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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: 6 Wochen Kosovokrieg, erste 12 Wochen KFOR-Einsatz: PersÃ¶nliche Aufzeichnungen aus Bundestag, Fraktion + politischem Streit (Kosovo-RÃ¼ckblende VI, Mai - September 1999</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

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        <h1>
            6 Wochen Kosovokrieg, erste 12 Wochen KFOR-Einsatz: PersÃ¶nliche Aufzeichnungen aus Bundestag, Fraktion + politischem Streit (Kosovo-RÃ¼ckblende VI, Mai - September 1999         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 25. April 2019 21:27:36 +02:00 (47306 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>6. Folge meiner R&uuml;ckblenden zu Kosovo-Konflikt/-Krieg und -Einsatz vor 20 Jahren, jetzt zur zweiten H&auml;lfte des NATO-Luftkrieges, zum serbischen Vertreibungskrieg und zum Start von KFOR - mit UN-Mandat und sogar einem russischen Kontingent. Und parallel die politischen Bodenk&auml;mpfe &quot;zu Hause&quot;.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Sechs Wochen Kosovo-Krieg, erste zw&ouml;lf Wochen KFOR-Einsatz:</strong></p>
<p align="center"><strong>Pers&ouml;nl. Aufzeichnungen aus Bundestag, Fraktion + polit. Streit</strong></p>
<p align="center">R&uuml;ckblende Kosovo vor 20 Jahren (VI)</p>
<p align="center">&nbsp;(Mai &ndash; September1999)</p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB 1994-2009 (27.04.2019)<strong><em><span style="text-decoration: underline;">Vorbemerkungen</span></em></strong><em>:</em></p>
<p><em>(1) Der Kosovo-Krieg 1999 war eine mehrfache Z&auml;sur: f&uuml;r die Kriegs- und Friedensentwicklung in Europa, f&uuml;r die NATO, f&uuml;r die deutsche Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik und ihre damaligen Koalitionsparteien SPD und Gr&uuml;ne. Erstmalig beteiligte sich ein demokratisches Deutschland mit parlamentarischer Billigung an einem Kriegseinsatz.</em></p>
<p><em>Zum Kosovo-Krieg gibt es bis heute unter den &Auml;lteren noch einiges an verh&auml;rteten Fronten, auch an Legenden. Verdr&auml;ngung herrscht vor. J&uuml;ngere wissen kaum vom Kosovo-Krieg. Der UN-mandatierte KFOR-Einsatz ab Juni 1999 gilt trotz der Beteiligung von &uuml;ber 100.000 Bundeswehrsoldaten als regelrecht &bdquo;vergessener Einsatz&ldquo;.</em></p>
<p><em>Wichtige Stationen des Kosovokrieges und &ndash;einsatzes j&auml;hren sich in diesen Monaten zum 20. Mal. Durch Ver&ouml;ffentlichung meiner pers&ouml;nlicher Aufzeichnungen und zentraler damaliger Stellungnahmen m&ouml;chte ich zu genauerer (Wieder)Erinnerung und selbstkritischer Aufarbeitung, zu Erfahrungslernen beitragen. Seit 1999 beobachte ich in der deutschen Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik auf dem Feld der Kriseneins&auml;tze eine l&uuml;ckenhafte Lernbereitschaft (insbesondere im Hinblick auf systematische Wirkungsanalysen).</em></p>
<p><em>(2) Wie Deutschland in den Kosovokrieg geriet, erlebte ich als Abgeordneter der Bundestagsfraktion von B&uuml;ndnis 90/Die Gr&uuml;nen, als Mitglied des Verteidigungsausschusses und Aktivist der Friedensbewegung seit 1980 ziemlich hautnah mit. (Noch dichter dran waren die Obleute des Ausschusses &ndash; bei uns Angelika Beer &ndash; und teilweise die Fraktionsvorsitzenden.) Um im politischen Tagesgew&uuml;hle nicht die &Uuml;bersicht zu verlieren und die vielen F&auml;den zu halten, notierte ich von Anfang an viel mit, haupts&auml;chlich in DIN-A-4-Kladden (damals Nr. IX, heute Nr. 45)</em></p>
<p><em>Bei besonders wichtigen Passagen kamen die Aufzeichungen aus dem Ausschuss, der Fraktion und dem Arbeitskreis IV der Fraktion nahe an eine paraphrasierende Mitschrift, waren ansonsten aber keineswegs vollst&auml;ndig. Sie sind eine schriftliche Quelle, dabei unvermeidbar selektiv und subjektiv. Der besseren Lesbarkeit wegen habe ich bei den oft stichpunktartigen Aufzeichnungen den Satzbau vervollst&auml;ndigt. Erl&auml;uterungen erfolgen kursiv in Klammer.</em></p>
<p><strong><em>(3) Pers&ouml;nliche Aufzeichnungen, R&uuml;ckblenden I-VI:</em></strong></p>
<p><em>- I: Mai bis 16. Okt. 1998, Bundestagsbeschluss zu &ldquo;Luftoperationen&rdquo;, </em><a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1553"><em>www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1553</em></a><em> ;</em></p>
<p><em>- </em><em>III Nov. 1998 bis Feb. 1999, Als noch Hoffnung auf eine friedliche L&ouml;sung bestand, &rdquo;Rambouillet-Truppe&rdquo;, </em><a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1579"><em>www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1579</em></a></p>
<p><em>- IV Die drei Wochen vor Kriegsbeginn,Stellungnahme zu den NATO-Luftangriffen vom 26. M&auml;rz 1999</em><em>, </em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1581"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1581</em></a></p>
<p><em>- V Die ersten Kriegswochen; &ldquo;Aus richtigen Gr&uuml;nen das Falsche getan?&rdquo; Der Bruch des 1. Mai, </em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1583"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1583</em></a></p>
<p><em>- II: Bericht vom ersten Kosovo-/KFOR-Besuch Okt. 1999, &Uuml;bergabe Camp Prizren Okt. -2018, </em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1551"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1551</em></a></p>
<p>PERS&Ouml;NLICHE AUFZEICHNUNGEN (aus Kladde IX, Januar &ndash; Juni 1999):</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">02.05.1999 Anh&ouml;rung der Bundestagsfraktion zu Kosovo</span> mit Christine von Kohl/ d&auml;nische Journalistin, Menschenrechtlerin und Balkan-Expertin, Matthias Karadi/IFSH, Winrich K&uuml;hne/SWP, Bernd Borchardt/Ex-KVM (<em>Kosovo Verification Mission der OSZE</em>), Marie-Janine Calic/Balkan-Expertin SWP. (&hellip;)</p>
<p>- B. Borchardt (seit 15.11. bei KVM, stv. Missionsleiter, Menschenrechtsabteilung, diese zuletzt mit 70 MitarbeiterInnen): KVM wurde schnell zu einer Art internationaler Ombudsmann.</p>
<p>In den letzten drei Monaten vor Abzug deutliche Eskalation der Menschenrechtsverletzungen. Im November 1998 gab es infolge der Auseinandersetzungen im Sommer 160.000 Vertriebene (IDP`s), bei Abzug 240.000, massiver Anstieg in den letzten 2-3 Wochen vor Abzug. Panzer mit Pl&uuml;ndergut fuhren an den Beobachtern vorbei. BBC brachte Bilder von Pl&uuml;nderungen. Bei Abzug bekam man das Eintreffen der &bdquo;Arkan Tiger&ldquo; im Ostkosovo mit. Inzwischen gebe es &uuml;ber 600 detaillierte Zeugenaussagen, in der Masse hochgradig glaubw&uuml;rdig, zum Teil mit Belegen (auch Folterspuren). Extreme Brutalit&auml;t und Gewaltt&auml;tigkeit: &Uuml;bergriffe gegen KVM-Mitarbeiter; ein Mob aus Milit&auml;r, Polizei und Paramilit&auml;rs; ab Ende M&auml;rz organisierte und systematische Vertreibung nach klarer Methode &hellip; mit Androhung oder direkter Gewalt; Abbrennen von Stadtviertel.</p>
<p>Bisher habe es keine Aussage gegeben, dass jemand vor NATO-Bomben geflohen sei. Einzelne Berichte gebe es &uuml;ber serbische Nachbarschaftshilfe. Vertriebene seien Freiwild, w&uuml;rden beraubt, zusammengeschlagen; t&auml;glich Berichte von Morden. Junge M&auml;nner w&uuml;rden von ihren Familien getrennt und erschossen. Benzin werde in Keller gesch&uuml;ttet und angez&uuml;ndet, in denen sich Fl&uuml;chtlinge versteckt hatten. Das Abknallen einzelner. Die im Zug er Vertriebenen nicht mithalten k&ouml;nnen. Einmal seien alte M&auml;nner erschossen worden. Summarische Erschie&szlig;ungen habe es anfangs im Nordwesten, jetzt mehr im S&uuml;dwesten gegeben, auch systematische &bdquo;S&auml;uberung&ldquo; der D&ouml;rfer.</p>
<p>Einige Berichte gebe es von Einzel- und Gruppenvergewaltigungen. Hier bestehe aber eine gro&szlig;e Scheu zu berichten. In nicht wenigen F&auml;llen seien Verantwortliche bekannt.</p>
<p><em>(Dokumentation der Anh&ouml;rung, Ursachen und Folgendes Kosovo-Krieges, Gr&uuml;ne Bundestagsfraktion, Oktober 1999)</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">03.05. Gr&uuml;ne Regionalkonferenz</span> zu Kosovo in Essen mit Kollegin Annelie Buntenbach: Viel massive Gegnerschaft (<em>gegen den Kurs der Bundesregierung</em>, &hellip;), aber auch Pro-Redner.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">04.05. a.o. Fraktionssitzung zum Antrag der Bundesregierung zu AFOR (Albanian Force):</span></p>
