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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Im ISAF-Abzugsjahr 2014 Zunahme der Zivilopfer um 22%, durch BodenkÃ¤mpfe um 54%! Neuester UNAMA-Bericht)</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

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            Im ISAF-Abzugsjahr 2014 Zunahme der Zivilopfer um 22%, durch BodenkÃ¤mpfe um 54%! Neuester UNAMA-Bericht)         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 27. Februar 2015 17:22:37 +02:00 (139132 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>ISAF ist beendet, die Masse der internationalen Truppen ist abgezogen. Manche erwarteten damit einen R&uuml;ckgang des Krieges in Afghanistan. Das Gegenteil ist der Fall. Hier meine Zusammenfassung des UNAMA-Jahresberichts 2014 zu Zivilopfern.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong><span style="text-decoration: underline;">Im ISAF-Abzugsjahr 2014 Intensivierung des Krieges:</span></strong></p>
<p align="center"><strong><span style="text-decoration: underline;">Zunahme der Zivilopfer um 22% auf 10.548 Tote und Verletzte,</span></strong></p>
<p align="center"><strong><span style="text-decoration: underline;">durch Bodenk&auml;mpfe um 54%! </span></strong><span style="text-decoration: underline;">(UNAMA-Bericht 2014)</span></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei (Februar 2015)</p>
<p><em>Der UNAMA-Jahresbericht 2014 &bdquo;Schutz von Zivilpersonen im bewaffneten Konflikt&ldquo; wurde am 19. Februar ver&ouml;ffentlicht. Am selben Tag erlebte ich in Mazar-e Sharif beim Besuch von Entwicklungsprojekten und Blauer Moschee etwas von dem &bdquo;anderen&ldquo; Afghanistan: quirlige Normalit&auml;t, relative Ruhe und zusammen mit Entwicklungsexperten eine Bewegungsfreiheit, wie sie internationale&nbsp; Soldaten und Polizisten hier seit Jahren nicht mehr kennen. (Bericht folgt)</em></p>
<p><em>Seit 2009 dokumentiert UNAMA systematisch die Zivilopfer im bewaffneten Konflikt in Afghanistan. Der Jahresbericht 2014 vom 19. Februar 2015 unter</em></p>
<p><a href="http://unama.unmissions.org/Portals/UNAMA/human%20rights/2015/2014-Annual-Report-on-Protection-of-Civilians-Final.pdf"><em>http://unama.unmissions.org/Portals/UNAMA/human%20rights/2015/2014-Annual-Report-on-Protection-of-Civilians-Final.pdf</em></a><em> .<a title="" href="#_ftn1"><strong>[1]</strong></a> Da ISAF und die US-Administration in 2013 ihre laufende, detaillierte Berichterstattung zur Sicherheitslage einstellten und die regelm&auml;&szlig;igen Berichte des Afghanistan NGO Safety Office (ANSO, jetzt unter INSO) nicht mehr zug&auml;nglich sind, ist der UNAMA-Bericht die einzige &ouml;ffentlich zug&auml;ngliche Quelle zur Sicherheitsentwicklung in Afghanistan.<a title="" href="#_ftn2"><strong>[2]</strong></a></em></p>
<p><strong>(1) Zusammenfassung</strong></p>
<p>In 2014 nahm die Zahl der Zivilopfer gegen&uuml;ber 2013 um 22% auf 10.548 zu. Sie &uuml;bertraf damit den bisherigen Negativrekord des Jahres 2011, der bei 7.842 Zivilopfern lag. Im Jahr 2014 kamen im Kontext des bewaffneten Konflikts 3.699 Zivilpersonen zu Tode (3.133 in 2011), 6.849 wurden verletzt (4.709 in 2011), 25% bzw. 21% mehr als 2013.</p>
