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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: &quot;Herausforderung Rechtsextremismus - Hilflose Bundeswehr?&quot; Mein Interview auf NDR Info STREITKRÃ„FTE UND STRATEGIEN 20./21.05.2017</title>
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    <span class="xar-mod-title">Interview</span>

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        <h1>
            &quot;Herausforderung Rechtsextremismus - Hilflose Bundeswehr?&quot; Mein Interview auf NDR Info STREITKRÃ„FTE UND STRATEGIEN 20./21.05.2017         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 24. Mai 2017 23:49:36 +02:00 (219615 Aufrufe)            </div>
            <div></div>
            <div>    <p align="center"><strong>&bdquo;Herausforderung Rechtsextremismus &ndash; Hilflose Bundeswehr?&ldquo;</strong></p>
<p align="center"><strong>Mein Interview auf NDR Info STREITKR&Auml;FTE UND STRATEGIEN 20./21.05.2017</strong></p>
<p><em>Das Interview als Audio in der Langfassung, </em><a href="http://www.ndr.de/info/Nachtwei-Infiltrationsgefahr-durch-AfD,audio324128.html" target="_blank"><em>http://www.ndr.de/info/Nachtwei-Infiltrationsgefahr-durch-AfD,audio324128.html</em></a><em> <br /> </em><em>Manuskript <br /> </em><a href="http://www.ndr.de/info/sendungen/streitkraefte_und_strategien/streitkraeftesendemanuskript614.pdf" target="_blank"><em>http://www.ndr.de/info/sendungen/streitkraefte_und_strategien/streitkraeftesendemanuskript614.pdf</em></a><em> <br /> </em><em>Podcast </em><a href="http://www.ndr.de/info/podcast2998.html" target="_blank"><em>http://www.ndr.de/info/podcast2998.html</em></a><em> <br /> </em><em>Internetseite Streitkr&auml;fte und Strategien <br /> </em><a href="http://www.ndr.de/info/sendungen/Streitkraefte-und-Strategien,streitkraefte4.html" target="_blank"><em>http://www.ndr.de/info/sendungen/Streitkraefte-und-Strategien,streitkraefte4.html</em></a></p>
<p><strong>Hier das Interview-Manuskript</strong> (<em>wo mein gesprochenes Wort an einzelnen Stellen holprig geriet, habe ich etwas gegl&auml;ttet &ndash; selbstverst&auml;ndlich ohne inhaltliche Ver&auml;nderungen</em>).</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Andreas Flocken:</span></p>
<p>Das Doppelleben eines Bundeswehroffiziers, der m&ouml;glicherweise einen Terroranschlag plante, schl&auml;gt weiterhin Wellen. Wie konnte das passieren? Verteidigungsministerin von der Leyen hat mehrere Ma&szlig;nahmen angek&uuml;ndigt, um zu verhindern, dass k&uuml;nftig Warnsignale und Hinweise &uuml;bersehen und nicht gemeldet werden. Hier&uuml;ber habe ich mit Winfried Nachtwei gesprochen. Er war jahrelang verteidigungspolitischer Sprecher der Gr&uuml;nen und ist heute Mitglied im Beirat Innere F&uuml;hrung. Das Gremium ber&auml;t das Verteidigungsministerium.</p>
<p>Ich habe Winfried Nachtwei zun&auml;chst gefragt, ob Streitkr&auml;fte anf&auml;lliger sind f&uuml;r rechtsextremistische Tendenzen als andere gesellschaftliche Bereiche?</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Interview Andreas Flocken / Winfried Nachtwei</span></strong></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Nachtwei</span>:</p>
<p>Die Bundeswehr und Soldaten haben einerseits grunds&auml;tzlich eine gewisse Anziehungskraft f&uuml;r Rechte und Rechtsradikale. Und zwar als hierarchische Organisation, als Ort der Waffen, als Ort des Waffenhandwerks. Und als ein Ort, als eine Institution, die traditionell auf das Nationale orientiert ist.</p>
