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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Interview zum Kosovo-Krieg in &quot;Gegen Vergessen - FÃ¼r Demokratie&quot; 110/2020: &quot;Ein groÃŸes Ãœbel zur Verhinderung eines unertrÃ¤glichen Ãœbels&quot; - und zu 20 Jahren KFOR-Leistung</title>
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    <span class="xar-mod-title">Interview</span>

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        <h1>
            Interview zum Kosovo-Krieg in &quot;Gegen Vergessen - FÃ¼r Demokratie&quot; 110/2020: &quot;Ein groÃŸes Ãœbel zur Verhinderung eines unertrÃ¤glichen Ãœbels&quot; - und zu 20 Jahren KFOR-Leistung         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 6. Juni 2020 09:41:12 +02:00 (53217 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Im Mai j&auml;hrte sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 75. Mal. 1999 beteiligte sich ein demokratisches Deutschland erstmalig an einem Kriegseinsatz. Dazu und zu 20 Jahren UN-mandatierter KFOR-Einsatz das Interview mit mir als politischem Zeitzeugen in der Mitgliederzeitschrift von &quot;Gegen Vergessen - F&uuml;r Demokratie e.V.&quot;.&nbsp;</p></div>
            <div>    <p>Interview zum Kosovo-Krieg</p>
<p><strong>&bdquo;Ein gro&szlig;es &Uuml;bel zur Verhinderung eines unertr&auml;glichen &Uuml;bels&ldquo;</strong></p>
<p><em>(In &bdquo;Gegen Vergessen &ndash; F&uuml;r Demokratie&ldquo;, Heft 104/2020, </em>, <a href="https://www.gegen-vergessen.de/fileadmin/user_upload/Gegen_Vergessen/Mitgliederzeitschrift/GVFD-Magazin_104-2020_web.pdf"><em>https://www.gegen-vergessen.de/fileadmin/user_upload/Gegen_Vergessen/Mitgliederzeitschrift/GVFD-Magazin_104-2020_web.pdf</em></a><em> &nbsp;, </em><a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=disolay&amp;aid=1637"><em>www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=disolay&amp;aid=1637</em></a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>
<p><strong>Direkt nach der von rot-gr&uuml;n gewonnenen Bundestagswahl 1998 stand zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik eine Entscheidung &uuml;ber Krieg und Frieden an, die auf eine direkte Beteiligung der Bundeswehr an Luftangriffen gegen Serbien hinauslief (siehe Kasten)</strong></p>
<p>Die Entscheidung f&uuml;r den NATO-Einsatz im Kosovo-Krieg, der dann im Fr&uuml;hjahr 1999 stattfand, h&auml;tte die mehrheitlich pazifistisch ausgerichtete Regierungspartei B&uuml;ndnis 90/Die Gr&uuml;nen beinahe zerrissen. Wir sprachen mit Winfried Nachtwei &uuml;ber diese historische Z&auml;sur und die Lehren, die daraus zu ziehen sind. Nachtwei ist Friedens- und Sicherheitsexperte und sa&szlig; als Abgeordneter f&uuml;r die B&uuml;ndnisgr&uuml;nen damals im Verteidigungsausschuss des Bundestages. Seit mehreren Jahrzehnten leistet er zudem wichtige Erinnerungsarbeit und ist regelm&auml;&szlig;ig im Baltikum und in Wei&szlig;russland auf Spurensuche zum Vernichtungskrieg der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Auf seiner Homepage nachtwei.de stellt das Vorstands-mitglied von Gegen Vergessen &ndash; F&uuml;r Demokratie e.V. zahlreiche seiner Beitr&auml;ge und Aufzeichnungen zu diesen Themenbereichen zur Verf&uuml;gung.</p>
<p><strong>Herr Nachtwei, wie haben Sie diese Zerrei&szlig;probe zum Kosovo-Krieg 1998/99 pers&ouml;nlich erlebt und eingeordnet?</strong></p>
