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Peace-Support: Mein 6. Besuch beim VN-Ausbildungszentrum der Bundeswehr in Hammelburg mit Berichten auch von 1996 und 2005

Veröffentlicht von: Nachtwei am 17. September 2013 22:17:27 +02:00 (11396 Aufrufe)

Vor 40 Jahren, am 18. September 1973, wurden die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche  Demokratische Republik Mitglieder der Vereinten Nationen - Nr. 134 und 133. Vor 19 Jahren entstand das VN-Ausbildungszentrum der Bundeswehr in Hammelburg. 1996 begegnete ich dort einer Art von Militär im VN-Auftrag, wie ich es vorher nicht kennen gelernt hatte und kaum für möglich gehalten hätte. Inzwischen werden in Hammelburg auch Polizisten, Zivilexperten, NGO-Mitarbeiter und Journalisten auf Gefahren in Krisenregionen vorbereitet. Inzwischen ist das Zentrum ein wichtiger Knoten in dem weltweiten Netz von Peacekeeping-Ausbildungszentren. Hier der Bericht:

Peace-Support international + integriert:

Besuch des VN-Ausbildungszentrums

der Bundeswehr in Hammelburg

Winfried Nachtwei, MdB a.D.[1] (August 2013)

Absicht des Besuches im August 2013: Die Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl bieten die Chance, die deutsche Außenpolitik neu zu justieren und dabei ihre VN-Fähigkeiten zu stärken. Mit dem Besuch will ich mir einen Überblick über den aktuellen Stand der deutschen Beiträge zur VN-Friedenssicherung und Möglichkeiten ihrer Weiterentwicklung verschaffen.  Kurzfristig mit dabei sind Dr. Almut Wieland-Karimi, Direktorin des ZIF, und Thomas E. Schultze, Leiter des OSZE-Referats im Auswärtigen Amt. Ihm war ich erstmalig Anfang 2004 in Kunduz begegnet, wo er der erste zivile PRT-Leiter über ein Jahr war.

Im Anhang die Berichte von meinen Besuchen beim VN-Ausbildungszentrum 1996 und 2004.

Vorgeschichte: Im Hinblick auf den Somalia-Einsatz der Bundeswehr (UNOSOM II) begann im April 1993 an der Infanterieschule des Heeres in Hammelburg die vorbereitende Ausbildung von VN-Kontingenten. Hieraus entstand im Januar 1994 das „VN-Ausbildungszentrum der Bundeswehr", das die VIII. und IX. Inspektion der Infanterieschule umfasste. Am 27. Oktober 1999 wurde das VN-Ausbildungszentrum Bundeswehr (VNAusbZentrBw) offiziell in Dienst gestellt. Es ist seitdem ein eigenständiger Bestandteil der Infanterieschule.

Erstmalig besuchte ich das Zentrum am 15. April 1996 zusammen mit dem Bundestags-Unterausschuss „Vereinte Nationen". Es war meine erste Begegnung mit VN-Militär, das auf Friedensunterstützung, Gewaltverhütung und -eindämmung orientiert ist und sich wesentlich von traditionellem Militär unterscheidet. Im Einsatz erlebte ich diese Art von Militär zum ersten Mal im Rahmen der Bosnien-Reise von grüner Partei- und Fraktionsspitze im Herbst 1996. Einen Monat vorher hatte ich in Berlin erstmalig Generalmajor Manfred Eisele gehört, den obersten Militärberater des VN-Generalsekretärs und höchsten deutschen Peacekeeper.[2] Danach besuchte ich das Zentrum mehrfach, u.a. im Dezember 2004 (nach den Misshandlungen von Coesfeld, vgl. Berichtsauszüge), im Juli 2005 im Rahmen des 1. Hammelburger Kongresses „Politik und Krisenprävention am Beispiel Afghanistans und des Kosovo" (Kooperation von Infanterieschule/VN-AusbZentrBw, Plattform Zivile Konfliktbearbeitung, Pax Christi, Eurosolar und dem örtlichen Grünen-MdB Hans-Josef Fell) und im Mai 2011 mit sechs grünen Bundestagsabgeordneten, angeführt von dem erfahrenen VN-Praktiker Tom Koenigs.

Umfeld: Zwischen Fulda und Würzburg liegt im Süden der Rhön an der fränkischen Saale Hammelburg, die älteste Weinstadt Frankens. Seit 1895 befindet sich jenseits von Schloss Saaleck etwa fünf Kilometer südlich von Hammelburg auf einer Hochebene der  Truppenübungsplatz Hammelburg. 1914 bis 1921 und 1940 bis 1945 dienten die Kasernen auch als Kriegsgefangenenlager, danach als Internierungslager und bis 1958 als Flüchtlingslager.  1956 entstand hier die Infanterieschule der Bundeswehr. Diese umfasst heute sieben Inspektionen und ein Offizieranwärter-Bataillon. „Lager Hammelburg"  liegt in der Nordostecke des 40 km2 großen Übungsplatzes, das VN-Lager „Felschental" direkt anschließend nach Süden, das Übungsdorf „Bonnland" im Südteil. An über 100 Tagen im Jahr wird der Übungsplatz auch von Polizeien von Bund und Ländern, Berufsfeuerwehren, THW, dt. Rotem Kreuz und anderen Organisationen zur Aus- und Weiterbildung genutzt.

