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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Zum Tod von Wolf Middelmann (87): Vorwort zu seinem &amp; seiner Frau Bericht Ã¼ber zwei Jahrzehnte des Austausches mit den Holocaust-Ãœberlebenden im Baltikum</title>
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    <span class="xar-mod-title">Artikel von Winfried Nachtwei fÃ¼r Zeitschriften u.Ã¤.</span>

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   </table>




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        <h1>
            Zum Tod von Wolf Middelmann (87): Vorwort zu seinem &amp; seiner Frau Bericht Ã¼ber zwei Jahrzehnte des Austausches mit den Holocaust-Ãœberlebenden im Baltikum         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 9. Dezember 2019 01:22:05 +02:00 (32408 Aufrufe)            </div>
            <div></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Zum Tod von Wolf Middelmann</strong>, G&ouml;ttingen</p>
<p align="center">20. August 1932 &ndash; 27. November 2019</p>
<p align="center">Winfried Nachtwei (09.12.2019)</p>
<p align="center">(Fotos auf <a href="http://www.facebook.com/winfried.nachtwei">www.facebook.com/winfried.nachtwei</a> )</p>
<p>Der ehemalige Franz&ouml;sisch- und Erdkundelehrer aus G&ouml;ttingen engagierte sich seit 1993 in einzigartiger Weise f&uuml;r die Holocaust-&Uuml;berlebenden im Baltikum. Zusammen mit seiner Frau Hannah besuchte er &uuml;ber 25 Jahre halbj&auml;hrlich die meist einsamen alten, oft kranken Menschen, mobilisierte f&uuml;r sie verl&auml;ssliche Hilfe, wurde ihnen zu Freunden. In rund 50 Rundbriefen berichtete das Ehepaar pers&ouml;nlich-konkret und aufr&uuml;ttelnd von den Schicksalen und der sozialen Situation derjenigen, die unter deutscher Besatzung Unmenschlichstes in Ghetto und KZ erlebten, die meisten Angeh&ouml;rigen verloren &ndash; und die danach &uuml;ber Jahrzehnte mit ihren Verwundungen und Verlusten allein gelassen wurden. Mit ihrer verl&auml;sslichen Zuwendung und Herzlichkeit haben Hannah und Wolf vielen Holocaust-&Uuml;berlebenden im Baltikum den Lebensabend gew&auml;rmt und verl&auml;ngert. Sie wurden Judenretter unter heutigen Bedingungen. &nbsp;</p>
<p>Beim politischen Einsatz f&uuml;r eine w&uuml;rdige &bdquo;Entsch&auml;digung&ldquo; erlebte ich (MdB ab 1994) Wolf als beharrlichen, herausragenden Berater, &bdquo;Dr&auml;ngler&ldquo; und Ermutiger: mit seinen kritischen Kommentaren, vielen bohrenden, detaillierten Fragen, mit strategischen und taktischen &Uuml;berlegungen, mit konstruktiven Vorschl&auml;gen&nbsp; - und vor allem den vielen eindringlichen Berichten zu Einzelschicksalen.</p>
<p>Mit ihm haben wir einen hartn&auml;ckigen Streiter und Praktiker f&uuml;r Menschenrechte verloren, ein lebensfroher Menschenfreund, wenn n&ouml;tig auch mit berechtigt-gerechtem Zorn. F&uuml;r diejenigen, die ihn kennenlernen und mit ihm aktiv sein durften, lebt er anders weiter: in lebhafter Erinnerung und als bleibender Auftrag.</p>
<p>2014 erschien von</p>
