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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Zur Fortsetzung + Erweiterung des Afghanistan-Mandats: Realistischer + wirksamer oder endlos in der Sackgasse? Stellungnahme</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Internationale Politik und Regionen + Afghanistan + Bericht von Winfried Nachtwei + Stellungnahme</span>

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            Zur Fortsetzung + Erweiterung des Afghanistan-Mandats: Realistischer + wirksamer oder endlos in der Sackgasse? Stellungnahme         </h1>
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       <div class="xar-mod-content">
           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 13. März 2018 17:49:50 +02:00 (81598 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Ein Drittel Aufstockung, erweitertes Einsatzgebiet im Norden - Die weitere Beratung der afghanischen Sicherheitskr&auml;fte ist f&uuml;r sie &uuml;berlebenswichtig. Aber was bringt sie f&uuml;r eine nachhaltige Stabilisierung, wie wirksam ist sie? Was w&uuml;rde geschehen, wenn die internationalen Truppen sofort abziehen w&uuml;rden, wie es LINKE, AfD und das Bauchgef&uuml;hl vieler fordern? Das ist alles so schwierig + deprimierend, da liegt Wegsehen und Verdr&auml;ngen nah. Hier einiges zum GENAUER HINSEHEN: &nbsp; &nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Zum neuen Afghanistan-Mandat:</strong></p>
<p align="center"><strong>Realistischer und wirksamer oder endlos in der Sackgasse?</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei (12.03.2018)</p>
<p>Der neue Bundestag debattiert und entscheidet in diesen Wochen &uuml;ber den Antrag der Bundesregierung, die deutsche Beteiligung an der NATO-gef&uuml;hrten <strong>Beratungsmission Resolute Support (RSM) in Afghanistan </strong>fortzusetzen. (Bundestagsdrucksache 19/1094 vom 07.03.2018, <a href="http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/010/1901094.pdf">http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/010/1901094.pdf</a> ) Das deutsche Kontingent soll um ein Drittel aufgestockt und sein Einsatzgebiet im Norden ausgeweitet werden. (vgl. auch ZIF kompakt zu RSM vom 07.03.2018, <a href="http://mobil.zif-berlin.org/fileadmin/uploads/analyse/dokumente/veroeffentlichungen/ZIF_kompakt_2018/ZIF_kompakt_Resolute_Support_M%C3%A4rz2018.pdf">http://mobil.zif-berlin.org/fileadmin/uploads/analyse/dokumente/veroeffentlichungen/ZIF_kompakt_2018/ZIF_kompakt_Resolute_Support_M%C3%A4rz2018.pdf</a> )</p>
<p>Laut urspr&uuml;nglicher NATO-Planung sollte nach dem Abzug der ISAF-Kampftruppen in 2014 die Folgemission Resolute Support (RSM) zwei Jahre sp&auml;ter in 2016 zu Ende gehen. Diese auch von Bundesregierung und Bundestag voll mitgetragene Absicht erwies sich als gro&szlig;e Illusion mit verheerenden Begleitfolgen: Die auf sich gestellten afghanischen Sicherheitskr&auml;fte (ANDSF) waren vielerorts den zunehmenden Angriffen der Aufst&auml;ndischen nicht gewachsen. Die Taliban-Besetzung von Kunduz im Herbst 2015 war ein Schock. Schon 2014 stieg die Zahl der Zivilopfer im Kontext des bewaffneten Konflikts um 20% und blieb seitdem auf der Extremniveau von j&auml;hrlich &uuml;ber 10.000, davon 3.500 Toten.&nbsp; Laut New York Times sollen allein im letzten Jahr rund 10.000 ANDSF-Angeh&ouml;rige gefallen sein.</p>
<p><strong>Schl&uuml;sselfragen</strong></p>
<p>17 Jahre nach Start des internationalen und deutschen Afghanistan-Engagements mit seinen enormen Kosten und menschlichen Opfern, nach erheblichen Teilfortschritten einerseits, nach gro&szlig;en R&uuml;ckschl&auml;gen und Entt&auml;uschungen andererseits, angesichts der absoluten Dominanz von <em>bad news</em> und der Null-Beachtung von<em> better news,</em> nicht zuletzt in Anbetracht der Konkurrenz anderer, sich h&auml;ufender &nbsp;Gro&szlig;krisen ist eine Afghanistan-M&uuml;digkeit weit verbreitet und verst&auml;ndlich. Trotzdem stellen sich unausweichlich einige sicherheits- und friedenspolitische Schl&uuml;sselfragen:</p>
<p>- Was ist n&ouml;tig und leistbar, um den <em>worst case</em> eines staatlichen Zusammenbruchs, von Taliban-Machtergreifungen in den&nbsp; St&auml;dten, eines Aufstiegs von IS/Daesh und offenem B&uuml;rgerkrieg (post-sowjetisches Szenario 90er Jahre) zu verhindern,</p>
<p>- um vorhandene Chancen von Stabilisierung, Aufbau, Friedensl&ouml;sung bestm&ouml;glich zu nutzen und eine reale Abzugsperspektive zu er&ouml;ffnen?</p>
<p>- Oder ist alles v&ouml;llig aussichtslos und ist ein schneller milit&auml;rischer Abzug die einzig verantwortbare Alternative?</p>
<p><strong>Perspektivbericht</strong></p>