Es ist eine wellige, harmonische, saftig grün und wechselhaft bewachsene Landschaft.

Der ca. 30 km nordostwärts liegende Truppenübungsplatz Wildflecken wird stark von den Hammelburgern mitbenutzt.

Programm: Umfangreiches Briefing durch den Kommandeur des Zentrums, Oberst Reinhard Barz, Ortsbesichtigungen Übungsdorf „Bonnland" und VN-Lager Felschental, Gespräche. Barz ist Kommandeur seit 2005, verfügt über vielfältige Einsatzerfahrungen und kennt ca. 80 Peacekeeping-Ausbildungszentren weltweit.

Übersicht Einsätze im Ausland

Die Bundeswehr absolvierte seit 1960 ca. 130 Einsätze (vor den 90er Jahren nur humanitäre und Hilfseinsätze). Aktuell sind 6.050 Soldatinnen und Soldaten in 12 Einsätzen.

Weltweit stehen in internationalen Einsätzen zzt.

-         227.425 Soldaten (2.000 Militärbeobachter), davon 138.000 NATO-geführt, 86.000 VN-geführt, 3.066 EU-geführt.

-         16.130 Polizisten, davon 14.633 VN, 1.445 EU, 52 OSZE.

-         10.775 Zivilisten, davon 8.099 VN, 2.144 EU, 532 OSZE.

Das Personal bei VN-Peacekeeping-Einsätzen (insgesamt 109.700 Ende Juni 2013, bis Jahresende bis zu 120.000) setzt sich zusammen aus

-         83% Uniformierten (68% Militärs, 13% Polizisten, 2% Militärbeobachter/UN Military Experts on Mission), gestellt von 116 Nationen; den größten Zuwachs gab es bei Polizeikräften: 5.900 im Juni 2005, 12.600 im Juni 2013;

-         17% Zivilpersonen (5% Internationale, 10% lokale Kräfte, 2% UN Volunteers); seit 2004 Anstieg von 4.000 auf über 5.000 internationales Zivilpersonal.

-         USA, Kanada, Japan und die EU-Staaten bestreiten 80% der Einsatzkosten, stellen aber weniger als 8% des Personals, afrikanische, zentral- und südasiatische VN-Mitglieder hingegen 71%. (Anfang der 90er Jahre stellte die Western European and Others Group (WEOG) noch 71% des uniformierten VN-Personals.)

Die 15 VN-Einsätze arbeiten in einem Gesamtgebiet von 5 Millionen km2 mit einer Bevölkerung von 169 Millionen. Die Einsätze kosten 7,33 Mrd. $ (0,5% der weltweiten Militärausgaben). Praktisch unbekannt ist hierzulande, dass die meisten Missionen „ihre Hauptaufgabe - eine erste Stabilisierung in Nachkriegssituationen, die Schaffung eines Umfeldes, in dem andere Akteure der Entwicklungszusammenarbeit oder der humanitären Hilfe tätig werden können - (...) erfüllt haben. Darüber hinaus sind VN-Friedenseinsätze, trotz teils berechtigter Kritik, erfolgreicher, wirksamer und kosteneffektiver als Interventionen anderer Akteure."[3]

Aufgaben des Zentrums

Das VNAusbZentrBw ist eine Ausbildungseinrichtung der taktischen Ebene im Rahmen friedensunterstützender Maßnahmen/Einsätze. (Peace Support) Diese umfassen Konfliktverhütung, Friedensschaffung, Friedenserhaltung (Peacekeeping), Friedenskonsolidierung (Peacebuilding) und Humanitäre Einsätze, nicht umfassende Friedenserzwingung (Peace Enforcement).

Es heißt, 96,9% aller internationalen Einsätze seit 1945/90 fallen unter Peace Support, nur 3% unter Peace Enforcement. Diese Zahl ist spektakulär. Sie steht im Widerspruch zu einer verbreiteten Wahrnehmung, wo multinationale Krisen- und Auslandseinsätze mit Kriegseinsätzen gleichsetzt werden.

Der Ausbildungsbetrieb besteht zu 80% aus praktischen Übungen.  2010 durchliefen ca. 15.000 Personen das Zentrum, in diesem Jahr werden es ca. 12.000 sein. Darunter ca. 60 Militärbeobachter (40 Deutsche, 20 international; weltweit Ausbildung von 1.000 Militärbeobachtern  jährlich), je ca. 250 Polizisten und Zivilisten, ca. 120 NGO-Mitarbeiter.

Das Zentrum  besteht aus dem Bereich Lehre und Ausbildung mit zwei Inspektionen, (I. Internationale Einsatzausbildung, II. Nationale Einsatzausbildung) der Ausbildungsunterstützungskompanie (v.a. Rollenspieler) und der Gruppe Grundlagen (Expertengruppe Schutz und Internationale Kooperation). Es umfasst insgesamt 567 Dienstposten plus 5 zivile Mitarbeiter im Stab (z.B. Psychologen) und 10 zivile Rollenspieler. Insgesamt verfügt das Zentrum über ca. 350 militärische und 30 zivile Rollenspieler.

Konzeptionelle Grundlagen sind die Konzeption der Bundeswehr, die Verteidigungspolitischen Richtlinien und die vorläufige Weisung für die Organisation und Kommandostruktur des Heeres vom 1.10.2012.

