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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: DARUM EUROPA! Zentrale Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag 2019 im Plenarsaal des Dt. Bundestages: WÃ¼rdiges Gedenken, klare Kante gegen Krieg, Hass und Nationalismus</title>
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    <span class="xar-mod-title">Erinnerungsarbeit + Vortrag</span>

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            DARUM EUROPA! Zentrale Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag 2019 im Plenarsaal des Dt. Bundestages: WÃ¼rdiges Gedenken, klare Kante gegen Krieg, Hass und Nationalismus         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 20. November 2019 11:51:42 +02:00 (41226 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Zum ersten Mal nahm ich an der zentralen Gedenkveranstaltung im Bundestag teil. In Anwesenheit der Repr&auml;sentanten der f&uuml;nf Verfassungsorgane war es eine bewegende, klare und &uuml;berzeugende Kundgebung f&uuml;r Frieden, Europa und die deutsch-polnische Freundschaft. Als Neumitglied des Volksbundes durfte ich einen Impuls beitragen.&nbsp; &nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>DARUM EUROPA! Frieden braucht Mut!</strong></p>
<p align="center"><strong>Zentrale Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag 2019</strong></p>
<p align="center"><strong>am 17.11.2019 im Plenarsaal des Deutschen Bundestages:</strong></p>
<p align="center"><strong>W&uuml;rdiges Gedenken, klare Kante gegen Krieg, Hass und Nationalismus</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei (20.11.2019)</p>
<p align="center">(Fotos auf <a href="http://www.facebook.com/winfried.nachtwei">www.facebook.com/winfried.nachtwei</a> )</p>
<p>Ungeschminkte Erinnerung an den deutschen Angriffskrieg gegen Polen vor 80 Jahren, der von Anfang an ein Vernichtungskrieg war.</p>
<p>Bewegendes Gedenken an die Abermillionen Kriegstoten, an die Opfer des Nationalsozialismus, von politischer Gewalt und Terrorismus.</p>
<p>Dankbare Erinnerung an die Vers&ouml;hnungsbereitschaft der polnischen Bisch&ouml;fe schon 1965, 20 Jahre danach.</p>
<p>Klare, entschiedene Botschaften wider heutige Hasspropaganda und geistige Brandstifter, f&uuml;r die deutsch-polnische Freundschaft und die Europ&auml;ische Integration.</p>
<p>Die Gedenkveranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgr&auml;berf&uuml;rsorge wird live von 13.30-14.30 Uhr auf der ARD und bei Phoenix &uuml;bertragen.</p>
<p>In der ersten Reihe des voll besetzten Plenarsaals die Repr&auml;sentanten der f&uuml;nf Verfassungsorgane: Bundespr&auml;sident Frank-Walter Steinmeier, Bundestags-Vizepr&auml;sident Wolfgang Kubicki, Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesratspr&auml;sident Dietmar Woidke, Vizepr&auml;sident des Bundesverfassungsgerichts, Prof. Stephan Harbarth, zusammen mit dem Gastredner, dem langj&auml;hrigen Stadtpr&auml;sidenten von Wroclaw (Breslau), Dr. Rafel Dutkiewicz, und dem Pr&auml;sidenten des Volksbundes, dem ehemaligen Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan.</p>
<p>Im Publikum viele polnische G&auml;ste, viele alte, aber auch viele junge Menschen sowie etliche Bundeswehrangeh&ouml;rige, darunter auff&auml;llig viele Generale.</p>
<p>Auf den beiden Videow&auml;nden an der Stirnseite des Plenarsaals das Grundmotiv des Volksbundes: &Uuml;ber dem stillen Meer von schattenwerfenden Grabkreuzen einer Kriegsgr&auml;berst&auml;tte die Worte &bdquo;DARUM EUROPA!&ldquo;</p>
<p>Erstmalig nehme ich heute an der zentralen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag teil. Seit Mitte der 1990er Jahre lernte ich im Rahmen des entstehenden Riga-Komites einen Volksbund im Wandel kennen und seine Gedenk-, Vers&ouml;hnungs- und Friedensarbeit hoch sch&auml;tzen. Der &auml;u&szlig;erst beeindruckende Festakt zu 100 Jahren Volksbund am 16. September im Ausw&auml;rtigen Amt und insbesondere die &uuml;berzeugende Friedensrede von Pr&auml;sident Schneiderhan veranlassten mich, Mitglied des Volksbundes zu werden. ( Bericht auf <a href="https://www.volksbund.de/meldungen/aktuelles-artikel/news/beste-friedensrede-seit-vielen-jahren.html">https://www.volksbund.de/meldungen/aktuelles-artikel/news/beste-friedensrede-seit-vielen-jahren.html</a> ; <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1604">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1604</a> )</p>