<p>Bei der letzten RSM-Debatte im Dezember hatten Abgeordnete mehrerer Fraktionen auf eine kritische Bestandsaufnahme und Wirkungsanalyse des bisherigen Einsatzes gedrungen. (Die Gr&uuml;nen im Bundestag forderten dies seit dem Wetterleuchten von 2006 immer wieder) Nach dem letzten <em>Fortschrittsbericht Afghanistan</em> vom Dezember 2014 hatte die Bundesregierung keine umfassendere Unterrichtung, geschweige Bilanzierung vorgelegt. Parallel zum Mandatsantrag beschloss sie einen 28-seitiger <em>Bericht der Bundesregierung zu Stand und Perspektiven des deutschen Afghanistan-Engagements zur Unterrichtung des Deutschen</em><em> Bundestages </em>(<em>Perspektivbericht</em> <a href="http://augengeradeaus.net/wp-content/uploads/2018/03/Perspektivbericht-AFG.pdf">http://augengeradeaus.net/wp-content/uploads/2018/03/Perspektivbericht-AFG.pdf</a> ). Dieser beinhaltet trotz aller Dringlichkeit weiterhin keine Wirkungsanalyse, bringt aber wichtige Informationen zur ganze Breite des Afghanistan-Engagements, von dem in der &Ouml;ffentlichkeit in der Regel nur die milit&auml;rische Komponente wahrgenommen wird.</p>
<p>Der Tenor des <em>Perspektivberichts</em> ist jetzt grunds&auml;tzlich realistischer. Er betont die <strong>Notwendigkeit n&uuml;chterner Lageanalyse, realistischer Ziele, eines klares Verst&auml;ndnisses der</strong> eigenen Interessen und Einflussm&ouml;glichkeiten, von strategischer Geduld und die Absage an eine von starren Fristen getrieben Strategie, die kontraproduktiv wirken kann.</p>
<p><strong>Deutsches Interesse und Ziele des Afghanistan-Engagements</strong></p>
<p>&bdquo;<em>Ein hinreichend stabiles Afghanistan, von dem f&uuml;r Deutschland und seine Verb&uuml;ndeten und die Region keine Bedrohung ausgeht&ldquo;, sei ein &bdquo;wesentliches deutsches Interesse</em>.&ldquo; Seit 2001 hat der UN-Sicherheitsrat Jahr f&uuml;r Jahr einm&uuml;tig festgestellt, dass die Verh&auml;ltnisse in Afghanistan eine Bedrohung der internationalen Sicherheit seien und dar&uuml;ber ein breites Spektrum an politischen und milit&auml;rischen Kollektivma&szlig;nahmen legitimiert &ndash; mit der daraus resultierenden Verpflichtung der UN-Mitgliedsstaaten, den Vereinten Nationen bei diesen Ma&szlig;nahmen &bdquo;jeglichen Beistand&ldquo; zu leisten. (Art 2 (5) UN-Charta)</p>
<p>F&uuml;r eine von Afghanistan ausgehende spezifische Bedrohung Deutschlands gab es &uuml;ber viele Jahre keine konkreten Anhaltspunkte. Als UN-Mitglied ist Deutschland bei Afghanistan aber in seiner Mitverantwortung f&uuml;r internationale kollektive Sicherheit gefordert.</p>
<p>Anzumerken ist, dass f&uuml;r die Spitzen deutscher Politik, angefangen mit Bundeskanzler Schr&ouml;der und Au&szlig;enminister Fischer, &uuml;ber lange Zeit das ausschlaggebende Interesse hinter dem deutschen Afghanistaneinsatz&nbsp; n i c h t&nbsp; die F&ouml;rderung von Sicherheit und Aufbau im kriegszerst&ouml;rten Afghanistan waren, sondern schlichtweg die Alliierten-Solidarit&auml;t mit den USA. (<em>vgl. &bdquo;Krieg im toten Winkel&ldquo;, SZ 17.06.2017, und &bdquo;Womit politisches F&uuml;hrungs-versagen anfing</em>&ldquo; <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1479">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1479</a> ) Die anschlie&szlig;ende Frage, welches Interesse &uuml;berhaupt die USA als ma&szlig;geblicher Truppensteller und gr&ouml;&szlig;ter Geber in Afghanistan verfolgen, ob Afghanistan den USA heutzutage vielleicht prim&auml;r als geostrategischer &bdquo;Flugzeugtr&auml;ger&ldquo; zwischen Iran und China dient, wurde im deutschen sicherheitspolitischen Diskurs kaum beachtet.</p>
<p>Der Perspektivbericht benennt vier strategische Ziele, zu deren Erreichen das gemeinsame (internationale) Engagement beitragen soll:</p>
<p><em>- &bdquo;Reduzierung des gewaltsamen Konflikts auf ein Niveau, das von den afghanischen Sicherheitskr&auml;ften kontrolliert werden kann und die Bedrohung f&uuml;r Deutschland, seine Verb&uuml;ndeten sowie f&uuml;r die Region miniert,</em></p>
<p><em>- Staatlichkeit, die auch aufgrund effektiver Gew&auml;hrleistung von Sicherheit und Recht, insbesondere der Menschenrechte Legitimit&auml;t genie&szlig;t und damit Stabilit&auml;t erm&ouml;glicht,</em></p>
<p><em>- wirtschaftliche und soziale Entwicklung, die der Bev&ouml;lkerung Zukunftsperspektiven jenseits von Armut, Flucht, Migration und Extremismus er&ouml;ffnet, </em></p>
<p><em>- ein innerafghanischer Friedensprozess, der von den Staaten der Region unterst&uuml;tzt wird.&ldquo; (S.</em> 5)</p>
<p>Orientiert auf staatliche und menschliche Sicherheit sind diese Ziele richtig und grunds&auml;tzlich unterst&uuml;tzenswert.</p>
<p>Wieweit werden aber diese Ziele von afghanischen Akteuren tats&auml;chlich mitgetragen &ndash; oder nur hingenommen, gar sabotiert? (&bdquo;Partnerlage&ldquo;) Und wie werden die Ziele vor einem Zeithorizont operationalisiert, so dass die Zielerreichung auch &uuml;berpr&uuml;fbar ist? Eine solche Operationalisierung kann nicht in dem vorliegenden Berichtsformat erbracht werden. Mir ist aber auch kein deutsches Regierungsdokument bekannt, das eine solche Operationalisierung der Ziele beinhalten w&uuml;rde.</p>
<p><strong>Politische L&ouml;sung</strong></p>