<p>- Marieluise B. berichtet von einem Fl&uuml;chtlingslager in Mazedonien, wo sich 40.000 Vertriebene auf ungef&auml;hr zwei Fu&szlig;ballfeldern hinter Drahtzaun bef&auml;nden, bewacht von mazedonischem Milit&auml;r.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">04.05. KV Oberhausen</span> zu Kosovo: kontroverse Debatte, gute Atmosph&auml;re.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">5.05. Verteidigungsausschuss nur zu Kosovo:</span></p>
<p>- Minister Scharping: Die NATO habe in den letzten Wochen verst&auml;rkt Ziele im Kosovo , v.a. den Treibstoffnachschub, angegriffen; die Luftabwehr sei deutlich geschw&auml;cht, aber noch existent. Im Kosovo seien ca. 300 Panzer, Artilleriestellungen, Sch&uuml;tzenpanzer zerst&ouml;rt, die Bewegungsfreiheit deutlich eingeschr&auml;nkt.</p>
<p>670.000 Fl&uuml;chtlinge seien es in den Anrainerstaaten (ALB 400.000, MAZ 200.000, MONT 70.000), 650.-8000.000 im Kosovo. Die Vertreibungen seien wieder intensiver.</p>
<p>Ein von der Bundeswehr aufgebautes Lager war zun&auml;chst f&uuml;r 5.000 Menschen geplant, wuchs innerhalb weniger Stunden auf 12.000, jetzt 21.000.&nbsp; Die Menschen kommen in zunehmend schlechtem Zustand in die Lager. Sie seien zum Teil seit Wochen ohne feste Nahrung, es bestehe das Risiko von Epidemien. Deshalb sei die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung besonders wichtig. Ohne Milit&auml;r sei die Versorgung der Vertriebenen nicht vorstellbar.</p>
<p>- AA-Staatsminister L.V. zur erheblichen Dynamisierung des diplomatischen Prozesses.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">06.05. a.o. Fraktionssitzung zu Kosovo/AFOR: </span></p>
<p>- Joschka zum G8-Treffen: mit Russland sei man einen entscheidenden Schritt Richtung UN-SR-Resolution vorangekommen. Unter den westlichen Au&szlig;enministern der Kontaktgruppe gebe es &nbsp;seit l&auml;ngerem eine Diskussion, wie humanit&auml;re Hilfe in den Kosovo gebracht werden k&ouml;nne.</p>
<p>- Zum AFOR-Antrag: Annelie B.: Der Antrag sei nur zustimmungsf&auml;hig, wenn die Luftangriffe eingestellt w&uuml;rden.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">07.05. 40. Sitzung des Bundestages, zu AFOR, G8 usw.:</span></p>
<p>Nachdem in letzter Zeit fast nur Angelika redete, melde ich jetzt Anspruch an (&hellip;) und kriege die 10 Minuten auch. (Protokoll S. 3404 f. <a href="http://dip21.bundestag.de/dip21/btp/14/14040.pdf">http://dip21.bundestag.de/dip21/btp/14/14040.pdf</a> )</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">07.05. Gr&uuml;ner Kreisverband (KV) Soest zu Kosovo</span>: Ein Antifaschistisches Jugendplenum empf&auml;ngt mich mit einem Flugblatt &bdquo;Die M&auml;rchenstunde des Herrn Nachtwei&ldquo;. Nur Gegenstimmen, keine Pro &ndash; auch Manfred S. (<em>Fraktionskollege aus Soest</em>) steht massiv in der Kritik.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">08.05. in M&uuml;nster: Amnesty International, &bdquo;Lauf f&uuml;r Menschenrechte&ldquo;</span></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Antikriegskundgebung (vorm Historischen Rathaus) mit ca.100-200 Leuten:</span></p>
<p>Gertrud B. nennt den 8. Mai den Tag, als &bdquo;die Kampfhandlungen eingestellt wurden&ldquo; (sie spricht nicht vom &bdquo;Tag der Befreiung&ldquo;). Elvi C., Redakteurin der &bdquo;Zivilcourage&ldquo;: &bdquo;Krieg ist niemals ein humanit&auml;rer Akt. Denn im Krieg werden Soldaten zu M&ouml;rdern&ldquo; &ndash; pazifistisch korrekt, aber vor allem auch sehr &bdquo;passend&ldquo; zum 1. Mai. Diese Verh&ouml;hnung der alliierten Soldaten <em>(und ihrer Befreiungstat</em>) f&auml;llt offenbar niemandem auf!!</p>
<p>Mich macht diese neue Schlussstrichmentalit&auml;t im Antikriegsprotest hell verzweifelt. Bei Veranstaltungen sage ich lieber nicht, dass ich beim Lesen des OSZE-Berichts zu den Vertreibungen an das W&uuml;ten der Einsatzgruppen in Polen 1939/40 und an das &bdquo;Kommando Arajs&ldquo; im deutsch besetzten Lettland 1941 ff. denken musste (der serbischen Miliz &bdquo;Arkan `Tiger&ldquo; werden viele tausend Morde vorgeworfen!). Sofort kommt der Vorwurf der &bdquo;neuen Auschwitz-L&uuml;ge&ldquo; (vgl. Wuppertal). Zerbrochen ist der grunds&auml;tzliche, elementare antifaschistische Konsens, wo das &bdquo;Nie wieder!&ldquo; die tiefste politisch-moralische Motivation ist.</p>
<p>Diese Schlussstrichmentalit&auml;t setzt alle Bez&uuml;ge zu NS und Weltkrieg &bdquo;unter Strafe&ldquo; &ndash; und praktiziert sie umgekehrt selbst, indem immer wieder eine Kontinuit&auml;t 1914, 1941, 1999 (&bdquo;wieder Bomben auf Belgrad&ldquo;) behauptet wird.</p>
<p>Sie geht einher mit v&ouml;lliger Geschichtslosigkeit gegen&uuml;ber den (<em>Balkan</em>-)Kriegen seit 1991, gegen&uuml;ber Bosnien, Srbrenica und den Erfahrungen mit Milosevic. Nur die Anerkennungspolitik Kinkels u.&auml;. ist in Erinnerung.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">09.05. Gr&uuml;n-Alternative Jugend in K&ouml;ln</span>: &bdquo;Der Krieg im Kosovo &ndash; Die Zukunft der gr&uuml;nenFriedenspolitk&ldquo;. F&uuml;nf Besucher!</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">11.05. Friedenskreis St. Agatha in M&uuml;nster</span>-Angelmodde zu Kosovo: ca. 20 Anwesende, beste Gespr&auml;chsatmosph&auml;re.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">12.05. Verteidigungsausschuss zu Kosovo:</span></p>
<p>- So viele &bdquo;Hoffnungszeichen&ldquo; wie nie: Die Moral der (<em>serbischen</em>) Truppe im Kosovo sinke deutlich, eine milit&auml;rische Niederlage sei absehbar. Lt. SACEUR sei Ende Mai/Mitte Juni das Ende der Operationsf&auml;higkeit der serb. Armee zu erwarten. Irritierend ist aber, dass GI von 240 Panzern im Kosovo spricht, vor drei Wochen waren es 224! Sinkende Bereitschaft der serb. Armee, die Vertreibung zu unterst&uuml;tzen. 50% der Munitionsvorr&auml;te seien zerst&ouml;rt.</p>
<p>- Die Obleute von Union und FDP machen deutlich, dass auch an ihrer Basis die Unruhe wachse; seit ca. 14 Tagen &bdquo;Stimmungsumschwung&ldquo; (&bdquo;es wird zunehmend schwerer, die Ziele zu vermitteln&ldquo;).</p>
<p>- W.N. zu &bdquo;nicht wackeln&ldquo; und Offenheit; zum Widerspruch bez. der Panzerzerst&ouml;rungen, zwischen der Grundregel Vermeidung ziviler Opfer und der realen Ausweitung der Zielplanung auf die zivile Infrastruktur (keine brauchbare Antwort); uranangereicherte Munition (vom Parl. Staatss. lakonische Nichtantwort). (ein hoher San-Offizier gibt mir anschlie&szlig;end seine zwei Seiten, nach denen nicht gefragt wurde). Zur Feuerpause antwortet der Parl. Staatss. nur eng milit&auml;risch abweisend. (der InspHeer &auml;u&szlig;ert sich sp&auml;ter offener)</p>
<p>Etliche gute W&uuml;nsche zur (bevorstehenden) Bundesdelegiertenkonferenz (BDK) der Gr&uuml;nen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">12.05. Pax Christi M&uuml;nster</span>: &bdquo;NATO-Bomben f&uuml;r Menschenrechte? Eine kritische Zwischenbilanz&ldquo; mit Pfarrer Ferdi Kerstiens, Veronika H&uuml;ning. Gute und offene Diskussion.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">13.05. Sonder-Bundesdelegiertenkonferenz (BDK) in Bielefeld</span></p>
<p>Mit allergr&ouml;&szlig;ter Nervosit&auml;t erwartet, weil heute alles zerbrechen k&ouml;nnte.</p>
<p>Vor der Seidensticker-Halle aggressive Gegendemo. J&uuml;ngere versuchen uns daran zu hindern, zum &bdquo;Kriegsparteitag&ldquo; zu kommen. Massiver Polizeischutz.</p>
<p>Traurig und wortarm treffe ich einen vom Vers&ouml;hnungsbund mit Transparent.</p>
<p>Aus der ersten Reihe des NRW-Block erlebe ich die ersten aufgeheizten Stunden.</p>
<p>Antje Radtke (<em>Parteivorsitzende</em>) hat die schwere erste Rede.</p>
<p>Bei Angelika Beer gibt`s massiv w&uuml;tende Proteste v.a. von hinten, von G&auml;sten: &bdquo;Kriegsverbrecher&ldquo;, &bdquo;Kriegstreiber&ldquo;:</p>
<p>Dann Annelie Buntenbach mit voll treffender Rede (v.a. zu Unwirksamkeit) und Martina Fischer. Der z.T. stehende Beifall f&uuml;r Annelie B. macht unsicher.</p>
<p>Pl&ouml;tzlich rast jemand aus dem linken Mittelgang nach vorne und trifft Joschka (<em>mit Farbbeutel</em>) voll auf die rechte Kopfseite. Er reagiert wie benommen, schmerzhaft, unheimlich traurig. &ndash; Tumult. Erst jetzt dr&auml;ngen die Sicherheitsleute die Kamerapulks zur&uuml;ck.</p>
