    <rss version="2.0" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/" xmlns:admin="http://webns.net/mvcb/" xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/">
     <channel>
        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: &quot;Als Sicherheitspolitik die Menschen aufwÃ¼hlte, bewegte und spaltete&quot; - Kommentar im KOMPASS-Schwerpunkt &quot;NachrÃ¼stungs&quot;-Beschluss des Bundestages 1983 - und unser Kommentar 2 Wochen danach</title>
        <link>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;ptid=1&amp;catid=11-81&amp;aid=1247</link>
        <description></description>
        <dc:language>en-us</dc:language> 
        <dc:creator>Webmaster</dc:creator> 
        <admin:generatorAgent rdf:resource="http://www.xaraya.org" /> 
        <admin:errorReportsTo rdf:resource="mailto:webmaster@nachtwei.de" />
       <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
       <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
       <docs>http://backend.userland.com/rss</docs>
<div class="xar-mod-page">
   <div class="xar-mod-head">
    <!-- License: GPL http://www.gnu.org/copyleft/gpl.html -->
<ul class="xar-tabs">
            <li class="xar-tab">
                <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=viewmap&amp;ptid=1">View Article Map</a>
           </li>
</ul>
</div>
   <div class="xar-mod-body">
<div class="cattrails xar-displayinline-block xar-padding-thickbottom">
    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

    <table class="xar-width-auto">
    <tr>
        <td valign="top" class="xar-padding-none">Browse in:&#160;</td>
       <td valign="top" class="xar-padding-none">
                                            <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1">Alle(s)</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=70">Meine Themen</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=11">Sicherheitspolitik und Bundeswehr</a>
<br />
                                            <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1">Alle(s)</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=1">Publikationstyp</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=81">Bericht</a>
<br />
                                            <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=11-81">Any of these categories</a>
                    -                        <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=11%2B81">All of these categories</a>
<br />
</td>
   </tr>
   </table>




</div>

        <h1>
            &quot;Als Sicherheitspolitik die Menschen aufwÃ¼hlte, bewegte und spaltete&quot; - Kommentar im KOMPASS-Schwerpunkt &quot;NachrÃ¼stungs&quot;-Beschluss des Bundestages 1983 - und unser Kommentar 2 Wochen danach         </h1>
        <div class="xar-floatright"></div>
       <div class="xar-mod-content">
           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 26. Oktober 2013 15:47:52 +02:00 (175132 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Der KOMPASS, Zeitschrift der katholischen MilitÃ¤rseelsorge, widmet seinen November-Schwerpunkt dem Streit um die &quot;NachrÃ¼stung&quot; vor 30 Jahren: Artikel von Josef KÃ¶nig, Prof. T. Hoppe, Andreas Zumach, W. Nachtwei. Hier zusÃ¤tzlich Link zum &quot;Veteranentreffen&quot; am 19. Oktober 2013 im Bonner Hofgarten, Anmerkungen zum spÃ¤rlichen Erinnern an die Friedensbewegung vor 30 Jahren - und unser Kommentar zwei Wochen nach dem Bundestagsbeschluss.</p></div>
            <div>    <p><!--[if gte mso 9]><xml> </xml><![endif]--></p>
<p><strong>Vor 30 Jahren, am 22. November 1983 stimmte der Deutsche Bundestag</strong> mit 286 Stimmen fÃ¼r die sog. â€žNachrÃ¼stung&quot;, mit 226 Stimmen dagegen. Der â€žKOMPASS&quot; Monatszeitschrift des katholischen MilitÃ¤rbischofs fÃ¼r die Bundeswehr, widmet dem Thema seinen November-Schwerpunkt (<a href="http://www.katholische-militaerseelsorge.de/index.php?id=504">www.katholische-militaerseelsorge.de/index.php?id=504</a> )</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Editorial von Chefredakteur Josef KÃ¶nig</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Ãœbersicht Ã¼ber die NachrÃ¼stungsdebatte</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Prof. Thomas Hoppe: 1983 - ein Schicksalsjahr im Kalter Krieg</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Interview mit Andreas Zumach,</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Friedenswort der katholischen BischÃ¶fe vom 18.4.1983: Gerechtigkeit schafft Frieden</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Kommentar eines â€žVeteranen&quot;: Als Sicherheitspolitik die Menschen aufwÃ¼hlte, bewegte und spaltete, von Winfried Nachtwei</p>
<p>Hier mein Kommentar in einer lÃ¤ngeren Fassung und Nachbemerkungen zu den gegenwÃ¤rtigen â€žErinnerungsschwierigkeiten&quot;. AnschlieÃŸend von <strong>Dezember 1983</strong> â€ž<strong>Die Raketen kommen - Wie weiter mit der Friedensbewegung</strong>?&quot; von Edda, Itti und Winni (Mitglieder der GAL Friedens-AG in MÃ¼nster)</p>