<p>Zu Recht betont die Bundesregierung im Perspektivbericht und in der Mandatsbegr&uuml;ndung die Schl&uuml;sselrolle von regionaler Kooperation und innerafghanischem Friedensprozess. Als Vorsitz der internationalen Afghanistan-Kontaktgruppe und zusammen mit der EU kann und will die Bundesregierung hierzu wichtige Beitr&auml;ge leisten. Bei der j&uuml;ngsten Konferenz des <em>Kabul-Prozesses</em> machte Pr&auml;sident Ghani die bisher weitgehendsten Friedensvorschl&auml;ge, unterst&uuml;tzt von den 23 teilnehmenden Staaten, UN, EU und NATO. Es hei&szlig;t, die deutschen Vertreter h&auml;tten zu diesem Erfolg erheblich beigetragen. Der deutsche Dari sprechende &nbsp;Afghanistan-Beauftragte Markus Potzel machte im afghanischen Fernsehen das Angebot, Verhandlungen mit den Taliban k&ouml;nnten auch in Deutschland stattfinden.&nbsp; (<em>Ausf&uuml;hrlich zu Kabul II Thomas Ruttig:&nbsp; </em><a href="https://thruttig.wordpress.com/2018/02/28/turoffner-fur-frieden-mit-den-taliban-taz-1-3-18-u-a/"><em>https://thruttig.wordpress.com/2018/02/28/turoffner-fur-frieden-mit-den-taliban-taz-1-3-18-u-a/</em></a> ; <em>Britta Petersen betont in Ihrem taz-Kommentar vom 09.03. die Dringlichkeit einer regionalen Friedensl&ouml;sung. Sie empfiehlt, Deutschland solle erneut zu einer Petersberg-Konferenz einladen. Deutschland sei das einzige relevante Land, das bei den Afghanen Vertrauen genie&szlig;e und bei den anderen M&auml;chten als ausreichend unparteiisch gelte.</em> <a href="https://www.taz.de/Archiv-Suche/!5487688&amp;s=&amp;SuchRahmen=Print/"><em>https://www.taz.de/Archiv-Suche/!5487688&amp;s=&amp;SuchRahmen=Print/</em></a><em> )</em></p>
<p><strong>Sicherheit</strong></p>
<p>Trotz des Anspruchs von mehr Realismus sind traditionelle Neigungen zu verharmlosender Weichzeichnerei (Afghanistan sei immer noch gepr&auml;gt von einer &bdquo;schwierigen Sicherheitslage&ldquo;) und fehlender Selbstkritik keineswegs &uuml;berwunden. Wie in den Fortschrittsberichten 2010-2014 gibt es M&auml;ngel und Fehler nur auf afghanischer Seite, nie beim eigenen B&uuml;ndnis, gar der Bundesrepublik selbst. Das Engagement letzterer erscheint praktisch als Erfolgsgeschichte. In eins gepackt wird dabei der in der Tat insgesamt hervorragende Einsatz der entsandten Diplomaten, Soldaten, Entwicklungsexperten und Polizisten und eine politische F&uuml;hrung, die die Herausforderung Afghanistan lange untersch&auml;tzte, Lageversch&auml;rfungen ignorierte und nicht ernsthaft auf Wirkung zielte.</p>
<p>Die Behauptung eines &bdquo;<strong>strategischen Patt</strong>&ldquo; ist NATO-offiziell. Sie trifft insofern zu, als keine Seite die andere auf absehbare Zeit milit&auml;risch besiegen kann. Bemerkenswert ist auch die zunehmende Bedeutung der afghanischen Spezialkr&auml;fte und Luftwaffe. Dar&uuml;ber hinaus l&auml;sst sich die Patt-Behauptung hinsichtlich der politischen Durchhaltef&auml;higkeiten aber erheblich bezweifeln:</p>
<p>- Die Einsatz- und &Uuml;berlebensf&auml;higkeit der ANDSF h&auml;ngt am Tropf der Unterst&uuml;tzerstaaten. Wie lange der enorme Ressourcenzustrom h&auml;lt, ist ungewiss.</p>
<p>- Der Anstieg gerade von Suizid- und komplexen Angriffen, ihre Fokussierung auf die besonders gesicherte, im Brennpunkt der Medien stehende Hauptstadt, insbesondere gegen Schiiten, verbreitet Schrecken und Ohnmacht mit gr&ouml;&szlig;ter Reichweite.</p>
<p>- Die j&auml;hrliche &bdquo;Schwundrate&ldquo; der ANDSF liegt bei 30%.</p>
<p>- Der Zulauf zu den Taliban ist trotz hoher Verluste ungebrochen. Nach offiziellen US-Sch&auml;tzungen von Anfang 2018 verf&uuml;gen die Taliban inzwischen &uuml;ber mindestens 60.000 K&auml;mpfer. 2014 lagen die Sch&auml;tzungen bei 20.000. (<em>Detailliert zur Sicherheitslage meine Zusammenfassung und Erg&auml;nzung des UNAMA-Zivilopfer-Berichts 2017 vom Februar 2018, </em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1518"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1518</em></a> ) Laut Pentagon-Bericht vom Juni 2017 beherbergt die Region Afghanistan-Pakistan die h&ouml;chste Konzentration extremistischer und terroristischer Gruppen weltweit.</p>
<p>- Landesweit nahm die Mohnanbaufl&auml;che in 2017 um 63% ggb. dem Vorjahr zu (328.000 ha), die Opiumproduktion um 87%! Im Norden explodierte regelrecht die Anbaufl&auml;che von 574 ha in drei von sieben Provinzen in 2014 auf 43.000 ha in sechs Provinzen in 2017. (Der Perspektivbericht spricht auf S. 14 einmal von &bdquo;wachsender Produktion&ldquo; und Schmuggel von Drogen. Das war`s dann!)</p>
<p>- Die internationalen Kr&auml;fte sind weitgehend von ihren afghanischen Partnern, der Bev&ouml;lkerung und realen Lage abgeschnitten, verf&uuml;gen immer weniger &uuml;ber ein eigenes Lagebild.</p>
