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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Dank fÃ¼r NRW-Polizisten in Afghanistan - Nachtwei als SachverstÃ¤ndiger bei AnhÃ¶rung im NRW-Landtag</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

    <table class="xar-width-auto">
    <tr>
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                                            <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1">Alle(s)</a>
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                                            <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=11-81">Any of these categories</a>
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</td>
   </tr>
   </table>




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        <h1>
            Dank fÃ¼r NRW-Polizisten in Afghanistan - Nachtwei als SachverstÃ¤ndiger bei AnhÃ¶rung im NRW-Landtag         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 13. Juni 2011 16:34:41 +02:00 (229598 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p><img style="margin: 5px; float: right;" src="images/article/20100830_afghanistan.jpg" alt="N. zusammen mit deutschen Polizisten und FeldjÃ¤gern in Mazar-i Sharif im August 2010" width="250" />Die deutsche Polizeiaufbauhilfe in Afghanistan sei gescheitert, deutsche Polizisten hÃ¤tten in &quot;Kriegsgebieten nichts zu suchen&quot;. Das behauptet &quot;Die Linke&quot; in einem Antrag und fordert den Abzug der NRW-Polizisten. In einer Ã¶ffentlichen AnhÃ¶rung des Innenausschusses nahm W. Nachtwei als SachverstÃ¤ndiger dazu Stellung. Seit 2002 besuchte er sieben Mal deutsche Polizisten in Afghanistan. Hier die erweiterte schriftliche Stellungnahme (das Protokoll der AnhÃ¶rung wird unter <a href="http://www.landtag.nrw.de/">www.landtag.nrw.de</a> verÃ¶ffentlicht):</p></div>
            <div>    <p>Â </p>
<p>
<table border="0" cellspacing="0" cellpadding="0" width="631">
<tbody>
<tr>
<td width="187" valign="top">
<p align="center"><strong>Winfried Nachtwei</strong></p>
<p align="center"><em>Mitglied des Bundestages</em></p>
<p align="center"><em>1994 - 2009</em></p>
<p align="center"><em>Mitglied im Beirat â€žZivile Krisen-prÃ¤vention&quot;   des AA, â€žInnere FÃ¼hrung&quot; des BMVg</em></p>
<p>Â </p>
</td>
<td width="236" valign="top">
<p>Â </p>
</td>
<td width="208" valign="top">
<p align="right">Nordhornstr.   51</p>
<p align="right">48161   MÃ¼nster</p>
<p align="right">Tel. 0251/8   65 30</p>
<p align="right">Fax   0251/86 11 65</p>
<p align="right">Mobil 0170/314   87 79</p>
<p align="right"><a href="mailto:winfried@nachtwei.de">winfried@nachtwei.de</a></p>
<p align="right"><a href="../../../../../">www.nachtwei.de</a></p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</p>
<p align="center"><strong>Stellungnahme<a name="_ftnref1" href="index.php/articles/news/1049#_ftn1"><strong>[1]</strong></a> zum</strong></p>
<p align="center"><strong>SachverstÃ¤ndigengesprÃ¤ch des Innenausschusses des Landtages NRW</strong></p>
<p align="center">â€žAbzug deutscher (NRW-)Polizist/innen aus Afghanistan&quot; Antrag der Fraktion DIE LINKE, Drs. 15/846 (7.12.2010), 9. Juni 2011</p>
<p><em>Am 28. Januar 2011 wurden in Kabul bei einem Selbstmordanschlag auf einen Supermarkt 14 Personen getÃ¶tet, darunter die Professorin Hamida Barmaki mit ihrem Mann, drei TÃ¶chtern und einem Sohn. Frau Barmaki gehÃ¶rte zu den ersten studierten Juristinnen in Afghanistan, die zum Justizdienst zugelassen wurden. Seit MÃ¤rz 2008 war sie ReprÃ¤sentantin des Heidelberger Max-Planck-Instituts fÃ¼r auslÃ¤ndisches Ã¶ffentliches Recht und VÃ¶lkerrecht in Kabul.</em></p>
<p><em>Am 10. Juni 2011 wurden vor einer Moschee in Kunduz vier Polizisten durch einen SelbstmordattentÃ¤ter getÃ¶tet. Diese hatten ihn daran gehindert, in eine Trauerfeier fÃ¼r den am 2. Juni in Taloqan mit einem Sprengsatz getÃ¶teten Polizeichef des Nordens, General Daud, vorzudringen.</em></p>
<p><strong>Vorbemerkung</strong></p>
<p>Mit dem Thema â€ždeutsche Polizisten im Auslandseinsatz&quot; bin ich seit den frÃ¼hen 90er Jahren befasst. Am Anfang stand eine historische Untersuchung zu Polizeibataillonen aus Rheinland und Westfalen im nationalsozialistischen Vernichtungskrieg. Seit 1996 begegnete ich in meiner Funktion als Mitglied des Bundestages und des Verteidigungsausschusses bei fast jedem meiner Ã¼ber 30 Besuche in den Krisengebieten Balkan und Afghanistan auch bundesdeutschen Polizisten. AusdrÃ¼ckliche Besuche bei deutschen Polizisten in Afghanistan fanden 2002, 2003, 2006, 2007, 2008, 2009 und 2010 statt. Als Vorstandsmitglied der Dt. Gesellschaft fÃ¼r die Vereinten Nationen gilt mein besonderes Interesse den UN-Friedensmissionen und ihren wachsenden polizeilichen Komponenten.</p>
