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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: JÃ¼ngste Informationen + EinschÃ¤tzungen zum Tornado-Streit</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Internationale Politik und Regionen + Afghanistan + Bericht von Winfried Nachtwei + Stellungnahme</span>

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        <h1>
            JÃ¼ngste Informationen + EinschÃ¤tzungen zum Tornado-Streit         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 14. März 2007 00:07:32 +02:00 (147804 Aufrufe)            </div>
            <div>    Winfried Nachtwei befasst sich im folgenden Positionspapier mit den neuesten Informationen und EinschÃ¤tzungen bezÃ¼glich des vom Deutschen Bundestag beschlossenen Einsatzes von Tornados im sÃ¼dlichen Afghanistan. Hier seine AusfÃ¼hrungen:</div>
            <div>      <p align="center"><strong>JÃ¼ngste Informationen + EinschÃ¤tzungen zum Tornado-Streit</strong></p><p align="center">(Winfried Nachtwei, 13.3.2007)</p><p><strong>Vorbemerkung</strong></p><p>Seit Bekanntwerden der NATO-Anfrage betonte ich auf der Sachebene immer zwei SchlÃ¼sselfragen: </p><ul><li>(a) Kontext MilitÃ¤rstrategie: Sind die Tornados Teil einer aussichtsreichen und verantwortbaren oder einer kontraproduktiven MilitÃ¤rstrategie und Art der AufstandseindÃ¤mmung bzw. -bekÃ¤mpfung?</li><li>(b) Kontext Afghanistan-Strategie: In welcher Relation stehen die Tornado-Kosten zu den Gesamtinvestitionen in den Aufbau Afghanistans und zum allseits geforderten Strategiewandel? </li></ul><p>WÃ¤hrend die Unausgewogenheit der zivilen und militÃ¤rischen Anstrengungen inzwischen ausgiebig thematisiert wurde, kam der Kontext der MilitÃ¤rstrategie(n) und OperationsfÃ¼hrung(en) in den Unruheprovinzen und der Tornado-KampfunterstÃ¼tzung dafÃ¼r fast gar nicht zur Sprache: Das wurde bisher begÃ¼nstigt durch eine Bundesregierung, die den Teilauftrag KampfunterstÃ¼tzung beschÃ¶nigt und die reale Lage im SÃ¼den beschweigt. Das wird begÃ¼nstigt durch den allgemeinen Informationsnebel Ã¼ber den Konfliktprovinzen. Und beim fraktionsoffenen Abend der Bundestagsfraktion am 27. Februar prÃ¤sentierten zwei hervorragende MilitÃ¤rs (der hollÃ¤ndische Ex-Kommandeur eines Wiederaufbauteams in der Krisenprovinz Uruzgan und der Generalinspekteur, dazu ein ziviler Afghanistanexperte) wohl sehr gut die aussichtsreiche und kluge Variante von ISAF (wie sie in Uruzgan und im Norden praktiziert wird), konnten aber in ihrer Rolle nicht offen und nur in Andeutungen zu angelsÃ¤chsischen VerbÃ¼ndeten bzw. der Entwicklung auf den NATO-Hochebenen sprechen. </p><p><strong>(1) Feldstudien zu Aufstands- und DrogenbekÃ¤mpfung im SÃ¼den</strong></p><p>Die Feldstudien von <strong>Senlis Council </strong>(London/Paris/BrÃ¼ssel/Kabul) zu den Provinzen Helmand, Kandahar, Zabul sind in ihrer empirischen Art einmalig. (Senlis Council ist zugleich in Afghanistan wegen seiner Fixierung auf die