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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Zur ErhÃ¶hung der Obergrenze des deutschen ISAF-Kontingents: Kein Signal fÃ¼r einen ausgewogenen Strategiewechsel</title>
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</ul>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Internationale Politik und Regionen + Afghanistan</span>

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        <h1>
            Zur ErhÃ¶hung der Obergrenze des deutschen ISAF-Kontingents: Kein Signal fÃ¼r einen ausgewogenen Strategiewechsel         </h1>
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       <div class="xar-mod-content">
           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 27. Juni 2008 06:21:13 +02:00 (169043 Aufrufe)            </div>
            <div>    Folgende Stellungnahme verfasste <strong>Winfried Nachtwei</strong> zur geplanten erhÃ¶hten Obergrenze des deutschen ISAF-Kontingents:
</div>
            <div>      
<p align="center">
<strong>Zur ErhÃ¶hung der Obergrenze des deutschen ISAF-Kontingents: Kein Signal fÃ¼r einen ausgewogenen Strategiewechsel</strong>
</p>
<p align="center">
Winfried Nachtwei, MdB, Juni 2008
</p>
<p>
<em>Nach monatelangen GerÃ¼chten gaben die Minister Jung und Steinmeier am 24. Juni die Absicht der Bundesregierung bekannt, die Obergrenze des deutschen ISAF-Kontingents in Afghanistan im Oktober von bisher 3.500 auf 4.500 zu erhÃ¶hen. Die Obergrenze des deutschen OEF-Anteils soll von 1.400 auf 800 abgesenkt werden.</em>
</p>
<p>
<strong>1.  Die Heraufsetzung der Obergrenze</strong> ist im Hinblick auf die Bundeswehraufgaben im Norden militÃ¤risch begrÃ¼ndet und nachvollziehbar. Politisch geht von diesem Schritt angesichts des schleppenden Aufbaus zugleich ein politisch brisantes und schrÃ¤ges Signal aus. Im Oktober haben wir im Bundestag bei der Mandatsentscheidung zu bewerten, wieweit die Afghanistanpolitik der Bundesregierung den lÃ¤ngst nicht nur von den GrÃ¼nen geforderten Strategiewechsel fÃ¼r sich realisiert und insgesamt voranbringt.
</p>
<p>
<strong>2.  Zu den GrÃ¼nden der Heraufsetzung</strong> der Obergrenze:
</p>
<ul>
	<li>Mit den PrÃ¤sidentschaftswahlen in 2009 werden die Sicherheits- und Transportanforderungen zunehmen: Schutz von Wahlversammlungen, Wahlurnentransporte in unwegsamen Regionen, Wahlhelfer (in 2004 25.000) und -beobachter und Wahllokale;</li>
	<li>um die Jahreswende soll die Zahl der Teams der Bundeswehr (OMLT) zur Ausbildung der Afghanischen Nationalarmee ANA von drei auf sieben mit ca. 200 Soldaten steigen. Mit ihnen soll die noch aufzustellende 2. Brigade des 209. ANA-Korps im Norden (insgesamt 7.500 Soldaten) ausgebildet werden. Hinzu kommt die weitere Aufstockung der FeldjÃ¤ger fÃ¼r die Polizeiausbildung im Norden;</li>
	<li>Ersetzt werden mÃ¼ssen tschechische und dÃ¤nische Infanterieeinheiten (100 Soldaten), die von Badaghshan nach SÃ¼den bzw. Osten verlegt wurden, sowie die bisher von Norwegen gestellte Quick Reaction Force fÃ¼r die ganze Nordregion;</li>
	<li>VerstÃ¤rkter Schutz eigener PRT-KrÃ¤fte nach der Verschlechterung der Sicherheitslage im Raum Kunduz seit September 2007. Ab Februar kamen hier zusÃ¤tzlich ca. 200 FallschirmjÃ¤ger zum Einsatz, die bisher die Raketenbedrohung wieder eindÃ¤mmen konnte. Ein Bedarf zur Aufstockung des Kontingents um einige Hundert wird nicht fÃ¼r Herbst, sondern zur Jahreswende erwartet. GrundsÃ¤tzlich gewollt ist aber mehr Spielraum zwischen Obergrenze und realer KontingentstÃ¤rke - z.B. fÃ¼r Kontingentwechsel und besondere Anforderungen. </li>
</ul>
<p>
Auch mit der Aufstockung ist die ISAF-PrÃ¤senz in der Region Nord mit ca. 5.000 Soldaten auf 1.200 x 400 km schwierigem GelÃ¤nde und 40% der afg. BevÃ¶lkerung vergleichsweise sehr dÃ¼nn. Der Operationsraum der gegenwÃ¤rtigen Sicherungsoperation â€žDreieck&quot; zwischen Kunduz - Pul-i Khomri - Aybak am Nordhang des Hindukusch ist so groÃŸ wie der Kosovo!