<p><strong>(1) Parlamentsbeteiligung bei polizeilichen AuslandseinsÃ¤tzen<a name="_ftnref2" href="index.php/articles/news/1049#_ftn2"><strong>[2]</strong></a></strong></p>
<p>Eine parlamentarische Begleitung polizeilicher AuslandseinsÃ¤tze ist notwendig - im Hinblick auf die besonders belastenden und ggfs. auch riskanten Einsatzbedingungen wie auch im Hinblick auf die bestmÃ¶gliche Gestaltung dieses wichtigen Instruments internationaler Friedenssicherung und -fÃ¶rderung. Die langjÃ¤hrige Nichtbeachtung der dt. Polizeimission in Afghanistan durch den Bundestag trug erheblich zur SchwÃ¤che dieser Mission bis 2008 bei.</p>
<p>Notwendig ist zu allererst eine regelmÃ¤ÃŸige Unterrichtung der Parlamente: z.B. Quartalsberichte der Bundesregierung fÃ¼r die zustÃ¤ndigen BundestagsausschÃ¼sse, mit ErgÃ¤nzungen der jeweiligen LÃ¤nder auch an deren InnenausschÃ¼sse. Eine konstitutive Beteiligung der LÃ¤nderparlamente wÃ¼rde der Einheitlichkeit der deutschen AuÃŸen- und Sicherheitspolitik zuwider laufen. Auf Bundesebene wÃ¤ren - zumindest bei Schwerpunktengagements - â€žumfassende Mandate&quot; angebracht, mit denen Ã¼ber die militÃ¤rischen hinaus auch die zivilen incl. polizeilichen Aufgaben, KrÃ¤fte und Ressourcen bestimmt wÃ¼rden.</p>
<p><strong>(2) Bedarf</strong></p>
<p>(a) <span style="text-decoration: underline;">Generell</span>: Im Rahmen der zzt. 15 UN-gefÃ¼hrter FriedeneinsÃ¤tze mit ca. 120.000 Frauen und MÃ¤nnern in Postkonfliktgesellschaften ist die Zahl der eingesetzten Polizisten enorm gestiegen, von 35 im Jahr 1988 auf 17.500 im MÃ¤rz 2011.<a name="_ftnref3" href="index.php/articles/news/1049#_ftn3">[3]</a> Ihre Aufgabe ist, in nach (BÃ¼rger)Kriegen fragilen Gesellschaften UnterstÃ¼tzung zu leisten bei der Herstellung innerer Sicherheit und der FÃ¶rderung eines rechtsstaatlichen Gewaltmonopols. Sie sollen einen Beitrag leisten zu Gewaltvorbeugung, Schutz vor illegaler Gewalt, rechtsstaatlicher Einhegung von staatlicher Gewalt.</p>
<p>Am 21. Januar 2011 erklÃ¤rte der PrÃ¤sident des UN-Sicherheitsrates im Namen des Rates zum Punkt â€ž<em>Friedenskonsolidierung nach Konflikten: Institutionenbildung</em>&quot;: Der Rat betont, wie wichtig es sei, â€ž<em>PostkonfliktlÃ¤nder zur Wahrnehmung staatlicher Kernaufgaben zu befÃ¤higen, wie (...) der GewÃ¤hrleistung der Sicherheit und der Aufrechterhaltung der StabilitÃ¤t, des Schutzes der BevÃ¶lkerung, der GewÃ¤hrleistung der Achtung der Rechtsstaatlichkeit (...), die fÃ¼r die HerbeifÃ¼hrung eines dauerhaften Friedens unverzichtbar sind.&quot; Die Hauptverantwortung liege bei den Akteuren dieser LÃ¤nder, die UN kÃ¶nnen â€žbeim Aufbau der nationalen Institutionen dieser LÃ¤nder eine entscheidende UnterstÃ¼tzungsfunktion wahrnehmen</em>.&quot; <em>(S/PRST/2011/2)<a name="_ftnref4" href="index.php/articles/news/1049#_ftn4"><strong>[4]</strong></a></em></p>
<p>(b) <span style="text-decoration: underline;">Zu Afghanistan</span>: Mit der Resolution 1974 (2011) vom 22. MÃ¤rz 2011 nimmt der Sicherheitsrat â€ž<em>Kenntnis von den laufenden Anstrengungen der afghanischen BehÃ¶rden zum Ausbau der FÃ¤higkeiten der Afghanischen Nationalpolizei&quot; und â€žbetont in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit internationaler Hilfe in Form von finanzieller UnterstÃ¼tzung und der Bereitstellung von Ausbildern und Mentoren, einschlieÃŸlich des Beitrags der NATO-Ausbildungsmission in Afghanistan, des Beitrags der EuropÃ¤ischen Gendarmerietruppe (...) und des Beitrags der Polizeimission der EuropÃ¤ischen Union&quot;. (S/RES/1974 (2011)<a name="_ftnref5" href="index.php/articles/news/1049#_ftn5"><strong>[5]</strong></a></em></p>
<p>Exemplarisch: Bei einem Rule-of-Law-Workshop mit Chefs von Staatsanwaltschaft und Polizei von sechs Distrikten in der Provinz Balkh im August 2010 war die einhellige Antwort auf meine Frage nach dem grÃ¶ÃŸten Problem â€žder niedrige Personalstand&quot;. Typisch ein Distrikt mit 64 Ortschaften und 100.000 Einwohnern - und 94 Polizisten, von denen 25 auswÃ¤rts eingesetzt waren.</p>
<p>Der Aufbau afghanischer SicherheitskrÃ¤fte, dabei insbesondere der Polizei, sowie der Justiz sind entscheidende BrÃ¼cken zu selbsstragender Sicherheit. Zu dieser kÃ¶nnen traditionelle Strukturen beitragen, sie kÃ¶nnen eine Polizei aber nicht ersetzen. Bewusst ist dabei die Herausforderung, bei der StÃ¤rkung des staatlichen Gewaltmonopols seine rechtsstaatliche Einhegung und Ordnungs- und Schutzfunktion zu fÃ¶rdern und nicht bei der Effektivierung von staatlichen RepressionsfÃ¤higkeiten stehen zu bleiben.</p>