Zielgruppen:

a) Soldaten und Zivilpersonen der Einsatzkontingente der Bundeswehr (KFOR + ISAF jeweils eine Woche, Operational Monitoring & Liaison Teams/OMLT 4 Wochen), Besatzungen von Sonderfahrzeugen (II. Insp.)

b) NATO Partnership + Education Center im Rahmen der Partnership for Peace Programme (I. Insp.)

c) VN-Ausbildungszentrum (im engeren Sinn) mit VN-zertifizierten Lehrgängen für Militärbeobachter (9 Wochen), Stabsoffiziere, Military Experts on Mission - im Mittelpunkt hier die Kooperation von Soldaten aus unterschiedlichen Kulturkreisen und der Umgang mit unübersichtlichen Lagen (I. Insp.)

d) Beratung

e) Ausbildungsunterstützung durch mobile Ausbildungsteams für Ausbildungszentren im Ausland (bei etlichen Ausbildungszentren in Afrika werde oft nur mit Hörsaal-Dozenten gearbeitet, sei die taktische Ausbildung oft mangelhaft)

f) Ressortübergreifende Ausbildung (insbesondere zum Schutz) für Polizei, ZIF, GIZ, NGO`s, Europäischen Auswärtigen Dienst, OSZE, Journalisten, Firmen. Seit 2008 gemeinsame Trainingsplattform mit Führungsakademie Bundeswehr, Bundes-Polizeiakademie, den zwei Ausbildungsstätten der Länderpolizeien für Auslandseinsätze in Brühl/NRW und Wertheim/Baden-Württemberg, ZIF, Akademie für Internationale Zusammenarbeit der GIZ.[4] Angesichts der ressortübergreifenden Vielfalt der Ausbildungspartner versteht sich das Zentrum auch als „Mutterhaus der integrierten Ausbildung".

Expertengruppe Schutz:

Schutz eigener Kräfte, Schutz von Zivilisten und Kindern (hier versäume ich zu fragen, ob auch Operationen zum Schutz vor Massenverbrechen im Rahmen der Schutzverantwortung dazu gehören). Regelmäßige Erfahrungsauswertung, Einspeisen in die Ausbildung, Ausbildungshinweise, Leitfäden (z.B. Leitfaden „Maßnahmen zum Schutz von zivilem Personal beim Einsatz in Krisengebieten" Schwerpunkt Journalisten)

Internationale Kooperation: Hier geht es vor allem um Harmonisierung, Interoperabilität, Standardisierung, Austausch von Ausbildern, Ausbildungsmethoden und -materialien.

Dialog- und Kooperationszusammenhänge:

-         NATO-Partnership for Peace mit 22 Ländern

-         Mittelmeerdialog zwischen Mauretanien, Marokko, Algerien, Tunesien, Ägypten, Jordanien, Israel

-         Istanbul Cooperation Initiative mit Kuweit, Bahrein, Qatar, VAE (Türkei?)

Trainingskooperationen:

-         NATO Training Group + Training and Education for Peace Support Operations (TEPSO, der Kommandeur des VNAusbZentrBw ist Vorsitzender)

-         UN Network der International Association of Peacekeeping Training Centers (IAPTC, www.iaptc.org ) mit 266 Mitgliedern (78 militärische Trainingzentren, 37 polizeiliche und 151 zivile)

-         Regionale Peacekeeping Training Centers: ALCOPAZ (Lateinamerika), NORDCAPS (Nordic Coordinated Arrangments  for Military Peace Support seit 1997), 4-PCE (Deutschland, Niederlande, Österreich, Schweiz), apsta (African Peace Support Trainers Association seit 2002), AAPTC (Association of Asia-Pacific Peace Operations Centers (hier ist Indonesien zzt. sehr treibend)

Ortsbesichtigung

Wir durchfahren die wellige Landschaft des Truppenübungsplatzes außerhalb des Übungsbetriebes: Besondere Stille, tiefster Frieden herrscht, wo sonst unfriedliche Regionen und Situationen geübt werden.

Bonnland wurde 780 erstmalig urkundlich erwähnt. 1618 zählte Bonnland 40 Familien. 28 Familien fielen 1625-1635 der Pest zum Opfer. Mit der Erweiterung des Truppenübungsplatzes der Wehrmacht wurde 1937 die Dorfbevölkerung umgesiedelt. Äußerlich erscheint Bonnland wie ein zeitloses Dorf mit Hauptstraße, Kirche, Gemeinde, Post, Gaststätte ... Heute ist alles aufgeräumt und ohne jedes Leben. Hier können bis zu 1000 Soldaten am Tag üben - von Hausdurchsuchung über  Massenanfall von Verletzten  bis zu Orts- und Häuserkampf  unter Einbeziehung der Kanalisation. Das letztere Szenario ist mit das schwierigste und schlimmste. Es ist der Bundeswehr in Einsätzen bisher erspart geblieben.

Am Ortsrand von Bonnland befindet sich eine Demoanlage Waffenwirkung/Sprengwirkung.   Im VN-Lager „Felschental" mit seinen Zäunen, Wachtürmen, Unterkünften, Bunkern ist Feldlageratmosphäre spürbar. Hier beobachteten wir bei einem ersten Besuch in 1996 eine Übung im abgestuften und deeskalierenden „Umgang mit einer unfriedlichen Menschenmenge am VN-Camp". (s.u.)

