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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Niederlande in AFG 2006-2008, BerichtsauszÃ¼ge</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Internationale Politik und Regionen + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

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        <h1>
            Niederlande in AFG 2006-2008, BerichtsauszÃ¼ge         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 5. August 2010 21:59:22 +01:00 (206861 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Niederlande in AFG 2006-2008, BerichtsauszÃ¼ge (zusammengestellt von Winfried Nachtwei):</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>NIEDERLANDE in AFGHANISTAN</strong></p>
<p align="center">von Winfried Nachtwei, MdB</p>
<p><strong>(1)Â  RÃ¼ckblick:</strong> <strong>Kampfhandlungen + ZwischenfÃ¤lle im SÃ¼den in 2006 </strong>(Auszug aus meinem AFG-Bericht vom November 2006; lt. ISAF und CENTAF, Auswahl)</p>
<p>Von Landeskundigen hÃ¶re ich, dass es in den letzten fÃ¼nf Jahren in weiten Teilen des Landes nur OEF-EinsÃ¤tze, aber fast nichts an Aufbau + Entwicklung gegeben habe. ISAF kommt jetzt z.T. in Regionen, in die vorher auch OEF und ANA nie vorgedrungen waren.<br /> Die <strong>Niederlande</strong> haben 10% ihres ganzen Heeres in AFG. Vor der Ãœbernahme der ISAF-FÃ¼hrung durch die NATO im August 2003 stellte das Deutsch-NiederlÃ¤ndische Korps aus MÃ¼nster das ISAF-Kommando. Im Februar 2006 wurde in den NL Ã¼ber eine Peace-Support-Mission gestritten. Die heutige Dimension war damals nicht klar. Zur Auflage wurde damals die klare Trennung von OEF gemacht. Das erste NL-Kontingent (Deployment Task Force)Â  startete im MÃ¤rz und hatte die Logistik, v.a. das Kamp Holland in Tarin Kowt/Uruzgan aufzubauen. Eine besondere Herausforderung war, Konvois mit bis zu 50 Fahrzeugen, darunter etliche Trucks, Ã¼ber 185 km von Kandahar durch Unruhegebiet nach Tarin Kowt durchzubringen. Das gelang mit eigener F 16 bzw. Apache-Absicherung ohne Verluste. Der NL-Einsatz war flankiert von einer groÃŸen politischen Initiative: Anfang Mai lud der NL-AuÃŸenminister zu einer Konferenz in Kabul ein, wo zusammen mit Gouverneuren, StammesÃ¤ltesten Ã¼ber Sicherheit, Entwicklung und Gesundheit gesprochen wurde. Vor Ort wurde die Zusammenarbeit mit Shuren (Ratsversammlungen) aufgenommen. Ãœber zwei Jahre stellen die NL 200 Mio. â‚¬ fÃ¼r Aufbau und Entwicklung zur VerfÃ¼gung. Die HÃ¤lfte davon geht Ã¼ber die Regierung, Ã¼ber 20 Mio. verfÃ¼gt die Truppe.</p>
<p>Wenn es zu ZusammenstÃ¶ÃŸen mit OMF kam, wurden Kampfflugzeuge nur eingesetzt, wenn keine Zivilisten gefÃ¤hrdet waren. Nachdem im Chora Valley Angriffsvorbereitungen gegen das Camp aufgeklÃ¤rt worden waren, fand dort ein Kampfeinsatz von ISAF- und OEF-SpezialkrÃ¤ften parallel statt, der Ã¼ber eine Woche dauerte und angeblich die akute Bedrohung beseitigte.</p>
<p>Am 1. August Ã¼bernahm die niederl. Task Force Uruzgan (TFU).die zwei StÃ¼tzpunkte Tarin Kowt und Deh Rawod 60 km westlich. Die TFU ist u.a. ausgestattet mit drei Panzerhaubitzen 2000 (zwei kamen bei der Operation Medusa im September zum Einsatz). Sie wird von sechs AH-64D Apache Kampfhubschraubern und einer F-16-Staffel unterstÃ¼tzt.</p>
<p><strong>(2)Â  Einsatzerfahrungen der NL StreitkrÃ¤fte mit der Panzerhaubitze 2000</strong>, Briefing durch Oberst Peter FrÃ¶ling, Kdr der NL Artillerieschule, 3.7.2007Â  in Berlin:</p>
<p>EingefÃ¼hrt ist die PzH 2000 bei NL Heer seit Anfang 2006. Erfordert 9 Wochen Training; sehr komplexes Waffensystem, 50-60 verschiedene Verfahren. Die Entscheidung fÃ¼r ISAF SÃ¼d fiel im Februar 2006, zunÃ¤chst keine PzH eingeplant, sondern 120 mm MÃ¶rser als Basisschutz. Ab April vorgesehen zwei PzH plus eine Reserve.</p>
<p>Problem Lufttransport: 8 Wochen notwendig, um Lizenz fÃ¼r USAF-Galaxy zu bekommen (PzH 2000 ursprÃ¼nglich nicht fÃ¼r Lufttransport vorgesehen, nicht zertifiziert).</p>
<p>Soforteinsatz bei Operation â€žMedusa&quot; in Kandahar ab August 2006, wo binnen 12 Stunden einsatzbereit. Bei diesem Ersteinsatz 306 â€žBrisanzgranaten&quot; (155 mm von alter M 109)und 33 Nebel- und Leuchtgranaten verschossen; bisher keine PrÃ¤zisionsmunition, die unbedingt erforderlich sei. Genauigkeit bisher bei 10 bis 50 m. Wegen psychologischer Wirkung (â€žunglaublicher Knall&quot;) werde auch Ãœbungsmunition eingesetzt: ein Schuss â€ž300 m daneben wirke&quot;. â€žWenn wior beschossen werden, schieÃŸen wir direkt zurÃ¼ck.&quot; Durchschnittlich werde Ã¼ber eine Distanz von 25 km geschossen. Binnen 5 Minuten feuerbereit, wenn Bedienung an der Waffe, 15-20 Minuten wenn drauÃŸen.</p>
<p>Close Air Support (CAS) und Ground Based Fire Support (GBFS) machen FeuerunterstÃ¼tzung genauer und ergÃ¤nzen sich. CAS kommt innerhalb 15 Minuten, steht mit Hilfe von Tankern im Luftraum, ist aber sehr teuer. GBFS ist vergleichsweise viel billiger.</p>