Opiumlegalisierung umstritten) Die Kernaussage der jÃ¼ngsten Studie ist, in diesen Provinzen habe es im letzten Jahr mehr ZerstÃ¶rung als Aufbau gegeben, es seien Freunde verloren und Feinde gewonnen worden. Besonders deutlich wird die Art der LuftkriegsfÃ¼hrung kritisiert. Diese Studien sind seit Sommer 2006 im Netz frei zugÃ¤nglich. Der politischen und militÃ¤rischen FÃ¼hrung der Bundeswehr waren diese Studien bei dreimaliger (!) Nachfrage meinerseits im Verteidigungsausschuss in den letzten drei Wochen nicht bekannt. Erst als ich das Thema vor der Tornado-Abstimmung zum 4. Mal im Ausschuss ansprach, versprach der Minister eine Stellungnahme! </p><p><strong>2) Die Afghanistan-Expertin Dr. Citha MaaÃŸ schreibt in ihrer SWP-Studie â€žAfghanistan: Staatsaufbau ohne Staat?&quot;</strong> vom Februar: Der â€žseit Ende 2001 im SÃ¼den, SÃ¼dosten und in den Ã¶stlichen Grenzprovinzen aggressiv vorgetragene OEF-Kampfeinsatz hat eine Entfremdung der paschtunischen BevÃ¶lkerung bewirkt. Die von Ãœbergriffen auf die ZivilbevÃ¶lkerung begleitete US-gefÃ¼hrte â€žOperation Mountain Thrust&quot; von Mai bis Juli 2006 hat die Entfremdung ebenso vertieft wie die anschlieÃŸende ISAF-Operation â€žMedusa&quot;. Zugleich dÃ¼rfte das rigorose Vorgehen der USA gegen Mohnanbau und Drogenhandel in den sÃ¼dlichen Drogenhochburgen eine stillschweigende Duldung oder sogar Kooperation im Jahr 2006 mit den seit Winter 2005/6 erstarkten grenzÃ¼berschreitend agrierenden Aufstandsgruppen begÃ¼nstigt haben. (...) Die verwirrenden und teils widersprÃ¼chlichen Mandate und Vorgehensweisen der internationalen MilitÃ¤reinheiten haben verhindert, dass sie weithin akzeptiert werden. Da sie das Image neutraler MilitÃ¤rkrÃ¤fte bis zu einem gewissen Grad eingebÃ¼sst haben, werden militÃ¤rische RÃ¼ckschlÃ¤ge oder Ãœbergriffe auf die ZivilbevÃ¶lkerung auch ihnen angelastet. Insgesamt wird ihre Rolle zusehends zwiespÃ¤ltig gesehen, doch unterscheidet sich die Wahrnehmung in den einzelnen Regionen deutlich und erÃ¶ffnet auch unterschiedliche HandlungsspielrÃ¤ume.  So gilt es im SÃ¼den und SÃ¼dosten zu verhindern, dass die Entfremdung in offene Ablehnung von dann als Besatzern perzipierten Truppen umschlÃ¤gt. Dagegen ist es im Norden und Westen gelungen, en Dialog mit der BevÃ¶lkerung aufrechtzuerhalten und das Vertrauen in die Schutztruppe zu bewahren. Als Gradmesser fÃ¼r das AusmaÃŸ des Vertrauens kann die Bereitschaft der lokalen BevÃ¶lkerung dienen, den internationalen Truppen zuverlÃ¤ssige Hinweise auf geplante AnschlÃ¤ge oder Ã¼ber Nacht gelegte Minen zu geben.