<p>F&uuml;r uns bestand ein gro&szlig;er Ziel- und Wertekonflikt: Einerseits ging es um den Schutz der bedrohten Zivilbev&ouml;lkerung im Kosovo. Die Situation dort war zuvor enorm eskaliert, ohne dass dies in der deutschen &Ouml;ffentlichkeit und im Bundestag gro&szlig; wahrgenommen wurde. Doch dann hatte UN-Generalsekret&auml;r Kofi Annan Ende September einen alarmierenden Bericht ver&ouml;ffentlicht. Zu dem Zeitpunkt gab es schon &uuml;ber 230 000 Vertriebene im Kosovo, er bef&uuml;rchtete eine humanit&auml;re Katastrophe. Der UN-Sicherheitsrat machte in einer Resoluti-on prim&auml;r den exzessiven Gewalteinsatz der serbischen beziehungsweise jugoslawischen Kr&auml;fte f&uuml;r die Situation verantwortlich. Auf der anderen Seite gab es f&uuml;r eine Gewaltan-drohung der NATO kein Mandat des UN-Sicherheitsrates, sie war nicht vom V&ouml;lkerrecht gedeckt. Das war eine sehr zwiesp&auml;ltige Situation, in der ich mich zun&auml;chst gemeinsam mit einigen Fraktionskollegen der Stimme enthalten habe. Als einige Monate sp&auml;ter alle weiteren Verhandlungen mit Serbien gescheitert waren und tats&auml;chlich Kampfhandlungen eingeleitet wurden, war das f&uuml;r uns in Regierungsverantwortung ein extremer Realit&auml;tsschock. Die Rolle war eine ganz andere als in der Opposition: Es musste gehandelt werden, hier und jetzt. Zwar nicht alleine, sondern gemeinsam mit Verb&uuml;ndeten. Aber wir standen in Verantwortung f&uuml;r die Folgen des eigenen Tuns &ndash; oder des eigenen Unterlassens. Ich habe diesmal zugestimmt und meine Entscheidung f&uuml;r mich so formuliert: Ich trage ein gro&szlig;es &Uuml;bel mit zur Verhinde-rung eines unertr&auml;glichen &Uuml;bels: zur Verhinderung eines neuen V&ouml;lkermordes, wie er zuvor in Bosnien geschehen war. F&uuml;r die Gr&uuml;nen bedeutete der Krieg einen Bruch mit der friedenspolitischen Programmatik. Der Streit explodierte, es wurden massenweise politische Tischt&uuml;cher zerschnitten. Wir, die wir die Luftangriffe mit-getragen haben, standen f&uuml;r viele als Verr&auml;ter da. Das war die hei&szlig;este Phase, und die schwierigste, die ich in meinem politi-schen Leben mitgemacht habe.</p>
<p><strong>Inwiefern hat damals Ihre Erinnerungsarbeit, die Sie seit Jahrzehnten in Bezug auf die deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg im Baltikum leisten, eine Rolle f&uuml;r Ihre Haltung gespielt?</strong></p>
<p>Die Erinnerungsarbeit und die Spurensuche zum Vernichtungskrieg in Wei&szlig;russland und im Baltikum, die Arbeit mit Holocaust-&Uuml;berlebenden, war ein sehr wichtiger Hintergrund f&uuml;r mich um zu verstehen, welch gro&szlig;en Stellenwert in Krisen- und Kriegszeiten der Schutz der Zivilbev&ouml;lkerung vor Massengewalt einnehmen muss. Noch w&auml;hrend der Zeit des Bosnien-Krieges hatte ich diese Dimension des Krieges jedoch verdr&auml;ngt &ndash; wie mit mir viele andere &ndash; weil ich gleichzeitig die Bef&uuml;rchtung hatte, dass bundesdeutsche Politik Milit&auml;reins&auml;tze zu einem normalen Instrument von Au&szlig;enpolitik machen w&uuml;rde, also eine Remilitarisierung der Au&szlig;enpolitik vollziehen w&uuml;rde. Dieser Blick hat sich bei mir erst nach dem Bosnien-Krieg ver&auml;ndert.</p>
<p>Sie waren 1996 mit den Vorst&auml;nden Ihrer Partei und Fraktion in Bosnien gewesen, um sich nach dem Ende des Bosnien-Krieges vor Ort zu informieren. Was hatte diese Reise f&uuml;r eine Bedeutung f&uuml;r Sie und Ihre Mitreisenden?</p>