<p>Erstmalig kamen in Afghanistan im Rahmen des bewaffneten Konflikts die meisten Zivilpersonen bei Bodenk&auml;mpfen um`s Leben &ndash; 1.092. In den Vorjahren waren IED`s die Killer Nr. 1.</p>
<p><em>(Lt. New York Times vom 22.10.2014 fielen von M&auml;rz bis August 950 afghanische Soldaten und 2.200 Polizisten!</em>)</p>
<p>Diese katastrophale Sicherheitsentwicklung m&uuml;sste&nbsp; j e d e r&nbsp; Seite zutiefst zu denken geben:</p>
<p>- den Einsatzbef&uuml;rwortern, weil ISAF kein sicheres Umfeld (so der Kernauftrag) hinterlie&szlig;. Ob mit der Aufbauhilfe f&uuml;r die afghanischen Sicherheitskr&auml;fte (ANSF) die Voraussetzungen f&uuml;r verbesserte und nachhaltige Sicherheit geschaffen wurden, wird sich erst in Jahren zeigen;</p>
<p>- den Sofortabzugs-Bef&uuml;rwortern, weil der ISAF-Abzug den Krieg in Afghanistan keineswegs schrumpfen lie&szlig;, sondern mit einer Zunahme an K&auml;mpfen unter Afghanen einherging, mit regelrechten Massakern an Polizisten dort, wo die Alliierten L&uuml;cken hinterlie&szlig;en.</p>
<p>Schon die ersten Wochen von 2015 zeigen, dass afghanische Sicherheitskr&auml;fte und Taliban die Kampfsaison 2015 zu einem Wendepunkt im Konflikt machen wollen. Wenn sich die bisherigen Trends von mehr Bodenk&auml;mpfen, des Einsatzes von indirektem Feuer und IED`s in bewohnten Gebieten so fortsetzen, dann ist eine weitere Zunahme von Zivilopfern in 2015 h&ouml;chstwahrscheinlich.</p>
<p><strong>(2) Gef&auml;hrliche neue Drehung des bewaffneten Konflikts: Erstmalig gab es die meisten Zivilopfer bei Bodenk&auml;mpfen und Kreuzfeuer</strong>. In 2014 wurden die meisten Menschen bei Bodenk&auml;mpfen get&ouml;tet (1.092) und verletzt (2.513). Das waren 34% aller Zivilopfer und ein Anstieg um 54% ggb. dem Vorjahrszeitraum! (Mehr als die H&auml;lfte der Zivilopfer wurden durch indirektes Feuer von M&ouml;rsern und Granaten verursacht.) 43% der Zivilopfer bei Bodenk&auml;mpfen werden regierungsfeindlichen Kr&auml;ften zugeordnet (+51%), 26% Pro-Regierungskr&auml;ften (+141%).</p>
<p>Das f&uuml;hrte zu einem <strong>besonderen Anstieg der Opfer bei Kindern</strong> (+40% auf 714 Tote und 1.760 Verletzte) und <strong>Frauen</strong> (+21% auf 256 Tote, 611 Verletzte). UNAMA berichtet &uuml;ber das Schicksal von Frauen, die ihren Ehemann verloren haben und nun alleinige Ern&auml;hrerin ihrer Familie sind: ein Viertel der Befragten berichtete nach Verlust des Mannes von Gewalt durch Verwandte und im n&auml;heren Umfeld (Beschimpfungen, Vertreibung aus dem Haus, Misshandlungen, Zwangswiederverheiratung).</p>
<p>Die Zunahme von Zivilopfern durch Bodenk&auml;mpfe erfasst alle Regionen Afghanistans, besonders stark im S&uuml;den (von 368 auf 925), Nordosten (129 auf 353) und Norden (196 auf 435). Allein in Helmand wurden 282 Zivilpersonen get&ouml;tet und 458 verletzt, in Kunar 56/284, Faryab 118/197.</p>
<p>Beispiele: Am 18. August f&uuml;hrte ein M&ouml;rsereinsatz der ANA in Kunduz City zu 14 Ziviltoten, darunter sieben Kindern, und 14 Verletzten. Am 31. Dezember wurden in Sangin/Helmand bei einer Hochzeitsfeier 29 Frauen und Kinder durch ANA-M&ouml;rsergranaten get&ouml;tet und 53 Zivilpersonen (davon 46 Frauen und Kinder) verletzt.</p>