<p align="center">Kommentar eines â€žVeteranen&quot;:</p>
<p align="center"><strong>Als Sicherheitspolitik die Menschen aufwÃ¼hlte, bewegte und spaltete</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei (Oktober 2013)</p>
<p>Im Bundestagswahlkampf 2013 spielten sicherheits- und friedenspolitische Themen praktisch keine Rolle. Die Mehrheit der Menschen in Deutschland scheinen solche Themen heute bis auf Ausnahmesituationen kaum noch zu bewegen.</p>
<p><strong>Massen in Bewegung</strong></p>
<p>Das war vor 30 Jahren vÃ¶llig anders. Am 22. Oktober 1983 gingen bundesweit 1,3 Millionen Menschen gegen die Stationierung neuer Atomraketen auf die StraÃŸe, allein bei der 100 km langen Menschenkette zwischen Stuttgart und Neu-Ulm 400.000 Menschen. Einige Tage vorher hatten in meiner Heimatstadt MÃ¼nster 600 Demonstranten das I. Korps der Bundeswehr gewaltfrei blockiert. Ich war einer der â€žRÃ¤delsfÃ¼hrer&quot;.</p>
<p>16 Jahre zuvor war ich Leutnant bei einem Bundeswehrverband, der mit der Atomrakete Pershing-I-A ausgestattet war. Mit der Formel â€žwenn`s losgeht, ist sowieso alles aus&quot; hatten wir, hatte ich den Grundwiderspruch der atomaren Abschreckung â€žabgehakt&quot; und verdrÃ¤ngt. Dieses â€žLeben mit der Bombe&quot; zerplatzte, als mit dem NATO-Doppelbeschluss eine neue Runde im atomaren WettrÃ¼sten drohte, jetzt im eigenen Land. Immer mehr Menschen konnten die offizielle AbrÃ¼stungsintention des Doppelbeschlusses nicht glauben. Sie befÃ¼rchteten im Gegenteil, dass mit der besonderen Zielgenauigkeit und kurzen Vorwarnzeit der Â neuen US-Mittelstreckenraketen die Option eines auf Europa begrenzbaren, vermeintlich gewinnbaren und deshalb fÃ¼hrbaren Atomkriegs geschaffen werde. Die Angst wuchs, dass dies bei einer internationalen Krise zu einem Atomkrieg eskalieren kÃ¶nnte. Entsprechende Ã„uÃŸerungen aus der US-Administration schÃ¼rten solche Ã„ngste.</p>
<p>Bewusst wurden die gigantischen Kosten und der Widersinn eines atomaren WettrÃ¼stens, wo Ost und West sich zig-mal vernichten konnten. (60 to Sprengstoff pro Einwohner in den LÃ¤ndern der NATO und des Warschauer Pakts!) EnthÃ¼llt und bewusst wurde, wie vollgestopft die Bundesrepublik mit Atomwaffen war (die Rede war von 6.000 AtomsprengkÃ¶pfen in der Bundesrepublik), wie sehr die Bundeswehr darauf vorbereitet war, bei einem Angriff des Warschauer Pakts Atomwaffen in Deutschland einzusetzen. â€žWas passiert, wenn die Abschreckung versagt?&quot; Die geplante â€žatomare Heimatverteidigung&quot; fÃ¼hrte den Verteidigungsgedanken - das Verteidigungswerte erhalten - ad absurdum.</p>
<p><strong>Gespaltene Gesellschaft</strong></p>
<p>Die westdeutsche Gesellschaft und Politik waren Ã¼ber den NachrÃ¼stungsstreit zutiefst gespalten. Bei zahllosen Veranstaltungen prallten die Positionen aufeinander und schlugen die Wellen hoch. Argumente standen neben Schwarz-WeiÃŸ-Denken und Feindbildern, Dialoge kamen zwischen Gegnern und BefÃ¼rwortern der NachrÃ¼stung oft gar nicht zustande. Abertausende Gruppen setzten sich so sehr mit sicherheitspolitischen Fragen auseinander wie nie zuvor. AuÃŸen- und Sicherheitspolitik, bisher immer DomÃ¤ne der Exekutive, erfuhr einen Transparenz- und Demokratisierungsschub. Gewaltfreiheit und Eskalationsvermeidung wurde nicht nur beschworen, sondern im Vorfeld von Blockaden auch breit trainiert. Die damalige Friedensbewegung war ein groÃŸes Gemeinschaftserlebnis mit zahllosen Erfolgserfahrungen (â€žman kann was tun und erreichen&quot;), ein zivilgesellschaftlicher Aufbruch von enormer Breite und IntensitÃ¤t, ein Schub fÃ¼r die Demokratieentwicklung in Westdeutschland und die BÃ¼rgerrechtsbewegung in der DDR.</p>
<p><strong>Vielfalt und WidersprÃ¼che</strong></p>
<p>Die Friedensbewegung war Ã¼ber ihren Minimalkonsens hinaus Ã¤uÃŸerst heterogen. Im Kern war sie eine Anti-Raketenbewegung und atompazifistisch (das nur auf die US-Raketen fokussierte DKP-Spektrum mit Umfeld nicht einmal das), nur zum Teil auf umfassendere Friedenspolitik hin orientiert und nur zum geringen Teil eine Bewegung fÃ¼r strikte Gewaltfreiheit. Sie war Ã¼berwiegend eine reaktive AntirÃ¼stungs- und Protestbewegung und kaum eine fÃ¼r konstruktive Alternativen der Friedens- und Sicherheitspolitik.</p>
<p>Streitthemen und bei Teilen tabuisiert waren der Krieg in Afghanistan, das Kriegsrecht in Polen, die Friedensbewegung in der DDR, die AtomrÃ¼stung der Sowjetunion. Das beeintrÃ¤chtigte die GlaubwÃ¼rdigkeit der Friedensbewegung. (Eine selbstkritische Aufarbeitung ihrer Leistungen und Erfolge, aber auch ihrer Grenzen und Schattenseiten brachte die Friedensbewegung spÃ¤ter nicht zustande. Keine Rolle spielten spÃ¤tere</p>
<p>EnthÃ¼llungen z.B. Ã¼ber die geplanten Internierungslager des MfS fÃ¼r Regimekritiker und in der unabhÃ¤ngigen Friedensbewegung der DDR Aktive, fÃ¼r 86.000 Personen in 1988!)</p>
<p>Wo die Friedensbewegung nicht bei den US-Raketen stehen blieb, sondern das System der atomaren Abschreckung und AufrÃ¼stung insgesamt in Frage stellte, durchbrach sie die herrschende sicherheitspolitische und Blocklogik.</p>