<p><strong>Die Beratung der ANDSF durch RSM</strong> wird auch von den Vereinten Nationen weiterhin f&uuml;r notwendig erachtet. Von den zzt. 105 Vollzeit-Advisern beim Train Advise Assist Command North (TAAC-N) stellt die Bundeswehr rund 35 (weitere rund 10 in Kabul). Sie sind ausdr&uuml;cklich keine Milit&auml;rberater in laufenden Eins&auml;tzen. Als Adviser in gesicherten St&uuml;tzpunkten (&bdquo;inside the wire&ldquo;) und vorrangig auf der Korpsebene haben sie praktisch keinen Einblick in die Umsetzungsebene der Brigaden und Bataillone, au&szlig;er bei &Uuml;berpr&uuml;fungen von F&uuml;hrungspersonal z.B. der 20. Division in Kunduz oder seit 8. M&auml;rz der 1. Brigade in Meimaneh/Faryab (hier bez. Operationsplanung und &ndash;f&uuml;hrung, Logistik und F&uuml;hrungsunterst&uuml;tzung). Die Vermutung, dass eine solche Art von Beratung nur begrenzt wirksam ist, steht im Raum. Versch&auml;rfend kommt die Feststellung im <em>Perspektivbericht</em> hinzu, dass die Bundeswehr wegen mangelnder eigener Schutzkr&auml;fte bis zur H&auml;lfte der notwendigen Train-Advise-Assist-Auftr&auml;ge nicht durchf&uuml;hren konnte.</p>
<p><em>(Hier verdient der Quartalsbericht des Special Inspector General for Afghanistan Reconstruction (SIGAR) an den US-Kongress vom September 2017 mit dem Schwerpunkt &bdquo;Reconstruction the ANDSF: Lessons from the U.S. Experience in Afghanistan&ldquo; besondere Beachtung. Seine zentralen Ergebnisse:</em></p>
<p><em>&nbsp;- Die US waren und sind schlecht auf Security Sector Assistance (SSA) vorbereitet.</em></p>
<p><em>- Anf&auml;ngliche Pl&auml;ne waren einzig auf Milit&auml;roperationen fokussiert.</em></p>
<p><em>- Fr&uuml;he Partnerschaften mit unabh&auml;ngigen Milizen unterminierten letztendlich das Werden von ANA und ANP.</em></p>
<p><em>- Die US versagten bei der Optimierung der Koalitionsbeitr&auml;ge zur SSA, was eine zunehmend komplexe Umsetzung der SSA-Programme zur Folge hatte.</em></p>
<p><em>- Fortgeschrittene westliche Waffen und Management-Systeme f&uuml;r weitgehend unausgebildete und analphabetische Streitkr&auml;fte schufen Langzeitabh&auml;ngigkeiten.</em></p>
<p><em>Die ANDSF TAA-Mission war personell chronisch unterausgestattet. In der Zeit des Surge 2010-2011 waren die Posten zu weniger als 50% besetzt. Wegen verschiedener nationaler Caviats kamen Ausbilder, insbesondere zivile, oft nicht landesweit zum Einsatz. Die chronische Unterbesetzung dauert auch bei RSM an.</em></p>
<p><em>Mit Beginn von Resolute Support beschr&auml;nkte sich die TAA- Unterst&uuml;tzung auf die Ebene der Ministerien, Corps und Police Zones. Dadurch reduzierten sich die Ber&uuml;hrungspunkte mit den ANDSF Einheiten erheblich. Dass einige Verb&auml;nde ganz ohne Berater blieben, erwies sich im Sommer 2015 als desastr&ouml;s: Das 215. ANA Corps in Helman kollabierte v&ouml;llig. Vgl. Anmerkungen zu Resolute Support Nov. 2017, Nr. 6, </em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1506"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1506</em></a><em> )</em></p>
<p><strong>Die geplante Aufstockung des deutschen Kontingents</strong> um ein knappes Drittel und die Ausweitung des Einsatzgebietes im Norden erscheint als notwendig und gerechtfertigt, um die unverzichtbare Beratungskapazit&auml;t wirksamer zu machen. Ob sie ausreicht, um bestm&ouml;gliche Beratungswirkung zu erzielen, oder im Wesentlichen nur ein b&uuml;ndnispolitisches Signal ist (&bdquo;<em>wir sperren uns nicht ggb. der allgemeinen Aufstockung</em>&ldquo;), bleibt ungekl&auml;rt. Eine offene Frage bleibt auch, ob die Mentoren auf ihre Aufgabe in Bezug auf afghanische Ausbildungsvorschriften, NATO-Pl&auml;ne etc. so vorbereitet sind, dass sie ihre vier bis f&uuml;nf Monate realen Beratungseinsatz effizient nutzen k&ouml;nnen.</p>
<p>Dieselben Wirksamkeitsfragen stellen sich auch bei der <strong>deutschen Polizeiaufbauhilfe</strong>, die meines Wissens als einzige auf eine zivile und b&uuml;rgernahe Polizei orientiert ist. Lt. o.g. SIGAR-Bericht leidet die afghanische Polizei (ANP) weiterhin an den konkurrierenden Ans&auml;tzen der USA einerseits und der Europ&auml;er andererseits. Das US-Milit&auml;r betrachte die ANP als eine Counterinsurgency-Kraft zum Schutz der Bev&ouml;lkerung vor Taliban-Angriffen und &ndash;Einfluss. Polizeientwicklung sei von der US-Regierung als sekund&auml;re Mission behandelt worden, obwohl sie bei der Implementierung von Rechtsstaatlichkeit und lokaler Sicherheit landesweit eine entscheidende Rolle spielt.</p>
<p>In einem Bericht des Pentagon an den Kongress vom Juni 2017 hie&szlig; es, die Konzentration auf milit&auml;rische COIN-Funktionen habe die ANP daran gehindert, ausreichende Kapazit&auml;ten zur Kriminalit&auml;tsbek&auml;mpfung und Community Policing zu entwickeln. Der paramilit&auml;rische COIN-Fokus wurde best&auml;rkt von einer COIN-orientierten Strategie der USA und einer Leitungsebene des afghanischen Innenministeriums (MOI) mit vielen ehemaligen ANA-Kommandeuren. Die COIN-Orientierung stehe im Widerspruch zur 2013 ver&ouml;ffentlichten Zehnjahres-Vision des afghanischen Innenministeriums, wonach zur Verantwortung der Polizei geh&ouml;re, Rechtsstaatlichkeit zu st&auml;rken, Ruhe und Ordnung auf den Stra&szlig;en aufrechtzuerhalten und die Sicherheit der B&uuml;rger zu sch&uuml;tzen. Die Vision des MOI sei, die Polizei auf ihre traditionellen Aufgaben lt. Afghanischen Polizeigesetz zur&uuml;ckzuf&uuml;hren und ihre Beteiligung an Kampfoperationen zu beenden. (<em>vgl. Anmerkungen zu Resolute Support, Nov. 2017, a.a.O.)</em></p>
