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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Chance einer friedensethischen KlÃ¤rung</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Internationale Politik und Regionen + Afghanistan</span>

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        <h1>
            Chance einer friedensethischen KlÃ¤rung         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 15. Januar 2010 09:46:19 +02:00 (121104 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Vor 9 Jahren nahm Winfried Nachtwei zum katholischen Bischofswort &quot;Gerechter Friede&quot; Stellung. Die Ã–ffentlichkeit nahm damals von dem wegweisenden Bischofswort kaum Notiz. Nach den Ã„uÃŸerungen von BischÃ¶fin KÃ¤ÃŸmann und angesichts des Afghanistaneinsatzes besteht jetzt die Chance einer breiteren friedensethischen Debatte und KlÃ¤rung. Hier der weiterhin aktuelle Kommentar Nachtweis von 2001:</p></div>
            <div>    <p><!--[if gte mso 9]><xml> Normal   0         21         false   false   false      DE   X-NONE   X-NONE                                                     MicrosoftInternetExplorer4 </xml><![endif]--><!--[if gte mso 9]><xml> </xml><![endif]--><!--  --><!--[if gte mso 10]> <mce:style><!   /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-priority:99; 	mso-style-qformat:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:11.0pt; 	font-family:"Calibri","sans-serif"; 	mso-ascii-font-family:Calibri; 	mso-ascii-theme-font:minor-latin; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-theme-font:minor-fareast; 	mso-hansi-font-family:Calibri; 	mso-hansi-theme-font:minor-latin; 	mso-bidi-font-family:"Times New Roman"; 	mso-bidi-theme-font:minor-bidi;} --> <!--[endif]--></p>
<h2>Politik braucht ethische Verantwortung - â€žGerechter Friede&quot; und politische Vernunft</h2>
<p align="center">Beitrag von Winfried Nachtwei, MdB BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen, auf der Tagung der Katholischen Akademie Freiburg zum Friedenswort der deutschen BischÃ¶fe â€žGerechter Friede&quot; am 10.2.2001</p>
<p>Wer wollte bestreiten, dass Politik ethische Verankerung braucht. Allerdings steht die Politik nicht selten unter dem Generalverdacht, (Friedens-)Ethik nur als Legitimationskulisse zu gebrauchen, ansonsten aber eher ethik-ferne Zone zu sein, in der sich lauter Machtpolitiker und Opportunisten tummeln.</p>
<p>In der Tat besteht kein Mangel an hochwertigen Rechtfertigungen von Sicherheitspolitik, von Auslands- und KriegseinsÃ¤tzen. Die Frage ist nur, wieweit solche Rechtfertigungen auch handlungsleitende Werte sind.</p>
<h3><strong>Das Bischofswort kam zum rechten Zeitpunkt!</strong></h3>
<p>Wo die erste Kriegsbeteiligung eines demokratischen Deutschland erhebliche Fragen nach der LegitimitÃ¤t und RechtmÃ¤ÃŸigkeit, Folgen und Wirksamkeit der MilitÃ¤rintervention aufgeworfen hat, wo die Bundeswehr nun die einschneidendste Reform ihrer Geschichte erlebt und die EU sich erstmalig einen militÃ¤rischen Arm zulegt, da fÃ¤llt doch die Begrenztheit der Ã¶ffentlichen Debatte auf:</p>
<p>Der Mangel an (selbst-)kritischer Aufarbeitung des Kosovo-Krieges, die oftmalige Verengung von Friedens- und Sicherheitspolitik auf die militÃ¤rische Komponente, der Vorrang von Fragen der StreitkrÃ¤ftemodernisierung, Finanzierung und Wehrstruktur, ohne die SchlÃ¼sselfrage des WOFÃœR prÃ¤zise zu bestimmen.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund dankte ich im Oktober Bischof Kamphaus voller Ãœberzeugung und mit ganzem Herzen fÃ¼r das Friedenswort der BischÃ¶fe.</p>