<p><strong>Tiefenwirkungen</strong></p>
<p>Wie Recht die Friedensbewegung mit Ihrer Warnung vor einem Atomkrieg â€žaus Versehen&quot; hatte, wurde einige Jahre spÃ¤ter bekannt: Sowohl bei einem 17-minÃ¼tigen Fehlalarm am 26. September 1983 im sowjetischen FrÃ¼hwarnsystem wie bei der NATO-Ãœbung â€žAble Archer&quot; im November 1983 schrammte die Welt knapp an einer atomaren Katastrophe vorbei!</p>
<p>Die Friedensbewegung verhinderte nicht die Raketenstationierung. Erheblich beeinflusst wurden aber politische Grundstimmungen in Ost und West Ã¼ber die Jahre: Das atomare WettrÃ¼sten verlor an Legitimation; die gesellschaftliche Entspannung von unten zwischen Ost und West erleichterte die Ã–ffnungspolitik eines Michail Gorbatschow und befÃ¶rderte AbrÃ¼stungsbereitschaft.</p>
<p>Manchen gilt die damalige Abschreckungspolitik angesichts heutiger UnÃ¼bersichtlichkeiten und EinsatzrealitÃ¤ten als plausibler und ethisch tragfÃ¤higer. Dem widerspreche ich: Wo heute StreitkrÃ¤fte im Rahmen des UN-Systems tatsÃ¤chlich fÃ¼r internationale Friedenssicherung und KriegsverhÃ¼tung eingesetzt werden, ist das sicherheitspolitisch um Welten sinnvoller und friedensethisch tragfÃ¤higer.</p>
<p>Trotzdem bleibt eine gute Erinnerung an eine Zeit, in der so lebhaft, kÃ¤mpferisch und mit viel Sachkompetenzen um eine verantwortbare Sicherheits- und Friedenspolitik gestritten wurde wie nie mehr seitdem.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong><em>Nachbemerkung</em></strong></p>
<p><em>Alle Tage machen sich Vergangenheiten in der Gegenwart bemerkbar, wird an historische Ereignisse, JubilÃ¤en und Jahrestage erinnert. In der bundesrepublikanischen Gesellschaft ist eine breite und vielfÃ¤ltige, demokratische und kritische Erinnerungskultur gewachsen, wie es sie so in kaum einem anderen Land gibt.</em></p>
<p><em>Umso eigenartiger ist, wie spÃ¤rlich und punktuell 30 Jahre danach das Ã¶ffentliche und mediale Erinnern an die bis dahin breiteste Massenbewegung in der Geschichte der Bundesrepublik, die Friedensbewegung der 80er Jahre, ist. Was Millionen Menschen allein in Westdeutschland und vielen anderen westlichen LÃ¤ndern in Bewegung brachte - und in der DDR unter sehr erschwerten Bedingungen viele Tausende -, was fÃ¼r die Beteiligten eine Phase intensivsten politischen Engagements war, was zu den Wurzeln der GrÃ¼nen gehÃ¶rte, scheint heute wenig der Erinnerung wert zu sein. (Einzig in Bonn trafen sich, initiiert von Jens JÃ¼rgen Korff,Â  am 19. Oktober im Hofgarten 40 Veteranen der Friedensbewegung, vgl. </em><a href="http://www.friedenstauben1983.blogspot.de"><em>www.friedenstauben1983.blogspot.de</em></a><em> , </em><a href="http://www.berliner-zeitung.de/politik/22--oktober-1983-die-friedens-veteranen,10808018,24738848.html"><em>www.berliner-zeitung.de/politik/22--oktober-1983-die-friedens-veteranen,10808018,24738848.html</em></a><em> . Das Netzwerk Friedenskooperative hat unter <a href="http://www.friedenskooperative.de/netzwerk/histo000.htm">www.friedenskooperative.de/netzwerk/histo000.htm</a> ein Dossier mit vielen wichtigen historischen Reden und Artikeln zusammengestellt.)</em></p>
<p><em>Offenbar wurde die Erinnerung an die Hoch-Zeit der Friedensbewegung durch die nachfolgenden friedens- und sicherheitspolitischen UmbrÃ¼che, BrÃ¼che und EnttÃ¤uschungen Ã¼berlagert, relativiert bis entwertet - sehr zu Unrecht, wie ich meine:</em></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  <em>Dass die Anti-Raketenbewegung die Stationierung der US-Raketen nicht verhinderte, wurde von vielen der Friedensbewegten als Niederlage erfahren. Die mittelfristigen und indirekten Wirkungen wurden kaum wahrgenommen.</em></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  <em>Die schlimmsten Warnungen und Ã„ngste bestÃ¤tigten sich nicht. Jahre spÃ¤ter bekamen die SupermÃ¤chte die Kurve und vereinbarten tatsÃ¤chlich die AbrÃ¼stung der Mittelstreckenraketen. Dass 1983 die Welt so knapp an der atomaren Katastrophe vorbei geschrammt war, nahmen nur wenige zur Kenntnis.</em></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  <em>Der Mauerfall, die friedlichen Revolutionen im Osten, der Zusammenbruch des Sowjetimperiums brachten zugleich bisherige Weltbilder zum Einsturz. EnthÃ¼llungen Ã¼ber das Innere der DDR und des Warschauer Pakts delegitimierten deren Anspruch von â€žFriedenskraft&quot;, der fÃ¼r einen Teil der Friedensbewegung ein IdentitÃ¤tsanker gewesen war. Wo sich das Bild vom â€žAbschreckungs-Sieg&quot; des Westens verbreitete, sehen manche Friedensbewegten von 1983 ihr damaliges Engagement heute als â€žJugendsÃ¼nde&quot;.