<p>F&uuml;r nachhaltige Sicherheit hat Polizeiaufbauhilfe eine strategische Bedeutung. Die zentrale Rolle des deutschen GPPT dabei wurde auf der politischen Ebene in Berlin in den letzten Jahren (Mandatstexte und &ndash;debatten) weitgehend ignoriert. Die fast drei Seiten im Perspektivbericht zum Polizeiaufbau sind da ein relativer Fortschritt, der bei den Debatten unbedingt genutzt werden sollte.</p>
<p><strong>Staatsaufbau, zivile Stabilisierung, soziale + wirtschaftliche Entwicklung </strong></p>
<p>Wichtige gute Nachrichten sind, dass die Korruptionsbek&auml;mpfung bei Pr&auml;sident Ghani oberste Priorit&auml;t hat und auch energisch angegangen wird; dass die Steuereinnahmen deutlich erh&ouml;ht wurden (2017 +50% ggb. 2014), dass der Eigenanteil am Staatshaushalt in 2017 auf 38% stieg ggb. 30% im Vorjahr.</p>
<p>Sehr wichtig ist, dass die Bundesregierung weiterhin zu ihrem langfristigen zivilen Engagement in Afghanistan steht und bis 2020 1,7 Mrd. Euro in Aussicht gestellt hat (pro Jahr bis zu 250 Mio. f&uuml;r die Entwicklungszusammenarbeit und bis zu 180 Mio. f&uuml;r Stabilisierungsvorhaben).</p>
<p>Hoch anzuerkennen ist, dass die zust&auml;ndigen MitarbeiterInnen in den Berliner Ministerien und die entsandten Frauen und M&auml;nner in Afghanistan nach besten Kr&auml;ften ihre Aufgaben erf&uuml;llen und sich nicht von der verbreiteten Abwendung von Afghanistan entmutigen lassen.</p>
<p>Nach den Schocks der Zerst&ouml;rung des Generalkonsulats in Mazar und der Botschaft in Kabul&nbsp; ist es ermutigend, wie viele von Deutschland gef&ouml;rderte Stabilisierungs- und Entwicklungsprojekte (darunter etliche grenz&uuml;berschreitende) unter erschwerten Bedingungen doch weiter laufen, dass es wohl Verschiebungen und Verz&ouml;gerungen bei Projekten, aber keine Projekt-, gar Programmabbr&uuml;che gab. Als geradezu spektakul&auml;r empfinde ich, dass im Kontext der von der Bundesregierung gef&ouml;rderten Stabilisierungs- und Entwicklungsprojekte mindestens 1.500 einheimische Kr&auml;fte mit zunehmender Eigenverantwortung arbeiten.</p>
<p>Der Perspektivbericht schildert deutlich die seit 2014 deutlich verschlechterten Rahmenbedingungen f&uuml;r ziviles Engagement der Bundesregierung in Afghanistan und die Umstellung auf Aufbauhilfe unter Akutbedrohung.</p>
<p>V&ouml;llig unerw&auml;hnt l&auml;sst der Perspektivbericht leider die Arbeit von deutschen Nichtregierungs- und Hilfsorganisationen, die immer noch, sehr wirkungsvoll und zum Teil seit Jahrzehnten im Land arbeiten. Bei der k&uuml;rzlichen Jahrestagung der &bdquo;Freundeskreises Afghanistan&ldquo; erfuhr ich das beispielhaft. Der Zusammenschluss von Frauen und M&auml;nnern, die in den 60er und 70er Jahren in Afghanistan als EntwicklungshelferInnen gearbeitet hatten, unterst&uuml;tzte den Aufbau und die Weiterentwicklung einer Schullandschaft in Jaghori in der Provinz Ghazni (<a href="http://www.fk-afghanistan.de/">http://www.fk-afghanistan.de/</a> ). In der jahrzehntelangen Zusammenarbeit wuchs eine verl&auml;ssliche und herzliche Partnerschaft, die jetzt in Gefahr ger&auml;t, weil gegen&uuml;ber Ko-Finanzierern bisherige Vor-Ort-Kontrollregeln wegen der versch&auml;rften Sicherheitslage nicht mehr eingehalten werden k&ouml;nnen.</p>
<p>Bei der 31. Afghanistan-Tagung in Villigst pr&auml;sentierten sich etliche solcher Hilfsprojekte, die alle auf langj&auml;hrigen vertrauensvollen und verl&auml;sslichen Beziehungen beruhen und in ihren Provinzen regelrechte Leuchtt&uuml;rme sind. (mein <em>Villigst-Bericht &bdquo;Hinsehen statt Wegsehen &ndash; Mutmacher gegen die Gewaltseuche&ldquo;,</em> 27.12.2017, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1512">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1512</a> ; vgl. auch die bewundernswerten Leistungen der &bdquo;Kinderhilfe-Afghanistan&ldquo; von Dr. Reinhard und Annette Er&ouml;s und der rund 30 Schulen mit 60.000 Sch&uuml;lerInnen und 1.400 LehrerInnen in sechs ostfaghanischen Provinzen, <a href="http://www.kinderhilfe-afghanistan.de/">http://www.kinderhilfe-afghanistan.de/</a> )</p>
<p>Gerade jetzt, wo die wuchernde Unsicherheit internationale Unterst&uuml;tzer in immer gr&ouml;&szlig;ere Distanz zur afghanischen Bev&ouml;lkerung dr&auml;ngt und pers&ouml;nliche Kontakte erschwert, ist das Potenzial dieser Hilfsprojekte enorm wertvoll. Es braucht und verdient bestm&ouml;gliche Unterst&uuml;tzung seitens der Bundesregierung. Beachtung und Unterst&uuml;tzung verdienen Aufbauprojekte, die an lebendige gute Erfahrungen und verl&auml;ssliche Beziehungen aus der Hoch-Zeit der westdeutschen Entwicklungszusammenarbeit im Afghanistan der 60er und 70er Jahre ankn&uuml;pfen k&ouml;nnen. (z.B. in Khost und Paktia)</p>
