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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Wegen Corona kein Ã¶ffentlich-gemeinsames Gedenken an die Riga-Deportation am 13.12.1941 - aber wenigstens diese ERINNERUNG: Bericht von Siggi Weinberg (22) und mein GesprÃ¤ch mit ihm 1991 in Brooklyn</title>
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    <span class="xar-mod-title">Erinnerungsarbeit + Interview</span>

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            Wegen Corona kein Ã¶ffentlich-gemeinsames Gedenken an die Riga-Deportation am 13.12.1941 - aber wenigstens diese ERINNERUNG: Bericht von Siggi Weinberg (22) und mein GesprÃ¤ch mit ihm 1991 in Brooklyn         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 12. Dezember 2020 19:07:10 +02:00 (41436 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Seit 1991 wird allj&auml;hrlich am Ort des fr&uuml;heren Lokals Gertrudenhof an der Warendorfer Str. in M&uuml;nster der Deportation von 390 j&uuml;dischen Menschen aus rund 40 Orten des M&uuml;nsterlandes nach Riga gedacht. Wegen Corona findet in diesem Jahr kein &ouml;ffentlich-gemeinsames Gedenken statt. Ich m&ouml;chte wenigstens im Netz an die Verschleppung der damaligen Nachbarn erinnern: mit dem Bericht des damals 22-j&auml;hrigen Siggi Weinberg, der 1944 in Riga untertauchen konnte, seine Befreiung und dann erneute inhaftierung erlebte. Von letzterem berichtete er mir bei einem Besuch bei ihm in Brooklyn im April 1991.&nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Wegen Corona kein &ouml;ffentlich-gemeinsames Gedenken an die Riga-Deportation am </strong></p>
<p align="center"><strong>13.12.1941 &ndash; <span style="text-decoration: underline;">aber wenigstens diese Erinnerungen von Siggi Weinberg aus M&uuml;nster &ndash; und mein Gespr&auml;ch mit ihm 1991 in Brooklyn</span></strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei (12/2020)</p>
<p align="center">Fotos auf <a href="http://www.facebook.com/winfried.nachtwei">www.facebook.com/winfried.nachtwei</a></p>
<p><strong><em>Siegfried Weinberg</em></strong><em> (22), Auto- und Elektromechaniker aus M&uuml;nster, war einer von den 390 j&uuml;dischen Menschen aus rund 40 Orten im Regierungsbezirk M&uuml;nster (Liste am Ende), die am 13. Dezember 1941 aus dem M&uuml;nsterland nach Riga deportiert wurden. Hier Ausz&uuml;ge aus seinem nach der Befreiung im Oktober 1944 in Riga entstandenen Bericht. Auf den &bdquo;Weinberg-Bericht&ldquo; machte mich der NS-Verfolgte und Antifaschist Paul Wulff in M&uuml;nster vor unserer ersten Riga-Reise im Sommer 1989 aufmerksam. Ver&ouml;ffentlicht ist der Bericht &bdquo;In der H&ouml;lle des Ostens &ndash; Ein junger M&uuml;nsteraner Jude berichtet von seinen Erlebnissen in lettischen Konzentrations- und Arbeitslagern 1941-1944&ldquo; von Diethard Aschoff in Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt M&uuml;nster, 12. Band, M&uuml;nster 1987.</em></p>
<p><em>Der &bdquo;Bielefelder Transport&ldquo; umfasste insgesamt 1.012 Personen.</em></p>
<p>&nbsp;&bdquo;Es war der 18. November 1941, an dem meine Schwester Ruth und ich benachrichtigt wurden, dass wir auf der Liste f&uuml;r den 13. Dezember 1941 stattfindenden &bdquo;Evakuierungs-Transport&ldquo; uns bef&auml;nden und uns dementsprechend vorbereiten sollten.</p>