<p>Der konkrete Bedarf an Polizeiaufbauhilfe im Rahmen der FÃ¶rderung von Staatlichkeit (Statebuilding) in Afghanistan wurde in der Internationalen Staatengemeinschaft wie auf Bundesebene jahrelang enorm unterschÃ¤tzt und vielfach nur durch die innenpolitische Brille gesehen. Der Bundestag debattierte erstmalig (!) im November 2007 Ã¼ber das Thema. Noch mehr als auf dem Feld des MilitÃ¤rischen zeigt sich hier die StrategieschwÃ¤che deutscher AuÃŸen- und Sicherheitspolitik. Bis heute ist keine konkrete Bedarfsermittlung fÃ¼r den deutschen Beitrag zur internationalen Polizeiaufbauhilfe erkennbar: Wie viel KrÃ¤fte sind insgesamt und anteilig aus Deutschland notwendig, um bis zur Ãœbergabe der Sicherheitsverantwortung in 2014 im deutschen Hauptverantwortungsbereich der Nordregion einigermaÃŸen funktionsfÃ¤hige Polizeistrukturen aufbauen zu kÃ¶nnen? Bis heute scheint der deutsche Beitrag primÃ¤r eine politische GrÃ¶ÃŸe zu sein, orientiert an den verfÃ¼gbaren KrÃ¤ften.</p>
<p><strong>(3) Konfliktdimension und Sicherheitslage</strong></p>
<p>â€ž<em>Deutsche Polizist/innen haben in Kriegsgebieten nichts zu suchen.&quot; (Antrag der Fraktion DIE LINKE</em>) Allgemein ist das richtig. Doch die Wahrheit ist konkret. In dem (seit 2002) Postkonfliktland Afghanistan herrscht nach den Kriterien des humanitÃ¤ren VÃ¶lkerrechts inzwischen ein â€žnichtinternationaler bewaffneter Konflikt&quot;. Die rechtliche Einordnung des ganzen Landes darf aber nicht verwechselt werden mit der realen Lage, die durch die Gleichzeitigkeit hÃ¶chst unterschiedlicher KonfliktintensitÃ¤ten zwischen den Regionen, Provinzen und Distrikten gekennzeichnet ist - von Guerillakrieg in den einen Distrikten und relativer Ruhe in anderen Distrikten. Im August 2010 konnte ich mich in der Provinz Balkh (Mazar) frei mit einzelnen Zivilexperten ohne Personenschutz bewegen. Zur selben Zeit wÃ¤re das westlich von Kunduz unmÃ¶glich gewesen. Im 4. Quartal 2010 und 1. Quartal 2011 geschahen 91% aller SicherheitsvorfÃ¤lle (Feuerwechsel/Gefechte, SprengstoffanschlÃ¤ge, indirektes Feuer) im Osten und SÃ¼den, 4% im Norden, der eine FlÃ¤che von der GrÃ¶ÃŸe halb Deutschlands umfasst.</p>
<p>Im ersten Quartal 2011 fanden von 2.700 Attacken der bewaffneten Opposition in den Provinzen des dt. Hauptverantwortungsbereich 11 in Badakhshan, 5 in Takhar, 16 in Baghlan, 46 in Kunduz, 31 in Balkh statt.<a name="_ftnref6" href="index.php/articles/news/1049#_ftn6">[6]</a></p>
<p>Im MÃ¤rz 2010 stufte UNAMA alle Distrikte der Provinz Balkh und fast alle der Provinz Takhar und Badakhshan als <em>Low Risk</em> ein (von 125 <em>Low Risk</em> Distrikten landesweit). In der Provinz Kunduz galten fÃ¼nf Distrikte als <em>Medium Risk (von 86)</em> und zwei als <em>High Risk</em> (von 71). Keiner der 118 <em>Very High Risk</em> Distrikte liegt im Norden. Bei <em>Low Risk</em> kÃ¶nnen alle UN-Programme durchgefÃ¼hrt werden.</p>
<p>UNAMA bewertet regelmÃ¤ÃŸig und differenziert die ZugÃ¤nglichkeit aller Distrikte fÃ¼r Ã¶ffentliche Bedienstete der verschiedenen Ressorts<a name="_ftnref7" href="index.php/articles/news/1049#_ftn7">[7]</a>. Im Mai 2011 lag der Landesdurchschnitt bei 67,18 %. 24% (96 Distrikte) waren zu 100% zugÃ¤nglich, 23,75% (95) zu 80-99% (...) 3,5 % (14) gar nicht. Im Nordosten (dt. Hauptverantwortungsbereich) ist die ZugÃ¤nglichkeit am besten: knapp 40% 100%, Ã¼ber 25% 80-99%. Im ersten Quartal 2011 gingen in den Provinzen Kunduz und Baghlan erstmalig seit Jahren die SicherheitsvorfÃ¤lle im Vergleich zum Vorjahrszeitraum massiv zurÃ¼ck (um 42 bzw. 54%). Neben Ghormach im Nordwesten lagen hier seit 2008/2009 d i e (Guerilla)Kriegszonen des Nordens.</p>
<p>Ãœber die Arbeit in den besonders gesicherten Police Training Centers hinaus kommen deutsche Polizisten nur in <em>Low Risk</em> Distrikten nach eigener Bewertung der Sicherheitslage zum Einsatz. Im Rahmen des <em>Focused District Development</em> (FDD) wurden solche Distrikte ausgewÃ¤hlt, wo es seit Monaten zu keinem Sicherheitsvorfall gekommen war. Das heiÃŸt umgekehrt, dass bei Anzeichen einer VerschÃ¤rfung der Sicherheitslage der Einsatz in einem Distrikt abgebrochen werden konnte (z.B. Sholgara sÃ¼dwestlich Mazar).</p>
<p>Durch einsatzvorbereitendes Training an der Bundespolizeiakademie in LÃ¼beck, bestmÃ¶glichen passiven Schutz, tÃ¤gliche eigenstÃ¤ndige Sicherheitsanalysen und sicherheitsbewusstes Einsatzverhalten werden die Risiken in einem verantwortbaren Rahmen gehalten.</p>
<p>Wo deutsche Polizisten zum Einsatz kommen, besteht die MÃ¶glichkeit von SchwerkriminalitÃ¤t, ist aber eindeutig keine Kriegssituation. Faktisch werden dt. Polizisten nicht in die Zonen geschickt, wo tatsÃ¤chlich Guerilla- und Terrorkrieg herrscht.</p>