<p><strong>Hanna und Wolf Middelmann,</strong><strong> Dem Judenmord entkommen</strong><strong>. </strong>Bericht &uuml;ber zwei Jahrzehnte unseres intensiven Austausches mit den &Uuml;berlebenden des Holocaust im Baltikum mit den Verfolgungsschicksalen von 31 lettischen und litauischen Juden 1941-1945,Villa ten Hompel Aktuell 20, M&uuml;nster 2014</p>
<p>(Vgl. G&ouml;ttinger Tageblatt 25.07.2015,&nbsp; <a href="https://www.goettinger-tageblatt.de/Die-Region/Goettingen/Hilfe-fuer-baltische-Holocaust-Ueberlebende">https://www.goettinger-tageblatt.de/Die-Region/Goettingen/Hilfe-fuer-baltische-Holocaust-Ueberlebende</a> )</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Im Folgenden mein Vorwort zu dem Band</span></strong><a title="" href="#_ftn1"><strong><strong>[1]</strong></strong></a></p>
<p><strong>&nbsp;Es war ein 9. November, vier Jahre nach dem Mauerfall: </strong>Ein Herr <strong>Wolf Middelmann</strong> meldete sich am Telefon, Franz&ouml;sisch- und Erdkundelehrer aus G&ouml;ttingen, ein Kollege. Er habe am 29. M&auml;rz 1993 im NDR-Fernsehmagazin Panorama von der unglaublichen Tatsache erfahren, dass 138 ehemalige Angeh&ouml;rige der lettischen Waffen-SS aus der Bundesrepublik eine Kriegsversehrtenrente bezogen, ehemalige Ghetto- und KZ-H&auml;ftlinge demgegen&uuml;ber keinen Pfennig. Er habe der G&ouml;ttinger Abgeordneten und Bundestagspr&auml;sidentin Prof. Rita S&uuml;&szlig;muth geschrieben &ndash; und eine emp&ouml;rende Antwort erhalten. Im Keller habe er nun zehn S&auml;cke mit Medikamenten von sieben &Auml;rzten. Ob ich Transportgelegenheiten w&uuml;sste, wie es mit dem Zoll aussehe.</p>
<p>Das war meine erste Begegnung mit dem Ehepaar Hanna und Wolf Middelmann und ihrem unglaublichen menschlich-politischen Engagements f&uuml;r die Holocaust-&Uuml;berlebenden im Baltikum.</p>
<p><strong>Erste Spuren</strong></p>
<p>Im Sommer 1989 hatten meine Frau Angela und ich noch zur sowjetischen Zeit erstmalig die lettische Hauptstadt Riga besucht. Im Osten viel Neues: Perestroika in der Sowjetunion, die &bdquo;singende Revolution&ldquo; im Baltikum f&uuml;r die Wiedererlangung der Unabh&auml;ngigkeit. Das gerade in der taz von Anita Kugler vorgestellte Buch &bdquo;Judenmord in Lettland&ldquo; von Bernhard Press f&uuml;hrte uns an die Orte des Nazi-Terrors ab Juli 1941.</p>
<p>Wir lernten die St&auml;tten des Massenmordes und der Drangsalierungen der Juden kennen, u.a. das &auml;rmliche Viertel der Moskauer Vorstadt, wo 30.000 lettische Juden im Ghetto zusammengepfercht worden waren und ab Dezember 1941 viele Tausende aus Deutschland, &Ouml;sterreich und der Tschechoslowakei. Wir besuchten das W&auml;ldchen an der Bahnstation Rumbula, wo am 30. November und 8. Dezember 1941 ca. 27.000 lettisch-j&uuml;dische Ghetto-Gefangene erschossen wurden. Die &Uuml;berreste der ehemaligen Gro&szlig;en Choralsynagoge. Die Lager &bdquo;Jungfernhof&ldquo; und &bdquo;Salaspils&ldquo;. Schlie&szlig;lich die 55 Massengr&auml;ber im Wald von Bikernieki, wo ab Juli 1941 etwa 35 000 Menschen erschossen wurden, davon ca. 20 000 Juden.</p>
