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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Ãœbergang zur Freiwilligenarmee zÃ¼gig fortsetzen -  Ein Beitrag zur Diskussion um die Rest-Wehrpflicht</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Pressespiegel</span>

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        <h1>
            Ãœbergang zur Freiwilligenarmee zÃ¼gig fortsetzen -  Ein Beitrag zur Diskussion um die Rest-Wehrpflicht         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 8. November 2004 11:33:26 +02:00 (98367 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Winfried Nachtwei, sicherheitspolitischer Sprecher, Krista Sager, Fraktionsvorsitzende, Ludger Volmer, auÃŸenpolitischer Sprecher, Alexander Bonde, Mitglied im Haushalts- und Verteidigungsausschuss, und Marianne Tritz, Mitglied im AuswÃ¤rtigen und Verteidigungsausschuss, haben ein gemeinsames Thesenpapier &quot;Ãœbergang zur Freiwilligenarmee zÃ¼gig fortsetzen - Ein Beitrag zur Diskussion um die Rest-Wehrpflicht&quot; erarbeitet, das heute der Presse vorgestellt wurde.</p></div>
            <div>    <hr />
<p><strong>Winfried Nachtwei, sicherheitspolitischer Sprecher<br />Krista Sager, Fraktionsvorsitzende<br />Ludger Volmer, auÃŸenpolitischer Sprecher<br /></strong><strong>Alexander Bonde, Mitglied im Haushalts- und Verteidigungsausschuss<br /></strong><strong>Marianne Tritz, Mitglied im AuswÃ¤rtigen und Verteidigungsausschuss</strong></p>
<p align="right"><strong>Berlin, den 08.11.2004</strong></p>
<p align="center"><strong>Ãœbergang zur Freiwilligenarmee zÃ¼gig fortsetzen - </strong><strong>Ein Beitrag zur Diskussion um die Rest-Wehrpflicht</strong></p>
<p><strong>1. </strong><strong>Der Ausstieg aus der Wehrpflicht ist weit voran geschritten</strong></p>
<p>Das Ende des Ost-West-Konflikts war gleichzeitig der Beginn des Abschieds von der Wehrpflicht. Viele BÃ¼ndnispartner haben angesichts neuer sicherheitspolitischer Herausforderungen die Wehrpflicht ausgesetzt oder abgeschafft. Mit den Verteidigungspolitischen Richtlinien (VPR) ist nicht mehr die traditionelle Landesverteidigung, sondern die Teilnahme an multinationaler KrisenbewÃ¤ltigung fÃ¼r die Bundeswehr strukturbestimmend. Die Bundeswehr wurde signifikant verkleinert und der Wehrpflichtigenanteil reduziert. Inzwischen leistet nur noch eine kleine Minderheit den obligatorischen Grundwehrdienst.</p>
<p>Durch die Personalreduzierungen der vergangenen 15 Jahre gibt es in Deutschland nur noch eine Rest- oder â€žPseudo-Wehrpflicht&quot; (Haltiner). 1989 waren noch 44% (218.000) der 490.000 Bundeswehrsoldaten Wehrpflichtige, die 15 Monate Grundwehrdienst leisteten. In der neuen Zielstruktur von maximal 250.000 militÃ¤rischen Dienstposten sind nur noch bis zu 30.000 Stellen (12%) fÃ¼r Grundwehrdienstleistende (GWDL) und bis zu 25.000 Stellen (10%) fÃ¼r freiwillig lÃ¤nger dienende Wehrdienstleistende (FWDL, bis zu 23 Monate) vorgesehen. Diese Zielstruktur hat die Bundeswehr bereits im nÃ¤chsten Jahr beinahe erreicht. Bei einem 9-monatigen Wehrdienst kÃ¶nnen kÃ¼nftig jÃ¤hrlich maximal 40.000 Wehrpflichtige zum Grundwehrdienst und, bei Verpflichtungszeiten von ca. 21 Monaten, 14.000 zum freiwilligen Wehrdienst einberufen werden. Bei einer durchschnittlichen JahrgangsstÃ¤rke von ca. 415.000 MÃ¤nnern, sind dies lediglich noch 13 Prozent aller Wehrpflichtigen.</p>
<p>In Deutschland sprechen sich inzwischen alle kleineren Parteien fÃ¼r ein Ende der Wehrpflicht aus. Auch in SPD und Union mehren sich die Stimmen gegen die Wehrpflicht. In der rotgrÃ¼nen Koalition ist die Zukunft der Wehrpflicht von Anfang an ein offener Dissens. In der Koalitionsvereinbarung von 2002 wurde festgelegt, dass die Wehrform vor Ende der Legislaturperiode, also bis 2006 Ã¼berprÃ¼ft werden soll.</p>
<p><strong>2. </strong><strong>Freiwilliger flexibler Kurzdienst</strong></p>
<p>Eine wichtige BrÃ¼cke von der Wehrpflicht zur Freiwilligenarmee ist die EinfÃ¼hrung eines freiwilligen, flexiblen und attraktiven Kurzdienstes von 12 bis 24 Monaten mit einer Probephase von sechs Monaten. Er mÃ¼sste auch Frauen offen stehen und nach solider Ausbildung einen Auslandseinsatz ermÃ¶glichen. Die Einstiegsbesoldung sollte angehoben werden.</p>