<p>Ihr Einsatz hier ist so verantwortbar wie der Einsatz von deutschem und internationalem Zivilpersonal bei DurchfÃ¼hrungsorganisationen der dt. Entwicklungszusammenarbeit, bei UNAMA und UN-Sonderorganisationen. Umgekehrt wÃ¤re bei einem Abzug von Polizisten auch ein Verbleib von staatlich entsandten Entwicklungs- und Aufbauhelfern nicht mehr verantwortbar.</p>
<p><strong>(4) Konkurrierende strategische AnsÃ¤tze von Polizeiarbeit</strong></p>
<p>Deutschland praktizierte in den ersten Jahren den anspruchsvollen Ansatz einer bÃ¼rgernahen Zivilpolizei und konzentrierte sich auf den Aufbau der Polizeiakademie in Kabul. Die Aufbauleistung bei der Akademie war ausgezeichnet. DarÃ¼ber hinaus erfÃ¼llte dieser Ansatz aber nur sehr unzureichend den Bedarf einer funktionsfÃ¤higen Polizei unter den extremen afghanischen Rahmenbedingungen - schwierigste Topographie, eine fehlende Polizeigeneration und ungenÃ¼gende Grundausstattung, Analphabetismus, hohes Korruptions-, Gewalt- und KriminalitÃ¤tsniveau, hoher Stellenwert von Schmuggel und DrogenÃ¶konomie, extrem privatisierte Gewalt, zunehmende AktivitÃ¤ten von AufstÃ¤ndischen und stÃ¤ndiger Zustrom neuer KÃ¤mpfer und vor allem SelbstmordattentÃ¤ter aus Pakistan.</p>
<p>Das deutsche und europÃ¤ische <span style="text-decoration: underline;">politische</span> Versagen der ersten Jahre leistete dem enormen Aufwuchs der US-Polizeihilfe ab 2006 Vorschub. Richtig ist, dass die USA auf eine militarisierte Polizei und Masse setzten. Eingesetzt werden keine aktiven Polizisten, sondern pensionierte Polizisten, private Sicherheitsfirmen und MilitÃ¤rs.</p>
<p>Nach Auskunft von Polizeipraktikern bei EUPOL und <em>German Police Project Team</em> GPPT hat es aber trotz des enormen Ãœbergewichts von US-amerikanischem Personal, Ressourcen und Material inzwischen zunehmend Offenheit und AnnÃ¤herung gegeben, von beiden Seiten. Die Polizeiaufbauhilfe Deutschlands und anderer LÃ¤nder berÃ¼cksichtigt inzwischen, dass die <em>Afghan National Police</em> (ANP) auf dem Land zunÃ¤chst ÃœberlebensfÃ¤higkeit braucht und einfache Fertigkeiten benÃ¶tigt: Wo Hauptauftrag <em>freedom of movement</em> ist, geht es zuerst um den Betrieb und ggfs. Verteidigung eines Checkpoints, um Fahrzeugkontrollen und Ã¤hnliches. Hier bilden Polizisten und FeldjÃ¤ger arbeitsteilig nach ihren ZustÃ¤ndigkeiten und FÃ¤higkeiten aus. Praktiziert wird hierbei eine sich gut ergÃ¤nzende Zusammenarbeit von Polizei und MilitÃ¤r, aber keine Vermengung. Die militÃ¤rlastige US-Seite erkenne das Know How der Deutschen und EuropÃ¤er an. Es kÃ¶nne mehr zur Geltung kommen, wenn es nicht so sehr durch europÃ¤ische Abstimmungsprozesse und bÃ¼rokratische Verfahren verlangsamt werde.</p>
<p>Exemplarisch fÃ¼r unterschiedliche Polizeikonzepte ist der Stellenwert der Kriminalpolizei (<em>Criminal Investigation Unit</em>). 2008 machte sie 9.000 von insgesamt 85.000 Polizeistellen aus. Seitdem gingen die Kripo-Stellen auf 6.000 zurÃ¼ck, wÃ¤hrend die ANP auf Ã¼ber 120.000 aufwuchs. Jetzt soll die Kripo auf Betreibern der EuropÃ¤er wieder deutlich aufgestockt werden.</p>
<p><strong>(5) Wirksamkeitsbilanz</strong></p>
<p>â€ž<em>Ihr Einsatz muss als gescheitert angesehen werden.&quot; (Antrag der Fraktion DIE LINKE</em>)</p>
<p>Die Wirksamkeit der polizeilichen Aufbauhilfe verlÃ¤sslich zu bewerten, ist seit Jahren ein Dauerproblem. Die Bundesregierung konnte wohl die Zahl der AusbildungsmaÃŸnahmen, der BaumaÃŸnahmen und Projekte benennen. Offen blieb aber immer, ob diese ansehnlichen Leistungen versickern, wie viele der ausgebildeten Polizisten bei der Polizei verblieben und wieweit sich die QualitÃ¤t der Polizei verbesserte. Vielfach werden auch ausgebildete Polizisten in anderen Provinzen eingesetzt. Zahlreich sind hingegen die Berichte von korrupten, rÃ¤uberischen, unter Drogen stehenden und schlecht angesehenen Polizisten. Demnach soll der Zustand der ANP desolat sein.</p>
<p>(In guter Erinnerung ist in Afghanistan bis heute die frÃ¼here Polizeiaufbauhilfe der Bundesrepublik, in deren Rahmen seit Ende der 60er Jahre afghanische Polizeioffiziere die Polizei-FÃ¼hrungsakademie in MÃ¼nster Hiltrup besuchten. Zum Beispiel war der afghanische Polizeigeneral a.D. Siddique N. lange eine wichtige StÃ¼tze des deutschen Polizeiprojekts.)</p>
<p>.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">MaÃŸnahmen</span>: Seit der forcierten Errichtung von <em>Police Training Centers</em> in Mazar, Feyzabad und Kunduz ab 2008 ist Deutschland an der Breitenausbildung der Afghanischen Polizei beteiligt (Grundausbildung von bisher 6, bald wieder 8 Wochen, 6-wÃ¶chige FDD-Ausbildung<a name="_ftnref8" href="index.php/articles/news/1049#_ftn8">[8]</a>, viereinhalb Monate â€žUnteroffiziers&quot;-Ausbildung). Das Police Training Center in Mazar verfÃ¼gt zzt. Ã¼ber 450 AusbildungsplÃ¤tze (Ende 2011 800), in Kunduz Ã¼ber 120 (Ausbau auf 530), in Feyzabad 200.</p>
