (KSK)</p>
<p>(9) Bilanz 17 Jahre Bw-Beteiligung an BOS-Einsatz: Auftrag Kriegsverh&uuml;tung voll (und gewaltarm) erf&uuml;llt &ndash; und weitgehend vergessen.</p>
<p>(10) KFOR-Einmarsch Sommer 1999: jubelnde Bev&ouml;lkerung, Entschlossenheit von BG Harff, Totalvertreibung der KOS-Albaner verhindert, der KOS nur zum Teil.</p>
<p>(11) KFOR-HQ mit GLt Klaus Reinhardt: erster dt. Force Commander einer NATO-Truppe, steile Lernkurve der Bw; vorbildhaft bez. F&uuml;hren durch Auftrag, F&uuml;hren von vorn.</p>
<p>(12) Ruine des Erzengelkloster bei Prizren: Von HFw gef&uuml;hrte 19 dt. KFOR-Soldaten evakuierten im M&auml;rz 2004 rechtzeitig sechs serbische M&ouml;nche vor marodierender Menge &ndash; beispielhafte Einzeltat. Gesamtverhalten von KFOR bei M&auml;rzunruhen sehr umstritten.</p>
<p>(13) Multinationale Vertrauensbildung im Rahmen von Open Skies, ZVBw in Geilenkirchen als internationales Kompetenzzentrum</p>
<p>(14) Gedenkstein in Sukhumi/Abchasien (Georgien) f&uuml;r die am 8.10.2001 mit ihrem Hubschrauber abgeschossenen neun UNOMIG-Soldaten aus sieben L&auml;ndern, darunter OStArzt Dieter Eissing, erster durch feindliche Einwirkung get&ouml;teter Bundeswehrsoldat.</p>
<p>(15) Transall und CH-53, die existentiell notwendigen Lastentr&auml;ger und ihre &auml;u&szlig;erst verl&auml;sslichen Besatzungen</p>
<p>(16) <strong>Afghanistan</strong>, PRT Kunduz: Konsens, dass keiner es alleine schafft (keine nur milit&auml;rische, nur diplomatische oder nur entwicklungspolitische L&ouml;sung), Notwendigkeit des ressort&uuml;bergreifend-vernetzten Ansatzes; Kommandeure kritisieren immer wieder zu Recht die quantitative Schw&auml;che der zivilen Komponenten.</p>
<p>(17) DEU ISAF Einsatzkontingent Ehrenkodex: &bdquo;<em>Wir respektieren das afghanische Volk, seine Kultur und Religion. Afghanistan verdient die Perspektive einer friedlichen und sozialen Zukunft. (&hellip;)</em>&ldquo;</p>
<p>(18) Besuch in Kunduz Anfang Mai 2007, Koranschule: Talibs &uuml;ber Bundeswehrsoldaten &bdquo;die verhalten sich anst&auml;ndig!&ldquo; Hoffnungsprovinz!? Selbstmordanschlag auf dem Markt von Kunduz (drei Bw-Soldaten und sieben afg. Zivilisten get&ouml;tet), Wendepunkt.</p>
<p>(19) Protest- und Solidarit&auml;tsresolution der Rechtsgelehrten, &Auml;ltestenvertreter, Lehrer- und Sch&uuml;lerschaft, Handwerksgenossenschaft der Provinz Kunduz nach dem Anschlag: &bdquo;<em>Die Anwesenheit des dt. PRT in der Provinz Kunduz ist so notwendig wie das Wasser zum Leben</em>.&ldquo;</p>
<p>(20) Erinnerungstafel an der Ali Chapan High School in Mazar-e Sharif, Hilfsprojekt von &bdquo;Lachen Helfen e.V.&ldquo;, der Hilfsinitiative von Soldaten (ab 1996) und Polizisten (ab 2009) f&uuml;r Kinder in Krisen- und Kriegsgebieten: Engagement &uuml;ber den dienstlichen Auftrag hinaus</p>
<p>(21) Kunduz Platte Okt. 2008, PRT-Kommandeur: &bdquo;Wir haben die Initiative verloren&ldquo;; in Berlin Realit&auml;tsverweigerung (schlechte Tradition).</p>