<p>Zugleich aber gibt es erhebliche absto&szlig;ende Aspekte der Bundeswehr: ihr Auftrag, ihre internationale Einbindung, die Einsatzwirklichkeit und die Einsatzerfahrungen, wo sehr viele Soldaten eher mit sozusagen nicht-rechten Einstellungen zur&uuml;ckkommen. Und in der Realit&auml;t ist - nach meiner Erfahrung &ndash; ein Generalverdacht Richtung &bdquo;rechter Sumpf&ldquo; unbegr&uuml;ndet. Allerdings m&uuml;ssen wir hingucken: wo gibt es solche Sumpfstellen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Flocken:</span></p>
<p>Gibt es denn nach Ihrer Einsch&auml;tzung mehr Rechtsextremisten in der Bundeswehr als in der Gesellschaft?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Nachtwei:</span></p>
<p>Wir haben dazu keinen systematischen &Uuml;berblick. Weil wir ja mit den Verdachtsf&auml;llen des MAD und mit den besonderen Vorkommnissen, die gemeldet werden, nur etwas &uuml;ber Schaumkronen wissen. Von der Tiefe, was die Einstellung usw. unter Bundeswehrangeh&ouml;rigen angeht, wissen wir recht wenig. Aber nach meiner pers&ouml;nlichen Erfahrung w&uuml;rde ich nicht sagen, dass es in der Bundeswehr st&auml;rker ist als in der Gesellschaft, sondern eher weniger. W&auml;re es so verbreitet wie in der Gesellschaft, w&auml;re dies ein schon Alarmzeichen sondergleichen. Weil n&auml;mlich die Bundeswehr, als ein wesentlicher Tr&auml;ger des staatlichen Gewaltmonopols, h&ouml;here Anforderungen zu stellen hat. Und da w&auml;re es schlimm, wenn sie ein Spiegelbild der Gesellschaft w&auml;re. Das kann sich der Staat, der Rechtsstaat, nicht leisten.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Flocken:</span></p>
<p>Im Kampf gegen den Rechtsextremismus will Frau von der Leyen insbesondere das Konzept der Inneren F&uuml;hrung mit dem Leitbild vom Staatsb&uuml;rger in Uniform st&auml;rken. In dem Tagesbefehl der Verteidigungsministerin vom 10. Mai hei&szlig;t es: Ein umfassendes Programm &bdquo;Innere F&uuml;hrung Heute&ldquo; soll aufgesetzt werden. Kann man mit der Inneren F&uuml;hrung das Aufkommen von rechtsextremistischen Tendenzen verhindern oder eind&auml;mmen?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Nachtwei:</span></p>
<p>Mit der Inneren F&uuml;hrung, und zwar mit einer - das ist entscheidend&nbsp;&nbsp;</p>
<p>- glaubw&uuml;rdig gelebten Inneren F&uuml;hrung, kann man sehr wohl Rechtsradikalismus und Extremismus in der Bundeswehr erheblich entgegenwirken. Es ist das beste Pr&auml;ventionsprogramm &uuml;berhaupt, weil die Werte, die Grunds&auml;tze der Inneren F&uuml;hrung wirklich diametral zu rechtsradikalen, rechtsextremen Einstellungen sind.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Flocken:</span></p>
<p>Sie sagten eben &bdquo;mit einer glaubw&uuml;rdigen Inneren F&uuml;hrung&ldquo;. Ist denn die F&uuml;hrung glaubw&uuml;rdig?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Nachtwei:</span></p>
<p>Sie ist oftmals zu abstrakt. Oder sie wird auf verschiedenen Ebenen nur unzureichend praktiziert. Wenn wir das erste Gestaltungsfeld der Inneren F&uuml;hrung &bdquo;Menschenf&uuml;hrung&ldquo; nehmen... Die unmittelbaren Vorgesetzten der Soldaten, Kompaniechefs zum Beispiel, sind heutzutage nur noch sehr, sehr begrenzt zu tats&auml;chlicher Menschenf&uuml;hrung in der Lage, weil Einheiten, Kompanien inzwischen erheblich angewachsen sind. Und weil sie eben zum Beispiel durch Beurteilungsaufgaben enorm absorbiert sind, weil es an Zeit fehlt.</p>