Mein Kommentar zur künftigen Stellung des Zentrums

Ausdrücklich zu begrüßen ist, dass im Ministerium an einer VN-Strategie gearbeitet wird. Ihre Inhalte sind noch nicht bekannt. Offen ist, wieweit sie Klarheit in den folgenden Problempunkten schafft.

Gegenwind? Mit der Verschärfung des Afghanistaneinsatzes kehrte der Krieg „von unten" in die Einsatzwirklichkeit der Bundeswehr zurück. So richtig und überfällig es war, die Kriegssituation auf der taktischen Ebene beim Namen zu nennen, so problematisch waren manche verallgemeinernden Schlussfolgerungen: Als sei die Bekämpfung von Aufständischen das primäre Szenario der Zukunft, als sei der Kampfeinsatz die eigentliche Bestimmung und höchste Erfüllung soldatischer Existenz. Berechtigte Hochschätzung persönlicher Extremleistungen und -belastungen schlug des öfteren um in eine Überschätzung der Rolle des Kampfes in künftigen Einsätzen. Vor diesem Hintergrund scheint es mir nicht ganz zufällig zu sein, dass vom Abschluss des erfolgreich gewaltverhütenden und gewaltarmen  Friedenssicherungseinsatzes der Bundeswehr in Bosnien & Herzegowina im letzten Herbst kaum Notiz genommen wurde. Es gibt eine Tendenz, ausdrückliche Stabilisierungseinsätze als eine Art militärisches Gutmenschentum („Brunnenbohrer") oder als sprachliche Verharmlosung abzuwerten, ja verächtlich zu machen.

Manche Insider konstatieren eine zunehmende Rückwärtsgewandtheit in der Bundeswehr, eine mehr oder weniger unterschwellige Hinwendung zu Krieg und Duellszenarien als Kernaufgabe.

Diese Tendenz einer schleichenden Abwendung von Friedensunterstützung trifft zusammen mit der zunehmenden Dezentralisierung der einsatzvorbereitenden Ausbildung. Gegenwärtig wird die Weiterentwicklung der streitkräftegemeinsamen, einsatzvorbereitenden Ausbildung  untersucht. Die Ausbildungsangebote für nichtmilitärische Akteure, ja die Existenz des VNAusbZentrBw ist deshalb auf Dauer keineswegs gesichert.

Der friedens- und sicherheitspolitische Bedarf weltweit geht in die entgegengesetzte Richtung. Drängend ist der Bedarf vorrangig auf dem Feld der VN-Friedensunterstützung, kaum der „Friedenserzwingung". Damit hier Aufgaben wirksamer wahrgenommen und Friedenschancen besser genutzt werden können, braucht es besseres Peacekeeping, bessere Peacekeeper: klarere und realistische Mandate, angemessenere Ausstattung, eine ausgewogene personelle Unterstützung durch  a l l e  VN-Mitgliedsstaaten - und besser ausgebildete Soldaten, mehr qualifizierte Polizisten und Zivilexperten, ein besseres, eingeübtes Zusammenwirken der verschiedenen Akteure.

Die Rolle des VNAusbZentrBw im Netz internationaler Peacekeeping-Zentren, seine Beiträge zur Qualifizierung von Militärbeobachtern und zur Qualitätssteigerung der Ausbildung, also zu internationaler VN-Fähigkeit sind herausragend. Deutschland ist mit zzt. 538 Mio. US-$ der viertgrößte Beitragszahler für VN-Friedensmissionen (nach USA, Japan, Frankreich).

Halbherzige internationale Verantwortung: In eklatantem Widerspruch dazu steht die äußerst schwache personelle Beteiligung Deutschlands - und anderer Verbündeter - an VN-geführten Friedenseinsätzen: Am 30.7.2013 waren es 17 deutsche Polizisten, 9 Military Experts on Mission (7 in Stabsverwendungen, 8 als Verbindungsoffiziere zu einheimischen Streitkräften, Behörden), keine (!) Militärbeobachter, 201 Kontingentsoldaten. Deutschland stellt 0,1% der VN-Polizisten, 0,3% der VN-Soldaten und 0,7% der VN-Zivilexperten. Niemals stellte Deutschland bisher einen Force Commander. Deutschland steht damit nach Bolivien auf dem 48. Platz der VN-Truppensteller! Italien als größter europäischer Truppensteller steht an 24. Stelle. (Und: In 2000 stellten EU, USA und Kanada 44% der VN-Polizisten, 2012 nur noch 4,4%!)

Die deutsche und westliche Zurückhaltung gegenüber VN-Friedensmissionen hat zunächst historische Gründe: Für das Scheitern der VN-Missionen in Somalia, Ruanda und Bosnien in der Mitte der 90er Jahre wurden die Vereinten Nationen verantwortlich gemacht, obwohl es durch das Versagen der Mitgliedsstaaten verursacht worden war. Die westlich- bzw. US-geführten Einsätze ab 2001 in Afghanistan und ab 2003 der Krieg im Irak absorbierten die Masse des westlichen Personals.

Dem größten Teil der Öffentlichkeit und auch vielen Abgeordneten sind das Spezifische und die Leistungen von VN-Friedenseinsätzen kaum bekannt. Der seit 2008/9 kriegerisch gewordene Afghanistaneinsatz prägt inzwischen das Bild aller Einsätze.