&quot; (S. 27)  </p><p><strong>(3) In ihrer</strong> <strong>SWP-Kurzstudie â€žEskalation in Afghanistan und der Tornado-Einsatz</strong>&quot; (Feb. 2007) stellt Citha MaaÃŸ die Tornado-Debatte in den Kontext des Richtungsstreits innerhalb der NATO. Auf dem NATO-Gipfel in Riga im November â€žwurde eine neue ,umfassende` Strategie gefordert, die die militÃ¤rische BekÃ¤mpfung der Neo-Taliban und ihrer HintermÃ¤nner durch eine politische Initiative ergÃ¤nzen soll. Mittels wirtschaftlicher Entwicklungsprojekte will man das Vertrauen der BevÃ¶lkerung insbesondere in den sÃ¼dlichen Provinzen zurÃ¼ckgewinnen und deren starke AbhÃ¤ngigkeit von der DrogenÃ¶konomie verringern. </p><p>Seit Jahresanfang 2007 setzte man jedoch nach dem Motto Â´more of the same` unbeirrt weiter auf militÃ¤rische LÃ¶sungen. Ob auf der NATO-Tagung der AuÃŸenminister in BrÃ¼ssel Ende Januar 2007 oder bei anderen Konferenzen: Die USA Ã¼bten Druck auf ihre BÃ¼ndnispartner aus, noch mehr Waffensysteme und Truppeneinheiten zur VerfÃ¼gung zu stellen.&quot; (S.3) C. MaaÃŸ konstatiert eine Diskrepanz zwischen der beabsichtigten Revision der Stabilisierungsstrategie und dem tatsÃ¤chlichen Forcieren einer primÃ¤r militÃ¤rischen BekÃ¤mpfung der aufstÃ¤ndischen Gruppen.</p><p><strong>(4) Thomas Ruttig</strong>, viele Jahre in Afghanistan fÃ¼r UN, dt. Botschaft und andere tÃ¤tig, jetzt an der SWP, schreibt in seiner <strong>SWP-Kurzstudie â€žMusa-Qala-Protokoll am Ende</strong>&quot; (Feb. 2007): â€žInfolge einer vermutlich gezielten militÃ¤rischen Eskalation ist der Versuch der ISAF misslungen, durch indirekte, Ã¼ber StammesfÃ¼hrer vermittelte Abmachungen mit lokalen Taliban eine Stabilisierung kleinerer geografischer Einheiten in SÃ¼d-Afghanistan ((in der Provinz Helmand)) zu erreichen. (...) Nach 142 Tagen beendete Anfang Februar 2007 eine militÃ¤rische Eskalation - Luftangriffe auf Ã¶rtliche Taliban-FÃ¼hrer und ein Gegenschlag der AufstÃ¤ndischen - den ersten Versuch der ISAF/NATO-Truppen, indirekte Absprachen mit den Taliban zu treffen.&quot; (S. 1) </p><p>Hintergrund seien tief greifende Meinungsunterschiede zwischen GroÃŸbritannien und den USA Ã¼ber den Umgang mit den Taliban. â€žEnde 2006 brachten US-Vertreter erstmals Ã¶ffentlich ihre Sorge zum Ausdruck, dass das Protokoll den Taliban de facto die Kontrolle Ã¼ber Musa Qala verschaffe, und traten deshalb fÃ¼r ein Â´robustes` Vorgehen ein. Ausschlaggebend  dafÃ¼r scheint der zu diesem Zeitpunkt bereits gefallene Entschluss Washingtons gewesen zu sein, im FrÃ¼hjahr eine Anti-Taliban-Offensive und gleichzeitig eine hÃ¤rtere Anti-Drogen-Kampagne zu starten. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei den Luftangriffen vom 31. Januar um eine gezielte Provokation handelte, die das Musa-Qala-Protokoll aushebeln und in der Drogenhochburg Helmand Â´freies Schussfeld` schaffen sollte. Diese Annahme liegt umso nÃ¤her, als die USA im Oktober 2006 mit Ã¤hnlicher Taktik ein Abkommen zwischen pakistanischen Taliban und der dortigen Regierung in der Bajaur Agency verhinderten. Am Tag vor der Unterzeichnung griffen sie eine Koranschule an, wobei 82 Menschen ums Leben kamen.&quot; (S.. 2/3) </p><p>â€žDer Fehlschlag des Musa-Qala-Protokolls hat Konsequenzen weit Ã¼ber den Distrikt hinaus. Beide Seiten haben FrÃ¼hjahrsoffensiven angekÃ¼ndigt, die eine verschÃ¤rfte militÃ¤rische Konfrontation erwarten lassen.