<p>Die BischÃ¶fe sehen neue friedensethische Herausforderungen angesichts einer dramatisch verÃ¤nderte Lage, wo gegenÃ¼ber sich verÃ¤ndernden Konflikten die herkÃ¶mmlichen Instrumente nicht mehr ausreichen. Sie wollen einen Gegenakzent setzen zur Ã¼blichen Ã¶ffentlichen Diskussion Ã¼ber Frieden und Sicherheit, die in den Medien oft erst in Gang komme, wenn ein Eingreifen bevorstehe.</p>
<h3><strong>Wiederbelebung der Ethik der Gewaltfreiheit.</strong></h3>
<p>Wenn wir BÃ¼ndnisgrÃ¼nen in den letzten Jahren versuchten, am Grundwert der Gewaltfreiheit festzuhalten und uns zugleich den Herausforderungen und Dilemmata von staatlicher Politik und Schutzverpflichtung stellten, wenn wir Gewaltfreiheit Ã¼bersetzten mit den Geboten der GewaltverhÃ¼tung und Gewaltminderung, dann entstand manchmal der Eindruck einer pazifistischen RÃ¼ckzugsargumentation oder des Umschminkens schnÃ¶der Realpolitik.</p>
<p>Das Friedenswort lenkt den Blick der friedens- und sicherheitspolitischen Debatte wieder auf die ersten Fragen. Es beweist die Notwendigkeit und die TragfÃ¤higkeit einer Ethik der Gewaltfreiheit mitten in dieser Welt.</p>
<p>Es ruft in Erinnerung, was in den letzten Jahren angesichts der Schrecken innerstaatlicher Gewalt, der Relegitimierung militÃ¤rischer Gewalt im Dienste â€žhumanitÃ¤rer Interventionen&quot; und einer High-Tech-KriegfÃ¼hrung ohne eigene und ohne sichtbare andere Opfer zunehmend</p>
<p>in Vergessenheit zu geraten scheint: Angewandte militÃ¤rische Gewalt tÃ¶tet, verstÃ¼mmelt, zerstÃ¶rt und bleibt unabhÃ¤ngig von ihren Zielen ein Ãœbel. Sie ist zudem ein Ã¤uÃŸerst tÃ¼ckisches Mittel, wie die RealitÃ¤t jeder kriegerischen Auseinandersetzung zeigt.</p>
<p>Zugleich verschlieÃŸt sich das Friedenswort keineswegs der im letzten Jahrzehnt gewachsenen Erkenntnis, dass bestimmte humanitÃ¤re Extremsituationen den Einsatz militÃ¤rischer Gewalt grundsÃ¤tzlich rechtfertigen kÃ¶nnen. Insofern kommen wir auch nicht umhin, bei realen Gewaltkonflikten, bei ihren TrÃ¤gern und Mitteln genauer hinzusehen und zu differenzieren:</p>
<p>zwischen rechtsstaatlichem Gewaltmonopol einerseits und dem Gewaltchaos der â€žneuen Kriege&quot; andererseits, wo unter Bedingungen einer zerfallenen Staatlichkeit gewalttÃ¤tige Gruppen Krieg primÃ¤r gegen die ZivilbevÃ¶lkerung fÃ¼hren. (Mary Kaldor); oder zwischen einer Wehrmacht oder einer multinationalen SFOR-/KFOR-Friedenstruppe auf dem Balkan.</p>
<p>Im Konflikt zwischen Gewaltfreiheit und Schutzverpflichtung gegenÃ¼ber massivem Unrecht kann Gegengewalt das weniger groÃŸe Ãœbel sein.</p>
<p>Angesichts der verÃ¤nderten Lage relativieren sich die gewohnten GegensÃ¤tze zwischen Pazifisten und Nichtpazifisten, so die BischÃ¶fe: â€žEs geht um die gemeinsame Pflicht, Gewalt zu verhindern oder wenigstens zu mindern.&quot;</p>
<h3>Unbedingter Vorrang der Gewaltvorbeugung</h3>
<p>Wer den Frieden will, bereite den Frieden vor!</p>
<p>Umfassend und Ã¼berzeugend wird die Vielfalt des â€žgerechten Friedens&quot; und die Vielschichtigkeit wirklich vorausschauender Friedenspolitik entwickelt: Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung, internationale Zusammenarbeit, Elemente innerstaatlicher und internationaler FriedensfÃ¤higkeit, Konfliktnachsorge als Konfliktvorbeugung, Friedendsarbeit in der Zivilgesellschaft.</p>