<p>Heute bin ich eingeladen, als Wegbegleiter des Volksbundes kurz pers&ouml;nlich Stellung zu nehmen &ndash; zusammen mit dem 94-j&auml;hrigen Kriegs&uuml;berlebenden Heinrich Pankuweit aus Bonn, dem 39-j&auml;hrigen Mariusz Siemiatkowski, Wissenschaftlicher Leiter der Jugendbegegnungs- und Bildungsst&auml;tte Golm auf Usedom, und der 20-j&auml;hrigen Deutsch-Ukrainerin Emiliya Schwarz, Workcamp-Leiterin in Masuren. (Zehn Jahre nach meinem Ausscheiden aus dem Bundestag ist es heute meine 247. Rede im Plenarsaal)</p>
<p><strong>Das Video der Live-&Uuml;bertragung</strong>:</p>
<p><a href="https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL2J1bmRlc3RhZyBsaXZlLzdkODhjMTY1LTVkNTktNDA5YS05NTMyLTcyNWM2MDM3MTdiYw/" target="_blank">https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL2J1bmRlc3RhZyBsaXZlLzdkODhjMTY1LTVkNTktNDA5YS05NTMyLTcyNWM2MDM3MTdiYw/</a></p>
<p><strong>Der Bericht &uuml;ber die Veranstaltung: </strong><a href="https://www.volksbund.de/meldungen/aktuelles-artikel/news/ich-glaube-an-die-freundschaft-zwischen-polen-und-deutschland.html">https://www.volksbund.de/meldungen/aktuelles-artikel/news/ich-glaube-an-die-freundschaft-zwischen-polen-und-deutschland.html</a></p>
<p><strong>Begr&uuml;&szlig;ungsrede von Wolfgang Schneiderhan, Pr&auml;sident des Volksbundes</strong></p>
<p>&bdquo;(&hellip;) Heute, am Volkstrauertag, gedenken wir in Deutschland der Opfer der Kriege und</p>
<p>2. Gewaltherrschaft. Wir trauern mit den Familien und Menschen, denen Angeh&ouml;rige und Freunde entrissen wurden. Und wir besinnen uns auf unsere Verantwortung f&uuml;r Frieden und Auss&ouml;hnung.</p>
<p>Vor achtzig Jahren begann der Zweite Weltkrieg mit dem &Uuml;berfall auf die polnische Stadt Wielun. Diese Feststellung ist richtig, aber sie ist unvollst&auml;ndig. <strong>Kriege fangen nicht &uuml;ber Nacht an und schon gar nicht von selbst. Sie werden gemacht und sie werden vorbereitet</strong>. Das k&ouml;nnen wir am Beispiel des Zweiten Weltkriegs alle miteinander lernen.</p>
<p>Die vor genau 100 Jahren entstandene Weimarer Republik war der erste Versuch einer parlamentarischen Demokratie in Deutschland. Sie stand unter dem st&auml;ndigen Trommelfeuer der Extremisten. Die Wesensmerkmale von Demokratie &ndash; Kompromiss und Debatte &ndash; wurden schlecht geredet, die deutsche Geschichte und das deutsche Soldatentum heroisiert, jede europ&auml;ische Kooperation geschm&auml;ht. Die Nationalsozialisten zeichneten das Bild einer deutschen Opfernation, die sich nun gegen den Rest der Welt zur Wehr setzen m&uuml;sse. Schon damals haben sich die rechtsextremen Populisten als Opfer geriert und waren in Wirklichkeit doch T&auml;ter. Und die Mehrheitsgesellschaft lie&szlig; sie gew&auml;hren, bis aus der Splitterpartei NSDAP eine schlagkr&auml;ftige und erfolgreiche Organisation geworden war.</p>
<p>Nach der Macht&uuml;bernahme durch die Nationalsozialisten setzten die Kriegsvorbereitungen unmittelbar ein. Im Inneren wurde jede Opposition ausgeschaltet, das Milit&auml;r wurde aufger&uuml;stet und die Wirtschaft wurde auf Kriegsvorbereitung getrimmt.</p>
<p>So gesehen hat der Zweite Weltkrieg Jahre vor 1939 begonnen. Ein Ende aber fand er erst durch die milit&auml;rische Niederlage Deutschlands. (&hellip;)</p>
<p>Zwischen 60 und 70 Millionen Menschen haben in diesem Krieg ihr Leben verloren, unter ihnen rund sechs Millionen Polen. Das waren jeweils zur H&auml;lfte Menschen j&uuml;dischen und Menschen christlichen Glaubens, fast alle waren Zivilisten. In Polen hat sich die ganze Grausamkeit der Menschenverachtung der von der nationalsozialistischen Ideologie angetriebenen deutschen Kriegsmaschinerie gezeigt. Der Charakter des Zweiten Weltkriegs als nicht nur ein Angriffs-, sondern auch als ein Vernichtungskrieg ist hier deutlich zutage getreten. &bdquo;Auschwitz&ldquo; ist die Signatur dieses Krieges und steht stellvertretend f&uuml;r die zahlreichen Vernichtungslager und Kriegsverbrechen der Deutschen in Polen und in vielen anderen L&auml;ndern.</p>