<p>(22) BILD-online 30.01.2009: &bdquo;T&ouml;tung von Drogenh&auml;ndlern in Afghanistan - Deutscher verweigert Killer-Befehl&ldquo;; General Ramms, Oberbefehlshaber Allied Joint Force Command Brunssum widerspricht NATO-OB General Craddock.</p>
<p>(23) Patrouille Chahar Darreh., LOC Banana, 29.04.2009, komplexer Hinterhalt, Sergej Motz erster im Kampf gefallener Bw-Soldat.</p>
<p>(24) Gespr&auml;ch mit Soldaten der QRF 3 nach Gefecht bei Basoz/Chahar Darreh am 04. Juni 2009.</p>
<p>(25) Zugf&uuml;hrer HFw Jan Hecht (QRF 3) und Unterf&uuml;hrer-Kameraden &uuml;ber ihre Gefechtserfahrungen und die Bew&auml;hrung der Mannschaftsdienstgrade.</p>
<p>(26) Zeitzeugengespr&auml;ch bei der Internationalen Tagung Milit&auml;rgeschichte 2017 in Potsdam mit gefechtserfahrenen Soldaten und F&uuml;hrern der QRF 5 (Highway Triangel/Baghlan 2010)</p>
<p>(27) Operation Halmazag Ende 2010</p>
<p>(28) Sanit&auml;tsdienst im Einsatz: qualitativ h&ouml;chstwertig, funktionierende Rettungskette; das hat viele Leben gerettet und viele Heilungen erm&ouml;glicht. Ihre Verl&auml;sslichkeit ist elementar f&uuml;r die Einsatzmotivation.</p>
<p>(29) Soraya Alekozei, deutsch-afghanische Dolmetscherin von RC Generalmajor Kneip, am 28. Mai 2011 lebensgef&auml;hrlich verwundet, verdankt ihr &Uuml;berleben ihren &Auml;rzten im Bw-Krankenhaus Koblenz. Sie steht zugleich f&uuml;r die unverzichtbare Br&uuml;ckenarbeit der Sprachmittler insgesamt.</p>
<p>(30) Erfolgreiche Zugriffsoperationen des KSK 2009/2010/2012</p>
<p>(31) Gefechtsbild von Stuart Brown &uuml;ber eine reale Gefechtssituation des KSK in Baghlan</p>
<p>(32) Kernaussagen des Berichts der vom Autor geleiteten Unabh&auml;ngigen G36-Kommission zu Schusswaffengebrauch und Gefechtsverhalten in allen Eins&auml;tzen bis 2014. Bei der Befragung von &uuml;ber 150 gefechtserfahrenen Soldaten begegneten uns M&auml;nner &bdquo;<em>von hoher Professionalit&auml;t und Ernsthaftigkeit. Die traten ausgesprochen verantwortungsbewusst und besonnen auf. Dass zur Erf&uuml;llung des milit&auml;rischen Auftrages immer auch die besondere R&uuml;cksichtnahme auf die Zivilbev&ouml;lkerung geh&ouml;rt, ist f&uuml;r unsere Soldaten offenkundig eine Selbstverst&auml;ndlichkeit</em>.&ldquo; Die Angeh&ouml;rigen der Kampftruppe zeigten sich viel mehr als Staatsb&uuml;rger in Uniform, als es von au&szlig;en oft vermutet wird.</p>
<p>(33) Motivation von Einsatzsoldaten, wieder in Einsatz zu gehen: gute Kameradschaft 95%, sinnvoller Auftrag 82% (Befragung des 22. ISAF-Kontingents 2010, SOWI/ZMSBw)</p>
<p>(34) Trauerfeiern f&uuml;r Gefallene, Wald der Erinnerung beim Einsatzf&uuml;hrungskommando bei Potsdam: Gefallene in bleibender Erinnerung</p>
<p>(35) Talibanbesetzung von Kunduz im Okt. 2015 nach dem ISAF-Abzug: Schock, &bdquo;alles umsonst?&ldquo;</p>
<p>(36) &bdquo;<em>Aus 15 Jahren Afghanistan gelernt? Die bitteren Lektionen</em>&ldquo;, Titel des DBwV-Mitgliedermagazin Februar 2017.</p>
