    <rss version="2.0" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/" xmlns:admin="http://webns.net/mvcb/" xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/">
     <channel>
        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Kurzkommentar zum WeiÃŸbuch 2016 (sicherheitspolitischer Teil I) </title>
        <link>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;ptid=1&amp;catid=11&amp;aid=1415</link>
        <description></description>
        <dc:language>en-us</dc:language> 
        <dc:creator>Webmaster</dc:creator> 
        <admin:generatorAgent rdf:resource="http://www.xaraya.org" /> 
        <admin:errorReportsTo rdf:resource="mailto:webmaster@nachtwei.de" />
       <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
       <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
       <docs>http://backend.userland.com/rss</docs>
<div class="xar-mod-page">
   <div class="xar-mod-head">
    <!-- License: GPL http://www.gnu.org/copyleft/gpl.html -->
<ul class="xar-tabs">
            <li class="xar-tab">
                <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=viewmap&amp;ptid=1">View Article Map</a>
           </li>
</ul>
</div>
   <div class="xar-mod-body">
<div class="cattrails xar-displayinline-block xar-padding-thickbottom">
    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr</span>

    <table class="xar-width-auto">
    <tr>
        <td valign="top" class="xar-padding-none">Browse in:&#160;</td>
       <td valign="top" class="xar-padding-none">
                                            <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1">Alle(s)</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=70">Meine Themen</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=11">Sicherheitspolitik und Bundeswehr</a>
<br />
</td>
   </tr>
   </table>




</div>

        <h1>
            Kurzkommentar zum WeiÃŸbuch 2016 (sicherheitspolitischer Teil I)          </h1>
        <div class="xar-floatright"></div>
       <div class="xar-mod-content">
           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 13. Juli 2016 20:38:25 +02:00 (170615 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Hier erste Anmerkungen zum sicherheitspolitischen Teil I des neuen Wei&szlig;buches. &nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Kurzkommentar zum Wei&szlig;buch 2016 zur Sicherheitspolitik</strong></p>
<p align="center"><strong>und zur Zukunft der Bundeswehr</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei MdB a.D. (13./18. Juli 2016)</p>
<p><em>&nbsp;</em></p>
<p><em>Da ich am 14. Juli nach St. Petersburg zum Petersburger Dialog startete, hier ein Schnell-Kommentar zum sicherheitspolitischen Teil I des Wei&szlig;buches. Beitr&auml;ge zum Start des Wei&szlig;buch-Prozesses im Februar 2015 unter </em><a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1342"><em>www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1342</em></a><em> ; Kommentar &bdquo;Buntbuch statt Wei&szlig;buch&ldquo; unter </em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1361"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1361</em></a></p>
