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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: 13. AFG-Reisebericht: Aufbau im Schatten von Guerillakrieg und AufstandsbekÃ¤mpfung, Kabul</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Internationale Politik und Regionen + Afghanistan + Bericht von Winfried Nachtwei + Stellungnahme</span>

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        <h1>
            13. AFG-Reisebericht: Aufbau im Schatten von Guerillakrieg und AufstandsbekÃ¤mpfung, Kabul         </h1>
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       <div class="xar-mod-content">
           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 23. Januar 2011 12:30:44 +02:00 (190192 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p><strong><span style="text-decoration: underline;">Inhalt:</span></strong></p>
<p><a href="index.php/articles/news/1027">Einleitung, Zusammenfassung </a></p>
<p><strong>Kabul</strong></p>
<p><a href="index.php/articles/news/1029">Mazar-e Sharif</a></p>
<p><a href="index.php/articles/news/1030">Kunduz</a></p>
<p>Kompletten &quot;13. AFG-Reisebericht: Aufbau im Schatten von Guerillakrieg und AufstandsbekÃ¤mpfung&quot; als <a href="download/bericht/AFG-RBericht-8-10.pdf">PDF-Datei herunterladen</a> (605 KB).</p></div>
            <div>    <p><strong>KABUL</strong></p>
<p><strong>GesprÃ¤che bei UNAMA</strong></p>
<p>Die Sicherungsanlagen sind massiv verstÃ¤rkt. Jetzt gibt es nicht nur ein von Bewaffneten bewachtes Tor, sondern eine doppelte Sperranlage und viele Heskos. So sollen Angriffe, die den ersten Sperrring durchbrechen, wenigstens am zweiten Ring gestoppt werden kÃ¶nnen. Auch auf dem GelÃ¤nde einzelne SandsackunterstÃ¤nde mit Soldaten. Die WÃ¤nde der ein- bis zweistÃ¶ckigen GebÃ¤ude sind mit Fotos des faszinierenden Afghanistan geschmÃ¼ckt.</p>
<p>In einem GebÃ¤ude des langjÃ¤hrigen UN-Compounds hatte der letzte PrÃ¤sident der Volksrepublik AFG und vormalige Chef der mÃ¶rderischen Geheimpolizei Nadjibullah 1992 Asyl gefunden. 1996 wurde er von den Taliban gefangen, hingerichtet und durch die Stadt geschleift.</p>
<p>Am GesprÃ¤ch mit Martin Kobler, stv. UNAMA-Chef (1998-2003 BÃ¼ro AuÃŸenminister Fischer, 2006/7 dt. Botschafter im Irak), nehmen auch verantwortliche MitarbeiterInnen teil. Die ZustÃ¤ndigen der Units fÃ¼r Menschenrechte, Wahlen, politische Angelegenheiten, Polizeiberatung, Antikorruption + Governance, Rule of Law, Sicherheit, militÃ¤rischer Berater.</p>
<p>UNAMA gliedert sich in den Pillar I (politische Angelegenheiten, Lt. M. Kobler), Pillar II (Aufbau, Hilfe, Entwicklung), Chief of Staff und Chief Security Adviser. In der Zentrale, den acht Regional und 15 ProvinzbÃ¼ros arbeiten 333 internationale und 1.322 afghanische MitarbeiterInnen. Ihr Jahresbudget fÃ¼r 2010 betrÃ¤gt 242 Mio. US-$. Bei allen UN-Organisationen (plus 21 Programme, Funds, Sonderorganisationen) zusammen arbeiten 1.000 internationale und ca. 6.000 afghanische MitarbeiterInnen. Bei UNAMA gebe es ein phantastisches know how. Organisatorisch sei UNAMA aber multikuli. Es gebe nicht einmal eine Registratur.</p>
<p><strong>Sicherheitslage:</strong> Die MitarbeiterInnen von UNAMA bewegen sich weitgehend ohne Schutz im Land und fahren in alle Gebiete. Es sei sehr bemerkenswert, welche Risiken sie auf sich nÃ¤hmen. So wÃ¼rden sich ISAF und Botschaften niemals bewegen. Vor zwei Monaten wurde IED vor dem Compund gefunden. Seitdem habe man die eigenen KrÃ¤fte auf weniger, aber gesicherte Liegenschaften zusammen gezogen. Der Leiter Security/Anti-Government-Elements/Taliban ist ein Deutscher, der schon seit 2000 im Land ist.</p>
<p>Die von UNAMA herausgegebene â€žResidual Risk - UN Programme Accessibility Map&quot; vom 30. MÃ¤rz 2010 stuft von den 400 Distrikten landesweit 125 als low risk/grÃ¼n ein, hier kÃ¶nne man sich unbewaffnet bewegen; 86 Distrikte medium risk/gelb, geschÃ¼tzte Fahrzeuge; 71 Distrikte high risk/dunkelgelb; 118 Distrikte very high risk/rot, hier ist ein special assessment notwendig. Die HÃ¤lfte der Distrikte sind also high risk. Im Norden sind nur Chahar Darreh und Archi als high risk eingestuft, alle anderen in der Provinz Kunduz (wie auch die meisten Distrikte von Baghlan und Faryab/Westen) als medium. Die Masse der Nord-Distrikte gilt als low risk.</p>
<p>Die Karte â€žANSF District Threat Assessment 08 July 2010&quot; bewertet neun Distrikte mit â€ženemy control&quot; (vormals 16), ca. 80 mit high threat (hier nur das Zentrum des Distrikts, d.h. manchmal nur einige 100 Meter, unter staatlicher Kontrolle. Im Norden gelten Chahar Darreh, Imam Shahib und Dashte Archi in Kunduz, Baghlan Jadid in Baghlan und Ghormach im Nordwesten als high threat.</p>
<p>Die persÃ¶nliche Sicherheit der Afghanen sei in Taliban-Gebieten z.T. besser als in Regierungsgebieten.</p>
<p>Zunehmend sei die BevÃ¶lkerung im Visier der AufstÃ¤ndischen. Bei SprengstoffanschlÃ¤gen auf ISAF werden in hohem Masse Zivilpersonen zerfetzt. AusdrÃ¼cklich angegriffen werden Menschen, die angeblich mit Regierung und internationalen Truppen zusammenarbeiten. Gruppenexekutionen vor DÃ¶rfern nehmen zu. Neuerdings wÃ¼rden schon solche Personen angegriffen, die angeblich nicht zureichend mit Taliban kooperieren: z.B. ein Mann, der eine Demonstrationen gegen ISAF angefÃ¼hrt hatte. Er war zu eigenstÃ¤ndig.</p>
<p>Beobachtet wird auch eine Doppelstrategie von Taliban-Kommandeuren, die einerseits die BevÃ¶lkerung terrorisieren, andererseits Dienstleistungen anbieten.</p>
<p>Die Bindekraft von sozialen Strukturen nehme ab. Eltern sagen: â€žWir haben keine Macht mehr Ã¼ber unsere Kinder.&quot;</p>
<p>Die Wahlvorbereitungen laufen in technischer Hinsicht besser als bei den letzten Wahlen. (...) Die Taliban-Drohungen seien sehr hart und hÃ¤tten sich vervielfacht: WÃ¤hlern wird mit dem Abhacken der blau markierten Finger gedroht. Zugleich versuchen Pro-Taliban-KrÃ¤fte ins Parlament zu kommen.</p>
<p>Die groÃŸe Mehrheit wolle die Taliban nicht zurÃ¼ck, aber eine Machtteilung.</p>
<p><strong>ISAF-UNAMA, zivil-militÃ¤rische Beziehungen</strong></p>
<p><em>(aus GesprÃ¤chen mit Insidern)</em></p>
<p>GegenÃ¼ber frÃ¼heren Jahren soll sich die Zusammenarbeit zwischen ISAF und UNAMA deutlich verbessert haben. RegelmÃ¤ÃŸige Treffen auf Spitzenebene jeweils unter Einschluss afghanischer Ministerien und ANSF sind: wÃ¶chentliches UNAMA Core Ambassadors Meeting (Vors. SRSG), monatliches UNAMA Ambassadors Meeting des SRSG; monatliches Ambassadors Meeting des COM ISAF; monatlich Strategic Review Coard (Vors. COM ISAF); 14-tÃ¤gig Deputies Committee (Vors. Nationaler Sicherheitsrat). Dazu hÃ¤ufig anlassbezogene Treffen.</p>
<p>Die Arbeitsebene kommt Ã¼berwiegend anlass- bzw. projektbezogen zusammen: z.B. Security Operations Group; Commanders Update und Joint Security Analysis Meeting bei ISAF Joint Command; Election Support Team (alle wÃ¶chentlich); Temporary Transition Workng Group; CIMIC Working Group etc.</p>
<p>Die KapazitÃ¤ten, Denk- und Planungsweisen sind nichtsdestoweniger sehr unterschiedlich. Im ISAF-HQ arbeiten allein 1.600 Soldaten, im UNAMA-HQ 205 Internationale. Am Thema Sicherheitssektorreform arbeiten bei ISAF mehr als 30 Stabsoffiziere, bei UNAMA ein Desk Officer. FÃ¼r das UNAMA-Schwerpunktthema Reconciliation und Reintegration steht ebenfalls ein Desk Officer zur VerfÃ¼gung. Im ISAF-HQ gibt es dafÃ¼r eine ganze Zelle mit vielen Stabsoffizieren und einem Zweisternegeneral. ...</p>