<p>In dieser Zeit kÃ¶nnten sich Kurzdiener und Bundeswehr gegenseitig â€žerproben&quot;. Der Kurzdienst wÃ¼rde die FWDL sowie schrittweise die Grundwehrdienstleistenden ersetzen und damit auch die von ihnen geleisteten Funktionen abdecken. Er wÃ¼rde den Adressatenkreis auf Frauen und jene jungen MÃ¤nner ausdehnen, die zwar von der Wehrpflicht befreit, dennoch aber an einem attraktiven Dienst in den StreitkrÃ¤ften interessiert sind.</p>
<p>Die hÃ¶here AttraktivitÃ¤t und Effizienz des Kurzdienstes wÃ¼rde eine Reduzierung des Gesamtumfanges der StreitkrÃ¤fte erlauben. Die WeizsÃ¤cker-Kommission bestÃ¤tigte in ihrem Bericht vom Mai 2000, dass eine Freiwilligenarmee von 220.000 Zeit- und Berufssoldaten den sicherheitspolitischen Anforderungen in vollem Umfang entspreche. Der Kurzdienst ermÃ¶glicht ein sanftes Umsteuern ohne abrupte BrÃ¼che. Er muss in ein verbessertes Konzept der Nachwuchsgewinnung, Personalbetreuung und BerufsfÃ¶rderung integriert sein. Die Umstellungen hierfÃ¼r mÃ¼ssen zÃ¼gig und unabhÃ¤ngig von der Entscheidung in der Wehrformfrage eingeleitet werden.</p>
<p><strong>3. </strong><strong>Neue RekrutierungsmÃ¶glichkeiten erschlieÃŸen </strong>Ausschlaggebend fÃ¼r die Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr ist<strong></strong></p>
<ul class="unIndentedList">
<li> eine verantwortliche Sicherheitspolitik, die auf militÃ¤rische Abenteuer verzichtet, AuslandseinsÃ¤tze Ã¼berzeugend und mit Familien und sozialen Bindungen vereinbar gestaltet</li>
<li> die AttraktivitÃ¤t des Arbeits- und Ausbildungsplatzes Bundeswehr, der auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzfÃ¤hig sein muss, und die Verwertbarkeit der dort erworbenen Qualifikationen fÃ¼r einen Zivilberuf</li>
<li> das internationale und gesellschaftliche Image der Bundeswehr</li>
<li> die Praxis der Inneren FÃ¼hrung, wo Soldaten trotz ihrer spezifischen Aufgaben und AuslandseinsÃ¤tze StaatsbÃ¼rger in Uniform bleiben</li>
</ul>
<p>Eine Bundeswehr, die eindeutig und verbindlich nur fÃ¼r die Ziele, den Geist und nach den Regeln des VN-Systems zur KriegsverhÃ¼tung und GewalteindÃ¤mmung eingesetzt wird, mÃ¼sste als Arbeitsplatz fÃ¼r ein politisch breiteres Spektrum von jungen Leuten in Frage kommen. Wo eine rotgrÃ¼ne Koalition Soldaten inzwischen seit mehr als fÃ¼nf Jahren in friedensbewahrende EinsÃ¤tze schickt und durch Ablehnung des Irak-Krieges an GlaubwÃ¼rdigkeit gewonnen hat, mÃ¼sste ein zeitweiliger Dienst in der Bundeswehr auch fÃ¼r junge Leute z. B. aus dem grÃ¼nen Spektrum eine erwÃ¤genswerte Option werden kÃ¶nnen. FÃ¼r eine Armee von StaatsbÃ¼rgern in Uniform wÃ¤ren jedenfalls mehr kritische und friedenspolitisch orientierte KÃ¶pfe eine groÃŸe Bereicherung.</p>
<p>Aber lÃ¤ngst nicht nur die Bundeswehr braucht guten Nachwuchs. Die gewachsene internationale Rolle und Verantwortung der Bundesrepublik erfordert insgesamt viel mehr qualifiziertes Personal fÃ¼r internationale Organisationen, Entwicklungszusammenarbeit, Friedensfachdienste und Diplomatie. Das ist im Schul- und Ausbildungswesen noch lÃ¤ngst nicht ausreichend angekommen und auch nicht in der Ã–ffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung. AuÃŸen- und Sicherheitspolitik, die einem effektiven Multilateralismus dienen und Friedenspolitik sein soll, braucht ausgewogene zivile und militÃ¤rische FÃ¤higkeiten. FÃ¼r diese VN-FÃ¤higkeit gibt es noch sehr viel zu tun.</p>
<p><strong>4. </strong><strong>Konversion des Zivildienstes</strong></p>
<p>Die Wehrpflicht kann selbstverstÃ¤ndlich nicht Ã¼ber den â€žErsatzdienst&quot; Zivildienst begrÃ¼ndet werden, auch nicht Ã¼ber das soziale Lernen, das viele ZivildienstplÃ¤tze ermÃ¶glichen. Zugleich darf der Ausstieg aus Wehrpflicht und Zivildienst nicht ohne RÃ¼cksicht auf Verluste erfolgen.</p>