<p><strong>Dass uns von dieser geschundene Nation nur 20 Jahre nach dem Krieg die Hand der Vers&ouml;hnung entgegengestreckt wurde, ist der Ausdruck einer unermesslichen menschlichen Gr&ouml;&szlig;e</strong>. &bdquo;Wir vergeben und wir bitten um Vergebung&ldquo;, schrieben die polnischen katholischen Bisch&ouml;fe 1965 an ihre deutschen Amtsbr&uuml;der und luden sie in ihr Land ein. Indem Polen uns die Freundschaft anboten, haben sie auch einen sp&auml;ten Sieg &uuml;ber Adolf Hitler errungen. Hitler hat Millionen Polen t&ouml;ten, das Land besetzen, dem&uuml;tigen und zerst&ouml;ren lassen &ndash; aber er hat es nicht besiegt. Das Vers&ouml;hnungsangebot von polnischer Seite ist f&uuml;r uns ein Geschenk, und zwar ein Geschenk, mit dem wir sorgsamst umgehen m&uuml;ssen.</p>
<p>In der t&auml;glichen Politik sind die polnische und die deutsche Regierung nicht immer einer Meinung. Das kann aber den Konsens, den es zwischen unseren V&ouml;lkern gibt, nicht zerst&ouml;ren,</p>
<p>und dieser Konsens lautet: <strong>Nie wieder Feindschaft! Nie wieder Krieg!</strong></p>
<p>Wir trauern um die Toten der Weltkriege, wir pflegen ihre Gr&auml;ber. Wir wollen damit die Erinnerung an die Menschen wachhalten, die ihr Leben verloren haben.</p>
<p>Aber wir wollen auch dazu beitragen, dass die Toten, derer wir hier und heute gedenken, die letzten Kriegstoten in Europa bleiben.</p>
<p>Um das sicherzustellen, m&uuml;ssen wir in unseren Gesellschaften denen deutlich entgegentreten, die die Lehren und Erfahrungen der Geschichte revidieren wollen, die diesen ungeheuren Zivilisationsbruch des Zweiten Weltkriegs als kleinen Betriebsunfall einer tausendj&auml;hrigen deutschen Heldengeschichte darstellen wollen. Wir erleben in unserem Land gerade wieder, dass aus Hasspropaganda Hass und aus Hass Mord wird. Und wir lernen aus der Geschichte, dass wir nicht nur die Straft&auml;ter verurteilen, sondern den geistigen Brandstiftern mutig entgegentreten m&uuml;ssen. Ihre Methode ist die Provokation, immer eingeleitet mit einem &bdquo;Man wird doch wohl noch sagen d&uuml;rfen ...&ldquo;</p>
<p>Ja, man darf hier vieles sagen, auch Unsinniges. Aber die Anst&auml;ndigen in diesem Land, und das ist die gro&szlig;e Mehrheit, sollten sich nicht abwenden und damit zulassen, dass die Grenzen des Sagbaren immer weiter ins Unmenschliche verschoben werden.</p>
<p>Die polnischen Bisch&ouml;fe haben in den 1960er Jahren gro&szlig;en Mut bewiesen und sich auch von dem kommunistischen Regime, unter dem sie lebten und dem diese Geste nicht passte, nicht einsch&uuml;chtern lassen. Sie k&ouml;nnen von uns erwarten, dass auch wir Mut und Eindeutigkeit zeigen.</p>
<p><strong>Frieden und Freiheit brauchen Mut!</strong> Aber die Kriegsgr&auml;berst&auml;tten in Europa zeigen, wohin es f&uuml;hrt, wenn uns dieser Mut verl&auml;sst.&ldquo;</p>
<p><strong>Stimmen aus 100 Jahren Kriegsgr&auml;berf&uuml;rsorge in Deutschland und Europa von Wegbegleitern des Volksbundes aus drei Generationen:</strong></p>
<p><strong>Heinrich Pankuweit, 94</strong>, wurde 1944 eingezogen und k&auml;mpfte in Frankreich und Belgien:</p>
<p>&bdquo;Sehr geehrte Damen und Herren,</p>
<p>mein Name ist Heinrich Pankuweit. Den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erlebte ich als 13-j&auml;hriger Sch&uuml;ler in meiner Heimatstadt Bonn, sein Ende als 19-j&auml;hriger Kriegsgefangener in Remagen.</p>
<p>Im Sommer 1939 verbrachte ich die Ferien im damaligen Ostpreu&szlig;en, der Heimat meines Vaters. Es drohte bereits der Krieg. So mussten wir fr&uuml;her abreisen.</p>
<p>Als wir durch den Polnischen Korridor fuhren, bewachten polnische Soldaten bereits die weichselbr&uuml;cken. Erstaunt war ich, dass sie mir freundlich zuwinkten. Unbeobachtet konnte ich ihnen, ohne denunziert zu werden, zur&uuml;ckwinken.</p>
<p>Wie es diesen polnischen Soldaten ergangen sein mag? Eine Woche sp&auml;ter marschierte die Wehrmacht in Polen ein. Und das war erst der Beginn eines Weltenbrandes.</p>
<p>Meine Mutter hatte 1914 ihren ersten Ehemann als Soldat und 1943 ihren &auml;ltesten Sohn, meinen Bruder verloren. Beide wurden Opfer sinnloser Kriege. Weltweit mussten Millionen M&uuml;tter &auml;hnliche Opfer bringen.</p>