<p>Nach auÃŸen zeige ISAF groÃŸe Offenheit gegenÃ¼ber zivilen Akteuren. Die meisten MilitÃ¤rs hÃ¤tten eine geringe Vorstellung davon, wie die zivile Welt funktioniere. Der Anteil der Offiziere mit Erfahrung mit zivilen Akteuren sei gering.</p>
<p>MilitÃ¤r funktioniere wie ein Uhrwerk, es sei Herr der AblÃ¤ufe, wolle es zumindest sein. In der zivilen Welt sei man immer einer unter vielen, nicht Herr des Verfahrens. Es war kaum mÃ¶glich, den MilitÃ¤rs klarzumachen, dass sie bei einem Gesetzesvorhaben nichts zur Mehrheitsbeschaffung beitragen kÃ¶nnen. Auch Ministerentscheidungen fallen in einem komplizierten Verhandlungsumfeld. Solche Prozesse sind nach vorne offen. Darauf mÃ¼ssen sich offenere, damit zugleich realistische Planungen einstellen.</p>
<p>Umgekehrt haben Zivilisten unzureichend Vorstellungen davon, was man alles bewirken kann. Viele kÃ¶nnten ausschwÃ¤rmen. MilitÃ¤r habe - verglichen mit der zivilen Seite - Leute ohne Ende. Die MÃ¶glichkeiten konzertierter Einflussnahme!</p>
<p>UNAMA sei mit der Aufgabe Koordination Ã¼berfordert. Das fÃ¤ngt schon vor der eigenen HaustÃ¼r an: Der Pillar II agiert recht unabhÃ¤ngig von Pillar I, Mission Support ist ganz eigenstÃ¤ndig. Die UN-Funds, -Programme und -Sonderorganisationen haben alle ihre eigenen Mandate.</p>
<p>Hier sei die politische UN-Mission mit so vielen anderen Akteuren der Internationalen Gemeinschaft konfrontiert wie nirgendwo sonst. Zudem: ISAF sei nicht koordinierbar. Bei ISAF herrsche die Vorstellung, â€žwir sind alleinverantwortlich; andere arbeiten uns zu&quot;. Dass man Teil einer gemeinsamen Anstrengung sei, sei nicht die Einstellung bei ISAF. So werde die GTZ eher als Zuarbeiter gesehen.</p>
<p>Das ISAF-SelbstverstÃ¤ndnis als Hauptplayer Ã¼bertrug sich sogar auf die Felder Governance und Entwicklung. Erst mit der Zeit realisierte man, dass ISAF auf diesen Feldern nur eine Nebenrolle spielt.</p>
<p>Mit der StÃ¤rkung des Senior Civilian Representative habe sich die strukturierte Zusammenarbeit zwischen ISAF und zivilen Akteuren erheblich verbessert. Der SCR wirke als Moderator und Mittler und habe einige zivile Runden gegrÃ¼ndet.</p>
<p><strong>Politische GesprÃ¤che</strong></p>
<p><em>(die Abschnitte zu A. Abdullah, S. Samar, H. Karzai, R. Spanta, E. MacLeod, AAN sind weitestgehend dem Reisebericht der Delegation entnommen)</em></p>
<p><strong>... mit Diplomaten</strong></p>
<p>Ein in Krisenregionen erfahrener Diplomat: Wichtig sei, die groÃŸen Linien, die â€žGene&quot;, eines Landes im Blick zu haben. In AFG seien das die starken StÃ¤mme, das schwache Zentrum, die Ablehnung des Auslandes. Der KÃ¶nig habe Ã¼ber Jahrhunderte nie mehr als 10.000 Soldaten. Jetzt gebe es 400.000 SicherheitskrÃ¤fte.</p>
<p>- Stand der Wahlvorbereitungen: (...) Ãœber die Kritik an den Wahlen dÃ¼rfe man nicht das Institut Wahlen gefÃ¤hrden. Wahlen unter solchen Bedingungen seien schon was Enormes. Unter solchen Bedingungen gÃ¤be es in Europa nur Notstandsrecht und keine Wahlen. Die UNAMA-Karte mit den Polling Centers zeigt Ãœberraschendes: zzt. viele geÃ¶ffnete Centers im SÃ¼den und geschlossene z.B. in den Kunduz-Distrikten Chahar Darreh und Archi.</p>
<p>- Berufung eines â€žHigh Peace Council&quot; durch PrÃ¤sident Karsai (...)</p>
<p>- Die Deutschfreundlichkeit des PrÃ¤sidenten sei ehrlich. Positiv werde gesehen, dass Deutschland hier keine eigenen Interessen habe und nicht Teil des Great Game sei. Er hoffe, sich mit dem etwas anderen Ansatz Deutschlands aus der US-britischen Umklammerung befreien zu kÃ¶nnen und mehr Spielraum zu haben.</p>
<p>- Die Anaconda-Strategie des COM ISAF soll die AufstÃ¤ndischen auf sieben Lines of Effort bezwingen. <em>(Laut ISAF-Schaubild sind dies</em></p>
<p><em>Kinetics (Counter-Terrorist Forces Ops, Conventional Forces Ops, Afg Conventional &amp; Special Forces Ops, Afghan Local Police),</em></p>
<p><em>Info Ops, International (z.B. Work with Source Countries, Pakistan Engagement),</em></p>
<p><em>Non-kinetics (Jobs Programs, Economic Development, Education, Basic Services, Rule of Law), Detainee Ops (COIN in Detention Facilities, Rehabilitation of Detainees, Release Shuras),</em></p>
<p><em>Intelligence,</em></p>
<p><em>Politics (Reconciliation, Reintegration, Governance, Inclusivity/Transparency/Anti-Corruption) )</em></p>
<p>- In den letzten drei Monaten seien lt. US-Angaben 365 Kommandeure und 1.300 KÃ¤mpfer der AufstÃ¤ndischen getÃ¶tet und 1.600 gefangen genommen worden. Kommandeure haben inzwischen eine durchschnittliche Ãœberlebensdauer von zwei bis drei Monaten. Die nachrÃ¼ckenden Taliban-Kommandeure seien immer jÃ¼nger. Vor fÃ¼nf Jahren waren sie Mitte DreiÃŸig, heute 25-28 Jahre. Sie sind zugleich weniger mit der Ã¶rtlichen BevÃ¶lkerung verbunden, sind radikaler, unberechenbarer. Angesichts der 20.-60.000 Madrassen im pakistanischen Grenzgebiet (nicht alle, aber viele sind militant-fundamentalistisch) ist der Zustrom an KÃ¤mpfern unerschÃ¶pflich.</p>
<p>WÃ¤hrend bei UNAMA, einigen Diplomaten und Experten des Afghanistan Analysts Network die destruktive Seite der US- und ISAF-Kampagne gegen die FÃ¼hrungskader der AufstÃ¤ndischen betont wird (Chaotisierung der Gewalteskalation, VerunmÃ¶glichung von GesprÃ¤chen), behaupten ISAF-Offizielle die Notwendigkeit dieser Strategie, um die AufstÃ¤ndischen aus einer Position der StÃ¤rke zum Einlenken zu bringen. RÃ¼cksichtslosere Kommandeure wÃ¼rden zudem zu einer Entfremdung zwischen BevÃ¶lkerung und AufstÃ¤ndischen fÃ¼hren.</p>
<p>Um die 40% der AufstÃ¤ndischen seien der Qetta-Shura zuzurechnen. Dieser wÃ¼rden die JÃ¼ngeren immer mehr weglaufen. 20% vor allem jÃ¼ngere KÃ¤mpfer wÃ¼rden direkt vom pakistanischen ISI kontrolliert.</p>
<p>- Ein westlicher Spitzendiplomat konstatiert, die Petraeus-Strategie von Governance-Aufbau und militÃ¤rischer AufstandsbekÃ¤mpfung reiche nicht, fÃ¼hre ins Chaos. Zwingend notwendig seien gleichzeitig politische Verhandlungen! Damit dÃ¼rfe man nicht bis zu einer â€žstÃ¤rkeren Verhandlungsposition&quot; warten.</p>
<p>- International seien alle gegen einen Sofortabzug, auch der Iran. BefÃ¼rchtet wird fÃ¼r den Fall das totale Chaos.</p>
<p>- In Mazar wird ein riesiges US-Camp errichtet. Und dann will man bis 2014 mit Kampftruppe raus? Die Obama-Leute wollen raus. Die Generale nicht. Bisher ist Petraeus in den USA auch viel zu populÃ¤r, um Politik gegen ihn zu machen.</p>
<p><strong>... mit dem ehemaligen AuÃŸenminister Abdullah Abdullah</strong></p>
<p>Im grÃ¼nen Garten seines Hauses trafen wir den ehemaligen PrÃ¤sidentschaftskandidaten. Beherrschendes Thema des GesprÃ¤ches waren die anstehenden Wahlen und die demokratische Kultur in Afghanistan. Abdullah warf PrÃ¤sident Karsai einen mangelnden Willen zur Demokratie vor. Daher wÃ¤ren die politische Institutionen schwach und die demokratische Kultur im Land gering. Er warf PrÃ¤sident Karsai vor, mit seinem RÃ¼ckgriff auf Konservatismus und Nationalismus genau diese demokratische Kultur weiter zu schwÃ¤chen. Abdullah warnte vor einem VersÃ¶hnungsprozess, in dessen Ergebnis die UnterstÃ¼tzer fÃ¼r ein modernes Afghanistan noch weiter an den Rand gedrÃ¤ngt werden kÃ¶nnten. Die schwachen staatlichen Strukturen im Justiz- und Polizeibereich sind aus seiner Sicht auch eine ErklÃ¤rung fÃ¼r die AttraktivitÃ¤t der Taliban. Deren ungeliebte aber effektive Rechtsprechung bedient die BedÃ¼rfnisse der lÃ¤ndlichen BevÃ¶lkerung nach Sicherheit und Ruhe. Auf keinen Fall dÃ¼rfen daher Prinzipien wie Gerechtigkeit, Demokratie und Menschenrechte in einem VersÃ¶hnungsprozess geopfert werden. Aus seiner Sicht gibt es zwei kÃ¼nftige Modelle fÃ¼r Afghanistan - ein islamisches Kalifat oder eine islamische Republik.</p>