<p>Ein zweiter Schnelll&auml;ufer kann sp&auml;ter noch gerade abgefangen werden, viele gehen dabei zu Boden. Als der Angreifer, der sich extrem wehrt, hinter die B&uuml;hne geschleppt wird, br&uuml;llen von der Trib&uuml;ne etliche &bdquo;freilassen&ldquo; &ndash; darunter Martin S. vom Grundrechte-Komitee.</p>
<p>Mit der Generaldebatte wird`s ruhiger, unterbrochen v.a. von Daniel Cohn-Bendit, der mal wieder &uuml;berzieht. Nachdem B&uuml;tikofer mir vor zwei Wochen gesagt hatte, ich solle f&uuml;nf Minuten gesetzt reden, komme ich doch nicht mehr dran. Bin dann auch nicht mehr so entschieden, mich auslosen zu lassen. Deshalb erlebe ich die BDK mit ihrer zumindest nach au&szlig;en aufgeheizten Stimmung ziemlich ohnm&auml;chtig.</p>
<p>Unfassbar, wie ein Delegierter &bdquo;h&ouml;r auf mit dem Schei&szlig;&ldquo; br&uuml;llt, als Angelika Beer von Erschie&szlig;ungen im Kosovo berichtet. &bdquo;Das kennen wir doch von Scharping zur Gen&uuml;ge&ldquo;. Gespr&auml;che mit WDR-Fernsehen <em>(J&ouml;rg Sch&ouml;nenborn</em>), Glocke, John Goetz.</p>
<p>M&uuml;nsteraner Delegierte halten sich trotz des Briefes von zehn GAL-Mitgliedern nicht an den Brauch, parit&auml;tisch die Meinung der Mitgliederversammlung wiederzugeben. Lege bei Wilhelm deutlich Protest ein. Micha beobachtet offenkundige Provokateure: vier M&auml;nner in 40`ern mit Bierpulle, die bei bestimmten Rednern trillerpfeifen, bei anderen blo&szlig; kl&ouml;nen.</p>
<p>B&auml;rbel H&ouml;hn reklamiert andere Rolle f&uuml;r die Partei (<em>als f&uuml;r die Fraktion</em>) und votiert f&uuml;r denStr&ouml;bele-Antrag. Sie erh&auml;lt massiven Beifall. Ludger Volmer danach. Seine pers&ouml;nliche Kritik an B. H&ouml;hn st&ouml;&szlig;t auf w&uuml;tenden Protest. (&hellip;)</p>
<p>Meinungsbilder zu zw&ouml;lf (der &uuml;ber 100) Antr&auml;ge, dann Buvo, Niedersachsen, Str&ouml;bele, Buntenbach. Am Ende 444 Stimmen f&uuml;r Buvo, 318 f&uuml;r Roth/Str&ouml;bele. (Im 1. Gang Buvo 404, BaW&uuml; 301, Cremer 242, Roth 335, Buntenbach 311, NdS 344, Sterzing 180 (+ ich).</p>
<p>Am Ende gro&szlig;e Erleichterung &uuml;ber das so &bdquo;weise&ldquo; Ergebnis. (&hellip;)</p>
<p>Konsequenzen:</p>
<p>(a) Bilanz der Debatte: Es wurde viel aneinander vorbei geredet; Glaubw&uuml;rdigkeitsl&uuml;cken, Sehschw&auml;chen und Einseitigkeiten, zerbrochene Konsense; nirgendwo (<em>auf keinem anderen Politikfeld</em>) &nbsp;so gro&szlig;e Diskrepanz zwischen Gesinnung und realer Politik.</p>
<p>(b) Konsequenzen f&uuml;r den KOS-Krieg: zivile Opfer nehmen zu, untergraben die Kriegslegitimation; ein Zeichen des Einlenkens ist unabdingbar f&uuml;r die &Ouml;ffentlichkeit</p>
<p>(c) Konsequenzen gr&uuml;n-intern: Zone der Nachdenklichkeit fordern, die Kl&uuml;fte &uuml;berbr&uuml;cken, Trennung von Restfundis, Neue gewinnen; Chancen f&uuml;r konstruktive Friedenspolitik und programmatischen Neuanfang.</p>
<p>(d) Konsequenzen f&uuml;r Gr&uuml;ne und traditionelles Klientel: Wachsende Gegens&auml;tze &ndash; zumindest nach der Lautst&auml;rke zu urteilen; Illusion, auf dem f&uuml;r Gr&uuml;ne zweitwichtigsten Thema der &nbsp;Friedenspolitik gemeinsame Politik entwickeln zu k&ouml;nnen; Aufb&auml;umen eines sp&auml;rlichen Antikriegsprotestes vor dem n&auml;chsten Niedergang; Kollateralsch&auml;den f&uuml;r praktischen Pazifismus der Tat durch gewaltt&auml;tige Antikriegsproteste.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">15.05. M&uuml;nster, Antikriegskundgebung vor dem Rathaus</span>:</p>
<p>D.B. bringt die Reihung 1914, 1941, 1999.</p>
<p>Ansonsten sind vor allem die Gr&uuml;nen im Visier, Aufrufe zum Austritt. Es bleibt das &uuml;bliche Muster: Hauptgegner NATO, Vertreibungskrieg am Rande, wenn &uuml;berhaupt. Und dann an die MdB`s und mich pers&ouml;nlich wg. Basis, Rechenschaft. Mir fallen diese Kundgebungen immer schwererer. Zugleich gibt`s etliche Soli-Bekundungen f&uuml;r mich. Der Kreis der Kundgebungsteilnehmer wird kleiner. Das Weltbild ist weiter klar.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Stimmungen</span>: Nach der BDK habe ich so viel Tief wie lange nicht mehr. Die Spannung ist weg, das Loch ist da.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">17.05. Fraktions-AK-IV BDK-Nachbereitung:</span></p>
<p>- Ludger/MdB/Staatsminister: (&hellip;) zzt. US- und RUS-Position nicht kompatibel. (&hellip;) Politisches Patt, milit&auml;risch gehe es nicht weiter &hellip;&nbsp; Einseitiger Ausstieg h&auml;tte zum Koalitionsende gef&uuml;hrt. Befristete Aussetzung sei kaum eine ernsthafte Perspektive.</p>
<p>- Ak&ouml;/Mitarbeiter: Ein Grundproblem sei, dass das Wahlprogramm seit Jahren hinter den Realit&auml;ten hinterher! (&hellip;) Als Mitarbeiter seien in einer beschissener Situation: von unten Druck, von oben bewege sich nichts.</p>
<p>- Albert/Mitarbeiter: Es gehe um ein Glaubw&uuml;rdigkeits-, nicht um ein Kommunikationsproblem. &bdquo;Es gehen die Besten, z.B. Volker B. (auch Aufruf: Keine Arbeit w&auml;hrend der Bombardierungen!) (&hellip;)</p>
<p>- Claus/Mitarbeiter: Er k&ouml;nne nicht mehr an der Hotline argumentieren!</p>
<p>&nbsp;- Angelika/MdB pl&auml;diert f&uuml;r die Einstellung der Hotline, weil wir nicht mehr die Antworten h&auml;tten.</p>
<p>&nbsp;- J&ouml;rn/Mitarbeiter h&auml;lt dagegen: das w&auml;re ein schlimmes Signal. Die Fraktion m&uuml;sse Positionierung kl&auml;ren und wie es mit der Hotline laufen solle.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">17.05. a.o. Fraktionssitzung zu Kosovo: (&hellip;)</span></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">19.05. Dellbr&uuml;cker Gespr&auml;che</span> (bei K&ouml;ln) zu &bdquo;Krieg f&uuml;r die Menschenrechte?&ldquo; mit General a.D. Altenburg, J. Garsteckti/Pax Christi, mir und WDR-Redakteur Arnd Henze als Moderator. Sehr anspruchsvolle und nachdenkliche Diskussion, beste Resonanz.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">21.05. Veranstaltung des Ausl&auml;nderbeirats M&uuml;nster</span> &bdquo;Die NATO-Intervention auf dem Balkan: Fakten, Fragen. Folgen&ldquo; mit den M&uuml;nsteraner MdB`s Catenhusen, Polenz, M&ouml;llemann und mir im Rathaus: Ca. 100 Besucher, bei einigen ist Totalablehnung sp&uuml;rbar. &Uuml;berwiegend Gegenstimmen, wobei ich mit meiner Offenheit/meinen Zweifeln noch am besten wegkomme.</p>
<p>Massive Ausf&auml;lle von Prof. S. vor allem gegen mich, der ich bei ihm gelernt habe (&hellip;): &bdquo;Schlimm, wenn gr&uuml;ne Jungs Krieg spielen&ldquo;, &bdquo;Schei&szlig;gerede von Paukern&ldquo;, &bdquo;bei Jahwe, ich verfluche dich, das Blut der Opfer komme &uuml;ber dich. Du wirst das nicht lange &uuml;berleben,&ldquo; schreit er v&ouml;llig au&szlig;er sich und verl&auml;sst dann den Saal. Betroffene Stille.</p>
<p>Hinterher nehme ich das doch ernst als inbr&uuml;nstige Todesdrohung &ndash; immerhin hat er auch lange zu autochthonen Gesellschaften gearbeitet! (<em>Auf dem Heimweg &uuml;berquere ich die Kreuzungen mit dem Rad ganz besonders vorsichtig</em>.)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">26.05. Friedensgruppen des Kreises Coesfeld</span> mit Pax Christ zu Kosovo: Intensive und nachdenkliche Diskussion.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">31.05. a.o. Fraktionssitzung, TOP 2 zu Kosovo:</span></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">01.06. Sonder-Mitgliederversammlung Gr&uuml;ne M&uuml;nster</span> zu Kosovo mit B&auml;rbel H&ouml;hn und mir: (&hellip;) In der Diskussion geht`s wieder vor allem um Haltung der Gr&uuml;nen, eigene Identit&auml;t, Pauschalschelte, Warnung vor Durchmarsch der Realos, vor einem Rausdr&auml;ngen der Linken &ndash; der Kosovokrieg, Wege zum Frieden interessieren kaum. Hermann erkl&auml;rt seinen Austritt. Die L&uuml;gen, gegen die Gr&uuml;ne mal gek&auml;mpft h&auml;tten, w&uuml;rden sie nun selbst vertreten. Ich reagiere pers&ouml;nlich und fordere auf, mich nicht zu schonen, sondern offen Verurteilung zu sagen.</p>
<p>Das war wieder eine Entfremdungsveranstaltung!</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">02.06. Verteidigungsausschuss, TOP 2 Kosovo:</span></p>