<p>Mein Bruder ruht mit britischen und deutschen Soldaten in der englischen Hafenstadt Hull, die oftmals Ziel deutscher Bomber war. Seit vielen Jahren besuche ich mit englischen Freunden sein Grab &ndash; und spreche mit ihm. Sein Schweigen ist eine Anklage gegen den Krieg, der ihm sein junges. Hoffnungsvolles Leben raubte.</p>
<p>Nach dem Tod meines Bruders schrieb mir Vater: &bdquo;Sei nicht feige, aber vorsichtig. Denk` daran, wie Mutter leiden w&uuml;rde, wenn auch Du nicht zur&uuml;ckkehrst!&ldquo; Diese mutigen S&auml;tze gegen die Ideologie des Totalen Krieges hatten mich tief bewegt.</p>
<p>Ab 1943 musste ich als Funker der Fallschirmtruppe in Frankreich und Belgien bis zum &bdquo;Ruhrkessel&ldquo; k&auml;mpfen. Wir ergaben uns den Amerikanern.</p>
<p>Wie gl&uuml;cklich waren meine Eltern, als ich lebend zur&uuml;ckkehrte!</p>
<p>Jedes Kriegsgrab ist ein Mahnmal f&uuml;r Frieden und Vers&ouml;hnung. Ich danke dem Volksbund f&uuml;r die Pflege dieser Orte der Erinnerung.&ldquo;</p>
<p><strong>Mariusz Siemiatkowski, 39</strong>, Wissenschaftlicher Leiter der Jugendbegegnungs- und Bildungsst&auml;tte Golm auf Usedom:</p>
<p>&bdquo;Mein Name ist Mariusz Siemiatkowski. Ich komme aus Masuren in Polen.</p>
<p>Schon als Kind haben mich die Erz&auml;hlungen meiner Gro&szlig;m&uuml;tter gepr&auml;gt.</p>
<p>Meine eine Oma Waltraut stammte aus Ostpreu&szlig;en. Mei8ne andere Oma Eleonora war Polin. Als junge Frau wurde sie 1941 bei einer Razzia verhaftet und musste als Zwangsarbeiterin auf einem deutschen Hof bei Stolp in Pommern arbeiten. Nach der Besetzung durch die Rote Armee konnte sie nicht mehr in die Heimat zur&uuml;ck.</p>
<p>Meine Oma Waltraut hat das Grauen des Krieges erst im Januar 1945 erlebt. Als Siebzehnj&auml;hrige musste sie sich mit anderen Dorfkindern nach Westen durchschlagen und landete ebenfalls in Stolp in Pommern. Nach dem Krieg gingen beide in das nun polnische Gebiet Ostpreu&szlig;en zur&uuml;ck.</p>
<p>Meine ersten deutschen W&ouml;rter lernte ich von meinen Gro&szlig;m&uuml;ttern. Sp&auml;ter studierte ich Germanistik in Olsztyn. Als Freiwilliger kam ich zur Jugendbegegnungs- und Bildungsst&auml;tte Golm des Volksbundes auf Usedom. Direkt an der deutsch-polnischen Grenze befindet sich hier ein Friedhof, auf dm Tausende Kriegstote begraben liegen: Darunter Fl&uuml;chtlinge und polnische Zwangsarbeiter. Viele sind bis heute unbekannt.</p>
<p>Der Golm ist ein Lernort der Geschichte. Wir sammeln die Erinnerungen von Zeitzeugen und vermitteln die leidvollen Geschichten dieser Menschen. Zugleich blicken wir auf gegenw&auml;rtige Konflikte.</p>
<p>Seit langem verfolge ich das Zusammenwachsen auf Usedom. Das Leben an und &uuml;ber siese offene Grenze hinweg ist besonders: Es entstehen viele Beziehungen auf beiden Seiten, beruflich wie privat.</p>
<p>Heute besucht mein Sohn den Kindergarten in Ahlbeck. Ich hoffe, dass wir weiter gute Nachbarn bleiben werden.&ldquo;</p>
<p><strong>Emilya Schwarz, 20</strong>, geboren in Mikolajew/Ukraine, Studentin und Workcam-Leiterin:</p>
<p>Ich hei&szlig;e Emiliya Schwarz und studiere in Berlin. Mit vier Jahren bin ich aus meiner Heimat &ndash; der Ukraine &ndash; nach Deutschland gekommen.</p>
<p>Diesen Sommer habe ich ein Workcamp des Volksbundes geleitet. Junge und &auml;ltere Freiwillige aus Polen, Russland, der Ukraine und Deutschland kamen in Masuren zusammen &ndash; &uuml;ber L&auml;nder- und Altersgrenzen hinweg.</p>
<p>Gemeinsam haben wir eine deutsche Kriegsgr&auml;berst&auml;tte gepflegt. Dort liegen deutsche und russische Soldaten des Ersten Weltkrieges.</p>
<p>Wir machten uns daran, die Grabsteine zu reinigen und die von Zeit und Wetter zerst&ouml;rten Schriftz&uuml;ge zu entziffern.</p>
<p>Mit der Liste der milit&auml;rischen Abk&uuml;rzungen in der einen Hand und Pergament mit Bleistift in der anderen machten wir die Identit&auml;ten der Gefallenen wider sichtbar. Oft gab es nur ei9ne Inschrift wie &bdquo;vier unbek. Russen&ldquo;. Es war erstaunlich, dass die Deutschen die Feinde in ihren Reihenordnungsgem&auml;&szlig; begruben, aber auch erschreckend, wie sie ihre Identit&auml;ten untergruben.</p>
<p>Krieg in Mitteleuropa &ndash; f&uuml;r uns ist das heute gar nicht richtig vorstellbar.</p>
