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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Wie vor 20 Jahren der Kosovokrieg zu Ende ging - und unabsehbare Eskalationen verhindert wurden. Hierzu eine sehr lesenswerte Neuerscheinung</title>
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    <span class="xar-mod-title">Artikel von Winfried Nachtwei fÃ¼r Zeitschriften u.Ã¤.</span>

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        <h1>
            Wie vor 20 Jahren der Kosovokrieg zu Ende ging - und unabsehbare Eskalationen verhindert wurden. Hierzu eine sehr lesenswerte Neuerscheinung         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 2. Juni 2019 14:44:31 +02:00 (40537 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Am 2. Juni 1999 brachte die TROIKA bei ihrem Besuch in Belgrad den Durchbruch zur Beendigung des Kosovokrieges - in der Luft und am Boden -, zum Abzug der serbischen bewaffnwten Kr&auml;fte, zum Einr&uuml;cken von KFOR, zur R&uuml;ckkehr vieler Hunderttausender Fl&uuml;chtlinge und zur Etablierung einer UN-Verwaltung. Die Initiative dazu hatte am 30. M&auml;rz der deutsche Au&szlig;enminister Joschka Fischer ergriffen. Kaum bewusst ist, welche unabsehbaren Eskationen damut verhindert wurden.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Wie vor 20 Jahren der Kosovokrieg zu Ende ging &ndash;</strong></p>
<p align="center"><strong>und unabsehbare Eskalationen verhindert wurden</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei (MdB a.D.), 02.06.2019</p>
<p align="center">(Fotos auf <a href="http://www.facebook.com/winfried.nachtwei">www.facebook.com/winfried.nachtwei</a> )</p>
<p>Am 10. Juni 1999 um 3.36 Uhr erging der NATO-Befehl zur Einstellung aller Luftangriffe gegen Jugoslawien, Am selben Tag verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Resolution 1244 zur Nachkriegsordnung im Kosovo nach Abzug der serbischen bewaffneten Kr&auml;fte, unter politischer Kontrolle der UN und abgesichert durch die NATO-gef&uuml;hrte KFOR. Zu Ende gingen damit 78 Tage eines Hightech-Luftkrieges mit 38.000 Einsatzfl&uuml;gen, der sein Ziel (Abwendung einer humanit&auml;ren Katstrophe und ein schnelles Einlenken des jugoslawischen Pr&auml;sidenten) zun&auml;chst nicht erreichte, der milit&auml;risch viel weniger wirksam war als erwartet, aber letztendlich die Massenvertreibung der Kosovoalbaner stoppte, r&uuml;ckg&auml;ngig machte und ihre Totalvertreibung verhinderte.</p>
<p>Am 12. Juni r&uuml;ckten UN-mandatierte und NATO-gef&uuml;hrte KFOR-Truppen einschlie&szlig;lich eines russischen Kontingents im Kosovo ein. Schon am 20. Juni hatten alle serbischen Milit&auml;r- und Polizeikr&auml;fte das Kosovo verlassen.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Neuerscheinung</span></strong></p>
<p>Wie der Weg aus dem Krieg gefunden wurde und welche unabsehbaren Eskalationen damit verhindert werden konnten, schildert Hans-Peter Kriemann in seinem gerade bei Reclam erschienenen Buch <strong>&bdquo;Der Kosovokrieg 1999</strong>&ldquo; (<a href="https://www.reclam.de/detail/978-3-15-011212-0/Kriemann__Hans_Peter/Der_Kosovokrieg_1999">https://www.reclam.de/detail/978-3-15-011212-0/Kriemann__Hans_Peter/Der_Kosovokrieg_1999</a> )</p>