<p>Das sind alles Hinderungsgr&uuml;nde, dass dann tats&auml;chlich vor Ort auch so viel und so gut Menschenf&uuml;hrung praktiziert wird, wie es eigentlich geboten ist.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Flocken:</span></p>
<p>Muss Innere F&uuml;hrung nicht auch von der politischen F&uuml;hrung der Bundeswehr vorgelebt werden, wenn Innere F&uuml;hrung glaubw&uuml;rdig sein will?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Nachtwei:</span></p>
<p>Ja. Bei der glaubw&uuml;rdigen Inneren F&uuml;hrung ist von ganz entscheidender Bedeutung zu bedenken: Innere F&uuml;hrung f&auml;ngt oben an. Und zwar bei politischer F&uuml;hrung. D.h. die politische F&uuml;hrung muss den Auftrag der Streitkr&auml;fte und die Auftr&auml;ge der einzelnen Eins&auml;tze klar und &uuml;berzeugend r&uuml;berbringen, damit n&auml;mlich Soldaten &ndash; so ist die Anforderung von Innerer F&uuml;hrung &ndash; aus Einsicht handeln k&ouml;nnen. Wenn ich mir das genauer angucke, auch</p>
<p>w&auml;hrend meiner Zeit im Bundestag: dieser Anforderung ist die politische F&uuml;hrung &uuml;berwiegend nicht nachgekommen. Das hei&szlig;t also: Eine bessere Innere F&uuml;hrung ist angewiesen auf bessere Politik. Ich habe es gerade im Falle des Afghanistan-Einsatzes festgestellt (<em>ab 2008/2009, Anm. W.N.</em>), dass der Auftrag f&uuml;r die Soldaten vor Ort immer weniger nachvollziehbar war. Sie waren zur&uuml;ckgeworfen auf ihre Professionalit&auml;t und Kameradschaft. Und das musste ich bewerten als Zersetzung von Innerer F&uuml;hrung von oben.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Flocken:</span></p>
<p>Wenn jetzt die Innere F&uuml;hrung im Kampf gegen Rechtsextremismus gest&auml;rkt werden soll, dann ist es doch in der Konsequenz letztlich ein Eingest&auml;ndnis, dass man jahrelang die Innere F&uuml;hrung vernachl&auml;ssigt hat.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Nachtwei:</span></p>
<p>Das ist richtig. Man hat es nicht vernachl&auml;ssigt zum Beispiel beim Zentrum Innere F&uuml;hrung in Koblenz, wo die Soldatinnen und Soldaten, die Offiziere sich seit vielen Jahren abstrampeln, sehr kreativ sind, um da auch neue und zeitgem&auml;&szlig;e Wege zu finden. Aber es wurde offensichtlich auf den Spitzenebenen vernachl&auml;ssigt, aber das hatten wir auch schon in den fr&uuml;heren Jahrzehnten. Innere F&uuml;hrung wurde vor allem dann zu einem Thema, wenn es</p>
<p>Anst&ouml;&szlig;e durch entsprechende Skandale gab. Aber eben auf der Strecke... da galt es als ein &bdquo;weiches Thema&ldquo;. Es tritt also im Unterricht, in der Ausbildung, in der Fortbildung der Soldaten immer wieder zur&uuml;ck, weil die unmittelbare milit&auml;rische Ausbildung immer wieder als notwendiger erscheint.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Flocken:</span></p>
<p>Welche konkreten Ma&szlig;nahmen m&uuml;ssen denn Ihrer Meinung nach bei der Inneren F&uuml;hrung jetzt ergriffen werden, um rechtsextremistischen Tendenzen fr&uuml;hzeitig zu begegnen?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Nachtwei:</span></p>