<p>Aber nichts anderes geschieht doch gerade in der Ukraine! Es passiert direkt vor unserer Haust&uuml;r. Als wir im Workcamp dar&uuml;ber sprachen, wurden die sonst so offenen Gesuchter unserer Teilnehmer besorgt und frustriert.</p>
<p>Wir fragten uns: Wie kann es sein, dass wir in diesen zwei Wochen gemeinsam Gutes bewirken, w&auml;hrend sich unsere Heimat&auml;ndere k&auml;mpfen? Wie kann es sein, dass wir hier unter uns da Menschsein &uuml;ber die eigene Nationalit&auml;t stellen k&ouml;nnen &ndash; w&auml;hrend anderswo die die Nationalit&auml;t die Menschen im Krieg trennt?</p>
<p>In der Hoffnung, uns diese Fragen eines Tages nicht mehr stellen zu m&uuml;ssen, arbeiten wir gemeinsam f&uuml;r den Frieden.&ldquo;</p>
<p><strong>Winfried Nachtwei, 73 </strong><em>(gek&uuml;rzte Passagen kursiv)</em></p>
<p>&bdquo;Mein Name ist Winfried Nachtwei.</p>
<p>Sommer 1989, im Osten viel Neues: Im Baltikum erhoben sich die Menschen gegen die sowjetische Okkupation.</p>
<p>Gespannt reisten meine Frau und ich erstmalig nach Riga &ndash; und stie&szlig;en dort auch auf die Spuren der deutschen NS-Okkupation <em>ab Juli 1941</em>:</p>
<p>- das ehemalige Ghetto, in das &uuml;ber 20.000 j&uuml;dische Menschen vor allem aus Deutschland <em>(aus Deutschland. &Ouml;sterreich und der Tschechoslowakei)</em> deportiert worden waren,</p>
<p>- die Massengr&auml;ber in den W&auml;ldern von Rumbula und Bikernieki, wo zehntausende Juden aus Riga und Deutschland erschossen worden waren.</p>
<p>An den namenlosen Gr&auml;bern erinnerte NICHTS daran, dass hier j&uuml;dische Menschen ermordet, verscharrt, verbrannt&nbsp; worden waren. Es waren verwahrloste und vergessene Orte.</p>
<p>Wenige Monate sp&auml;ter in M&uuml;nster die Gedenkfeier zum Volkstrauertag an einem Kriegerdenkmal: In stillem Protest erlebten wir &bdquo;gespaltene Erinnerung&ldquo;: beschr&auml;nkt auf die &bdquo;eigenen&ldquo; Toten, die gefallenen V&auml;ter, Br&uuml;der, Kameraden, viele zugleich &ndash; gezwungen oder freiwillig &ndash; Wegbereiter eines V&ouml;lkermordes. Kaum Erinnerung hingegen an die Millionen wehrloser Opfer dieses V&ouml;lkermordens.</p>
<p><em>(Das &auml;nderte sich, als in vielen deutschen Orten und in Wien die Erinnerung an die Riga-Verschollenen auflebte</em>. <em>Ausgehend von</em> dem) Mit dem Deutsch-Lettischen Kriegsgr&auml;berabkommen 1996 wurde die Errichtung einer w&uuml;rdigen Gedenkst&auml;tte im Wald von Bikernieki zu einem zentralen Projekt des Volksbundes Deutsche Kriegsgr&auml;berf&uuml;rsorge. (<em>Auf seine Initiative schlossen sich im Jahr 2000 13 Hauptherkunftsorte der Riga-Deportationen im Deutschen Riga-Komitee zusammen. 60 Jahre nach dem &bdquo;Rigaer Blutsonntag&ldquo; konnte 2001 die besonders beeindruckende Gedenkst&auml;tte Bikernieki eingeweiht werden.)</em> Diese wurde 2001 eingeweiht.</p>
<p>In unserer Zusammenarbeit <em>(bei Erinnerungsreisen, gemeinsamen Veranstaltungen, internationalen Workcamps)</em> lernte ich einen sich wandelnden Volksbund kennen und hoch sch&auml;tzen. Bis dahin separatete Erinnerungskulturen fanden zusammen, Br&uuml;cken der Erinnerungen wuchsen zwischen Nationen und Generationen.</p>
<p>Auf den Massengr&auml;bern von Bikernieki, auf dem Meer an Soldatengr&auml;bern in Ysselstein sp&uuml;rte ich mit den Jugendlichen, wie das unfassbare Leiden der fernen anderen pers&ouml;nlich nahe kam und auf politisches Handeln dr&auml;ngte. Darum Europa!</p>
<p>Darum bin ich Mitglied des Volksbundes geworden: Die Erinnerungs- und Vers&ouml;hnungsarbeit des Volksbundes ist elementare Friedensarbeit nach vorne und, wo pers&ouml;nliche Kriegserinnerungen verblassen, notwendiger denn je.&ldquo;</p>
<p><em>(Das enge Zeitkorsett der Fernsehdirekt&uuml;bertragung begrenzt unsere Impulse auf weniger als drei Minuten pro Person und erfordert intensives Proben &uuml;ber etliche Stunden. Matteo Sch&uuml;renberg vom Volksbund leitet uns und die anderen Mitwirkenden klar, ruhig und souver&auml;n. Schnell lernen wir vier uns n&auml;her mit unseren Lebensl&auml;ufen k&ouml;nnen und werden zu einem europ&auml;ischen Mehrgenerationen-Team. Besonders erfrischend ist dabei unser Heinrich mit seiner Zugewandtheit und rheinischen Frohnatur. Herzlich begr&uuml;&szlig;en ihn Saaldienerinnen und MusikerInnen des Bundeswehr-Musikkorps, die ihn von seinem letzten Auftritt bei der Gedenkveranstaltung 2012 kennen.)</em></p>