<p>Die schrumpfende und ungewisse Wehrpflicht ist fÃ¼r die TrÃ¤ger des Zivildienstes immer weniger von Nutzen und sie haben sich lÃ¤ngst auf die Suche nach Alternativen gemacht. VorschlÃ¤ge zur Konversion des Zivildienstes liegen auf dem Tisch. (vgl. Frei will ich - Freiwilligendienste ausbauen: <span style="text-decoration: underline;">http://www.gruene-fraktion.de/cms/innenrecht/dok/45/45371.freiwillich.htm (Link defekt)</span>&quot;, Bundestagsfraktion BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen; Bericht der Kommission â€žImpulse fÃ¼r die Zivilgesellschaft - Perspektiven fÃ¼r Freiwilligendienste und Zivildienst in Deutschland&quot;, Januar 2004)</p>
<p>Notwendig ist der Ausbau von Freiwilligendiensten und ehrenamtlichem Engagement einerseits, die Schaffung sozialversicherungspflichtiger ArbeitsplÃ¤tze andererseits. DafÃ¼r braucht es einen gewissen zeitlichen Vorlauf und unbedingt die Finanzmittel, die bisher in den Zivildienst gingen.</p>
<p><strong>5. </strong><strong>Verantwortung Ã¼bernehmen - Integration neu begrÃ¼nden</strong></p>
<p>UnabhÃ¤ngig von der jeweiligen Wehrform geht es kÃ¼nftig auch darum, die Verantwortung von Politik und Gesellschaft fÃ¼r die StreitkrÃ¤fte neu zu bestimmen. Mit dem Prinzip der Parlamentsarmee sind die Voraussetzungen dafÃ¼r so gut wie in kaum einem anderen Land. Denn es ist falsch und kurzsichtig, die Verantwortung fÃ¼r die gesellschaftliche und rechtsstaatliche Integration der StreitkrÃ¤fte und ihren zurÃ¼ckhaltenden Einsatz auf die Wehrpflicht und die Wehrpflichtigen abzuschieben. Und falsch ist umgekehrt die Haltung mancher Wehrpflichtgegner, die Ã¼ber die Abschaffung der Wehrpflicht das MilitÃ¤r einfach loswerden wollen. Das teuerste und riskanteste Instrument des staatlichen Gewaltmonopols bedarf auch weiterhin besonderer Obacht und Kontrolle. Politik und Gesellschaft insgesamt stehen hier in der Pflicht.</p>
<p>Die Integration der Bundeswehr in unsere Gesellschaft ist eine Daueraufgabe, die gerade angesichts der Verkleinerung und der AuslandseinsÃ¤tze nicht leichter wird. Die Bundeswehr leistet ihren Teil dabei u. a. durch die notwendige Weiterentwicklung der Inneren FÃ¼hrung und Politischen Bildung. Diese Integration ist aber nicht nur eine Aufgabe der Bundeswehr, sondern der Gesellschaft. Politik und Zivilgesellschaft mÃ¼ssen ihrerseits stÃ¤rker zur gesellschaftlichen Verankerung der StreitkrÃ¤fte beitragen und sich mit ihnen auseinandersetzen. Dazu gehÃ¶rt, sich immer wieder aufs Neue (selbst-)kritisch mit den Aufgaben der StreitkrÃ¤fte, ihren EinsÃ¤tzen, aber auch ihrer Struktur und ihren Problemen auseinanderzusetzen und in einen breiten Dialog zu treten. Dieser Dialog kann nicht als Ersatzdienst an die noch verbliebenen Grundwehrdienstleistenden delegiert werden. Hier gibt es auf verschiedenen Ebenen Nachholbedarf.</p>
<ul class="unIndentedList">
<li> Nachholbedarf gibt es in den Schulen, wo die ZeitansÃ¤tze fÃ¼r Sozialkunde/Politik reduziert wurden und Unterrichtsmaterialien wie Lehrpersonen mit dem rasanten sicherheitspolitischen Wandel meistens nicht mithalten.</li>
<li> Nachholbedarf gibt es in Wissenschaft, Gesellschaft und nicht zuletzt auch im bÃ¼ndnisgrÃ¼nen Umfeld, wo eine vergleichsweise hohe Zustimmung zu humanitÃ¤r begrÃ¼ndeten AuslandseinsÃ¤tzen einher geht mit einem Ã¼berwiegenden NichtverhÃ¤ltnis zu den realen StreitkrÃ¤fÂ­ten und einer kulturellen Distanz zu MilitÃ¤r generell.</li>
<li> Nachholbedarf gibt es bei jenen Gruppen der Friedensbewegung, die noch eine fundamental antimilitÃ¤rische Haltung pflegen und die sich im Unterschied zur Friedensbewegung der 80er Jahre aus jedem kritischen Dialog um Sicherheitspolitik und mit den StreitkrÃ¤ften ausschlieÃŸen.</li>
</ul>
<p>Hier sind neue Wege und Formen des â€žKennenlernens&quot; angesagt. Voraussetzung hierfÃ¼r ist eine gewisse Offenheit und Neugier aller Beteiligten. Hier ist nicht zuletzt auch die Politik gefragt.</p>
<p><strong>6. Auftrag der Bundeswehr klÃ¤ren und begrenzen</strong></p>