Heute wird die Zurückhaltung gegenüber VN-Missionen vielfach mit Vorbehalten gegenüber der Führung,  Zusammensetzung und Ausstattung solcher Einsätze begründet. Den Anspruch auf eine sanitätsdienstliche Versorgung auf dem Niveau eines deutschen Kreiskrankenhauses, wie sie für Bundeswehrsoldaten in Kontingenteinsätzen besteht, können VN-Missionen in der Tat nicht immer garantieren. Offiziere mit VN-Erfahrung und VN-Insider berichten aber, die VN habe aus Fehlern gelernt und sei inzwischen relativ gut aufgestellt, Stabsarbeit funktioniere erstaunlich gut, Versorgung und Rettungskette klappe nach VN-Richtlinien. Insgesamt vermelden sie eine hohe Einsatzzufriedenheit (das hat auch mit der höheren Eigenständigkeit einzeln entsandter Soldaten zu tun). Viele gehen wiederholt in VN-Einsätze.

Die deutsche Zurückhaltung (Verweigerungshaltung?) gegenüber VN-Einsätzen scheint mir primär an mangelnder VN-Orientierung, Betonung nationaler Sicherheitsinteressen und Hintanstellung internationaler, kollektiver Sicherheit sowie an militärischen Opportunitätserwägungen zu liegen. Innerhalb der NATO sind die Strukturen, Verfahren viel eingespielter, verlässlicher, gewohnter ... Seriös ist die Zurückhaltung aber nicht zu rechtfertigen - erst Recht nicht, wenn die Schwerpunktbelastung durch den Afghanistaneinsatz Ende 2014 vorbei ist. Sie ist sicherheitspolitisch kurzsichtig, befördert das reale Zwei-Klassen-Peacekeeping, entzieht den VN wichtige Fähigkeiten und behindert die Weiterentwicklung einer wirklich gemeinsam getragenen VN-Friedenssicherung für globale Sicherheit.

Eine solche „Kultur der Zurückhaltung" beschädigt die Glaubwürdigkeit einer deutschen Außen- und Sicherheitspolitik, die von sich in jedem Koalitionsvertrag behauptet, sie sei Friedenspolitik.

Schlussfolgerungen für eine glaubwürdigere + wirksamere VN-Politik:[5]

  • Wenn deutsche Mitverantwortung für internationale kollektive Sicherheit ernst gemeint ist, muss Deutschland sich auch vermehrt an VN-geführten Friedenseinsätzen beteiligen - mit militärischen Missionsexperten, Kleinkontingenten, mehr Polizisten und Zivilexperten. 40 Jahre nach Beitritt der beiden deutschen Staaten zu den Vereinten Nationen ist das überfällig. Mit dem Ende des Großeinsatzes in Afghanistan bestehen auch Spielräume dafür.
  • Notwendig ist eine deutsche VN-Strategie und eine spezifische konzeptionelle Grundlage für die VN-Ausbildung.
  • Angesichts der hohen Sympathie für die VN und einer Friedenseinsatzrealität tatsächlicher Kriegsverhütung, Gewalteindämmung und Friedensunterstützung lässt sich bei entsprechender politischer Führungsfähigkeit sehr wohl öffentliche Zustimmung und Unterstützung gewinnen.
  • Das VN-Ausbildungszentrum der Bundeswehr muss gestärkt und darf auf keinen Fall geschwächt werden.
  • Mittelfristig anzustreben wäre ein ressortübergreifendes Ausbildungszentrum für Friedenseinsätze. Dem stimmen Partner im zivil-militärischen Ausbildungsverbund der Trainingsplattform ausdrücklich zu. Die Vision dafür gebe es schon länger. Allerdings sind die Umsetzungshindernisse massiv.
  • Unbedingt fortzusetzen ist die Tradition des „Tages des Peacekeepers", dessen Premiere am 12. Juni 2013 ein großer Erfolg war und der eine größere Beachtung in der Öffentlichkeit verdient hat.[6]

 

Anlage

Berichtsauszüge von früheren Besuchen in Hammelburg

(1) Nach „Coesfeld": Besuch am 9.12.2004

(Bei vier Geländeübungen in einer Ausbildungskompanie im westfälischen Coesfeld waren im Juni, August und September 2004 im Rahmen vermeintlich „realitätsnaher" Ausbildung insgesamt ca. 100 Rekruten „überfallen", gefesselt und „als Geiseln befragt" worden. Dabei kam es zu körperlichen Übergriffen und Verletzungen der Menschenwürde.)

Szenarien, die Neuartigkeit und Komplexität der Anforderungen verdeutlichen:

-         Beispiel eines temporären Checkpoints: normaler Friedenseinsatz; aus kontrolliertem Fahrzeug wird Handgranate geworfen; binnen einer halben Sekunde durch Postenführer (Oberfeldwebel, Leutnant) Umstellung auf „Verteidigung Feldposten".