<p>GBFS sei erfolgreich schon auf Zugebene, wo bei Konvoischutz, Patrouille gekÃ¤mpft werde. Diese hÃ¤tten immer die PzH im RÃ¼cken.</p>
<p>Sie sei efektiv. Probleme gebe es aber mit der Genauigkeit. KollateralschÃ¤den sollten so gering wie mÃ¶glich gehalten werden, wurden bisher auch nicht bekannt. Bei der ZielaufklÃ¤rung sei human intelligence am wichtigsten.</p>
<p>PzH schieÃŸe nur, wenn eigene Soldaten in Gefahr. Dann werde auch mit dem Risiko von Zivilopfern abgewogen. Beispiel eines Dorfes: Beschuss von dort, Reaktion, ggfs. Abwarten, nicht sofort tÃ¶dliche Gewalt, ggfs. vorrÃ¼ckende SchÃ¼sse.</p>
<p>Vorteil: einsatzfÃ¤hig 7 Tage die Woche 24 Stunden, 85% VerfÃ¼gbarkeit, die Luftwaffe dem gegenÃ¼ber lÃ¤ngst nicht. 5 Mann/Haubitze.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(3)Â  NiederlÃ¤ndische Truppen (Uruzgan) </span></strong>(Auszug aus â€žMaterialien zur aktuellen Sicherheitslage Afghanistan mit Pakistan&quot;, Juli 2009)</p>
<p><em>(vgl. www.mindef.nl/missies/afghanistan/...; www.oruzgan.web-log.nl/uruzgan_weblog/2007...) </em></p>
<p>Ãœber Jahre war Uruzgan ein sicheres Versteck fÃ¼r die Taliban.</p>
<p>In Uruzgan sind im Sommer 2008 rund 1.600 niederlÃ¤ndische und 700 australische Soldaten stationiert. Der Distrikt Deh Rawod wurde international bekannt, als in 2002 eine US AC-130 irrtÃ¼mlich das Feuer auf eine Hochzeitsfeier erÃ¶ffnete und 40 Menschen tÃ¶tete.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">KÃ¤mpfe im Chora Valley 2007</span>:Â  Die NL Wochenschrift Â«Â ElsevierÂ Â» berichtet in ihrer Ausgabe vom 5. Januar von den KÃ¤mpfen in dem strategisch bedeutsamen Tal nÃ¶rdlich von Tarin Kowt im Juni 2007, wo schon in der Startphase der NL-PrÃ¤senz in Uruzgan im Sommer 2006 heftige KÃ¤mpfe stattgefunden hatten. Nachdem AufstÃ¤ndische am 26. April 2007 den Posten in Kala Kala genommen und alle Polizisten getÃ¶tet hatten, wurden in Chora - 30 km nÃ¶rdlich von Tarin Kowt - ca. 65 NL-Soldaten der luftbeweglichen Alphakompanie (â€žLimburgse Jagers&quot;) und 40 ANA-Soldaten stationiert. (Der niederlÃ¤ndische Kompaniechef war vor zwÃ¶lf Jahren in Srebrenica dabei.) Nach einem schweren Sprengstoffanschlag auf ein PRT-Team, bei dem 11 Zivilisten starben, griffen am Morgen des 16. Juni ca. 800 (bis 1.100) Taliban und auslÃ¤ndische KÃ¤mpfer alle Posten auÃŸerhalb des Distriktortes Ali Shirzai an und kamen bis 200 m an das DistriktgebÃ¤ude heran. Nach Mobilisierung aller KrÃ¤fte des HauptstÃ¼tzpunktes in Tarin Kowt und mit vollem Einsatz der Panzerhaubitze aus Tatin Kowt und LuftnahunterstÃ¼tzung durch eigene Apache und F-16 schlagen die Ã¼berwiegend NL KrÃ¤fte, unterstÃ¼tzt von afghanischer Miliz, den Angriff bis zum 20. Juni zurÃ¼ck. Dabei sollen zwischen 30 bis 88 Zivilisten umgekommen sein. Der Untersuchungsbericht von UNAMA und UnabhÃ¤ngiger AFG Menschenrechtskommission kommt zu dem Ergebnis, dass die Taliban im Unterschied zu ISAF Zivilisten gezielt und absichtlich tÃ¶teten, dass aber den Artillerie- und LuftwaffeneinsÃ¤tzen von ISAF ca. viermal so viele Zivilisten zum Opfer fielen.Â  (<em>www.oruzgan.web-log.nl; auf YouTube u.a. die Videos â€žChora Battle 1&quot; und â€žChora Battle 2&quot; ) </em></p>
<p>Tom Hyland berichtet am 18.10.2007 (<em><a href="http://www.theage.com.au/">www.theage.com.au</a></em>), dass im Juni die in Uruzgan stationierte australische Spezialeinheit (SAS) an der Planung der NL gefÃ¼hrten Gegenoffensive teilnahm, sich aber aus der 1. Reihe der Operation zurÃ¼ckzog, weil diese den eigen Rules of Engagement zuwider gelaufen wÃ¤re. Es wurde befÃ¼rchtet, dass nicht zureichend zwischen KÃ¤mpfern und ZivilbevÃ¶lkerungÂ  unterschieden werden kÃ¶nnte. Schlussendlich seien die meisten der 60-70 toten Zivilisten durch Bomben und Artilleriefeuer (letzteres Ã¼ber 30 km Distanz aus Tarin Kowt) umgekommen.</p>
<p><em>(<span style="text-decoration: underline;">Anmerkung</span>: Von den KÃ¤mpfen im Chora-Tal unterrichtete die Bundesregierung die zustÃ¤ndigen Abgeordneten des Bundestages mit keinem Wort. Auch beim Obleutebesuch in Mazar nach dem 20. Juni 2007 bei den dt. Tornados in Mazar wurden sie - obwohlÂ  d e rÂ  ISAF-Brennpunkt zu dem Zeitpunkt - mit keinem Wort erwÃ¤hnt. Im Gegenteil wurde der Eindruck erweckt, als hÃ¤tten die NL-Truppen im Unterschied zu anderen keine zivilen Opfer. Am 16.1.2008 habe ich zur Entwicklung in Uruzgan von der Bundesregierung einen Bericht angefordert.) </em></p>
<p>Ende September erlebte <span style="text-decoration: underline;">australische SAS</span> im <span style="text-decoration: underline;">Chora Valley</span> die heftigsten KÃ¤mpfe australischer Soldaten seit dem Vietnamkrieg - zusammen mit 500 Soldaten einer Streitmacht aus sechs Nationen und gerade 15 km vom eigenen StÃ¼tzpunkt in Tarin Kowt entfernt.</p>