<p>- Generalinspekteur (GI): Schwerpunkte der bewaffneten Auseinandersetzungen l&auml;gen an der Grenze zu Albanien. Serbische Kr&auml;fte vermeiden K&auml;mpfe mit UCK in schwierigem Gel&auml;nde. Die UCK-Taktik sei handstreichartig, um Kr&auml;fte zu binden. NATO-Angriffe schw&auml;chen weiterhin die Kampfkraft und Durchhaltef&auml;higkeit (<em>der serb. Kr&auml;fte</em>). Es werde mehr, tiefer und zu allen Zeiten geflogen. 120 Panzer, 314 Sch&uuml;tzenpanzer/Artillerie (?), 268 Gro&szlig;fahrzeuge aller Art wurden bek&auml;mpft. Vom Bestand im Kosovo ein Drittel bis H&auml;lfte au&szlig;er Gefecht.</p>
<p>- FDP-Obmann bittet um Stellungnahme zu (<em>den Feststellungen</em>) &bdquo;NATO-Strategie gescheitert&ldquo;, &bdquo;katastrophale Info-Politik von NATO, BMVg&ldquo;. Die Stimmung in der Bev&ouml;lkerung sei inzwischen gekippt, keine Unterst&uuml;tzung mehr in der Breite.</p>
<p>- AA-Staatsminister L.V.: Der Druck auf Milosevic sei inzwischen so gro&szlig;, dass er gr&ouml;&szlig;er kaum sein k&ouml;nne. Der Zusammenhalt in der Nomenklatura sei l&auml;ngst nicht mehr so, innere Distanzierungen von Milosevic. Nach Auswertung des Briefes des jugosl. Au&szlig;enministers und Petersberg-Gespr&auml;ch bestehe wieder was mehr Skepsis. Rapider R&uuml;ckgang des R&uuml;ckhalts in der Bev&ouml;lkerung &ndash; wenn in ein, zwei Wochen kein Durchbruch, dann &hellip;</p>
<p>- Minister Scharping: mit Info-Politik der NATO z.T. sehr unzufrieden.</p>
<p>Sinkende Zustimmung? Laut Emnid weiter relativ hohe Zustimmung!</p>
<p>Bodenkrieg? Das sei eine fiktive Debatte! Schon in der US-Administration gebe es dazu sehr unterschiedliche Positionen!</p>
<p>Auf Arbeitsebene zwischen RUS, USA und DEU intensive Gespr&auml;che zur Implementierung, erhebliche Ann&auml;herungen.</p>
<p>- Obfrau Gr&uuml;ne fragt zur NATO-Zielplanung: Sei DEU bei der Zielplanungsgremium bei SACEUR dabei? Deutsche Vorgaben?</p>
<p>- FDP-Obmann: Stimme es, dass die NATO Bodentruppen vorbereite &ndash; mit indirekter deutscher Beteiligung?</p>
<p>- Minister Scharping zur Zielplanung und gewachsenen Restriktionen (z.B. keine Lkw`s mehr, nachdem auch San- und Feuerwehrfahrzeuge f&uuml;r Munitionstransport missbraucht worden seien)</p>
<p>Airdrop (<em>Abwurf von Hilfsg&uuml;tern</em>): Seit mehr als drei Wochen Bem&uuml;hung um jugosl. Genehmigung. (&hellip;)</p>
<p>Fl&uuml;chtlingsr&uuml;ckf&uuml;hrung: 1,5 Mio. Menschen m&uuml;ssen bis Sommer 2000 versorgt werden.</p>
<p>Deutsches Kontingent: Auf jeden Fall brauche es ein neues Mandat, keine Aufstockung &uuml;ber die bisherige Obergrenze. Bei der NATO sei alles auf Implementierungsf&auml;higkeit konzentriert. Alles andere sei hoch spekulativ. Keine Diskussion in der NATO und zwischen Regierungen zu Bodeneinsatz und Arbeitsteilung dabei.&nbsp; Bei der Bundeswehr gebe es keinen einzigen diesbez&uuml;glichen Pr&uuml;fauftrag.</p>
<p>Die H&auml;rte des Vertreibungskrieges habe sich nicht ge&auml;ndert.</p>
<p>- W.N. fragt wiederholt zur Sprengung der Eisenbahnlinie Belgrad &ndash; Montenegro angeblich durch US-Kr&auml;fte, Bundeswehr dabei? Politische Problematik, Rechtsgrundlage?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">04.06. Friedens-Radtour Evang. Kirche Westfalen in Isselburg: </span>Wieder sehr gute Runde &ndash; wie &uuml;berhaupt bisher bei christlichen Friedensgruppen, die <span style="text-decoration: underline;">alle</span> die Dilemmata respektieren.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">07.06. Fraktionsvorstand,</span> Rezzo/Fraktionsvorsitzender: Berichte &uuml;ber Intensivierung der Luftangriffe seien falsch. Real seien sie beschr&auml;nkt auf Panzer + Artillerie im Kosovo, das auf Initiative der Europ&auml;er.</p>
<p>Gro&szlig;es Interesse, dass der diplomatische Erfolg nicht bei der Umsetzung verspielt werde. (&hellip;) Ein Vakuum beim serbischen R&uuml;ckzug sei gef&auml;hrlich, weil dann ein Einsickern der UCK m&ouml;glich sei. Deshalb gleichzeitig Abzug und Einr&uuml;cken. Niemand wolle dabei einen Kampfeinsatz. Der Kosovo werde in f&uuml;nf Verantwortungszonen aufgeteilt, DEU mit NL, &Ouml;ST im SW, wo 40.-60.000 Binnenvertriebene.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">07. und 08.06. a.o. Fraktionssitzungen zu Kosovo</span>:</p>
<p>- Joschka: Nach ihm w&uuml;rden die Angriffe weiter runtergefahren &ndash; in den USA gebe es dazu eine andere Sicht. Die Kontakte mit RUS seien hei&szlig; &ndash; kalt, erhebliche Auseinandersetzungen im Apparat.</p>
<p>Konstruktive Textarbeit &uuml;ber acht Stunden, 17 von 20 Punkten erledigt. Strittig noch Kommandostrukturen, UN- und RUS-Anbindung, Reichweite der UN-Resolution.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">08.06. Verteidigungsausschuss</span></p>
<p>- GI: R&uuml;ckzugsvorbereitungen der serb. Kr&auml;fte seien zzt. nicht feststellbar. In bestimmten Regionen werde gegen die die UCK vorgegangen. Auch Artillerieeinsatz Richtung Albanien (m&ouml;gliche Aufmarschr&auml;ume der UCK). Die UCK wolle serb. Kr&auml;fte binden, um bei Abzug schnell nachr&uuml;cken zu k&ouml;nnen. 658 Eins&auml;tze der NATO-Luftstreitkr&auml;fte, davon ein Drittel strike (Luftschl&auml;ge).</p>
<p>KFOR-Anpassung: &Auml;nderung des Op-Plans &bdquo;Joint Guardian&ldquo; wg. ver&auml;nderter Risikoanalyse und grunds&auml;tzlich ver&auml;nderter humanit&auml;rer Lage (mehr als 500.000 Binnenvertriebene, wahrscheinlich in schlechtem Zustand). NATO-Truppen m&uuml;ssen sich als erstes um Fl&uuml;chtlinge k&uuml;mmern.</p>
<p>Zur dt. Brigade im S&uuml;den: Alle Schl&uuml;sselaufgaben m&uuml;sse die Bundeswehr zumindest am Anfang allein wahrnehmen.</p>
<p>Aufstockung bei a) humanit&auml;rem Einsatz (Pionierbataillon), Masse aus Holzminden, f&uuml;r Versorgung, Lagerbau, Transporte; b) milit&auml;rische Absicherung; c) Sanit&auml;tskompanie, bis NGO`s vor Ort; d) Fallschirmj&auml;gerbataillon 313 (Varel)</p>
<p>- Minister Scharping: Problem, dass alle Kr&auml;fte aus Mazedonien nur &uuml;ber eine Stra&szlig;e nach Prizren kommen k&ouml;nnen. Die Stra&szlig;e sei sehr schlecht, gebirgig, ein Tunnel gesprengt. Deshalb eine zweite Strecke &uuml;ber Albanien.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">13.48 Uhr Meldung aus New York</span>, dass die Beratung des Textes der UN-Resolution abgeschlossen sei und nun geschrieben werde.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">09.06. AG &bdquo;Frieden, Abr&uuml;stung, Verteidigung&ldquo;/FAV</span> der gr&uuml;nen Fraktion (Mitglieder Verteidigungsausschuss und MitarbeiterInnen):</p>
<p>- Kritisiere deutlich FAV-Ausf&auml;lle in letzter Zeit. Es bestehe der Eindruck, dass A. mehr mit Minister als mit MdB-Kollegen kommuniziere. A. bekennt.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">09.06. Bilanzpapier: &bdquo;Widerspr&uuml;che, Glaubw&uuml;rdigkeitsl&uuml;cken, Verantwortung</span> &ndash; <span style="text-decoration: underline;">Die Gr&uuml;nen zwischen Antikriegsprotest und Kriegsbeteiligung&ldquo;</span><em>, mein wichtigstes Papier zur Auseinandersetzung um den Kosovokrieg in Deutschland (bisher 38.370 Aufrufe), 11 Seiten</em> <em>zu - dem vielen Aneinander vorbei in der Auseinandersetzung um den Kosovokrieg,</em></p>
<p><em>- zu Programm-Gau und Realit&auml;tsschock, Welten zwischen den Erfahrungswelten,</em></p>
<p><em>- zu Alternativen und Legenden, zu Altlasten und Neuaufbau,</em></p>
<p><em>- zu Geschichtslosigkeit und Wegsehen<sup>1)</sup>, Moralkeulen und Schlussstrichen,</em></p>
<p><em>-zu&nbsp; regierenden Unglaubw&uuml;rdigkeiten, Kriegsillusionen und &ndash;realit&auml;ten<sup>2) </sup>,</em></p>
<p><em>- zu vorl&auml;ufigen Lehren und Konsequenzen.</em> <em>Verschickt</em> an die Fraktion, an lokal, SZ, FR, Tagesspiegel, Neue Presse, Henze (WDR), sp&auml;ter auch an von Kirchbach, Willmann, St&uuml;tzle, Puhl.&nbsp; (<a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;ptid=1&amp;catid=32-34-120&amp;aid=827">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;ptid=1&amp;catid=32-34-120&amp;aid=827</a> )</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">10.06. Bundestag im Stand-by</span> in Erwartung des UN-Mandats f&uuml;r Kosovo: Erst ist f&uuml;r 10.15 Uhr Fraktionssitzung angek&uuml;ndigt, 11.00 Plenum, dann 11.00 VA, 12.00 Plenum, schlie&szlig;lich VA 17.00. <span style="text-decoration: underline;">Verteidigungsausschuss zu KFOR:</span></p>
<p>- Minister Scharping zum Military Technical Agreement/MTA zwischen der International Security Force KFOR und der Bundesrepublik Jugoslawien vom 09. Juni:</p>
<p>Zone III (NO) an 10.06., 00.00 Uhr durch vier gates. Zone II West, Zone I S&uuml;d.</p>