<p>Durch eine Politik der Gewaltvorbeugung sollen GewaltverhÃ¤ltnisse ausgetrocknet werden, die stets neue Gewalt provozieren und produzieren. Besonders genau und gelungen erscheinen mir die Passagen zur Konfliktnachsorge, Schuldverarbeitung und VersÃ¶hnung, wo die Macht unversÃ¶hnlicher Erinnerung als Virus der Gewaltbereitschaft identifiziert wird: Kein Frieden ohne VersÃ¶hnung, kein VersÃ¶hnung ohne Wahrheit und Gerechtigkeit. Der Gewalt vorbeugen heiÃŸt auch, selektiver Erinnerung entgegenzuwirken und Traditionen gemeinsamer Vorbilder zu begrÃ¼nden.</p>
<p>Das Friedenswort betont den unbedingten Vorrang der Gewaltvorbeugung und unterstreicht ihre Hochrangigkeit, indem es sie auf eine Stufe mit der Entspannung in den 70er und 80er Jahren stellt und zur Herausforderung der Gegenwart erklÃ¤rt. Es gelte, die Logik von Gewalt und Gegengewalt zu unterlaufen.</p>
<p>Der Vorrang der Vorbeugung gilt als SelbstverstÃ¤ndlich und wird in der Politik allseits und immer wieder beschworen.</p>
<p>NatÃ¼rlich geht es nicht darum, dass Rad neu zu erfinden.</p>
<p>Das System von Vereinten Nationen und OSZE, die Verrechtlichung internationaler Beziehungen, die europÃ¤ische Integration und EU-Erweiterung, RÃ¼stungskontrolle, ja auch die militÃ¤rische Integration durch die NATO sind bedeutende BeitrÃ¤ge zur internationalen Gewaltvorbeugung und -minderung.</p>
<p>Gerade mit den Balkan-Konflikten, und erst recht mit den kaum beachteten afrikanischen Kriegen, wurden aber auch die MÃ¤ngel internationaler Gewaltvorbeugung offensichtlich:</p>
<p>RegelmÃ¤ÃŸig fehlte es an frÃ¼hzeitigem Handeln, war die Staatengemeinschaft lange durch InteressengegensÃ¤tze und Uneinigkeit neutralisiert, fehlte es an KohÃ¤renz des Handelns und ausreichenden Mitteln. GegenÃ¼ber den gut ausgestatteten, ausgebildeten und schnell verfÃ¼gbaren Mitteln militÃ¤rischer Krisenreaktion sind die FÃ¤higkeiten und Instrumente ziviler KrisenprÃ¤vention unterentwickelt und vernachlÃ¤ssigt.</p>
<p>Erst der Wechsel zu Rot-GrÃ¼n 1998 und die schlimmen Erfahrungen des Kosovokrieges haben dem Aufbau ziviler KrisenkrÃ¤fte in der Bundesrepublik, aber auch au den Ebenen von OSZE und vor allem EU einen regelrechten Schub gegeben. (vgl. Bundestagsfraktion BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen, Gewaltvorbeugung konkret: Zwischenbilanz rotgrÃ¼ner MaÃŸnahmen zur zivilen KrisenprÃ¤vention, lang&amp;schlÃ¼ssig 14/27, MÃ¤rz 2001) Allerdings bedarf es noch erheblicher Anstrengungen und eines lÃ¤ngeren Weges, bis wir wirklich von FÃ¤higkeiten effektiver Gewalt- und Krisenvorbeugung sprechen kÃ¶nnen.</p>
<h3>Problematik militÃ¤rischer Interventionen</h3>
<p>Im Gegensatz zu dem verbreiteten Trend, nach der Relegitimierung militÃ¤rischer Gewalt nur noch ihre Bedeutung und Effektivierung zu thematisieren, sieht das Friedenswort vor allem die Grenzen militÃ¤rischer Mittel. Es betont die Gefahren jeder militÃ¤rischen Gewaltanwendung (z.B. Eigendynamik, Folgen fÃ¼r die ZivilbevÃ¶lkerung, â€žLust am BÃ¶sen&quot;) und benennt klare und enge Kriterien fÃ¼r â€žhumanitÃ¤re Interventionen&quot;. Es beugt damit dem Missbrauch der Menschenrechte fÃ¼r Partikularinteressen vor und erteilt einem Interventionismus fÃ¼r â€žvitale Interessen&quot; eine eindeutige Absage.</p>