<p>Wir waren uns damals einig bezogen auf humanit&auml;re Hilfen und auf die Hilfe f&uuml;r Fl&uuml;chtlinge, aber wir waren uns herzlich uneinig &uuml;ber die Rolle von Milit&auml;r in solchen Kriegen. Wir haben in Bosnien mehrere Schl&uuml;sselerfahrungen gemacht: Zum einen &uuml;ber die Intensit&auml;t der Zerst&ouml;-rungen, die wir dort gesehen haben. Das waren keine durch Bomben hervorgerufene Zerst&ouml;rungen, wie ich sie selbst aus den 1950er Jahren in Deutschland erinnere. Dies waren Zerst&ouml;rungen, die durch hartn&auml;ckiges, immer wieder wiederholtes Feuern mit Gewehren per Hand entstanden. Das zweite Schl&uuml;sselerlebnis war f&uuml;r uns, als wir mit Zeitzeugen am Hang von Sarajevo standen und von ihnen am Tatort selbst h&ouml;rten, was dort geschehen ist. Wir wussten das alles aus dem Fernsehen, dennoch war dies f&uuml;r uns weit weg gewesen. Doch jetzt wurde eine unangenehme Einsicht unausweichlich: Es gibt offenkundig Situationen, wo zum Schutz von Zivilbev&ouml;lkerung vor Massengewalt der Einsatz milit&auml;rischer Gewalt notwendig, legitim und verantwortbar sein kann. Eine dritte Schl&uuml;sselerfahrung machten wir dann mit Bundeswehrsoldaten der IFOR-Friedenstruppe in Bosnien. Besonders f&uuml;r die Wehrdienstver-weigerer aus unseren Reihen war es &uuml;berraschend, dass diese Bundeswehrsoldaten ihren UN-Auftrag ernst nahmen: Sie wollten keinen Krieg f&uuml;hren, sondern ihn im Gegenteil verhin-dern. &nbsp;Das war f&uuml;r einige von uns eine &bdquo;positive Entt&auml;uschung&ldquo;. Unsere allgemeine Schlussfolgerung war: Im Einflussbereich europ&auml;ischer Politik darf es kein zweites Bosnien geben. Diese Einsicht war ein entscheidender Hintergrund f&uuml;r die Entscheidungen, die dann 1998 und 1999 zum Kosovo gef&auml;llt werden mussten.</p>
<p><strong>Der damalige gr&uuml;ne Au&szlig;enminister Joschka Fischer hat gegen die Widerst&auml;nde in der Partei damit argumentiert, dass es als Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg neben dem Prinzip &bdquo;Nie wieder Krieg&ldquo; auch das Postulat &bdquo;Nie wieder Auschwitz&ldquo; gebe. Daf&uuml;r hat er viel Kritik einstecken m&uuml;ssen. Der Vorwurf lautete, er relativiere damit die Verbrechen von Auschwitz. Wie haben Sie das gesehen?</strong></p>
<p>Es hat in seiner Argumentation damals vielleicht so etwas wie einen moralischen Overkill gegeben. Aber Fischer hat niemals Auschwitz relativiert. Auf dem ber&uuml;hmten Parteitag im April 1999 in Bielefeld hat er w&ouml;rtlich gesagt: &bdquo;Auschwitz ist unvergleichbar. Aber ich stehe auf zwei Grund-s&auml;tzen, nie wieder Krieg, nie wieder Auschwitz, nie wieder V&ouml;lkermord, nie wieder Faschismus.&ldquo; Die Lehre zu ziehen, dass es niemals wieder einen V&ouml;lkermord geben darf, ist auch aus meiner Sicht eine v&ouml;llig richtige Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Unvergleichbarkeit von Auschwitz kann man nicht soweit isolieren, dass man daraus keine Lehren mehr ziehen darf.</p>
<p><strong>Nach Ende des Krieges der NATO gegen Serbien war die Bundeswehr 20 Jahre lang im Rahmen des KFOR-Einsatzes f&uuml;r die Sicherheit in einem Sektor des Kosovo zust&auml;ndig, bevor im vergangenen Jahr der Gro&szlig;teil der Truppen abgezogen wurde. Der Einsatz gilt gemeinhin als erfolgreich (im Gegensatz zur Suche nach einer langfristigen politischen L&ouml;sung f&uuml;r den Kosovo). Warum wei&szlig; man in der deutschen &Ouml;ffentlichkeit so wenig dar&uuml;ber?</strong></p>