<p>Meine Eltern brauchten nicht mit, da meine Mutter seit 18 Jahren gel&auml;hmt war und nicht gehen konnte, und mein Vater auch kr&auml;nklich war. Meine &auml;lteste Schwester Hedwig durfte zur Pflege meiner Eltern ebenfalls dort bleiben, musste jedoch &uuml;ber Tag in einer Fabrik arbeiten. Ferner wurden Familien mit S&auml;uglingen und Kranken noch zur&uuml;ckgelassen.</p>
<p>Am 11. Dezember 1941 wurden meine Schwester und ich wie auch alle anderen Juden von Beamten der Gestapo verhaftet. Wir wurden visitiert und Wertsachen wie Uhren, Schmuck usw. abgenommen, die M&ouml;bel und zur&uuml;ckbleibenden Sachen beschlagnahmt sowie die Wohnungen versiegelt.</p>
<p>Sodann wurden wir in dem gro&szlig;en Restaurant &bdquo;<strong>Gertrudenhof</strong>&ldquo; (in M&uuml;nster/i/W.) unter Bewachung konzentriert. Hier fand nun eine gro&szlig;e Gep&auml;ck- und Leibesvisitation statt. Messer, Scheren, Rasierklingen, Toilettenartikel, Lebensmittel und W&auml;sche wurden bis auf etwas W&auml;sche und Lebensmittel abgenommen.</p>
<p>Am 12. Dezember 1941 abends um 11 Uhr begann der Abtransport zum G&uuml;terbahnhof. Ca,. 35-40 Personen wurden in kleine Omnibusse mit Handgep&auml;ck hineingezw&auml;ngt und zum Bahnhof bef&ouml;rdert. Der Sadismus und die teuflische Lust der Gestapo am Qu&auml;len der Menschen zeigte sich hier. Lassen Sie mich die Nacht kurz schildern:</p>
<p>Stockfinster liegt die Nacht. Es regnet. Zwei schwere Tage liegen hinter uns. Denn ich bin ein junger, gesunder Bursch, und ich hielt es f&uuml;r meine Pflicht, einzuspringen und zu helfen, den vielen Familien mit Kindern und alten, kr&auml;nkliche Menschen.</p>
<p>Aber was sind k&ouml;rperliche Strapazen gegen seelische Schmerzen! Noch ist in mir das Bild vom Abschied von meinen Eltern und besonders von meiner Mutter. Die Mutter, das Teuerste und Beste, was ein Mensch auf der Welt besitzt, sie konnte sich nicht erheben und mitgehen mit ihren Kindern. Sie musste zusehen, wie wir abgef&uuml;hrt wurden. (&hellip;) Ja, ich glaube, Sie k&ouml;nnen verstehen, was das bedeutet. Der Schmerz es Herzens und der Seele war gro&szlig;, ber doch konnte ich nicht weinen. Mein Leben lang werde ich diesen Abschied nicht vergessen.</p>
<p>Auch so waren meine Gedanken an die letzten, vergangenen Stunden, w&auml;hrenddessen ich eingezw&auml;ngt im Omnibus stand. Da knirschten die Bremsen, doch noch hielt der Wagen nicht richtig, da wurden schon die T&uuml;ren aufgerissen. Die Gestapo-Beamten fingen an zu rasen. &bdquo;Verfluchte Hunde, seid ihr noch nicht raus, aber schneller, sonst hagelt es&ldquo; usw.</p>
<p>Die &auml;lteren Leute wurden nat&uuml;rlich aufgeregt, und wir Jungenwarfen unser Gep&auml;ck beiseite und halfen, was nur zu helfen war, doch die Schl&auml;ge hagelten auf uns nieder. Aber willenlos mussten wir alles &uuml;ber uns ergehen lassen. Bis zum Morgengrauen waren dann 400 Juden aus dem Bezirk M&uuml;nster i/Westf. In Personenwaggons 3. Klasse zu je 8-10 Personen pro Abteil untergebracht. Die T&uuml;ren der Waggons wurden daraufhin verschlossen. Um 10 Uhr morgens am 13. Dezember setzte sich der Zug in Bewegung.</p>
<p>Die Fahrt ging dann nach Bielefeld (Westf.), wo auch ein Zug von ebenfalls 400 Juden angeh&auml;ngt wurde, sodann weiter nach Osnabr&uuml;ck, wo ein Transport von 200 Juden angeh&auml;ngt wurde.</p>