<p>(1)&nbsp; <strong>&Ouml;ffnung</strong>: Erstmalig entstand ein sicherheitspolitisches Grundlagendokument der Bundesregierung unter Mitberatung und Konsultation einer gro&szlig;en Zahl von sicherheits- und au&szlig;enpolitischen Fachleuten. Das war ein wichtiger Fortschritt. Als Teilnehmer vieler Workshops erlebte ich diesen Prozess als anregend und Beitrag zu einer vertieften sicherheitspolitischen Debattenkultur. Eine &Ouml;ffnung zu gegen&uuml;ber milit&auml;rischer Sicherheitspolitik fundamental ablehnenden Kreisen wurde meines Wissens nicht versucht.</p>
<p>(2) <strong>Fehlende Gesamtstrategie</strong>: Ein vielfach kritisierter Grundmangel war der Ansatz eines Ressortdokuments, wo &ndash; wie bei fr&uuml;heren Wei&szlig;b&uuml;chern - die umfassende sicherheitspolitische Analyse nur in milit&auml;risch verengte Schlussfolgerungen f&uuml;r die Bundeswehr m&uuml;ndet. Damit kann einer Fehlwahrnehmung Vorschub geleistet werden, als solle jedwede Sicherheitsbedrohung milit&auml;risch beantwortet werden. Gef&ouml;rdert wird eine solche Fehlinterpretation durch die verbreitete Milit&auml;rlastigkeit von &ouml;ffentlicher Wahrnehmung und Debatte, wo politische und zivile Krisenbew&auml;ltigung kaum Beachtung findet.</p>
<p>Wo aber grunds&auml;tzlich Konsens besteht &uuml;ber ein umfassendes Verst&auml;ndnis von Sicherheitspolitik, wo staatliche und menschliche Sicherheit aufeinander angewiesen sind, wo der Primat bei der politischen Konfliktl&ouml;sung liegt und Milit&auml;r diese in bestimmten F&auml;llen &bdquo;nur&ldquo; absichern und unterst&uuml;tzen kann, m&uuml;sste das zentrale Grundlagendokument zur deutschen Sicherheitspolitik eigentlich ein ressortgemeinsames &nbsp;unter Federf&uuml;hrung des Ausw&auml;rtigen Amtes oder des Kanzleramtes sein.</p>
<p>Offenbar besteht aber in der Bundesregierung, insbesondere beim Kanzleramt, ein beharrlicher Unwille gegen&uuml;ber einer solchen sicherheitspolitischen Gesamtstrategie. Es w&auml;re unverantwortlich, deshalb auf die Erarbeitung von Ressortdokumenten zu verzichten.</p>
<p>Allerdings: Indem das Wei&szlig;buch zum &bdquo;obersten sicherheitspolitischen Grundlagendokument Deutschlands&ldquo; mit einer strategischen Standort- und Kursbestimmung erkl&auml;rt wird, ist das Wei&szlig;buch deutlich mehr als ein Ressortdokument. Das zeigt sich auch darin, dass das Ausw&auml;rtig Amt wesentlich beim sicherheitspolitischen Teil I mitgeschrieben hat.</p>
<p><strong>(3) Deutschlands Rolle in der Welt und sicherheitspolitisches Selbstverst&auml;ndnis</strong></p>
<p>&bdquo;Deutschland ist bereit, sich fr&uuml;h, entschieden und substanziell als Impulsgeber in die internationale Debatte einzubringen, Verantwortung zu leben und F&uuml;hrung zu &uuml;bernehmen.&ldquo;</p>
<p>Wo die Welt vielf&auml;ltig unsicherer ist, das relative Gewicht Deutschlands &ndash; und insbesondere die internationalen Erwartungen an die Bundesrepublik &ndash; und die Handlungsm&ouml;glichkeiten gewachsen sind, da ist die &Uuml;bernahme von mehr Verantwortung in der internationalen Politik richtig und legitim. Die &Uuml;berwindung einer oftmals nur reaktiven Haltung und eines Versteckens im Multilateralismus ist meines Erachtens schon l&auml;nger &uuml;berf&auml;llig.</p>
