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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Dringende Fragen: Afghanistan auf der Kippe</title>
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    <span class="xar-mod-title">WestfÃ¤lische Nachrichten + Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Internationale Politik und Regionen + Afghanistan</span>

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        <h1>
            Dringende Fragen: Afghanistan auf der Kippe         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 8. Juli 2006 09:45:32 +02:00 (57690 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>(1) <strong>Von hÃ¶chstem Interesse</strong>: Die Stabilisierung und friedliche Entwicklung Afghanistans ist weiterhin von hÃ¶chstem internationalen und darin auch deutschem Sicherheitsinteresse. Das ist in vielen Resolutionen und Berichten des VN-Sicherheitsrates bekrÃ¤ftigt worden. HierfÃ¼r ist das verlÃ¤ssliche und Engagement der Internationalen Gemeinschaft auf viele Jahre unabdingbar. Dabei gilt die Grunderfahrung von Nachkriegsgesellschaften, dass es ohne Sicherheit keine Entwicklung und ohne Entwicklung keine dauerhafte Sicherheit gibt. Deshalb ist eine kohÃ¤rente Stabilisierungspolitik und ein ausgewogener Mix von UnterstÃ¼tzungsmaÃŸnahmen unverzichtbar: militÃ¤risch, Sicherheitssektorreform (Aufbau von StreitkrÃ¤ften und Polizei, Demobilisierung + Reintegration, Entminung) und DrogenbekÃ¤mpfung, Justizaufbau, Entwicklung, Infrastruktur, Gesundheits- und Bildungswesen, Institutionenaufbau, FÃ¶rderung von Zivilgesellschaft etc. .  </p></div>
            <div>    (2) <strong>Kritische Phase</strong>: Die realitÃ¤tsnahe Bewertung des afghanischen Stabilisierungsprozesses ist schwierig und oftmals verzerrt und alarmistisch; denn sichtbar sind immer die spektakulÃ¤ren bad news der sicherheitsrelevanten VorfÃ¤lle, nicht aber erhebliche regionale Unterschiede (SÃ¼d-Nord/West) und strukturelle Aufbauerfolge, die es auch gibt. Zu erwarten war, dass die - schon vor drei Jahren von 79 internationalen NGO`s geforderte - landesweite ISAF-Aus-weitung mit der Ãœbernahme der Hauptunruhe-Provinzen im SÃ¼den in den traditionellen Haupt-Konfliktmonaten mit einer Zunahme von AnschlÃ¤gen und KÃ¤mpfen einher gehen wÃ¼rde. FÃ¼r Taliban und Oppositionelle Militante KrÃ¤fte (OMF) insgesamt sind diese Monate des Wechsels von OEF zu ISAF im SÃ¼den eine strategische Herausforderung sondergleichen. Ihre verstÃ¤rkten Attacken zielen nicht zuletzt darauf, den politischen Durchhaltewillen der Staatengemeinschaft, der NATO und insbesondere der Truppen entsendenden Parlamente auf die Probe zu stellen. (vgl. unter (8))   <p>Trotzdem: <strong>Im fÃ¼nften Jahr nach Sturz der Taliban ist die Entwicklung alarmierend. Die Sicherheits- und psychologische Lage verschlechtert sich sprunghaft und gefÃ¤hrdet den sowieso viel langsameren Aufbauprozess. Die Stabilisierung Afghanistans gerÃ¤t auf die Kippe</strong>. Vieles deutet darauf hin, dass der Internationalen Gemeinschaft und der Zentralregierung immer mehr die Herzen der Menschen verloren gehen, dass die bisher respektierten ISAF und Bundeswehr immer mehr in Gefahr sind, weniger als SicherheitsunterstÃ¼tzungs- und mehr als Besatzungstruppe wahrgenommen zu werden. </p><p>WÃ¼rde ISAF zu einer Besatzungstruppe, dann wÃ¤re ISAF am Ende und nicht mehr zu verantworten. Das aber wÃ¤re eine strategische Niederlage der Staatengemeinschaft, die sie sich nicht erlauben kann. In den nÃ¤chsten Monaten kann sich schon entscheiden, ob es zu diesem worst case kommt oder ob er abgewendet werden kann!