<p>(37) Paul-L&ouml;be-Haus des Bundestages, Sitzungssaal des Verteidigungsausschusses mit Wehrbeauftragtem: die wichtige Errungenschaft der Parlamentsbeteiligung bei Auslandseins&auml;tzen; der nirgendwo angezweifelte Primat der Politik, der in der Praxis aber oft unzureichend ausgef&uuml;llt wurde (Strategieschw&auml;che und Vorrang der Mikrokontrolle, lange mangelnder Realismus, Sch&ouml;nrednerei + nie durchgesetzte Bilanzierungen)</p>
<p>(38) Innere F&uuml;hrung, Staatsb&uuml;rger in Uniform und freie Debatte: Anspruch und Wirklichkeit. Zentrales Forum des freien und kritischen Wortes z.B. der Bundeswehrverband. Ansonsten ist das freie und kritische &ouml;ffentliche Wort von Offizieren ziemlich risikobehaftet; das Fehlen der Generale im &ouml;ffentlichen Diskurs.</p>
<p>(39) &bdquo;Armee im Aufbruch&ldquo; (2014): Debattenanst&ouml;&szlig;e junger Offiziere aus der Kampftruppen, die teilweise Ansto&szlig; erregt hatten.</p>
<p>(40) Positiver politischer Traditionsbruch: Erstmalig ein Wei&szlig;buch nach einem fach&ouml;ffentlichen Konsultationsprozess (&auml;hnlich bei den nach folgenden Leitlinien &bdquo;Krisen verhindern, Frieden f&ouml;rdern&ldquo; der Bundesregierung</p>
<p>(41) In besonderer Erinnerung: Peter Struck. Verteidigungsminister 2001-2005, beispielhafte F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeit</p>
<p>(42) Neuere Eins&auml;tze: Integrierte UN-Friedensmissionen: z.B. die f&uuml;r deutsche &Ouml;ffentlichkeit praktisch &bdquo;unsichtbaren&ldquo; Milit&auml;rbeobachter und Military Experts on Mission in Darfur, S&uuml;dsudan, Westsahara (Anforderungsprofil)</p>
<p>(43) Bisher h&ouml;chste deutsche Dienstgrade bei einer UN-Mission: Brigadegeneral Kay Brinkmann und Oberstleutnant Karl Tillmann bei UNAMA/Afghanistan.</p>
<p>(44) Erste deutsche Kontingentbeteiligung bei einer UN-Mission: MINUSMA in Mali.</p>
<p>(45) Einsatzr&uuml;ckkehrer: Aufmerksamkeit, Unterst&uuml;tzung, F&uuml;rsorge &ndash; nach der Ignoranz der ersten Jahre heute breites Engagement durch Dienstherrn und freiwillig; Gro&szlig;pr&auml;sentation des Netzwerks der Hilfe mit 30 verschiedenen Initiativen und Organisationen, z.B. Oberst-Sch&ouml;ttler-Versehrtenstiftung.</p>
<p><strong>Vor der Bundeswehr: Vorbildhaftes bzw. Erinnerungswertes </strong>(kurz)</p>
<p>(46) Gute Tradition Kriegsgr&auml;berpflege in Unterst&uuml;tzung des Volksbundes Deutsche Kriegsgr&auml;berf&uuml;rsorge und seiner Jugendarbeit</p>
<p>(47) Stabsgeb&auml;ude DE-NL Corps in M&uuml;nster, fr&uuml;her Sitz Befehlshaber im Wehrkreis VI: Aufstellung von 14 Divisionen gegen die europ&auml;ischen Nachbarn (und 16 Reserve-Polizeibataillone); vor 30 Jahren erstellte der Autor vor einer Reise nach Belarus eine Dokumentation &uuml;ber Spuren des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion im M&uuml;nsterland: enorme milit&auml;rische &bdquo;Leistung&ldquo; im Dienste eines gigantischen Staatsverbrechens.</p>