<p>Verantwortung fÃ¼r die StreitkrÃ¤fte Ã¼bernehmen heiÃŸt auch, den Auftrag der Bundeswehr klarer zu bestimmen und zu begrenzen. Nach dem 11. September und mit den VPR, als Reaktion auf die neuen globalen GefÃ¤hrdungslagen, erfuhr deutsche Sicherheits- und MilitÃ¤rpolitik eine enorme Entgrenzung. Angesichts ernÃ¼chternder Einsatzerfahrungen von Kosovo bis Afghanistan - vom Irak ganz zu schweigen - angesichts des Ausbaus schneller InterventionsfÃ¤higkeiten von NATO und EU, angesichts immer hÃ¤ufigerer Spekulationen Ã¼ber neue EinsÃ¤tze stellt sich vor allem bei Soldaten, aber auch in der Ã–ffentlichkeit vermehrt die Frage nach den â€žneuen Grenzen&quot; von AuslandseinsÃ¤tzen. Hierzu haben sich inzwischen in der rotgrÃ¼nen Sicherheitspolitik bestimmte Grundlinien herauskristallisiert. Eine verbindliche und vertrauenswÃ¼rdige VerstÃ¤ndigung Ã¼ber diese Grenzen steht aber noch aus.</p>
<p>Es bleibt der Widerspruch, dass die verfassungsrechtliche KernbegrÃ¼ndung der Bundeswehr (â€žDer Bund stellt StreitkrÃ¤fte zur Verteidigung auf.&quot; Art. 87a) und der reale Hauptauftrag der Bundeswehr auseinander fallen. Das bleibt wohl im Verfassungsrahmen, weil das Grundgesetz als weitere EinsatzmÃ¶glichkeit die â€žWahrung des Friedens&quot; in einem System gegenseitiger kollektiver Sicherheit (Art. 87a, 2 in Verbindung mit Art. 24, 2) erÃ¶ffnet und FriedensstÃ¶rung ausdrÃ¼cklich verbietet. Es bedurfte aber der hÃ¶chstrichterlichen Interpretation durch das Bundsverfassungsgericht, um dieses klarzustellen. Dieses Defizit an Klarheit wird durch den â€žerweiterten Verteidigungsbegriff&quot; der VPR (â€žVerteidigung Deutschlands am Hindukusch&quot;) keineswegs aufgehoben, im Gegenteil.</p>
<p>Hierzu steht eine breite Debatte und VerstÃ¤ndigung in Politik und Gesellschaft noch aus. Das neue â€žWeiÃŸbuch der Bundesregierung zur Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und zur Lage und Zukunft der Bundeswehr&quot; sowie die Diskussion Ã¼ber ein Bundeswehraufgaben-Gesetz kÃ¶nnten KataÂ­lysatoren in diesem dringenden KlÃ¤rungsprozess sein. Der StaatsbÃ¼rger in Uniform braucht - unabÂ­hÃ¤ngig von der Wehrform - einen klaren und immer wieder neu Ã¼berzeugenden Auftrag. Er muss beÂ­grÃ¼ndet darauf vertrauen kÃ¶nnen, dass die Bundesregierung alles fÃ¼r die nichtmilitÃ¤rische KrisenbeÂ­wÃ¤ltigung tut und StreitkrÃ¤fte nicht etwa aus SekundÃ¤rmotiven (z.B. zu Kompensationszwecken) einÂ­setzt. Alles andere wÃ¼rde den Boden fÃ¼r SÃ¶ldnermentalitÃ¤ten bereiten.</p>
<p align="center"><strong>Rest-Wehrpflicht nÃ¼chtern betrachten</strong></p>
<p><strong>1. </strong><strong>Anforderungen</strong></p>
<p>Das Grundgesetz bestimmt die MÃ¶glichkeit der Wehrpflicht fÃ¼r MÃ¤nner, schreibt sie aber nicht vor. Dieses geschieht durch das Wehrpflichtgesetz, das mit einfacher Mehrheit geÃ¤ndert werden kÃ¶nnte. Die Wahl einer Wehrform, ob Armee mit Wehrpflicht oder Freiwilligenarmee, ist eine Frage der Legitimation und Effizienz. Jede Wehrform muss vor allem folgende Anforderungen erfÃ¼llen:</p>
<ul class="unIndentedList">
<li> Die Wehrform soll die EinsatzfÃ¤higkeit der Bundeswehr im Hinblick auf ihren politisch definierten Auftrag sowie eine quantitativ und qualitativ zureichende Nachwuchsgewinnung sicherstellen. Konsens ist, dass Wehrpflichtige nur auf freiwilliger Grundlage und nur nach solider Ausbildung an internationalen EinsÃ¤tzen teilnehmen kÃ¶nnen.</li>
<li> Die rechtlich mÃ¶glichen Verpflichtungen und Grundrechtseingriffe der Wehrpflicht mÃ¼ssen legitimiert, verhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸig und gerecht sein.</li>
</ul>
<p>Politischer Konsens ist, dass die Wehrform vereinbar sein soll mit der Integration der StreitkrÃ¤fte in Rechtsstaat und Gesellschaft sowie mit einer zurÃ¼ckhaltenden MilitÃ¤rpolitik. Sie darf diese Errungenschaften bundesdeutscher Sicherheitspolitik nicht in Frage stellen. Wir wollen keine hemmungslos einsetzbare SÃ¶ldnertruppe. Insofern geht es bei der Wehrform auch um die SchlÃ¼sselfrage, wofÃ¼r wir welche StreitkrÃ¤fte haben wollen.</p>
<p><strong>2. </strong><strong>Sicherheitspolitisch unverzichtbar?</strong></p>