&quot; Auf beiden Seiten geben â€žderzeit jene den Ton an, die eine militÃ¤rischer Konfrontation der schwierigen Suche nach alternativen Konfliktregelungen vorziehen. Die Aushebelung des Protokolls wird sich vermutlich auch auf Ã¤hnliche Abmachungen negativ auswirken, wie sie etwa in den Nachbardistrikten Nauzad und Sangin oder in der Ost-Provinz Kunar existieren.&quot; Fatal sei, dass die Rolle der StammesfÃ¼hrer untergraben werde, die eine soziale SchlÃ¼sselgruppe seien, die die BevÃ¶lkerung von einer Parteinahme fÃ¼r die Taliban abhalten kÃ¶nne. </p><p><strong>(5)  Ein in Sicherheitspolitik und Afghanistan</strong> <strong>erfahrener Journalist</strong> berichtete mir vorletzte Woche von seinem jÃ¼ngsten Afghanistan-Besuch - der enormen Kluft zwischen den sehr ernÃ¼chternden und irritierend-kritischen Erfahrungen/LageeinschÃ¤tzungen vor Ort und dem Grad an BeschÃ¶nigung, ja RealitÃ¤tsverlust in â€žBerlin&quot;, wo man nicht angemessen GehÃ¶r finde.</p><p>Afghanistan-Praktiker, die sich Ã¶ffentlich gegen den Tornado-Einsatz wenden, melden Zuspruch von aktiven, Afghanistan-erfahrenen Stabsoffizieren der Bundeswehr - allerdings immer mit der Bitte um AnonymitÃ¤t. </p><p>Wie ich schon in meinen â€žAntworten auf das Beratungspapier Â´Tornados nach Afghanistan?`&quot; schrieb: MilitÃ¤rs votierten - soweit sie sich Ã¼berhaupt zu den Tornados Ã¤uÃŸerten - eher fÃ¼r die Entsendung. Bei den meisten andern mit Afghanistan-Erfahrung gab es Abraten, z.T. vehement: Siba Shakib (â€žNach Afghanistan kam Gott nur zum Weinen&quot;), der landeserfahrenen + ausdrÃ¼cklichen ISAF-UnterstÃ¼tzerin Ã¼ber viele Jahre, Polizisten, Monika Hauser/Medica Mondiale, Forscher mit Landeserfahrung, ein Experte fÃ¼r RÃ¼stungskontrolle aus der Luft/open skies etc. Dem steht widerum das eindeutige Votum des - GrÃ¼nen - afghanischen AuÃŸenministers Spanta fÃ¼r den Tornado-Einsatz bei seinem Berlin-Besuch entgegen. (s. letzter â€žSchrÃ¤gstrich&quot;) </p><p><strong>(6) Das US Central Command</strong> (<a href="http://www.globalsecurity.org/">http://www.globalsecurity.org/</a>) meldete am 7. MÃ¤rz 54 LuftnahunterstÃ¼tzungseinsÃ¤tze (Waffeneinsatz bzw. seine Androhung aus der Luft) v.a. Nord-Helmand/Sangin und 10 AufklÃ¤rungseinsÃ¤tze in Afghanistan, am  5. MÃ¤rz 37/11, am 4. MÃ¤rz 41/9,  am 3. MÃ¤rz 35/5 (u.a. bei Musa Qala), am 2. MÃ¤rz 33/5. Die zumindest in NATO-Kreisen so genannte â€žFrÃ¼hjahrsoffensive&quot; von ISAF in Helmand findet im Ballungszentrum des Mohnanbaus und genau in der Region statt, wo britische Truppen im Mai/Juni 2006 hÃ¤rteste KÃ¤mpfe und ein Counterinsurgency-Desaster erlebten. Es ist auch die Gegend von Musa Qala. (Nr. 4)</p><p><strong>(7) Die am 6. MÃ¤rz eingetroffene</strong> <strong>Antwort der Bundesregierung auf unsere Kleine Anfrage</strong> zu den RECCE-Tornados und zur Gesamtstrategie in Afghanistan vom 15.2.2007 (Drs. 16/4325) ist Ã¤uÃŸerst lÃ¼ckenhaft und unbefriedigend. Nicht erbracht werden