-         Exemplarisch der Film „Snipers Alley" (zivile Produktion, in Hammelburg gedreht): Unterstand einer VN-Truppe, ein Soldat schreibt Brief an seine Freundin. 20 Zivilisten nähern sich der Sperrzone, Megafonwarnung; sie gehen weiter; Schüsse; eine junge Frau angeschossen, liegt zehn Meter vorm Posten. Der Soldat, der gerade einen Brief schrieb, will Sniper beschießen, wird von Kameraden zurückgehalten. Meldung an nächste Führung. Antwort: „gepanzertes Fahrzeug abwarten!" Der Briefschreiber stürzt raus aus dem Unterstand, Blicke von Soldat und Verwundeter treffen sich. Sie wird wieder beschossen, stirbt in seinen Armen. Er stürmt vor, ist in einem Scharfschützenvisier zu sehen, wird auch erschossen. Jetzt stürmt ein zweiter Soldat raus, zündet Nebel, schießt, stürmt in das verdächtige Haus hinein, der Sniper flieht. Der Soldat ruft ihn an, feuert Warnschuss. Der Sniper dreht sich um - ein Junge. Der Soldat kann nicht schießen...

Die Beispiele verdeutlichen die gestiegenen Anforderungen an Führungspersonal. Gefordert sind körperliche Leistungsfähigkeit, psychische Robustheit, intellektuelle Fähigkeit, politisches Mitdenken. Zugleich sinkt die Entscheidungsebene: Der Patrouillenführer muss ad hoc richtig entscheiden. („Dreiviertel aller Armeen lösen Probleme anders.") 1,5 bis 7 Sekunden Zeit bleiben dem Patrouillenführer von der Lageeinschätzung bis zum Befehl.

„Wir brauchen keine Rambos. Die wären auch nicht leistungsfähig. Wir brauch diejenigen, die es mit Herz und Verstand wollen.

Ausbildungsprinzipien sind

-         Realitätsnähe (unter Einhaltung bestehender Gesetze und Vorschriften)

-         Orientierung an Worst-Case-Szenarien (hoher Stellenwert des Selbstschutzes, auch Stressbewältigung, psychische Verwundungen)

-         KOFTRA-Prinzip (Kombinierte Führer- und Truppenausbildung, mehrere Dienstgrade zusammen)

-         Zeitgemäße Menschenführung

Verhalten bei Geiselhaft, Station Geiselhaft bei einem einwöchigen Kurs für Journalisten

(Diese Ausbildung läuft nach exaktem Drehbuch, in dem das Erlaubte festgelegt wird. Alles andere ist verboten. Zum Beispiel Anfassen der Gefangenen nur zur Festnahme, zum Führen der „geblendeten", bei Durchsuchung. Die Station dauert bei diesem Kurs 6 Stunden, sonst 12-18 Stunden.):

Ausgangsszenario: illegaler Checkpoint, Gefangennahme.

Gebäude der Geiselnehmer: Gänge mit Decken abgehängt, Räume gekennzeichnet (z.B. Vernehmung), vermummte Bewaffnete in Overalls.

Verhör: enger, abgedunkelter Raum, an der Rückwand Organisationssymbol. Der Gefangene kniet vor einem Schreibtisch, hinter dem ein Führer sitzt, vermummt mit Brille. ER spricht laut, drohend in verächtlichem Ton auf den Gefangenen ein. Dieser soll eine gegen die VN-Truppe gerichtete Aussage („sie mordet, vergewaltigt ...") binnen einer Minute lesen und unterschreiben. Zwei Beobachter im Raum.

Gefängnis in kahlem Keller: Gefangene sitzen auf Matten, vor den Augen „Blendbrillen", Stille. Ein Wärter schlägt in Abständen auf ein Heizungsrohr, akustischer Stress.

Gefangene werden unter Lärm und geblendet zum Verhör geführt.

Wir sind die ersten, die reingucken dürfen. Schon nach wenigen Minuten springt die Atmosphäre über. Laut Umfrage haben 95% der „Geiseln" nach zehn Minuten „Vergessen", dass es ein Rollenspiel ist.

Der Übungsleiter, ein Oberstleutnant: ´Wir nehmen gefangen, dann reagieren wir nur noch. Manche Gefangene lügen wie gedruckt - und werden dann über ihre persönlichen Gegner, über ein Telefonat mit der Familie überführt.` Lügen sei äußerst gefährlich. Ein Chefredakteur weinte, als er merkte, wie sehr er andere reingerissen hatte.

Immer dabei ist ein Psychologe. Das Debriefing der Rollenspieler geht über drei Stunden.

Bei der Kontingentausbildung werde das alles nur in der light-light-Fassung geübt: Busüberfall, drei bis vier raus, andere in Stille, leises „Bum-Bum". Das sei viel schlimmer als Lärm.

Mein Kommentar danach:

„Deutlich wurde, wie breit heute die Anforderungen schon an einfache Soldaten sind: Neben militärische Fertigkeiten und schnellste Reaktionsfähigkeit treten soziale, interkulturelle, sprachliche, politische Kompetenz, Rechtsbewusstsein, die Fähigkeit zur vermittelnden Konfliktbewältigung ohne Gewalt. Bei einem Journalistenlehrgang für Krisenregionen erlebten wir hautnah eine Übung in „Geiselhaft" mit. Überdeutlich wurde, dass solche Übungen eine enorme Eigendynamik und ein erhebliches Traumatisierungsrisiko beinhalten und absolut nur von Professionellen unter strenger Aufsicht nach klaren Regeln durchgeführt werden dürfen."

 

(2) Erster Besuch des VN-Ausbildungszentrum an der Infanterieschule der Bundeswehr in Hammelburg am 15. April 1996

Seit April 1993 ist die Infanterieschule mit der vorbereitenden Ausbildung von VN-Kontingenten der Bundeswehr betraut, seit Januar 1994 besteht das „VN-Ausbildungszentrum der Bundeswehr" offiziell.