<p>In der Tat war der Einsatz erfolgreich. Das Friedensabkommen wurde abgesichert, neue Kriegsgewalt verhindert, die R&uuml;ckkehr der Fl&uuml;chtlinge und die Demilitarisierung erm&ouml;glicht und auch weitere kriegerische Fl&auml;chenbr&auml;nde auf dem Balkan wurden verhindert. Kaum bekannt ist dies einmal, weil Kriegsverh&uuml;tung unspektakul&auml;r ist und quasi unsichtbar. Das ist das Schicksal von Pr&auml;vention &uuml;berhaupt: Das Haus brennt nicht, also f&auml;llt es nicht weiter auf. Ein zweiter Grund ist mangelnde &Ouml;ffentlichkeitsarbeit. Als Ende 2018 der deutsche Gro&szlig;einsatz endete, hat es nichts dazu von Seiten der Bundesregierung gegeben. Auch nicht, als sich der Einmarsch von KFOR im Juni 2019 zum 20. Mal j&auml;hrte. Es entstand der Eindruck, erfolgreiche Friedens-sicherung sei nicht der Rede wert. Ein letzter Aspekt: Ich nehme in Teilen der Gesellschaft ein sehr traditionelles Bild von Milit&auml;r wahr, Motto: &bdquo;Wehrmacht ist gleich Bundeswehr, alles derselbe Haufen&ldquo;. Es wird verkannt, dass die Bundeswehr im Rahmen von UN-Auftr&auml;gen das Gegenteil von Wehrmacht bedeutet, dass Soldaten zur Friedenssicherung sehr wichtig und auch erfolgreich sein k&ouml;nnen. Milit&auml;r kann nat&uuml;rlich keinen Frieden schaffen, es kann nur Gewalt verh&uuml;ten und zu einer Grundstabilit&auml;t beitragen. Mehr nicht, aber das wissen Milit&auml;rs selbst am besten.</p>
<p><strong>Sie haben viele Kontakte zur Bundeswehr, wie erleben sie dort den internen Umgang mit dem KFOR-Einsatz? Es waren ja doch viele Soldaten dort.</strong></p>
<p>Es waren im Laufe der 20 Jahre &uuml;ber 130.000 deutsche Soldaten dort. Ich war im vergangenen Sommer bei dem einzigen Ehemaligen-Treffen des ersten KFOR-Kontingents vom Juni 1999. Die Teilnehmer blickten mit Stolz darauf, diese damals hochexplosive Lage bew&auml;ltigt zu haben. Mit Entschlossenheit und Besonnenheit verhinderten sie in dutzenden brenzligen Situationen, dass wieder Sch&uuml;sse fielen. Die Soldaten, darunter viele Panzergrenadiere, waren stolz auf ihre friedensstiftende Rolle. Das gilt auch f&uuml;r Soldaten sp&auml;terer KFOR-Generationen: Sie brauchten keine Schlacht daf&uuml;r, um stolz auf ihre bew&auml;ltigte Aufgabe zu sein. Aber die KFOR-Soldaten stellen dar&uuml;ber hinaus fest, dass ihr Einsatz sowohl in der Bundeswehr und erst recht in der Gesellschaft ein vergessener Einsatz ist. Dabei k&ouml;nnte diese vorbildliche Leistung im Kosovo eine wichtige Funktion f&uuml;r ein friedens- und sicherheitspolitisches Selbstbewusstsein der Bundeswehr einnehmen.</p>
<p>Wenn Sie gedanklich einen Bogen ziehen vom Ende des Zweiten Weltkrieges, der nun 75 Jahre her ist, &uuml;ber diesen ersten Kriegseinsatz im demokratischen Deutschland 1999 bis heute, wo die Weltlage wieder eine ganz andere ist: Was w&uuml;rden Sie sich w&uuml;nschen, was sollte die Gesellschaft in Deutschland aus diesen historischen Z&auml;suren f&uuml;r Lehren ziehen?</p>
<p>Einmal sollte man sich bewusst sein, dass Europa und Deutschland 1945 von alliierten Truppen befreit wurde. Die Tatsache der Befreiung ist seit der Weizs&auml;cker-Rede von 1985 in der Bundesrepublik weitgehend Konsens. Dass es sich jedoch um eine milit&auml;rische Befreiung handelt, wird zum Teil verdr&auml;ngt. Die elementare Lehre, die damals gezogen wurde und weiterhin gilt ist, dass Frieden und Sicherheit nur gemeinsam erreicht werden k&ouml;nnen, durch eine kollektive und kooperative Friedens- und Sicherheitspolitik. Daf&uuml;r ist das Normengef&uuml;ge der Vereinten Nationen zentral. Dar&uuml;ber hinaus sind f&uuml;r Deutschland der Friedensauftrag des Grundgesetzes, die europ&auml;ische und auch die transatlantische Integration ma&szlig;geblich &ndash; auch wenn letztere derzeit erheblich wackelt. Dabei m&uuml;ssen wir die unterschiedlichen kollektiven historischen Erfahrungen in Europa wahrnehmen. Deutschland sagt vor allem: Wir d&uuml;rfen niemals mehr Angreifer sein. F&uuml;r unsere Nachbarn steht aber auch im Vordergrund, gegen einen Angreifer niemals mehr wehrlos zu sein. Wir sehen oft nur unsere bundesdeutsche Sicht und blenden die unserer Nachbarn aus. Unsere Perspektive ist eine berechtigte, aber sie ist eben nicht die einzige berechtigte und sie ist auch nicht die gesamteurop&auml;ische Perspektive. Zudem, und die Einsicht entspringt vor allem den Jugoslawienkriegen in den 1990er Jahren, m&uuml;ssen wir viel mehr in die Vorbeugung und Verh&uuml;tung von Kriegen investieren. Bis heute gibt es da einen enormen Nachholbedarf. Bei allem gilt es, das bisher erworbene Er-fahrungspotenzial besser zu nutzen und daraus zu lernen. Viele Tausende M&auml;nner und Frauen bringen mittlerweile Erfahrungen aus der Arbeit in Konfliktl&auml;ndern mit, in der Entwicklungspolitik, in der Friedenssicherung und Friedensf&ouml;rderung. Auf politisch-strategischer Ebene verl&auml;uft das Lernen aus Erfahrungen aber immer noch erstaunlich langsam.â– </p>
<p><strong>Die Fragen stellte Liane Czeremin</strong></p>
<p><strong>Zerfall Jugoslawiens</strong></p>
<p>Nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Systeme in Osteuropa erkl&auml;rten immer mehr Teilrepubliken des Vielv&ouml;lkerstaates Jugoslawien ihre Unabh&auml;ngigkeit, was in Kampfhandlungen m&uuml;ndete. Vor allem in Kroatien und in Bosnien-Herzegowina kam es zwischen 1991 und 1995 zu verlustreichen B&uuml;rgerkriegen mit &bdquo;ethnischen S&auml;uberungen&ldquo;, Gr&auml;ueltaten und Massakern. Allein im Bosnienkrieg verloren rund 100 000 Menschen ihr Leben, zwei Millionen mussten fliehen. Das Massaker in Srebrenica, das von serbischen Einheiten an &uuml;ber 8000 bosnischen Jungen und M&auml;nnern in Anwesenheit von UN-Truppen ver&uuml;bt wurde, gilt als das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg und wurde von der UN als V&ouml;lkermord eingestuft. 1998 eskalierte dann der Gewaltkonflikt um die Unabh&auml;ngigkeit des Kosovo. Jugoslawische Einheiten begannen mit der brutalen, systematischen Vertreibung der kosovoalbanischen Mehrheitsbev&ouml;lkerung. Bei der geplanten Androhung von Luftschl&auml;gen durch die NATO im Oktober 1998 gegen Serbien war die Zustimmung Deutschlands elementar, um der serbischen Seite die Ernsthaftigkeit der Drohung zu verdeutlichen. Bei den anschlie&szlig;enden Verhandlungen mit Serbiens Pr&auml;sident Slobodan Milosevic kam dem gr&uuml;nen deutschen Au&szlig;enminister Joschka Fischer eine zentrale Verhandlungsrolle zu. Nachdem Serbien sich nicht bewegte, leitete die NATO im M&auml;rz 1999 mit deutscher Beteiligung einen Luftkrieg ein, der nach Abschluss im Juni zur Bildung eines UN-Protektorats im Kosovo f&uuml;hrte, das von den KFOR-Truppen der NATO abgesichert wurde.</p>
<p><strong>Mit Fotos</strong></p>
<p>- KFOR-Checkpoint der Bundeswehr in Prizren</p>
<p>- Schl&uuml;sselerfahrung f&uuml;r Spitzenvertreter der Gr&uuml;nen 1996 am Hang von Sarajevo: nach vorne blickend zu sehen sind J&uuml;rgen Trittin, Krista Sager, Kerstin M&uuml;ller, Werner Schulz (v.l.), im hellen Parka Joschka Fischer, dann Gerd Poppe</p>
<p>- Winfried Nachtwei (im blauen Sakko) hielt Ende 2019 beim deutschen KFOR-Kontingent in Pristina einen Vortrag &uuml;ber 20 Jahre KFOR</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Letzte Beitr&auml;ge</span></strong></p>