<p>Das war die letzte Station. Unaufhaltsam rollten wir dann unserem Schicksal, das dunkel und schwer vor uns lag, entgegen. Verpflegung mussten wir f&uuml;r die Fahrt mitnehmen, da w&auml;hrend der Fahrt nichts gegeben wurde. Am 15. Dezember 1941 abends 23 Uhr rollten wir in <strong>Riga Skirotawa</strong> ein und durften am 16. Dezember 1941 um 9 Uhr die Waggons verlassen. Geld musste abgegeben werden. Zuwiderhandlungen wurden mit dem Tode bestraft. Von Skirotawa aus begann der Marsch ins <strong>Ghetto</strong>, 5 km von Skirotawa entfernt.</p>
<p>Im Ghetto waren schon vor uns Transporte aus Deutschland. Es waren Transporte aus K&ouml;ln a/Rh., Hannover usw. Ein Transport bestand jeweils aus 1000 Personen.</p>
<p>Wohnungen wurden uns eingewiesen, und seelisch und k&ouml;rperlich waren wir ersch&ouml;pft, aber die Qu&auml;lerei begann ja erst.</p>
<p>Am 17. Dezember war der erste Appell, und schon wurden wir zur Arbeit getrieben.</p>
<p>Am 18. Dezember waren dann die ersten Todesopfer zu beklagen. Abends um 21 Uhr begann eine Kontrollrazzia im Ghetto. SD drang in die Wohnungen ein, durchsuchte die Wohnungen und pr&uuml;gelte die M&auml;nner, die nicht schnell genug auf eine Frage antworteten.</p>
<p>In dem Hause, in dem ich wohnte, wurden zwei M&auml;nner von dem SD erschossen. Zwei Sch&uuml;sse fielen, und am anderen Morgen fanden wir die Leichen der beiden M&auml;nner, durch Genicksch&uuml;sse get&ouml;tet, vor dem Haus.</p>
<p>Am 22. Dezember 1941 wurde ich dann mit 500 anderen M&auml;nnern aus den Transporten M&uuml;nster/Bielefeld/Osnabr&uuml;ck und Hannover nach <strong>Salaspils</strong> geschickt. Dieser Marsch begann um 9 Uh. Salaspils erreichten die ersten um 2 Uhr, die letzten um 5 Uhr, durchn&auml;sst vom Regen und der Hunger gro&szlig;, da es im Ghetto fast kein Essen bis dahin gegeben hatte au&szlig;er einer einmaligen Brotration von 250 Gramm f&uuml;r 3 Tage pro Person. (&hellip;)</p>
<p>Nach unsrem Transport kamen weitere Transporte aus den St&auml;dten Wien, Prag, Berlin, Hamburg, N&uuml;rnberg, Dortmund, D&uuml;sseldorf. (&hellip;) Die Zeit des Elends und der Not hatte begonnen. Die Lebensmittelrationen waren unzureichend und schlecht, das Brot oft ungenie&szlig;bar, da es nach 1-2 Tagen schimmlig wurde.&nbsp;&nbsp;</p>
<p>Anfang Februar war dann die erste Aktion nach <strong>D&uuml;nam&uuml;nde</strong>. M&auml;nner, Frauen und Kinder wurden auf Lastkraftwagen mit Gewalt gezerrt. Es w&uuml;rde nach D&uuml;nam&uuml;nde gehen, wurde von dem SD gesagt. Aber man wusste nur zu gut, was D&uuml;nam&uuml;nde hie&szlig;. Es war der Tod in schlimmster, unmenschlicher Form. Diese Aktion wurde im M&auml;rz wiederholt. &Uuml;ber 4000 Frauen und Kinder wurden ei diesen Aktionen verschleppt und vernichtet. (&hellip;)&ldquo;</p>
<p><strong>Besuch bei Siggi Weinberg am 6. April 1991 in Brooklyn/New York</strong></p>
<p><em>(Aus meinen&nbsp; Reisetagebuch New York 4.-11. April 1991, Recherchen zum Fall Bolevslavs&nbsp; Maikovskis, ehemaliger Hauptmanns der lettischen Hilfspolizei, gegen den seit 1990 vor dem Landgericht M&uuml;nster wegen Beteiligung an der T&ouml;tung von 170 Bewohnern des ostlettischen Dorfes Audrini verhandelt wurde: </em><a href="https://www.wn.de/Muenster/2014/03/1479397-Vor-20-Jahren-wurde-der-Prozess-gegen-Boleslavs-Maikovkis-eingestellt-Verbrechen-ohne-Suehne"><em>https://www.wn.de/Muenster/2014/03/1479397-Vor-20-Jahren-wurde-der-Prozess-gegen-Boleslavs-Maikovkis-eingestellt-Verbrechen-ohne-Suehne</em></a><em>&nbsp; )</em></p>