</em></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  <em>Mit den Balkankriegen und der rotgrÃ¼nen RegierungsÃ¼bernahme stellten sich Fragen, die in der Friedensbewegungen nie geklÃ¤rt worden waren: Was tun, wenn in der Nachbarschaft Krieg ist, wenn massiv illegale Gewalt, Massenverbrechen gegen ganze Volksgruppen verÃ¼bt werden? (Viele Friedensbewegte hatten frÃ¼her Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt unterstÃ¼tzt. Der Krieg der Alliierten gegen Nazi-Deutschland galt den allermeisten selbstverstÃ¤ndlich als legitim.) Was tun, wenn man in Regierungsverantwortung ist und hier und jetzt entscheiden muss, in Verantwortung fÃ¼r die Folgen des eigenen Tuns und auch Unterlassens? Ãœber Bosnien, Kosovo und Afghanistan kam es nicht nur zu heftigem Streit, sondern zu TiefstenttÃ¤uschungen, BrÃ¼chen und Spaltungen. Manche Friedensgruppen hielten den Streit aus, respektierten unterschiedliche Antworten auf ein tiefes Dilemma, arbeiteten an Alternativen der zivilen KrisenprÃ¤vention und FriedensfÃ¶rderung. FÃ¼r den grÃ¶ÃŸeren Teil der verbliebenen Friedensbewegten war es der Bruch, â€žVerrat aus niederen BeweggrÃ¼nden&quot; (Machterhalt), eine politische Traumatisierung. Die groÃŸe Gemeinschaft von 1983 ist darÃ¼ber zerbrochen, die Erinnerung daran Ã¼berlagert.</em></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  <em>Einzig die BÃ¼ndnisgrÃ¼nen haben den Grundwertekonflikt Gewaltfreiheit vs. Menschenrechtsschutz intensiv ausgetragen und seine KlÃ¤rung vorangebracht, gezwungenermaÃŸen immer wieder in Regierungsverantwortung und zusammengehalten durch die anderen politischen Herausforderungen, regelmÃ¤ÃŸig in den Programmdebatten (Grundsatz- und Wahlprogramme, Friedens- und sicherheitspolitische Kommission, Schutzverantwortung). Friedenspolitik blieb aber fÃ¼r etliche GrÃ¼ne ein Politikfeld mit schlechtem Gewissen, im Alltag eher gemieden als aktiv beackert. Der Anspruch einer Friedenspartei scheint mir, trotz vieler und profilierter friedenspolitischer Initiativen aus Fraktion und BAG, Ã¼ber die Jahre in der Breite der Partei erheblich geschrumpft zu sein. (vgl. W. Nachtwei: â€žWelt im Umbruch, Friedenspartei im Wandel: GrÃ¼nen + Krieg, MilitÃ¤r + Gewaltfreiheit. KlÃ¤rungsvorschlÃ¤ge zur grÃ¼nen Grundsatzdebatte&quot;, 2002, </em><a href="http://www.nachtwei.de/index.php/articles/503"><em>www.nachtwei.de/index.php/articles/503</em></a><em> ; W. Nachtwei: â€žPazifismus zwischen Ideal und politischer RealitÃ¤t,2006, </em><a href="http://www.nachtwei.de/index.php/articles/415"><em>www.nachtwei.de/index.php/articles/415</em></a><em> ) </em></p>
<p>Â </p>
<p align="center"><strong>DIE RAKETEN KOMMEN</strong></p>
<p align="center"><strong>Wie weiter mit der Friedensbewegung?</strong></p>
<p align="center">Von Edda, Itti, Winni (5.12.1983)</p>
<p>Was eine Mehrheit der bundesrepublikanischen BevÃ¶lkerung als eine Minderung ihrer Sicherheit ansieht, was Millionen gefÃ¼rchtet, wogegen Hunderttausende gekÃ¤mpft haben, ist nun Wirklichkeit:</p>
<p>Die Raketen kommen.</p>
<p>Die Stimmungslage der Friedensbewegung reicht von EnttÃ¤uschung, zum Teil Resignation bis zu Zorn und EmpÃ¶rung. â€žEs hat doch keinen Zweck&quot; und â€žjetzt erst recht&quot; sind typische Reaktionen.</p>
<p>Zu behaupten, <strong>die</strong> Friedensbewegung resigniere nun, ist genauso falsch wie der Versuch, Gesundbeterei zu betreiben, die Friedensbewegung mit moralischen Appellen, mit der schnellen Orientierung auf die nÃ¤chste Aktion zum Durchhalten und zur VerstÃ¤rkung ihrer Anstrengungen aufzurufen.</p>
<p>Die Friedensbewegung befindet sich jetzt in einer kritischen Situation - das wÃ¤re sie Ã¼brigens auch, wenn die Stationierung verhindert worden wÃ¤re oder wenn es in Genf zu einer â€žTeillÃ¶sung&quot; gekommen wÃ¤re. Dann hÃ¤tten sich wahrscheinlich viele in dem GefÃ¼hl â€žes ist geschafft&quot; zur Ruhe gesetzt.</p>
<p>NÃ¼chterne Bestandsaufnahme und intensives Nachdenken Ã¼ber die weiteren Ziele und Aufgaben der Friedensbewegung sind jetzt notwendiger denn je. Schnelle Antworten kommen wohl dem BedÃ¼rfnis vieler entgegen und sind bequem, aber absolut schÃ¤dlich.</p>
<p><strong>Was hat die Friedensbewegung erreicht?</strong></p>
<p>Die Friedensbewegung hat ihr Nah- und Hauptziel, die Stationierung neuer US-Atomraketen zu verhindern nicht erreicht. Angesichts der Bedeutung dieser Waffen fÃ¼r die USA, angesichts der Bedeutung der Stationierung fÃ¼r den Zusammenhalt der NATO, angesichts der bis dahin erreichten Wachstumsgeschwindigkeit und StÃ¤rke der Friedensbewegung kamen wir schon vor ca. einem Jahr zu der Position, dass die Stationierung kaum zu verhindern war, dass es aber unsere Hauptaufgabe sein musste, ihre politischen Kosten mÃ¶glichst hochzutreiben. Im Kampf gegen die Stationierung galt es, die lÃ¤ngerfristigen Durchsetzungschancen der Friedensbewegung zu verbessern. (vgl. Maulwurf)</p>
<p>Trotzdem: Wer hatte nicht seine klammheimliche Hoffnung, dass die Stationierung vielleicht doch noch verhindert werden kÃ¶nnen. Diese Hoffnung war am 22.November zerstÃ¶rt. Aber ernÃ¼chternd darÃ¼ber hinaus war, wie sehr, sehr weit die Friedensbewegung noch davon entfernt war, die Stationierung politisch undurchfÃ¼hrbar zu machen!</p>