<p>Das Mehr an Verantwortung gilt f&uuml;r die Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik insgesamt, die an den Friedensauftrag des Grundgesetzes und das V&ouml;lkerrecht gebunden ist. Falsch w&auml;re es &ndash; und aus dem Wei&szlig;buchtext ist es auch nicht ableitbar -, dies mit einem Mehr an Milit&auml;reins&auml;tzen, gar einem &bdquo;Primat des Milit&auml;rischen&ldquo; gleichzusetzen. Das Wei&szlig;buch betont mehrfach, dass die Bundeswehr Beitr&auml;ge zur deutschen Sicherheitspolitik leiste &ndash; nicht mehr und nicht weniger. Gerade Bundeswehroffiziere dr&auml;ngen vor dem Hintergrund ihrer Einsatzerfahrungen seit Jahre darauf, dass der Primat der Politik strategischer und weniger oberfl&auml;chlich und halbherzig wahrgenommen wird.</p>
<p><strong>(4) Deutschlands Werte und sicherheitspolitische Interessen</strong></p>
<p>Die Wertebindung deutscher Sicherheitspolitik (Grundgesetz, Friedensauftrag, Menschenw&uuml;rde, Rechtsstaatlichkeit; V&ouml;lkerrecht, Schutz universaler Menschenrechte) wird kurz benannt. Widerspr&uuml;che und Dilemmata, die bei einer so ausdr&uuml;cklich wertegebundenen Politik immer wieder auftreten,&nbsp; werden nicht angesprochen, so dass der Wertebezug schnell als Sonntagsrede wahrgenommen und nicht ernst genommen werden kann.</p>
<p>Die ersten aufgef&uuml;hrten sicherheitspolitischen Interessen Deutschlands (Schutz der eigenen B&uuml;rgerInnen und der nationalen Souver&auml;nit&auml;t und der Verb&uuml;ndeten, Aufrechterhaltung der regelbasierten internationalen Ordnung auf Grundlage des V&ouml;lkerrechts), sind legitim&nbsp; und geh&ouml;ren zu den staatlichen Grundpflichten. Sie sind komprimiert zusammengefasst im Amtseid der Mitglieder Bundesregierung.<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> Humanit&auml;re und Nichtregierungsorganisationen sind demgegen&uuml;ber nicht dem priorit&auml;ren Schutz der eigenen B&uuml;rger, sondern dem Wohl (aller) bed&uuml;rftigen Menschen verpflichtet.</p>
<p>Als weitere sicherheitspolitische Interessen werden genannt</p>
<p>- der Wohlstand der eigenen B&uuml;rgerinnen &bdquo;durch Prosperit&auml;t unserer Wirtschaft und freien sowie ungehinderten Welthandel&ldquo;</p>
<p>- &bdquo;F&ouml;rderung des verantwortungsvollen Umgangs mit begrenzten Ressourcen und knappen G&uuml;tern in der Welt&ldquo;</p>
<p>- &bdquo;Vertiefung der europ&auml;ischen Integration und Festigung der transatlantischen Partnerschaft.&ldquo;</p>
<p>Die Verh&uuml;tung von V&ouml;lkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, ethnischen S&auml;uberungen und Kriegsverbrechen (die Tatbest&auml;nde der Responsibility to Protect, auf die die UN-Generalversammlung 2005 die Staaten verpflichtete) wird nicht als explizites nationales Sicherheitsinteresse Deutschlands genannt. In Anbetracht der beanspruchten &bdquo;Lehren aus der Geschichte&ldquo; klafft hier eine L&uuml;cke der Verantwortung.</p>
<p><strong>(5) Das sicherheitspolitische Umfeld</strong></p>
<p>Es ist noch &bdquo;komplexer, volatiler sowie dynamischer und damit immer schwieriger vorhersehbar geworden.&ldquo; Das hei&szlig;t im Klartext: staatliche und B&uuml;rgersicherheit zu gew&auml;hrleisten, Ursachen von Risiken und Bedrohungen zu bek&auml;mpfen, wird immer schwieriger. Angesichts des &uuml;blichen &bdquo;Wir-schaffen-das&ldquo;-Grundtenors von Regierungsdokumenten wird nicht einmal angedeutet, was seit geraumer Zeit mein Eindruck ist: Die sicherheitspolitischen Akteure und Verantwortlichen sind mit der Dichte, Dynamik und Komplexit&auml;t der Krisenverwicklungen zunehmend &uuml;berfordert.</p>