<p>&bdquo;Lange geht`s am Ocean Boulevard runter, schlie&szlig;lich Avenue X / East 28th Street: Da steht der freundlich l&auml;chelnde Siggi Weinberg. (Beim ersten Telefonat wollte er schnell Siggi genannt werden) Begr&uuml;&szlig;ung durch Frau Weinberg (Amerikanerin, seit 1953 verheiratet), die f&uuml;r mich besonders artikuliert spricht. (&hellip;)</p>
<p>Als Mitbringsel &uuml;bergebe ich einen Bildband zu M&uuml;nster: ER bl&auml;ttert durch und erkennt das, was m&ouml;glich ist, wieder. (Au&szlig;erdem &bdquo;Rassenwahn in M&uuml;nster&ldquo; und &bdquo;&Uuml;berw&auml;ltigte Vergangenheit&ldquo;) Dann kommt er schnell auf die Geschichte zu sprechen. Beide sitzen wir auf dem Sofa, vor mir verschiedene Leckereien. Angesichts seiner Schilderungen greife ich aber nur wenig zu.</p>
<p>Die Weinberg`s waren eine alte M&uuml;nsteraner Familie, seit langem Inhaber eines Gesch&auml;fts f&uuml;r Milit&auml;rbedarf in der Sonnenstra&szlig;e 80. Fotos von seinem Vater in Uniform zu Pferd, Erster Weltkrieg &ndash; K&uuml;rassiere? Vater, Mutter vorm Gesch&auml;ft; Schnurbart, Haltung: &bdquo;ein deutscher Mann.&ldquo; In der Nazizeit werden ihnen verschiedene Schwierigkeiten gemacht, Umzug in die Gereonstra&szlig;e.</p>
<p>1935 stellt der Hausarzt Dr. Vonnegut, der u.a. acht Weinberg-Kinder ans Tageslicht bef&ouml;rdert hatte, und an den Weinbergs verdient habe, seine Dienste ein. Er lief immer in Uniform herum.</p>
<p>Rudi, Berta und Irma wanderten gegen 1938 in die USA aus. Auch Siggi versuchte es, hatte schon eine Arbeitsstelle in den USA und einen britischen Permit, brauchte nur noch das Visum. Mit Kriegsbeginn gab es aber keine Visa mehr. Hunderte warteten vor dem britischen Konsulat in K&ouml;ln &hellip; erfolglos.</p>
<p>In <strong>Salaspils</strong> habe er in einer S&auml;gem&uuml;hle an der D&uuml;na gearbeitet, dann mit 40 M&auml;nnern und 20 Frauen in &bdquo;Sonnengarten&ldquo;, ab Herbst 1942 bei &bdquo;SS Abbruch in der Lacplesa iela, dann mit sechs lettischen Juden im Haus eines SS-Unterscharf&uuml;hrers (Schiermann). Starker Lebenswille: Niemals meldete er sich f&uuml;r ein Sonderkommando. Die Leute habe man nie wiedergesehen.</p>
<p>Ruth arbeitete in &bdquo;<strong>Lenta</strong>&ldquo; (S.D. Werkst&auml;tte der SS), wo ca. 500 Frauen und M&auml;nner in Schneiderei, Autoreparaturen, Elektro, Warenhaus mit den geraubten G&uuml;tern. R. und S. hatten Kiste mit Sachen mitgenommen, geraubt.</p>
<p>Am 12. Juli 1944 fuhren sie nach Lenta, wo wegen Fluchtversuchen gerade eine Durchsuchungsaktion lief und alle davor standen. Um weitere Fluchtversuche zu verhindern, wurden die Gefangenen geschoren, die Frauen ganz, die M&auml;nner mit Mittelstreifen.</p>
<p>Vorwurf an die sieben, ihre Chance nicht zu nutzen. &bdquo;Ihr seid in der Stadt. Warum flieht ihr nicht?&ldquo; Der Unterscharf&uuml;hrer mahnte, ja nicht abzuhauen. Er habe sein Ehrenwort f&uuml;r sie eingelegt.</p>
<p>Am n&auml;chsten Tag, dem 13. Juli, hauten sie ab. Siggi`s Einwand, seine Schwester sei noch in Lenta, begegneten die lettischen Mitgefangenen, bei ihnen sei es &auml;hnlich. Unterschlupf fanden sie in einer M&ouml;belfabrik, wo auch eine K&uuml;che war. Der Besitzer half.</p>
<p><strong>Im Oktober 1944 Befreiung durch die Rote Armee</strong>. Dass er sich den sowjetischen Soldaten gegen&uuml;ber als &bdquo;deutscher Jude&ldquo; zu erkennen gab, wurde ihm beinahe zum Verh&auml;ngnis: Auf das Wort &bdquo;deutsch&ldquo; legten sie sofort auf ihn an. Ein Offizier trat dazwischen, mahnte, in Zukunft nur noch von &bdquo;Juden aus Deutschland&ldquo; zu sprechen.</p>