<p>Aufbau- und Entwicklungsprojekte f&ouml;rdern in Afghanistan vor Ort f&uuml;r Hunderttausende Menschen Lebenschancen, Perspektiven, Hoffnung. Vor Augen habe ich dabei den Berufsausbildungs-Campus Takhta Pul bei Mazar: Mit deutscher Unterst&uuml;tzung entstanden hier ein Landwirtschaftsinstitut f&uuml;r 720 Studierende, eine Berufsschullehrerakademie (500) und eine Ingenieurschule (720). Takhta Pul schafft ganz praktisch Perspektiven und ist viel mehr als ein Tropfen auf den hei&szlig;en Stein. Nur: Dieses Projekt und Tausende andere wirken von unten und schaffen Potenziale f&uuml;r nachhaltige Entwicklung und Friedensf&ouml;rderung, k&ouml;nnen die aktuelle Verschlechterung der Gesamtlage aber kaum bis gar nicht beeinflussen.<strong>Flucht und Migration</strong></p>
<p>Der Perspektivbericht beschreibt das Ausma&szlig; der Flucht- und Migrationsbewegungen in und aus Afghanistan, der Binnenvertriebenen, der R&uuml;ckkehr afghanischer Fl&uuml;chtlinge aus Pakistan und Iran sowie der afghanischen Fl&uuml;chtlinge nach Deutschland. Als strategisches Dokument zielt der Bericht ausdr&uuml;cklich nicht auf eine erg&auml;nzende Lageunterrichtung der Innenbeh&ouml;rden und Gerichte. (vgl. dazu mein Beitrag &bdquo;<em>Afghanistan: Wuchernde Fluchtursachen, einzelne Hoffnungstr&auml;ger &ndash; Zur Lagebeurteilung des AA und zur deutschen Zusammenarbeit mit AFG unter Bedrohung</em>&ldquo;, 10.09.2017, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1495">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1495</a> )</p>
<p>In Afghanistan ist Deutschland so dicht an Fluchtursachen, ihrer Reduzierung wie an ihrer F&ouml;rderung, wie in kaum einem anderen Land. Da ist es ein eklatanter Widerspruch, dass &ndash; richtigerweise &ndash; Abschiebungen aus Deutschland in das immer unsicherere Afghanistan viel Aufmerksamkeit und Kritik erfahren, Fluchtursachenbek&auml;mpfung in Afghanistan &uuml;ber den Kreis der zu Afghanistan Engagierten aber praktisch nicht mehr interessiert.</p>
<p><strong>US-Kurs unter Trump</strong></p>
<p>Am 22.08.2017 k&uuml;ndigte US-Pr&auml;sident Trump im Rahmen der &nbsp;neuen US-S&uuml;dasienstrategie an, das US-Engagement in Afghanistan statt an Fristen an zu erreichende Bedingungen zu kn&uuml;pfen. Damit zog er eine zentrale Schlussfolgerung aus dem terminfixierten ISAF-Abzug. Zugleich verk&uuml;ndete er: &bdquo;Wir betreiben kein Nation Building mehr. Wir t&ouml;ten Terroristen!&ldquo; Die Drohung, zum so r&uuml;cksichtslosen wie strategisch dummen und gescheiterten Antiterrorkrieg zur&uuml;ckzukehren, und die Absage an Staatsaufbau lie&szlig; einen Kurs diametral zum Ansatz der UN, der meisten RSM-Verb&uuml;ndeten, darunter Deutschland, bef&uuml;rchten. Eine Wiederauflage des strategischen Dissenses der ersten Jahre des Afghanistaneinsatzes?</p>
<p>Ein halbes Jahr sp&auml;ter sieht die Bundesregierung in dem US-Kurs eine &bdquo;<em>neue Dynamik sowohl f&uuml;r die milit&auml;rische Operationsf&uuml;hrung als auch das Verh&auml;ltnis zu Pakistan (&hellip;), deren Auswirkungen noch nicht abschlie&szlig;end absehbar sind</em>.&ldquo; Das ist &auml;u&szlig;erst diplomatisch und verharmlosend formuliert. In Afghanistan ist inzwischen die Umsetzung des neuen US-Kurses erkennbar:</p>
<p>- Im Rahmen der US-Operation Freedom`s Sentinel (OFS) wurden Auftrag und Einsatzregeln der US-Kr&auml;fte erweitert, Luftwaffeneins&auml;tze und Spezialoperationen gegen massiv ausgeweitet. (in 2017 Verdreifachung der abgeworfenen Bomben ggb. dem Vorjahr und mehr als 2012) CIA-Geheimoperationen, die bisher auf Al-Qaida-Bek&auml;mpfung gerichtet waren, sollen jetzt im ganzen Land Taliban jagen und t&ouml;ten. Ausgeweitet werden wollen auch geheime Drohnenangriffe der CIA. (vgl. Anmerkungen zu Resolute Support, Nov. 2017, Nr. 10, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1506"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1506</em></a><em> ) </em>Wie sich der verst&auml;rkte Einsatz der OFS-Kr&auml;fte auf Seiten der ANDSF auswirkt und auf die Kampfkraft/Verhandlungsbereitschaft der Taliban, kann ich nicht beurteilen. Laut UNAMA-Zivilopfer-Report haben die Taliban 2017 nicht mit vermehrten IED-Anschl&auml;gen und Suizid-/komplexen Angriffen geantwortet.&nbsp; Diese sind im Gegenteil erheblich zur&uuml;ckgegangen.</p>
<p><strong>- Die USA waren bisher der bei weitem gr&ouml;&szlig;te Geber auf den Feldern Staatsaufbau, Aufbau und Entwicklung. Das hat sich bisher nicht ge&auml;ndert. Bei Kabul-II dr&auml;ngten die US-Vertreter gemeinsam mit Verb&uuml;ndeten auf ein weitergehendes Frieden</strong><strong>sangebot durch Pr&auml;sident Ghani.</strong></p>
<p><strong>&nbsp;</strong></p>
<p><strong>Schlussstrich? Blo&szlig; raus?</strong></p>