<p>(Die 200-kÃ¶pfige australische Spezialeinheit war seit August 2005 in AFG. Nach einer Serie intensiver Gefechte im September 2006 aus AFG abgezogen. Damals behaupteten Offizielle, SAS hÃ¤tte das Tal von AufstÃ¤ndischen gesÃ¤ubert und Uruzgan sei lt. Verteidigungsminister Nelson â€žrelativ stabil&quot;. Im April 2007 wurde der SAS wieder nach Uruzgan zurÃ¼ckverlegt. Von 13 Monaten in AFG war die Truppe 306 Tage im Einsatz und wurde dabeiÂ  in 139 Kampfsituationen verwickelt - von kleinen GeplÃ¤nkeln bis zu Gefechten mit Hunderten gegnerischer KÃ¤mpfer Ã¼ber Stunden. (<em>Patrick Walters am 28.9.2007: Â«Aussie commandos in firefightÂ», PerthNow, </em><em><a href="http://www.news.com.au/perthnow">www.news.com.au/perthnow</a></em>)</p>
<p>Am 25.10.2007 begann in Uruzgan die Operation Â«<span style="text-decoration: underline;">Spin Ghar (WeiÃŸer Berg</span>), mit 1.500 Soldaten von ANA, der Kampfgruppe der NL Task Force Uruzgan, australischen und NL Special Forces und der Reserve-Kompanie des ISAF Regional Command South die bisher grÃ¶ÃŸte Operation in dieser Provinz. ZusÃ¤tzlich wurden 650 ANA-Soldaten der neuen 4th Brigade in Tarin Kowt stationiert. Ziel war es, den Baluchi-Pass zwischen Tarin Kowt und Chora freizumachen. Seit Juni gab es immer wieder heftige KÃ¤mpfe. Allein die OEF-Firebase Anaconda im Khas Distrikt wurde fÃ¼nfmal zwischen August und September von grÃ¶ÃŸeren Taliban Gruppen angegriffen. Bei einem Gefecht Mitte September seien mehr als 65 Taliban getÃ¶tet worden. Am 8. Oktober wurden zwei NL Apache Hubschrauber von Taliban Feuer getroffen - ohne PersonenschÃ¤den. (<em>Matt Dupeeam 16.11.2007: Â«Operation Spin Ghar: Uruzgan gets uglyÂ», www.longwarjournal.org</em>)</p>
<p>Prof. Marc Herold vom â€ž<span style="text-decoration: underline;">Afghan Victim Memorial Project</span>&quot; berichtet auf Uruzgan Weblog Ã¼ber &quot;another massacre of civilians by NATO forces in Afghanistan&quot;: Am 23.-26. Dezember 2007 seien im Distrikt <span style="text-decoration: underline;">Shahidi Hasas</span> lt. Afghan Islamic Press und Taliban 50 Zivilisten umgekommen; die US-StreitkrÃ¤fte hÃ¤tten die TÃ¶tung von ca. 150 Rebellen gemeldet.</p>
<p><em>Pajhwak Afghan News Agency vom 2. </em><em>Januar 2008</em> lt. Uruzgan-WeblogÂ :Â  RÃ¼ckeroberung des Dorfes Yakhdan im <span style="text-decoration: underline;">Shahidi Hasas</span> Distrikt/Uruzgan durch ANA und Koalitionstruppen.</p>
<p>Im Westteil von Uruzgan hÃ¶chste Zahl von <span style="text-decoration: underline;">Binnenvertriebenen</span> in ganz AFGÂ : Lt. UNHCR-Karte vom Oktober im Distrikt Deh Rawod, Nesh und Shahidi Hassa ca. 15.000. Das NL PRT betreibt hier nur die kleine Basis Camp Hadrian, OEF die Firebase Tycz und die Foward Operating Base Cobra. Deh Rawod ist einer von drei niederlÃ¤ndischen Â«TintenfleckenÂ» (Gebiete hÃ¶herer PrioritÃ¤t) in Uruzgan.</p>
<p>Am 4. Januar wurden 2 Zivilisten bei KÃ¤mpfen zwischen NL-ISAF-Truppen und Taliban getÃ¶tet und 5 verwundet.</p>
<p>Am 12. Januar kamen zwei NL und zwei AFG Soldaten im Distrikt Deh Rawod durch â€žfriendly fire&quot; von NL Seite ums Leben.</p>
<p>General Harm de Jonge, bisher stellv. Stabschef beim 1. <span style="text-decoration: underline;">Deutsch-NiederlÃ¤ndischen Korps</span> in MÃ¼nster, wird fÃ¼r neun Monate Stellvertreter des Regional Commander ISAF South in Kandahar. (<em>Westf. Nachrichten 16.1.2008</em>)</p>
<p>WÃ¤hrend <span style="text-decoration: underline;">meines Besuches Anfang August 2008 in Camp Holland/Tarin Kowt</span> in Uruzgan erfuhren wir, dass es Anzeichen fÃ¼r eine positive Entwicklung der Sicherheitslage gebe: Die letzte Raketenattacke gegen das Camp gab es im MÃ¤rz 2007. Die Zonen â€žunter Kontrolle&quot; haben sich von zwei â€žInseln&quot; im Februar 2008 auf einen fast durchgÃ¤ngigen Streifen im Juli 2008 erweitert.</p>
<p>Am 10.8. wurden bei Gefechten zwischen ANSF/coalition forces + Militanten im Distrikt Khas Oruzgan 25 Militante und 8 ZivilistenÂ  getÃ¶tet. Die Militanten hatten sich nach einem Hinterhalt in ein GebÃ¤ude zurÃ¼ckgezogen und dort 11 Zivilisten, darunter einige Kinder, als Geiseln genommen. Bei dem angeforderten close air support sei die Anwesenheit von Zivilisten in dem GebÃ¤ude nicht bekannt gewesen. Acht seien durch den Bombenabwurf um`s Leben gekommen.</p>
<p>Lt. LWJÂ  v. 16.8. wurde am 12.8. der bekannte Taliban FÃ¼hrer Mullah Akhtat Mohammed und einige seiner KÃ¤mpfer durch einen Luftangriff getÃ¶tet worden sein. Am 14.8. sollen lt. ANP 5 Taliban mit ihrem Gruppenkommandeur in der Char Chino Region/Uruzgan getÃ¶tet woerden sein.Â  Dem soll eine Woche heftiger KÃ¤mpfe vorausgegangen sein. In der ersten Augustwoche gelang australischen SpezialkrÃ¤ften die Festnahme des Taliban Schatten-Gouverneurs von Uruzgan, Mullah Bari Ghul.</p>