<p>Siggi fand Unterschlupf an sener alte Arbeitsstelle.</p>
<p>2. Januar 1945 Vorladung: M&auml;nnliche und weibliche Offiziere mit ausgezeichnetem Deutsch, wahrscheinlich NKWD, forderten ihn auf, seine Geschichte zu erz&auml;hlen. Sie schrieben kr&auml;ftig mit. Er kann sich nicht erinnern, selbst jemals einen Bericht geschrieben zu haben (&bdquo;Weinberg-Bericht&ldquo;). Zum Beispiel von Z&uuml;gen und Sonderkommando Bobel habe er nichts gewusst. Ansonsten stimme der Bericht aber inhaltlich. Wahrscheinlich stamme der Bericht von dieser Vernehmung. (Das Institut f&uuml;r Zeitgeschichte in M&uuml;nchen hat ihm inzwischen eine Kopie des Berichts &uuml;bersandt.)</p>
<p>Eine Woche sp&auml;ter wurde S. W. von zwei Soldaten abgeholt. Kein Essen. 19 Uhr, 20 Uhr &hellip; Nach Mitternacht zum Verh&ouml;r durch einen anderen Offizier, gro&szlig;, blond, perfektes Deutsch: Er solle sich schuldig bekennen!</p>
<p>Mit ca. 15-20 zusammen in einer Telle im Zuchthaus, mit Maschendraht abgetrennt.&nbsp; L&auml;use.</p>
<p>Lettische Mitgefangene erhalten Pakete von Verwandten, geben ihm aber nichts ab. Erst ein Neuer, den er wegen ausbleibender Pakete tr&ouml;stet, gibt ihm dann was ab. Bei einer erneuten Vernehmung stellt der Offizier seinen Stiefel auf sein Gesicht: &bdquo;Wenn schuldig, alles in Ordnung!&ldquo; Furchtbare Verzweiflung!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ohne weitere Verhandlung ging es Mitte, Ende M&auml;rz 1945 ab in ein <strong>Lager bei Swerdlowsk/Ural</strong>. Dort waren auch Letten, Deutsche, Polen, Russen als Gefangene. Hier gab es auch eine B&uuml;hne. Er engagierte sich bei einer Theatergruppe, wurde f&uuml;r sie zust&auml;ndig und brauchte nicht mehr zu arbeiten.</p>
<p>Nach dreieinhalb Jahren wurde er entlassen.</p>
<p>1948 <strong>R&uuml;ckkehr nach M&uuml;nster</strong>. Wo noch dieselben Leute am Wohnungsamt waren wie 1940/41. Man drohte ihm &bdquo;ein Wort nur &hellip;&ldquo;. Er bekam ein Zimmer bei der Arztwitwe Vonnegut.</p>
<p>Diese Stimmung, diese Erlebnisse best&auml;rkten ihn in seinem Entschluss, , in die USA zu seinen Geschwistern zu gehen. Die Aufstellung des Gedenksteins an der Klosterstra&szlig;e (Ort der am 9. November 1938 zerst&ouml;rten Synagoge&nbsp; von M&uuml;nster) bekam er mit. 1949 ordnungsgem&auml;&szlig;e Auswanderung in die USA.</p>
<p>1953 heiratete er, es kamen zwei Kinder, einer studierte in Yale. Lang lebte er in Connecticut, erst in den 70er Jahre nach Sheepshead Bay/Brooklyn.</p>
<p>Beruflich wurde er Gesch&auml;ftsmann (Kette von Gesch&auml;ften f&uuml;r Haushaltswaren). Ansonsten war er aktiv im United Yewish Appeal (Wohlt&auml;tigkeitsverband). Fotos mit Sigi Weinberg als Redner.</p>
<p>Die Gefangenschaft habe ihm einige gesundheitliche Sch&auml;den eingebracht, Magen, Darm &ndash; im letzten August einige Wochen im Krankenhaus, im Dezember Herzattacke.&nbsp; Deshalb habe ihm der Arzt auch von er M&uuml;nsterfahrt abgeraten. (Nach anf&auml;nglicher Zusage jetzt Absagebrief an den Oberb&uuml;rgermeister)</p>
<p>Mit seinem Buch sei er nicht vorangekommen. Er schreibe nur wenig. Schwester Ruth sei herzkrank. Ich solle sie lieber nicht ansprechen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Fotos und Erinnerungsst&uuml;cke:</span></p>
<p>- Vorm Haus (Laden)&nbsp; Sonnenstra&szlig;e 80</p>