Bewertungen der verschiedenen ISAF-Operationen im SÃ¼den, der Art der Counterinsurgency Operationen (AufstandsbekÃ¤mpfung) dort. Die Ergebnisse der NATO-Spitzentreffen werden mit den bekannten Ãœberschriften zusammengefasst. Daten, die man schnell im Internet ermitteln kÃ¶nnte (vgl. Nr. 6), werden nicht erbracht. Beim Polizeiaufbau wird nur die Ausweitung der ESVP-Polizeimission unterstÃ¼tzt. In ihrem Rahmen wird Deutschland â€žsein Engagement fortsetzen.&quot; Die Antwort der Bundesregierung schweigt also zur faktischen MilitÃ¤rstrategie im SÃ¼den und gibt keinerlei glaubwÃ¼rdige Hinweise zu einem wirklichen Strategiewandel und einer substanziellen VerstÃ¤rkung des deutschen Anteils dabei. </p><p>Aufschlussreich ist die Tatsache, dass im Norden das Programm â€žProvincial Development Funds&quot;/ PDF mit 2,2 Mio. Euro aus Mitteln des deutschen Ressortkreises Zivile KrisenprÃ¤vention gefÃ¶rdert wird. Ziel des PDF ist, in ErgÃ¤nzung zu bisherigen EntwicklungsmaÃŸnahmen schnell sichtbare AufbaumaÃŸnahmen zu fÃ¶rdern. Die Mittel des Ressortkreises (insgesamt 10 Mio. Euro) hatte ich im Rahmen des rotgrÃ¼nen Koalitionskonflikts um das Raketenabwehrsystem MEADS vor zwei Jahren vom Verteidigungsministerium erstritten.  Bis dahin standen dem mit dem Aktionsplan KrisenprÃ¤vention installierten Ressortkreis keinerlei Finanzmittel zur VerfÃ¼gung.  </p><p>Ein Beispiel dafÃ¼r, wie sehr andere Partner ihre Anstrengungen  verstÃ¤rken, ist Kanada, das seinen Etat fÃ¼r Entwicklung in Afghanistan fÃ¼r das kommende Fiskaljahr von 100 auf 300 Mio. Can $ erhÃ¶ht!</p><p>Informell ist aus der Bundesregierung zu hÃ¶ren, dass im Laufe des Jahres sehr wohl mit weiteren NATO-Anfragen fÃ¼r den SÃ¼den zu rechnen ist.     </p><p><strong>(8) Am 9. MÃ¤rz</strong> <strong>Bundestagsdebatte und Abstimmung</strong> Ã¼ber die Entsendung von AufklÃ¤rungs-Tornados nach Afghanistan: Zu Wort kommen nur BefÃ¼rworter des Tornado-Einsatzes bei Koalition, FDP und GrÃ¼nen sowie die Fundamental-ISAF-Gegner von der Linksfraktion, nicht jedoch ISAF-UnterstÃ¼tzer, die den Tornado-Einsatz ablehnen. (Ich hatte in der 1. Lesung vor einer Woche eine 4-Minutenrede.) WÃ¤hrend Lafontaine hemmungslos demagogisch zuschlÃ¤gt, reden - bis auf den nachdenklichen Hoyer von der FDP - die anderen BefÃ¼rworter an den Hauptbedenken gegen den Einsatz vorbei. Alle Seiten fordern verstÃ¤rkte Aufbauanstrengungen. Angesichts der realen SchwerfÃ¤lligkeit der Staatengemeinschaft und auch der Bundesregierung hierbei klingt vieles davon nach Sonntagsrede. </p><p>Der Verlauf dieser Debatte schÃ¼rt meine BefÃ¼rchtung, dass auch in Berlin lÃ¤ngst nicht die Zeichen der drÃ¤ngenden Zeit in Afghanistan erkannt sind.