<p>Einmal geht es um die St&auml;rkung der Grundelemente der Inneren F&uuml;hrung insgesamt. Also, die Voraussetzung muss daf&uuml;r gegeben sein, dass &uuml;berhaupt wieder wirksamer und vorbildlicher Menschenf&uuml;hrung praktiziert werden kann. Also Kompaniechefs m&uuml;ssen schlichtweg Zeit daf&uuml;r haben. Zweitens ist die bisherige Offiziersausbildung enorm wichtig. Offiziersanw&auml;rter sind separiert von den Soldaten, die sie sp&auml;ter f&uuml;hren sollen. Das ist ein Grunddefizit, das wir seit etlichen Jahren in der Bundeswehr haben. Die politische Bildung ist von enormer Bedeutung. Auf dem Papier war sie nat&uuml;rlich schon immer wichtig. Aber im Truppenalltag ist sie immer wieder hinter unmittelbaren Ausbildungs- und Dienst-Erfordernissen zur&uuml;ckgetreten. Sie muss eher ansetzen und ein Pflichtbestandteil auf den verschiedenen Ebenen sein, um &uuml;berhaupt die Werte und Orientierung der Bundeswehr zu verankern &ndash; wof&uuml;r steht die Bundeswehr insgesamt? Und wof&uuml;r in den Eins&auml;tzen? Innere F&uuml;hrung muss das eben klar und deutlich machen. Und schlie&szlig;lich geht es um Recht und soldatische Ordnung, also was das Disziplinarrecht angeht. Und es geht um die Dienstaufsicht, die gesch&auml;rft werden muss. Es ist ja bei diesen letzten Vorf&auml;llen &auml;u&szlig;erst irritierend gewesen, dass hier Dienstvorgesetzte, Disziplinarvorgesetzte offensichtlich kein Unrechtsbewusstsein, keine politische Sensibilit&auml;t hatten.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Flocken:</span></p>
<p>Die Bundeswehr kann sich gesellschaftlichen Str&ouml;mungen und Entwicklungen nicht entziehen. Sp&auml;testens seit der Fl&uuml;chtlingskrise ist die populistische AfD eine politische Kraft in Deutschland. Auf ihrem j&uuml;ngsten Parteitag hat sich die AfD nicht abgegrenzt von Rechtsextremisten. Zieht dieses Weltbild der AfD nun langsam auch in die Streitkr&auml;fte ein, und werden dadurch rechtsextremistische Tendenzen m&ouml;glicherweise beg&uuml;nstigt? Wie sehen Sie das?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Nachtwei:</span></p>
<p>Die Bundeswehr ist selbstverst&auml;ndlich nicht hermetisch abgeschlossen und immun gegen&uuml;ber solchen gesellschaftlichen Str&ouml;mungen. Vor allem, weil also eben auch dieser Rechts- und Nationalpopulismus recht heterogen ist, der bis ins Rechtsextreme reichen kann, aber nicht von vornherein rechtsextrem ist. Und man sieht es auch daran, dass einzelne ehemalige Offiziere in Rheinland-Pfalz, in Berlin, f&uuml;hrend f&uuml;r die AfD kandidiert haben. Oder in anderen St&auml;dten sind auch aktive Soldaten f&uuml;r die AfD in Stadtr&auml;ten. Insofern wirkt es sich eben doch in der Bundeswehr aus. Meines Wissens haben wir aber bisher keine empirischen Kenntnisse dar&uuml;ber, wie stark diese Entwicklung ist. Ich habe auf der anderen Seite etliche Offiziere und Soldaten erlebt, die ausdr&uuml;cklich eine demokratisch bewusste Haltung gegen&uuml;ber diesen Str&ouml;mungen zeigen.</p>
<p>Ich habe etliche Offiziere kennengelernt, die zum Beispiel in der freiwilligen Fl&uuml;chtlingshilfe arbeiten. Also aus dieser, ich sage mal Infiltrationsgefahr, kann man jetzt nicht schlie&szlig;en, dass sozusagen diese Infiltration schon voll im Gang w&auml;re. Aber da m&uuml;ssen wir uns als erstes ein sehr klares Lagebild verschaffen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Flocken:</span></p>
<p>Sie sprechen von einer Infiltrationsgefahr &ndash; muss die Bundeswehr darauf reagieren, dass die AfD inzwischen zum Beispiel in 13 L&auml;nderparlamenten vertreten ist? Muss sie insbesondere darauf reagieren, wenn es um die Rekrutierung von Soldaten geht?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Nachtwei:</span></p>