In der VIII: Inspektion ist die lehrgangsgebundene Ausbildung angesiedelt: Offiziere und Feldwebel der Bundeswehr durchlaufen hier

- zweimal im Jahr dreiwöchige Militärbeobachterlehrgänge. Der letzte mit Teilnehmern aus zehn Ländern;

- dreiwöchige VN-Grundlehrgänge für Stabsoffiziere;

- fünfzehnmal im Jahr die dreiwöchigen KRK-Führerlehrgänge (Krisenreaktionskräfte).

In der IX. Inspektion findet die sechstägige Kontingentausbildung statt. Nach vier Wochen Vorbereitung in den Herkunftseinheiten bzw. an der Schule für Innere Führung lief bei IFOR (für Bosnien & Herzegowina) die fünfte Ausbildungswoche in Hammelburg. Inzwischen wurde das Ausbildungsprogramm auf Truppen ausgeweitet, die an internationalen Übungen (z.B. Partnership for Peace/PfP) teilnehmen.

Zurzeit befinden sich hier 590 Soldaten aus 51 Einheiten.

 

In der VN-Ausbildung soll Sicherheit in einsatztypischen Verhaltensweisen vermittelt und das Zusammenwachsen der Einheiten gefördert werden. Bei der VN-Ausbildung komme es darauf an, anstelle der alten Infanteristenparole „dran, drauf, drüber!" „blau zu denken", mit „Gelassenheit und Freundlichkeit" aufzutreten, „firm, fair, friendly". Auch wenn Eskalationsmöglichkeiten immer vorhanden sei müssten, stünde die Deeskalation doch im Mittelpunkt. Mental auf die unparteiische, auf Gewaltanwendung möglichst verzichtende Rolle vorzubereiten, sei nicht einfach.

Man kooperiert mit entsprechenden Ausbildungszentren in Schweden, Finnland, Österreich. Dabei wolle man nicht einfach kopieren, sondern angesichts hiesiger Voraussetzungen und Mentalitäten einen eigenständigen Weg finden.

Zurzeit ist ein „VN-Lager" im Bau, in dem 500 Soldaten unter einsatznahen Bedingungen ausgebildet werden sollen.

 

Schwerpunkt der Kontingentausbildung ist praktisches Handlungstraining. Das Programm der sechs Tage ist hochkomprimiert. Die Soldaten durchlaufen insgesamt 42 Stationen zu den Aufgabefeldern.

(1) Objektschutz: Ausbau, Eingangskontrollen, Alarmierung, Schutz gegen Autobomben, Erste Hilfe, Truppenpsychologie;

(2) Einzelgruppe mit Kfz: technischer Ausfall, Fremdschutz, Heckenschützen, fremder Checkpoint;

(3) Schützen: Gewöhnung an Gefechtseindrücke (Überschießen, Minenexplosion aus 25 m Entfernung), Schutz von Objekten, Selbstverteidigung  von VN-Stellungen; parallel: Bergung von Verwundeten, Infusionen;

(4) Schutz in besonderen Lagen: in zerstörten Gebäuden, Bergung von Verschütteten, Brandbekämpfung; parallel: Umgang mit Presse;

(5) Konvoi: Befehlsgebung, Verhalten unter Beschuss, „Tunneloperationen", Anlegen von Gleitschutzketten, Massenanfall von Verwundeten, ungesicherte Minensperre;

(6) Erkennen und Wirkung von Munition: Munitionsarten, Blindgänger, versteckte Ladungen, Geländeveränderungen, Maßnahmen in vermintem Gelände und Bergen von Verwundeten, Trittspursuchen;

(7) Schießen: Selbstschutzschießen auf untere Zielentfernung mit Pistole, Gewehr und MG;

(8) Prüfung der persönlichen Schutzausstattung; parallel: Umgang mit Kfz, Maßnahmen bei Staub und Hitze, Kälte und Nässe.

 

Besichtigung der Geländeausbildung zu Aufgabenfeld

- Objektschutz (1):Vor dem Eingang zum „VN-Camp" fordern im Rollenspiel „einheimische Zivilpersonen" zunehmend aggressiv Medikamente. Zunächst gehen zwei Soldaten raus zum Verhandeln, bleiben erfolglos, die Situation eskaliert. Die Soldaten spielen ihre Eskalationsstufen durch: Gewehr in Bereitschaft, Soldatenkette, Gewehr in Vorhalte, Warnschuss Vorrücken des „Fuchs", Rückzug ins Camp. Leitprinzip: Verhältnismäßigkeit der Mittel.

- Schutz in besonderen Lagen (4): Eindringen in ein Gebäude, Bergen von Verschütteten in völliger Dunkelheit, Löschen von brennenden Personen (inklusive Durchdrehen), Verstärkung eines Gebäudes gegen Waffenwirkungen, Verhalten bei Artillerie-und Luftangriff. Zeitgleich sind verschiedene Anforderungen zu bewältigen, der Extremstress ist auch für die Beobachter spürbar. Parallel "„interviewt" ein Lokalreporter einen Bundeswehrsoldaten.