<p>Der Afghanistaneinsatz gilt hierzulande f&uuml;r viele, auch in der Politik und unter Bundeswehrangeh&ouml;rigen, als gescheitert. Wolfgang Bauer zieht in seinem ZEIT-Kommentar vom &nbsp;8. M&auml;rz (&bdquo;<em>Wir sind besiegt &ndash; Deutschland ist in Afghanistan gescheitert, milit&auml;risch ebenso wie in der Entwicklungshilfe</em>&ldquo;, <a href="http://www.zeit.de/2018/11/afghanistan-taliban-deutschland-militaereinsatz-entwicklungshilfe-gescheitert">http://www.zeit.de/2018/11/afghanistan-taliban-deutschland-militaereinsatz-entwicklungshilfe-gescheitert</a> ) eine Schlussfolgerung gegen den Strich: mehr Ernsthaftigkeit beim Verstehen eines Landes und der Zielformulierung, ein anderes, robusteres Risikobewusstsein, das sich nicht so schnell einsch&uuml;chtern lasse.</p>
<p>Im Mainstram liegen eher die Kommentare von Michael Schmidt (Tagesspiegel 8. M&auml;rz) &bdquo;<em>Die Bundeswehr muss raus aus Afghanistan &ndash; sofort!</em>&ldquo; <a href="https://www.tagesspiegel.de/politik/einsatz-am-hindukusch-die-bundeswehr-muss-raus-aus-afghanistan-sofort/21044462.html">https://www.tagesspiegel.de/politik/einsatz-am-hindukusch-die-bundeswehr-muss-raus-aus-afghanistan-sofort/21044462.html</a> ) und Pascal Beucker ( taz 08.03.) &bdquo;<em>Es ist Zeit f&uuml;r einen Schlussstrich. Und zwar besser heute als morgen.</em>&ldquo; Oder die LINKE mit ihrer langj&auml;hrigen Forderung nach Sofortabzug, Friedensgespr&auml;chen und zivilem Aufbau. Oder die AfD-Fraktion im Bundestag, deren Forderungen auf einen schnellen Abzug hinauslaufen.</p>
<p>Die Option (Sofort-)Abzug darf kein Tabu sein. Aus rundum gescheiterten und aussichtslosen Eins&auml;tzen und politischen Unternehmungen muss man sich selbstverst&auml;ndlich zur&uuml;ckziehen k&ouml;nnen. Allerdings geh&ouml;rt dazu neben Mut zu unangenehmen Wahrheiten eine sorgf&auml;ltige Lageanalyse und Folgenabsch&auml;tzung.</p>
<p>F&uuml;rsprechern eines Sofortabzuges ist meist gemein,</p>
<p>- dass sie die Lage und das internationale Engagement in Afghanistan pauschal als &bdquo;nichts ist gut&ldquo; darstellen und damit erreichte Teilerfolge, konstruktive Bem&uuml;hungen, Chancen und Hoffnungstr&auml;ger v&ouml;llig missachten und</p>
<p>- die mutma&szlig;lichen Folgen eines Abzuges f&uuml;r die Afghaninnen, f&uuml;r die Konfliktentwicklung und regionale Sicherheit, f&uuml;r die Vereinten Nationen und die B&uuml;ndnisbeziehungen zu einer Zeit eines br&ouml;ckelnden B&uuml;ndnisses und Multilateralismus nicht thematisieren.</p>
<p>F&uuml;rsprechern eines Sofortabzuges ist meist gemein, dass sie in Afghanistan</p>
<p>- historisch gewachsene Gewaltpotenziale und zunehmend ethnisch und konfessionell aufgeladene und verselbst&auml;ndigte Gewaltdynamiken (siehe die Entwicklung zu entgrenzten Massakerangriffen in den letzten Jahren und den &bdquo;Terrorwettbewerb&ldquo; zwischen Daesh und Taliban), Verfeindungen und regionale Interessenkonflikte untersch&auml;tzen,</p>
<p>- Verst&auml;ndigungsprobleme und Zeitbedarfe bei Friedensgespr&auml;chen, Vers&ouml;hnungsprozessen und beim Aufbau eines staatlichen Gewaltmonopols untersch&auml;tzen,</p>
<p>- die Schnelligkeit und Wirksamkeit von Friedensgespr&auml;chen und die M&ouml;glichkeiten und &Uuml;berlebensf&auml;higkeit von zivilem Aufbau ohne funktionierende Grundsicherheit &uuml;bersch&auml;tzen,</p>
<p>- die h&ouml;chst wahrscheinlichen Folgen eines Sofortabzuges, n&auml;mlich die Explosion von Machtk&auml;mpfen und Kriegsgewalt, ignorieren.</p>
<p>Die B&uuml;rgerkriegsjahre nach Ende der russischen Unterst&uuml;tzung 1992 gelten im kollektiven Ged&auml;chtnis der AfghanInnen als die allerschlimmste Kriegszeit. Man stelle sich vor, 2014 w&auml;ren die internationalen Truppen vollst&auml;ndig abgezogen. Dass dann die Gewalt erloschen w&auml;re, ist kaum anzunehmen.</p>
<p>Sofortabzugs-Forderungen gehen gern mit dem Anspruch einher, damit die einzig wahre Friedenspolitik zu vertreten. De facto laufen sie dort, wo mutma&szlig;liche verheerende Folgen dieser Forderung ausgeblendet werden, auf eine zynische Simulation von Friedenspolitik hinaus.</p>
<p><strong>Weder Verdr&auml;ngung noch Endlos-Einsatz </strong></p>
<p>Dass Afghanistan sp&auml;testens seit 2014 fast kein Thema in deutscher Politik und &Ouml;ffentlichkeit mehr ist, dass es Blitzaufmerksamkeit nur kurz bei spektakul&auml;ren Anschl&auml;gen gibt, ist kein Wunder. Zu den anfangs genannten Punkten kommt hinzu, dass das afghanische Konfliktkn&auml;uel so un&uuml;bersichtlich und unl&ouml;sbar erscheint, dass es zugleich &uuml;berfordert und entmutigt. Vorhandene&nbsp; Hoffnungsfunken und mutige Hoffnungstr&auml;ger sind nur in einzelnen Afghanistan-Communities bekannt. Ansonsten haben sie kaum eine Chance, den vorherrschenden bad-news-Mechanismus zu &uuml;berwinden.</p>