<p>Lt. LWJ v. 23.10. versuchten am 21.10. <span style="text-decoration: underline;">mehr als 100 Taliban KÃ¤mpfer den Distriktort Deh Rawood</span> zu Ã¼berrennen. Bei dem Gegenangriff von Koalitions- und AFG-KrÃ¤ften wurden mit KampfhubschrauberunterstÃ¼tzungÂ  55 KÃ¤mpfer getÃ¶tet. Bei einem nachfolgenden gezielten LuftschlagÂ  gegen einen hÃ¶heren Taliban FÃ¼hrer in der Region wurdeÂ  der Kommandeur Sharif Agha und 14 seiner KÃ¤mpfer getÃ¶tet. Einen Tag vorher wurde in der Nachbarprovinz Helmand der Kommandeur Mullah Ghafar, der mit 500 KÃ¤mpfern im Grenzgebiet von Kandahar + Helmand operieren soll, zusammen mit zwei KÃ¤mpfern getÃ¶tet. Am 23.10. wurden in Khas UIruzgan 3 Taliban bei einem Gefecht getÃ¶tet.</p>
<p>GegenÃ¼ber dem Vorjahr haben sich die <span style="text-decoration: underline;">SicherheitsvorfÃ¤lle in Uruzgan fast verdreifacht</span> - von 49 auf 130 Attacken zwischen Januar und September.</p>
<p>Am 26.10. endete die zehntÃ¤gige, von der TF Uruzgan gefÃ¼hrteÂ  <span style="text-decoration: underline;">ISAF-Operation â€žBor Barakai</span>&quot; (Tornado) mit mehr alsÂ  1.000 afghanischen und internationalen Soldaten (500 GB Marines, 350 NL, 150 ANA). Ziel der Operation war, in der Mirabad Region Ã¶stlich von Tarin KowtÂ  den Einfluss von AufstÃ¤ndischen zurÃ¼ckzudrÃ¤ngen.Â  Gefunden wurden mehr als 40 roadside bombs und eine groÃŸe Menge von Kleinwaffen, Granaten + Munition, darunter ein Versteck mit 650 kg Explosivstoffen und Komponenten.Â  Es war die dritte GroÃŸoffensive seit Mitte 2006 in Uruzgan, bekannt als Herzland der Taliban.Â  (<a href="http://www.oruzgan.web-log.nl/">www.oruzgan.web-log.nl</a>)</p>
<p>Im November Ã¼bernimmt der NL Generalmajor Mart de Kruif das <span style="text-decoration: underline;">ISAF Regional Command South</span> mit insgesamt 19.000 Soldaten fÃ¼r ein Jahr von dem CAN General Marc Lessard.</p>
<p>(...)</p>
<p>Am 1.2.<strong>2009</strong> 21 AFG Polizisten durch SelbstmordattentÃ¤ter in einem Polizeitrainingscenter in <span style="text-decoration: underline;">Tarin Kot</span>/Uruzgan getÃ¶tet.</p>
<p><strong>(4)Â  Auszug aus Reisebericht August 2008 (Kandahar, Uruzgan):</strong></p>
<p><strong>Die ISAF-Region SÃ¼d</strong> hat 850 km offene Grenze mit Pakistan und 300 km mit Iran. Kandahar ist die Hauptstadt des SÃ¼dens, Helmand historisch der Brotkorb. In den Provinzen Kandahar und Helmand findet die Masse der KÃ¤mpfe statt. Die Ringroad (Highway 1) ist fÃ¼r beide Seiten von strategischer Bedeutung. ISAF will die sicheren Gebiete entlang der Ringroad ausweiten, wo die HÃ¤lfte der BevÃ¶lkerung lebt. Am Kajaki-Damm in Nord-Helmand arbeiten zwei Turbinen, die dritte muss noch hingeschafft werden. Bei aller symbolischen Wirkung von Kajaki: KAF verbrauche mehr Strom, als Kajaki produzieren kÃ¶nne. AuÃŸerdem zweigen Taliban Strom ab und verkaufen ihn.</p>
<p>Die Ã¼ber 22.000 Soldaten des RC South (GB 8.200, USA 6.500, CAN 3.000, NL 1.900, AUS 850, DÃ„N 500) werden zzt. von einem kanadischen General gefÃ¼hrt, sein Stellvertreter ist ein NiederlÃ¤nder, Chef des Stabes ein Brite. Jetzt werde viel mehr der comprehensive approach praktiziert als unter dem britischen Kommandeur. Es gebe ein change of mind, eine grÃ¶ÃŸere Einbeziehung ziviler Aspekte in militÃ¤risches Denken. Sehr schwach sei bisher UNAMA mit 7 Mitarbeitern im ganzen SÃ¼den. UNAMA verfÃ¼gt insgesamt Ã¼ber einen Etat von 86 Mio. $, der im nÃ¤chsten Jahr verdoppelt werden soll.</p>
<p>In 2006/7 gab es KÃ¤mpfe in grÃ¶ÃŸerem Stil, in Uruzgan zuletzt im Juni 2007. Inzwischen operieren die AufstÃ¤ndischen in kleineren Gruppen nach der â€žhit and run&quot; Taktik und mit mehr IEDs. Hierbei komme hochwertige wie einfache Technik zum Einsatz. Im Juli gab es 201 IED- und MinenzwischenfÃ¤lle (Juli 2007 ca. 100) mit 243 PersonenschÃ¤den. 40-60% der IEDs werden vorher gefunden. Ein GroÃŸteil der FÃ¼hrer sind nicht mehr vor Ort bzw. kommen von auÃŸerhalb. Sie zeigen weniger RÃ¼cksicht auf die BevÃ¶lkerung und agieren brutaler. Das fÃ¼hrt zu einem Akzeptanzverlust in der BevÃ¶lkerung, aus der nun hÃ¤ufiger IEDs gemeldet werden.</p>
<p>Je eine ANA-Brigade steht in Kandahar, Helmand, Uruzgan und Zabul. In der SÃ¼dwestprovinz Nimruz gibt es keine ANA-Brigade, kein PRT, nur ANP und Special Forces. Die insgesamt 22 Operational Monitoring + Liaison Teams (OMLT) seien in KÃ¤mpfen Schulter an Schulter in den ANA-Bataillonen dabei. Das sei manchmal sehr schwierig, aber die einzige MÃ¶glichkeit. Bei britischen + kanadischen OMLTs habe es schon Verluste gegeben, bei den NiederlÃ¤ndern nicht. Die ANA-Soldaten seien besonders gut in â€žsituation awareness&quot;, im GefÃ¼hl fÃ¼r Gefahren und der â€žFreund-Feind&quot;-Unterscheidung.</p>
<p>Der â€žstille Feind&quot; fordere von den Soldaten hohe Konzentration, da sei ein Wechsel nach vier Monaten notwendig. Zum Posttraumatischen Belastungssyndrom (PTBS): beim Einsatz in Bosnien-Herzegowina waren ca. 2,5-4% der dort eingesetzten NL Soldaten betroffen. Zu AFG kÃ¶nnen keine Zahlen genannt werden. Zentral seien bestmÃ¶gliche Vorbereitung und die schnelle Reaktion im Bedarfsfall. In den NL gÃ¤be es fÃ¼r PTBS spezielle Zentren und lebenslang freie UnterstÃ¼tzung.</p>