<p>(48) Weniger bekannt: Karte der Einsatzgruppen von Sicherheitspolizei und SD (A bis D) im Krieg gegen die Sowjetunion: mobile Massenvernichtung direkt hinter den Fronttruppen.</p>
<p>(49) Vormarschstrecke der 16. Panzerdivision aus M&uuml;nster (&bdquo;Speerspitze der 6. Armee&ldquo;): Ukraine, Stalingrad, 128 kamen nach der Gefangenschaft zur&uuml;ck. (Mit dem Abtreten der Kriegsgeneration zunehmend vergessen. F&uuml;r die wichtige Erinnerung an die Geschichte solcher regionaler Wehrmachtsverb&auml;nde k&ouml;nnten historisch-kritische Untersuchungen hilfreich sein. Die gibt es aber bisher nirgendwo!)</p>
<p>(50) Erinnerung an Generalmajor Henning von Tesckow, Kopf und Herz des milit&auml;rische Widerstandes, im Einsatzf&uuml;hrungskommando</p>
<p>(51) Rettungswiderstand, z.B. Major Karl Plagge, Feldwebel Anton Schmid</p>
<p>(52) Politischer Widerstand von unten: die Sanit&auml;tsfeldwebel und Medizinstudenten der &bdquo;Wei&szlig;en Rose&ldquo;/Geschwister Scholl, 1943 hingerichtet (das Auditorium der Sanit&auml;tsakademie der Bw wurde 2012 nach Hans Scholl benannt)</p>
<p>(53) Jagdflieger Franz Stigler schoss am 20.12.1943 &uuml;ber Jever einen stark besch&auml;digten und&nbsp; wehrlosen US-Bomber B17 nicht ab, sondern geleitete ihn au&szlig;erhalb der Reichweite der deutschen Flak: Ritterliches Verhalten, in USA sehr bekannt, in Deutschland ast gar nicht.</p>
<p><strong>&Uuml;ber den Tellerrand: Vorbildhaftes bei anderen</strong></p>
<p>(54) 20 Jahre DE-NL Corps: Ehemalige Kriegsgegner nirgendwo so dicht zusammen und integriert</p>
<p>(55) Bew&auml;hrung der niederl&auml;ndischen Streitkr&auml;fte in der s&uuml;dafghanischen Provinz Uruzgan (Schlacht im Chora-Tal Juni 2007, dabei ein Kompaniechef mit Srbrenica-Erfahrung)</p>
<p>(56) Vorbildliche Multinationalit&auml;t im Einsatz: US-Hubschraubersatzungen retten 2010 trotz heftigem Beschuss deutsche Verwundete beim Karfreitagsgefecht bei Kunduz.</p>
<p><strong>Traditionen im Werden</strong></p>
<p>(57) Regionalausstellung der Gebirgsj&auml;gerbrigade 23 in Bad Reichenhall: hervorragend.</p>
<p>(58) Milit&auml;rgeschichtliche Sammlung der DSK, fr&uuml;her PzBrigade 14 in Stadtallendorf.</p>
<p>(59) Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne in Hannover: am 28. Mai 2011 in Taloqan gefallener Feldj&auml;ger (der 23. dt. Gefallene durch Sprengfallen in Afghanistan).</p>
<p>(60) Ressort&uuml;bergreifende Zusammenarbeit: Feldj&auml;ger unterst&uuml;tzen Polizeiausbildung 2012 in Nord-AFG (Focused District Development).</p>
<p>(61) Keiner schafft`s allein: Vernetzter Ansatz pragmatisch vor Ort, bei Common Effort &Uuml;bungen seit 2011:Tradition im Werden.</p>
<p>(62) 5. Tag des Peacekeepers 2017: neue Tradition mit Hoffnungspotenzial</p>
<p>(63) Pr&auml;ambel der UN-Charta: Die Grundregeln f&uuml;r internationale kollektive Sicherheit und Weltfrieden, laut Grundgesetz auch g&uuml;ltig f&uuml;r deutsche Politik.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">ANHANG</span></p>