<p>Effektive Grenzkontrolle durch KFOR bis zum Eintreffen ziviler UN-Kr&auml;fte. In den ersten 14 Tagen sollte es m&ouml;glichst wenig Fl&uuml;chtlingsr&uuml;ckkehr geben.</p>
<p>Annex B zu Rechten von KFOR: KFOR-Aufgabe Unterst&uuml;tzung der zivilen Organisationen (KFOR realiter in den ersten Monaten selbstverantwortlich &ndash; bis zum Aufwuchs der zivilen Organisationen).</p>
<p>Die Luftangriffe seien jetzt suspendiert. Aufhebung nach vollst&auml;ndigem Abzug.</p>
<p>- H.: Aufmarschplan des dt. Kontingents: Dt. Brigade, zuerst ein verst&auml;rktes Bataillon, ab So-morgen Grenz&uuml;berschreitung. St&auml;rkste Kr&auml;fte von S&uuml;den: mehrere brit. Bataillone. Der Umweg &uuml;ber Albanien betrage 430 km.</p>
<p>- Minister Scharping: Leitverb&auml;nde 1. Kontingent KFOR: f&uuml;r Stab Nat. Befehlshaber KLK/4.Div. Regensburg, f&uuml;r Einsatzbrigade Panzerbrigade 12, Amberg, f&uuml;r Mechanisiertes Bataillon Panzergrenadierbataillon 112, Regen, und Panzerbataillon 214 Augustorf&nbsp; und &uuml;ber 20 weitere Leitverb&auml;nde (Leitverb&auml;nde des 3. Kontingents SFOR u.a. das I. DEU-NL Korps, Art.Rgt. 7/D&uuml;lmen, Logistik aus Unna, Heeresflieger aus Rheine.</p>
<p>- AA-Staatsminister L.V.: China hatte zehn Einw&auml;nde gegen die Resolution, acht wurden als gravierend eingesch&auml;tzt. Reduziert wurde das auf einen Erg&auml;nzungssatz.</p>
<p>- Minister Scharping: Die Durchsetzung der Entwaffnung sei trotz entsprechender Zusagen sehr riskant und gef&auml;hrlich. Zur Frage eines russischen Sektors zzt. Gespr&auml;che zwischen USA und RUS.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Meldung: seit 15.00 Uhr Einstellung aller Luftangriffe</span>.</p>
<p>Im dt. Verantwortungsbereich mindestens 40.-50.000 Binnenvertriebene. (&hellip;)</p>
<p>Noch ca. 100.000 Serben im Kosovo</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">19.05 Uhr Meldung: UN-SR-Resolution verabschiedet.</span></p>
<p>Erleichterungstrunk mit Helmut und Roland.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Pressemitteilung</span> zum Kriegsende f&uuml;r M&uuml;nster</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">11.06. a.o. Fraktionssitzung:</span></p>
<p>- Kerstin/Fraktionsvorsitzende dankt Joschka herzlich f&uuml;r seine hervorragende Leistungen. Er lacht erstmalig seit Monaten wie ein Schneek&ouml;nig angesichts des langanhaltenden Beifalls, aus dem unsere Kritiker aber um einiges eher aussteigen.</p>
<p>&nbsp;Joschka: Dank auch zur&uuml;ck an die Fraktion und Partei, die trotz Zweifel gestanden h&auml;tten. Sie hatten es schwerer als ich. Wir begannen bei Vorstellungen zu &bdquo;neuer NATO&ldquo; &ndash; jetzt seien wir wieder beim UN-Sicherheitsrat angekommen.</p>
<p>Mit der gestrigen Verabschiedung des Stabilit&auml;tspaktes wurde deutlich, dass Pr&auml;vention keine Sonntagsrede sei!&nbsp; Jetzt komme es darauf an, die Gestaltungsm&ouml;glichkeiten voll zu nutzen. UN-St&auml;rkung, Stabilit&auml;tspakt vorn, EU als entscheidende Plattform, das sei alles deutsche Politik.</p>
<p>Die Demokratisierungskomponente habe eine &uuml;berragende Bedeutung. Verantwortliche Kriegsverbrecher d&uuml;rften nicht an der Macht bleiben wie in Bosnien. (&hellip;)</p>
<p>- &bdquo;Kritiker&ldquo; haben keine Einw&auml;nde mehr gegen eine Friedenstruppe, wollen aber v.a. nicht die Absegnung der &bdquo;Doppelstrategie&ldquo; (<em>Luftangriffe und Diplomatie</em>) unterschreiben. Ansonsten letzte, an den Haaren herbeigezogene Kritiken, um eine Enthaltung begr&uuml;nden zu k&ouml;nnen.</p>
<p>- Antje V. votiert f&uuml;r schnelle Nachbereitung &ndash; und wird von Joschka schroff abgewatscht.</p>
<p>- W.N. kritisiert deutlich den Antrag der PDS, die gegen KFOR stimmt und in ihrem Entschlie&szlig;ungsantrag den Abzug aller Kontingente vom Balkan fordert. (Beifall)</p>
<p>(&hellip;)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">11.06. Bundestag zu KFOR-II-Mandat (plus 2.500 auf 8.500):</span></p>
<p>- Joschka h&auml;lt Regierungserkl&auml;rung. Starker Vor-Beifall. Er hoffe, dass dies der letzte Krieg in Europa sei. Jetzt d&uuml;rfe Krieg nicht wieder Mittel der Politik sein, sondern es&nbsp; m&uuml;sse das Bem&uuml;hen sein, ihn aus Europa zu verbannen. (KFOR-Antrag <a href="http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/14/011/1401133.pdf">http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/14/011/1401133.pdf</a> )</p>
<p>Die Doppelstrategie wurde konsequent durchgehalten.</p>
<p>Um wieviel schlimmer w&auml;ren die Folgengewesen, wenn wir weggeschaut h&auml;tten &ndash; die Herrschaft der Gewalt h&auml;tte sich durchgesetzt. (ca. 10 Mal Beifall von fast allen) (nichts sagt er zu den Kriegskosten, au&szlig;er den &bdquo;beklagenswerten ziv. Opfern&ldquo;)</p>
<p>- Gysi: praktisch nichts zu KFOR.</p>
<p>(Vormittag der brennenden Augen)</p>
<p><strong>DER KRIEG IST AM ENDE, DER WAFFENSTILLSTAND STEHT!!</strong></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">15.06. AK IV, TOP Kosovo</span>: Voten f&uuml;r eine Fraktionsdiskussion &bdquo;Lehren aus dem Kosovo-Krieg&ldquo;. Schneller Auswertungsbedarf wg. Verdr&auml;ngungsneigung, Sommerpause und Realentwicklung im Kosovo.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Fraktionssitzung</span>: (erste Fraktionssitzung seit langem ohne Kosovo, sondern Europawahl, Gesundheitsreform, Haushalt 2000 mit Minister Eichel.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">16.06. Verteidigungsausschuss</span>: Nach mehreren anderen TOP`s auch Kosovo:</p>
<p>- Minister Scharping: Mit den erwarteten Schwierigkeiten laufe es planm&auml;&szlig;ig. Vielleicht 254 Stunden l&auml;nger wg. Transportproblemen der &nbsp;jugosl. Armee, die ansonsten kooperativ und professionell agiere). Wesentlich gr&ouml;&szlig;ere Probleme gebe es mit Paramilit&auml;rs, auch der UCK.</p>
<p>In den ersten 14 Tagen Aufbau von Pr&auml;senz, Respekt gewinnen.</p>
<p>Wenn es um Ostern nicht die Entscheidung zur Fl&uuml;chtlingshilfe in Mazedonien gegeben h&auml;tte, w&auml;re MAZ m&ouml;glicherweise weggebrochen. Die Stabilisierung in MAZ und ALB sei unbedingt wichtig!</p>
<p>&Uuml;ber 400.000 Fl&uuml;chtlinge aus Albanien werden alle durch den dt. Sektor zur&uuml;ckkehren. Das sei ein wahnsinniges Problem.</p>
<p>Bis zum Wochenende seien 3.000 Bw-Soldaten im Kosovo. Mit der Zeit auch in der Fl&auml;che.</p>
<p>Man habe keinerlei Ehrgeiz, nichtmilit&auml;rische Aufgaben l&auml;nger als notwendig zu &uuml;bernehmen.</p>
<p>Demilitarisierung und Entwaffnung seien ein l&auml;ngerer und riskanter Prozess &ndash; auch freiwillige Abgabe.&nbsp; (<em>Entmilitarisierung hei&szlig;t: Ablieferung von Schusswaffen oberhalb Kaliber 12,7 mm, Minen, Explosivstoffe binnen 30 Tagen, also nicht von Handfeuerwaffen. Verbot von Uniformen und Kennzeichen</em>)</p>
<p>&nbsp;FDP-MdB fragt nach Ma&szlig;nahmen, um die Vertreibung von Serben&nbsp; zu verhindern.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">23.06. Verteidigungsausschuss, TOP 5 Kosovo:</span></p>
<p>- StvGI M.: An einem Ort konnten Niederl&auml;nder und Deutsche Serben zum Verbleiben &uuml;berreden. Im Rahmen des Auftrags Aufrechterhaltung der &ouml;ffentlichen Sicherheit wurden 24 Gewaltt&auml;ter festgenommen (Brandstiftung, Vergewaltigung).</p>
<p>Die UCK sei unvermindert bem&uuml;ht, als zivile Ordnungsmacht aufzutreten. Im dt. Sektor sei die Kooperation gut. Am 19.06. Verpflichtungserkl&auml;rung der UCK zu Waffentragen und Uniformen. Bisher seien &uuml;ber 650 Waffen abgegeben worden.</p>
<p>Die Truppe sei zzt. absolut &uuml;berlastet, max. vier Stunden Schlaf. Drei Kompanien Fallschirmj&auml;ger wurden vor&uuml;bergehend in den Kosovo entsandt.</p>
<p>- Parl. Staatssekret&auml;rin S.: Laut US-Aussagen gebe es vielleicht bis 11.000 Blindg&auml;nger. (<em>gesch&auml;tzt angesichts 5% nicht explodierter Bombletts</em>)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">27.06. BAG Frieden</span>, u.a. &bdquo;Der Kosovo-Krieg und Zivile Konfliktbearbeitung&ldquo; mit G&auml;sten aus Sarajevo (Nenad) und Belgrad (Ivana).</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">29.06. AK IV</span> zu Kosovo-Auswertung (dazu ein Papier von mir)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">30.06. Verteidigungsausschuss</span>, TOP 1 Kosovo:</p>