<p>Abdullah zeigte sich zuversichtlich, dass es ihm mit anderen gelingen wird, nach der Parlamentswahl einen oppositionellen Block gegen Karsai im Parlament zu bilden. Inwieweit das eine realistische EinschÃ¤tzung ist, daran zweifeln spÃ¤tere GesprÃ¤chspartner. Der afghanischen Politik fehlt eine klare Opposition, die sich nicht allein aus ethnischer ZugehÃ¶rigkeit oder StammesloyalitÃ¤t speist.</p>
<p><strong>... mit der Vorsitzenden der UnabhÃ¤ngigen Menschenrechtskommission Sima Samar</strong></p>
<p>Ein freudiges Wiedersehen gab es mit Frau Samar, die in den vergangen Jahren immer wieder grÃ¼ne GesprÃ¤chspartnerin und Teilnehmerin der Petersberger Konferenz war. Die Medizinerin war 2002 Vizevorsitzende der Emergency Loya Jirga. Claudia kennt sie aus den schlimmsten Zeiten. Sie kritisierte ebenfalls die mangelnde Staatlichkeit im Bereich Justiz und Polizei. Die Taliban stoÃŸen mit ihrer informellen Rechtssprechung in eine LÃ¼cke, die ihnen der afghanische Staat lÃ¤sst. Die Antwort darauf muss eine StÃ¤rkung der formalen Rechtssprechung durch den afghanischen Staat sein. Deren Urteile sind fragwÃ¼rdig, inkohÃ¤rent und immer wieder von Missachtung gegenÃ¼ber Frauen geprÃ¤gt. Zur Kompensation von Morden bekommt die Familie des Opfers beispielsweise eine Frau von der Familie des TÃ¤ters. Auch FÃ¤lle von Steinigungen und Peitschenhiebe fÃ¼r Ehebruch oder heimliche Liebesbeziehungen sind jÃ¼ngst wieder vorgekommen.</p>
<p>Frau Samar beschreibt die schlechter werdende Situation im Norden und fÃ¼hrt das auf eine mangelnde Strategie der internationalen Gemeinschaft zurÃ¼ck. Statt die Regierungsstrukturen zu stÃ¤rken, setzt die internationale Gemeinschaft auf parallele Strukturen. Statt den Polizeiaufbau voranzubringen, wird auf Milizen gesetzt.</p>
<p>Die laufende Debatte Ã¼ber die Aufgabe von Menschenrechten, inklusive der Frauenrechte, verunsichert die BevÃ¶lkerung. Sie fÃ¼hrt zu einer verschlechterten Stimmung und zu einer realen VerschÃ¤rfung der Lage. Die Regierung plant die Etablierung eines High Council for Peace. Eine ausreichende Beteiligung von Frauen ist bisher nicht sichergestellt. Frau Samar zweifelt auch an den Erfolgsaussichten der â€žVersÃ¶hnungsinitiative&quot;, weil selbst gemÃ¤ÃŸigte Taliban die Verankerung der Menschenrechte in der afghanischen Verfassung fÃ¼r einen Fehler halten.</p>
<p>Angesprochen auf die Opfer des Bombardements am Kunduz-Fluss, betonte Frau Samar die Arbeit der UnabhÃ¤ngigen Menschenrechtskommission. Diese bekomme viel Anerkennung durch die Familien der Opfer. Sie bedauert das lange ZÃ¶gern des Verteidigungsministeriums, sieht jetzt aber den Durchbruch. Sie betont zugleich, dass Anwalt Popal nicht der ReprÃ¤sentant der Opfer ist.</p>
<p>Die beeindruckende Arbeit von Frau Samar und der unabhÃ¤ngigen Menschenrechtskommission ist durch finanzielle EngpÃ¤sse bedroht. Hier bedarf es einer unkomplizierten verstÃ¤rkten FÃ¶rderung.</p>
<p><strong>... mit dem PrÃ¤sidenten der Islamischen Republik Afghanistan, S.E. Hamid Karsai</strong></p>
<p>PrÃ¤sident Karsai nahm sich Ã¼ber eine Stunde Zeit fÃ¼r ein ausgesprochen offenes GesprÃ¤ch. Er betonte die Bedeutung der Parlamentswahl. Aus seiner Sicht laufen die Vorbereitungen nach Plan. Problematisch bleibe die Sicherheitssituation, insbesondere fÃ¼r Kandidatinnen und WÃ¤hlerinnen - deren Teilnahme ihm jedoch ausgesprochen wichtig sein. PrÃ¤sident Karsai warb um stÃ¤rkere Investitionen aus Deutschland. Besonders im Bereich Ressourcen seien deutsche Technologien wichtig fÃ¼r die weitere Entwicklung in Afghanistan. Klare und kritische Worte fand Karsai am Umgang der internationalen Gemeinschaft mit Pakistan. Ohne ein robusteres Vorgehen gegen die RÃ¼ckzugsrÃ¤ume in Pakistan kÃ¶nnen diese nicht signifikant geschwÃ¤cht werden. Eine Position die unisono von Vertretern der afghanischen Regierung zu hÃ¶ren war.</p>
<p>Der Kampf gegen den Terrorismus in den afghanischen DÃ¶rfern, gerade auch die â€žnight raids&quot;, sei die falsche Strategie. So verliert die afghanische Regierung und ISAF an Zustimmung und LegitimitÃ¤t. PrÃ¤sident Karsai begrÃ¼ndete die anstehende AuflÃ¶sung von privaten Sicherheitsfirmen als notwendigen Schritt zur StÃ¤rkung des staatlichen Gewaltmonopols.</p>
<p>Karsai hÃ¤lt am Ziel einer islamischen Republik Afghanistans fest, zugleich bereitet er sich auf eine politische LÃ¶sung vor, die das Ãœberleben seiner Regierung sichern soll. Er ist daher bereit mit allen Afghaninnen und Afghanen zu reden. Langfristig ist aus seiner Sicht die Ausbildung der afghanischen Mullahs/Geistlichen entscheidend, die eine BrÃ¼cke zwischen dem Islam und einer republikanischen Staatsauffassung schlagen.</p>
<p>Uns begleitet RÃ¼diger KÃ¶nig, der seit diesen Tagen neuer deutscher Botschafter in Kabul ist, mit AFG aber sehr lange vertraut ist: 1997-1999 war er Referent fÃ¼r AFG in der dt. Botschaft in Islamabad; 2001 war er Mitglied der dt. Delegation bei der Petersberg-Konferenz; nach Verwendungen im UN- und NATO-Bereich seit 2008 Leiter des Sonderstab AFG-PAK im AA. Karsai begrÃ¼ÃŸt ihn als â€žguten Freund&quot; - Kanzler der Botschaft Ende der 90er Jahre. Bei unserem GesprÃ¤ch ist er sehr lebendig, lacht viel, scheint ausgesprochen gut drauf zu sein.</p>
<p>Bis 2014 sei die Mehrheit der Truppen noch nicht weg. Wenn Deutschland abziehe, dann herzlicher Dank fÃ¼r das Geleistete. Wenn sie blieben, umso besser.</p>
<p><strong>... mit dem Nationalen Sicherheitsberater Dr. Rangin Spanta</strong></p>
<p>Ein Wiedersehen gab es im Anschluss mit Ranging Dadfar Spanta. Am Vortag war seine vielbeachtete Generalabrechnung mit der Politik in Pakistan und der doppelbÃ¶digen Haltung der internationalen Gemeinschaft dazu in der Washington Post erschienen.<a name="_ftnref1" href="index.php/articles/news/1028#_ftn1">[1]</a> Er sieht in Pakistan die Wurzeln des Terrorismus in Afghanistan. Die im Oktober angedachte Geberkonferenz fÃ¼r Pakistan wÃ¤re aus seiner Sicht ein geeigneter Anlass, um die pakistanische Regierung zu ZugestÃ¤ndnissen in der TerrorbekÃ¤mpfung zu bewegen. Skeptisch Ã¤uÃŸerte sich Spanta zu den gezielten TÃ¶tungen, schloss aber auch nicht aus, dass erst verstÃ¤rkter Druck die Taliban zu Verhandlungen bewegen kÃ¶nnte. Nach seiner Ansicht wÃ¼rde die Festlegung eines Abzugsdatums die IntensitÃ¤t der KÃ¤mpfe nur verstÃ¤rken. Er schlÃ¤gt vor, die Sichtbarkeit der internationalen MilitÃ¤rprÃ¤senz zu reduzieren. Im Zusammenhang mit dem sogenannten VersÃ¶hnungsprozess betonte Spanta seine UnterstÃ¼tzung fÃ¼r die Entscheidung von PrÃ¤sident Karsai, das Gesetz zur Transitional Justiz nicht zu unterschreiben. Afghanistan ist mit Kambodscha oder SÃ¼dafrika nicht vergleichbar und zu einer Aufarbeitung der eigenen Geschichte auf lÃ¤ngere Sicht nicht bereit. Es wird wahrscheinlich eher wie in Argentinien Ã¼ber drei Jahrzehnte dauern, bis die Gesellschaft zu einer Aufarbeitung in der Lage ist. Heute wÃ¼rde eine solche Aufarbeitung nur die bestehenden Spannungen verschÃ¤rfen. Daher ist der Begriff â€žVersÃ¶hnungsprozess&quot; falsch. Vielmehr geht es um ein Arrangement der politischen Macht in Afghanistan. Entscheidend wird dabei sein, welche KrÃ¤fte sich durchsetzen. Wenn Mitte 2011 der RÃ¼ckzug der internationalen Gemeinschaft beginnt, dann wird sich die StÃ¤rke von ANP und ANA zeigen. Erst wenn sich deren StÃ¤rke bewiesen hat, werden die Taliban Kompromisse eingehen.</p>