<p>Aufw&uuml;hlend und unfassbar war, was sich an diesen Orten vor fast 50 Jahren abgespielt hatte. Eine doppelte Schande war, wie sehr die Erinnerung an die Gequ&auml;lten und Ermordeten verweht und verdr&auml;ngt war: nirgendwo ein Erinnerungszeichen an sie, die Massengr&auml;ber von Bikernieki in einem verwahrlosten Zustand. Dass in Riga (und in Minsk und Kaunas) die massenhafte Ermordung der deutschen Juden ihren Anfang nahm, war in der deutschen wie lettischen &Ouml;ffentlichkeit &uuml;ber ein halbes Jahrhundert praktisch unbekannt!</p>
<p>Wir lernten den Historiker und Ghetto-&Uuml;berlebenden Margers Vestermanis kennen. Mit der demokratischen &Ouml;ffnung der baltischen Staaten konnte der 64-J&auml;hrige endlich offen die Geschichte der lettischen Juden und des Holocaust in Lettland erforschen. Es war eine Begegnung, die uns nicht mehr loslie&szlig;.</p>
<h1>Fortsetzung der &bdquo;zweiten Schuld&ldquo;</h1>
<p>Als NDR-Panorama im M&auml;rz 1993 den Skandal mit den Kriegsversehrtenrenten f&uuml;r Ex-Angeh&ouml;rige der Lettischen Waffen-SS enth&uuml;llte, hielten sich gerade 25 B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger aus dem M&uuml;nsterland und Emsland zur ersten Gruppen-Erinnerungsreise in Riga auf &ndash; auf den Spuren der aus ihrer Heimat nach Riga deportierten fr&uuml;heren Nachbarn von nebenan. Am Ort der ehemaligen Gro&szlig;en Synagoge an der Gogolstra&szlig;e legten sie am 31. M&auml;rz im Auftrag ihrer acht Herkunftsorte Kr&auml;nze nieder. Das war wohl die erste Gedenkveranstaltung in Riga f&uuml;r die &uuml;ber 20.000 vor mehr als 50 Jahren hierher Verschleppten. Bei unserem ersten Treffen sprach Margers Vestermanis von der kleinen Gruppe der &Uuml;berlebenden: &bdquo;Das ist ein H&auml;ufchen Geretteter in einem Meer von Blut.&ldquo; Verzweifelt sei die Lage der meisten &Uuml;berlebenden, wo alle Ersparnisse durch die W&auml;hrungsreform (im Verh&auml;ltnis 200 zu 1!) verloren gegangen waren, wo die Rente gerade f&uuml;r die Miete, nicht f&uuml;r Essen, Heizung und Medikamente reichte.</p>
<p>Die Panorama-Enth&uuml;llung von Volker Steinhoff und John Goetz machte deutlich, wie sehr die bundesdeutsche Regierungspolitik weiterhin von Gro&szlig;z&uuml;gigkeit gegen die T&auml;ter und Gleichg&uuml;ltigkeit gegen die Opfer gepr&auml;gt war &ndash; der &bdquo;zweiten Schuld&ldquo; (Ralph Giordano) der j&uuml;ngsten deutschen Geschichte.</p>
<h1>B&uuml;rgerinitiativen</h1>
<p>Bundesweit wollten sich B&uuml;rgerInnen nicht mit dem Skandal abfinden oder auf die Politik warten. Sie wurden selbst aktiv f&uuml;r Holocaust-&Uuml;berlebende im Baltikum, so in Freiburg Margot Zmarzlik, in T&uuml;bingen Waltraud Balbarischky, in Wuppertal Roswitha Dasch, in Leipzig Pfarrer Reinhard Enders, in Bremen Hermann Kuhn, in Hamburg die Gruppe Yad Ruth<a title="" href="#_ftn2">[2]</a> &ndash; und vor allem <strong>Hanna und Wolf Middelmann</strong> in G&ouml;ttingen.</p>
<p>Das Engagement von Hanna und Wolf entwickelte sich einzigartig.</p>
<p>Sie sammelten Medikamente und Spenden. Seit Anfang 1994 reisten sie halbj&auml;hrlich nach Riga, seit 1997 auch regelm&auml;&szlig;ig nach Litauen und gelegentlich nach Estland, bis heute 41 Mal! Sie brachten den alten, meist kranken, oft tief einsamen Menschen &Uuml;berlebenshilfe, Zuh&ouml;ren, Herzlichkeit, Verl&auml;sslichkeit &uuml;ber inzwischen 21 Jahre. Sie berichteten in Deutschland, in Vortr&auml;gen, mit ihrer Wanderausstellung &bdquo;Dem Judenmord entkommen&ldquo;, mit ihren Rundbriefen.</p>