<p>Die grÃ¶ÃŸte Herausforderung sei die <span style="text-decoration: underline;">RegierungsfÃ¼hrung</span>. Die Provinzgouverneure im SÃ¼den seien sehr unterschiedlich - von gut Ã¼ber undurchsichtig bis vÃ¶llig inkompetent. Die meisten Gouverneure verfÃ¼gen Ã¼ber keinen Stab. Abgesehen von Kandahar gibt es nirgendwo einen Districtleader. In den letzten 6 Monaten habe es diesbezÃ¼glich keinerlei Fortschritte gegeben. Regierung komme nicht voran. In Kabul gebe es dafÃ¼r kaum VerstÃ¤ndnis. Nie waren PrÃ¤sident oder Minister vor Ort. Auch die meisten Parlamentsabgeordneten sind weg nach Kabul oder in anderen HauptstÃ¤dten. Im SÃ¼den leitende Funktionen zu Ã¼bernehmen, setze schon gehÃ¶rigen Enthusiasmus voraus.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Operation Enduring Freedom</span> (OEF wird im Ndl â€žUF&quot; gesprochen): Zwischen ISAF und OEF gebe es kein Linkage, keine Kooperation in Operationen, nur â€žDeconflicting&quot;. Ausnahme nur in extremen NotfÃ¤llen, wo man sich gegenseitig helfen mÃ¼sse. Verschieden seien die Rules of Engagement, manchmal auch die Vorgehensweisen.</p>
<p>In KAF sind insgesamt 440 NL SoldatInnen stationiert. Zur 1 Air Task Force gehÃ¶ren 6 F-16 Kampfflugzeuge mit lasergelenkten GBU-12 und -38 Bomben, 5 AH-64D Apache-Kampfhubschrauber mit Hellfire-Raketen, 3 CH-47 Chinook-Tansporthubschrauber, C-130 Hercules Transporter. Aufgaben sind taktischer Lufttransport, AufklÃ¤rung und Konvoischutz, LuftnahunterstÃ¼tzung fÃ¼r BodenkrÃ¤fte. Im Unterschied zum Kalten Krieg mÃ¼sse man jetzt Ziele und ihr Umfeld sehr genau identifizieren und unterscheiden kÃ¶nnen.</p>
<p><strong>Tarin Kowt/ Uruzgan </strong></p>
<p>Mit einer viermotorigen DHC-7 (geeignet fÃ¼r kurze Pisten in schwieriger Geographie) der kanadischen Voyageur Airways in 25 Minuten nordwÃ¤rts nach Tarin Kowt. Unter uns liegen die seit Sommer 2006 besonders heiÃŸ umkÃ¤mpften Distrikte Panjwai (Operation Medusa) und Zhari. Die Landschaft unter uns ist graubraun, ab und zu von BewÃ¤sserungsgrÃ¤ben durchzogen. Tarin Kowt liegt jenseits der Ã¼ber 3.000 m hohen Shah Maqsud Range. Gut erkennbar dann das grÃ¼ne Band der Flussoase am Tarin, der weiter westlich bei Deh Rawod in den Helmand mÃ¼ndet. Die Provinz hat ca. 320.000 Einwohner (45.000 Familien), sie besteht zu 50% aus Gebirge (3.-4.000 m) und nur zu 20% aus Ebene.</p>
<p>Uruzgan ist eine alte Taliban-Hochburg: Uruzgan fiel 1994 als erste Provinz an die Taliban. Von hier stammt der Taliban FÃ¼hrer Mullah Omar. Der jetzige Gouverneur Hamdam sprach im letzten Herbst von ca. 4.000 Taliban in Uruzgan. (In anderen Quellen ist die Rede von einigen Hundert.)</p>
<p>Ein Ortskundiger schÃ¤tzt, dass 50% eindeutig gegen die Taliban seien, die anderen eher notgedrungen fÃ¼r sie. Hinzu kommen massive andere Konflikte zwischen alten Mujaheddin-Kommandeuren, lokalen Powerbrokers, StÃ¤mmen und Clans, politischen Bewegungen + Parteien. Uruzgan gilt eher als â€žvergessene Provinz&quot;, Ã¼ber viele Jahre ganz besonders vernachlÃ¤ssigt. Hoffnungen auf den von den hiesigen Popelzei stammenden Karzai wurden enttÃ¤uscht.</p>
<p><em>(Ãœbersicht zur aktuellen Lage in Uruzgan â€žMission: difficult&quot; von Rory Callinam in Time 24.1.2008, <a href="http://www.oruzgan-weblog.nl/">www.oruzgan-weblog.nl</a>. Ãœber oruzgan-weblog ungewÃ¶hnlich umfassende und vielfÃ¤ltige Berichte, sehr empfehlenswert!) </em></p>
<p>Als wir in Tarin Kowt vor Camp Holland landen, ist der Kommandeur der Task Force Uruzgan (TFU) verhindert: Um 9.15 Uhr gab es bei einem IED-Anschlag bei Chora drei Verwundete, zwei davon schwer.</p>
<p>Statt der angekÃ¼ndigten 50Â° schafft die Sonne â€žnur&quot; noch 40er Temperaturen, zum GlÃ¼ck trocken. Am vierten AFG-Tag beginnt mich die Hitze zu nerven.</p>
<p>Der AuÃŸenzaun wird auf 11 TÃ¼rmen von Guards der afghanischen Sicherheitsfirma ASG (Asian Security Group) bewacht. Wir besuchen den ASG-Kommandeur und einen Turm, auf dem die Guards jeweils eine ganze Woche campieren. Das Gesamtcamp umfasst Camp Holland mit dem PRT-Huis am Haupttor, AUS-Camp Russel, US-Camp Ripley (OEF), ein ANA-Camp, ein ANP-ÃœbungsgelÃ¤nde, ein Poppy Elimination Project. Die NL Soldaten sind auÃŸer in Camp Holland in Camp Hadrian/ Deh Rawod (400 Soldaten) und mehreren Patrol Bases (zusammen mit ANA) stationiert. Die US Special Forces von OEF betreiben eigene StÃ¼tzpunkte im Norden.</p>