<p>Was hatte es vorher fÃ¼r wilde Reden gegeben, von Generalstreik und die â€žBundesrepublik unregierbar machen&quot;, von â€žBonn dichtmachen&quot;, von massenhaftem Geld abheben, um darÃ¼ber die Banken u treffen...All das entpuppt sich jetzt als Phantasterei, als naive ÃœberschÃ¤tzung der eigenen MÃ¶glichkeiten.</p>
<p>VÃ¶llig ungerÃ¼hrt und kaltschnÃ¤uzig vollstreckten die NATO-Herrschaften ihren AufrÃ¼stungsplan.</p>
<p><strong>Was hat die Friedensbewegung selbst dazu beigetragen, dass Kohl immer noch nicht das Grinsen verging?</strong></p>
<p>Pauschal: Die Friedensbewegung war trotz aller Erfolge immer noch zu wenig Ã¼berzeugend und deshalb auch noch zu wenig druckvoll.</p>
<p>Sicher, die Friedensbewegung kann beste Argumente fÃ¼r sich ins Feld fÃ¼hren; in Schriften von Guha, Mechtersheimer, Alt und vielen anderen sind sie zusammengefasst.</p>
<p>Doch im Alltag der Friedensbewegung sah es oft anders aus:</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  mit platter, fehlerhafter oder naiver Argumentation, mit aggressivem und arrogantem Verhalten wurde so mancher politische Gegner erfolgreich in seiner Position bestÃ¤rkt;</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Â Verharmlosung oder gar Rechtfertigung â€žÃ¶stlicher Raketen und des dortigen Militarismus&quot;, Schweigen zur massiven UnterdrÃ¼ckung unabhÃ¤ngiger Friedensinitiativen in der DDR und anderswo machten etliche Ã„uÃŸerungen aus den Reihen der Friedensbewegung vÃ¶llig unglaubwÃ¼rdig. Paradoxerweise taten sich hierbei gerade solche besonders hervor, die sonst am meisten von Verbreiterung der Friedensbewegung reden.</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Mangelnde oder unrealistische Antworten auf die Frage nach sicherheitspolitischen Alternativen lieÃŸen viele dann doch lieber am scheinbar seit 30 Jahren BewÃ¤hrten festhalten. Die Wirksamkeit der Friedensbewegung wurde geschmÃ¤lert durch wenig Ã¼berzeugenden, da inhaltlich flachen Aktionismus auf der einen, durch politische SelbstgenÃ¼gsamkeit, durch Diskutieren um des Diskutierens willen auf der anderen Seite.</p>
<p>Viel Motivation und Energie wurde verbraucht in den internen Auseinandersetzungen, im Binnenklima des organisierten Teils der Friedensbewegung:</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Mit dem fÃ¼r gemeinsame Aktionen notwendigen Minimalkonsens wurde viel Schindluder betrieben. Vielfach wurde er missbraucht, um weiterfÃ¼hrende inhaltliche und AktionsvorschlÃ¤ge abzuwÃ¼rgen, um klare Worte zur SS-20, um Aktionen wie Blockaden zu verhindern. Wie schnell fanden sich Leute unseres Spektrums in der Rolle von StÃ¶renfrieden, gar Spaltern der Friedensbewegung. (Allerdings unterscheidet sich die MÃ¼nsteraner Situation positiv von der in vielen anderen Orten)</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Der Verabsolutierung der der Breitenarbeit wurde oft genauso absolut die Forderung nach Intensivierung des Widerstandes entgegengestellt. Folge: BÃ¼ndnis-Hick-Hack, Lagerdenken - die feindlichen BlÃ¶cke gab es auch mitten in der Friedensbewegung.</p>
<p>Mit dieser (Selbst-) Kritik meinen wir alle StrÃ¶mungen der Friedensbewegung, auch uns selbst.</p>
<p>Nach so viel Kritischem: HÃ¤tte die Friedensbewegung durchkommen kÃ¶nnen, wenn z.B. auch die GRÃœNEN die Sammlung von Unterschriften fÃ¼r den Krefelder Appell zu Ihrer Hauptaufgabe gemacht hÃ¤tten? Oder wenn die Friedensbewegung radikaler vorgegangen wÃ¤re, wenn sie einen echt heiÃŸen Herbst veranstaltet hÃ¤tte?</p>
<p>Weder noch!</p>
<p><strong>Unter den gegebenen Bedingungen haben wir wahrscheinlich das BestmÃ¶gliche erreicht:</strong></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Eine deutliche BevÃ¶lkerungsmehrheit hat sich - wenn auch erst nach dem ReprÃ¤sentativverfahren und anonym - gegen die Stationierung geÃ¤uÃŸert; damit ist die demokratische Legitimation der Parlamentsmehrheit in dieser Frage in Zweifel gezogen;</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Die allgemeine Zustimmung zur Politik atomarer Abschreckung gerÃ¤t nun auch in relevanten Sektoren der Gesellschaft, so in Kirchen und Gewerkschaften, ins Wanken; der sicherheitspolitische Konsens (als Voraussetzung von Verteidigungsbereitschaft als Voraussetzung von glaubwÃ¼rdiger Abschreckung) brÃ¶ckelt;</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Noch vor zwei Jahren rekrutierte sich die Friedensbewegung weitgehend aus JÃ¼ngeren und der linken und alternativen Szene. Heute geht sie sozial und altersmÃ¤ÃŸig durch die ganze Gesellschaft, Friedensinitiativen aus â€žstaatstragenden&quot; Berufen wie Juristen, Ã„rzten, Naturwissenschaftlern usw. zeigen das deutlich;</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Die Friedensbewegung hat bisher die schwierige Gratwanderung zwischen Verbreitung und Radikalisierung geschafft, sie hat sich im GroÃŸen und Ganzen weder integrieren und von einer Partei funktionalisieren lassen, noch ist sie ins Sektiererische abgeglitten; damit hat sie Ã¼ber ihre AnhÃ¤nger hinaus moralische AutoritÃ¤t gewonnen;</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Mit