<p>Schon der &bdquo;Rundbrief Nr.1 an die Spender f&uuml;r die &uuml;berlebenden Juden in Lettland&ldquo; vom 20. Dezember 1994(nach der 2. Riga-Reise) offenbarte die menschliche Herausforderung:</p>
<p><em>&bdquo;Die <span style="text-decoration: underline;">Alters- und Gesundheitsstruktur</span> der 112 Mitglieder (2 starben seit Oktober): 10 sind zzt. st&auml;ndig bettl&auml;gerig, (&hellip;) 85% aller Mitglieder sind &uuml;ber 70 Jahre alt. Laut Dr. Salzmann, Arzt und Psychotherapeut haben 2 Drittel der ehem. KZ`ler depressive Zust&auml;nde, Angstsyndrome, traumbedr&auml;ngte N&auml;chte, ein Drittel leichtere psych. Sch&auml;digungen. <span style="text-decoration: underline;">Ganz</span> ohne entsprechenden Befund: <span style="text-decoration: underline;">niemand</span>. Regel: Je j&uuml;nger die H&auml;ftlinge damals waren, (bes. 10- bis 16-j&auml;hrige), desto tiefer liegende St&ouml;rungen bzw. desto h&ouml;here Belastung im Alter. (&hellip;)</em></p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Trotz jahrelanger Verhandlungen</span> hat sich die gegenw&auml;rtige dt. Regierung nicht zu individuellen Hilfen durchringen k&ouml;nnen. In Aussicht gestellte &acute;humanit&auml;re` Hilfe, u.a. die in Riga strikt abgelehnte Mitfinanzierung eines Altersheims f&uuml;r die &Uuml;berlebenden existiert nur in Politikerk&ouml;pfen und Beschlusspapieren. <span style="text-decoration: underline;">Praktisch</span> gibt es <span style="text-decoration: underline;">keine</span> Hilfe (Rundbrief Nr 1). </em></p>
<p><strong>Einsatz f&uuml;r w&uuml;rdige &bdquo;Entsch&auml;digung&ldquo;</strong></p>
<p>Beim politischen Einsatz f&uuml;r eine w&uuml;rdige &bdquo;Entsch&auml;digung&ldquo; in Bonn waren <strong>Wolf Middelmann</strong> mit seinen vielen umfangreichen Briefen (allein 15 bis 1997) und Hanna ein beharrliches, herausragendes Berater-,&nbsp; &bdquo;Dr&auml;ngler&ldquo;- und Ermutiger-Team: mit den kritischen Kommentaren, vielen bohrenden, detaillierten Fragen, mit strategischen und taktischen &Uuml;berlegungen, mit konstruktiven Vorschl&auml;gen &ndash; und vor allem immer wieder den eindringlichen Berichten zu Einzelschicksalen.</p>
<p class="Listenabsatz1">-&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>&bdquo;Wenn ich im Laufe der letzten Monate an die Rigaer und die Entwicklung der Entsch&auml;digungsdebatte denke, befallen mich Gef&uuml;hle der Ohnmacht, Bedr&uuml;ckung, Hoffnungslosigkeit. Das Ausgeliefertsein an die stahlhelmige Betonmehrheit im Bundestag! Die bewusst die in- und ausl&auml;ndischen &bdquo;vergessenen&ldquo; Opfergruppen verschm&auml;ht.&ldquo; ( Brief vom 1.6.1995) Es folgten &Uuml;berlegungen zu (a) Wie kommt man an den Egoismus der Konservativen ran? (b) M&ouml;gliche zuk&uuml;nftige Orientierung: j&uuml;d. Organisationen als Unterst&uuml;tzer, (c) Kontakte zur westlichen, ausl&auml;ndischen Presse, (d) Finanzielles Argument: Zerst&ouml;rung und Raub durch D, keine Reparationen&ldquo; </em></p>