<p>- Vom Kindersch&uuml;tzenfest in Kost&uuml;men</p>
<p>- Gl&uuml;ckliche und sch&ouml;ne Kinder und Jugendliche, auch von dem h&uuml;bschen M&auml;dchen Irmgard Heimbach (verheiratete Ohl)</p>
<p>- Ausstellung des Denkmals an der Klosterstra&szlig;e</p>
<p>&nbsp;- Mit Goldenberg`s am Bahnhof M&uuml;nster vor der Auswanderung</p>
<p>- Brief aus dem sowjetischen Lager in die USA.</p>
<p>Zwischendurch gehen wir f&uuml;nf Minuten zu einem Restaurant. Da Weinberg`s hier gute Kunden sind,&nbsp; und wegen Gast aus Germany werden wir in der langen Schlange vorgezogen. Sehr freundliche Bedienung, schmackhaftes Essen. Gegen 21. Uhr bringen sie mich mit dem Wagen bis vor die Haust&uuml;r des Kolping-Hauses in Manhattan, 88th Street.&ldquo;</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Meine zusammenfassende Darstellung </span></strong></p>
<p><strong>Nachbarn von nebenan</strong> - <strong>verschollen in</strong> <strong>Riga. Auf den Spuren der nach Riga deportierten</strong> <strong>westf&auml;lischen Juden, in: Mythos M&uuml;nster: Schwarze L&ouml;cher &ndash; Wei&szlig;e Flecken, hrg. von U. Bardelmeier, A. Schulte-Hemming, M&uuml;nster 1993,&nbsp; </strong></p>
<p><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=446">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=446</a></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Orte im Regierungsbezirk M&uuml;nster, aus denen am 13. Dezember 1941 Menschen nach Riga deportiert wurden </span></strong>(<span style="text-decoration: underline;">Mitglieder</span> des Deutschen Riga-Komitees)<strong><span style="text-decoration: underline;">: </span></strong></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Ahaus</span>, Altenberge, <span style="text-decoration: underline;">Bocholt</span>, Borghorst, Bork, <span style="text-decoration: underline;">Borken</span>, <span style="text-decoration: underline;">Burgsteinfurt</span>, <span style="text-decoration: underline;">Coesfeld</span>, <span style="text-decoration: underline;">Drensteinfurt</span>, <span style="text-decoration: underline;">D&uuml;lmen</span>, Epe, Freckenhorst, <span style="text-decoration: underline;">Gescher</span>, Gronau, Gro&szlig;-Reken, Harsewinkel, Havixbeck, Herbern, Hopsten, Ibbenb&uuml;ren, Laer, Lengerich, L&uuml;dinghausen, <span style="text-decoration: underline;">M&uuml;nster</span>, Nienborg, Oelde,&nbsp; Raesfeld, Rhede, <span style="text-decoration: underline;">Rheine</span>, <span style="text-decoration: underline;">Stadtlohn</span>, <span style="text-decoration: underline;">S&uuml;dlohn</span>, Velen, Vreden, Wadersloh, <span style="text-decoration: underline;">Warendorf</span>, <span style="text-decoration: underline;">Werne</span>, Werth, Weseke, <span style="text-decoration: underline;">Wolbeck</span>&nbsp; (laut &bdquo;Statistik und Deportation der j&uuml;dischen Bev&ouml;lkerung aus dem Deutschen Reich, M&uuml;nster, Osnabr&uuml;ck, Bielefeld nach Riga am 13.12.1941&ldquo;, 1012 Deportierte; <a href="https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_wfn_411213.html">https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_wfn_411213.html</a> &nbsp;mit Namens- und Adressliste der Gestapo, hier fehlen aber Billerbeck, Haltern, Marl, Ahlen, Telgte, Herten, Bottrop, Heek)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p></div>


           <br />
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