<p><strong>Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 13/61 vom 12.10.1995, Tagesordnungspunkt 13:</strong></p>
<p>Antrag der Abgeordneten Hans B&uuml;ttner (Ingolstadt), Gerd Andres und</p>
<p>weiterer Abgeordneter der Fraktion der SPD: <strong>Umbenennung der Generaloberst-Dietl-Kaserne in F&uuml;ssen und der General-K&uuml;bler-Kaserne</strong> in Mittenwald, Drucksache 13/1628 ( <a href="http://dipbt.bundestag.de/doc/btp/13/13061.asc">http://dipbt.bundestag.de/doc/btp/13/13061.asc</a> )</p>
<p>Redner:</p>
<p>Hans B&uuml;ttner (Ingolstadt) SPD 5248 B, 5259 A</p>
<p>Benno Zierer CDU/CSU 5250 A</p>
<p>Winfried Nachtwei B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN 5251 B</p>
<p>&nbsp;Dr. Gregor Gysi PDS 5251 D</p>
<p>Hildebrecht Braun (Augsburg) F.D.P. 5252 B</p>
<p>Gerhard Zwerenz PDS 5253 C</p>
<p>Volker R&uuml;he, Bundesminister BMVg 5254 C</p>
<p>&nbsp;Gerald H&auml;fner B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN 5256 A</p>
<p>Walter Kolbow SPD 5256 B</p>
<p>Kurt J. Rossmanith CDU/CSU 5256 D</p>
<p>&nbsp;Walter Kolbow SPD 5257 B</p>
<p>S. 05251</p>
<p><em>(&hellip;) Ich darf abschlie&szlig;end sagen: Die CDU/CSU-Fraktion legt keinen gesteigerten Wert darauf, die bestehende Benennung zu &auml;ndern. Zwingender Anla&szlig; besteht nicht. Vielen Dank.</em></p>
<p><em>(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU -- Zuruf von der SPD: Unversch&auml;mtheit, so eine Rede hier zu halten!)</em></p>
<p><em>Pr&auml;sidentin Dr. Rita S&uuml;ssmuth: Als n&auml;chster spricht der Kollege Winfried Nachtwei.</em></p>
<p><em>Winfried Nachtwei (B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN): Frau Pr&auml;sidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Guten Morgen! </em></p>
<p><em>Herr Kollege Zierer, Sie fragen, ob es kein wichtigeres Thema gibt. Nat&uuml;rlich gibt es viele wichtige</em></p>
<p><em>Themen. Allerdings ist Traditionspflege f&uuml;r die Bundeswehr insofern enorm wichtig, weil es da um eigenes Selbstverst&auml;ndnis und eigene Identit&auml;t geht. Das hat nat&uuml;rlich ganz stark mit der eigenen</em></p>
<p><em>Vergangenheit zu tun. Zweitens geht es hier, glaube ich, den meisten im Saale nicht darum, die Traditionspflege bei der Bundeswehr pauschal zu diffamieren. Da m&uuml;ssen wir genau hinschauen. Das werde auch ich versuchen.</em></p>
<p><em>(Kurt J. Rossmanith [CDU/CSU]: Ihnen geht es um etwas ganz anderes, um die Presseerkl&auml;rung von dem B&uuml;ttner!)</em></p>
<p><em>Vor wenigen Wochen erlebte ich in meiner Heimatstadt M&uuml;nster, dass ein General pensioniert wurde,</em></p>
<p><em>der auf fast 40 Dienstjahre ohne Krieg stolz war. Das ist angesichts der langen deutschen Milit&auml;rgeschichte, denke ich, ein sehr erfreuliches Novum. In den Traditionsrichtlinien der Bundeswehr von 1982 hei&szlig;t es: In den Nationalsozialismus waren Streitkr&auml;fte teils schuldhaft verstrickt, teils wurden sie schuldlos missbraucht. Ein Unrechtsregime, wie das Dritte Reich, kann Tradition nicht begr&uuml;nden.</em></p>