<p>Die TFU V (5. Kontingent) umfasst 1.400 NiederlÃ¤nderInnen: die Battlegroup zur force protection mit ca. 300-500 Soldaten, ggfs. bis knapp 200 Special Forces, das PRT mit 80 Soldaten (4 Mission Teams), 12 Zivilexperten des AuÃŸenministeriums (political, development + tribal advisors) ,10 Polizeitrainern (MilitÃ¤rpolizei), den OMLT mit 40 Soldaten, eine starke CIMIC-Komponente. Sie verfÃ¼gen Ã¼ber 27 gepanzerte Bushmaster-Transporter aus SÃ¼dafrika, deren V-fÃ¶rmiger Unterbau mehr Schutz gegen Sprengfallen bietet. Die Australische Reconstruction TF umfasst 400 Personen, die australische Special Operations TF 300. Zunehmend mehr LÃ¤nder wollen ein Kontingent nach Uruzgan schicken. (Tschechische Republik, Ungarn, Slowakei, Singapur). Am 5. August traf ein franzÃ¶sisches OMLT fÃ¼r Deh Rawod mit einem 7 km langen Konvoi aus 94 Fahrzeugen in Tarin Kowt ein. Damit wird die TFU zunehmend multinational. US Special Forces sollen mit einigen Hundert Mann in der Provinz weiter nÃ¶rdlich in den Bergen operieren.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Sicherheitslage</span>: Vor 14 Monaten fanden im Chora Tal Ã¼ber mehrere Tage heftige Gefechte statt. Am 16. Juni 2007 starteten bis zu 1.000 KÃ¤mpfer einen konzertierten Angriff Richtung Chora 30 km nordÃ¶stlich Tarin Kowt, wo zu dem Zeitpunkt 65 niederlÃ¤ndische und 40 ANA-Soldaten stationiert waren. Unter Einsatz aller verfÃ¼gbaren VerstÃ¤rkungskrÃ¤fte konnte der Angriff bis zum 20. Juni zurÃ¼ckgeschlagen werden. Bei den KÃ¤mpfen kamen lt. UNAMA mehrere Dutzend Zivilpersonen ums Leben.</p>
<p>Im SpÃ¤tsommer nahmen AufstÃ¤ndische einige Gebiete im Deh Rawod Distrikt. Sie wurden im Februar wieder herausgedrÃ¤ngt. Weitere â€žsecurity operations&quot; fanden im Baluchi Tal (Verbindung von Tarin Kowt zum Chora Tal) statt. Insgesamt kamen im NL AFG Einsatz 16 Soldaten ums Leben, davon 11 durch gegnerische Einwirkung zwischen April 2007 und April 2008.</p>
<p>Inzwischen soll sich die Sicherheitslage im Bereich der TFU erheblich verÃ¤ndert haben: In diesem Jahr gab es keine KÃ¤mpfe mehr. WÃ¤hrend im Februar 2008 zwei Inseln als unter Kontrolle und relativ sicher galten (die Orte Tarin Kowt und Deh Rawod), umfasst die Zone relativer Sicherheit im Juli einen Streifen entlang der Flussoase, in dem 80% der BevÃ¶lkerung leben. Im berÃ¼chtigten Chora-Distrikt konnten im Juni erstmalig Wahlen durchgefÃ¼hrt werden. Allerdings ist auch in relativ sicheren Gegenden die Nacht eher Talibanzeit.</p>
<p>Die letzte Raketenattacke auf das Camp gab es im MÃ¤rz 2007 (!), die letzte EntfÃ¼hrung gab es hier vor einem drei Viertel Jahr. Vor einem Jahr standen erst 100 ANA Soldaten in Uruzgan, jetzt sind es 1.400 mit ausreichend Material. Die ANP hat 1.300 Mann in Uruzgan.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Grundansatz</span>: Der 1. August 2008 markiert den Ãœbergang von der 1. zweijÃ¤hrigen Phase des NL-Engagements zur 2. Phase. An deren Ende wollen die NL im Sommer 2010 die militÃ¤rische Lead-Funktion abgeben. Die NL vertreten wie Kanada einen DDD-Ansatz: Defence (GewÃ¤hrleistung von Bewegungs- und Handlungsfreiheit, Sicherheitssektorreform), Diplomacy und Development. Auch in Uruzgan konzentriere man sich auf die BevÃ¶lkerungszentren. (â€žTintenfleck-Strategie&quot;)Â  Der ISAF-Ansatz sei insgesamt bevÃ¶lkerungs- und nicht gegnerfokussiert. Wenn Gegner das mit Gewalt stÃ¶ren, werde militÃ¤risch reagiert. Patrouillen hÃ¤tten aber nicht die Aufgabe, Gegner zu suchen und offensiv zu bekÃ¤mpfen, sondern ihre AktivitÃ¤ten zu stÃ¶ren. Konsens bei allen GesprÃ¤chspartnern ist, dass die Taliban militÃ¤risch nicht zu besiegen seien. Ihre NÃ¤hrbÃ¶den kÃ¶nnten nur ausgetrocknet werden.</p>
<p>DemgegenÃ¼ber agiere OEF in anderen Gebieten/den Bergen mehr gegnerorientiert und â€žkinetisch&quot;. Das kÃ¶nne in Konflikt geraten mit dem ISAF-Ansatz und die eigene Arbeit schÃ¤digen. OEF wird mehr mit BegleitschÃ¤den verbunden. Der vorherige COMISAF McNeill soll einen mehr kinetischen Ansatz verfolgt haben.</p>
<p>Ein Offizier Ã¤uÃŸert mir gegenÃ¼ber die BefÃ¼rchtung, dass alles wieder den Bach runter gehen wÃ¼rde, wenn die USA ab 2010 hier Ã¼bernehmen wÃ¼rden.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Die RegierungsfÃ¼hrung</span> ist auch hier ein SchlÃ¼sselproblem. Seit Gouverneur Hamdam zur Ã¤rztlichen Behandlung im Ausland ist, herrscht ein Vakuum. Z.B. werden GehÃ¤lter nicht bezahlt. Informeller politischer FÃ¼hrer ist Jan Mohammed Khan (JMK): FÃ¼hrer des paschtunischen Populzei-Stammes (wie Karzai), Befreier von Tarin Kowt von den Sowjets, Gouverneur Jan. 2002 bis MÃ¤rz 2006, Analphabet, geringe Verwaltungskompetenz, abgesetzt wegen Korruption und Verwicklung im DrogengeschÃ¤ft.</p>
<p>Umso mehr kommt es auf die FÃ¶rderung von Leadership auf Distrikt- und Dorfebene an. An die Menschen komme man nur Ã¼ber religiÃ¶se und StammesautoritÃ¤ten. Bisher habe man noch kein vollstÃ¤ndiges Bild der hiesigen Stammesstrukturen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Entwicklung</span>: Die NL Entwicklungskooperation hÃ¤lt sich an den Rahmen der Afghan National Development Strategy und ihre 8 Sektoren. Ziele sind:</p>
<p>(a)Â Â  Implementierung nationaler Programme + nachhaltiger Projekte,</p>
<p>(b)Â Â  Gewinnung der KÃ¶pfe + Herzen durch schnelle + sichtbare Projekte,</p>
<p>(c)Â Â  PrioritÃ¤t haben</p>
<p>oÂ Â Â  Governance (11 Berater zur StÃ¤rkung von local governance),</p>