<p>So verst&auml;ndlich die Verdr&auml;ngung des hei&szlig;en Eisens Afghanistan ist, so politisch kurzsichtig und dumm ist sie &ndash; das Gegenteil jeder Krisen- und Eskalationspr&auml;vention. (Eine Sonderform der Verdr&auml;ngung ist, wo Afghanistan ausschlie&szlig;lich im Kontext von Abschiebungen interessiert. So geschehen in den Bundestagswahlprogrammen der Parteien, die grunds&auml;tzlich das deutsche Afghanistan-Engagement unterst&uuml;tzen.)</p>
<p>Wenn jetzt dem Sofortabzugs-Wunschdenken das Mantra der strategischen Geduld entgegengesetzt wird, dann ist das richtig und fragw&uuml;rdig zugleich. Richtig, weil Stabilisierungs-, Aufbau- und Friedensprozesse nach aller Erfahrung (gerade der Vereinten Nationen) Jahrzehnte und z.T. Generationen brauchen und kurzfristig nicht zu schaffen sind.</p>
<p>Fragw&uuml;rdig, weil das Beschw&ouml;ren strategischer Geduld eine andere Form des Wunschdenkens sein kann - ein Vertr&ouml;sten auf den Sankt-Nimmerleins-Tag.</p>
<p>Der Falle eines Endlos-Einsatzes kann nur glaubw&uuml;rdig und wirksam begegnet werden, wenn politische und milit&auml;rische F&uuml;hrung sich, das Parlament und die &Ouml;ffentlichkeit r&uuml;ckhaltlos ehrlich machen und realistische, m&ouml;glichst operationalisierte, &uuml;berpr&uuml;fbare Ziele definieren und das Ma&szlig; der Zielerreichung regelm&auml;&szlig;ig und nachvollziehbar &uuml;berpr&uuml;fen. In diesem Kontext sind auch Exit-Kriterien zu entwickeln, die Wegmarken f&uuml;r eine konditionierte milit&auml;rische Abzugsperspektive bzw. eine Reduzierung des zivilen Engagements sind. Am notwendigsten und ehesten realisierbar sind solche Exit-Kriterien wohl auf dem Feld der B&uuml;rgersicherheit und eines hinreichend rechtsstaatlichen Gewaltmonopols.</p>
<p>In Sachen realistischer Ziele und Wirkungskontrolle besteht noch akuter Nachholbedarf. Die Niederlande, Kanada, USA, Norwegen haben gezeigt, dass dies trotz vieler methodischer Schwierigkeiten grunds&auml;tzlich geht. Der Bundestag mit seiner selten starken Stellung bei Auslandseins&auml;tze h&auml;tte die M&ouml;glichkeit, dies durchzusetzen. Sich ehrlich machen, braucht Mut &ndash; auch auf Seiten des Parlaments.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Weitere j&uuml;ngste Beitr&auml;ge von W.N.</span></strong></p>
<p><strong>- UNAMA-Jahresbericht 2017 zu Zivilopfern Afghanistan</strong>: Zusammenfassung, Kommentierung, Erg&auml;nzungen,22.02.2018:UNAMA-Report 2017,</p>
<p><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1518">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1518</a></p>
<p><strong>- Bundestagsdebatten zur Resolute-Support-Verl&auml;ngerung</strong>/Afghanistan. Nach drei Jahren Beratungsmission in Afghanistan: Klare Sicht? Gemeinsamer Kurs? Langer Atem? Kommentar zu den Bundestagsdebatten &uuml;ber die Fortsetzung der deutschen Beteiligung an &bdquo;Resolute Support&ldquo; Nov./Dez. 2017, 02.01.2018, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1513">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1513</a></p>
<p><strong>- Bericht von der 31. Afghanistan-Tagung seit 1984 in Villigst</strong>/Ruhr: Hinsehen statt Wegsehen - Mutmacher gegen die Gewaltseuche, Nov. 2017, 26.12.2017: Vortrag von Ex-Pr&auml;sident Karzai; aktuelle Chancen f&uuml;r Friedensverhandlungen; Flucht, Integration, Abschiebung; Pr&auml;sentation von aktuellen Projekten in Afghanistan: Afghanic, Mediothek, Chak-e-Wardak Hospital, Afghanistan-Schulen, Freundeskreis Afghanistan, &Auml;rzteverein f&uuml;r afghanische Fl&uuml;chtlinge, First Contact, Kinder brauchen uns, Afghanischer Frauenverein; &nbsp;Psychosoziale Beratung IPSO, Rechtsstaatsf&ouml;rderung durch die Max-Planck-Stiftung f&uuml;r Internationalen Frieden und Rechtsstaatlichkeit, AFG-PAK-Referent im BMZ; Dokumentarfilm &bdquo;True Warriors&ldquo; u.a. <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1512">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1512</a></p>
<p>- Statt &bdquo;weiter so&ldquo; im Nebel abw&auml;rts in Afghanistan<strong>: </strong>Endlich kritische &Uuml;berpr&uuml;fung, Realismus, strategischer Konsens und Exit-Kriterien. <strong>Anmerkungen zur Mandatsentscheidung</strong> <strong>&bdquo;Resolute Support&ldquo;, </strong>21.11.2017: Aktuelle Lage (Sicherheitslage, Opium Survey 2017, ANDSF, RSM, Polizeiaufbauhilfe, US-Streitkr&auml;fte in Afghanistan, unabh&auml;ngige SIGAR-Bilanzierung des Aufbaus von ANA + ANP; Der &bdquo;neue&ldquo; US-Kurs unter Pr&auml;sident Trump, Luftwaffeneins&auml;tze, der neue R4+S-Ansatz, CIA-Geheimoperationen; Vereinte Nationen; Schlussfolgerungen <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1506">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1506</a></p>
<p><strong>- Afghanistan: Wuchernde Fluchtursachen, einzelne Hoffnungstr&auml;ger</strong> &ndash; Zur Lagebeurteilung des AA und zur deutschen Zusammenarbeit mit AFG unter Bedrohung, 10.09.2017, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1495">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1495</a></p></div>


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