</p><p>Zusammen mit Alex Bonde, JÃ¼rgen Trittin, BÃ¤rbel HÃ¶hn, Ute Koczy, Thilo Hoppe, Volker Beck, Gerhard Schick, gebe ich eine PersÃ¶nliche ErklÃ¤rung zur Abstimmung ab. </p><p>Der EntschlieÃŸungsantrag der GrÃ¼nen benennt die zentralen Notwendigkeiten einer aussichtsreicheren Afghanistanpolitik, findet in anderen Fraktionen auch viel verbale Zustimmung, wird aber ritualmÃ¤ÃŸig abgelehnt und von den Medien null wahrgenommen. (alles unter <a href="/">http://www.nachtwei.de/</a>) </p><p>Die namentliche Abstimmung ergibt mit 157 Nein so viele Gegenstimmen zu einem Auslandseinsatz wie nie zuvor. Bei der SPD stimmt ungefÃ¤hr ein Drittel (69 zu 133) dagegen, bei uns 21 zu 26 bei vier Enthaltungen. Ich respektiere unsere Ja-Stimmen ausdrÃ¼cklich, weil ich um den AbwÃ¤gungsprozess der KollegInnen und unseren weitgehenden strategischen wie praktischen Konsens jenseits der Tornado-Frage weiÃŸ. Trotzdem halte ich die Zustimmung fÃ¼r einen erheblichen politischen Fehler. </p><p>Das unmittelbare Medienecho auf die Uneinigkeit der GrÃ¼nen ist nicht gut: â€žgespalten&quot;, â€žunentschieden&quot;, ohne klare Botschaft. Ob insgesamt aber die ehrliche Uneinigkeit der GrÃ¼nen besser rÃ¼berkommt als der fraktionsdisziplinierte  Konsens anderer, ist schwer abzuschÃ¤tzen.</p><p>In den <strong>Tagesthemen </strong>berichtet Armin-Paul Hampel aus dem Distrikt Musa Qala/Nord-Helmand, wo die jetzigen ISAF-Operationen (â€žFrÃ¼hjahrsoffensive&quot;) ihren Schwerpunkt haben: Zwischen Mai und Oktober haben hier mehr als 50 britische BombenabwÃ¼rfe auch erschreckend viele zivile Objekte getroffen. Der ARD-Korrespondent zitiert anonyme hohe Bundeswehroffiziere, die einen Bedarf an AufklÃ¤rungs-Tornados bestreiten. Hampel, ein wahrlich NATO-freundlicher Journalist, bestÃ¤tigt meine bisherigen Verdachtsmomente.</p><p><strong>(9) In  einem</strong> <strong>Leserbrief in der taz</strong> (9. MÃ¤rz) fordert NRW-MdL RÃ¼diger Sagel aus MÃ¼nster eine â€žDebatte Ã¼ber persÃ¶nliche Konsequenzen bis hin zu RÃ¼cktritten&quot;, weil â€žausgerechnet Parteivorsitzende wie Reinhard BÃ¼tikofer, Fraktionsvorsitzende wie Renate KÃ¼nast und Fritz Kuhn, einige Bundestagsabgeordnete und Landesvorsitzende explizit gegen einen kaum drei Monate alten Bundesparteitagsbeschluss verstoÃŸen&quot; hÃ¤tten. Als MÃ¼nsteraner Bundestagsabgeordneter und sicherheitspolitischer Sprecher, der der GrÃ¼nen Fraktion die Nichtzustimmung zum Tornado-Einsatz empfohlen und selbst dagegen gestimmt hat, distanziere ich mich ausdrÃ¼cklich von dieser Forderung. Sie ist politisch maÃŸlos, unglaubwÃ¼rdig und schÃ¤dlich.</p><p>- Richtig ist, dass sich der BDK-Beschluss gegen eine Ausweitung des Bundeswehrmandats auf den SÃ¼den Afghanistans ausspricht. Zugleich beinhaltet er Formulierungen und Konditionen, die InterpretationsspielrÃ¤ume erÃ¶ffnen. ParteitagsbeschlÃ¼sse sind wichtige Richtlinien. Wer aber LageverÃ¤nderungen und neue Erkenntnisse ausschlieÃŸt, gefriert solche BeschlÃ¼sse zum Dogma.