<p>Die Wehrpflicht ist das Rekrutierungsinstrument fÃ¼r eine Massenarmee mit groÃŸem Reservistenpotenzial fÃ¼r den â€žgroÃŸen&quot; Verteidigungsfall. Das ist Vergangenheit. Hauptauftrag der Bundeswehr ist, demSchutz der Bundesrepublik und ihrer VerbÃ¼ndeten durch Beteiligung an multilateraler KrisenbewÃ¤ltigung im Rahmen des VN-Systems zu dienen. DafÃ¼r bedarf es kleinerer, hochprofessioneller, schnell einsatzbereiter und durchhaltefÃ¤higer StreitkrÃ¤fte. Das Anforderungsprofil an die Soldaten steigt. GWDL, die nach ihren Ausbildungsphasen nur wenige Monate zur VerfÃ¼gung stehen, werden immer weniger gebraucht. Die geradezu im Sturzflug sinkenden Einberufungen von GWDL belegen, dass ein rascher Verzicht mÃ¶glich und machbar ist. Die Funktionen, die heute von FWDL auch in AuslandseinsÃ¤tzen ausgeÃ¼bt werden, bedÃ¼rfen nicht der Wehrpflicht. Eine sinnvolle und machbare Alternative wÃ¤re ein freiwilliger Kurzdienst.</p>
<p>Die Wehrpflicht erleichtert unzweifelhaft die Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr. Sie ist dafÃ¼r aber keineswegs unverzichtbar. Allein Ã¼ber die Nachwuchsgewinnung kann die Wehrpflicht nicht begrÃ¼ndet werden. Sie muss schon fÃ¼r die unmittelbare AufgabenerfÃ¼llung der Bundeswehr notwendig und unersetzbar sein. Ansonsten ist sie hinfÃ¤llig.</p>
<p>StreitkrÃ¤fte brauchen immer ein gewisses Reservistenpotenzial, um die prÃ¤senten KrÃ¤fte bei Bedarf verstÃ¤rken zu kÃ¶nnen. Die WeizsÃ¤cker-Kommission hat zu Recht festgestellt, dass auch eine Freiwilligenarmee Reservisten produziert - nur im kleineren Umfang. Ein relativ hoher Anteil an kÃ¼rzer dienenden und Zeitsoldaten kÃ¶nnte ein Reservistenpotenzial gewÃ¤hrleisten, aus dem bei sich grundlegend verschlechternder Sicherheitslage zeitgerecht die FÃ¤higkeit zur â€žgroÃŸen Landesverteidigung&quot; wieder aufgebaut werden kÃ¶nnte (Rekonstitution). Deshalb aber die Wehrpflicht zu erhalten, hieÃŸe, fÃ¼r einen Zeitraum jenseits der nÃ¤chsten zehn Jahre massenhaft Reservisten â€žauf Halde&quot; zu produzieren und die Wehrpflicht auf ewig festzuschreiben.</p>
<p><strong>3. </strong><strong>EinschrÃ¤nkung der Grundfreiheiten noch verhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸig?</strong></p>
<p>Die Wehrpflicht ist zur Sicherheit der Bundesrepublik und des BÃ¼ndnisses nicht mehr zwingend notwendig. Das mÃ¼sste sie aber sein, um den massiven Eingriff in die Grundrechte und Lebensplanung junger MÃ¤nner zu rechtfertigen, den die Wehrpflicht immer noch darstellt. Hunderttausende Wehrpflichtige und ihre AngehÃ¶rigen sind von der VerzÃ¶gerung von Studium oder Ausbildung, der GefÃ¤hrdung von ArbeitsplÃ¤tzen, der Nichtgenehmigung von Auslandsaufenthalten, geringeren VerdienstmÃ¶glichkeiten usw. betroffen. FÃ¼r Wehr- und Zivildienstleistende sind zwangsweise die Grundrechte der Berufsfreiheit, FreizÃ¼gigkeit, Meinungsfreiheit, der Versammlungsfreiheit eingeschrÃ¤nkt, fÃ¼r Soldaten faktisch auch das Recht auf Leben und kÃ¶rperliche Unversehrtheit. Auch wenn hiervon inzwischen viel weniger junge MÃ¤nner betroffen sind und es mehr Elemente von Freiwilligkeit und Wahlfreiheit gibt, so ist das kein Grund, diese Dimension des Grundrechtseingriffs so systematisch auszublenden, wie das die meisten WehrpflichtbefÃ¼rworter heute tun.</p>
<p><strong>4. </strong><strong>Wo bleibt die Gerechtigkeit?</strong></p>
<p>Hinzu kommt, dass durch die Ã–ffnung der Bundeswehr fÃ¼r den freiwilligen Dienst von Frauen auch die Aspekte von Gleichheit und Gerechtigkeit verfassungsrechtlich relevant geworden sind. Das Bundesverfassungsgericht definiert die Wehrpflicht als â€žgleich belastende Pflicht&quot;. Bei 30.000 Dienstposten und maximal 40.000 jÃ¤hrlichen Einberufungen von Grundwehrdienstleistenden ist eine Gleichbelastung fÃ¼r alle Wehrpflichtigen nicht einmal im Ansatz mehr herstellbar. Daran Ã¤ndert auch die Tatsache nichts, dass die GeburtsjahrgÃ¤nge der 18-jÃ¤hrigen MÃ¤nner nach einem Anstieg auf 454.000 bis 2006 ab 2009 auf 374.000 in 2013 absinken. Auch dann kÃ¶nnen nur etwas mehr als 10 % eines (mÃ¤nnlichen) Geburtsjahrgangs Grundwehrdienst leisten.</p>