<p><em>Am 5. Januar dieses Jahres gab Minister R&uuml;he der gr&ouml;&szlig;ten Kaserne in Berlin den Namen von Julius Leber. Diese begr&uuml;&szlig;enswerten Bem&uuml;hungen um demokratisches Selbstverst&auml;ndnis und demokratische Traditionspflege in der Bundeswehr werden allerdings z. B. durch solche Namen konterkariert.</em></p>
<p><em>(Beifall beim B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN, bei der SPD und der PDS)</em></p>
<p><em>Die Belege daf&uuml;r, dass die Namen gerade von General Dietl und K&uuml;bler im Rahmen einer solchen Traditionspflege v&ouml;llig ungeeignet sind, sind gerade vom Kollegen B&uuml;ttner genannt worden, auch nach den letzten Studien des Milit&auml;rgeschichtlichen Forschungsamtes. Ich brauche sie nicht zu wiederholen. General Winfried Wolf hat als Kenner &auml;hnliche Ausf&uuml;hrungen dazu gemacht.</em></p>
<p><em>Wir m&uuml;ssen allerdings feststellen: Das Ministerium pr&uuml;ft inzwischen sieben Jahre diesen ganzen Komplex. Ich habe den Eindruck, man versteckt sich im Grunde hinter dem, was lokal an unzweifelhafter Zustimmung zu diesen Namen vorhanden ist.</em></p>
<p><em>Pr&auml;sidentin Dr. Rita S&uuml;ssmuth: Herr Nachtwei, gestatten Sie eine Zwischenfrage von Herrn Gysi?</em></p>
<p><em>Winfried Nachtwei (B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN): Ja, bitte sch&ouml;n.</em></p>
<p><em>Dr. Gregor Gysi (PDS): Zu den beiden Namen haben Sie ausreichend Stellung genommen. Aber Ihr Vorredner hat darauf hingewiesen, dass man die Wehrmacht sehr differenziert beurteilen m&uuml;sse und dass viele dachten, dass sie sozusagen die Heimat verteidigen, obwohl sie in Wirklichkeit missbraucht wurden, um einem System zu dienen. Er hat dabei insbesondere Herrn Rommel hervorgehoben.</em></p>
<p><em>&nbsp;W&uuml;rden Sie mir in der Annahme folgen, dass, wenn man in Afrika k&auml;mpft, man ahnt, dass man nicht seine Heimat verteidigt, weil man das eigentlich nur in der Heimat kann? Wenn man nach Polen, in die Sowjetunion und in viele andere L&auml;nder marschiert, mu&szlig; man zumindest davon ausgehen, dass</em></p>
<p><em>man einen Eroberungskrieg f&uuml;hrt.</em></p>
<p><em>(Beifall bei der PDS -- Widerspruch bei der CDU/CSU)</em></p>
<p><em>Winfried Nachtwei (B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN): Eine kurze Antwort darauf: Grunds&auml;tzlich ja. Ich will jetzt aber nichts zur Wehrmacht sagen. Es geht hier um konkrete Namen. Ich glaube, da kommt man weiter.</em></p>
<p><em>(Beifall bei der SPD -- Dr. Erich Riedl [M&uuml;nchen] [CDU/CSU]: So eine Scheinheiligkeit! Sie waren in Kuba, in Angola, in Mosambik!)</em></p>
<p><em>-- Herr Riedl, darf ich um Ruhe bitten? -- Danke sch&ouml;n.</em></p>