<p>Zugenommen haben Spezialoperationen, die von ANSF gef&uuml;hrt und internationalen Spezialkr&auml;ften unterst&uuml;tzt wurden: Dabei stieg die Zahl der Zivilopfer um 9% auf 102 Tote und 83 Verletzte.</p>
<p>(<em>Der UNAMA-Bericht 1. Hj. 2014 schilderte die K&auml;mpfe in <strong>Helmand</strong> zwischen dem 18. und 30. Juni, wo&nbsp; allein 50 Zivilpersonen get&ouml;tet und 265 verletzt wurden, 40% Frauen und Kinder, die Mehrzahl der Opfer aus dem Distrikt Sangin. Begonnen hatte es am 18.6. mit einem synchronisierten Angriff von ca. 800 Aufst&auml;ndischen auf ANP-Posten in Sangin, Kajaki, Musa Qala und Nahr-e Saraj. In den tagelangen K&auml;mpfen wechselten die Gebiete mehrfach ihre &bdquo;Besitzer&ldquo;</em>.</p>
<p><em>In der New York Times vom 22.12.2014 berichtete Rod Nordland &uuml;ber die dreit&auml;gigen K&auml;mpfe Ende November im fr&uuml;heren Camp Bastion. Den britischen Hauptst&uuml;tzpunkt in Helmand hatten die letzten britischen und US-Truppen einen Monat zuvor verlassen. In den jetzigen Camp Shorab Maidan befindet sich das Hauptquartier des 215th ANA-Corps. Den Aufst&auml;ndischen war es gelingen, das Camp zu infiltrieren. Zwischen Juni und November fielen &uuml;ber 1.300 afghanische Soldaten und Polizisten in einer Provinz, die doppelt so gro&szlig; wie Brandenburg ist und aus fruchtbaren Flusst&auml;lern und W&uuml;ste besteht! Die h&auml;rtesten K&auml;mpfe liefen in Sangin (67.000 Einwohner, 508 km<sup>2), </sup>wo die Aufst&auml;ndischen innerhalb einer Meile um das Distriktzentrum standen. Polizisten berichteten, das hier nur noch die asphaltierte Stra&szlig;e unter Kontrolle der Regierungskr&auml;fte gewesen sei. Ein j&uuml;ngster Bericht von &bdquo;Coffey International Development&ldquo; komme zu dem Ergebnis, dass sich seit dem Abzug der internationalen Kr&auml;fte Korruption, Sicherheit und &ouml;ffentliche Dienstleistungen verschlechtert h&auml;tten. 2010/11 standen in Helmand mehr als 40.000 ausl&auml;ndische Soldaten.</em></p>
<p><a href="http://www.nytimes.com/2014/12/23/world/taliban-push-into-afghan-districts-that-us-had-secured.html"><em>http://www.nytimes.com/2014/12/23/world/taliban-push-into-afghan-districts-that-us-had-secured.html</em></a> .<a title="" href="#_ftn3">[3]</a>)</p>
<p><strong>(3) Durch von regierungsfeindlichen Kr&auml;ften eingesetzte IED`s </strong>wurden 925 Zivilpersonen get&ouml;tet und 2.053 verletzt, ein Anstieg um 3%. Durch Druckplatten-IED`s wurden 417 Zivilpersonen get&ouml;tet und 385 verletzt. Der Einsatz dieser IED`s verst&ouml;&szlig;t gegen das v&ouml;lkerrechtliche Verbot von Antipersonenminen.</p>
<p>Zivilopfer durch IED nahmen am st&auml;rksten zu im Nordosten (von 137 auf 288), Central (von 138 auf 204) und Norden (von 254 auf 357). Im S&uuml;den gab es einen leichten R&uuml;ckgang &ndash; allerdings auf Extremniveau (von 1108 auf 1013).</p>
<p><strong>(4) Bei 107 Selbstmordanschl&auml;gen und komplexen Angriffen</strong> wurden 371 Zivilpersonen get&ouml;tet und 1.211 verletzt, ein Anstieg um 28% ggb. 2013. Ein Beispiel: Bei einem Selbstmordangriff bei einem Volleyballspiel mit 400 Zuschauern am 23. November in Yahya Khel/Paktika wurden 53 Zivilpersonen get&ouml;tet (davon 21 Kinder) und 85 verletzt. Get&ouml;tet wurden auch 10 Polizisten. Keine Konfliktpartei &uuml;bernahm die Verantwortung. Auch die Taliban verurteilten den Angriff und k&uuml;ndigten eine Untersuchung an. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den seit Dezember 2011 opferreichsten Anschlag in Afghanistan.</p>