<p>Die Bundeswehr muss auf diese Entwicklungen und auf die Teilradikalisierung von Gesellschaft, gerade auch von jungen M&auml;nnern, unbedingt reagieren...</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Flocken:</span></p>
<p>Wie?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Nachtwei:</span></p>
<p>Wie? Das ist die Frage. Und da w&auml;re, glaube ich, von entscheidender Bedeutung, endlich zu einem Instrument zu greifen, was nun schon seit 20 Jahren, seit 1997 gefordert wird. Und zwar ist es angesichts subkutaner, unterschwelliger latenter Einstellungsver&auml;nderungen in der Bundeswehr, unbedingt notwendig, dem mit empirischen sozialwissenschaftlichen Untersuchungen nachzugehen...</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Flocken:</span></p>
<p>Die Bundeswehr hat ja ein eigenes Sozialwissenschaftliches Institut um gesellschaftliche Entwicklungen und die Folgen f&uuml;r die Bundeswehr zu begleiten. M&uuml;sste man auf Seiten der Bundeswehr dieses Institut nicht viel st&auml;rker nutzen?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Nachtwei:</span></p>
<p>Bis vor einigen Jahren gab es das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr. Das ist jetzt eingegangen in das gemeinsame Zentrum Milit&auml;rgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr. Und hier hat man in der Tat das wissenschaftliche Instrumentarium. Es ist auch angewandt worden, zum Beispiel 2007. Da hat es Untersuchungen gegeben zu den politischen Einstellungen von Studierenden der Bundeswehr-Unis in Hamburg und M&uuml;nchen, auch unter dem Aspekt von N&auml;he zu der sogenannten Neuen Rechten damals. Aber das war eine punktuelle Untersuchung. Sowas w&auml;re notwendig auf der Strecke. Dieses Institut f&uuml;hrt seit vielen Jahren sogenannte Bev&ouml;lkerungsumfragen durch. Es fragt nach der Einstellung der Bev&ouml;lkerung zur Bundeswehr, zu ihrem Auftrag, zu den verschiedenen Eins&auml;tzen usw., zum nationalen Engagement bei Krisen &uuml;berhaupt. Das sind sehr ergiebige und sehr sinnvolle Untersuchungen. Sowas w&auml;re endlich, endlich auch bei der Bundeswehr notwendig, sozusagen als Fr&uuml;herkennungs- und gegebenenfalls Fr&uuml;hwarninstrument. Ansonsten bleibt man n&auml;mlich im Grunde partiell blind, was die innere Lage der Bundeswehr angeht.</p>
<p>Hierbei gibt es ein politisches Versagen seit vielen Jahren. Ich sagte, die Forderung hat es 1997 gegeben, 2004 nach Coesfeld, dann eben 2011 / 2012. Aber immer wieder kam die kalte Schulter.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Flocken:</span></p>
<p>Die Wehrmacht ist nicht traditionsstiftend f&uuml;r die Bundeswehr. Das ist eigentlich auch die Botschaft des Traditionserlasses von 1982. Trotzdem will die Verteidigungsministerin diesen Traditionserlass nun erg&auml;nzen und klarer fassen. Ziel ist mehr Handlungssicherheit f&uuml;r die Vorgesetzten. Ist diese Handlungssicherheit notwendig?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Nachtwei:</span></p>
<p>Diese Handlungssicherheit ist notwendig. Vor allem ist eine zeitgem&auml;&szlig;e Traditionspflege unbedingt notwendig, weil der Traditionserlass von 1982 ist. Er stammt aus der Zeit vor der deutschen Einigung. Das war vor dem erweiterten Auftrag der Bundeswehr mit den ganzen Krisen - und Auslandseins&auml;tzen. Alles das ist bisher im Traditionserlass noch gar nicht ber&uuml;cksichtigt.</p>