<p>oÂ Â Â  Gesundheit (bisher 100 Gesundheitsstationen geschaffen mit je 2-3 ausgebildeten lokalen KrÃ¤ften),</p>
<p>oÂ Â Â  Bildung (bisher 120 Schulen errichtet, fÃ¼r 2008 90 weitere geplant, von den insgesamt 200 Schulen sind zzt. 70 wegen Unsicherheit geschlossen), und lÃ¤ndliche Entwicklung.</p>
<p>Hier geht es um StraÃŸen- und BrÃ¼ckenbau, Instandsetzung von BewÃ¤sserungskanÃ¤len, Pflanzen von ObstbÃ¤umen fÃ¼r 15.000 Familien, Weizensaat fÃ¼r 20.000 Familien, EinfÃ¼hrung von Safran, das zzt. fÃ¼r Bauern bessere ErlÃ¶se bringt als Mohn! Mit Spannung warten ca. 300 Familien auf die zweite Safranernte im September.</p>
<p>Die NL gaben 2006 73 Mio. Euro fÃ¼r EZ in Uruzgan, seit 2007 jÃ¤hrlich 130 Mio.! Davor gab es maximal 10 Mio. Euro im Jahr fÃ¼r Entwicklung in Uruzgan. Zivile Partner (â€žcivil army&quot;) sind UNICEF, UNAMA ab Oktober, lokale und internationale (N)GOs. Gezeigt wird uns eine Karte, in der alle Entwicklungsprojekte nach Kategorien eingetragen sind. Eine vorzÃ¼gliche Ãœbersicht. Vor zwei Jahren seien in Tarin Kowt viele LÃ¤den dicht gewesen. Jetzt gebe es in T.K. ein reges GeschÃ¤ftsleben, die Wirtschaft blÃ¼he auf.</p>
<p>Da die NL Regierung nicht Ã¼ber eigene EZ-DurchfÃ¼hrungsorganisationen verfÃ¼gt, ist der GroÃŸauftrag fÃ¼r das â€ž<span style="text-decoration: underline;">Uruzgan Provincial Development Project</span>&quot; (UPDP) mit einem Gesamtvolumen von 34 Mio. Euro an die GTZ International Services gegangen. Der Teamleader Gert Both stellt uns das UPDP vor. Er arbeitet seit 6 Jahren in AFG, erst als legal advisor der Bundeswehr im Rang eines Oberst, dann bei einem Kommunikationsunternehmen. Er ist ungewÃ¶hnlich nahe an der einheimischen BevÃ¶lkerung - mit umfassender lokaler und interkultureller Kompetenz, mit nÃ¼chternem Realismus und groÃŸer Sympathie fÃ¼r die herzlichen Menschen. Nicht zuletzt scheint ihm auch seine rheinische Art ZugÃ¤nge zu erleichtern.</p>
<p>Das UPDP startete Januar 2008. Schwerpunkte sind</p>
<p>(a)Â Â  Infrastruktur<br /> 85% haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, seit 3-4 Jahren herrscht Trockenheit, nur 3% haben brauchbare sanitÃ¤re Einrichtungen. Erstes Projekt ist eine StraÃŸe von Tarin Kowt durch das kritische Baluchi Tal ins Chora Tal, um den Bauern Marktzugang fÃ¼r ihre hochwertigen Produkte, z.B. sehr leckeren Melonen zu verschaffen. Das viele Wasser im Winter + FrÃ¼hjahr soll mit DÃ¤mmen zur BewÃ¤sserung und Stromgewinnung (micro hydro power) nutzbar gemacht werden.</p>
<p>(b)Â Â  Verbesserung der EinkommensmÃ¶glichkeiten<br /> Alternativen sind vor allem Weizen, auch Mandeln, Aprikosen, Fischerei, Wolle, Eier, Honig, Kleingewerbe. Hier liegt auch die PrioritÃ¤t der ZurÃ¼ckdrÃ¤ngung des Mohnanbaus.</p>
<p>(c)Â Â  Capacity Building<br /> Die DÃ¶rfer mit ihren Maleks funktionieren noch am ehesten, die Verwaltung mit ihren 2.846 Bediensteten (davon 9 Frauen) und 20 line ministries kaum. Bisher hat das Innenministerium keine Selbstverwaltung geschaffen. FÃ¼r die Distrikte gibt es bisher keine Regelungen und Wahlen. Absicht ist, fÃ¼r die 20 Departements gezielt gute, junge Leute zu qualifizieren.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Die Sicherheitsektorreform</span> hat hier vor vier Monaten angefangen. Da die Provinz Uruzgan weder bei der Regierung noch bei ISAF PrioritÃ¤t hat, fehle es Ã¼berall an Geld, Ressourcen. Die 4. Brigade kam als letzte und schlecht ausgestattet in den SÃ¼den Ihr 4. Bataillon (Kandak) ist in Helmand. Die ANA-Kandaks seien kaum ausgebildet und kÃ¤men schon in den Einsatz (â€žfighting&quot;). Ausbildung laufe wesentlich durch Einsatz. ANA-Kommandeure seien ziemlich initiativlos und wÃ¼rden nur auf hÃ¶heren Befehl handeln. Aber die Soldaten seien gut, sie wollen kÃ¤mpfen und hÃ¤tten einen enormen Kampfgeist. Da trÃ¼gen die OMLTs (16 Mann fÃ¼r ein Kandak) groÃŸe Verantwortung. Sie mÃ¼ssten die Soldaten eher zurÃ¼ckhalten als pushen.</p>
<p>Die ANP sei drei Jahre hinter der Armee zurÃ¼ck. Kernproblem sei, dass die Polizei nicht von der BevÃ¶lkerung getragen werde und unzuverlÃ¤ssig sei. Ihr Sold liegt bei 75 $/Monat. Ab Oktober soll in Uruzgan das Focused District Development Programm/FDD (S.30) anlaufen. DafÃ¼r stehen aber nur zwei Mentorenteams zur VerfÃ¼gung! Auch die Polizisten wollen kÃ¤mpfen. Wir aber wollen, dass sie der Gemeinschaft dienen. Das andere Problem sei, dass Verhaftete wegen der Dominanz von Stammesrecht und Machthabern schnell wieder freigelassen wÃ¼rden.</p>
<p>Erste Voraussetzung fÃ¼r eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Afghanen sei Vertrauen, hÃ¶chste Werte Ehre, StÃ¤rke. Deshalb sei volles Mitgehen mit den Soldaten + Polizisten entscheidend.</p>
