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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: &quot;Buntbuch statt WeiÃŸbuch&quot; - mein Kommentar zum WeiÃŸbuch-Prozess in &quot;Zur Sache Bw&quot; 1/2015 </title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Pressespiegel</span>

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            &quot;Buntbuch statt WeiÃŸbuch&quot; - mein Kommentar zum WeiÃŸbuch-Prozess in &quot;Zur Sache Bw&quot; 1/2015          </h1>
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       <div class="xar-mod-content">
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 10. Juli 2015 17:07:56 +02:00 (195171 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Ein umfassender Sicherheitsbegriff und milit&auml;risch verengte Schlussfolgerungen - das war der Grundwiderspruch der Wei&szlig;b&uuml;cher von 1994 und 2006. Immerhin: Beim gegenw&auml;rtigen Prozess &quot;Wei&szlig;buch 2016&quot; wird erstmalig und breit die nicht-milit&auml;rische Fach&ouml;ffentlichkeit einbezogen. Dazu mein Beitrag in den &quot;Evangelischen Kommentaren zu Fragen der Zeit&quot; mit dem Schwerpunktthema Fehlerkultur und Risikomanagement.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Buntbuch statt Wei&szlig;buch. </strong></p>
<p align="center"><strong>F&uuml;r die Aufnahme nicht-milit&auml;rischer Akteure in die Sicherheitspolitik</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei (Juni 2015)</p>
<p><em>(Erschienen in &bdquo;Zur Sache Bw &ndash; Evangelische Kommentare zu Fragen der Zeit&ldquo;, 1/2015, hrg. im Auftrag des Evangelischen Milit&auml;rbischofs, <a href="http://www.eka.militaerseelsorge.bundeswehr.de/portal/a/eka/!ut/p/c4/04_SB8K8xLLM9MSSzPy8xBz9CP3I5EyrpHK93Myc4tTUnOL41OxEveLUorLM5FS9gtKknMzsxBK9qtKi4sTkjFT9gmxHRQAj4McR/">http://www.eka.militaerseelsorge.bundeswehr.de/portal/a/eka/!ut/p/c4/04_SB8K8xLLM9MSSzPy8xBz9CP3I5EyrpHK93Myc4tTUnOL41OxEveLUorLM5FS9gtKknMzsxBK9qtKi4sTkjFT9gmxHRQAj4McR/</a></em> )</p>
<p>Bisher entstanden Wei&szlig;b&uuml;cher zur deutschen Sicherheitspolitik und Verteidigungspolitische Richtlinien des Verteidigungsministeriums immer unter Ausschluss von &Ouml;ffentlichkeit und Parlament. Notorisch wurde damit eine breitere sicherheits- und friedenspolitische Debatte und Konsensbildung von oben behindert. Das soll beim geplanten Wei&szlig;buch 2016 erstmalig anders werden. Auch das Ausw&auml;rtige Amt hatte mit seinem &nbsp;Review-2014-Prozess erstmalig die interessierte &Ouml;ffentlichkeit einbezogen. Diese &Ouml;ffnung bietet gro&szlig;e Chancen.</p>
<p>Ein umfassender Sicherheitsbegriff und milit&auml;risch verengte Schlussfolgerungen - das war der Grundwiderspruch der Wei&szlig;b&uuml;cher von 1994 und 2006, die federf&uuml;hrend vom Verteidigungsministerium (BMVg) erarbeitet wurden. Erst wurden die verschiedenen Dimensionen von Sicherheit und die vielf&auml;ltigen Ursachen von Sicherheitsbedrohungen entfaltet, dann das breite Spektrum an politischen, wirtschaftlichen, sozialen, polizeilichen und milit&auml;rischen Instrumenten von Sicherheitspolitik und ihre Vernetzung beschworen, um schlie&szlig;lich nur milit&auml;rische Konsequenzen daraus zu ziehen. Damit wurde die milit&auml;rlastige Wahrnehmung von Sicherheitspolitik bef&ouml;rdert und der Fehlinterpretation Vorschub geleistet, als solle jedwede Sicherheitsbedrohung milit&auml;risch beantwortet werden.</p>
<p>Auch das k&uuml;nftige Wei&szlig;buch soll unter Federf&uuml;hrung des BMVg in Abstimmung mit den anderen Ressorts erarbeitet und vom Bundeskabinett beschlossen werden.</p>
<p>Wo aber grunds&auml;tzlich Konsens besteht &uuml;ber ein umfassendes Verst&auml;ndnis von Sicherheitspolitik, wo staatliche und menschliche Sicherheit aufeinander angewiesen sind, wo der Primat bei der politischen Konfliktl&ouml;sung liegt und Milit&auml;r diese in bestimmten F&auml;llen &bdquo;nur&ldquo; absichern und unterst&uuml;tzen kann &ndash; m&uuml;sste da das zentrale Grundlagendokument zur deutschen Sicherheitspolitik nicht ressort&uuml;bergreifend unter Federf&uuml;hrung des Ausw&auml;rtigen Amtes erstellt werden? Oder w&auml;re nicht als &bdquo;Dach&ldquo; eine Friedens- und Sicherheitsstrategie angesagt, die den verbindlichen Friedensauftrag des Grundgesetzes und der Charta der Vereinten Nationen konkretisiert?</p>