<p>In Mazar entsteht eine AuÃŸenstelle der Polizeiakademie mit 600 PlÃ¤tzen. Zzt. wÃ¤chst die neue niederlÃ¤ndische Polizeimission auf. In ihr sind 225 Personen fÃ¼r die Polizeiausbildung incl. Rule of Law bei EUPOL und bei der NATO-Trainingsmission/GPPT in Kunduz, Kabul und Bamian vorgesehen, darunter 20 Gendarme und 165 militÃ¤rische Ausbilder/Begleiter fÃ¼r bis zu sechs Police Operational Mentoring and Liaison Teams in Kunduz.<a name="_ftnref9" href="index.php/articles/news/1049#_ftn9">[9]</a> (Landesweit gibt es inzwischen 36 AusbildungsstÃ¤tten der ANP mit 15.000 AusbildungsplÃ¤tzen.)</p>
<p>In den ersten fÃ¼nf Monaten 2011 bildeten dt. Polizisten und FeldjÃ¤ger in 49 Vorhaben 2.231 afghanische Polizisten aus. Zzt. sind 596 in der Ausbildung. An der Polizeiakademie in Kabul arbeiten zehn dt. Mentoren mit 65 afg. Trainern, die 539 Trainees ausbilden.</p>
<p>Stark zugenommen hat das begleitende Alphabetisierungsprogramm: Im MÃ¤rz 2011 waren mehr als 60.000 AngehÃ¶rige der <em>Afghan National Security Forces</em> ANSF in von 1.800 LehrkrÃ¤ften durchgefÃ¼hrten Alphabetisierungskursen, im MÃ¤rz 2010 waren es 27.500. Im dt. Verantwortungsbereich organisiert die GIZ (vormals GTZ) die Alphabetisierungskurse, die abends stattfinden und ein regelrechter Renner sein sollen. â€žSozialbegleitende Projekte&quot; in den FDD-Distrikten dienen der Sympathie- und Vertrauensbildung zwischen ausgebildeter Polizei und BevÃ¶lkerung.</p>
<p>Von deutscher Seite wird eine zweifache Einbindung des Polizeiaufbaus angestrebt: (a) Durch Rule-of-Law-Programme (z.B. regelmÃ¤ÃŸige Workshops mit StaatsanwÃ¤lten und Polizeichefs) FÃ¶rderung von Rechtsbildung und Rechtsstaatlichkeit; (b) auf Seiten der Zivilgesellschaft Rechtshilfeprogramme, Lokalradios, die das FDD-Programm begleiten.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Wirksamkeit</span>: In EinzelgesprÃ¤chen berichteten deutsche Polizeiausbilder und Mentoren immer wieder, wie schwierig die Ausgangsvoraussetzungen der Trainees seien (Analphabetismus, Fitness, Motorik), dass aber in den 6- bis 8-wÃ¶chigen GrundlehrgÃ¤ngen einiges erreicht werden konnte.<a name="_ftnref10" href="index.php/articles/news/1049#_ftn10">[10]</a> Polizisten, die wiederholt in Afghanistan im Einsatz sind, sehen Fortschritte bei der Polizei. Verwiesen wird auf die relativ ruhige Lage in Kabul, wo die ANSF schon seit 20.8.2008 (!) die Sicherheitsverantwortung tragen.</p>
<p>Etliche GroÃŸlagen werden von den ANSF sehr gut bewÃ¤ltigt, z.B. das Nawruz-Fest in Mazar mit 1 Millionen Besuchern oder GroÃŸkonzerte des bekannten afg. PopsÃ¤ngers Farhad Darya im Herbst 2010 in Herat (60.000), Mazar (15.000 Frauen) und Lashkar Gah in Helmand (40.000). Andere Lagen geraten auÃŸer Kontrolle wie Anfang April 2011 ebenfalls in Mazar, wo bei einer Demonstration gegen eine Koranverbrennung in den USA die ANP Ã¼berrannt und sieben UNAMA-Mitarbeiter und drei Demonstranten getÃ¶tet wurden.</p>
<p>Inzwischen fÃ¼hren ISAF und NATO-Ausbildungsmission in Afghanistan (NTM-A/CSTC-A) systematische Assessments zur Entwicklung der Armee und Polizei durch.<a name="_ftnref11" href="index.php/articles/news/1049#_ftn11">[11]</a> Am 31. MÃ¤rz 2011 erreichte die ANP demnach eine GesamtstÃ¤rke von 125.589 (ZielgrÃ¶ÃŸe 157.000 bis Herbst 2012), davon 67.000 <em>Afghan Uniformed Civilian Police</em> (AUCP), knapp 20.000 <em>Afghan Border Police</em> (ABP), <em>Afghan National Civil Order Police</em> (ANCOP) Ã¼ber 9.000. Im MÃ¤rz gab es einen Schwund (Entfernung von der Truppe, Verluste) von 1.160 Polizisten, 3.110 wurden neu rekrutiert. Die Schwundrate war im MÃ¤rz 2011 bei der AUP am niedrigsten mit 0,7%, bei der Grenzpolizei bei 1,5% und ANCOP bei 2,9%. Beim â€žSchwund&quot; sollen neben Verlusten durch AnschlÃ¤ge und Feuerwechsel insbesondere familiÃ¤re GrÃ¼nde eine erhebliche Rolle spielen.</p>
<p>Zzt. gibt es 1.240 (1%) Polizistinnen. Die Mehrheit gehÃ¶rt zu <em>Family Response Units</em>. Bis 2014 soll der Anteil der Polizistinnen um jÃ¤hrlich 1.000 erhÃ¶ht werden.</p>
<p>Von den insgesamt 203 in 94 <em>Key Terrain Districts</em> eingesetzten ANP-Einheiten wurde im Februar 2011 75% als â€žeffektiv mit Beratern bzw. UnterstÃ¼tzung&quot; (2. und 3. Stufe nach â€žindependent&quot;) bewertet, von den 17 ANCOP-Einheiten 10 effektiv mit Beratern, von 152 AUP-Einheiten 52.</p>
<p>Anfang 2011 erschien im Auftrag des UN Entwicklungsprogramms (UNDP) der â€ž<em>Police Perception Survey - 2010: The Afghan Perspective</em>&quot;.<a name="_ftnref12" href="index.php/articles/news/1049#_ftn12">[12]</a> 79% haben demnach eine vorteilhafte Meinung von der Polizei in ihrer Gegend, in Kabul sogar 91% (+ 10%), im SÃ¼dwesten 48% (-19%). Zugleich sehen 60% bei der ANP signifikante Korruption, mehr als 25% berichten von Drogenkonsum bei Polizisten.</p>