<p><strong>Gedenkrede von Dr. Rafal Dutkiewicz, Stadtpr&auml;sident von Wroclaw (Breslau) a.D.&nbsp; </strong></p>
<p>&bdquo;(&hellip;) am 1. September 1939 &uuml;berfielen deutsche Truppen Polen. Damit begann der Zweite Weltkrieg, der sechs Jahre dauerte und rund 60 Millionen Menschen das Leben kostete. Stellen wir uns vor, dass wir im Innern der &bdquo;Neuen Wache&rdquo;, der Gedenkst&auml;tte f&uuml;r die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, sind. Schauen wir auf die Skulptur der Mutter, die ihren toten Sohn in den Armen h&auml;lt. Nun schlie&szlig;en wir die Augen und vervielf&auml;ltigen, verst&auml;rken wir dieses Bild 60 Millionen Mal. Stellen wir uns vor, dass die Pilger durch die Welt wandern und jeden Tag ein Grab eines Kriegsopfers besuchen. So m&uuml;sste diese Pilgerfahrt beinahe 200 Jahre dauern. Gerade einmal sind 80 Jahre vergangen, seitdem 60 Millionen Menschenleben von einer Hekatombe vernichtet wurden. Ein Zehntel der Opfer waren Polen, die H&auml;lfte von ihnen j&uuml;dischen Glaubens. Mein Vater hat mir erz&auml;hlt, dass es Anfang September 1939 sehr warm war. In den ersten Tagen der so genannten Flucht vor den Deutschen hat ihm seine Mutter, meine Oma, kurze Hosen angezogen. Der Vater meines Vaters, mein Gro&szlig;vater, war am September-Feldzug beteiligt. Und als am 17. September 1939 der Krieg im Osten gegen Polen begann, wurde mein anderer Gro&szlig;vater, der Vater meiner Mutter, von den Sowjets nach Ostaszk&oacute;w deportiert und ermordet.</p>
<p>Alles, was ich von ihnen, von meinen Eltern und Gro&szlig;eltern (teilweise unbekannten) gelernt habe, ist das Denken &uuml;ber die Auss&ouml;hnung zwischen den Menschen. F&uuml;ge deinen Mitmenschen keinen Schaden zu.</p>
<p>Als ich die &bdquo;Neue Wache&ldquo; verlasse, und ich bin dort fast jeden Tag, lese ich den Text &ndash; auch meines Gebetes: &bdquo;... Wir gedenken der Millionen ermordeter Juden. Wir gedenken der ermordeten Sinti und Roma. Wir gedenken aller, die umgebracht wurden, wegen ihrer Abstammung, ihrer Homosexualit&auml;t oder wegen Krankheit und Schw&auml;che. Wir gedenken aller Ermordeten, deren Recht auf Leben geleugnet wurde. Wir gedenken der Menschen, die sterben mussten, um ihrer religi&ouml;sen oder politischen &Uuml;berzeugung willen. Wir gedenken aller, die Opfer der Gewaltherrschaft wurden und unschuldig den Tod fanden. ...&rdquo; Dies sollte in den kommenden sechs Jahren folgen, nachdem... &ndash; hier zitiere ich Bundespr&auml;sident Steinmeier: &bdquo;... &uuml;ber WieluÅ„ das Inferno hereinbrach, entfacht von deutschem Rassenwahn und Vernichtungswillen.&rdquo;</p>
<p>Als ich in den sechziger Jahren zum ersten Mal nach WrocÅ‚aw/Breslau kam, und zwar in die Stadt, die ich sp&auml;ter 16 Jahre lang regiert habe, fand ich dort die &Uuml;berbleibsel des Kriegsendes vor: klaffende L&uuml;cken im st&auml;dtischen Organismus, Ruinen und leeren Raum. Die Stadt, meine Stadt, wurde in den letzten Kriegswochen fast zu 80 Prozent vernichtet. Von Februar bis Mai 1945 starben 170 000 Zivilpersonen in Breslau. So viele wie in Hiroshima und Nagasaki, wenige Monate sp&auml;ter. Breslau war vor dem Krieg eine deutsche Stadt. Heute geh&ouml;rt WrocÅ‚aw zu Polen. Das ist wahrscheinlich die einzige Gro&szlig;stadt der Welt, in der die Bev&ouml;lkerung vollst&auml;ndig ausgetauscht wurde. Hunderttausende von Deutschen wurden aus</p>
<p>Stadt vertrieben. An ihre Stelle zogen die Polen ein, teilweise auch aus ihren H&auml;usern in Ostpolen vertrieben.</p>