neuen, massenhaften Menschenketten, Umarmungen, Menschenkreuzen hat die Friedensbewegung eine eigene KÃ¶rpersprache entwickelt; mit vielfÃ¤ltigen Aktionen des zivilen Ungehorsams sind erste Schritte vom Protest zum Widerstand getan worden;</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Mit und in der Friedensbewegung haben zahllose Menschen wichtige Lernprozesse durchgemacht: viele die zum ersten Mal aktiv wurden, an einer Demonstration teilnahmen, sich an einen Info-Stand stellten; Zehntausende, die bewusst und offen staatlichen Regeln und Anordnungen gegenÃ¼ber ungehorsam waren, in Betrieben und Schulen, auf Strassen und PlÃ¤tzen. Wann hat es in der deutschen Geschichte und auÃŸerhalb der Arbeiterbewegung schon mal soviel zivilen Ungehorsam gegeben?</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Mit betrieblichen und Stadtteilinitiativen, mit BezugsgruppenÂ  haben sich schlieÃŸlich politische Organisationsformen entwickelt, mit denen Politik persÃ¶nlicher und stabiler werden kann.</p>
<p><strong>Grenzen</strong></p>
<p>In der Vergangenheit haben Friedensbewegungen kaum mal RÃ¼stung stoppen, nie Kriege verhindern, hÃ¶chstens Kriege abkÃ¼rzen kÃ¶nnen. Diese schlimme historische Erfahrung macht krass deutlich, dass Hoffnung auf schnelle Erfolge, auf den Durchbruch nach zwei drei Jahren illusionÃ¤r sind. Umso erstaunlicher ist, was die Friedensbewegung in dieser verhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸig kurzen Zeit schon alles in Gang gesetzt hat. Das sollten wir uns immer wieder deutlich machen, auch wenn zu Selbstzufriedenheit keinerlei Anlass besteht: Ein kriegsbehindernder Faktor ist die Friedensbewegung noch lÃ¤ngst nicht!</p>
<p>1914 machte eine ganze gegen den Krieg protestierende Arbeiterbewegung mit der SPD an der Spitze in der â€žStunde der Not&quot; â€žKehrt um&quot; und zog in den Krieg; in GroÃŸbritannien schlossen sich breite Anti-Atomwaffen-Bewegung und Falkland-Begeisterung keineswegs aus, in den USA nicht Freeze-Campaign und Massenbeifall fÃ¼r die Grenada-Invasion. GegenÃ¼ber den laufenden Kriegen in der Dritten Welt bleibt die Friedensbewegung weitestgehend still und passiv; nicht zu Unrecht wird ihr vielfach Eurozentrismus und europÃ¤ische Nabelschau vorgeworfen.</p>
<p>Unsere ca.70% gegen die Stationierung sind noch eine sehr dÃ¼nne Meinungsmehrheit, zu geringsten Teilen aktiv. Bei entsprechenden AnlÃ¤ssen kÃ¶nnen sich diese 70% schnell verflÃ¼chtigen.</p>
<p>Zusammengefasst: Die Friedensbewegung hat weder Anlass, in schÃ¶nfÃ¤rberischen Zweckoptimismus zu machen, noch in Resignation zu verfallen. Es liegt an ihr, ob der momentane Erfolg der NATO-Herren zu ihrem Pyrrhus-Sieg (einer lÃ¤ngerfristigen Niederlage) wird. Anlass also zu nÃ¼chternem Optimismus.</p>
<p><strong>Wie soll es nun weitergehen mit der Friedensbewegung?</strong></p>
<p>Auch wenn die Friedensbewegung alle vorherigen Massenbewegungen in den Schatten stellt, auch wenn die AnlÃ¤sse wahrlich bleiben und noch mehr werden, so stehen wir nun an einem Ã¤hnlichen Punkt wie z.B. die Anti-Notstandsbewegung, die Anti-AKW-BewegungÂ  u.Ã¤.: Die Entscheidung ist gefallen, nun werden Fakten geschaffen. Als Brokdorf gebaut wurde, verlor sich die Anti-AKW-Bewegung!</p>
<p>Damit der Friedensbewegung nicht Ã¤hnliches passiert - bis am Ende nur noch Unentwegte mit ihren moralischen Appellen Ã¼brig sind, ist vordringlichste Aufgabe, nun zu einer Stabilisierung der Friedensbewegung zu kommen, ihrer aktiven Kerne und ihrer Sympathisanten.</p>
<p>Diese Stabilisierung wird scheitern, wenn wir uns einfach den nÃ¤chsten Aktionsterminen, dem â€žKirchenjahr&quot; der Friedensbewegung, zuwenden, als wÃ¤re nichts geschehen.</p>
<p>Die Stabilisierung - und davon ausgehend die Vorbereitung und Intensivierung - ist eine Frage von Aktionen <strong>und</strong> Inhalten.</p>
<p>Â </p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">1.</span></strong><span style="text-decoration: underline;"> VerstÃ¤rkung der inhaltlichen Arbeit - inhaltliche Aufgaben der Friedensbewegung.</span></p>
<p>Viele sind aus emotionaler Ablehnung weiterer RÃ¼stung zur Friedensbewegung gestossen. So notwendig eine emotionale Basis fÃ¼r die Friedensarbeit ist, so unzureichend ist sie, wenn sie nicht mit inhaltlicher Arbeit fundiert wird. Ohne inhaltliche Arbeit bleibt politisches Engagement schwankend und ohne Ãœberzeugungskraft nach auÃŸen.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">1.1.</span></strong><span style="text-decoration: underline;"> Kritik des Abschreckungssystems</span> und der herrschenden Unsicherheitspolitik Ã¼berhaupt: der Rolle und Absichten des US-Imperialismus und der NATOÂ  auf der einen, der UdSSR und ihres Blocks auf der anderen Seite; das Versagen traditioneller RÃ¼stungskontroll- und AbrÃ¼stungspolitik; die Bedeutung der Konflikte in der Dritten Welt fÃ¼r den Frieden in Europa; die Ã¶kologischen und sozialen Folgen des WettrÃ¼stens bei uns und in der Dritten Welt. Die ZusammenhÃ¤nge zwischen Welthunger, globaler Umweltvernichtung, Sozialabbau, Arbeitslosigkeit und WettrÃ¼sten mÃ¼ssen Ã¼berzeugend nachgewiesen werden. Auf Dauer darf es nicht mehr passieren, dass Arbeitsplatzmotive gegen friedenspolitische ausgespielt werden kÃ¶nnen.