<p>In Parlamentsdebatten und bei sicherheitspolitischen Veranstaltungen stieÃŸ ich mit der Forderung der BÃ¼ndnisgrÃ¼nen nach engen Kriterien fÃ¼r militÃ¤rische KriseneinsÃ¤tze wohl immer wieder auf positive Resonanz, auch bei MilitÃ¤rs. Auf den politischen Hochebenen spielte diese Grenzziehung nichts desto weniger bisher keine nennenswerte Rolle.</p>
<p>Ãœber die Voraussetzungen militÃ¤rischer KriseneinsÃ¤tze hinaus sollten aber vor allem auch ihre LeistungsfÃ¤higkeit, ihre MÃ¶glichkeiten und Grenzen thematisiert werden.</p>
<p>Die Leistungen von MilitÃ¤r und insbesondere der Bundeswehr bei der EindÃ¤mmung groÃŸer Gewalt im Rahmen â€žrobuster&quot; Peacekeeping-EinsÃ¤tze sind offensichtlich und kaum noch strittig. Dasselbe gilt fÃ¼r die Teilnahme an VerifikationsmaÃŸnahmen zur RÃ¼stungskontrolle, an Beobachtermissionen der OSZE sowie vertrauensbildende Kooperationen durch partner-ship-for-peace-AktivitÃ¤ten mit (mittel-)osteuropÃ¤ischen MilitÃ¤rs.</p>
<p>Langsam wird bewusst, dass militÃ¤risches Peacekeeping allein zum Schweitern verurteilt ist, dass es des â€žerweiterten Peacekeeping&quot;, also des Zusammenwirkens militÃ¤rischer, polizeilicher und ziviler KrÃ¤fte und eines kohÃ¤renten politischen Konzepts bedarf.</p>
<p>Kaum reflektiert werden die Wirkungen und Probleme von MilitÃ¤reinsÃ¤tzen jenseits der Friedenserhaltung: die umfassende sogenannter â€žFriedenserzwingung hoher IntensitÃ¤t&quot;, die Konsequenzen eines auf innenpolitische Akzeptanz orientierten Luftkrieges aus der Distanz, um eigene Opfer zu vermeiden (Irak, Kosovo), die Konsequenzen eines Bodenkrieges. Nach allen Erfahrungen sind solche groÃŸen KampfeinsÃ¤tze bei innerstaatlichen Gewaltkonflikten hoch riskant, kostspielig und in den Wirkungen Ã¤uÃŸerst zweifelhaft und kontraproduktiv.</p>
<p>Krieg darf und kann weiterhin kein Mittel der Politik sein! Zugleich steht die internationale Gemeinschaft in der Verantwortung, insbesondere die Seuche der â€žneuen Kriege&quot; einzudÃ¤mmen.</p>
<h3>Schwaches Echo</h3>
<p>Der Kommentator der SÃ¼ddeutschen Zeitung (12.10.2000) verwies auf die Gefahr, dass das Friedenswort von allen Seiten â€žtotgelobt&quot;, also anschlieÃŸend beiseitegelegt werde.</p>
<p>In der Tat blieb das hÃ¶rbare Echo auf das Friedenswort bisher ausnehmend schwach.</p>
<p>Weder in Berlin und im Bundestag, noch in der Ã–ffentlichkeit und in Publikationen der Friedensbewegung kann ich eine sonderliche Resonanz beobachten.</p>
<p>Woran kann das liegen?</p>
<p>ZunÃ¤chst an dem verbreiteten auÃŸenpolitischen Desinteresse und der Unterentwickeltheit der sicherheits- und friedenspolitischen Debatte in der Bundesrepublik generell. Im Unterschied zu etlichen anderen westlichen Demokratien gibt es in Deutschland keinen breiteren sicherheitspolitischen Diskurs. Der Verteidigungsminister verfolgt mit seiner Art der Bundeswehrreform zudem eine Strategie der Debattenverhinderung in Parlament und Gesellschaft: Die vorzÃ¼gliche Chance des WeizsÃ¤cker-Berichts wurde durch das schnelle planerische Faktensetzen danach regelrecht abgewÃ¼rgt.</p>
<p>Abgesehen von christlichen Friedensgruppen und Friedensdiensten ist die verbliebene Friedensbewegung Ã¼berwiegend reaktiv und antimilitaristisch orientiert. In Folge des Schocks</p>
<p>Ã¼ber die erste deutsche Kriegsbeteiligung verbreiten sich wieder dogmatische und altlinke</p>
<p>antiimperialistische Positionen. Bereitschaften und FÃ¤higkeiten zu einem breiteren Dialog schwinden.</p>