<p>... <strong>mit UNHCR-Direktor Ewen MacLeod</strong></p>
<p>Im GesprÃ¤ch mit Ewan MacLeod wurde der Umfang der FlÃ¼chtlingsproblematik in Afghanistan deutlich. Insgesamt Ã¼ber fÃ¼nf Millionen Afghaninnen und Afghanen kehren seit 2002 in das Land zurÃ¼ck. Das sind fast 20 Prozent der BevÃ¶lkerung. Kabul ist deshalb von 1,5 auf 4,5 Millionen Menschen angewachsen. Die UNHCR Mission in Afghanistan ist damit eine der grÃ¶ÃŸten weltweit, nur die Missionen im Irak und Kongo sind grÃ¶ÃŸer. Jedes Land wÃ¼rde mit Schwierigkeiten zu kÃ¤mpfen haben, wenn es einen solch groÃŸen FlÃ¼chtlingszustrom erfÃ¤hrt. Gerade zu Beginn lief die RÃ¼ckkehr allerdings dafÃ¼r weitgehend unproblematisch, weil die RÃ¼ckkehrerInnen vor allem Afghanen waren, die nur kurze Zeit auÃŸerhalb des Landes gelebt hatten und Ã¼ber entsprechende Infrastruktur und soziale Netze verfÃ¼gten. Seit 2006 wird die Situation schwieriger. Es kommen Menschen zurÃ¼ck, die Ã¼ber 25 Jahre auÃŸerhalb des Landes lebten. Die HÃ¤lfte von ihnen ist auÃŸerhalb Afghanistans geboren. Diese Menschen siedeln sich vor allem wieder in den StÃ¤dten an und leisten damit der massiven Urbanisierung Afghanistans Vorschub. Afghanistan ist nachwievor eines der Ã¤rmsten LÃ¤nder der Erde. Die Wirtschaft wÃ¤chst zweistellig, aber die Jobsituation ist gerade fÃ¼r viele junge Afghanen immer noch sehr schwierig. Die meisten afghanischen Familien haben im Iran oder in Pakistan gelebt. Die Zusammenarbeit insbesondere mit dem Iran ist sehr gut. Der Iran hat sich an die FlÃ¼chtlingskonvention gehalten. Kinder von Afghanen haben Zugang zum Bildungssystem und alle FlÃ¼chtlinge auch zum Gesundheitssystem. Mittlerweile arbeiten viele der FlÃ¼chtlinge, die zurÃ¼ckgekehrt sind, als temporÃ¤re Gastarbeiter im Iran und in Pakistan. Auch Pakistan, obwohl kein Unterzeichner der FlÃ¼chtlingskonvention, hat die FlÃ¼chtlinge weitgehend gut behandelt. Allerdings sind jetzt durch die Flut in Pakistan weitere afghanische FlÃ¼chtlinge betroffen. Der UNHCR ist auf deren Aufnahme vorbereitet, auch Dank der finanziellen UnterstÃ¼tzung Deutschlands. Bis zu jeweils zwei Millionen Afghanen leben weiterhin noch im Iran und Pakistan. Auf absehbare Zeit wird Afghanistan nicht in der Lage sein, diese vier Millionen Menschen aufzunehmen.</p>
<p>Anders als mit dem Iran funktioniert die Grenzkontrolle mit Pakistan nicht. Mit beiden LÃ¤ndern braucht es allerdings eine Regelung fÃ¼r die temporÃ¤ren Migranten. Leider tut die Regierung dafÃ¼r bisher nichts. Solche Regelungen wÃ¤ren der einzige Weg, um den massiven Schmuggel an den Grenzen einzudÃ¤mmen.</p>
<p>ZusÃ¤tzlich fÃ¼hren die Kampfhandlungen zu aktuell bis zu 140.000 Binnenvertriebenen im SÃ¼den.</p>
<p>MacLeod ist in seiner vierten Verwendung in Afghanistan. Bei allen Schwierigkeiten sieht er Hoffnung. aufgrund der vielen Fortschritte. Die StÃ¤dte leben wieder und selbst die Taliban wollen nach seiner Ansicht nicht wieder ihr totalitÃ¤res Steinzeitregime etablieren.</p>
<p>Uns hat professionelle die Arbeit von Ewen MacLeod beeindruckt. Zumindest gegenÃ¼ber den rÃ¼ckkehrenden FlÃ¼chtlingen scheint die Internationale Gemeinschaft ihrer Verantwortung weitgehend gerecht zu werden.</p>
<p>... <strong>mit Journalisten</strong></p>
<p>(Pajwok-Agentur, Times of India, BBC, New York Times, Afghan Outlook, Daily 8 a.m.)</p>
<p>In AFG gibt es 100 Radiostationen, 30 Fernsehprogramme, knapp 300 Zeitungen, 15 Tageszeitungen. Zur Talibanzeit gab es ein Radio und eine Wochenzeitung. In AFG arbeiten ca. 100 auslÃ¤ndische Journalisten, davon 40 US.</p>
<p>Die meiste Medien gehÃ¶ren unterschiedlichen Interessengruppen und sind in ihrer Berichterstattung oft eingeschrÃ¤nkt. Im Norden, Westen und der Zentralregion gebe es von den AufstÃ¤ndischen keinen Druck auf die Medien, wohl aber im SÃ¼den, wo ein Journalist umgekommen sei. AufstÃ¤ndische versuchen eher die Medien zu nutzen.</p>
<p>Insgesamt sei die Medienentwicklung ein Fortschritt.</p>
<p>Die Agentur â€žPajwok Afghan News&quot; hat insgesamt 170 MitarbeiterInnen, Korrespondenten in allen Provinzen, auÃŸerdem in New York, London, New Dehli, Peshawar.</p>
<p>â€žDaily 8 a.m.&quot; hat eine Auflage von 32.000 und erscheint in zehn Provinzen, darunter Balkh, Herat und Nangarhar. Vorige Woche erschien die erste Ausgabe fÃ¼r die Provinzen Kunduz, Takhar und Badakhshan - zunÃ¤chst umsonst. (GTZ-UnterstÃ¼tzung)</p>
<p>Afghanische und internationale Journalisten zeichnen ein sehr dÃ¼steres Bild der Lage: Die afghanische Gesellschaft sei tief gespalten, die Kluft zwischen Afghanen und Internationaler Gemeinschaft groÃŸ. Das dÃ¼stere Bild wird nur Ã¼bertroffen von den BefÃ¼rchtungen fÃ¼r den Fall einen Ã¼bereilten Abzuges: Dann bliebe nichts mehr von den Frauenrechten - und von Menschenrechten Ã¼berhaupt, so der Journalist von Afghan Outlook. Wenn der westliche Abzug nÃ¤her rÃ¼cke, wÃ¼rden aber auch die Nachbarn vermehrt unter Druck geraten. Keiner will Chaos in AFG, keiner kÃ¶nne es allein managen, auch Pakistan nicht (mehr).</p>
<p>Ich frage den Journalisten eines groÃŸen angelsÃ¤chsischen Senders, der auch die alljÃ¤hrliche groÃŸe Meinungsumfrage von ABC, ARD und BBC durchfÃ¼hrt, nach der GlaubwÃ¼rdigkeit von Umfragen: die sei gering.</p>
<p><strong>... mit AFG Analyst Network (AAN)</strong></p>
<p>Das Afghanistan Analysts Network ist eine unabhÃ¤ngige Nichtregierungsorganisation. (<a href="http://www.aan-afghanistan.org/">www.aan-afghanistan.org</a>) Wir treffen dabei Bente Scheller von der Heinrich-BÃ¶ll-Stiftung, die uns bei der Vorbereitung und DurchfÃ¼hrung der Reise ausgezeichnet unterstÃ¼tzt hat, Christoph Reuter, deutscher Journalist in Kabul (STERN), und Kate Clark und Fabrizio Foschini, zwei weitere Mitglieder des Netzwerks. Sie sehen die neue MilitÃ¤rstrategie von ISAF kritisch. Durch die gezielten TÃ¶tungen werden Kommandeure ausgeschaltet, die immerhin noch eine lokale Verankerung haben. (s.o.) Das sei einer der GrÃ¼nde, warum sich die Situation im SÃ¼den und im Norden trotz aller Anstrengungen weiter verschlechtert. ZusÃ¤tzlich kritisieren sie deutlich die Regierung von Karsai. Die Taliban sind erfolgreich, nicht etwa aus eigener StÃ¤rke heraus, sondern aufgrund der SchwÃ¤che der afghanischen Regierung. Korruption bis in hohe RÃ¤nge der Regierung greift immer weiter um sich. PrÃ¤sident Karsai tut nicht nur nichts gegen die Korruption, sondern er sabotiere sogar deren BekÃ¤mpfung. Nach ihrer Sicht plant Karsai schon fÃ¼r die Zeit nach einem Abzug der internationalen Gemeinschaft und setzt immer stÃ¤rker auf Paschtunen zu Lasten der Minderheiten in Afghanistan.</p>
<p><strong>... mit </strong><strong>Vertretern der Zivilgesellschaft auf Einladung der Heinrich-BÃ¶ll-Stiftung</strong></p>
<p>Auf Einladung der BÃ¶ll-Stiftung trafen wir uns mit Projektpartnern der Stiftung zum Fastenbrechen im Hotel Serena. Die BÃ¶ll-Stiftung arbeitet mit beeindruckenden Menschen zusammen, die trotz fortwÃ¤hrender Drohungen fÃ¼r ein besseres Afghanistan arbeiten. Die Skepsis gegenÃ¼ber der Regierung wurde in den vielen EinzelgesprÃ¤chen genauso deutlich, wie die Sorge Ã¼ber die weitere Entwicklung. Frauen, die wÃ¤hrend der Talibanzeit sechs Jahre daheim sitzen mussten, sehen mit groÃŸer Sorge eine mÃ¶gliche Einigung der Taliban. Zugleich wurden aber Erfolge in der Menschenrechtsarbeit oder bei dem Aufbau einer doch vielfÃ¤ltigen Presselandschaft deutlich.</p>