<p>Seit den 90er Jahren war die Grunderfahrung aller Krisenengagements und Friedenseins&auml;tze im UN-Auftrag: Keine Nation, kein Akteur schafft es allein, die Notwendigkeit der anderen! Die Konsequenz daraus waren der Aufbau neuer ziviler Instrumente der Krisenpr&auml;vention und Konfliktbearbeitung, multidimensionale Eins&auml;tze und integrierte UN-Missionen sowie das Koh&auml;renz- und Vernetzungsgebot. Das fand schon 2004 im Aktionsplan &bdquo;Zivile Krisenpr&auml;vention, Konfliktl&ouml;sung und Friedenskonsolidierung&ldquo; der Bundesregierung seinen Niederschlag.</p>
<p>So sehr der vernetzte Ansatz&nbsp; in der sicherheitspolitischen Community seitdem Konsens ist &ndash; und als &bdquo;vernetzte Sicherheit&ldquo; zeitweilig zu reinem regelrechten Mantra wurde -, so sehr beklagen Einsatzpraktiker bis heute die Kluft zwischen Vernetzungs-Rhetorik und &ndash;Praxis und die Dominanz von Ressortdenken.</p>
<p>Konsens besteht bei Eins&auml;tzen mit UN-Mandat auf der Hochebene der allgemeinen hehren Ziele. Darunter beginnt oft die Zerkl&uuml;ftung der Ziele, der Organisationsinteressen und &ndash;kulturen, der sehr verschiedenen Kapazit&auml;ten und Wirkungsm&ouml;glichkeiten &nbsp;&ndash; zwischen Verb&uuml;ndeten, Ressorts, staatlichen und nichtstaatlichen, externen und internen&nbsp; Akteuren.</p>
<p>Zwischen den verschiedenen Instrumenten der Krisenbew&auml;ltigung besteht ein Gef&auml;lle der Verf&uuml;gbarkeiten, das immer wieder zu einer Falle wird: Schnell verf&uuml;gbar sind das Technische Hilfswerk und Streitkr&auml;fte mit ihrem besonders breiten F&auml;higkeitsspektrum. Nicht schnell verf&uuml;gbar sind z.B. Polizisten, Experten f&uuml;r Sicherheitssektorreform, Rechtsstaatsf&ouml;rderung, Verwaltungsaufbau. Sie werden aber bei der Krisenpr&auml;vention wie bei der Konfliktnachsorge und Aufbauunterst&uuml;tzung besonders dringend gebraucht. Viele Hilfs- und Nichtregierungsorganisationen hegen dar&uuml;ber hinaus den Verdacht, dass sie im Rahmen der vernetzten Sicherheit von Seiten des Milit&auml;rs vereinnahmt werden und ihre Unabh&auml;ngigkeit verlieren k&ouml;nnten.</p>
<p>Mit dem von Russland befeuerten Krieg in der Ukraine wurde in der NATO eine R&uuml;ckbesinnung auf B&uuml;ndnisverteidigung und Abschreckung in Europa angesto&szlig;en. Damit hat sich der sicherheitspolitische Gro&szlig;auftrag Umgang mit Fragilit&auml;t, Krisenbew&auml;ltigung, Stabilisierung und Friedenssicherung keineswegs erledigt &ndash; im Gegenteil, wie der Blick auf die Kriegsbr&auml;nde in der europ&auml;ischen Nachbarschaft und die Tagesordnung des UN-Sicherheitsrates zeigt.</p>
<p>Die Bilanz bisheriger Kriseneins&auml;tze ist &uuml;berwiegend ern&uuml;chternd und teilweise verheerend. Die sicherheitspolitischen Herausforderungen wuchern&nbsp; und &uuml;berfordern Staaten und internationale Organisationen.</p>
<p>Da ist kooperative Sicherheit nicht nur zwischen Staaten, sondern auch von zivilen und milit&auml;rischen Akteuren mehr denn je das Gebot der Stunde! Wirksame Gewalt- und Konfliktverh&uuml;tung, Stabilisierung und Friedensf&ouml;rderung sind angewiesen auf gemeinsames Erfahrungslernen, kooperative Strategieentwicklung,&nbsp; ausgewogene Kapazit&auml;ten, koh&auml;rentes Handeln und &Uuml;ben daf&uuml;r.</p>
<p>Das Wei&szlig;buch 2016 soll&nbsp; d a s&nbsp; Grundlagendokument der Bundesregierung zur deutschen Sicherheitspolitik werden. Um strategische Weitsicht, Realit&auml;tsn&auml;he und Orientierungskraft zu liefern, ist es zwingend auf die Einbeziehung derjenigen nicht-milit&auml;rischen Akteure angewiesen, die f&uuml;r die F&ouml;rderung von staatlicher und menschlicher Sicherheit arbeiten. Ihre Kompetenz und ihre Erfahrungen sind nicht nur hilfreich, sie sind unverzichtbar &ndash; im Einsatz wie bei der bunteren Wei&szlig;buchentwicklung. Notwendige Vorrausetzung dabei ist, dass Politik, milit&auml;rische und zivile Akteure im Rahmen der UN-Normen agieren, dass ihre operativen Ziele zusammen passen und Respekt ihren Umgang pr&auml;gt.</p>
<p>Erheblich erleichtert w&uuml;rde ein Zusammenwirken mit nicht-milit&auml;rischen Akteuren, wenn neben die notwendigen Risiko- und Bedrohungsanalysen auch systematische Chancenanalysen treten w&uuml;rden: die Identifizierung&nbsp; von konstruktiven Prozessen, Akteuren, Zusammenh&auml;ngen. Statt nur hinter Risiken &bdquo;herzulaufen&ldquo; k&ouml;nnten so gesellschaftliche und politische &bdquo;Selbstheilungskr&auml;fte&ldquo; gef&ouml;rdert und Pr&auml;ventionschancen besser genutzt werden.</p></div>


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