<p>Und in Zeiten des kommunistischen Regimes wurden die Gr&auml;ber, in denen die Verwandten der Vertriebenen beigesetzt wurden, zerst&ouml;rt. In der Nachkriegszeit wurden in Breslau siebzig Friedh&ouml;fe planiert. Das ist genau der Grund, warum ich in unserer Stadt, ein &bdquo;Denkmal des Gemeinsamen Gedenkens&rdquo; errichten wollte. Und das haben wir auch getan. Zum Andenken an die Breslauer, die auf Friedh&ouml;fen beigesetzt wurden, die heute nicht mehr bestehen. (&hellip;) Eben an diesem Denkmal habe ich auch Richard von Weizs&auml;cker und Fritz Stern gesehen, die Es gibt auch andere Denkm&auml;ler in Breslau &ndash; ein[e]s zu Ehren des Theologen Dietrich Bonhoeffer, aber auch ein anderes, mit zweisprachiger Aufschrift: &bdquo;Wir vergeben und bitten um Vergebung!&rdquo; / &bdquo;Wybaczamy i prosimy o wybaczenie!&rdquo; Der Autor dieser Worte ist Kardinal BolesÅ‚aw Kominek und das ist sein Denkmal. Diese Worte wurden 1965 in einem Hirtenbrief der polnischen Bisch&ouml;fe an ihre deutschen Amtsbr&uuml;der geschrieben. Der Hirtenbrief fasst die komplizierten polnisch-deutschen Beziehungen der letzten 1000 Jahren zusammen.</p>
<p>Zwanzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges schrieb dieser Einwohner der Stadt der Vertriebenen, ein Pole, dessen Familie, wie jede polnische Familie vom Zweiten Weltkrieg betroffen wurde, wie folgt: &bdquo;Wir vergeben und bitten um Vergebung!&rdquo; Auf die im Jahre 1966 gestellte Frage, warum die polnisch-deutsche Vers&ouml;hnung so wichtig ist, erwiderte Kominek: &bdquo;Die Sprechweise kann nicht nationalistisch sein, sondern muss europ&auml;isch in der tiefgreifendsten Bedeutung dieses Wortes sein. Europa ist die Zukunft &ndash; Nationalismen sind von gestern. (...) Eine Vertiefung der Diskussion dar&uuml;ber, eine f&ouml;derative L&ouml;sung f&uuml;r alle V&ouml;lker Europas zu schaffen, u. a. durch schrittweisen Verzicht auf die nationale Souver&auml;nit&auml;t in Fragen der Sicherheit, der Wirtschaft und der Au&szlig;enpolitik [ist sehr wichtig]...&quot;</p>
<p>Machen wir uns Gedanken &uuml;ber die heutige Gestaltung Europas, gilt dann als ein markanter Punkt, der die Spuren des Zweiten Weltkrieges verwischt &ndash; der Fall der Berliner Mauer. Dar&uuml;ber schrieb Fritz Stern in seinem Erinnerungsband &bdquo;F&uuml;nf Deutschland und ein Leben&rdquo;: &bdquo;So schaute ich etwa von Ferne zu, als Breslau in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine neue, noble Bedeutung gewann: Es wurde zu einer Hochburg der SolidarnoÅ›Ä‡, jener polnischen Bewegung, die zur Selbstbefreiung Osteuropas und zum wiedervereinigten Deutschland (meinem f&uuml;nften) f&uuml;hrte.&ldquo;</p>
<p>Dem Vertrag &uuml;ber die Europ&auml;ische Union, genauer gesagt dem Artikel 2 (Grundwerte der Union), ist zu entnehmen: &bdquo;Die Werte, auf die sich die Union gr&uuml;ndet, sind die Achtung der Menschenw&uuml;rde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschlie&szlig;lich der Rechte der Personen, die Minderheiten angeh&ouml;ren. Diese Werte sind allen Mitgliedstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich durch Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarit&auml;t und die Gleichheit von Frauen und M&auml;nnern auszeichnet.&rdquo; Die Europ&auml;ische Union ist eine m&ouml;gliche Antwort unseres Kontinents auf die Trag&ouml;die des Zweiten Weltkrieges. Der Entstehung der Europ&auml;ischen Union liegt u. a. die Erinnerung und die &Uuml;berlegung zugrunde, dass der Krieg so viele Millionen Menschenleben kosten sollte, unter ihnen Millionen polnische B&uuml;rger. Alleine w&auml;hrend des Warschauer Aufstands wurden etwa 200 000 Menschen ermordet. Es ist bedeutend, dass Warschau, das so stark bei und nach dem Aufstand 1944 zerst&ouml;rt wurde, eine der Hauptst&auml;dte der Europ&auml;ischen Union ist. Es ist bedeutend, dass Warschau diejenigen Werte beachten soll, die dem Vertrag &uuml;ber die Europ&auml;ische Union zu entnehmen sind.</p>
<p>Diese Werte sollten uns dabei helfen, die Welle des Populismus und des Nationalismus zu brechen, die auch durch Europa rollt. Indem wir gegen Nationalismen k&auml;mpfen, wenden wir uns nicht gegen Nationen. Die St&auml;rke der nationalen Vorstellungsverbindungen ist in der Menschheitsgeschichte so ausschlaggebend, dass sogar die linksorientierten Philosophen &ndash; wie etwa Habermas &ndash; bereit sind, Folgendes zu sagen: W&uuml;rden die Nationalstaaten nicht entstehen, so m&uuml;sste man sie erfinden. Die Gemeinschaft zieht aber immer weitere Kreise. National geht mit international einher. Die Nation heute und in Zukunft kann sich nur &uuml;bernational verwirklichen, in unserem Fall &ndash; im Rahmen der Europ&auml;ischen Gemeinschaft. Ich sage dies und verneige mich vor den Opfern des Zweiten Weltkrieges, vor den 60 Millionen Kriegsopfern, die oft namenlos irgendwo ruhen. Die Mutter Erde wird sie alle ewig besch&uuml;tzen.</p>