<p><strong>Das 54. Deutsche KFOR-Kontingent im Kosovo: </strong>So klein wie nie, aber notwendig und wichtig, Bericht von meinem 13. Kosovo-/KFOR-Besuch, 12/2019, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1617">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1617</a></p>
<p><strong>Winfried Nachtwei: NATO-bombing &ndash; the lesser of two evils</strong>, Interview mit Simon Ilse und Milan Bogdanowic, in PERSPECTIVES &ndash; Southeastern Europe, Dezember 2019, Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung Serbia, Montenegro, Kosovo, S. 8-11,</p>
<p><a href="https://www.boell.de/sites/default/files/importedFiles/2020/03/09/Perspectives%2520SRB%25202019%2520INT.pdf?dimension1=division_osoe">https://www.boell.de/sites/default/files/importedFiles/2020/03/09/Perspectives%2520SRB%25202019%2520INT.pdf?dimension1=division_osoe</a></p>
<p>Entschlossen und besonnen &ndash; Die Gradwanderung des 1. KFOR-Kontingents 1999</p>
<p><strong>Ehemaligentreffen des vstkMechBtl/Task Force Prizren</strong>am 27./28. Juli 2019 in Regen/Bayerischer Wald, Kurzbericht und Reden, <a href="http://www.nachwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1598">www.nachwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1598</a></p>
<p class="ox-73e1200efe-ox-dfd205aac7-ox-5b2ced578c-ox-77a044bbba-ox-74df727a8e-ox-bfd9abb5e9-ox-c90dadb79c-ox-2823e6cfbf-ox-482dddd76f-ox-019d551383-ox-309a5a6a3d-ox-aaca537ff0-ox-c1fe4c283e-default-style"><strong>Gelungene Friedenssicherung &ndash; nichts wert? </strong>&bdquo;Fremde-Federn&ldquo;-Kommentar in der FAZ 28.06.2019,<a href="http://www.nachwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1595">www.nachwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1595</a>&nbsp;</p>
<p class="ox-73e1200efe-ox-dfd205aac7-ox-5b2ced578c-ox-77a044bbba-ox-74df727a8e-ox-bfd9abb5e9-ox-c90dadb79c-ox-2823e6cfbf-ox-482dddd76f-ox-019d551383-ox-309a5a6a3d-ox-aaca537ff0-ox-c1fe4c283e-default-style"><strong>Wie vor 20 Jahren der Kosovo-Krieg zu Ende ging - und unabsehbare Eskalationen verhindert wurden</strong> (VIII), 02.06.2019 (mit Kurzbesprechung der Neuerscheinung &bdquo;Der Kosovokrieg 1999&ldquo; von Hans-Peter Kriemann und Textausz&uuml;gen) <a href="http://www.nachwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1589" target="_blank">www.nachwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1589</a></p>
<p class="ox-73e1200efe-ox-dfd205aac7-ox-5b2ced578c-ox-77a044bbba-ox-74df727a8e-ox-bfd9abb5e9-ox-c90dadb79c-ox-2823e6cfbf-ox-482dddd76f-ox-019d551383-ox-309a5a6a3d-ox-aaca537ff0-ox-c1fe4c283e-default-style"><strong>Vergessener Kosovo-Einsatz? Blo&szlig; nicht! </strong>20 Jahre KFOR: erfolgreiche multinationale Kriegsverh&uuml;tung und Friedenssicherung in Europa (VII), Vortrag beim Einsatzf&uuml;hrungskommando, <a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1588" target="_blank">www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1588 </a></p>
<p class="ox-73e1200efe-ox-dfd205aac7-ox-5b2ced578c-ox-77a044bbba-ox-74df727a8e-ox-bfd9abb5e9-ox-c90dadb79c-ox-2823e6cfbf-ox-482dddd76f-ox-019d551383-ox-309a5a6a3d-ox-aaca537ff0-ox-c1fe4c283e-default-style"><strong>R&uuml;ckblende Kosovokrieg vor 20 Jahren (V): </strong>Pers&ouml;nliche Aufzeichnungen aus den ersten Kriegswochen April/Mai 1999, &bdquo;Aus richtigen Gr&uuml;nden das Falsche getan?&ldquo; Der Bruch vom 1. Mai, 06.04.2019</p></div>


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