<p>Die Wehrpflicht in ihrer heutigen Form ist in hÃ¶chstem MaÃŸe ungerecht und damit verfassungsrechtlich problematisch. Das wird durch den Widerspruch â€žFreiwilligendienst fÃ¼r Frauen - Zwangsdienst fÃ¼r MÃ¤nner&quot; verstÃ¤rkt. Ã–konomisch betrachtet ist die Wehrpflicht eine Naturalsteuer, wo der â€žSteuerpflichtige&quot; eine Abgabe in Form einer Dienstleistung erbringt. Wo diese aber nur noch von einer schrumpfenden Minderheit erbracht werden muss, wird das Gebot der Allgemeinheit einer Steuer massiv verletzt.</p>
<p>Mit dem â€ž2. ZivildienstÃ¤nderungsgesetz&quot; wurden EhemÃ¤nner, Lebenspartner und VÃ¤ter von der Wehrpflicht freigestellt und schlagartig 190.000 taugliche und verfÃ¼gbare MÃ¤nner aus der Wehrpflicht entlassen. Wo ein subjektiv beeinflussbares Kriterium wie der Trauschein Ã¼ber die Befreiung von der Wehrpflicht entscheidet und nur noch Junggesellen im Verteidigungsfall der Wehrpflicht unterliegen, ist die Allgemeine Wehrpflicht faktisch ausgesetzt. Eine solche Praxis ist nur fÃ¼r eine sehr kurze Ãœbergangsphase hinnehmbar.</p>
<p>Die Koalitionsvereinbarung von 2002 versprach â€žgrÃ¶ÃŸtmÃ¶gliche Gerechtigkeit und Gleichbehandlung zwischen Wehr- und Zivildienstleistenden&quot;. Das wurde umgesetzt durch die Angleichung der Dauer des Zivildienstes an die des Wehrdienstes. Von einer Angleichung der Anzahl der DienstplÃ¤tze kann aber noch keine Rede sein. Wenn im Haushaltsjahr 2004 78.343 Wehrpflichtige zum Wehrdienst eingezogen werden und 91.408 zum Zivildienst (2005: 66.700/109.000), dann nimmt hier die Ungleichbehandlung sogar krass zu.</p>
<p>Die reale Wehrpflicht bewegt sich angesichts der eklatanten Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeit verfassungsrechtlich auf immer dÃ¼nnerem Eis. Sie nimmt den TreueschwÃ¼ren zur Wehrpflicht jede GlaubwÃ¼rdigkeit und zerstÃ¶rt die Reste von Akzeptanz unter JÃ¼ngeren.</p>
<p><strong>5. </strong><strong>Garant einer integrierten und rechtsstaatlichen Bundeswehr?</strong></p>
<p>Die Wehrpflicht frÃ¼herer Jahrzehnte hat zu einem breiten Personalaustausch, zu kontroversem Interesse an den StreitkrÃ¤ften und ihrer Integration in die Gesellschaft beigetragen. DemgegenÃ¼ber steht die gesellschaftliche Wirkung des KDV-Verfahrens: Wo eine grundsÃ¤tzliche, weltanschauliche Absage an Krieg und MilitÃ¤r Voraussetzung der KDV-Anerkennung ist, wird eine politische AuseinandersetÂ­zung mit den StreitkrÃ¤ften erschwert und fundamentale Distanzierung gefÃ¶rdert. Ausschlaggebend fÃ¼r die erfolgreiche Integration der Bundeswehr in Rechtsstaat und Gesellschaft waren vor allem die gelebte â€žInnere FÃ¼hrung&quot; mit dem Leitbild des mÃ¼ndigen â€žStaatsbÃ¼rgers in Uniform&quot; und das Prinzip der â€žParlamentsarmee&quot;. Das prÃ¤gte die vergleichsweise unmilitaristische MentalitÃ¤t in der Bundeswehr und unterscheidet ihre MilitÃ¤rkultur von der vieler anderer VerbÃ¼ndeter.</p>
<p>Wo nur noch eine sozial nicht reprÃ¤sentative Minderheit Wehrdienst leistet, wo junge MÃ¤nner mit hÃ¶Â­heren BildungsabschlÃ¼ssen und mehr linken/grÃ¼nen Orientierungen sehr unterproportional Wehrdienst leisten, kann aber von einer breiten Aufmerksamkeits- und Integrationswirkung der Wehrpflicht lÃ¤ngst keine Rede mehr sein. Die heutige Rest-Wehrpflicht ist ungeeignet, einer wachsenden Distanzierung von Gesellschaft und Bundeswehr entgegenzuwirken.</p>
<p><strong>6. </strong><strong>Garant fÃ¼r militÃ¤rische ZurÃ¼ckhaltung?</strong></p>
<p>Die Behauptung, die Wehrpflicht fÃ¶rdere militÃ¤rische ZurÃ¼ckhaltung, ist so beliebt wie falsch. Bei allen bisherigen Einsatzentscheidungen spielte die Frage der Wehrpflichtigen nie eine Rolle, ging es ausschlieÃŸlich um Zeit- und Berufssoldaten sowie FWDL. Es ist abwegig, gerade von der untersten Schicht der MilitÃ¤rhierarchie zu erwarten, dass diese die Entsendebereitschaft der Politik â€žbÃ¤ndigt&quot;. Diese Erwartung ist vollends unglaubwÃ¼rdig aus dem Mund derjenigen, die zugleich eine Lockerung des Parlamentsvorbehalts z.B. fÃ¼r die NATO Response Force befÃ¼rworten.</p>
<p>Armeen mit einem groÃŸen Wehrpflichtigenanteil waren die deutsche Wehrmacht, die US-Armee in Vietnam, die Rote Armee in Afghanistan. Der Grundsatz militÃ¤rischer ZurÃ¼ckhaltung ist nicht aus der Struktur der StreitkrÃ¤fte oder der Staatsform abzuleiten. Dieser muss vielmehr fest in der politischen Kultur von Staat und Gesellschaft verankert sein. Statt die Verantwortung auf die Wehrdienstleistenden oder die Exekutive zu delegieren, muss die Bundeswehr eine â€žParlamentsarmee&quot; bleiben.</p>
