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Zivilisatorische Weisheit: Dag-Hammarskjöld-Ehrenmedaille der DGVN an B. Ferencz, Chefankläger im Nürnberger Einsatzgruppenprozess, und an den Internationalen Strafgerichtshof - Nachtwei weiter im DGVN-Vorstand

Veröffentlicht von: Nachtwei am 19. Dezember 2013 08:36:34 +01:00 (11249 Aufrufe)

Vor 50 Jahren fand im Gallus Saalbau in Frankfurt/M. der erste deutsche Auschwitz-Prozess statt. Jetzt ehrte hier die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) den 93-jährigen letzten lebenden Ankläger der Nürnberger Prozesse und den mit seiner Hilfe erkämpften Internationalen Strafgerichtshof.

Zivilisatorische Weisheit: Dag-Hammarskjöld-Ehrenmedaille der DGVN an Benjamin Ferencz, Chefankläger im Nürnberger Einsatzgruppenprozess, und an den Internationalen Strafgerichtshof – Nachtwei weiter im DGVN-Vorstand

Winfried Nachtwei (12/2013)

Ehrung für eine historische Persönlichkeit: Am Vorabend ihrer alle zwei Jahre stattfindenden Mitgliederversammlung lud die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) am 6. Dezember 2013 in Frankfurt/Main an historischem Ort zur Ehrung einer herausragenden historischen Person. Wo im Gallus Saalbau 1964/1965 der erste deutsche Auschwitz-Prozess statt gefunden hatte, wurde nun die „Dag-Hammarskjöld-Ehrenmedaille“ verliehen, benannt nach dem zweiten UN-Generalsekretär (1953 bis 1961). Preisträger des Jahres 2013 waren Prof. Benjamin B. Ferencz, letzter noch lebender Ankläger der Nürnberger Prozesse, und der Internationale Strafgerichtshof (IStGH), vertreten durch die Chefanklägerin Fatou B. Bensouda. Letzte Preisträger waren Kofi Annan (2009), Klaus Töpfer (2005), Lakhdar Brahimi und die Schülergruppe „Aktion Völkerrecht“ (2004), die anwesenden Prof. Klaus Hüfner und General Eisele (1998), Tadeusz Mazowiecki (1995). (www.dgvn.de/meldung/dag-hammarskjöld-ehrenmedaille-2013-1/ )

Der 1920 in Siebenbürgen geborene Benjamin Ferencz wanderte mit seinen Eltern in die USA aus. Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen schloss er schon 1943 die Harvard Law School erfolgreich ab. In der US-Army diente er zunächst in einem Flugabwehr-Bataillon an der Westfront, später in der neu aufgebauten War Crimes Branch der Army. Er erlebte das Grauen der gerade befreiten KZ Buchenwald, Mauthausen und Dachau und wurde Ermittler im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher. Als 27-Jähriger war er 1947 Chefankläger im Nürnberger Einsatzgruppenprozess: Den 22 Angeklagten wurde die Ermordung von mehr als 1 Millionen Menschen vorgeworfen. Lt. AP war es der „größte Mordprozess der Geschichte“. Er wurde zu einem Kämpfer gegen die Straflosigkeit schwerer Menschenrechtsverbrechen und Vorkämpfer des Internationalen Strafgerichtshofes. Im Januar 2009 eröffnete Ferencz symbolisch das erste Plädoyer der Anklage des IStGH. Der auch bei der Preisverleihung anwesende deutsche Richter am IStGH, Hans-Peter Kaul, nennt ihn die „weltweit führende Stimme und führende Kraft bei der Strafbarmachung künftiger Angriffskriege“. Nach Grußworten des Frankfurter Stadtrates Prof. Semmelroth, des hessischen Ministers Boddenberg und der Vizepräsidentin des Bundestages Claudia Roth hält Innenminister a.D. Gerhart Baum die Laudatio auf den quirligen 93-jährigen „Ben“ und den IStGH. Seine neue Chefanklägerin, die ehemalige gambische Justizministerin Fatou Bensouda, habe die schwierigste Aufgabe – unter schwersten Ermittlungsbedingungen (weit entfernte, unsichere Regionen, schwache Staatlichkeit) dennoch juristisch seriöse Anklageschriften zu schaffen. Der IStGH nahm am 1. Juli 2002 mit Inkrafttreten des Römischen Statuts in Den Haag seine Arbeit auf. Zurzeit sind am IStGH 21 Fälle anhängig.