<p>Die Analyse der internationalen Ordnung im Umbruch und der Herausforderungen f&uuml;r die deutsche Sicherheitspolitik ist differenziert, realistisch &ndash; und ausgesprochen beunruhigend.</p>
<p>Diese Analyse verdient breite Wahrnehmung und Debatte. Allzu oft werden die genannten Herausforderungen noch verdr&auml;ngt.</p>
<p>Russland, das die &bdquo;europ&auml;ische Friedensordnung offen in Frage&ldquo; stelle und die strategische Rivalit&auml;t betone, sei eine &bdquo;Herausforderung f&uuml;r die Sicherheit auf dem Kontinent&ldquo;. Zugleich gebe es aber ein &bdquo;breites Spektrum gemeinsamer Interessen und Beziehungen&ldquo;. Nachhaltige Sicherheit in und f&uuml;r Europa gebe es &bdquo;nicht ohne belastbare Kooperation mit Russland&ldquo;.</p>
<p><strong>Ein blinder Fleck</strong> der Analyse sind die Gro&szlig;fehler, Krisentreiber, kontraproduktiven Wirkungen aus den &bdquo;eigenen Reihen&ldquo;. Wie auch bei den &bdquo;Fortschrittsberichten Afghanistan&ldquo; fehlt notorisch eine selbstreflexive, selbstkritische Dimension. Fehler machen nur &bdquo;die anderen&ldquo;.</p>
<p>Zur &bdquo;effektiven Bek&auml;mpfung des transnationalen Terrorismus&ldquo; werden ziemlich dieselben Empfehlungen gegeben, wie sie z.B. der Bundestag im November 2001 flankierend zum Enduring-Freedom-Mandat beschlossen hatte. Der &bdquo;Sch&ouml;nheitsfehler&ldquo;: Der &bdquo;war on terror&ldquo; , von dem sich die rot-gr&uuml;ne Koalition damals &bdquo;positiv&ldquo; distanziert hatte, wurde strategisch wie menschlich ein Desaster. Der transnationale Terrorismus heute ist so zahlreich, stark und gef&auml;hrlich wie nie zuvor! Nicht von ungef&auml;hr bezeichnete der UN-Sicherheitsrat IS am 20. November 2015 als eine &bdquo;weltweite und beispiellose Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit&ldquo;.</p>
<p><strong>(6) Deutschlands strategische Priorit&auml;ten</strong></p>
<p>Neu und sinnvoll ist die erste Priorit&auml;t Gew&auml;hrleistung gesamtstaatlicher Sicherheitsvorsorge, St&auml;rkung von Resilienz und Robustheit ggb. Gef&auml;hrdungen. Wo Gef&auml;hrdungsursachen oft nur l&auml;ngerfristig oder gar nicht (weil in der Vergangenheit liegend) bek&auml;mpft werden k&ouml;nnen und Verwundbarkeiten von stark vernetzten Gesellschaften zunehmen, ist die Reduzierung von Verwundbarkeiten von erheblicher Bedeutung.</p>
<p>Einen im Vergleich zu 2006 deutlich h&ouml;heren Stellenwert hat die ungehinderte Nutzung von Informations-, Kommunikations-, Versorgungs-, Transport- und Handelslinien sowie die Sicherheit der Rohstoff- und Energieversorgung. Die Sicherheits-, ja z.T. Systemrelevanz der internationalen Austauschwege ist unbestreitbar. Ihre ungehinderte Nutzung ist aber prim&auml;r eine Frage internationaler kollektiver Ordnungs- und Sicherheitspolitik &ndash; und darf kein Einfallstor f&uuml;r &bdquo;Kanonenbootpolitik&ldquo; f&uuml;r Partikularinteressen nach dem &bdquo;Recht des St&auml;rkeren&ldquo; sein. Eine solche Interpretation liegt nahe, wenn in Teilen der sicherheitspolitischen Community unterschiedslos von &bdquo;Verteidigung deutscher Interessen mit milit&auml;rischen Mitteln&ldquo; die Rede ist.</p>