</p>
<p>
<strong>3.  Einsatzraum</strong>: Es bleibt bei dem jetzigen Einsatzraum Region Nord und Kabul. Eine Ausweitung im Nordwesten in die Provinz Badghis und den Problemdistrikt Ghowmach, wo im letzten Herbst â€žHarekate Yolo II&quot; und kÃ¼rzlich â€žKarez&quot; stattfanden, soll es nicht geben. 
</p>
<p>
Die seit 2005 geltende Klausel gilt weiter, wonach dt. StreitkrÃ¤fte auÃŸerhalb Kabul und Region Nord fÃ¼r zeitlich und im Umfang begrenzte UnterstÃ¼tzungsmaÃŸnahmen eingesetzt werden kÃ¶nnen, â€žsofern die UnterstÃ¼tzungsmaÃŸnahmen zur ErfÃ¼llung des ISAF-Gesamtauftrages unabweisbar sind.&quot; 
</p>
<p>
Diese Regel war im Fall der 38 dt. Fernmeldesoldaten in Kandahar seit geraumer Zeit Ã¼berdehnt worden. Nachdem die Firma Thales bisher kein Kommunikationsnetz aufbauen konnte, musste diese Funktion von Seiten der NATO mit einer ZwischenlÃ¶sung durch die beiden â€žNATO Signal Battailons&quot; (NSB) in Maastricht und Neapel bereitgestellt werden. Das 1. NSB besteht aus einem britischen, einem dÃ¤nischen und vier deutschen Modulen mit je 60 Soldaten. Die Entsendung dieser NATO-Einheiten mit dt. Soldaten soll nun regulÃ¤r ins Mandat aufgenommen werden.
</p>
<p>
<strong>4.  Einsatzregeln</strong>: UnverÃ¤ndert betont zurÃ¼ckhaltend. Kein Gewalteinsatz, wenn Angreifer erkennbar vom Angriff abgelassen haben und auf der Flucht sind. Dem erheblichen Druck auf Lockerung der Regel wurde bisher nicht nachgegeben.
</p>
<p>
<strong>5.  Bei OEF</strong> werden die Ã¼berdimensionierten Obergrenzen der ersten Jahre weiter runter gefahren. Zugleich hÃ¤lt die Bundesregierung stur an der Beteiligung an einer Operation fest, die sieben Jahre nach dem 11. September lÃ¤ngst nicht mehr mit Verteidigung zu rechtfertigen sind und die sich in ihrer Anti-Terrorkomponente immer wieder auÃŸerhalb des humanitÃ¤ren VÃ¶lkerrechts stellt. Bis heute ignoriert die Bundesregierung unsere seit Jahren erhobene Forderung, endlich zur (kontraproduktiven) Wirkung dieser Operation Stellung zu nehmen. Insofern verweigert sie die einfachsten Voraussetzungen fÃ¼r eine seriÃ¶se Parlamentsbeteiligung. 
</p>
<p>
<strong>6.  Politisch</strong> ist die Aufstockung in zweifacher Hinsicht schrÃ¤g und brisant: 
</p>
<p>
6.1. Sie geht nicht einher mit der allseits geforderten grÃ¶ÃŸeren Anstrengung beim zivilen und polizeilichen Aufbau. Die Schere zwischen militÃ¤rischer Friedenssicherung und zivilem Wiederaufbau geht weiter auseinander. Ein Signal fÃ¼r einen ausgewogenen Strategiewechsel ist das nicht. Auch die Pariser Afghanistan-Konferenz hat hier nicht die notwendigen Fortschritte gebracht - weder im Hinblick auf eine kritische Bilanz noch im Hinblick auf mehr KohÃ¤renz. Insbesondere der Polizeiaufbau dÃ¼mpelt dahin. AuÃŸer AnkÃ¼ndigungen ist hier viel zu wenig passiert. Insofern gibt es statt der dringenden Ausgewogenheit im deutschen militÃ¤risch-zivilen Engagement mehr Unausgewogenheit. Die RegierungserklÃ¤rung von AuÃŸenminister Steinmeier am 25. Juni zum zivilen Aufbau und zur Paris-Konferenz hat die Unausgewogenheit nicht korrigiert.
</p>
<p>
6.2. Seit dem ersten Bundestagsbeschluss vom 22.12.2001 wird jetzt der Einsatz zum 6. Mal ausgeweitet. Damit wachsen BefÃ¼rchtungen, die Bundesrepublik gerate immer tiefer in den Afghanistankonflikt. Historische Assoziationen liegen da nahe. Solche BefÃ¼rchtungen sind nach aller kriegsgeschichtlichen Erfahrung keineswegs unbegrÃ¼ndet. 