<p>- Minister Scharping: Im dt. Sektor wurden bisher 250 T&ouml;tungsdelikte registriert.</p>
<p>40% von KFOR-Soll sind inzwischen vor Ort, von der Bundeswehr &uuml;ber 3.000. NL stellen ein Panzerartillerie-Bataillon (600), T&Uuml;R ein mechanisiertes Btl (900-1.000), RUS 750, &Ouml;ST 500 ab September Schweiz Wasseraufbereitung/Verpflegung (169).</p>
<p>Im dt. Sektor ca. 1.400 in der Regel unbewaffnete UCK-K&auml;mpfer.</p>
<p>Zu milit&auml;rischen Zerst&ouml;rungen sehr genaue Infos: &uuml;ber 200 Panzer und Artilleriegesch&uuml;tze im Kosovo. Die &bdquo;13-Panzer-Meldung&ldquo; &uuml;bernahm die Times von Tanjug, die auch &bdquo;60 abgeschossene NATO-Flugzeuge&ldquo; meldete. Die jugosl. Armee sei in jeder Hinsicht schlicht fertig gewesen.</p>
<p>- GI: Nach Abschluss der Verlegung werden ca. 1.500 Bundeswehrsoldaten in Mazedonien und ca. 5.000 im Kosovo stationiert sein.</p>
<p>&nbsp;AA-Vertreter P.: Die Polizeitruppe der UN soll 3.000 Grenz- und Schutzpolizisten umfassen (<em>mit exekutivem Auftrag</em>), 230 davon aus Deutschland.&nbsp; Zzt. laufen Auswahl und Ausbildung. Die dt. Polizisten sollten v.a. im dt. Sektor eingesetzt werden.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">01.07. Plenarsitzung: Dank an Bonn, Verabschiedung des alten Bundespr&auml;sidenten Herzog, Vereidigung des neuen, Johannes Rau:</span></p>
<p>H&ouml;hepunkt die Rede des ironischen, schn&ouml;rkellosen Herzog.</p>
<p>Dieser letzte Vormittag im sch&ouml;nen Plenarsaal w&uuml;hlt und r&uuml;hrt in zweifacher Hinsicht:</p>
<p>- Als Konsensveranstaltung: in dieser Welt von Parteienstreit, Konkurrenz, Profilierereien, auch Kleinlichkeiten werden endlich mal die guten und starken Konsense deutlich, auf die wir trotz alledem historisch stolz sein k&ouml;nnen. Das tut gut.</p>
<p>- Der Abschied aus Bonn, der gem&uuml;tlichen N&auml;he, der Heimat des besten deutschen Parlaments(&hellip;), der Wechsel ins gro&szlig;e, unpers&ouml;nlichere Berlin.</p>
<p>Das trifft zusammen mit den vielen anderen Abschieden in diesen Tagen:</p>
<p>der Fraktionsmitarbeiter am Di-abend in der Rheinaue (mit Heinrich Pachel), - vorher Empfang der Fraktion, des AK IV im Biergarten der Kaj&uuml;te Graurheinorf, und immer wieder die kleinen Verabschiede von Iris, die den gr&ouml;&szlig;ten und schmerzhaftesten Verlust darstellt;</p>
<p>die Saaldiener, die Besch&auml;ftigten des Bundestagsrestaurants, die Bundestagsbediensteten;</p>
<p>die Kartons &uuml;berall &hellip;</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">12.07. KV Oldenburg zu Europ. Sicherheits- und Vereidigungspolitik: </span></p>
<p>Wieder sehr kritische Kosovo-Diskussion. Die Erkenntnisse seit dem Waffenstillstand (Massaker, Bundeswehrrolle als Retter, Sch&uuml;tzer, Befreier) haben zu keinerlei Irritationen gef&uuml;hrt. Sehr geschlossen und alt ist das NATO-Bild.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">22.08. 18. Friedensfest in Nottuln</span>: Gro&szlig; wie nie, viele hundert Besucher. Schon bei der Vormittagsdiskussion zu Kosovo etliche Hundert.</p>
<p>Erstmals wieder mit Mani Stenner (<em>langj&auml;hriger Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer des Netzwerks Friedenskooperative</em>) &nbsp;zusammen: herzliches Wiedersehen, Dissense &ndash; aber v.a. viel gemeinsamer Strick (<em>an dem wir weiter ziehen</em>)! (&bdquo;m&ouml;chte nicht in Eurer Haut stecken; stehe aber selbst mit dem R&uuml;cken zur Wand; gelte in der Rest-Friedensbewegung fast als Rechtsau&szlig;en&ldquo;)</p>
<p>Die Friedensinitiative/FI Nottuln ist mal wieder bewundernswert: Deutliche friedenspolitische Positionen, zugleich sehr offen und gespr&auml;chsf&auml;hig! Umfrageergebnisse: je zwei Drittel f&uuml;r Bw-Eins&auml;tze im UN-Auftrag, f&uuml;r Senkung der Verteidigungsausgaben, f&uuml;r Bw <span style="text-decoration: underline;">und</span> ZFD.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">26.08. Text &bdquo;Abschreckendes Beispiel</span> &ndash; Folgen und Lehren des Kosovo-Krieges&ldquo; (<a href="druck/druck%20Abschreckendes%20Beispiel.htm">http://nachtwei.de/druck/druck%20Abschreckendes%20Beispiel.htm</a> )</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">27.08. Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung, Seminar zu &bdquo;Gr&uuml;ne Friedenspolitik in der Krise</span>&ldquo; mit Andreas Zumach und bis zu 17 Teilnehmern (&uuml;berwiegend &bdquo;Kriegsgegner&ldquo;, einige Verbitterte)</p>
<p>- A. Zumach: Die NATO der 16 wollte keinen Krieg. Ob die USA, sei nicht auszuschlie&szlig;en. In letzten Jahren erhebliche Selbst&uuml;bersch&auml;tzung der NATO. Jeder NATO-Beschluss war Konsensbeschluss. DEU als viertwichtigstes NATO-Land w&auml;re bei abweichender Meinung nicht isoliert gewesen.</p>
<p>Im Sommer 1998 sei er f&uuml;r eine Erzwingungsintervention (<em>mit UN-Mandat</em>) und UN-Protektorat gewesen (wie der US-NATO-Botschafter); mit 30.000 Soldaten bei Zustimmung Milosevic`s, mit 60.000 ohne. Im M&auml;rz 1999 w&auml;ren Bodentruppen das Ehrlichere und Richtige&nbsp; gewesen. Luftkrieg (immer falsch) und Nichtstun seien die Alternativen gewesen. Eine vierte M&ouml;glichkeit gab es nicht.</p>
<p>Zu Rambouillet: Er habe nie behauptet, dass es an Annex B gescheitert sei.</p>
<p>Dilemma zwischen globaler G&uuml;ltigkeit von Menschenrechten und begrenzten Handlungsm&ouml;glichkeiten &ndash; schreckliche Selektivit&auml;t wg. unterschiedlicher Interessenlagen.</p>
<p>Vertreibungen liefen umfassend ab Februar 1998, ab M&auml;rz 1999 war es V&ouml;lkermord.</p>
<p>Nichtmilit&auml;rische Mittel k&ouml;nnen nicht alles verhindern! Die Friedensbewegung habe sich vor der Diskussion dieser Frage gedr&uuml;ckt. (&hellip;)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">08.09. Verteidigungsausschuss TOP 1 Kosovo:</span></p>
<p>- Minister Scharping: Die deutsche Verantwortung wachse mit General Reinhardt als COMKFOR und Tom Koenigs als Leiter der UNMIK-S&auml;ule Zivilverwaltung.</p>
<p>Anhaltende Probleme mit Waffenschmuggel, hoher Gewaltbereitschaft. Zzt. 49.000 KFOR-Kr&auml;fte, davon 5.900 von Nicht-NATO-Mitgliedern. RUS mit 3.600 Soldaten.</p>
<p>Zzt. noch 9.000 UCK. Teile haben versucht, Demilitarisierungsbestimmungen zu unterlaufen, z.T. Aufbau neuer Strukturen. KFOR werde neue milit&auml;rische Strukturen nicht dulden!</p>
<p>Die Bedrohung von Minderheiten sei unver&auml;ndert. Erste Anzeichen von (serb.) R&uuml;ckkehr.</p>
<p>Der Aufbau von Polizeikr&auml;ften (kosovarisch und international) verlaufe schleppend.</p>
<p>Von 400 vermuteten Massengr&auml;bern seien bisher 80 gefunden worden. Nur 25% der Wohnungen seien unzerst&ouml;rt.</p>
<p>- W.N. zum langsamen Aufwuchs der internationalen Polizeikr&auml;fte, die hier erstmalig Exekutivbefugnisse haben. Hier gebe es eine erhebliche Planungsl&uuml;cke, letztlich ein Vers&auml;umnis der Politik. Das zeige sich in den Ausschussberatungen des Bundestages, wo die Polizeikomponente strukturell vernachl&auml;ssigt werde.</p>
<p>PERS&Ouml;NLICHE NACHBEMERKUNGEN</p>
<p>Bei der Zusammenstellung der R&uuml;ckblenden zu Kosovokonflikt und -krieg kommt mir wieder die damalige Aufgew&uuml;hltheit, die Konflikte, Zerrissenheiten, Ersch&uuml;tterungen, Zorn und Entt&auml;uschungen nahe. Es waren Monate eines politischen, ethischen, menschlichen Konflikts und extremen Drucks, wie ich es bis dahin nie erlebt hatte. Es war kaum auszuhalten. (Manche Zusammenst&ouml;&szlig;e im Rahmen der &bdquo;politischen Bodenk&auml;mpfe&ldquo; hatten das Potenzial, traumatisierend zu wirken.)</p>
<p>Ich frage mich, was mich bei so viel politischem Gegenwind, ja Gegensturm durchhalten lie&szlig;?</p>
<p>- Es war ganz und gar kein Glaube an milit&auml;rische Konfliktl&ouml;sung, kein sog. &bdquo;humanit&auml;rer Interventionismus&ldquo; oder blinde Koalitionsdisziplin. Das zeigen meine argumentativen Papiere, Reden und meine Diskussionsveranstaltungen, meine Grundhaltung des <strong>Genauer Hinsehens</strong> ohne Scheuklappen. Die Gefahr, aus richtigen Gr&uuml;nden das Falsche zu tun (vgl. R&uuml;ckblende V), war mir sehr bewusst und damit die Bereitschaft zur Selbstkritik, das Risiko des &bdquo;Schwankens&ldquo;. Raum daf&uuml;r gab die politische (Streit)Kultur der Gr&uuml;nen, deren bisherigen 20 Jahre von intensiven und kontroversen Diskussionsprozessen und starker Basisorientierung gepr&auml;gt waren. Elementaren R&uuml;ckhalt daf&uuml;r gab mein Team (Andreas, Iris, Michael, Angela) mit seiner verl&auml;sslichen und kritischen, nie blinden Loyalit&auml;t.</p>