</p><p>(3) <strong>Schlussfolgerungen</strong></p><p>Wer wie Linksfraktionsvorsitzender Lafontaine jetzt wieder den Abzug der militÃ¤rischen StabilisierungskrÃ¤fte und die Konzentration auf humanitÃ¤re Hilfe fordert, ignoriert das Sicherheitsproblem und redet der Kapitulation vor den Taliban/OMF und faktisch einer sofortigen Destabilisierung das Wort. </p><p>Umgekehrt wÃ¼rde die inzwischen vermehrt geforderte Zusammenlegung von ISAF und OEF die internationale StabilisierungsunterstÃ¼tzung vom Regen in die Traufe bringen. </p><p>Richtig, aber verkÃ¼rzt sind Forderungen nach noch besserem Schutz fÃ¼r die deutschen Soldaten. Eine noch bessere militÃ¤rische AufklÃ¤rung und Panzerung hilft wenig, wenn die politische Gesamtlage wegrutscht. </p><p>Gefragt sind nicht primÃ¤r neue Konzepte. Die gibt es - z.B. mit dem â€žAfghanistan Compact&quot; der Londoner Konferenz von Anfang 2006 - reichlich. </p><p><strong>Auf der Tagesordnung steht eine zÃ¼gige ÃœberprÃ¼fung der Vorgehensweise und Einsatzverfahren der Internationalen Gemeinschaft und der Zentralregierung â€žam Boden&quot;. HierÃ¼ber wissen wir zu wenig Ungeschminktes. </strong></p><p><strong>Dringend notwendig ist eine Kurskorrektur des Engagements internationaler Akteure in Richtung einer Politik, die die Herzen der Menschen zurÃ¼ckgewinnt</strong>. </p><p>Dabei ist Deutschland in besonderer positiver Verantwortung: Als Mitinitiator des Friedensprozesses, als fÃ¼hrender und verlÃ¤sslicher Truppensteller und Lead-Nation beim Polizeiaufbau, als aus historischen und aktueller GrÃ¼nden in Afghanistan besonders geachteter Partner. </p><p>Ohne die ÃœberprÃ¼fung und Kurskorrektur wÃ¤re die breite Zustimmung, die ISAF und OEF bisher richtigerweise im Bundestag bekommen haben, bei der nÃ¤chsten MandatsverlÃ¤ngerung im November in Frage gestellt. </p><p>Im Einzelnen:</p><p><strong>(4) Sicherheitslage: </strong>Die KÃ¤mpfe in einigen sÃ¼dlichen und sÃ¼dÃ¶stlichen Provinzen sind die bei weitem opferreichsten seit 2001. Seit Mai wurden mehr als 600 Menschen getÃ¶tet. Seit Wochen fliegen amerikanische, britische und franzÃ¶sische Kampfflugzeuge in den Konfliktprovinzen tÃ¤glich mehr als 20 LuftnahunterstÃ¼tzungseinsÃ¤tze (im Irak tÃ¤glich Ã¼ber 50). Selbstmordattentate haben sich seit 2004 vervielfacht. AnschlÃ¤ge mit improvisierten Sprengfallen werden immer raffinierter und gezielter. Auch wenn 85% der AnschlÃ¤ge im SÃ¼den geschehen und 5% im Norden, so ist die VerschÃ¤rfung der Sicherheitslage auch im Norden unÃ¼bersehbar. Bei AnschlÃ¤gen auf Bundeswehrfahrzeuge kommt immer wieder eine hÃ¶here Anzahl von afghanischen Zivilisten zu Schaden und ums Leben. Zusammen mit der Einstellung von FuÃŸpatrouillen und der Bewegung nur noch in geschÃ¼tzten Fahrzeugen hat das eine deutliche Distanzierung zwischen Bundeswehr und afghanischen BevÃ¶lkerung zur Folge.