<p><strong>Durch targeted killings </strong>wurden 753 Zivilpersonen get&ouml;tet und 361 verletzt, ein R&uuml;ckgang um 5%. Die Anschl&auml;ge richteten sich vor allem gegen Stammes&auml;lteste, Regierungsvertreter, Mullahs (17 Angriffe)und Justizangeh&ouml;rige (40 Angriffe).</p>
<p><strong>Bestrafungen durch Paralleljustiz regierungsfeindlicher Kr&auml;fte: </strong>49 Vorf&auml;lle mit summarischen Hinrichtungen, 17 Enthauptungen, Amputationen. Dabei vervierfachte sich die Zahl der Opfer auf 96.</p>
<p><strong>Auf humanit&auml;re Minenr&auml;umer</strong> ver&uuml;bten Aufst&auml;ndische 17 Angriffe. Dabei wurden 34 Menschen get&ouml;tet und 17 verletzt. &nbsp;Ausf&uuml;hrlich dargestellt wird das parallele Justizsystem der Taliban in Nord-Helmand.</p>
<p><strong>Gegen den Wahlprozess</strong> richteten sich 242 Angriffe von regierungsfeindlichen Kr&auml;ften. Dabei wurden 74 Zivilpersonen get&ouml;tet und 306 verletzt.</p>
<p><strong>(5) Verursacher der Zivilopfer</strong> waren lt. UNAMA 2014</p>
<p>-&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <strong>Regierungsfeindliche Kr&auml;fte</strong>/AGE: 72% aller Zivilopfer mit 2.643 Toten und 4.902 Verletzten, eine Zunahme um 18% ggb. dem Vorjahr.</p>
<p>-&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <strong>Pro-Regierungskr&auml;fte</strong>/PGF: 14% der Zivilopfer mit 468 Toten und 757 Verletzten (12% durch ANSF, 2% durch internationale Streitkr&auml;fte), eine Zunahme um 51% ggb. dem Vorjahr &ndash; trotz Ma&szlig;nahmen zur Verringerung der Zivilopfer. Durch Pro-Regierungs-Milizen wurden 53 Zivilpersonen get&ouml;tet und 49 verletzt, durch internationale Streitkr&auml;fte 101/50. 62% der Zivilopfer der PGF gab es bei Bodenk&auml;mpfen, 10% bei Search Operationen, 11% bei Luftangriffen.</p>
<p>-&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 10% der Zivilopfer waren nicht zuzuordnen.</p>
<p><strong>(6) Binnenfl&uuml;chtlinge</strong></p>
<p>Infolge des bewaffneten Konfliktes wurden 2014 156.193 Menschen zu Binnenfl&uuml;chtlingen (+8% ggb. 2013), die meisten in den Central-Provinzen Kapisa, Maidan, Wardak, Logar, in Helmand, im Norden in Faryab und Kunduz.</p>
<p><strong>(7) Afghan Local Police </strong>(27.950 Mann in 157 Distrikten in 29 Provinzen): Bei 105 Zwischenf&auml;llen wurden von der ALP 52 Zivilpersonen get&ouml;tet und 69 verletzt. (1% aller Zivilopfer) Mehrere F&auml;lle von Einsch&uuml;chterungen und Vertreibungen durch ALP-Kr&auml;fte sind dokumentiert, so von 150-200 Familien in der Provinz Farah.</p>
<p>Nichtsdestoweniger: Viele Gemeinden begr&uuml;&szlig;ten weiterhin die Stabilit&auml;t und verbesserte Sicherheit durch die ALP &ndash; besonders in solchen Gebieten, wo sie auch rekrutiert und stationiert war. Die Lage im Nordosten, insbesondere in der Provinz Kunduz, bleibt beunruhigend. Mehr als die H&auml;lfte der durch ALP verursachten Zivilopfer geschehen im Nordosten, ein Anstieg um 34% ggb. dem Vorjahr. Geschildert werden Schritte zur Verfolgung von Straftaten und Menschenrechtsverletzungen durch ALP-Mitglieder.</p>