<p><strong>7. </strong><strong>KostengÃ¼nstiger?</strong></p>
<p>Wehrpflichtige sind auf Grund des niedrigeren Wehrsoldes pro Kopf â€žbilliger&quot;, aber keineswegs kosteneffizienter. Denn die Grundwehrdienstleistenden binden viel Ausbildungspersonal und Ressourcen, sind der Bundeswehr auf Funktionsposten aber nur fÃ¼r wenige Monate â€žvon Nutzen&quot;. FÃ¼r AuslandseinsÃ¤tze stehen sie wegen nicht zureichender Ausbildung gar nicht zur VerfÃ¼gung. Das ist ein Musterbeispiel fÃ¼r den ineffizienten Einsatz von ArbeitskrÃ¤ften. Die Wehrpflicht verursacht volkswirtschaftlich hÃ¶here Kosten. (vgl. DIW-Wochenbericht 4/04)</p>
<p>Die niedrigeren Personalkosten von Wehrpflichtigen sind fÃ¼r einen Ressortminister in Zeiten knapper Kassen ein in der Ã–ffentlichkeit gerne verwendetes Argument. Die Beibehaltung der Wehrpflicht und des personal- und kostenintensiven Erfassungs- und Rekrutierungsapparates kÃ¶nnen sie aber keineswegs begrÃ¼nden. Sie stellen nur einen Teil der Kosten dar. Und nicht jeder Wehrpflichtige muss durch einen Berufssoldaten ersetzt werden. Bislang haben die BefÃ¼rworter der Wehrpflicht auch noch keine Ã¼berprÃ¼fbaren Berechnungen vorgelegt, welche Mehrkosten ihrer Auffassung nach eine Freiwilligenarmee mit sich bringen wÃ¼rde. Studien, die von BefÃ¼rwortern einer Freiwilligenarmee vorgelegt wurden, kommen zu dem Ergebnis, dass diese - z. B. bei 220.000 Soldaten incl. MaÃŸnahmen zur AttraktivitÃ¤tssteigerung und Nachwuchsgewinnung - kostengÃ¼nstiger wÃ¤re als das jetzige Modell.</p>
<p><strong>B. VerbÃ¼ndete Freiwilligenarmeen: nur teurer und dÃ¼mmer?</strong></p>
<p>Der Trend in NATO und EU geht eindeutig Richtung Freiwilligenarmee. Deshalb muss Deutschland dem keineswegs folgen. Aber es gilt, aus den Erfahrungen der anderen zu lernen, im Positiven und im Negativen. Die Bundeswehr kann selbstbewusst auf ihre friedensbewahrenden EinsÃ¤tze auf dem BalÂ­kan und in Afghanistan sehen. Sie hat sich als Armee der Inneren FÃ¼hrung bewÃ¤hrt und hohes AnseÂ­hen erworben. Allerdings ist es verkÃ¼rzt, Ã¼berheblich und ausgesprochen bÃ¼ndnisunfreundlich, sie der Wehrpflicht wegen als die intelligentere und bessere Armee hoch zu stilisieren - und die Freiwilligenarmeen pauschal als dÃ¼mmer, brutaler, Ã¤lter und teurer abzuqualifizieren. Wer Freiwilligenarmeen grundsÃ¤tzlich unter SÃ¶ldner-, gar Folterverdacht stellt, verkennt die hÃ¶chst unterschiedlichen MilitÃ¤rkulÂ­turen (parlamentarische Kontrolle, Innere FÃ¼hrung, Auftragstaktik), negiert, dass der Bundeswehr die schlimmsten Herausforderungen - ein Kriegseinsatz auf Land - bisher erspart blieb, und beleidigt die VerbÃ¼ndeten wie die freiwilligen BundeswehrangehÃ¶rigen.</p>
<p><strong>9. Akzeptanz</strong></p>
<p>Die Kluft ist unÃ¼bersehbar: Die Wehrpflicht findet relativ hohe Akzeptanz bei denjenigen, die von ihr nicht oder nicht mehr betroffen sind. DemgegenÃ¼ber stellen die Jugendoffiziere der Bundeswehr in ihrem Jahresbericht 2003 fest: â€žDie Akzeptanz der allgemeinen Wehrpflicht ist unter Jugendlichen fast gÃ¤nzlich geschwunden. ( ... ) fÃ¼r die junge Generation auch nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Bundesrepublik Deutschland fÃ¼r eine Freiwilligenarmee entscheidet.&quot; Nach der Ã„nderung der EinberuÂ­fungskriterien sei â€ždas GefÃ¼hl der Wehrgerechtigkeit so gut wie nicht mehr zu vermitteln&quot;. Das jahreÂ­lange BemÃ¼hen, die Wehrpflicht â€žneu zu begrÃ¼nden&quot; hat offenbar nichts gefruchtet. Der Anspruch, die Wehrpflicht sei Ausdruck der gemeinsamen Verantwortung aller BÃ¼rgerinnen und BÃ¼rger fÃ¼r unser Gemeinwesen, ist Ideologie, nicht Wirklichkeit. Immerhin engagieren sich nach Feststellung des â€žZweiten Freiwilligensurveys 2004&quot; 35% der 14- bis 25-JÃ¤hrigen bÃ¼rgerschaftlich! Unter den von der Bundeswehr unabhÃ¤ngigen Fachjournalisten findet die Wehrpflicht nahezu keine FÃ¼rsprecher mehr.</p>
<p><strong>10. Untaugliche Rettungsversuche</strong></p>