<p>Als vierte Priorit&auml;t betont wird das fr&uuml;hzeitige Erkennen, Vorbeugen und Eind&auml;mmen von Krisen und Konflikten. Pr&auml;vention habe grunds&auml;tzlich Vorrang. Nachhaltig Pr&auml;vention und Stabilisierung gelinge nur auf der Grundlage lokaler Eigenverantwortung. Der krisenpr&auml;ventive Ansatz hat ggb. 2006 deutlich an Gewicht gewonnen. Bei der Ert&uuml;chtigungsinitiative sollten die insgesamt ern&uuml;chternden Erfahrungen von Sicherheitssektorreformen &nbsp;mitbedacht werden. Wer hier nachhaltig wirken will, braucht einen ganzheitlichen Ansatz und langen Atem.</p>
<p>Priorit&auml;t 2 und 5 sind NATO/EU und Engagement f&uuml;r die regelbasierte internationale Ordnung.</p>
<p><strong>Ein schwerer Mangel</strong> ist, dass die St&auml;rkung der Vereinten Nationen f&uuml;r die Bundesregierung keine strategische Priorit&auml;t besitzt &ndash; und erst bei den sicherheitspolitischen Handlungsfeldern Deutschlands auftaucht Das ist aus mehreren Gr&uuml;nden kurzsichtig und friedens- und sicherheitspolitisch unverantwortlich:</p>
<p>- Wenn &bdquo;unser sicherheitspolitisches Selbstverst&auml;ndnis durch die Lehren aus unserer Geschichte gepr&auml;gt ist&ldquo; (1. Zeile 1. Kapitel des Wei&szlig;buches), dann m&uuml;sste bewusst sein, dass die Vereinten Nationen die erste und globale Konsequenz aus dem von Deutschland verbrochenen Weltkrieg und V&ouml;lkermorden war und bleibt.</p>
<p>&nbsp;- Wo die globalen Sicherheitsherausforderungen enorm zunehmen und zugleich konfrontative Multipolarit&auml;t um sich greift, wo die Welt zunehmend aus den Fugen ger&auml;t, da kommt es umso mehr auf die UN an, ihre Normen, ihre Erfahrungen, ihre Organisationen und Missionen. Wo sich vor allem die westlichen Staaten aus den UN-Missionen zur&uuml;ckgezogen haben &ndash; und damit ein Zweiklassen-Peacekeeping bef&ouml;rderten, ist eine verst&auml;rkte Unterst&uuml;tzung der UN-Friedenssicherung mehr als &uuml;berf&auml;llig.</p>
<p>Versch&auml;rfend kommt hier die ausdr&uuml;ckliche &Ouml;ffnung zu Auslandseins&auml;tzen im Rahmen von &bdquo;Ad-hoc-Kooperationen&ldquo; au&szlig;erhalb von Systemen kollektiver Sicherheit hinzu. (Kap. 8) Das k&ouml;nnte der klaren Norm der UN-Charta zuwiderlaufen, wonach Einsatz milit&auml;rischer Gewalt au&szlig;erhalb der Landes- und B&uuml;ndnisverteidigung nur mit Mandat des UN-Sicherheitsrats zul&auml;ssig ist. &bdquo;Coalitions of the Willing&ldquo; ohne UN-Auftrag w&uuml;rden die UN und damit globale kollektive Sicherheit elementar schw&auml;chen.</p>
<p><strong>(7) Sicherheitspolitische Gestaltungsfelder</strong></p>
<p>- F&uuml;r die nationale Ebene bringt das Wei&szlig;buch etliche weiterf&uuml;hrende Innovationen zur &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;F&ouml;rderung der Strategief&auml;higkeit (Bundessicherheitsrat als strategischer Impulsgeber; umstrittene R&uuml;stungsexport-Entscheidungen des BSR sind da kein Gegenargument), der &nbsp;nachhaltigen Gestaltung von Sicherheit (erstmalig wird hier die Personalausstattung aller entsprechender Ressorts angesprochen), der Weiterentwicklung des vernetzten Ansatzes (etliche wichtige Einzelfortschritte, z.B. &Uuml;bungen; die bisher gro&szlig;e Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit bleibt aber unerw&auml;hnt), der Sicherheitsvorsorge und der Verantwortung f&uuml;r Stabilit&auml;t und Sicherheit des internationalem Umfeldes (einschlie&szlig;lich Menschliche Sicherheit).</p>