<p><strong>(8) Illegale bewaffnete Gruppen </strong>(&bdquo;Pro-Government armed groups&ldquo;): F&uuml;r 2014 beobachtete UNAMA einen signifikanten Anstieg von &Uuml;bergriffen ggb. der Zivilbev&ouml;lkerung. Bei 85 Zwischenf&auml;llen wurden 53 Zivilpersonen get&ouml;tet und 49 verletzt, ein Anstieg um 85%, bei Ziviltoten sogar um 194%. Die Mehrzahl der F&auml;lle geschah bei Bodenk&auml;mpfen. Die Zunahme von Zivilopfern korrespondiert mit der zunehmenden Aktivit&auml;t solcher Gruppen vor allem im Norden und Nordosten. In <strong>Kunduz, Baghlan</strong> und Faryab starteten die Taliban gro&szlig; angelegte Offensiven, denen die Regierung mit der Mobilisierung bewaffneter Gruppen begegnete. Der wachsende Einfluss dieser Gruppen unterminierte die Regierungsautorit&auml;t. In etlichen Distrikten &ndash; z.B. <strong>Khanabad in Kunduz</strong> &ndash; waren die offiziellen Sicherheitskr&auml;fte einfach zu schwach. In Khanabad k&auml;mpfen 900 bis 1.200 Bewaffnete verschiedener Milizen um Kontrolle &uuml;ber das Gebiet (S. 85). Am 4. August t&ouml;teten hier Milizion&auml;re einen Lehrer, der sich &ouml;ffentlich gegen illegale Abgaben gestellt hatte. Am 22. Oktober erschoss ein Bewaffneter einen Mitarbeiter der Schulverwaltung in Khanabad vor den Augen seiner Familie. Die Begr&uuml;ndung: Er habe sich geweigert, einem mit dem Kommandeur einer Miliz verbundenen Sch&uuml;ler bessere Noten zu geben.</p>
<p>Im September w&auml;hrend der Taliban-Offensive auf Kunduz-City bekamen illegale Milizen Waffen von den ANSF. (vgl. &bdquo;Umzingelung von Kunduz: Warum die Taliban wieder so erfolgreich sind&ldquo;, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1311">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1311</a> )</p>
<p>&Auml;lteste berichteten UNAMA von ihrer Bef&uuml;rchtung, dass dies die Milizen ermutigen w&uuml;rde, mit der Praxis illegaler Abgaben weiterzumachen. UNAMA konnte keinen Fall ermitteln, wo Angeh&ouml;rige solcher Gruppen f&uuml;r ihre Taten belangt worden w&auml;ren. Auf Seiten der Regierung wurden keine Bem&uuml;hungen beobachtet, diese Gruppen aufzul&ouml;sen und zu entwaffnen.</p>
<p><strong>(9) Luftoperationen</strong></p>
<p>Mit dem R&uuml;ckgang von Luftwaffeneins&auml;tzen sank auch die Zahl der Zivilopfer durch Luftwaffeneins&auml;tze um 13% auf 104 Tote und 58 Verletzte.</p>
<p><strong>(10) Kein Frieden durch Abzug &ndash; bisher im Gegenteil</strong>:</p>
<p>UNAMA beobachtet, dass der Abzug der internationalen Truppen, insbesondere der R&uuml;ckgang an Luftnahunterst&uuml;tzung f&uuml;r afghanische Bodentruppen regierungsfeindlichen Kr&auml;ften vermehrt Gelegenheiten zu gro&szlig; angelegten Operationen gab. In manchen Gebieten f&uuml;hrten sie Operationen mit mehreren hundert K&auml;mpfern durch, um bisher von der Regierung kontrollierte Gebiete zu nehmen und zu halten. Au&szlig;erhalb &bdquo;urbaner&ldquo; Zentren insbesondere im S&uuml;den, S&uuml;dosten und Osten beschr&auml;nkt sich die Pr&auml;senz der ANSF und Regierung in vielen Distrikten auf die Distriktzentren.</p>