<p>Beim Besuch des ANP-Trainingscamps hat gerade der Polizeichef von Uruzgan einen â€žStreik&quot; der PolizeischÃ¼ler beendet. Ein NL MilitÃ¤rpolizist bringt den Rekruten bei, wie man den Schutzschild hÃ¤lt und den GummiknÃ¼ppel bedient. Auf der SchieÃŸbahn erfahren wir, dass SchieÃŸtraining mit der AK-47 (einzeln und in Gruppe) fÃ¼r die Polizisten Ãœberlebenstraining ist. Ohne haben sie auf ihren oft einsamen Posten keine Chance gegenÃ¼ber Angreifern.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Die zivil-militÃ¤rische Zusammenarbeit</span> scheint hier so gleichberechtigt und integriert zu funktionieren, wie ich es bisher nirgendwo sonst erlebt habe. Zivile und militÃ¤rische Teile des MilitÃ¤rs haben dieselbe Stehzeit von 6 Monaten - fÃ¼r die Zivilen eigentlich zu kurz. Phasenweise lief bei diesem Kontingent die Vorbereitung von PRT-MilitÃ¤rs und Zivilen gemeinsam. Der zivile Leiter sitzt zusammen mit dem Kommandeur in einem Raum. Der Anteil der Zivilexperten wird schrittweise aufgestockt. Im ersten Halbjahr 2009 soll das PRT einen zivilen Direktor bekommen, dessen Stellvertreter der Kommandeur wÃ¤re. Dessen ZustÃ¤ndigkeit fÃ¼r rein militÃ¤rische Fragen bleibt davon unberÃ¼hrt. Allerdings verfÃ¼gen die Zivilexperten bisher Ã¼ber keinen Support-Staff.</p>
<p>Die zivil-militÃ¤rische Ausgabenrelation ist mit 130 Mio. zu 270 Mio. Euro pro Jahr deutlich aufbaufreundlicher als bei vielen anderen ISAF-Nationen. Entwicklungsexperten betonen, dass sie ihre Arbeit ohne das NL PRT nicht machen kÃ¶nnten. GegenÃ¼ber den Koalitionstruppen (OEF) halte man aber lieber Distanz.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Leben in Camp Holland</span>: Die Container-UnterkÃ¼nfte hinter Hesko-Mauern und unter Zelten heiÃŸen tatsÃ¤chlich Chalets. Vor dem ECHO-Lokal Windmill ist mit Tarnnetz ein schattiger gemÃ¼tlicher Ort geschaffen, wo Ã¼berwiegend junge Soldaten und ein paar Soldatinnen zusammen hocken, klÃ¶nen, was trinken und rauchen. Wie in Kandahar gibt es auch hier keinen Alkohol. Es macht einen locker entspannten Eindruck. Im Unterschied zu Kandahar ist hier die Kleiderordnung liberaler und die Waffe nicht stÃ¤ndig am Mann/ an der Frau. Unsere Westen und Helme liegen die ganzen zwei Tage und NÃ¤chte ungebraucht in unserem Container. Sogar beim Besuch des Marktes vor dem Haupttor brauchen wir sie nicht.</p>
<p>Dass es in den letzten 24 Stunden in der Provinz eine Reihe von ZwischenfÃ¤llen gab (z.B. Beschuss eines Konvois von Kandahar, nÃ¤chtlicher IED-Anschlag gegen eine Patrouille mit drei Verletzten, Notlandung eines Medevac-Hubschraubers) bekommen wir eher nebenbei mit. Erst nachtrÃ¤glich erfahre ich davon, dass es in der Nacht vom 10. auf den 11.8 im Distrikt Khas Uruzgan Gefechte zwischen Afghanischen SicherheitskrÃ¤ften (ANSF)/ coalition forces + Militanten gab, bei denen 25 Militante und 8 Zivilisten getÃ¶tet wurden. Die Militanten hatten sich nach einem Hinterhalt in ein GebÃ¤ude zurÃ¼ckgezogen und dort 11 Zivilisten, darunter einige Kinder, als Geiseln genommen. Bei der angeforderten LuftunterstÃ¼tzung (close air support) sei die Anwesenheit von Zivilisten in dem GebÃ¤ude nicht bekannt gewesen. Acht seien durch den Bombenabwurf ums Leben gekommen. Am nÃ¤chsten Tag wurde der Taliban FÃ¼hrer Mullah Akhtat Mohammed und einige seiner KÃ¤mpfer durch einen Luftangriff getÃ¶tet. Am 14.8. sollen lt. ANP 5 Taliban mit ihrem Gruppenkommandeur in der Char Chino Region/ Uruzgan getÃ¶tet worden sein. In der ersten Augustwoche gelang australischen SpezialkrÃ¤ften die Festnahme des Taliban Schatten-Gouverneurs von Uruzgan, Mullah Bari Ghul. (www.longwarjournal.com vom 16.8.08)</p>
<p><strong>Zusammenfassung</strong>:</p>
<p>Die niederlÃ¤ndischen MilitÃ¤rs und Zivilexperten begegnen uns locker, offen - soweit es nicht um NATO secret Themen geht - und geradezu herzlich. Wir spÃ¼ren dieselbe politische WellenlÃ¤nge. Unter schwierigeren Bedingungen verfolgen die NiederlÃ¤nder hier einen Ansatz, der dicht bei dem von Deutschland im Norden verfolgten liegt. Allerdings scheint man hier mit dem umfassenden, integrierten Ansatz sowie dem lokalen Ansatz weiter zu sein. Auch wenn ihre Battlegroup keinen offensiven Auftrag hat, so ist sie doch mit einer viel hÃ¶heren IntensitÃ¤t von EinsÃ¤tzen konfrontiert. Die der ANA zugeordneten OMLTs sind an KÃ¤mpfen beteiligt.</p>
<p>Bemerkenswert, dass die Niederlande wie selbstverstÃ¤ndlich nicht an OEF teilnehmen und deutlich auf Distanz achten.</p>
<p>Insgesamt scheint es in Uruzgan in jÃ¼ngster Zeit nicht nur Fortschritte beim Aufbau, sondern auch in der Sicherheit zu geben. Eine solche Parallelentwicklung ist in den meisten Gebieten AFGs heuteÂ  eher die Ausnahme.</p>
<p>Im Vorfeld des SÃ¼d-Besuches ist mir mulmig zumute, vor Ort nicht mehr. Ich hatte erwartet, in Kriegsgebiet zu kommen. In Wirklichkeit kommen wir nur nÃ¤her ran, sind in KAF und Camp Holland aber immer noch in einer geschÃ¼tzten Parallelwelt.</p>
<p>Â </p></div>
<p class="xar-quote">
Hin weis:&#160;
                <em>    <p>Bericht als <a href="downloads/bericht/nl-in-afg_2006ff.pdf">PDF-Datei</a>.</p></em></p>


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