<p><strong>Unterwegs</strong>: Am 25.8. ist die StraÃŸe vor der Deutschen Botschaft, die wegen der hohen Betonmauern sowieso schon zu eine Art Hohlweg geworden ist, ganz gesperrt, also auch der Haupteingang. Wir kommen durch erhebliche Absperrungen auf anderem Weg in die Botschaft.</p>
<p>An manchen Stellen befindet sich auf den BetonklÃ¶tzen Blumenschmuck.</p>
<p><strong>GesprÃ¤che im ISAF-Hauptquartier</strong></p>
<p>Anfang August umfasst ISAF 120.000 Soldatinnen und Soldaten aus 47 LÃ¤ndern. Davon 78.400 USA (insgesamt 100.000), GB 9.500, DEU 4.600, FR 3.700, IT 3.400, CAN 2.800, POL 2.600, RUM 1.700, TÃœR 1.700, SPA 1.500, Australien 1.400, Belgien 490 etc.</p>
<p>Zum Regionalkommando (RC) SÃ¼d gehÃ¶ren 35.000, Ost 30.000, SÃ¼dwest (nur Helmand und Nimruz) 27.000, Nord 11.000, West 9.000, Central 5.000.</p>
<p>(US Private Defence Departement Contractors 112.000 in 2010)</p>
<p>Die strategische Hauptanstrengung: Aufwuchs der ANSF. Sie sollen von 157.163 im Juni 2009 auf 331.572 im Januar 2011 aufwachsen. (Hier herrscht ein kritischer Mangel an Ausbildern.)</p>
<p>Die operative Hauptanstrengung: Central Helmand und Kandahar; Economy of Force in Kunduz-Baghlan und Badghis-Ghormach.</p>
<p>ISAF konzentriert sich auf 81 Key Terrain Districts und 41 Area of Interest Districts.</p>
<p><strong>(a) mit deutschen Offizieren:</strong></p>
<p>Ein Oberstleutnant Ã¤uÃŸert in groÃŸer Runde seine Unsicherheit, warum Deutschland noch in Afghanistan sei.</p>
<p>Ein Oberst kritisiert scharf die SchrÃ¤glagen bei den zivilen Aufbauanstrengungen. Im ISAF-HQ gebe es eine Masse an Dienstposten fÃ¼r zivile Aufgaben. Das liege daran, dass die zivilen Ressorts ihre Aufgaben nicht personell unterfÃ¼ttert hÃ¤tten.</p>
<p>Bis 2014 seien in AFG mehr als 100.000 Mitarbeiter im Ã–ffentlichen Dienst notwendig. Das sei illusorisch. Das Problem sei nicht die mangelnde VerfÃ¼gbarkeit von SicherheitskrÃ¤ften sondern von VerwaltungskrÃ¤ften. In Deutschland gebe es doch eine Masse an PensionÃ¤ren.</p>
<p>Das MilitÃ¤r fungiere als LÃ¼ckenbÃ¼ÃŸer. Deutsche Soldaten und Offiziere mÃ¼ssen irgendwie alles kÃ¶nnen. Er fÃ¼hle sich nach acht Jahren AFG-Einsatz von der politischen FÃ¼hrung verraten.</p>
<p>Ein anderer Oberst, Leiter der Technischen Beratergruppe, berichtet vom Aufbau der ANA-Logistikschule. Hier sind 31 Bundeswehrsoldaten eingesetzt. Die Ausbildungshilfe sei eindeutig eine Erfolgsgeschichte. Dass die Bundeswehr sogar drei Mentoren zum Aufbau der afghanischen MilitÃ¤rkapelle(n) entsandt hat, war uns neu.</p>
<p>Ein dritter Oberst beschreibt die Machtverteilung bei den Internationalen als Triumvirat: COM ISAF mit dem US-Botschafter als Political Adviser, die wichtigsten NATO-Botschafter und der UNAMA-Chef. Der EU-Vertreter sei marginalisiert.</p>
<p><strong>(b) Brigadegeneral Josef Blotz</strong> (davor Kommandeur der Infanterieschule in Hammelburg mit dem UN-Ausbildungszentrum) ist als Sprecher des COM ISAF der zzt. einzige deutsche General im Hauptquartier. FrÃ¼her stellte Deutschland jahrelang den Chef des Stabes. Ihm stehen mehr als 100 MitarbeiterInnen zur VerfÃ¼gung. Seine Aufgabe sei vor allem, Kontext zu vermitteln, wo Journalisteninteressen oft nur national und einzelfallbezogen seien. TÃ¤glich treffe er mit COM ISAF Petraeus zusammen, um ihn zu hÃ¶ren, zu sehen und zu erleben, wie er denkt und formuliert.</p>
<p>Einen Stabilisierungseinsatz dÃ¼rfe man nie eindimensional denken. Es sei ein politisch-zivil-militÃ¤rischer Ansatz.</p>
<p>Partnering: In 2007 praktizierten die OMLT die Ausbildung im Camp, war ANA allein im Einsatz. Das war psychologisch schwierig. Jetzt werde gemeinsam gelebt, gelernt, gemeinsamer Einsatz, gemeinsame Auswertung. Das sei die einzige MÃ¶glichkeit, die Afghanen in Verantwortung zu bringen. NatÃ¼rlich bedeute das ein hÃ¶heres Risiko. Aber dazu gebe es keine vernÃ¼nftige Alternative. Verfahren wird nach der Partnering Directive vom August 2009.</p>
<p>Die Special-Forces-KapazitÃ¤t sei in den letzten 18 Monaten verdreifacht worden. SF werden gegen die Netzwerke von Terror und DrogenkriminalitÃ¤t eingesetzt.</p>
<p>In den letzten 90 Tagen seien 2.500 â€žbad guys&quot; aus dem Kampf rausgenommen worden, Ã¼berwiegend durch Gefangennahme. Bei 80% aller SF-Operationen falle kein Schuss. Hauptziel sei, Zielpersonen gefangen zu nehmen um sie befragen zu kÃ¶nnen. 82% aller SF-Operationen laufe bei Nacht: um Verluste bei der ZivilbevÃ¶lkerung zu minimieren und wegen der Ã¼berlegenen NachtkampffÃ¤higkeit der Alliierten. Insofern seien night-raids sehr wichtig. Aber es gebe auch Operationen, die nicht unter ISAF-Mandat laufen wÃ¼rden.</p>
<p>2007 sei er als Kommandeur RC North selbst an der Auswahl von Zielen beteiligt gewesen. Das sei ein sehr zeit- und arbeitsaufwendiges Verfahren unter Beteiligung verschiedener Stellen. Nie geschehe eine Einordnung nur nach einer Quelle. Es sei ein langer Prozess, dauere Monate, manchmal Jahre, bis jemand auf der Liste zur Gefangennahme erscheint.</p>
<p>Jeder SF-Einsatz laufe mit Afghanen. Jeder, der anklopft, rangeht, sei ein Afghane. Die ANA verfÃ¼ge inzwischen Ã¼ber sieben Kommando-Kandaks.</p>
<p>Zwischen der BekÃ¤mpfung der FÃ¼hrungskader und GesprÃ¤chsangeboten wird kein Widerspruch gesehen. Man mÃ¼sse doch diejenigen verfolgen, die Angriffe und Attentate auf die eigenen Soldaten organisieren.</p>
<p>Etliche Besucher aus Deutschland seien auffÃ¤llig auf Special Forces fixiert - warum? (Weil sie den Ruf einer besonders tÃ¶dlichen und in Grauzonen agierenden Truppengattung haben und die totale Geheimhaltung um sie Misstrauen und GerÃ¼chte fÃ¶rdert.)</p>
<p><strong>(c) Deputy NATO Senior Civilian Representative Serge LabbÃ¨</strong>:</p>
<p>Im letzten Sommer kam die schockartige Erkenntnis, dass wir verlieren kÃ¶nnen. Das fÃ¼hrte zu einem ernsthaften neuen Ansatz.</p>
<p>Innerhalb von ISAF seien die zivilen KapazitÃ¤ten enorm ausgeweitet worden. (LabbÃ¨ verfÃ¼gt jetzt Ã¼ber fÃ¼nf kleine Unterabteilungen mit jeweils fÃ¼nf Mitarbeitern. Vorher hatte der Civilian Representative gerade gegen zehn Mitarbeiter. Diese Leute seien handverlesen, freiwillige nationale Besetzungen) Das sei eine Reaktion auf die riesige Diskrepanz zwischen Aufbau der Sicherheitsstrukturen und Staatlichkeit. Insbesondere bei der afghanischen Zivilverwaltung fehle es massiv an KapazitÃ¤ten. Es sei unglaublich, wie spÃ¤t die Internationale Gemeinschaft darauf reagiert habe. Viel zu lange seien auch Aufbauanstrengungen am afghanischen Bedarf vorbei geplant worden.</p>
<p>In Helmand und Kandahar bereite es weiter groÃŸe Schwierigkeiten, nach den MilitÃ¤roperationen Verwaltung und Staatlichkeit aufzubauen.</p>
<p>Er betont die Notwendigkeit eines kriterienbasierten Ãœbergabeplans, der gemeinsam mit den Afghanen zu erarbeiten sei, und die Konditionierung der US-Abzugsstrategie. Es komme darauf an, das ganze Land zu sehen, nicht nur auf den Norden oder nur auf den SÃ¼den zusehen. Die Ãœbergabe</p>
<p>kÃ¶nnen in der einen Provinz drei Monate, in der anderen drei Jahre dauern.</p>
<p><strong>Aufbau und Entwicklung</strong></p>
<p><strong>Runde mit Frauen und MÃ¤nnern der deutschen EZ im GTZ-GÃ¤stehaus</strong></p>
<p>Sehr freudiges Wiedersehen mit einigen guten Bekannten. Vertreten sind KfW, GTZ Rule of Law, GTZ Projektimpementierungseinheit (Polizei), GTZ International Services, DED, GTZ Gender Mainstreaming. Die bisherige Landeskoordinatorin AFG der GTZ ist jetzt stv. Landesdirektorin vor Ort.</p>