<div><br clear="all" /><hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a>&nbsp; Vgl. auch Kate Clark: &bdquo;The Human Cost of the Afghan War: UN reports sharp rise in the killed and injured&rdquo;, 18. Februar 2015, Afghanistan Analysts Network, <a href="https://www.afghanistan-analysts.org/the-human-cost-of-the-afghan-war-un-reports-sharp-rise-in-the-killed-and-injured/">https://www.afghanistan-analysts.org/the-human-cost-of-the-afghan-war-un-reports-sharp-rise-in-the-killed-and-injured/</a> ; Zusammenfassung des UNAMA-Halbjahresberichts I/2014 &nbsp;<a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1300">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1300</a> , Jahresbericht 2013 <a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1266">www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1266</a> ; Arvid Bell/Cornelius Friesendorf: &bdquo;Ziel verfehlt &ndash; Die Mitverantwortung der NATO f&uuml;r zivile Opfer in Afghanistan&ldquo;, HSFK-Standpunkt 6/2014, <a href="http://hsfk.de/fileadmin/downloads/standpunkt0614.pdf">http://hsfk.de/fileadmin/downloads/standpunkt0614.pdf</a></p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Anthony Cordesman: &bdquo;Afghanistan &ndash; Losing the Forgotten War?&rdquo;, CSIS, 23. Februar 2015 <a href="http://csis.org/files/publication/150223_Losing_Forgotten_War.pdf">http://csis.org/files/publication/150223_Losing_Forgotten_War.pdf</a></p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref3">[3]</a> <em>Im April 2014 erschien &bdquo;An Intimate War &ndash; An Oral History oft he Helmand conflict 1978- 2012&ldquo; von Mike Martin, Hauptmann der Reserve der britischen Streitkr&auml;fte. Der Paschtu-Kundige war zwei Jahre als Offizier in Helmand, entwickelte die britische Human Terrain und Cultural Capability und war Berater einiger Kommandeure der Task Force Helmand. Auf Basis von 150 Interviews vor Ort kam er zu dem Ergebnis, dass die britische Armee die Konflikte in Helmand schlichtweg nicht verstanden h&auml;tte. Insbesondere die Wahl von Helmand als zentrales britisches Einsatzgebiet kritisiert er. Hier</em><em>h&auml;tten britische Soldaten im 19. Jahrhundert Kriegsverbrechen begangen. Als die britischen Streitkr&auml;fte im Mai 2006 nach Helmand kamen, h&auml;tte man nur den Auftrag gehabt, die Regierung zu unterst&uuml;tzen und Taliban zu bek&auml;mpfen. Wer aber genauer &bdquo;die Regierung&ldquo; und &bdquo;die Taliban&ldquo; gewesen seien, habe man nicht gewusst. Ohne Vorstellung von Aufbau und mit massiven Luftangriffen habe man die Menschen gegen sich aufgebracht. (Beispiel das verw&uuml;stete Now Zad 2007). Ein Mangel an Sprachkenntnissen h&auml;tte es erm&ouml;glicht, dass die britischen Streitkr&auml;fte in Helmand immer wieder von einzelnen Fraktionen und Machthabern f&uuml;r ihre Interessen vereinnahmt worden seien. Das britische Verteidigungsministerium versuchte das Erscheinen des Buches und seine Pr&auml;sentation im traditionsreichen &bdquo;United Royal Services Institute&ldquo; zu verhindern. Unter Verteidigungsminister Philip Hammond, der gerade zum Au&szlig;enminister ernannt wurde, soll das britische Verteidigungsministerium eine extensive Pressezensur praktiziert haben. Im Afghanistaneinsatz kamen 448 britische Soldaten um`s Leben, die meisten von ihnen in Helmand. (FAZ 10. April 2014)</em></p>
</div>
</div></div>


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                        </div>
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