</p><p>- Wenn R.S. die - knappe - Mehrheitsmeinung der Fraktion sanktionieren will, dann wischt er den tatsÃ¤chlich sehr intensiven Diskussionsprozess in der Fraktion beiseite und spricht den KollegInnen das Recht auf eine Gewissensentscheidung ab. Er stellt damit im Grunde schon jeden AbwÃ¤gungsprozess â€žunter Strafe&quot;. In der Konsequenz mÃ¼sste R.S. auch andere prominente GrÃ¼ne, die erheblich zu den Ja-Stimmen beigetragen haben, zu persÃ¶nlichen Konsequenzen auffordern - so den Sonderbeauftragten des UNO-GeneralsekretÃ¤rs in Afghanistan, Tom Koenigs, so den afghanischen AuÃŸenminister Spanta. Wer solche schwierigen Streitfragen wie Afghanistan mit Sanktionen â€žregulieren&quot; will, beschÃ¤digt die Streitkultur, die sich bei uns GrÃ¼nen im Laufe eines zum Teil schmerzhaften Lernprozesses konstruktiv entwickelt hat. Keine andere Fraktion im Bundestag diskutiert solche Themen so intensiv, breit, gewissenhaft und verantwortlich!  </p><p>- Wer nicht nur die BDK-Resolution verteidigt - was vÃ¶llig richtig ist -, sondern sich als ihr GralshÃ¼ter mit voller Sanktionsgewalt geriert, sollte wenigstens selbst auch inhaltlich zu der Resolution stehen. Das ist im Fall von R.S. keineswegs der Fall, im Gegenteil. Er lehnt den ISAF-Einsatz ab und votiert fÃ¼r eine Exitstrategie - alles im kontrÃ¤ren Gegensatz zu den Kernaussagen der BDK-Resolution.</p><p>- Solche Art von Polarisierung, Personalisierung und Sanktionierung von politischem Meinungsstreit ist rundum kontraproduktiv und trÃ¤gt keinen Deut zum notwendigen Strategiewechsel in der Afghanistanpolitik bei. HierfÃ¼r sind inhaltliche BeitrÃ¤ge und politischer Druck dringend erforderlich - nicht erst im Herbst, sondern hier und heute. </p><p><strong>(10) Spiegel-Reportage â€žTÃ¶dliche Falle</strong>&quot; (11/2007 vom 12. MÃ¤rz) von Susanne Koelbl, die sich in Afghanistan ganz besonders auskennt: Ã¼ber die zivilen Opfer von SelbstmordattentÃ¤tern und Luftangriffen, Ã¼ber gescheitere Versuche lokaler Friedensabkommen, die heikle NATO-Doppelstrategie von Wiederaufbau und MilitÃ¤rschlÃ¤gen, Ã¼ber die internationalen Truppen als letzte Hoffnung fÃ¼r die BevÃ¶lkerung und die steigende Wut im Land, Ã¼ber einsickernde Taliban, Ã¼ber Amerikaner, die ihre â€žGlaubwÃ¼rdigkeit durch ihr hÃ¤ufig rÃ¼cksichtsloses Auftreten gegenÃ¼ber der ZivilbevÃ¶lkerung schon weitgehend eingebÃ¼ÃŸt&quot; hÃ¤tten und die EuropÃ¤er, die gerade dabei seien, sie zu verlieren. Dieses Dilemma lÃ¤sst hohe europÃ¤ische Beamte fragen: â€žWarum gehen die Amerikaner nicht komplett raus und Ã¼berlassen den EurpÃ¤ern den Wiederaufbau?&quot; Sie sagen es nur leise, weil alle die Konsequenzen scheuen.</p><p><strong>(11) Im<a href="http://www.taz.de/pt/2007/03/13/a0134.1/text"> taz-Leitartikel â€žBrunnenbohrer in Gefahr</a></strong><a href="http://www.taz.de/pt/2007/03/13/a0134.1/text">&quot; </a>(13. MÃ¤rz) benennt Christian Semler exakt die Punkte, um die es bei einer an Afghanistan interessierten Debatte gehen muss: Die ÃœberprÃ¼fung und Korrektur der realen MilitÃ¤r- und Aufbaustrategien in Afghanistan, die KlÃ¤rung der Grundlagen der deutsche Beteiligung an internationalen MilitÃ¤reinsÃ¤tzen generell.</p></div>


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