</p><p>Nicht beherrschbar sind weiterhin die umfangreichen UnterstÃ¼tzungen der OMF aus den pakistanischen â€žStammesgebieten&quot;. Eine zweite externe Quelle der OMF soll zunehmend der Irak sein, von wo terroristische Expertise und vermehrt KÃ¤mpfer nach Afghanistan gelangen. </p><p>Im Unterschied zu vor einigen Jahren speist sich das Gewaltpotenzial der OMF aber zunehmend auch aus innerafghanischen Quellen. Hierzu bringen jÃ¼ngst erschienene  empirische Studien des Senlis Council/London Ã¤uÃŸerst beunruhigendes Material. (Helmand at War: The changing nature of the insurgency in southern Afghanistan and its effects on the future of the country, June 2006; Field Notes, Afghanistan insurgency assessment: the signs of an escalating crisis - Helmand, Kandaghar, Nangarhar, April 2006; www.senliscouncil.net)</p><p><strong>(5) DrogenbekÃ¤mpfung. </strong>Die Konzepte und Papiere zur DrogenbekÃ¤mpfung klingen kohÃ¤rent und gut. (vgl. die 2. Auflage der regierungsoffiziellen National Drug Control Strategy vom Januar 2006) Das offizielle Ziel, den Anteil der Opiumproduktion am BIP von heute 50% auf unter 5% bis 2015 zu drÃ¼cken, ist ehrgeizig.</p><p>Die vorherrschende reale DrogenbekÃ¤mpfung scheint jedoch viel mehr Schaden als Nutzen anzurichten. In 2005 waren zumindest die MohnanbauflÃ¤chen um ca. ein Viertel zurÃ¼ckgegangen, nicht zuletzt wegen versprochener alternativer Erwerbsquellen. FÃ¼r dieses Jahr prognostiziert UNODC einen enormen Anstieg der AnbauflÃ¤chen. In etlichen Provinzen (Badakhshan, Helmand) liegen die ZuwÃ¤chse bei Ã¼ber 50%. PrimÃ¤rer Grund soll sein: Die versprochenen alternativen Erwerbsquellen kamen nicht. Sie konnten auch gar nicht so schnell kommen, weil das zusammen mit dem Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur etliche Jahre braucht. Stattdessen wurden so aggressiv wie nie zuvor seit 2001 Felder vernichtet. In der Konsequenz suchen immer mehr in ihrer Existenz bedrohte Mohnbauern offenbar Schutz - und bekommen ihn von Taliban und anderen OMF angeboten. Es hat den Anschein, dass eine kontraproduktive DrogenbekÃ¤mpfung eine Art â€žDrogen-Volksfront&quot; provoziert und damit gewalttÃ¤tige Konflikte anfeuert. Das steht einer entwicklungsorientierten Drogenkontrolle entgegen, die als erstes darauf zielt, die Bauern aus ihrer AbhÃ¤ngigkeit vom Opiumanbau zu befreien. (vgl. <a href="http://www.gtz.de/themen/uebergreifende-themen/drogen/6723.htm">www.gtz.de/themen/uebergreifende-themen/drogen/6723.htm</a>; Project for Alternative Livelihood in Eastern Afghanistan PAL, <a href="http://www.palinfo.org/">http://www.palinfo.org/</a>)</p><p><strong>(6) Operation Enduring Freedom: </strong>Eine weitere Quelle der Gegensolidarisierung scheint die EinsatzrealitÃ¤t bei OEF zu sein. GrundsÃ¤tzlich bleibt die aktive Abwehr und BekÃ¤mpfung der gewalttÃ¤tigen und terroristischen OMF unverzichtbar. Andernfalls wÃ¼rde die Gewaltwelle bald das ganze Land Ã¼berfluten. Andererseits gibt es immer wieder Hinweise, dass OEF-EinsÃ¤tze unverhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸig, hammerartig und ohne sonderliche RÃ¼cksicht auf zivile Opfer erfolgen. Wo Taliban