<p>JÃ¼ngste Untersuchungen deutscher Sozialwissenschaftler zu den Provinzen Badakhshan, Takhar, Kunduz und Balkh beobachten eine seit 2007 anhaltend positive Bewertung der Polizei. GegenÃ¼ber der Polizei empfinden die Menschen im Unterschied zu anderen bewaffneten Akteuren einschlieÃŸlich Taliban und internationalen Truppen keine Furcht.<a name="_ftnref13" href="index.php/articles/news/1049#_ftn13">[13]</a></p>
<p>Die im Mai 2011 erschienene Oxfam-Studie â€ž<em>No Time to Lose</em>&quot;<a name="_ftnref14" href="index.php/articles/news/1049#_ftn14">[14]</a> dokumentiert zahlreiche Ãœbergriffe von Armee- und PolizeiangehÃ¶rigen und warnt, dass deren Zahl bei einem Abzug der internationalen Truppen stark zunehmen kÃ¶nne. SchÃ¤tzungsweise 40.000 Polizisten sollen keinerlei Ausbildung haben. Den NATO-Staaten wird vorgeworfen, QuantitÃ¤t vor QualitÃ¤t zu setzen. Oxfam u.a. Menschenrechtsorganisationen fordern deshalb aber nicht die Einstellung der Polizeiaufbauhilfe sondern im Gegenteil bessere Kontrollmechanismen und eine Ausbildung, die der Gewalt gegen Zivilpersonen vorbeugt.</p>
<p>Richtig ist, dass die Aufbauhilfe fÃ¼r die afghanische Polizei sehr mÃ¼hsam ist und lÃ¤ngst nicht so vorwÃ¤rts kommt, wie es notwendig wÃ¤re. Unbestreitbar sind die schweren Defizite der ANP und erhebliche VersÃ¤umnisse der Staatengemeinschaft. Seit Jahren beobachte ich auch eine zur BeschÃ¶nigung neigende Informationspolitik der Bundesregierung zu dem Thema.<a name="_ftnref15" href="index.php/articles/news/1049#_ftn15">[15]</a> Sie erlebte einen HÃ¶hepunkt beim Fehlstart von EUPOL Afghanistan im Sommer 2007, der offiziell immer abgestritten wurde.</p>
<p>Falsch und durch die Erfahrungen vor Ort nicht belegbar ist aber die pauschale Behauptung, die Aufbauhilfe sei gescheitert. Dieses Urteil beruht offenkundig auf einer â€žFerndiagnose&quot;, die die WidersprÃ¼chlichkeiten und die Licht- und Schattenseiten vor Ort nicht zur Kenntnis nimmt und die grundsÃ¤tzliche KomplexitÃ¤t und den Prozesscharakter einer extern gestÃ¼tzten Institutionenbildung verkennt.</p>
<p>Auf einem anderen Blatt steht, ob die gegenwÃ¤rtige deutsche und internationale Polizeiaufbauhilfe wirksam genug ist, wo LÃ¼cken und Verbesserungsbedarf bestehen. Hier wÃ¤re einiges zu nennen. Aber das war nicht die Fragestellung der AnhÃ¶rung.</p>
<p><strong>(6) Schlussfolgerungen</strong></p>
<p>(a) Als <strong>Mitglied der Vereinten Nationen</strong> steht Deutschland in der Verantwortung, zur Friedenssicherung und Friedenskonsolidierung im Auftrag und im Rahmen der UN beizutragen. Das schlieÃŸt grundsÃ¤tzlich auch die UnterstÃ¼tzung polizeilicher Aufbauhilfe ein.</p>
<p>Der UN-Sicherheitsrat fordert die UN-Mitglieder auf, den Aufbau der ANP finanziell und durch Ausbilder und Mentoren zu unterstÃ¼tzen. Als ein Land, das sich seit 2001 in besonderer Weise fÃ¼r die Friedenskonsolidierung in Afghanistan eingesetzt hat, muss Deutschland hierzu einen maÃŸgeblichen Beitrag leisten.</p>
<p>(b) Bei sorgfÃ¤ltiger Beachtung der konkreten Sicherheitslage ist die gebotene Entsendung deutscher Polizisten bisher auch <strong>verantwortbar</strong>.</p>
<p>(c) Die hochprofessionelle Arbeit der deutschen Landes- und Bundespolizisten wird nach aller Erfahrung gerade auf afghanischer Seite <strong>hoch geschÃ¤tzt</strong>. Ich habe Polizisten aus NRW immer wieder an fÃ¼hrenden Stellen angetroffen - in Mazar z.B. Detlef N., Achim S. und JÃ¼rgen B. Gerade weil die deutschen Polizisten ihren afghanischen Kollegen mit Respekt begegnen, sind ihre WirkungsmÃ¶glichkeiten hÃ¶her als die mancher anderer internationaler Ausbilder.</p>
<p>(d) Ein <strong>Abzug der Polizisten aus NRW </strong>(zzt. 37) und Deutschland wÃ¤re ein Schlag gegen die afghanischen Kollegen und gegen das BemÃ¼hen der internationalen Gemeinschaft, in Afghanistan die Herausbildung eines rechtsstaatlichen Gewaltmonopols und einer schÃ¼tzenden Polizei zu fÃ¶rdern. Ein Abzug wÃ¼rde die â€žAlternativen&quot; stÃ¤rken: eine militarisierte Polizei, das Milizen- und Bandenunwesen.</p>
<p>(e) Der <strong>Ausstieg des Landes Brandenburg</strong> aus der Polizeiaufbauhilfe im FrÃ¼hjahr 2010 wird von den Antragstellern begrÃ¼ÃŸt. Angesichts der unterschiedlos-negativen Bewertung der Polizeihilfe durch die Antragsteller und ihre grundsÃ¤tzliche Ablehnung von UN-Friedensmis-sionen ist das nicht verwunderlich. Allerdings grÃ¼ndete die Ausstiegsentscheidung des damaligen Innenministers Speer keineswegs auf einer ÃœberprÃ¼fung des Einsatzes, sondern auf nichts als einer lapidar-pauschalen PresseerklÃ¤rung.<a name="_ftnref16" href="index.php/articles/news/1049#_ftn16">[16]</a> Gerade brandenburgische Polizisten mit Afghanistanerfahrung waren mit diesem Ausstieg nicht einverstanden. Die Aburteilung der deutschen Polizeihilfe durch die Antragsteller trifft nicht zuletzt die dabei eingesetzten Polizeibeamt/innen. Sie erscheinen als Helfershelfer einer BÃ¼rgerkriegspartei.</p>