<p>- Elementar waren meine <strong>Grundorientierungen</strong>, die sich in den drei Schl&uuml;sselerfahrungen unseres Bosnien-Besuches im Oktober 1996 (mir Fraktions- und Parteispitze) manifestierten: (a) am Hang von Sarajevo die versp&auml;tete Einsicht, dass es Situationen gibt, wo zum Schutz von Menschen vor Massengewalt der Einsatz milit&auml;rischer Gewalt legitim, notwendig und verantwortbar sein kann; (b) die Begegnung mit deutschen IFOR-Offizieren, die &uuml;berzeugt und glaubw&uuml;rdig ihren UN-Auftrag der Kriegsverh&uuml;tung durchf&uuml;hrten; (c) die Bekr&auml;ftigung unserer langj&auml;hrigen Position von Dringlichkeit und Nachholbedarf ziviler Krisenpr&auml;vention.</p>
<p>Unser &bdquo;Gel&ouml;bnis von Banja Luka&ldquo;: Im Einflussbereich europ&auml;ischer Politik darf es ein zweites Bosnien nicht mehr geben!</p>
<p>- <strong>Annahme des &bdquo;B&uuml;hnenwechsels&ldquo; Regierungsmitverantwortung</strong>: In Opposition kann man sich damit begn&uuml;gen, mutma&szlig;liche Fehler der Regierenden zu kritisieren und Forderungen &ndash; auch unabh&auml;ngig von ihrer Realit&auml;tst&uuml;chtigkeit - zu erheben. Regierungsverantwortung zeichnet sich dadurch aus, dass politische Werte, Interessen, Ziele im HIER und JETZT, unter gegebenen Rahmenbedingungen und in Abstimmung der Verb&uuml;ndeten verfolgt werden. Hinzu kommt die Verantwortung f&uuml;r die Folgen des eigenen Tuns wie Unterlassens. Gerade beim internationalen Krisenmanagement gibt es oft keine Vertagungsm&ouml;glichkeit, ist der Zeit- und Entscheidungsdruck enorm. Mit anderen Worten: Schritte zur Probleml&ouml;sung stehen im Mittelpunkt. Nicht selten sind es Entscheidungen zwischen gr&ouml;&szlig;eren und kleineren &Uuml;bel.</p>
<p>- <strong>Gewaltfreiheit anders buchstabieren</strong>: Eine Regierung ist hauptverantwortlich f&uuml;r die Art und Weise, wie das staatliche Gewaltmonopol wahrgenommen wird &ndash; nach innen und au&szlig;en. Insofern ist prinzipielle Gewaltfreiheit in Regierungshandeln nicht durchhaltbar. Der Grundwert Gewaltfreiheit ist deshalb nicht pass&eacute;. Er muss in staatlicher Verantwortung nur anders buchstabiert werden: Das Ziel Gewaltfreiheit schlie&szlig;t des Schutz vor illegitimer Gewalt ein und wird durch den Vorrang von Gewaltpr&auml;vention, durch Eind&auml;mmung und Beendigung illegitimer Gewalt mit den Mitteln und Methoden des Rechtsstaates (bzw. des V&ouml;lkerrechts) verfolgt. Ein Individuum kann &ndash; wie in der fr&uuml;heren KDV-Entscheidung &ndash; den Einsatz von milit&auml;rischer Gewalt prinzipiell verweigern. Ein Rechtsstaat kann seine Schutzpflicht f&uuml;r seine B&uuml;rgerInnen nicht verweigern. Ohne den Zwang zu Realpolitik durch eine Regierungsbeteiligung w&auml;re vermutlich die Mehrheit der Gr&uuml;nen auf der Seite des Protestes gegen die NATO-Luftangriffe auf der Stra&szlig;e gewesen. Der Teil der Gr&uuml;nen, f&uuml;r die &bdquo;Kein zweites Bosnien&ldquo; zum kategorischen Imperativ geworden war, h&auml;tte sich f&uuml;r internationale Politik zum Stopp des serbischen Vertreibungsterrors und eine m&ouml;glichst friedliche Konfliktl&ouml;sung eingesetzt. (Ob da die Gr&uuml;nen noch zusammengeblieben w&auml;ren, ist fraglich)</p>
<p>- <strong>Die sachliche Kompetenz, &Uuml;berzeugungskraft und Glaubw&uuml;rdigkeit</strong> etlicher Spitzenvertreter von Ausw&auml;rtigem Amt und BMVg/Bundeswehr, die besondere F&uuml;hrungskraft von Joschka Fischer, dem gegen&uuml;ber ich kritische Loyalit&auml;t empfand. Angesichts seiner &Uuml;berzeugungskraft, die &uuml;berw&auml;ltigen konnte, war eine gewisse Distanz ihm gegen&uuml;ber sehr hilfreich, um die eigene Selbst&auml;ndigkeit zu wahren.</p>
<p>- <strong>Die politische Alternative (a)</strong> der Konfliktbearbeitung und &ndash;l&ouml;sung: In der Vorgeschichte des NATO-Luftkrieges gab es etliche politische Alternativen, mit denen vielleicht die Eskalation zum Krieg h&auml;tte verhindert werden k&ouml;nnen. In Rambouillet wurde um eine friedliche L&ouml;sung gek&auml;mpft. Bei meinen Dutzenden Basisveranstaltungen zum Kosovokrieg fragte ich regelm&auml;&szlig;ig nach m&ouml;glichen Alternativen der Gewalt- und Konflikteind&auml;mmung im Kosovo. Antworten: Fehlanzeige. Ein Ausscheiden der Gr&uuml;nen aus der Bundesregierung h&auml;tte den NATO-Luftkrieg um keine Bombe reduziert &ndash; und die diplomatischen Bem&uuml;hungen des gr&uuml;nen Au&szlig;enministers begraben.</p>
<p>- <strong>Die innenpolitische Alternative (b</strong>): Der Gr&uuml;ne Parteitag von Bielefeld h&auml;tte dem Kurs der Bundesregierung das Vertrauen entziehen k&ouml;nnen. Wahrscheinlich w&auml;re das auf zwei Optionen hinausgelaufen: Entweder Bruch der rot-gr&uuml;nen Koalition sieben Monate nach Start (mit geringer Restchance einer Wiederauferstehung) oder Spaltung der gr&uuml;nen Fraktion/vielleicht auch Partei. Eine solche mutma&szlig;liche Selbstzerst&ouml;rung der Gr&uuml;nen zu verhindern, war f&uuml;r viele Delegierte in Bielefeld, auch mich, ein gewichtiges Motiv.</p>
<p>War bei den &bdquo;Regierungsgr&uuml;nen&ldquo;&nbsp; die &bdquo;Verf&uuml;hrung und Korruption der Macht&ldquo; ausschlaggebend, wie viele Gegner des NATO-Luftkrieges den &bdquo;Verr&auml;tern&ldquo; der rot-gr&uuml;nen Koalition vorwarfen? Ich habe davon nichts gesp&uuml;rt und geh&ouml;rt. Liebend gern h&auml;tte man auf diesen Superstress verzichten k&ouml;nnen. Als 53-J&auml;hriger sagte ich mir damals aber: Nach 26 Jahren au&szlig;erparlamentarischer, vier Jahren parlamentarischer Opposition und gerade sieben Monaten Koalition mussten wir stehen, hatten wir uns in der Extremsituation zu bew&auml;hren, hatten es besser zu machen statt in &bdquo;leichter Opposition&ldquo; blo&szlig; vermeintlich besser zu wissen. H&auml;tte es Anhaltspunkte gegeben, dass die Union beim Krisenmanagement Kosovo besser gewesen w&auml;re, dann w&auml;re das eine echte Alternative gewesen. Solche Anhaltspunkte sind mir damals nicht begegnet.</p>
<p>- <strong>Aufarbeitung, Bilanzierung, Lernen?</strong> In der praktischen Politik wurden erhebliche Lehren gezogen: mit dem grenz- und ressort&uuml;bergreifenden Stabilit&auml;tspakt; mit dem Aufbau einer Infrastruktur zivile Krisenpr&auml;vention in Deutschland und dem Zentrum Internationale Friedenseins&auml;tze und dem Zivilen Friedensdienst als zentralen Projekten; mit dem internationalen Krisenmanagement zu Montenegro, Presevotal und Mazedonien (2000/2001), wo jeweils kriegerische Eskalationen erfolgreich verhindert wurden. Die gr&uuml;ne Bundestagsfraktion und v.a. ihr AK IV blieb mit Veranstaltungen, Stellungnahmen und Materialsammlungen intensiv am Thema Kosovo/Balkan dran. In ausf&uuml;hrlichen Stellungnahmen widersprach ich Generalabrechnungen mit der rot-gr&uuml;nen Kriegsbeteiligung, wie sie Eugen Drewermann, die nahestehenden Friedensforscher Dieter S. Lutz und Reinhard Mutz und ARD-Monitor mit der Dokumentation &bdquo;Es begann mit einer L&uuml;ge&ldquo; ver&ouml;ffentlicht und damit ein breites Echo gefunden hatten. Da sich die eigene Regierung gegen eine systematische und unabh&auml;ngige Aufarbeitung des Kosovokrieges und der deutschen Beteiligung daran sperrte, entwickelten wir im AK IV im Juni 2001 detaillierte Vorschl&auml;ge zu einer solchen Aufarbeitung. Bevor diese in der Fraktion zur Abstimmung gebracht werden konnten, &auml;nderte sich nach der Sommerpause die internationale Tagesordnung fundamental mit dem 11. September. Zur selben Zeit erschien &bdquo;Der letzte Krieg in Europa? Der Kosovo und die deutsche Politik&ldquo; von G&uuml;nter Joetze. Der langj&auml;hrige und erfahrene deutsche Diplomat bekam f&uuml;r seine Studie vom Bundeskanzleramt und Ausw&auml;rtigen Amt Akteneinsicht und sprach mit wesentlichen Akteuren. Hans Monath beurteilte die Studie als &bdquo;pr&auml;ziser und verl&auml;sslicher als jede andere bisher erschienene Untersuchung zum Thema&ldquo;.</p>
<p>( <a href="https://www.tagesspiegel.de/politik/der-letzte-krieg-in-europa-lektion-kosovo/263460.html">https://www.tagesspiegel.de/politik/der-letzte-krieg-in-europa-lektion-kosovo/263460.html</a> ) Umso bedauerlicher, dass sie in der breiteren &Ouml;ffentlichkeit, vor allem bei den Gegnern der deutschen Kosovopolitik, kaum bis keine Beachtung fand.</p>