<p>In der allgemeinen EinfÃ¼hrung werden die Fortschritte betont und dass sich Deutschland bei den Entwicklungsanstrengungen nicht zu verstecken brauche. Inzwischen sei AFG grÃ¶ÃŸter Nehmer deutscher EZ. Betont wird, dass Zivile Akteure und MilitÃ¤r Hand in Hand arbeiten mÃ¼ssten, keine Seite dÃ¼rfe dominieren. Die Entwicklungsoffensive wolle drei Millionen BeschÃ¤ftigungsmÃ¶glichkeiten schaffen, Schulen fÃ¼r 500.000 SchÃ¼lerinnen und SchÃ¼ler und die Lehrer dafÃ¼r qualifizieren.</p>
<p>Das BMZ hat in AFG fÃ¼nf Schwerpunkte (in anderen LÃ¤ndern normalerweise zwei): StÃ¤rkung der RegierungsfÃ¼hrung auch in den Provinzen und Distrikten; Wasser und Energie; nachhaltige Wirtschaftsentwicklung; Bildung; Entwicklungsorientierte Not- und Ãœbergangshilfe (EONÃœH) und Ziviler Friedensdienst.</p>
<p>Schwerpunkte des AA sind Polizeiaufbauhilfe einschlieÃŸlich Law and Order Trust Fund (zur Finanzierung von PolizeigehÃ¤ltern); Infrastrukturentwicklung mit Hilfe des StabilitÃ¤tsfonds Nord-AFG fÃ¼r kritische Gebiete, der schnelle MaÃŸnahmen ermÃ¶glicht; Basisgesundheitsdienste und KrankenhÃ¤user; FlughÃ¤fen; Hochschulkooperation; humanitÃ¤res MinenrÃ¤umen.</p>
<p>Die Sicherheitslage mache sehr zu schaffen. Mehr Sicherheit lasse sich nicht durch zivile MaÃŸnahmen erkaufen (so ja auch das Ergebnis der GTZ-Studie). EZ brauche schlichtweg ein MindestmaÃŸ an Sicherheit.</p>
<p>Die Vorhaben (v.a. Programme) sind bis 2013 geplant. DafÃ¼r wird Personal benÃ¶tigt, das aber nicht auf Vorrat rekrutiert werden kann. Insofern brauchen die EZ-MaÃŸnahmen einen gewissen Vorlauf. (Unterschiedliche Reaktionsschnelligkeit und Wirksamkeit von zivilen und militÃ¤rischen MaÃŸnahmen)</p>
<p>Aus Paktia und Khost musste die GTZ wegen der besonderen Sicherheitslage raus. Dadurch wurden Mittel frei fÃ¼r den Norden. Dort arbeitet deutsche EZ in den sechs Provinzen Balkh, Kunduz, Takhar, Badakhshan, Baghlan und Samangan.</p>
<p>Deutliche Abflussprobleme gibt es in den Provinzen Baghlan und Kunduz. Dort musste die EZ im Juli/August zurÃ¼ckgefahren werden. Teile wurden nach Takhar verlegt.</p>
<p>ElektrizitÃ¤t: In Kabul gibt es inzwischen fast rund um die Uhr Strom. Die wichtigsten neuen Wasserkraftwerke: Inbetriebnahme der Wasserkraftwerke Mahipar und Sarobi (Kabul); Bau von drei Kleinstwasserkraftwerken 112 bis 450 KW) und Planung von zwei weiteren in Badakhshan; in derselben Provinz Bau von zwei Wasserkraftwerken bei Feyza und in Keshim (4,5 bzw. 2 MW); Rehabilitierung des Spinzar Kraftwerks in Khanabad/Kunduz. Inbetriebnahme der Umspannstationen in Mazar und Pol-e Khomri im Rahmen der nÃ¶rdlichen Ãœbertragungsleitung, wodurch zusÃ¤tzlich 150.000 Menschen in Kabul, 90.000 in Mazar und 60.000 in Pol-e Khomri. In entlegenen Gebieten FÃ¶rderung der Solarenergie in groÃŸem Stil, vor allem um Feyzabad.</p>
<p>Gender-Mainstreaming: Die afghanische Verfassung fordert die Gleichberechtigung von Frauen und MÃ¤nnern. Die Wirklichkeit sieht krass anders aus. In der Nationalen Entwicklungsstrategie AFG`s ist Gender-Mainstreaming als Hauptstrategie zur Erreichung von Geschlechtergerechtigkeit festgelegt. Das unterstÃ¼tzt die GTZ vor allem auf der Ebene der Ministerien (bisher in zehn Ministerien Gender Units) durch institutionelles und individuelles Capacity Development. Das Finanzministerium verfÃ¼gt sogar Ã¼ber eine Gender-Budget-Cell. Das gebe es kaum sonst wo auf der Welt. Von diesem Jahr an ist auch die Zusammenarbeit mit Frauen-NGO`s ein Schwerpunkt.</p>
<p>Deutscher Entwicklungsdienst (DED): FachkrÃ¤fte des Zivilen Friedensdienstes arbeiten seit 2004 in AFG. Mit 18 bewilligten Stellen ist es das grÃ¶ÃŸte deutsche ZFD-Programm weltweit. Zusammen mit afghanischen NGO`s, staatlichen Institutionen und Medien sind die Hauptfelder lokale KonfliktlÃ¶sung, Friedensjournalismus und -pÃ¤dagogik, VersÃ¶hnungsarbeit. UnterstÃ¼tzt wird die UnabhÃ¤ngige Menschenrechtskommission in Kabul und Mazar sowie die Mediothek. FÃ¼r das Erziehungsministerium arbeiten drei FriedensfachkrÃ¤fte in der Curriculumentwicklung am TTC in Mazar. Informell Justice.</p>
<p>Ein neuerer Schwerpunkt ist die Berufsausbildung. Allerdings sind Jugendliche in Kunduz oft wegen der Sicherheitslage an der Teilnahme gehindert.</p>
<p>Beim DED erreichen ca. 50% der MitarbeiterInnen ihre vollen zwei Jahre.</p>
<p>GTZ-IS: Das EZ-Programm in Uruzgan im Auftrag der niederlÃ¤ndischen Regierung hat ein Volumen von 60 Millionen Euro und ist recht erfolgreich. Inzwischen arbeiten in der SÃ¼dprovinz mehr als 20 nationale und internationale Organisationen.</p>
<p><strong>Rule of Law</strong></p>
<p>Ausgangslage sind die drei Rechtssysteme von Gewohnheitsrecht, islamischem Recht/Sharia und modernem Recht. UnterstÃ¼tzt werden modernes Recht und 80% des damit kompatiblen, islamischen Rechts. Hilfreich ist das Max-Planck-Institut fÃ¼r Internationales Ã–ffentliches Recht in Heidelberg insbesondere auf den Feldern fair trial und Training von StaatsanwÃ¤lten. Seit 2003 arbeitet die GTZ mit beim nationalen Justizsektorprogramm, z.B. Verfahren Staatsanwaltschaft-Polizei, UnterstÃ¼tzung von Streitschlichtungsgremien.</p>
<p>Seit 2009 neue Ausrichtung: neben Streitschlichtung, Armenrechtsberatung, allgemeine Rechtsverbreitung; Einbindung der Polizei - oben an die Justiz, unten an die Zivilgesellschaft.</p>
<p>Beispiel Streitschlichtung: EinmannbÃ¼ros vermitteln in FÃ¤llen von Schuldeneintreibung, bei Konflikten um Land, Wasser, zwischen Nachbarn und Familien. Sie arbeiten parallel zum formalen Justizsystem. Bisher 6.600 FÃ¤lle. Beispiel Armenrechtsberatung: Bisher wurde in 1.600 FÃ¤lle kostenlos Beistand geleistet. Die HÃ¤lfte der Betroffenen waren Frauen (Sorgerecht, hÃ¤usliche Gewalt, in GefÃ¤ngnissen). Geschildert werden krasse FÃ¤lle: ein MÃ¤dchen, das als DreijÃ¤hrige verlobt, als 12-jÃ¤hrige verheiratet wurde und mit 18 Jahren vier Kinder hatte. Beispiel allgemeine Rechtsverbreitung: mit Hilfe gekaufter Sendezeit wurden von fÃ¼nf Stationen mehr als 500 Radiosendungen ausgestrahlt. Die Rechtsalphabetisierung sei eine tolle Story. Bisher wurden 726 Treffen zwischen Polizei und Gemeinden organisiert. Befragungen von Frauen, MÃ¤nnern und Polizeichefs zur Polizei ergaben als HauptvorwÃ¼rfe, die Polizei fahre zu schnell, tÃ¶te Frauen und Kinder, schlage und foltere in der Ã–ffentlichkeit, nehme Geld.</p>
<p>Insgesamt gehe es kÃ¼nftig darum, mehr local governance zu fÃ¶rdern.</p>
<p>Das RoL-Programm hat eine strategische Partnerschaft mit dem Gender-Programm. In Badakhshan und Takhar werden AnwÃ¤lte bei Frauenangelegenheiten unterstÃ¼tzt.</p>
<p><strong>Zwischenmeldung</strong>: Am 25.8. werden 73 SchulmÃ¤dchen und ihre Lehrerinnen nach einer Gasattacke ins Krankenhaus eingeliefert.</p>
<p><strong>Good Governance </strong>(mit GesprÃ¤chsergebnissen aus Kunduz)</p>
<p><em>(Lt. ISAF Government Assessment der 81 Key Terrain Districts am 29.4.2010 bei 5 Distrikten Full Authority, 28 Emerging, 45 Unproductive, 29 Dysfunctional, 15 Non-Existent.)</em></p>
<p>Neuer Schwerpunkt ist die FÃ¶rderung von RegierungsfÃ¼hrung auf subnationaler, also Provinz- und Distriktebene. â€žBesser spÃ¤t als nie&quot;, so ein Kommentar. Hier sollen zwei neue Fonds der Bundesregierung fÃ¼r KapazitÃ¤ten (Capacity Development Fonds) und Infrastruktur helfen. Kernprobleme sind: Die BevÃ¶lkerung im lÃ¤ndlichen Raum erfÃ¤hrt zu wenig an Verbesserungen, die Armut wird nicht wirksam gesenkt. Zugleich verliert der â€žStaat&quot; zunehmend an LegitimitÃ¤t. Deshalb hat die Reform bzw. der Neuaufbau eines Ã–ffentlichen Dienstes PrioritÃ¤t fÃ¼r die afghanische Regierung.</p>