<p>(f) FÃ¼r eine friedens- und menschenrechtsorientierte Sicherheitspolitik steht nicht der Abzug, sondern <strong>im Gegenteil die Verbesserung</strong>, StÃ¤rkung und Verstetigung der Polizeiaufbauhilfe auf der Tagesordnung. Und mit der kann man nach aller Erfahrung mit Friedenssicherung und -konsolidierung im Rahmen der UN nicht warten, bis das ganze Land befriedet und eine funktionierende Justiz aufgebaut ist. Wo die konkreten Rahmenbedingungen einer Provinz Aufbauhilfe ermÃ¶glichen, mÃ¼ssen Chancen auch genutzt werden.</p>
<p>Um die Wirksamkeit der Aufbauhilfe zu verbessern, ist ihre unabhÃ¤ngige Evaluierung unabdingbar.</p>
<p>(g) Die vorbildliche Arbeit der Polizistinnen und Polizisten aus NRW und ihrer Kollegen aus den anderen LÃ¤ndern und vom Bund verdient <strong>mehr Aufmerksamkeit in der Ã–ffentlichkeit und braucht stÃ¤ndige Begleitung und UnterstÃ¼tzung durch die Parlamente</strong>. Soll die jetzige Polizeiaufbauhilfe nachhaltig sein, ist sie Ã¼ber 2014 hinaus nÃ¶tig. Polizeiaufbau ist eine Generationenaufgabe! FÃ¼r den erwÃ¼nschten Fall einer funktionierenden â€žÃœbergabe in Verantwortung&quot; braucht es eher mehr als weniger polizeiliche Aufbauhilfe aus Europa. Das gilt vor allem, wenn der zivile Polizeiaufbau vorankommen soll. Das wiederum ist nur leistbar, wenn der Bund fÃ¼r die Daueraufgabe polizeilicher AuslandseinsÃ¤tze bei Bundespolizei und LÃ¤nderpolizeien zusÃ¤tzliche Stellen finanziert.</p>
<p>Nach meinen vielen Begegnungen mit deutschen Polizistinnen und Polizisten in Afghanistan mÃ¶chte ich dem bei der AnhÃ¶rung anwesenden Inspekteur der NRW-Polizei und Vorsitzenden der AG IPTF, Herrn Dieter Wehe, stellvertretend fÃ¼r alle deutschen und NRW-Polizisten <strong>fÃ¼r ihre hervorragende Arbeit in Afghanistan Ã¼berzeugt und herzlich danken!</strong></p>
<p><strong> </strong><strong><span style="text-decoration: underline;">Weitere Berichte und Stellungnahmen des Autors</span></strong><strong> </strong>(alles unter www.nachtwei.de)</p>
<p>- â€žGanz normale MÃ¤nner&quot;. Die Verwicklung von Polizeibataillonen aus dem Rheinland und Westfalen in den nationalsozialistischen Vernichtungskrieg, in: Villa ten Hompel - Sitz der Ordnungspolizei im Dritten Reich, MÃ¼nster 1996</p>
<p>- Berichte und Stellungnahmen zu Polizeiaufbau Afghanistan 2002 bis 2008</p>
<p>- Alarmierende Hinweise: Fehlstart von EUPOL AFG?! 21.7.2007</p>
<p>- Brief an AuÃŸenminister Steinmeier und Innenminister SchÃ¤uble zum Fehlstart bei EUPOL, 23.7.2007 und Antwort der StaatssekretÃ¤re Erler und Bergner vom 14.8.2007</p>
<p>- Bundestagsantrag: Ohne Polizei und Justiz keine Sicherheit - Polizei- und Justizaufbau in Afghanistan drastisch beschleunigen, Drs. 16/6931 vom 7.11.2007</p>
<p>- Bundestagsrede zur Polizeiausbildung in Afghanistan, 9.11.2007</p>
<p>- Bericht ExpertengesprÃ¤ch â€žPolizeiausbildung in Afghanistan&quot; im Rahmen der dt. Delegation in der NATO-Parlamentarierversammlung im Bundesinnenministerium, 26.11.2007</p>
<p>- Jenseits der Wagenburgen - Endlich voll die Chancen nutzen! Reisebericht Kabul, Mazar und Feyzabad, September 2009</p>
<p>- Bericht Ã¼ber einen Besuch bei dt. Polizisten in Mazar und Kunduz im August 2010, in: Aufbau im Schatten von Guerillakrieg und AufstandsbekÃ¤mpfung - Dt. Afghanistanengagement vor dem 10. Einsatzjahr, Reisebericht</p>
<p>- Brief an den Innenminister des Landes Brandenburg Speer vom 11.9.2010 wegen des Ausstiegs des Landes Brandenburg aus der dt. Polizeiaufbauhilfe fÃ¼r Afghanistan; Brief an seinen Nachfolger, Dr. Dietmar Woidke, vom 9.10.2011; Antwort von Minister Dr. Woidke vom 30.10.2010</p>
<p>- GENAUER HINSEHEN: SicherheitsvorfÃ¤lle AFG Nord und landesweit August 2010 bis Anfang Mai 2011, <a href="index.php/articles/1044">www.nachtwei.de/index.php/articles/1044</a> und 1042 (fortlaufend seit August 2007)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">... und zu AuslandseinsÃ¤tzen der dt. Polizeien insgesamt</span></p>
<p>- Polizeimissionen auf dem Balkan - Gewaltexplosion im Kosovo. Besuch bei EUPM und UNMIK Police MÃ¤rz 2004, Reisebericht</p>
<p>- 10 Jahre AuslandseinsÃ¤tze der NRW-Polizei: â€žDiamanten der deutschen AuÃŸenpolitik&quot;, Juni 2004</p>
<p>Â </p>