<p>Und vielleicht liegt hier ein zus&auml;tzlicher und wichtiger Grund vor, die Mutter Erde zu pflegen, um sie zu retten. Ich denke, es gibt nichts Wichtigeres als diese zwei Aufgaben, welche uns Europ&auml;ern noch bevorstehen:</p>
<p>Vertiefung der europ&auml;ischen Integration &ndash; f&uuml;r den Frieden,</p>
<p>Klimaschutz &ndash; f&uuml;r unsere Existenz.</p>
<p>Ich glaube daran, dass Europa unsere Zukunft ist &ndash; und Nationalismen von gestern sind.</p>
<p>Ich glaube an die polnisch-deutsche Vers&ouml;hnung. Ich glaube an die Freundschaft zwischen Polen und Deutschland, zwischen Polen und Deutschen.</p>
<p>Das sage ich heute hier als polnischer Europ&auml;er, als ein Breslauer. Das sage ich heute hier als ein Berliner.&ldquo;</p>
<p><strong>Musikalisch umrahmt</strong> wurde die Veranstaltung vom</p>
<p><strong>Landesjugendchor Brandenburg</strong> in Kooperation mit dem <strong>Kammerchor Adoramus</strong> aus der polnischen Grenzstadt SÅ‚ubice unter Leitung von <strong>Claudia Jennings. </strong>Nach der Gedenkrede folgt als drittes Musikst&uuml;ck die international ausgezeichnete Komposition <strong>&bdquo;</strong><strong>Mironczarnia</strong><strong>&ldquo; </strong>des jungen polnischen Komponisten <strong>Jakub Neske</strong>: Es beginnt fl&uuml;sternd, spielt mit lautmalerischen Elementen und Sprechgesang, ist spannungsgeladen. Vorlage ist ein Gedicht von Miron Bialoszewski, der den Kampf eines Autors beim Schreiben eines Gedichts schildert &ndash; mit vielen Wortspielen und &bdquo;Neuw&ouml;rtern&ldquo;, gut klingend, aber sehr schwer &uuml;bersetzbar.</p>
<p><a href="http://neske.eu/j/en/scores/Jakub%20Neske%20-%20Mironczarnia%20SATB%20-%20remarks.pdf">http://neske.eu/j/en/scores/Jakub%20Neske%20-%20Mironczarnia%20SATB%20-%20remarks.pdf</a></p>
<p>Das <strong>Bl&auml;sernonett des Musikkorps der Bundeswehr</strong> unter Leitung von <strong>Oberstabsfeldwebel Matthias Rei&szlig;ner</strong> spielte den zweiten Satz Andante Cantabile aus der &bdquo;Petite symphonie pour vents&ldquo; von <strong>Charles Gounod</strong> (1818-1893).</p>
<p><strong>Die Totensignale</strong> &bdquo;Åšpij kolego&ldquo; (Ruhe in Frieden, Kamerad) und &bdquo;Der gute Kamerad&ldquo; bliesen der <strong>Obergefreite </strong><strong>Mateusz Rubaj</strong>vom<strong> <strong>Repr&auml;sentations-Regiment der polnischen Streitkr&auml;fte</strong> </strong>und<strong> <strong>Oberfeldwebel Matthias He&szlig;eler</strong> </strong>vom<strong> <strong>Musikkorps der Bundeswehr</strong></strong> in Siegburg. Die Gedenkstunde endete mit der Europahymne und der Nationalhymne.</p>
<p><strong>Schlussbemerkung</strong></p>
<p>Die zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag ist der einzige Gelegenheit, an dem der Plenarsaal des Bundestages, der sonst ausschlie&szlig;lich Bundestagsabgeordneten und Mitgliedern von Bundesregierung und Bundesrat zug&auml;nglich ist, einem externen Veranstalter zur Verf&uuml;gung steht.</p>
<p>Angesichts des Anliegens des Volktrauertages &ndash; Wachhalten der Erinnerung an die deutsche und europ&auml;ische Kriegsvergangenheit, Vers&ouml;hnung &uuml;ber den Gr&auml;bern, Friedensauftrag, Freundschaft mit den Nachbarn und Europ&auml;ische Integration &ndash; ist das v&ouml;llig angemessen. Es ist Friedens-Grundlagenarbeit, die nicht als Sonntagsrede verpufft, sondern klar und konkret Kante zeigt gegen nationalistische Egozentriker und Hasspropaganda, entschieden f&uuml;r Europa, gemeinsame Friedenssicherung und unteilbare Menschenrechte.</p>
<p>Besonderer Dank geb&uuml;hrt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Volksbundes und der Bundestagsverwaltung: Die Herausforderung einer solchen Veranstaltung mit h&ouml;chsten Staatsspitzen, vielen alten und ausl&auml;ndischen G&auml;sten und einem strengen Zeitplan wurde verl&auml;sslich-perfekt und mit souver&auml;ner Ruhe gemeistert. Als G&auml;ste des Bundestages konnte man sich richtig willkommen f&uuml;hlen.</p></div>


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