<p class="Listenabsatz1">-&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>&bdquo;Die Einsamkeit so vieler &Uuml;berlebender: Durch die 65 Jahre seit dem Sommer 1941 stellte sich keine l&auml;nger andauernde, innere Beruhigung ein, kein &bdquo;Gew&ouml;hnen&ldquo; an die Trostlosigkeit des alleinigen Zur&uuml;ckbleibens. (&hellip;) Es verw&auml;chst kaum etwas. Im Gegenteil: Je sp&auml;ter im Ablauf des Lebens, desto mehr, in aufsteigender Leidens- und Erinnerungsintensit&auml;t, stellt sich bei vielen das Bewusstsein des Verlustes der Angeh&ouml;rigen ein.&ldquo; (Rundbrief Nr. 26 vom Dezember 2006)</em></p>
<p>Zwischen der &bdquo;B&uuml;rgerinitiative Middelmann&ldquo; und mir als Parlamentarier entwickelte sich eine einzigartige Form des Austausches, der gemeinsamen Beratung und Zusammenarbeit, eine menschliche Kampfgemeinschaft f&uuml;r die Holocaust-&Uuml;berlebenden in Riga und im Baltikum.</p>
<p>Mitte 1997, vier Jahre nach Beginn unseres gemeinsamen Engagements, war unsere Bilanz deprimierend:</p>
<p class="KeinLeerraum1"><em>&bdquo;Wer einmal an den Orten des Judenmords in den baltischen Staaten gestanden hat, wer einem der wenigen &Uuml;berlebenden begegnet ist, die damals ihre ganze Familie verloren haben und selbst unermessliche Torturen haben durchmachen m&uuml;ssen, kann sich f&uuml;r die bundesdeutsche Entsch&auml;digungspolitik in Richtung Osteuropa nur sch&auml;men:</em></p>
<p class="KeinLeerraum1"><em>Angesichts ihrer Ignoranz gegen&uuml;ber dem Lebensschicksal und der Situation der NS-Opfer, angesichts ihres Desinteresses gegen&uuml;ber der Frage, was von einer &bdquo;humanit&auml;ren Geste&ldquo; &uuml;berhaupt bei den Betroffenen ankommt, angesichts ihrer offenkundigen Antriebslosigkeit, zu einer Regelung mit Lettland zu kommen. Ein &Uuml;berlebender des Rigaer Ghettos, der KZ Kaiserwald, Stutthof und Buchenwald &uuml;berstanden hatte: &bdquo;Wir existieren nicht f&uuml;r die Politiker in Bonn!&ldquo; </em></p>
<p class="KeinLeerraum1"><em>Die Vereine der ehemaligen Ghetto- und KZ-H&auml;ftlinge verlieren von Monat zu Monat Mitglieder durch Tod und Auswanderung. In wenigen Jahren wird es die Vereine nicht mehr geben. Dann ist das Problem der Entsch&auml;digung biologisch &bdquo;gel&ouml;st&ldquo;. </em></p>
<h1>Judenretter</h1>
<p>Am 30. November 1998 schrieb Alexander Bergmann in einem Brief an die Spender:</p>
<p><em>&bdquo;Ab 1993 erfuhrt Ihr durch die Zeitungen und das Fernsehen &uuml;ber unsere trostlose Lage. Seitdem habt Ihr das getan, was wir eigentlich vergebens vom deutschen Staat erwarteten. Ihr habt mit Eurem Geld und Sachspenden, mit Euren liebevoll gepackten Lebensmittelpaketen uns unterst&uuml;tzt. Ihr habt aber viel mehr getan. Ihr habt uns den Glauben an die Menschheit wiedergegeben, Zeichen der Solidarit&auml;t gestellt. Euer aufrichtiges Mitgef&uuml;hl hat uns erw&auml;rmt. Wir &uuml;bertreiben auch hier nicht, wenn wir behaupten, dass Eure Hilfe Leute vom fr&uuml;hzeitigen Tod gerettet und uns allen &Uuml;berlebenden Zuversicht f&uuml;r die kurze Zukunft, die uns noch bevorsteht, gegeben habt.&ldquo; </em></p>