- Erkennen und Wirkung von Munition (6): Aufgebaut sind die vielen Arten von Minen aus dem Einsatzgebiet, „unkonventionelle" Spreng-und Brandsätze, Trittfallen und besonders hinterhältige feste Fallen (z.B. an einem Wasserrohr, einer Kiste, Karte), Kennzeichen von Blindgängern, schließlich ein Militär-Lkw und ein Panzer, an denen die Zerstörungswirkung einer Mine zu besichtigen ist. Leitprinzip: „Think safty!" Kein unbekanntes Gelände betreten - außer im äußersten Notfall!

Stationen wie „Erkennen von Munition" wären offenbar auch für die Einsatzvorbereitung ziviler Helfer nützlich. Auf die Frage, ob es diesbezüglich Kooperation mit dem Auswärtigen Amt und dem Bundesinnenministerium gebe, antwortet der Schulkommandeur, man habe den Ministerien wohl Ausbildungsangebote gemacht. Dort werde aber gemauert. MdB Opel ergänzt, die deutschen Polizisten in Westsahara und Mostar seien völlig sich selbst überlassen, eine Betreuung finde nicht statt. Eine Verlängerung der Ausbildung sei wünschenswert, aber kaum realisierbar. Dann müsse auch das Aufgabenfeld „Kooperation mit zivilen Organisationen im Einsatzgebiet" dazu kommen.

 

Anmerkung

Bemerkenswert ist, welchen hohen Stellenwert in der VN-Ausbildung Schutz und Sicherheit der eigenen Soldaten (nichts von Risikofreude, gar Draufgängertum) und eher polizeitypische Einsatz- und Verhaltensgrundsätze (Deeskalation und Verhältnismäßigkeit der Mittel) haben. Interessant wäre zu erfahren, wie sich das mit den militärischen Grundmustern (Identifizierung, Bekämpfung und Vernichtung des Feindes mit einem Arsenal zerstörerischer, zerfetzender und tödlicher Waffen) vereinbaren lässt.

Aufschlussreich werden die Veränderungen in der Ausbildung der SFOR-Kontingente ab Ende 1996 sein, wo neben den bisherigen militärischen Selbstschutz nun die „Erzwingung" in den Vordergrund rückt.

 


[1] Mitglied im Vorstand der Dt. Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN), im Beirat Zivile Krisenprävention beim AA, im Beirat Innere Führung beim BMVg

[2] Mein Beitrag zur Neuerscheinung „Des Friedens General", hrg. von Ekkehard Griep, www.nachtwei.de/index.php/articles/1225 )

[3] Wanda Hummel, Tobas Pietz, Für ein Comeback der Europäer nach 2014. Die UNO braucht europäisches Polizei- und Militärpersonal für Friedenseinsätze, in: Friedensgutachten der vier deutschen Friedensforschungsinstitute Berlin 2013, S. 124 ff. Vgl. auch Winrich Kühne, Zwanzig Jahre robuste Friedenseinsätze - eine Zwischenbilanz, in: Vereinte Nationen - Zeitschrift für die VN und ihre Sonderorganisationen, hrg. von der DGVN, 1/2013, S. 25 ff.

[4] Broschüre „Training for Peace Operations - The German Contribution" unter   www.zif-berlin.org/fileadmin/uploads/training/dokumente/Training_for_Peace_Operations_the_German_Contribution.pdf )

[5] Ekkehard Griep, Winfried Nachtwei, Für eine politische Aufwertung der VN-Friedenssicherung in Deutschland - Ungenutzte Chancen im VN-Peacekeeping nutzen, DGVN-Policy Paper 1/2011, www.dgvn.de/publikationen/policy-papers/

[6] www.zif-berlin.org , www.nachtwei.de/index.php/articles/1220

 


Publikationsliste
Vortragsangebot zu Riga-Deportationen, Ghetto Riga + Dt. Riga-Komitee

Ende 1941/Anfang 1942 rollten Deportationszüge aus Deutschland und Österreich nach Riga.

1989 stieß ich auf die Spuren der verschleppten jüdischen Frauen, Männer und Kinder.

Mit meinem bebilderten Vortrag "Nachbarn von nebenan - verschollen in Riga" stehe ich gern für Erinnerungsveranstaltungen und Schulen zur Verfügung. (Anlage)

Vorstellung der "Toolbox Krisenmanagement"

Von der zivilen Krisenprävention bis zum Peacebuilding: Die 53-seitige Broschüre stellt kompakt und klar auf jeweils einer Themenseite Prinzipien, Akteure und Instrumente des Krisenmanagements vor. Bei einem Kolloquium im Bundestag in Berlin wurde die Schrift einem Fachpublikum vorgestellt. Erstellt von AutorInnen des Zentrums Internationale Friedenseinsätze ZIF und der Stiftung Wissenschaft und Politik SWP ist die "Toolbox" ein wichtiger Beitrag zur friedens- und sicherheitspolitischen Grundbildung auf einem Politikfeld, wo die Analphabetenrate in der Gesellschaft, aber auch in Medien und Politik sehr hoch ist. ... www.zif-berlin.de

zif
Auf dem Foto überreicht W. Nachtwei den AutorInnen seine 2008 erschienene Broschüre zur Zivilen Krisenprävention und Friedensförderung.

Mehr zur Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure bei der zivilen Konfliktbearbeitung u.a.:

Tagebuch
    • Meine persönlichen Jahresrückblicke + Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik (Nr. 1-50 im Tagebuchformat)

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