<p>Civil Service Training Institute/Centers (CSTC) gibt es erst in einer Handvoll Provinzen. Ende Juli 2010 wurde ein CSTC in Kunduz erÃ¶ffnet. Hier Halbjahreskurse fÃ¼r 60 bis 100 Personen. Die EU Ã¼bernimmt 80% der Kosten, wenn Mitgliedsstaaten 20% und die DurchfÃ¼hrung Ã¼bernehmen.</p>
<p>Das neue<strong> District Delivery Program</strong> (DDP) ist der Versuch, systematisch und massiv die zivile VerwaltungsfÃ¤higkeit auf Distriktebene zu stÃ¤rken. Das beginnt mit dem BÃ¼ro des Distrikt Gouverneurs, der District Administrative Assembly und dem District Council als BrÃ¼cke zwischen lokaler BevÃ¶lkerung und Verwaltung. Festgelegt sind quantifizierte SchlÃ¼sselprioritÃ¤ten fÃ¼r alle Distrikte auf den Feldern Governance, BewÃ¤sserung + StraÃŸen, Justiz, Gesundheit Bildung, LandwirtschaftInitiiert wurde das DDP durch das Independent Directorate for Local Government (ansonsten zustÃ¤ndig fÃ¼r die Ernennung von Gouverneuren und ihr Personal), die US-Botschaft und ISAF. Vom nÃ¤chsten FrÃ¼hjahr an soll das DDP auch in Kunduz umgesetzt werden.</p>
<p>Im Norden sind traditionelle Formen von Zivilgesellschaft weniger ausgeprÃ¤gt als in paschtunischen Regionen. In Kunduz wird von einer sehr lebendigen Zivilgesellschaft gesprochen: Journalisten, AnwÃ¤lte, Juristenvereinigung, Frauenvereine ... Im Rahmen des NSP Alphabetisierung von MÃ¤nner- und Frauen-Shuren, UnterstÃ¼tzung von Community Development Councils (CDC) und District Development Assemblies. Sowas gibt es im SÃ¼den alles nicht.</p>
<p><strong>NGO-Runde mit Caritas, Johannitern, Medica Mondiale und AGEF</strong></p>
<p>Die Caritas arbeitet seit 1984 und nach Unterbrechung erneut seit 2002 in AFG. Zusammen mit afghanischen NGO`s in Daikundi bei den besonders benachteiligten Hazara, auch in Mazar. Die Johanniter seit 2002 in AFG, zzt. in Kabul, Herat und Mazar. Medica Mondiale arbeitet seit 2003 in AFG. 2008 musste das BÃ¼ro in Kandahar geschlossen werden. MM fÃ¼hrt u.a. Trainings fÃ¼r Polizisten und Mullahs durch. Inzwischen mehren sich Drohanrufe, auch in Herat. Die Frauen drÃ¤ngen darauf, dass bei GesprÃ¤chen mit den Taliban zum kÃ¼nftigen Recht zumindest KÃ¶rperstrafen wie HÃ¤ndeabhacken und Auspeitschen verboten bleiben.</p>
<p>Die AGEF arbeitet seit 2002 in AFG. Sie fÃ¶rdert die Reintegration von zurÃ¼ckkehrenden Afghanen und die berufliche Qualifizierung. AGEF-BÃ¼ros befinden sich in Kabul, Kandahar, Herat, Mazar, Kunduz und Nangarhar.</p>
<p>Alle betonen die unterschiedlichen zivilen und militÃ¤rischen Mandate. Man arbeitet nicht unter militÃ¤rischen Schutz. Johanniter: â€žWir kÃ¶nnen mit dem NGO-Ansatz Ã¼berleben.&quot;</p>
<p>Zugleich ein zurÃ¼ckgekehrter Afghane: Ohne die internationale MilitÃ¤rprÃ¤senz gehe gar nichts. Bei allen Fehlern der USA - ohne die US-PrÃ¤senz sÃ¤ÃŸe er keine Sekunde hier. Die Entwicklung im Norden liege nicht am Vorgehen der Bundeswehr, sondern an der verbreiteten Perspektivlosigkeit.</p>
<p><strong>Dr. Kamar Kaltenborn, Afghanischer Frauenverein</strong>: Der AFV wurde vor 18 Jahren in Herat gegrÃ¼ndet und ist seitdem vor allem auf den Feldern Bildung und Gesundheit tÃ¤tig. Nach MachtÃ¼bernahme der Taliban organisierte man homeschools. Zugleich verlagerte sich der Schwerpunkt nach Pakistan.</p>
<p>In einem Dorf bei Kabul wurden Ã¼ber den AFV 20 Witwen als Hebammen ausgebildet (diese dÃ¼rfen andere HÃ¤user aufsuchen). Seit drei Jahren gab es in diesem Ort kein totes Kind und keine tote Mutter mehr!</p>
<p>In einer Schule in Kunduz werden 850 Kinder unterrichtet, vormittags die MÃ¤dchen, nachmittags die Jungen. In Ghazni wurde eine zweite Schule fÃ¼r 450 Kinder errichtet. In Pakistan bei Peshawar wird eine NÃ¤hschule fÃ¼r Ã¤ltere und bedÃ¼rftige MÃ¤dchen betrieben.</p>
<p>Anfang des Jahres erhielt der Verein vor Ort in Kunduz von den Taliban einen Drohbrief: Man solle sich nicht wundern, wenn angesichts internationalen MilitÃ¤rs bei der Schule was passieren wÃ¼rde. Nach vielen GesprÃ¤chen mit vielen Leuten hÃ¤tten die Taliban den Schulbesuch aber wieder erlaubt. Besonders wichtig sei der Brunnenbau. FrÃ¼her hieÃŸ es: â€žWenn du sterben willst, geh nach Kunduz&quot; - wegen des schlechten Wassers und der Malaria. Heute heiÃŸe es â€žwenn du leben willst, geh nach Kunduz&quot;. Inzwischen sei es wegen der illegalen Checkpoints aber zu gefÃ¤hrlich, dort hinzukommen.</p>
<p><strong>Aga Khan Development Network (AKDN)</strong></p>
<p>Die Aga Khan Stiftung (AKF) wurde 1967 von Aga Khan IV. gegrÃ¼ndet. Sie arbeitet mit 75.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 30 LÃ¤ndern und ist damit die grÃ¶ÃŸte private Entwicklungsorganisation weltweit. Ihre Schwerpunkte sind Ã¶konomische Entwicklung, soziale Entwicklung und Kultur.</p>
<p>In AFG arbeitet die Stiftung seit 1996, mit diplomatischen Status seit 2002 mit zzt. 5.000 MitarbeiterInnen. 1.700 AllFound. HauptgeberlÃ¤nder sind Deutschland, Kanada, Norwegen, Belgien, USA, Neuseeland, Australien, Japan und die EU.</p>
<p>Die Stiftung unterstÃ¼tzt eine Kinderklinik in Kabul, die Ausbildung von Krankenschwestern, BewÃ¤sserungssysteme, â€žÃ„pfel statt Opium&quot;, eine Mikrofinanzbank, Roshan-Connection (grÃ¶ÃŸtes Mobilfunkunternehmen), Tourismus in Bamyan und Badakhshan (von Tadschikistan aus). Delegationsleiterin Claudia legt mir nahe, das reizvoll erscheinende Tourismusprojekt zu erproben.</p>
<p>Im Auftrag des AA setzt die Stiftung das Stabilization Program Northern AFG um. Ausgehend vom National Solidarity Program Quick-Impact-Projekte auf den Feldern Basisinfrastruktur, Basisdienstleistungen und Good Governance auf lokaler Ebene.</p>
<p>Im Unterschied zur deutschen EZ betonen die StiftungsvertreterInnen die Bedeutung einer Kommunikationsstrategie.</p>
<p>Akzeptanz beinhalte Distanz zum MilitÃ¤r und Verzicht auf militÃ¤rische Begleitung. Man sei wohl auch mit Drohungen, gar Attacken konfrontiert. Aber keine Schule blieb dauerhaft geschlossen. Elementar sei Ausdauer, mit den Menschen zu reden ... Die lokalen MitarbeiterInnen sind zu 97% Afghanen.</p>
<p><strong>Barbur GÃ¤rten</strong></p>
<p>Der 11 Hektar groÃŸe Bag-e Babur wurde zwischen 1504 und 1525 von Babur, dem BegrÃ¼nder Moguldynastie, als einer von zehn GÃ¤rte in und um Kabul angelegt. Hier befindet sich auch die GrabstÃ¤tte Baburs. Im Laufe der Jahrhunderte wurde er erweitert und nach schweren ZerstÃ¶rungen (1842 nach Erdbeben, BÃ¼rgerkrieg) wiederaufgebaut. Nach der Entminung wurde der â€žParadiesgarten&quot; 2004 bis 2008 mit Hilfe der Aga Khan Stiftung wiedererrichtet. Das Deutsche ArchÃ¤ologische Institut fÃ¼hrte mit UnterstÃ¼tzung des AA archÃ¤ologische Arbeiten durch. (Inzwischen wurden bei Gabungen Strukturen aus dem 12.-14. Jahrhundert und sogar aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert (buddhistisches Kushan-Reich) gefunden.</p>
<p>Um das Marmorgrab von Babur erstreckt sich am Hang das Ensemble von Park und reprÃ¤sentativen GebÃ¤uden mit groÃŸer Terrasse. Hier finden auch Konzerte und Ausstellungen statt. Hier wurde z.B. das deutsch-franzÃ¶sische Filmfestival erÃ¶ffnet. Im Park sind noch einige Judas-Trees zu finden: sehr hart, genÃ¼gsam, eine Woche BlÃ¼tezeit im Jahr. FrÃ¼her Ã¼berzogen solche BÃ¤ume die jetzt kahlen BerghÃ¤nge im RÃ¼cken des Parks.</p>
<p>Er ist der grÃ¶ÃŸte Ã¶ffentliche Park Kabuls. Die 7.-8.000 Besucher pro Tag zahlen 10-20 Afghanis (0,40 Cent) Eintritt. Der Unterhalt der bestens gepflegten Parkanlage kostet 300.000 US-$/Jahr. In drei Jahren soll sich der Park selbst tragen.</p>
<p>Zeitgleich mit uns und unserem BKA-Sicherheitsschirm besuchen Schulklassen den Park.</p>