<p><strong><em>Meine politischen Bilanzen: </em></strong></p>
<p><strong><em>- </em></strong><em>Kosovo-Bilanz, Textentwurf f&uuml;r die Friedens- und sicherheitspolitische Kommission von B&uuml;ndnis 90/Die Gr&uuml;nen, 23.05.2008 (fast unver&auml;ndert im Abschlussbericht, s. 41 ff., </em><a href="https://gruene-frieden.de/userspace/BV/bag_frieden/Dokumente/Archiv/247629.frisikoabschlussbericht.pdf"><em>https://gruene-frieden.de/userspace/BV/bag_frieden/Dokumente/Archiv/247629.frisikoabschlussbericht.pdf</em></a><em> )</em></p>
<p><em>- 10. Jahrestag des Kosovo-Luftkrieges: Pers&ouml;nlich-politischer R&uuml;ckblick eines Abgeordneten, 23.03.2009, </em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=81&amp;aid=829"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=81&amp;aid=829</em></a></p>
<p><em>- Vergessener Kosovoeinsatz? Blo&szlig; nicht!Die Leistungen der Bundeswehr im KFOR-Verbund, Vortrag am 20. Februar 2019 im Einsatzf&uuml;hrungskommando bei Potsdam.</em></p>
<p>- <strong>Eine solche Entscheidungssituation heute? </strong>&Uuml;ber die sozialen Medien und angeheizt von Desinformationsoperationen interessierter Kr&auml;fte st&auml;nden heute die Mitentscheidungstr&auml;ger im Bundestag vermutlich unter einem viel h&ouml;heren &ouml;ffentlichen Druck, w&auml;re ein shithurricane zu erwarten. Die Ausstattung der deutschen Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik mit strategief&auml;higen, kommunikationsstarken F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeiten ist ein anderer Knackpunkt. Wie es um den steht, k&ouml;nnen andere besser beurteilen.</p>
<p>ANMERKUNGEN</p>
<p>(1) &bdquo;<strong>Geschichtslosigkeit und Wegsehen</strong>: Die Zustimmung der gr&uuml;nen Fraktionsmehrheit zur Androhung von NATO-Luftangriffen im Oktober f&uuml;hrte vor allem zu Protesten aus den Reihen der verbliebenen Friedensbewegung. Ein umfassender, auch die gr&uuml;ne Basis ergreifender Protest setzte mit dem NATO-Krieg am 24. M&auml;rz ein. Gro&szlig;e Teile des Antikriegsprotestes erweckten den Eindruck, als h&auml;tte der Krieg im Kosovo erst zu dem Zeitpunkt begonnen. Der Ursprungskrieg, der rassistische Vertreibungskrieg gegen die kosovo-albanische Zivilbev&ouml;lkerung seit Februar 1999 und sein &bdquo;Probelauf&ldquo; vor einem Jahr, wurde auff&auml;llig wenig erw&auml;hnt und bei Kundgebungen oft nur in Art einer Pflicht&uuml;bung verurteilt. Beispielhaft daf&uuml;r ist die Erkl&auml;rung von &bdquo;Erziehungswissenschaftlern zum Jugoslawienkrieg und seinen Folgen&ldquo;, die eine angebliche &bdquo;ideologische, z.T. verhetzende Aufr&uuml;-stungskampagne von Bundesregierung und Massenmedien gegen Serbien&ldquo; anprangert, zum Schicksal der Kosovo-Albaner aber &bdquo;mitleidlos schweigt&ldquo;. (Micha Brumlik)</p>
<p>Keine Rolle spielen in der Regel die <strong>Erfahrungen der acht Jahre Krieg</strong> und Nichtfrieden in Ex-Jugoslawien, die Erinnerungen an die fr&uuml;heren &bdquo;ethnischen S&auml;uberungen&ldquo;, das Schicksal der UN-&bdquo;Schutzzonen&ldquo; in Bosnien, die Selektionen und Massaker von Srebrenica, den milit&auml;risch erzwungenen Waffenstillstand von Dayton, die unverzichtbare Rolle von Sfor (und damit der NATO und Bundeswehr) bei der Wahrung des Waffenstillstandes ...</p>
<p>Ich &bdquo;erlebte&ldquo; das nachtr&auml;glich im Herbst 1996 am Hang oberhalb Sarajewos. Von dort hatten jahrelang serbische Belagerer die Menschen unten in der Mausefalle abgeschossen. Dort sp&uuml;rte ich als menschlichen und europ&auml;ischen Verrat, was die Staaten, was auch wir als Opposition zugelassen hatten. (vgl. &bdquo;Die Reise der Gr&uuml;nen durch Bosnien und das Gel&ouml;bnis von Banja Luka: Rumrutschen in der Mausefalle&ldquo;, SZ vom 28.10.1996)</p>
<p>Deutlich und glaubw&uuml;rdig verurteilen die meisten gr&uuml;nen Gegner des NATO-Krieges den serbischen Vertreibungskrieg. Als aber Angelika Beer auf der BDK einen Bericht &uuml;ber Massenerschie&szlig;ungen im Kosovo zitierte, schrie ihr ein Delegierter dazwischen &bdquo;h&ouml;r auf mit dem Schei&szlig;, das kennen wir doch reichlich von Scharping!&ldquo; Das war symptomatisch f&uuml;r eine verbreitete Stimmung: Selbstverst&auml;ndlich ist man gegen die Vertreibungen. Aber im Mittelpunkt der Wahrnehmung, der Kritik und Forderungen steht der NATO-Krieg. Beg&uuml;nstigt wird das durch eine breite, noch stark in den 80er Jahren gepr&auml;gte Anti-NATO-Haltung und das <strong>Bild des Krieges</strong> heute.</p>
<p>Dieses wird auf Dauer vor allem durch Fernsehbilder gepr&auml;gt: von den Fl&uuml;chtlingsmassen in Albanien und Mazedonien, von den zivilen Opfern und Zerst&ouml;rungen auf serbischer Seite &ndash; den Br&uuml;cken, Fabriken, Wohnh&auml;usern, Krankenh&auml;usern. Zerst&ouml;rungen milit&auml;rischer Objekte sind nur als unwirkliche NATO-Videos zu sehen. Unbebildert, praktisch unsichtbar bleibt der Vertreibungskrieg mit seinen Grausamkeiten. Der ist wohl durch die Aussagen von weit &uuml;ber tausend Fl&uuml;chtlingen gegen&uuml;ber OSZE und UNHCR breit dokumentiert und belegt. Aber es sind nur Wortberichte, die relativ abstrakt bleiben &ndash; und die viele in st&auml;ndiger Wiederholung aus dem Mund sich legitimierender Minister immer weniger h&ouml;ren k&ouml;nnen. So w&auml;chst sukzessive ein Bild des Krieges, wo die NATO zum Hauptt&auml;ter wird.</p>
<p>Ich stelle mir vor, die heutige Mediengesellschaft h&auml;tte es schon 1942 ff. gegeben: mit vom Gro&szlig;deutschen Rundfunk t&auml;glich gelieferten Bildern von bombardierten deutschen St&auml;dten, aus K&ouml;ln, Hamburg; mit blo&szlig;en Wortberichten ab und zu aus Polen und der Sowjetunion &uuml;ber unglaubliche Kriegsverbrechen &ndash; wie h&auml;tte darauf die westliche &Ouml;ffentlichkeit auf Dauer reagiert?</p>
<p>Dass dieser seit Jahren vor unseren Augen stattfindende Konflikt unter Friedensbewegten, Antimilitaristen und Gr&uuml;nen so diametral unterschiedlich wahrgenommen und verarbeitet wird, dass ich sogar beim eigenen Kreisverband trotz meiner st&auml;ndigen Informationsangebote so viel Erinnerungslosigkeit und Wegsehen erlebe, macht mich ratlos, ja verzweifelt.&ldquo;</p>
<p align="left"><strong>(2) &bdquo;Kriegsillusionen und &ndash;realit&auml;ten</strong>: Die Sicht auf die Wirklichkeit des Kosovokrieges wurde und wird beeintr&auml;chtigt durch falsche Erwartungen, durch selektive Information und Wahrnehmung, durch Propaganda und nicht zuletzt durch die generelle Unberechenbarkeit von Kriegen.</p>
<p align="left">Es fing an mit der <strong>parlamentarischen Kontrolle der NATO-Strategie</strong>. Die Strategie der &bdquo;begrenzten und in Phasen durchzuf&uuml;hrenden Luftoperationen zur Abwendung einer humanit&auml;ren Kata-strophe&ldquo; wurde im Vorfeld der Bundestagsentscheidung vom 16. Oktober auf parlamentarischer Ebene keineswegs systematisch durchdiskutiert. Der m&ouml;gliche Krieg wurde nicht gedacht. Im Mittelpunkt stand die Legitimation des Zweckes, die Notwendigkeit der Drohung. Kaum gepr&uuml;ft, geschweige offen diskutiert wurde die Rationalit&auml;t der Ziele und Funktionalit&auml;t der Mittel.</p>
<p align="left">Als schlie&szlig;lich im M&auml;rz die NATO-Kriegsmaschinerie anlief, gab es Unterrichtungen im Verteidigungs- und Ausw&auml;rtigen Ausschuss und eine Bundestagsdebatte. Das war`s dann aber. Angesichts der Frage, was passieren w&uuml;rde, wenn Milosevic nicht einlenkte, fanden wir uns mit der allgemeinen Ratlosigkeit ab, der worst case wurde kollektiv verdr&auml;ngt bzw. mit &bdquo;keine Spekulationen!&ldquo; abgetan. Die Frage nach der m&ouml;glichen Dauer der Luftangriffe &ndash; Tage, Wochen, Monate &ndash; , nach ihren Wirkungsm&ouml;glichkeiten und Risiken wurde nicht gestellt. Eine klare, syste-matische und vor allem ehrliche Strategiedebatte unterblieb weiterhin. Trotz allen Wissens um die begrenzten &bdquo;Erfolgsaussichten&ldquo; von Luftangriffen herrschte die aus den Erfahrungen mit Milosevic und Wunschdenken erwachsene Erwartung vor, in wenigen Tagen werde es vorbei sein. Die grunds&auml;tzliche Unberechenbarkeit von Kriegen war nicht pr&auml;sent.</p>
<p align="left">Als das nicht funktionierte, als die serbischen bewaffneten Kr&amp;a</div>


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