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">1.2.</span></strong><span style="text-decoration: underline;"> Minimalkonsens</span>: Die Friedensbewegung braucht weiter einen Minimalkonsens, wenn sie ihre Aktionseinheit nicht verspielen, ihren politischen Druck nicht verzetteln will. Die Friedensbewegung braucht einen Kristallisations- und Konzentrationspunkt. Angesichts der Tatsache, dass die neuen Raketen nur <strong>ein</strong> wichtiger Aspekt friedensgefÃ¤hrdender NATO- und US-Politik unter mehreren sind, angesichts der Tatsache, dass AufrÃ¼stung und atomare Abschreckung von wachsenden Teilen der BevÃ¶lkerung abgelehnt werden, wÃ¤re die FortfÃ¼hrung des bisherigen Minimalkonsens (Stopp der Stationierung und sie wieder rÃ¼ckgÃ¤ngig machen) schlichtweg reaktionÃ¤r. Dieser Minimalkonsens wird weder der aktuellen Kriegsgefahr, noch der Entwicklung des Massenbewusstseins gerecht.</p>
<p>Ein erweiterter Minimalkonsens steht auf der Tagesordnung, der sich gegen alle Waffen - atomar, chemisch oder â€žkonventionell&quot; - und Strategieentwicklungen richtet, mit denen Kriege wieder fÃ¼hrbarerÂ  und wahrscheinlicher werden:</p>
<p><strong>-</strong> weiter gegen die neuen Atomraketen, deren Stationierung in SÃ¼ddeutschland praktisch sehr erschwert werden kann;</p>
<p><strong>-</strong> aber genauso gegenkonventionelle AufrÃ¼stung im Rahmen des Rogers-Planes, gegen die Durchsetzung einer aggressiven Offensivstrategie im Rahmen der NATO (Airland-Battle und Airland-Battle 2000);</p>
<p><strong>-</strong> gegen die vermehrte Ankoppelung der Bundesrepublik an die imperialistische Interventionspolitik der USA im Rahmen der horizontalen Eskalation. Also: Waffen- und Stategie-Freeze, Freeze total!</p>
<p>Den Stopp quantitativer und qualitativer RÃ¼stung haben wir von jeder Seite zu fordern. Nach den Erfahrungen mit jahrzehntelang erfolglosen â€žbeidseitigen&quot; AbrÃ¼stungsbemÃ¼hungen muss jede Seite aber bei sich selbst anfangen.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">1.3.</span></strong><span style="text-decoration: underline;"> Sicherheitspolitische Alternativen</span>: Die Friedensbewegung wird keine Mehrheiten gegen das Abschreckungssystem gewinnen kÃ¶nnen, wenn sie sich nicht stÃ¤rker um die Entwicklung sicherheitspolitischer Alternativen bemÃ¼ht. Auf militÃ¤rischer Ebene wÃ¤ren Einfrieren der RÃ¼stung, ABC-Waffen freie und zugleich militÃ¤risch verdÃ¼nnte Zonen, Abbau offensivfÃ¤higer Waffen zugunsten einer strikten Defensivstruktur des MilitÃ¤rs wichtige Zwischenschritte eines langfristigen AbrÃ¼stungsprogramms. Hierbei kÃ¶nnten der Friedensbewegung die Finanz- und Personalkrise, auf die sich die Bundeswehr zwangslÃ¤ufig zubewegt zugute kommen. Aber eine alternative Sicherheits- und Friedenspolitik kann sich nicht mit dem Abbau von Waffen begnÃ¼gen, es muss ihr um Abbau von Konfliktpotential auf allen Ebenen gehen:</p>
<p>- Ãœberwindung der Blockkonfrontation und der BlÃ¶cke; die Bundes-GRÃœNEN fordern raus aus der NATO: so legitim diese Forderung angesichts der NATO-Politik ist, was wÃ¤ren aber die absehbaren Konsequenzen?</p>
<p>- Ãœberwindung des Abschreckungs- und Feindbilddenkens und -verhaltens auf <strong>allen</strong> Ebenen und gegenÃ¼ber <strong>jedem</strong>.</p>
<p>DarÃ¼ber hinaus muss es einer alternativen Sicherheitspolitik um Spannungs- und Konfliktabbau auf allen Ebenen gehen:</p>
<p>Ãœberwindung der Blockgrenzen, des Abschreckungs- und Feindbilddenkens und -verhalten auf <strong>allen</strong> Ebenen und gegenÃ¼ber <strong>jedem</strong>.</p>
<p>Verwirklichung sozialer und politischer Menschenrechte, BekÃ¤mpfung von Ausbeutung, UnterdrÃ¼ckung, von struktureller Gewalt in der Dritten Welt, in Ost und West im Sinne eines VerstÃ¤ndnisses von positivem Frieden, der mehr ist als Abwesenheit von Krieg; eine Ã¶kologisch orientierte Politik, die rÃ¼cksichtsvoll mit den begrenzten Lebensbedingungen der Erde umgeht, die die letzte Schlacht um Ressourcen vermeidet.</p>
<p>Entwickelt sich die Friedensbewegung nicht in diese Richtung weiter, bleibt sie weitgehend eine Ein-Punkt-Bewegung, dann wird sie fÃ¼r die Hydra WettrÃ¼sten und Kriegsvorbereitung kein ernsthaftes Hindernis werden.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">2.</span></strong><span style="text-decoration: underline;"> Vorgehensweise und Aktionsformen</span></p>
<p><strong>2.1.</strong> Wesentliche StÃ¤rke der Friedensbewegung ist ihre <span style="text-decoration: underline;">Basisorientierung und Vielfalt</span>. Die relative UnabhÃ¤ngigkeit gegenÃ¼ber Parteien und GroÃŸorganisationen, gegenÃ¼ber den IntegrationsbemÃ¼hungen der SPD der stillen Einflussnahme durch die DKP, manchen Sprecherambitionen der GrÃ¼nen muss erhalten bzw. wiederhergestellt werden. Bei aller Buntheit der Friedensbewegung ist Einheit in bestimmten Aktionen weiterhin unverzichtbar.</p>