<p><strong>Goethe-Institut und auswÃ¤rtige Kulturpolitik</strong></p>
<p>Es ist im GebÃ¤ude der ehemaligen DDR-Botschaft unweit des PrÃ¤sidentenpalastes untergebracht. 1965 gehÃ¶rte das Goethe-Institut zu den ersten auslÃ¤ndischen Kultureinrichtungen in AFG. 2003 wurde das GI feierlich nach 12-jÃ¤hriger SchlieÃŸung wiedererÃ¶ffnet. Eine Mitarbeiterin gehÃ¶rt seit 2002 zum GI. FÃ¼r das GI arbeiten 12 Festangestellte, darunter eine Entsandte aus Deutschland, und 13 HonorarkrÃ¤fte. Die Nachfrage nach Deutschunterricht ist sehr hoch. Der Schwerpunkt liegt bei der Ausbildung kÃ¼nftiger Lehrer. In einem Medien- und Leseraum befinden sich zusÃ¤tzlich einige ComputerarbeitsplÃ¤tze. Sechs KlassenrÃ¤ume stehen zur VerfÃ¼gung, der grÃ¶ÃŸte mit 20 PlÃ¤tzen. Einen Veranstaltungsraum gibt es nicht. Angesichts der spÃ¤rlichen Zahl an VeranstaltungsrÃ¤umen in Kabul ist das ein besonderer Mangel. Das GebÃ¤ude ist aber nicht nur zu klein. Es ist auch in einem schlechten Zustand, Risse in TÃ¼rrahmen, brÃ¶ckelnder Putz, nicht erdbebensicher. Notwenig wÃ¤re ein Neubau. Das GI meldete einen Bedarf von 48 Mio. Euro fÃ¼r bauliche MaÃŸnahmen beim AA an. Das Ministerium beantragte fÃ¼r den Haushalt 2011 aber nur 8 Mio. Angesichts des Aufwuchses des AFG-Etats ist das vÃ¶llig unverstÃ¤ndlich. Ob auswÃ¤rtige Kulturpolitik als Luxusunterfangen gilt?</p>
<p>Eine schÃ¶ne kleine Oase ist aber der 2009 neu gestaltete Garten, in dem uns eine grÃ¼ne Sonnenblumentorte vom iranischen Konditor prÃ¤sentiert wird.</p>
<p>Das GI unterstÃ¼tzte drei groÃŸe Festivals:</p>
<p>-Â Â  ein Literaturforum in einer Provinz pro Jahr;</p>
<p>-Â Â  das vom GI initiierte Theaterfestival (bisher sechs, bezuschusst von europÃ¤ischen Kulturinstituten)</p>
<p>-Â Â  Filmfestival.</p>
<p>In den Provinzen ist das GI bisher praktisch nicht prÃ¤sent.</p>
<p>Ende Juni fand im Garten des GI eines der ersten Rockkonzerte in AFG statt.</p>
<p>Von den Ã¼ber 40 ISAF-Truppenstellern unterhalten nur Frankreich, GroÃŸbritannien, USA und Deutschland in Kabul Kulturinstitute. WÃ¤hrend die Kulturabteilung der US-Botschaft 90 Personen umfasst, verfÃ¼gt die deutsche Botschaft Ã¼ber eine Kulturreferentin. Bis zum Sommer waren zwei MitarbeiterInnen fÃ¼r Presse und Kultur zustÃ¤ndig. Schon angesichts der riesigen Presselandschaft, wo viele Abgeordnete einen Sender haben, war das eine enorme Unterbesetzung.</p>
<p>Die Talibanzeit war eine Welt ohne Bilder, Musik, Fotoapparate. An OrtseingÃ¤ngen hingen damals an MetallgerÃ¼sten TonbÃ¤nder, Radios ...</p>
<p>Nach dieser Antikulturrevolution und angesichts der Schwemme internationaler Trivialkultur ist z.B. die FÃ¶rderung des Afghan National Institute of Music keine Marginalie: Ausstattung durch`s AA, Bau von traditionellen Instrumenten. Der Verband der Instrumentenhersteller in Deutschland sammelte und stiftete knapp 500 Instrumente.</p>
<p>Kulturpolitischer Schwerpunkt der Botschaft ist Kulturerhalt. (.vgl. meine â€žBetter News&quot;.)</p>
<p>Die Erwartungen gegenÃ¼ber deutscher Kulturarbeit sind hoch.</p>
<p>Umso beunruhigender sind die Informationen zur Entwicklung der drei ZfA-Schulen (Zentralstelle fÃ¼r das Auslandsschulwesen; Armani, Aische-e-Durrani und LycÃ©e Jamhuriat). Die QualitÃ¤t z.B. der Armani-Schule und ihr Image in der BevÃ¶lkerung hÃ¤tten sich verschlechtert, ebenso ihr baulicher Zustand und ihre Ausstattung. Die Schulen wurden mittlerweile an die afghanische Regierung Ã¼bergeben, die deutsche UnterstÃ¼tzung runtergefahren: von acht auf drei entsandte LehrkrÃ¤fte und von 1,2 Mio. Euro auf 0,2 Mio. BegrÃ¼ndet werde das mit dem deutschen Schwerpunkt im Norden. Bei dem deutschen Netzwerktreffen sei der Vorschlag gemacht worden, die Schulen in Exzellenzschulen zu entwickeln. Die â€žMutterhÃ¤user&quot; beschlossen entgegengesetzt.</p>
<p>Unser Besuch beim Goethe Institut ist ein auÃŸergewÃ¶hnliches Ereignis. Von den ca. 50 deutschen Besuchen im Jahr in Kabul findet sonst nahezu niemand den Weg zum GI und zur Kulturpolitik (Ã¼ber die Schulen hinaus). Das gilt auch fÃ¼r mich. Umso dankbarer bin ich dafÃ¼r, dass Claudia als Obfrau im Unterausschuss fÃ¼r AuswÃ¤rtige Kulturpolitik darauf achtete, in Kabul auch die Kulturpolitik gebÃ¼hrend zu berÃ¼cksichtigen.</p>
<p><strong>Afghanische Frauen-FuÃŸballnationalmannschaft</strong></p>
<p>Wir treffen uns mit drei jungen Frauen: der Mannschaftsmanagerin, der SpielfÃ¼hrerin und einer weiteren Spielerin - eine Paschtunin, eine Tadschikin und eine Hazara.</p>
<p>Claudia Ã¼berbringt GrÃ¼ÃŸe von Theo Zwanziger und Uli HoeneÃŸ.</p>
<p>Die Mannschaft wurde 2005 gegrÃ¼ndet und umfasst heute 23 Spielerinnen. Viele ihrer Familien waren zur Talibanzeit geflohen, vor allem nach Pakistan. Heute gibt es landesweit 18 FrauenfuÃŸballteams, auch in Herat, Mazar, Kapista, Bamyan, Parvan. In Kandahar ist sowas nicht mÃ¶glich.</p>
<p>Viele hierzulande hÃ¤tten Probleme mit FuÃŸball. â€žAber wir kÃ¤mpfen mit den Problemen, mit MÃ¤nnern, BrÃ¼dern, VÃ¤tern, Familien. Aber wir lieben FuÃŸball. Wir wollen die besten sein.&quot;</p>
<p>Der erste Trainer kam aus Deutschland fÃ¼r die Jungenmannschaft. Er gab dann auch einige Kurse fÃ¼r Frauen.</p>
<p>Ihr erstes Nationalspiel absolvierte die Mannschaft 2007 gegen Pakistan. Es war ihr erstes Spiel auf einem regulÃ¤ren FuÃŸballplatz. Die afghanischen Frauen gewannen. Bisher besuchte die Nationalmannschaft wohl fÃ¼nfmal Deutschland. An einem internationalen Wettkampf nahm sie bisher noch nicht teil. ZunÃ¤chst spielten sie nur im women garden, spÃ¤ter auf dem Platz des ISAF-Headquarter. Bei Helicopter-Landungen musste die Spiele unterbrochen werden. Beim groÃŸen Anschlag vor dem Haupteingang zum HQ vor einem Jahr waren sie gerade auf dem Feld. Sie hatten GlÃ¼ck. Einige Teams spielen auf den Basketballfeldern von Schulen und vor und nach der Unterrichtszeit. So lassen sich Probleme mit den Familien reduzieren.</p>
<p>Man brauche mehr TrainingsmÃ¶glichkeiten, zu erst ein FuÃŸballfeld fÃ¼r Frauen.</p>
<p>Zur bevorstehenden FrauenfuÃŸball-Weltmeisterschaft ist die Nationalmannschaft fÃ¼r acht Tage eingeladen. Besser wÃ¤re ein Aufenthalt von 20-30 Tagen.</p>
<p>â€žThe only thing we have is the love to football&quot;.</p>
<p>(FuÃŸball hat in AFG eine lange Tradition. 1933 wurde der afghanische FuÃŸballverein gegrÃ¼ndet. Seit 1948 ist AFG FIFA-Mitglied. 2002 startete das AA das Pilotprojekt &quot;MÃ¤dchenfuÃŸball in AFG&quot;, in 2003 zusammen mit dem Dt. Olympischen Sportbund und dem Dt. FuÃŸballbund ein umfassendes FuÃŸball-Projekt. Als erster deutscher Trainer wurde Holger Obermann vom AA nach AFG entsandt. Sein Nachfolger war der international erfahrene FuÃŸball-Lehrer Klaus StÃ¤rk, der eng mit Ali Askar Lali, einem ehemaligen afghanischen Nationalspieler, zusammenarbeitete. Die dt. Botschaft veranstaltete mehrere FuÃŸballturniere. Im Januar 2008 war die afghanische Frauen-FuÃŸballnationalmannschaft erstmalig in einem Trainingslager in Deutschland. <a name="_ftnref2" href="index.php/articles/news/1028#_ftn2">[2]</a>)</p>
<p>Â </p>
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<p><a name="_ftn1" href="index.php/articles/news/1028#_ftnref1">[1]</a> http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2010/08/22/AR2010082202272.html</p>
<p><a name="_ftn2" href="index.php/articles/news/1028#_ftnref2">[2]</a> Vgl. auch Awista Ayub: Kick in Kabul - 8 MÃ¤dchen, 1 Ball und der Traum von Freiheit, KÃ¶ln 2010 (Bastei LÃ¼bbe 61667)</p></div>


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