<p>Die VorschlÃ¤ge zur Rettung der Wehrpflicht werden wohl zahlreicher, aber keineswegs durchdachter.</p>
<ul class="unIndentedList">
<li> Einige SPD-KollegInnen empfehlen eine weitere Reduzierung der Wehrdienstdauer auf sechs, gar drei Monate. Damit wÃ¼rde zwar der â€žDurchlauf&quot; erhÃ¶ht, aber die Bundeswehr hÃ¤tte in ersÂ­ter Linie viel Ausbildungslast und keinerlei direkten Nutzen von Wehrdienstleistenden. Heraus kÃ¤me eine â€žHalde&quot; von nur ansatzweise ausgebildeten Hilfssoldaten. Der Zivildienst wÃ¼rde auf ein kaum noch nÃ¼tzliches Zwangspraktikum reduziert werden.</li>
<li> Aus der Union kommen Forderungen, Wehrpflichtige vermehrt im â€žHeimatschutz&quot; und zur TerÂ­rorabwehr einzusetzen, gar einer â€žsicherheitspolitischen Dienstpflicht&quot;. Der Einsatz von WehrÂ­pflichtigen zur Terrorabwehr wÃ¤re sinnlos und verantwortungslos. Sie wÃ¤ren nur einsetzbar als angelernte Personalreserve fÃ¼r Polizei und BGS beim Objekt- und Raumschutz - mit der Waffe und Hoheitsbefugnissen auf der StraÃŸe, konfrontiert mit hÃ¶chst unterschiedlichen HerÂ­ausforderungen. Das liefe auf eine stÃ¤ndige Ãœberforderung hinaus und hÃ¤tte erheblich Risiken zur Folge. Hinzu kommt, dass Wehrpflichtige den Rest an Dienstmotivation verlieren, wenn sie zunehmend im Wach- und Sicherungsdienst eingesetzt wÃ¼rden.</li>
<li> FÃ¼r eine allgemeine Dienstpflicht gibt es Stimmen im ganzen politischen Spektrum, am meisÂ­ten bei der Union, aber auch bei Rot-GrÃ¼n. Seit Jahren betonen die WohlfahrtsverbÃ¤nde nachÂ­drÃ¼cklich, dass diese gut gemeinte Idee nicht nur dem Verfassungs- und internationalen Recht (EuropÃ¤ische Menschenrechtskonvention, Konventionen 29 und 105 der Internationalen ArÂ­beitsorganisation zur Zwangsarbeit) widersprechen wÃ¼rde, sondern sehr problematische Folgen hÃ¤tte: Wo Hunderttausende kurzfristige EinsatzplÃ¤tze gefunden und staatlich besetzt werden mÃ¼ssten, wÃ¤re eine breite Entprofessionalisierung die zwangslÃ¤ufige Folge. FÃ¼r den Bund wÃ¼rden ein erheblicher Verwaltungsaufwand und Mehrkosten von mehreren Milliarden Euro entstehen. Der Grundimpuls, dass mÃ¶glichst viele Menschen sich sozial und ehrenamtlich enÂ­gagieren sollen, ist Konsens bei Rot-GrÃ¼n. Allerdings hat sich Ã¼berwiegend die Auffassung</li>
<li> durchgesetzt, dass dies auf freiwilliger Basis und altersoffen organisiert werden sollte.</li>
</ul>
<p align="center"><strong>Fazit: Ãœbergang zur Freiwilligenarmee zÃ¼gig fortsetzen</strong></p>
<p>Die Dynamik von StreitkrÃ¤ftereformen und gesellschaftlichem Wandel gehen in Richtung Freiwilligenarmee. Statt sich in aussichtslosen RÃ¼ckzugsgefechten zu verlieren oder die Angelegenheit dem Bundesverfassungsgericht zu Ã¼berlassen, ist die Politik in der Pflicht, die Initiative zu ergreifen. Der SPD, die unter der Ãœberschrift â€žInnovation und Gerechtigkeit&quot; angetreten ist, den Politikwandel in Deutschland gestalten, wird es nicht gelingen, die Wehrpflicht glaubhaft und Ã¼berzeugend zu begrÃ¼nden. Insofern wÃ¤ren die WehrpflichtbefÃ¼rworter in der SPD gut beraten, die Wehrpflicht im Eifer ihrer Verteidigung nicht so zu Ã¼berhÃ¶hen, dass spÃ¤tere Kurskorrekturen nur noch mit erheblichen BegleitschÃ¤den mÃ¶glich sind.</p>
<p>Im Interesse einer konsequenten und tragfÃ¤higen Bundeswehrtransformation muss die Koalition zÃ¼gig zu einer KlÃ¤rung der kÃ¼nftigen Wehrform kommen. Eine BekrÃ¤ftigung der Wehrpflicht ist auÃŸerhalb jeder RealitÃ¤t. Auf der Tagesordnung steht nicht mehr das OB sondern das WIE des Ãœbergangs zur Freiwilligenarmee und wie der bereits eingeleitete Wandel zur Freiwilligenarmee effizient, bÃ¼ndniskompatibel, friedensfÃ¶rdernd, demokratie- und sozialvertrÃ¤glich gestaltet werden kann. Die Verbesserung der Nachwuchsgewinnung und die EinfÃ¼hrung eines attraktiven, freiwilligen und flexiblen Kurzdienstes sind hierfÃ¼r wichtige nÃ¤chste Schritte.</p></div>
<p class="xar-quote">
Hin weis:&#160;
                <em>    <p>Thesenpapier als <a href="downloads/position/thesenpapier_wehrpflicht_20041108.pdf">PDF-Datei</a>.</p></em></p>


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