<p>Die friedenspolitischen BrÃ¼che von Rot-GrÃ¼n sind weitestgehend unverarbeitet: Tiefe EnttÃ¤uschung und VerdrÃ¤ngung unter vielen AnhÃ¤ngern, eine Art friedensethische Selbstzufriedenheit, gar Selbstgerechtigkeit hingegen oft auf Ebene von Regierung und Koalition.</p>
<p>SchlieÃŸlich dominieren in BevÃ¶lkerung und Ã–ffentlichkeit weiterhin Haltungen von MilitÃ¤rfixiertheit (ÃœberschÃ¤tzung von MilitÃ¤r als ProblemlÃ¶ser) und eines regelrechten friedenspolitischen Analphabetismus.</p>
<p>Aber auch die Art des Friedenswortes selbst kann zu seiner Resonanzlosigkeit beigetragen haben. Der realen Politik rÃ¼ckt es nicht zuleibe. Es bleibt in der Nische eines Wortes zum Sonntag und bietet der konfliktorientierten Wahrnehmung der Medien keine Vorlage.</p>
<h3>Ermutigung</h3>
<p>Das Friedenswort der deutschen katholischen BischÃ¶fe empfinde ich nichts desto weniger als Meilenstein und groÃŸe Ermutigung. Es verdient, gerade von uns PolitikerInnen ernst genommen zu werden, als MaÃŸstab der Tagespolitik und als AnstoÃŸ zur kritischen Selbstreflexion.</p>
<p>Zusammen mit entsprechenden Reden von BundesprÃ¤sident Rau ist es hervorragend geeignet, der Ã¼berfÃ¤lligen sicherheits- und friedenspolitischen Debatte AnstÃ¶ÃŸe und Orientierung zu geben. Das BedÃ¼rfnis nach einer solchen Debatte und KlÃ¤rung besteht sehr wohl, gerade auch unter Soldaten und anderen Menschen mit Erfahrungen mit Gewalt und Friedensarbeit in Krisenregionen. Der Dialog mit dieser zunehmenden Zahl an â€žFriedensfachleuten&quot; ist nicht nur Ã¤uÃŸerst spannend, ernÃ¼chternd wie ermutigend. Er hilft auch, diese Debatte in Sichtweite der realen Konflikte und Herausforderungen zu halten. Die ErfahrungsschÃ¤tze dieser Menschen werden bisher viel zu wenig genutzt.</p>
<p>FÃ¼r die groÃŸe gesellschaftliche Vergewisserung Ã¼ber eine wirklich zukunftsfÃ¤hige Sicherheits- und Friedenspolitik ist es noch nicht zu spÃ¤t, trotz fortschreitender Bundeswehrreform ist der Zug noch nicht abgefahren. Denn immer deutlicher wird, dass die aktuelle Bundeswehreform wegen der damit aufgebauten InterventionsfÃ¤higkeit zweischneidig und wegen ihrer zu geringen Reduzierungen und Ã¼berhÃ¶hten Neubeschaffungen nicht finanzierbar ist. Es wird deshalb einen zweiten Anlauf der Bundeswehrreform geben mÃ¼ssen. Zusammen mit der lÃ¤ngst Ã¼berfÃ¤lligen (selbst-)kritischen Aufarbeitung des Kosovokrieges sowie der Kontroverse Ã¼ber eine kÃ¼nftige Raketenabwehr sind das genÃ¼gend Arenen der aktuellen Auseinandersetzung, in denen das Friedenswort zur KlÃ¤rung im GetÃ¼mmel beitragen kann.</p>
<p>Weitere Stellungnahmen des Autors zum Thema â€žGewalt verhindern - Frieden fÃ¶rdern!&quot; unter www.nachtwei.de</p>
<p>P.S.:</p>
<p>Inzwischen haben BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen nach zwanzig Jahren ein neues Grundsatzprogramm sowie ihr Wahlprogramm beschlossen. In den auÃŸenpolitischen Teil flossen die obigen AusfÃ¼hrungen ein, insbesondere zum Vorrang der Gewaltvorbeugung und zum â€žtÃ¼ckischen&quot; Mittel militÃ¤rischer Gewalt. Dabei wird die zentrale Rolle der Vorbeugung nicht nur betont, sondern in konkrete nÃ¤chste Schritte Ã¼bersetzt.</p>
<p>FÃ¼r besonders wichtig halte ich die folgende Passage:</p>
<p>â€žUm gesellschaftliche VerstÃ¤ndigungsprozesse in Krisenregionen nicht nur punktuell, sondern in der Breite zu fÃ¶rdern, mÃ¼ssen FachkrÃ¤fte und Projekte des Zivilen Friedensdienstes und anderer gesellschaftlicher Akteure in den nÃ¤chsten Jahren vervielfacht werden.&quot;</p>
<p>Â </p></div>


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