<p><strong>2.2.</strong> Fundament der Friedensarbeit ist auch in Zukunft ihre weitere â€ž<span style="text-decoration: underline;">VeralltÃ¤glichung</span>&quot;: Indem atomare Bedrohung und Kriegsvorbereitung â€žvor der HaustÃ¼r&quot; aufs Korn genommen werden, indem Friedensinitiativen in Stadtteilen, Betrieben und Schulen in dichtem Kontakt mit den Menschen arbeiten. Ohne geduldige Ãœberzeugungsarbeit in die Breite wird die beste inhaltliche Weiterentwicklung folgenlos bleiben. Ohne deutliche UnterstÃ¼tzung durch die Arbeiterbewegung, ohne EinbrÃ¼che ins konservative Lager und in die Bundeswehr wird es den Durchmarsch der Friedensbewegung niemals geben kÃ¶nnen! Je mehr die Friedensbewegung inhaltlich weiterkommt, desto mehr kann sie auch BerÃ¼hrungsÃ¤ngste gegenÃ¼ber Soldaten und CDU`lern Ã¼berwinden.</p>
<p><strong>2.3.</strong> Um den atomaren Holocaust aufzuhalten, hat die Friedensbewegung ein Ã¼bergesetzliches <span style="text-decoration: underline;">Recht auf Widerstand</span>. In diesem Jahr wurden Aktionen des zivilen Ungehorsams erstmals massenhaft praktiziert, nicht mehr nur von kleinen Gruppen wie in frÃ¼heren Jahren. In Zukunft kommt es nicht in erster Linie darauf an, den zivilen Ungehorsam zu radikalisieren, sondern vor allem ihn zu verbreitern. Nur so kÃ¶nnen Blockaden, Boykotts usw. auf Dauer deutlicheren Behinderungscharakter bekommen, fÃ¼r die Gegenseite zu einem echten Problem werden. Die Blockaden von Nordenham/Bremerhaven und Bonn am 21.11. weisen in die richtige Richtung.</p>
<p><strong>2.4.</strong> <span style="text-decoration: underline;">Abbau von Blockkonfrontation und Feindbildern</span> ist weder Ã¼ber Lippenbekenntnisse, noch Ã¼ber eine Politik von oben zu erreichen. Entscheidend ist, was sich von unten tut. Wir kÃ¶nnen einen Beitrag dazu leisten, indem wir Kontakte in die UdSSR, die DDR, zu staatstreuen wie unabhÃ¤ngigen Gruppen knÃ¼pfen.</p>
<p><strong>2.5.</strong> Demonstrationen, auch groÃŸe, Blockaden und viele andere Protest- und Widerstandsformen werden weiterhin unverzichtbar sein. Sie sollten allerdings â€ž<span style="text-decoration: underline;">bewegungsÃ¶konomischer</span>&quot; geplant werden, mÃ¶glichst wenig in Konkurrenz zueinander, so dass an einzelnen Aktionen mÃ¶glichst viele teilnehmen kÃ¶nnen.</p>
<p><strong>2.6.</strong> Die Friedensbewegung wie die GrÃ¼nen mÃ¼ssen sich Gedanken machen, wie 1987 auf Ebene des Bundestages <span style="text-decoration: underline;">einer alternativen Sicherheitspolitik</span> zum Durchbruch verholfen werden kann, wie bis dahin eine neuen sicherheitspolitische Mehrheit jenseits des Abschreckungssystems geschaffen werden kann.</p>
<p><strong>2.7.</strong> Die Friedensbewegung muss schlieÃŸlich <span style="text-decoration: underline;">gewinnendÂ  und anziehend</span> wirken durch ihre GlaubwÃ¼rdigkeitÂ  und moralische IntegritÃ¤t. Ziele und Methoden gehÃ¶ren untrennbar zusammen.</p>
<p>Gewaltfreiheit ist notwendiger denn je, gerade in solchen Zeiten, wo mancher aus Ohnmacht heraus meint, jetzt hilft nur noch Gewalt.</p>
<p>Wenn wir Ã¼berhaupt eine Chance haben gegen das weltweite WettrÃ¼sten, dann einzig und allein auf dem Weg des gewaltfreien Widerstandes. Alles andere wÃ¼rde nur diejenigen stÃ¤rken, deren Politik wir bekÃ¤mpfen.</p>
<p>â€žDas weiche Wasser bricht den Stein&quot;!</p>
<p>Â </p>
<p><!--[if gte mso 9]><xml> Normal   0         21         false   false   false      DE   X-NONE   X-NONE </xml><![endif]--><!--[if gte mso 9]><xml> </xml><![endif]--><!--[if gte mso 10]> <mce:style><!   /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-priority:99; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin-top:0cm; 	mso-para-margin-right:0cm; 	mso-para-margin-bottom:10.0pt; 	mso-para-margin-left:0cm; 	line-height:115%; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:11.0pt; 	font-family:"Calibri","sans-serif"; 	mso-ascii-font-family:Calibri; 	mso-ascii-theme-font:minor-latin; 	mso-hansi-font-family:Calibri; 	mso-hansi-theme-font:minor-latin; 	mso-fareast-language:EN-US;} --> <!--[endif] --> <!--[if gte mso 9]><xml> </xml><![endif]--></p>
<p>Â </p>
<p><!--[if gte mso 9]><xml> Normal   0         21         false   false   false      DE   X-NONE   X-NONE </xml><![endif]--><!--[if gte mso 9]><xml> </xml><![endif]--><!--[if gte mso 10]> <mce:style><!   /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-priority:99; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin-top:0cm; 	mso-para-margin-right:0cm; 	mso-para-margin-bottom:10.0pt; 	mso-para-margin-left:0cm; 	line-height:115%; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:11.0pt; 	font-family:"Calibri","sans-serif"; 	mso-ascii-font-family:Calibri; 	mso-ascii-theme-font:minor-latin; 	mso-hansi-font-family:Calibri; 	mso-hansi-theme-font:minor-latin; 	mso-fareast-language:EN-US;} --> <!--[endif] --></p></div>


           <br />
                        </div>
   </div>
</div></channel>
</rss>