<p><em>Allerdings muss ich feststellen, dass diese beiden Kasernennamen nicht einfach nur als Fall von vielleicht militaristischer Folklore abgetan werden k&ouml;nnen, sondern da&szlig; sie auch etwas wie die Spitze eines Eisberges sind. Wenn wir uns Kasernennamen insgesamt ansehen, m&uuml;ssen wir feststellen, dass ein gro&szlig;er Teil dieser Kasernen nach sogenannten Helden des Ersten Weltkrieges, von Kolonialkriegen und anderen sogenannten Helden des Zweiten Weltkrieges benannt ist. Sehr viele Namen wurden aus der hitlerschen Traditionsoffensive von 1936/1937 &uuml;bernommen und dann</em></p>
<p><em>beibehalten.</em></p>
<p><em>Wenn solche Namen als Kasernennamen gew&auml;hlt werden, hat das Symbolkraft; denn die Bezeichnung von Kasernen nach bestimmten Personen soll schlichtweg Vorbilder markieren. Wenn man solche Art von Kriegshelden in Mengen als Vorbilder darstellt, soll man sich allerdings nicht wundern, dass sich an der Basis in einzelnen Einheiten Beunruhigendes tut. Das wurde im letzten Bericht des Wehrbeauftragten dargestellt, und zwar in dem Kapitel ,,Traditionspflege&quot;.</em></p>
<p><em>Herr Minister R&uuml;he, meiner Meinung nach ist es an der Zeit, dass Sie in Sachen Kasernennamen endlich F&uuml;hrungsst&auml;rke beweisen. Daf&uuml;r w&auml;re die Umbenennung dieser beiden Kasernen ein sehr wichtiger erster Schritt.</em></p>
<p><em>Ansonsten muss sich der Eindruck aufdr&auml;ngen, dass Ihr Eintreten f&uuml;r eine demokratische Traditionspflege in der Bundeswehr nicht ganz ernst gemeint ist.</em></p>
<p><em>&nbsp;Danke sch&ouml;n.</em></p>
<p><em>(Beifall beim B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN, bei der SPD und der PDS)</em></p>
<p><em>Pr&auml;sidentin Dr. Rita S&uuml;ssmuth: Das Wort hat jetzt der Kollege Hildebrecht Braun.</em></p>
<p><em>Hildebrecht Braun (Augsburg) (F.D.P.): Wertes Pr&auml;sidium! </em></p>
<p><em>Die Deutschen sind schon ein undankbares Volk. Da k&auml;mpfen die Gener&auml;le K&uuml;bler und Dietl jahrelang mit gro&szlig;em Erfolg. Sie besiegen den b&ouml;sen Feind reihenweise, der einfach nicht verstehen will, dass es der g&ouml;ttlichen Vorsehung entsprechen soll, wenn deutsche Soldaten sein Land besetzen.</em></p>
<p><em>Sie sorgen f&uuml;r einen Ruf der neugebildeten 1. Gebirgsdivision wie Donnerhall. Sie stellen den Primat der Politik nicht in Frage, sondern lesen dem F&uuml;hrer die W&uuml;nsche von den Lippen ab -- und das auch noch mit gl&uuml;hendem Herzen. -- Und dann das! Da kommen 50 Jahre sp&auml;ter Politiker und w&uuml;nschen, dass Kasernen, die man in den 60er Jahren nach den fr&uuml;heren Helden der Truppe benannt hat, umbenannt werden.</em></p>
<p><em>&nbsp;Von 443 deutschen Kasernen tragen nur 40 die Namen von Soldaten der ehemaligen Wehrmacht. Von diesen Soldaten waren 13 allerdings Angeh&ouml;rige des milit&auml;rischen Widerstands. Die anderen 27 Namen schaffen uns mehr Probleme als die Namen der verbleibenden 416 Kasernen zusammen.</em></p>
<p><em>(Beifall bei Abgeordneten der F.D.P., Der SPD, des B&Uuml;NDNISSES 90/DIE GR&Uuml;NEN und der PDS)</em></p>
<p><em>(&hellip;)</em></p></div>


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