<p>Vor allem diese positive Seite, also das, was in diesen 25 Jahren Auslandseins&auml;tzen auch positiv traditionsbildend ist, das muss endlich in einen solchen Traditionserlass erfasst werden. Und was die Wehrmacht angeht: Einerseits haben wir diese klare Abgrenzung, dass in der Tat Wehrmacht und Wehrmachtsangeh&ouml;rige insgesamt wegen soldatischer Leistung allein nicht traditionsw&uuml;rdig sind. Auf der anderen Seite ist es aber von entscheidender Bedeutung, die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Wehrmacht zu f&ouml;rdern. Ich hatte selbst 1997 dem damaligen Verteidigungsminister R&uuml;he den Vorschlag gemacht, dass sich &ouml;rtliche Bundeswehrverb&auml;nde mal genauer die Geschichte, die Kriegsgeschichte der Wehrmachtsverb&auml;nde aus ihrer Region ansehen sollten. Und wenn man sich das jenseits der Ehemaligen- und Veteranenliteratur mal genau angeguckt h&auml;tte, h&auml;tte man gesehen, welche Rolle die Wehrmacht im Vernichtungskrieg, im Angriffskrieg gegen die europ&auml;ischen Nachbarn hatte. Und wie zum Beispiel Generale mit den eigenen Soldaten umgegangen sind (<em>Beispiel Stalingrad, wo sie zu Henkern der eigenen Soldaten wurden; Anm. W.N.</em>). Also in der praktischen, historisch-kritischen Auseinandersetzung mit Wehrmachtgeschichte kann man sehr viel lernen. Aber man muss dies auseinanderhalten: Historisch-kritische Auseinandersetzung ist das Eine &ndash; das ist zu bef&uuml;rworten. Das Andere: Wehrmacht traditionsstiftend? Nein.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Flocken:</span></p>
<p>In Bundeswehreinrichtungen waren bisher u.a. auch Stahlhelme der Wehrmacht oder Bilder von Wehrmachtsangeh&ouml;rigen zu sehen - ohne eine historische Einordnung, wie das ja im Traditionserlass von 1982 vorgesehen ist. Beg&uuml;nstigen diese Wehrmachtsdevotionalien rechtsextremistische Tendenzen in der Bundeswehr?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Nachtwei:</span></p>
<p>Wehrmachtsdevotionalien k&ouml;nnen solche Tendenzen f&ouml;rdern - wenn sie ohne Einordnung geschehen. Wenn sie also sozusagen Erinnerungsst&uuml;cke mit positivem Touch sind. Dann wird damit eine Einstellung gef&ouml;rdert, ein Soldatenverst&auml;ndnis, das v&ouml;llig losgel&ouml;st ist von seinen Zwecken, von seinem Missbrauch, von dem Gro&szlig;verbrechen, in dem es damals funktionierte.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Flocken</span>:</p>
<p>An der Helmut-Schmidt-Universit&auml;t der Bundeswehr in Hamburg ist ein Foto des fr&uuml;heren Bundeskanzlers und Verteidigungsministers Helmut Schmidt abgeh&auml;ngt worden - weil es Helmut Schmidt in einer Wehrmachtsuniform gezeigt hat. Halten Sie so eine Ma&szlig;nahme f&uuml;r richtig oder ist das nicht etwas &uuml;bertrieben, &uuml;ber das Ziel hinaus geschossen. Denn es ist ja unbestritten: Helmut Schmidt war kein Nazi.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Nachtwei</span>:</p>
<p>So eine Ma&szlig;nahme ist deutlich &uuml;ber das Ziel hinaus geschossen. Es ist f&uuml;r mich ein Beispiel f&uuml;r kopflose S&auml;uberungsaktionen, die es jetzt zurzeit auch gibt. Und die eigentlich die Verunsicherung in der Truppe und vielleicht auch innere Gegenreaktionen nur f&ouml;rdern.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Flocken</span>:</p>
<p>Winfried Nachtwei, Mitglied im Beirat Innere F&uuml;hrung, &uuml;ber Rechtsextremismus in der Bundeswehr.</p>
<p>Eine Langfassung des Interviews finden Sie auf der Internetseite von Streitkr&auml;fte und Strategien unter ndr.de/streitkraefte</p></div>


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