Auf die Frage, warum es so lange von Nürnberg bis zum IStGH in Den Haag gedauert habe, erinnert er daran, dass seit Jahrtausenden die Straflosigkeit „der da oben“ selbstverständlich gewesen sei. Diese Straflosigkeit zu bekämpfen und zu überwinden, war und ist Ausdruck von zivilisatorischer Weisheit.

Benjamin Ferencz hatte fast sieben Jahrzehnte mit schweren Menschenrechtsverbrechen und Massenmördern zu tun. Ständig damit konfrontiert zu sein, was Menschen Menschen antun können, das könnte verbittern, depressiv werden lassen. Davon ist bei dem kleinen, humorvollen und quicklebendigen Herrn nichts zu spüren. Es ist beglückend und elementar ermutigend und hoffnungsvoll, einen solchen Menschen erleben und ihm begegnen zu dürfen.

Die Mitgliederversammlung der DGVN

wählte am 7. Dezember für zwei Jahre ihren 13-köpfigen Bundesvorstand. Zum inzwischen siebten Mal gehörte ich dazu. Erneut zum Vorsitzenden gewählt wurde Dr. Detlef Dzembritzki, ehemaliger Bundestagsabgeordneter (SPD) und Vorsitzender des Bundestagsunterausschusses Vereinte Nationen.

Ausgesprochen beeindruckend waren die Tätigkeitsberichte des Generalsekretariats und der Landesverbände. Die Website mit ihren inzwischen fünf Themenportalen ist das Rückgrat der DGVN-Bildungsarbeit: DGVN, Menschliche Entwicklung stärken/Klimawandel bekämpfen/Frieden sichern/Menschenrechte durchsetzen (neu). Sehr erfolgreich ist das Kooperationsprojekt von DGVN und Berliner Friedrichstadtpalast zu Kinder und Klimawandel.

Der 24. Oktober als Tag der Vereinten Nationen sollte zum Kristallisationspunkt der VN-Arbeit an den Schulen werden.

 


Publikationsliste
Vortragsangebot zu Riga-Deportationen, Ghetto Riga + Dt. Riga-Komitee

Ende 1941/Anfang 1942 rollten Deportationszüge aus Deutschland und Österreich nach Riga.

1989 stieß ich auf die Spuren der verschleppten jüdischen Frauen, Männer und Kinder.

Mit meinem bebilderten Vortrag "Nachbarn von nebenan - verschollen in Riga" stehe ich gern für Erinnerungsveranstaltungen und Schulen zur Verfügung. (Anlage)

Vorstellung der "Toolbox Krisenmanagement"

Von der zivilen Krisenprävention bis zum Peacebuilding: Die 53-seitige Broschüre stellt kompakt und klar auf jeweils einer Themenseite Prinzipien, Akteure und Instrumente des Krisenmanagements vor. Bei einem Kolloquium im Bundestag in Berlin wurde die Schrift einem Fachpublikum vorgestellt. Erstellt von AutorInnen des Zentrums Internationale Friedenseinsätze ZIF und der Stiftung Wissenschaft und Politik SWP ist die "Toolbox" ein wichtiger Beitrag zur friedens- und sicherheitspolitischen Grundbildung auf einem Politikfeld, wo die Analphabetenrate in der Gesellschaft, aber auch in Medien und Politik sehr hoch ist. ... www.zif-berlin.de

zif
Auf dem Foto überreicht W. Nachtwei den AutorInnen seine 2008 erschienene Broschüre zur Zivilen Krisenprävention und Friedensförderung.

Mehr zur Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure bei der zivilen Konfliktbearbeitung u.a.:

Tagebuch
    • Meine persönlichen Jahresrückblicke + Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik (Nr. 1-50 im Tagebuchformat)

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