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<p><a name="_ftn1" href="index.php/articles/news/1049#_ftnref1">[1]</a> Erweiterte Fassung der dem Innenausschuss vorab zugeleiteten Stellungnahme, Stand 11.6.2011. Als SachverstÃ¤ndige waren geladen Erich Rettinghaus, Landesvorsitzender der Dt. Polizeigewerkschaft im dbb; Frank Richter, Landesvorsitzender der GdP; Dr. Markus Ritter, Polizeidirektor + Leiter Bundespolizeiinspektion Karlsruhe, Leiter des German Police Project Teams Nov. 2009 bis Jan. 2011 in Kabul; Dr. Cornelius Friesendorf, Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung Frankfurt, Autor der umfassenden Studie â€žMilitarisierung statt BÃ¼rgernÃ¤he: Das MissverhÃ¤ltnis beim Aufbau der afghanischen Polizei&quot; zusammen mit JÃ¶rg Krempel, HSFK-Report 9/2010; W. Nachtwei; Jonna SchÃ¼rkes, Informationsstelle Militarisierung IMI TÃ¼bingen.</p>
<p><a name="_ftn2" href="index.php/articles/news/1049#_ftnref2">[2]</a> Vgl. die Ã–ffentliche AnhÃ¶rung des AuswÃ¤rtigen Ausschusses/Unterausschuss Zivile KrisenprÃ¤vention und vernetzte Sicherheit des Deutschen Bundestages am 9.5.2011 zu Internationalen PolizeieinsÃ¤tzen in Krisengebieten mit Stefan Feller, Leiter von EUPM in Bosnien-Herzegowina, Dr. Ronja Kempin, Stiftung Wissenschaft und Politik, Dr. Markus Ritter, Ex-Leiter des German Police Project Teams in Kabul, Jonna SchÃ¼rkes, IMI. Vgl. Zentrum Internationale FriedenseinsÃ¤tze ZIF Kurzinfo: Polizei in FriedenseinsÃ¤tzen - Ein zentraler Beitrag zur Stabilisierung von Post-Konflikt-Gesellschaften, Mai 2011, <a href="http://www.zif-berlin.de/">www.zif-berlin.de</a></p>
<p><a name="_ftn3" href="index.php/articles/news/1049#_ftnref3">[3]</a> Der erste Auslandseinsatz deutscher Polizisten fand 1989-1990 im Rahmen von UNTAG in Namibia anlÃ¤sslich des Ãœbergangs zur UnabhÃ¤ngigkeit statt. An UNTAG nahmen 50 BGS-Beamte und 30 DDR-Polizisten teil.</p>
<p><a name="_ftn4" href="index.php/articles/news/1049#_ftnref4">[4]</a> www.un.org/Docs/sc/unsc_pres_statements11.htm</p>
<p><a name="_ftn5" href="index.php/articles/news/1049#_ftnref5">[5]</a> www.un.org/Docs/sc/unsc-resolutions1.htm</p>
<p><a name="_ftn6" href="index.php/articles/news/1049#_ftnref6">[6]</a> Afghanistan NGO Security Office (ANSO): ANSO Quarterly Report, Kabul April 2011, www.afgnso.org</p>
<p><a name="_ftn7" href="index.php/articles/news/1049#_ftnref7">[7]</a> UNAMA CIVIL SERVANTS DISTRICTS ACCESSIBILITY Priority Information Request, PPU BLUE SKY PAPER 014, Kabul Mai 2011</p>
<p><a name="_ftn8" href="index.php/articles/news/1049#_ftnref8">[8]</a> Focused District Development: Ausbildungs- und Mentoring-Zyklus fÃ¼r die Polizei eines ganzen Distrikts.</p>
<p><a name="_ftn9" href="index.php/articles/news/1049#_ftnref9">[9]</a> Hinzu kommen bis 315 Soldaten zur UnterstÃ¼tzung in Kunduz, fÃ¼r vier F-16 in Mazar zur AufklÃ¤rung und fÃ¼r Notsituationen. Eine Beteiligung an vorgeplanten militÃ¤rischen Operationen ist untersagt..</p>
<p><a name="_ftn10" href="index.php/articles/news/1049#_ftnref10">[10]</a> Zum Beispiel Kriminaloberkommissar Thomas GÃ¶pfert aus ThÃ¼ringen: â€žDas sind die Jungs vom Dorf&quot;, in: Publik-Forum 6/2011</p>
<p><a name="_ftn11" href="index.php/articles/news/1049#_ftnref11">[11]</a> Report on Progress Toward Security and Stability in Afghanistan, Departement of Defence, Washington April 2011.</p>
<p><a name="_ftn12" href="index.php/articles/news/1049#_ftnref12">[12]</a> Zweiter Jahresbericht, befragt wurden 5.042 Afghaninnen und Afghanen in allen 34 Provinzen. Umfragen in einem so fragmentierten Land wie Afghanistan sind besonders problematisch. Vor allem regelmÃ¤ÃŸige Umfragen kÃ¶nnen aber AufschlÃ¼sse Ã¼ber Trends geben.</p>
<p><a name="_ftn13" href="index.php/articles/news/1049#_ftnref13">[13]</a> Jan BÃ¶hnke/Jan Koehler/Christoph ZÃ¼rcher: Assessing the Impact of Development Cooperation in North East Afghanistan 2005-2009: Final Report, Bundesministerium fÃ¼r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Bonn 2010. Die jÃ¼ngsten Untersuchungsergebnisse sind noch nicht verÃ¶ffentlicht.</p>
<p><a name="_ftn14" href="index.php/articles/news/1049#_ftnref14">[14]</a> www.oxfam.de/sites/www.oxfam.de/files/no-time-to-lose.pdf</p>
<p><a name="_ftn15" href="index.php/articles/news/1049#_ftnref15">[15]</a> Die jahrelange UnterschÃ¤tzung der strategischen SchlÃ¼sselaufgabe Polizeiaufbau durch die Lead-Nation Deutschland, konkret durch Bundesregierung und auch Bundestag, und die damit verlorenen ersten Jahre des Polizeiaufbaus werden bis heute nicht beim Namen genannt. Vgl. die BroschÃ¼re â€žDeutsches Engagement beim Polizeiaufbau in Afghanistan&quot;, hrg. von AA und BMI, Berlin Oktober 2010.</p>
<p><a name="_ftn16" href="index.php/articles/news/1049#_ftnref16">[16]</a> Vgl. meine Briefe an die Innenminister Speer und Dr. Woidke, September und Oktober 2010</p></div>


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