<p><em>((Ab hier nur noch punktuelle Kommentierung))</em></p>
<p>- Bei den internationalen Gestaltungsfeldern wird als erstes die UN thematisiert. (S. 62, eine Seite), deren Durchsetzungsf&auml;higkeit man durch mehr personelle und materielle Beitr&auml;ge st&auml;rken will. Weit in den Schatten gestellt wird das UN-Kapitel durch die Kapitel zu NATO und EU. (S. 64-78) Weitere Gestaltungsfelder Bi- und multilaterale Partnerschaften und Ad-hoc-Kooperationen (s.o.); R&uuml;stungskontrolle, Abr&uuml;stung, Nichtverbreitung.</p>
<p>&nbsp;- <strong>Nicht angesprochen</strong> wird das zentrale sicherheitspolitische Gestaltungsfeld der letzten &gt; 20 Jahre &ndash; die deutsche Beteiligung an internationalen Kriseneins&auml;tzen. W&auml;hrend in Bosnien ein gewaltarmer Einsatz milit&auml;risch erfolgreich zu Ende ging, geriet der ISAF-Stabilisierungseinsatz zu Aufstandsbek&auml;mpfung, waren Bundeswehrsoldaten erstmalig in der Geschichte der Bundesrepublik mit einem opferreichen Terror- und Guerillakrieg konfrontiert. Die Jahre insbesondere seit 2006 waren voller Erfahrungen und schmerzhafter Lehren, Best&auml;tigungen wie auch herben Ern&uuml;chterungen. Sicher ist in das Wei&szlig;buch einiges von diesen Erfahrungen eingeflossen. Dass die Erfahrungen der letzten zehn Jahre milit&auml;risch-zivil-polizeilicher Kriseneins&auml;tze aber nicht explizit zur Sprache kommen (das Wei&szlig;buch 2006 brachte zumindest noch drei Seiten zu den Auslandseins&auml;tzen), ist eine strategische L&uuml;cke und ein Fall von Lernverweigerung. Wie will man verantwortlich mehr Verantwortung schultern, wenn man sich nicht klar mit den Leistungen, Schw&auml;chen und Fehlern der Sicherheitspolitik der letzten zehn Jahre auseinandersetzt? Wie kommt das bei den Tausenden Frauen und M&auml;nner an, die von Bundesregierung und Bundestag in belastende und z.T. hoch riskante Eins&auml;tze entsandt wurden?</p>
<p>Die Tatsache, dass beim Review-2014-Prozess des Ausw&auml;rtigen Amtes die Auslandseins&auml;tze, f&uuml;r die das AA immerhin die Federf&uuml;hrung hat, ausgeklammert wurden, ist kein Grund, dass auf Seiten des BMVg &auml;hnlich zu machen.</p>
<p>(8) <strong>Chance zu weiterer Debatte</strong>: Jahrelang beklagten au&szlig;en-, friedens- und sicherheitspolitische Kreise das Fehlen einer breiteren Debatte zur internationalen Politik und Verantwortung Deutschlands.</p>
<p>Das Wei&szlig;buch bietet die seltene Gelegenheit zu einer gr&uuml;ndlicheren Debatte. Es birgt reichlich Denk- und Streitstoff. Eine weiterf&uuml;hrende und produktive Debatte wird es aber nur geben bei genauerem Hinsehen und Hinh&ouml;ren. Wer Frieden und gemeinsame Sicherheit f&ouml;rdern will, braucht zuerst Dialogf&auml;higkeit.</p>
<p>F&uuml;r den Beratungsprozess zu den Leitlinien &bdquo;Krisenengagement und Friedensf&ouml;rderung der</p>
<p>Bundesregierung&ldquo; kann die Debatte um das Wei&szlig;buch R&uuml;ckenwind und weitere Ideen bringen.</p>
<div><br clear="all" /><hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Art. 56 GG: &bdquo;Ich schw&ouml;re, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erf&uuml;llen und Gerechtigkeit gegen jedermann &uuml;ben werde.&ldquo;</p>
</div>
</div></div>


           <br />
                        </div>
   </div>
</div></channel>
</rss>