wieder mehr zum Sammelbecken Unzufriedener werden, wo ihre Attacken die Dimension eines Aufstandes annehmen, da ist die Abgrenzung von Taliban und ZivilbevÃ¶lkerung immer schwieriger. Solche kontraproduktiven EinsÃ¤tze sind politisch Wasser auf die MÃ¼hlen derjenigen, die militÃ¤risch bekÃ¤mpft werden. Die jÃ¼ngsten Mahnungen von PrÃ¤sident Karzai, hunderte Tote bei den KÃ¤mpfen seien nicht akzeptabel (â€žSelbst wenn sie Taliban sind, so sind sie doch SÃ¶hne dieses Landes&quot;), gehen in diese Richtung. </p><p>Ein Grundproblem hierbei ist, dass wir zustÃ¤ndigen Obleute des Verteidigungsausschusses wohl ordentlich Ã¼ber die - zeitweiligen - KSK-BeitrÃ¤ge zu OEF unterrichtet wurden, dass uns aber jede seriÃ¶se Unterrichtung Ã¼ber die Gesamtoperation OEF-AFG und ihre Wirksamkeit fehlt. Meine diesbezÃ¼glichen Anfragen blieben seit Jahren ohne befriedigende Antwort. </p><p>Eine Zusammenlegung von ISAF und OEF wÃ¼rde wohl â€žFÃ¼hrung aus einer Hand&quot; ermÃ¶glichen, wÃ¤re aber unter den gegenwÃ¤rtigen Bedingungen fatal und unverantwortlich. </p><p>Die kontraproduktiven Seiten von OEF mÃ¼ssen endlich offen thematisiert werden, auch wenn es bÃ¼ndnispolitisch schwer fÃ¤llt und schwierig ist. (DEU hat als Ã¼berwiegend Nichtbeteiligter an OEF-KampfeinsÃ¤tzen leicht reden; ISAF ist im Notfall auf die UnterstÃ¼tzungs- und EvakuierungskapazitÃ¤ten der US-OEF-KrÃ¤fte angewiesen.)</p><p><strong>(7) Aktive Stabilisierung</strong></p><p>(a) Die <strong>Provincial Reconstruction Teams</strong>  (PRT) sind ein innovativer und zukunftstrÃ¤chtiger Ansatz. Die integrierte Vorgehensweise und der besondere Stellenwert der Entwicklungszusammenarbeit gerade bei den deutsch gefÃ¼hrten PRT haben sich grundsÃ¤tzlich bewÃ¤hrt. </p><p>Trotzdem mehren sich die Hinweise auf zunehmende Friktionen zwischen den verschiedenen SÃ¤ulen der PRT, wo angeblich immer mehr nebeneinander und immer weniger miteinander gearbeitet werde. Eine ursprÃ¼nglich geplante Evaluation der deutsch-gefÃ¼hrten PRT soll gestoppt worden sein.</p><p>(b) DEU ist die Lead-Nation beim <strong>Polizeiaufbau</strong>. Die kleine Zahl deutscher Polizeiberater hat - so auch meine persÃ¶nliche Erfahrung - sehr gute Arbeit geleistet. Der deutsche Ansatz ist durchdacht, grÃ¼ndlich und rechstaatsorientiert. Zugleich sind vermehrt Kritiken am Polizeiaufbau zu hÃ¶ren: Die Polizeireform sei â€žzu grÃ¼ndlich&quot; und wirke zu wenig in die Breite. Das Image der Polizei sei vor allem wegen der Korruption sehr schlecht. Und schlieÃŸlich gibt es bei der Um- und Neubesetzung von Spitzenpositionen einen scharfen Dissens mit Karzai und den USA, die an sehr belasteten Polizeigeneralen festhalten wollen. </p><p>Zudem macht die Rekrutierung deutscher Polizeibeamter fÃ¼r den Einsatz in AFG erhebliche Probleme. </p><p>Um den Aufbau von Polizei, Zollverwaltung etc. nachhaltig werden zu lassen, sind internationale Mentoren gerade auch in den Provinzen von zentraler Bedeutung. Die Bereitschaft der Staaten, solche Mentoren bereitzustellen, ist Ã¤uÃŸerst gering. Das zeigte sich extrem bei der Doha-II-Konferenz im Februar, wo eine entsprechende Anfrage auf null Resonanz stieÃŸ. </p><p><strong>(c) Verschleppter Wiederaufbau</strong>: General a.D. Klaus Naumann, ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, berichtet von seiner Afghanistan-Reise, dass â€žFragen nach PlÃ¤nen fÃ¼r den Ausbau der Transportwege, der Energieversorgung (...), nach der BewÃ¤sserung der Anbaugebiete und dem Ausbau der Kommunikation unbeantwortet&quot; geblieben seien (Welt 23.6.06). Vorausgesetzt, dass auch die Richtigen befragt wurden, wÃ¤re das ein verheerendes Armutszeugnis fÃ¼r Zentralregierung und Internationale Gemeinschaft.  </p><p><strong>(d) Widerspruch der Kulturen</strong>: In einem Gastbeitrag in der SZ vom 1. Juni sprach der Afghanistan-Experte Conrad Schetter die kulturelle Distanz zwischen vielen â€žInternationalen&quot; und einem GroÃŸteil der Afghanen an: Wo die einen nur â€žMittelalter&quot; und menschenrechtswidrige Traditionen sehen, fÃ¼hlen sich viele Einheimische mit ihrer Ordnung nicht respektiert, ja in ihrer IdentitÃ¤t angegriffen. Ignoriert wird oft der seit Jahrzehnten dauernde Kampf zwischen der Minderheit der vor allem stÃ¤dtischen Modernisierer und den vor allem lÃ¤ndlichen Traditionalisten. </p><p>Der Ruf vieler Internationaler wird darÃ¼ber hinaus durch ihren westlichen Lebensstil beschÃ¤digt. SpÃ¤testens seit 2004 halten â€žafghanische Politiker ebenso wie die BevÃ¶lkerung die Entwicklungsorganisationen Ã¼bereinstimmend fÃ¼r erfolglos, ja, fÃ¼r korrupt und raffgierig&quot;, so Schetter.</p><p><strong>(e)</strong> <strong>Transitional Justice</strong>: Auf die SchlÃ¼sselrolle der Aufarbeitung von Kriegserfahrungen in Post-Conflict.Gesellschaften weist Citha MaaÃŸ in der jÃ¼ngsten SWP-Aktuell (Nr. 30) vom Juni 2006 hin. Um den â€žKreislauf der wiederkehrenden Kriege&quot; zu durchbrechen, sind komplexe Mechanismen notwendig, mit denen Kriegsgeschichte und Kriegsverbrechen bearbeitet werden kÃ¶nnen. Jahrelang war die Devise â€žerst StabilitÃ¤t, dann Gerechtigkeit&quot;. Mit dem neuen VN-Sonderbeauftragten Tom KÃ¶nigs soll nun â€žStabilitÃ¤t und Gerechtigkeit&quot; gelten. Die Voraussetzungen dafÃ¼r sind aber ausnehmend ungÃ¼nstig. </p><p><strong>(8) Akzeptanz in den ISAF-Staaten: </strong>Mit der Umsetzung ihres UnterstÃ¼tzungsversprechens tat sich die Staatengemeinschaft seit Jahren schwer. Vor drei Jahren wurde die Ã¼berfÃ¤llige ISAF-Ausweitung Ã¼ber Kabul hinaus sehr zÃ¶gerlich angegangen. Das war nicht zuletzt ein massiver politischer Begleitschaden des Irakkrieges, der etliche US-VerbÃ¼ndete ihr Afghanistan-Engagement â€žzu Gunsten&quot; eines Irakeinsatzes reduzieren lieÃŸ.</p><p>Die mit der ISAF-SÃ¼dausweitung einher gehende Aufstockung von ISAF von 9.000 auf 17.000 wurde im niederlÃ¤ndischen und kanadischen Parlament nur ganz knapp gebilligt. Inzwischen will Italien seine 1.300 Mann in Herat und Kabul um 400 verringern. Polen will in 2007 statt zugesagter 1.000 Soldaten nur 500 entsenden. </p><p>Das macht deutlich, auf welch wackligen FÃ¼ÃŸen das internationale Afghanistan-Engagement steht. Es kann nur verlÃ¤sslich werden und verantwortbar bleiben, wenn die Regierungen zu allererst offen und nÃ¼chtern, ohne BeschÃ¶nigungen und Ã¼berhÃ¶hte Erwartungen mit diesem Engagement umgehen.</p></div>


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