</p>
<p>
Eine verantwortliche Afghanistanpolitik braucht dringend eine ehrliche - und unabhÃ¤ngige - Bestandsaufnahme und realistische, Ã¼berprÃ¼fbare Ziele. Nur auf ihrer Grundlage kann eine Wende zum Besseren geschafft werden und kann die deutsche Afghanistanpolitik GlaubwÃ¼rdigkeit und Akzeptanz zurÃ¼ckgewinnen.
</p>
<p>
<strong><u>Exkurs</u></strong><strong>: </strong>
</p>
<p>
- Im Dez. 2002 Aufstockung des dt. Kontingents von <strong>1.200</strong> auf <strong>2.250</strong> im Hinblick auf die Ãœbernahme der ISAF-FÃ¼hrung in 2003 durch den Stab des Dt.-Ndl. Korps. Mitte 2003 stellt Deutschland von den insgesamt <strong><em>5.400</em></strong> ISAF-Soldaten im Raum Kabul 2.300, NL 570, FR 500, IT 270, TÃœR 110. Die USA beteiligen sich gar nicht an ISAF, andere NATO-VerbÃ¼ndete reduzieren in AFG wegen des Irakkrieges. Zum Vergleich: KFOR umfasste in der Startphase 60.000, SFOR 40.000.
</p>
<p>
- Im Okt. 2003 Ausweitung des Einsatzraumes Richtung Norden, bis zu 450 Soldaten fÃ¼r das PRT Kunduz. Im Juni war der Aufruf von 79 internationalen NGO`s vorausgegangen, ISAF solle unter NATO-FÃ¼hrung auf das ganze Land ausgeweitet werden. Das hÃ¤tte bei ca. 500 Soldaten fÃ¼r jede der 12 grÃ¶ÃŸeren StÃ¤dte landesweit plus 10.000 Soldaten bedeutet. Das war international nicht machbar. 
</p>
<p>
- Im Sept. 2005 Aufstockung auf <strong>3.000</strong> mit der o.g. Ausnahmeklausel fÃ¼r andere Regionen. (In 2005 war die Westerweiterung von ISAF erfolgt. Im September 2005 umfasst ISAF ca. <strong><em>9.000</em></strong> Soldaten aus 36 LÃ¤ndern.) Im Juni 2006 Ã¼bernimmt Deutschland das neu gebildete Regional Command North in Mazar und damit die militÃ¤rische FÃ¼hrungsverantwortung und logistische Hauptrolle fÃ¼r die ganze Nordregion. Die Masse des dt. Kontingents verlegt von Kabul in den Norden. Im Juli ISAF-SÃ¼d-Erweiterung: Wider Erwarten geraten die Kanadier in Kandahar, die Briten in Helmand und die NiederlÃ¤nder z.T.in Uruzgan in heftige KÃ¤mpfe. ISAF und NATO stehen erstmals in ihrer Geschichte in opferreichen BodenkÃ¤mpfen. Im November 2006 umfasst ISAF <strong><em>31.500</em></strong> Soldaren aus 37 Nationen.)
</p>
<p>
- Im MÃ¤rz 2007 Zusatzmandat fÃ¼r AufklÃ¤rungs-Tornados mit bis zu 500 Mann. Im Oktober Aufnahme der Tornados in das ISAF-Gesamt-Mandat von <strong>3.500</strong>. (ISAF-Umfang im Okt. 2007 <strong><em>35.000</em></strong>)
</p>
<p>
- Ab 1. Juli Ãœbernahme der Quick Reaction Force fÃ¼r die Region Nord durch Deutschland. 
</p>
<p>
- Im Oktober 2008 Aufstockung um 1.000 auf <strong>4.500</strong>. (ISAF-Umfang im Juni 2008 ca. <strong><em>50.000</em></strong>) 
</p>
<p>
Zum quantitativen Vergleich: In <u>Vietnam</u> hatten die USA 1962 700 MilitÃ¤rberater, 1963 17.000 Soldaten, 1965 184.000, Ende 1967 485.000 (plus 50.000 sÃ¼dkoreanische Soldaten + 800.000 sÃ¼dvietnamesische Soldaten bei &gt; 10% Desertion) gegenÃ¼ber 120.000 Guerillas + &gt; 200.000 nordvietnamesischen Soldaten im SÃ¼den, 1972 39.000 US-Soldaten. 
</p>
<p>
In <u>Afghanistan</u> hatte die Sowjetunion bis zu 130.000 Soldaten. 
</p>
</div>


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