<p class="KeinLeerraum1">Angesichts besch&auml;mender Entwicklungen auf dem Feld der Zwangsarbeiter-&ldquo;Entsch&auml;digung&ldquo; machte ich bei einer Bundestagsdebatte am 15. M&auml;rz 2001 auf diejenigen B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger aufmerksam,</p>
<p class="KeinLeerraum1"><em>&bdquo;die von sich aus schon seit Jahren Verantwortung in dieser Frage &uuml;bernommen haben. Sie machten ehemalige Zwangsarbeiter aus ihren Regionen ausfindig, organisierten Patenschaften und Besuchsreisen. Sie organisierten Spendensammlungen f&uuml;r ehemalige Ghetto- und KZ-H&auml;ftlinge sowie f&uuml;r Zwangsarbeiter. Sie nahmen pers&ouml;nliche Kontakte auf, die oft in Freundschaften m&uuml;ndeten. Sie bewiesen pers&ouml;nlich anschaulich und &uuml;berzeugend an ihren jeweiligen Orten, wie &uuml;berf&auml;llig eine so genannte Entsch&auml;digung ist und dass Ressentiments, die sich oft gerade an der Entsch&auml;digungsfrage festmachen, die Wirklichkeit absolut entstellen und unmenschlich sind. Beispielhaft f&uuml;r solche B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger nenne ich das Ehepaar Hanna und Wolf Middelmann in G&ouml;ttingen (&hellip;). Solchen B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern hat der Deutsche Bundestag ausdr&uuml;cklich zu danken.&ldquo; (Beifall beim B&uuml;ndnis 90/Die Gr&uuml;nen, bei der SPD, der F.D.P. und der PDS sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) </em></p>
<p class="KeinLeerraum1"><strong>Hanna und Wolf Middelmann</strong> haben sich in ihrem hartn&auml;ckigen Engagement nie entmutigen und nie verh&auml;rten lassen. Mit ihrer verl&auml;sslichen Zuwendung und Herzlichkeit haben sie vielen Holocaust-&Uuml;berlebenden den Lebensabend gew&auml;rmt und verl&auml;ngert. Sie setzen das Werk von Judenrettern fort. Sie sind Judenretter unter heutigen Bedingungen.</p>
<p class="KeinLeerraum1">Ihr Buch DEM JUDENMORD ENTKOMMEN legt davon Zeugnis ab. Ihr Werk ist ein Lebenswerk.</p>
<p class="KeinLeerraum1">Von Menschen, die hinsahen und zupackten, wo die meisten anderen wegsahen.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Spenden</span></strong></p>
<p>zugunsten des &bdquo;Freundeskreis f&uuml;r die Holocaust-&Uuml;berlebenden im Baltikum&ldquo;</p>
<p>(IBAN: DE28 2605 001 0100 4994 33 &ndash; Kennwort: Wolf Middelmann) &ldquo;</p>
<div><br clear="all" /><hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Zum Autor: ehemaliger Geschichtslehrer aus M&uuml;nster, 1994-2009 Mitglied des Bundestages (B&uuml;ndnis 90/Die Gr&uuml;nen), Vorstandsmitglied von &bdquo;Gegen Vergessen &ndash; F&uuml;r Demokratie&ldquo; und Dt. Gesellschaft f&uuml;r die Vereinten Nationen; Ver&ouml;ffentlichungen zu Riga-Deportationen, Ghetto Riga, Deutsches Riga Komitee unter <a href="http://www.nachtwe.de">www.nachtwe.de</a></p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Die &bdquo;Freunde der &Uuml;berlebenden des Holocaust&ldquo; in Berlin von 1997-2006</p>
</div>
</div></div>


           <br />
                        </div>
   </div>
</div></channel>
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