<p>Das Buch basiert auf der Dissertation des am Zentrum f&uuml;r Milit&auml;rgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) wirkenden Oberstleutnant. Bei der Buchpr&auml;sentation am 22. Mai 2019 im ZMSBw sprachen auch Generalmajor Jan Kuebart, damals Pilot eines ECR-Tornado bei &bdquo;Allied Force&ldquo;, und Botschafter a.D. Wolfgang Ischinger, damals deutscher Unterh&auml;ndler beim Kosovokonflikt und Staatssekret&auml;r des Ausw&auml;rtigen Amtes.</p>
<p>Der Autor schildert genau und mit unabh&auml;ngigem Urteil die politischen, diplomatischen, milit&auml;rischen und gesellschaftlichen Hintergr&uuml;nde und Abl&auml;ufe der NATO-Intervention in Jugoslawien und der deutschen Beteiligung daran. Erstmalig bekommt hiermit eine breitere &Ouml;ffentlichkeit Einblicke in die milit&auml;rischen Planungen in der NATO, im Vorfeld der Intervention ab Ende Mai 1998 &nbsp;und nach sechs Wochen Luftkrieg ab Mai 1999 zu einer umfassenden Bodenoffensive. Offen benannt werden politische Zielkonflikte, Differenzen zwischen Verb&uuml;ndeten und Fehleinsch&auml;tzungen bez&uuml;glich der Wirksamkeit eines &bdquo;dosierten&ldquo; Luftkrieges unter Vermeidung eigener Opfer. Zu Wort kommen Tornado-Offiziere mit ihren Erfahrungen. Differenziert eingegangen wird auch auf damals verbreitete Vorw&uuml;rfe gegen die Glaubw&uuml;rdigkeit der westlichen und deutschen Kosovopolitik. Sehr deutlich wird die Initiativrolle der deutschen Diplomatie (&bdquo;Fischer-Plan&ldquo;) bei der Suche nach einer politischen Konfliktl&ouml;sung unter Wiedereinbeziehung Russlands, die auf Seiten der Verb&uuml;ndeten wie Russlands Widerhall fand und letztendlich erfolgreich war. Die wachsenden Zweifel und Proteste in Deutschland insbesondere bei den Gr&uuml;nen wirkten auf den ersten gr&uuml;nen Au&szlig;enminister wie ein st&uuml;rmischer R&uuml;ckenwind (mit dem hohen Risiko, dadurch aus dem Gleis geworfen zu werden).</p>
<p>Das reich illustrierte, gut lesbare Buch bringt eine F&uuml;lle von Sachinformationen und neuen Einblicken. Manchen Zeitgenossen mag eine Milit&auml;rintervention als ein Mittel erscheinen, mit &uuml;berlegener Milit&auml;rgewalt einen Konfliktknoten durchschlagen zu k&ouml;nnen. &bdquo;Der Kosovokrieg 1999&ldquo; verdeutlicht, dass auch moderne milit&auml;rische Planungskompetenz die Unberechenbarkeit eines Krieges (&bdquo;Nebel des Krieges&ldquo;) nicht abschaffen kann und dass eine multinationale Intervention mit so ungleichen Partnern und nationalen &Ouml;ffentlichkeiten zus&auml;tzliche Herausforderungen und Unberechenbarkeiten produziert. Wo die Erinnerung an den Kosovokrieg &ndash; soweit &uuml;berhaupt vorhanden &ndash; oftmals in damaligen Frontstellungen verharrt, bietet das Buch die einmalige Gelegenheit zur Selbst&uuml;berpr&uuml;fung bisheriger Position &ndash; und insbesondere zum Lernen aus einer Z&auml;sur europ&auml;ischer und&nbsp; deutscher Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik, bei der die Gr&uuml;nen knapp einen Aufprall&nbsp; auf dem Betonboden der Realpolitik &uuml;berlebten.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">&bdquo;Die Wiederbelebung der Politik&ldquo;</span></strong></p>
<p><strong>Ausz&uuml;ge aus &bdquo;Der Kosovokrieg 1999&ldquo; von H.-P. Kriemann</strong></p>
<p>&bdquo;Dass der politische Prozess zur Bew&auml;ltigung des Kosovokonflikts wieder in Gang kam, ging ganz wesentlich auf das Wirken der Bundesregierung zur&uuml;ck. Zun&auml;chst hatte sich die UN als ungeeignetes Forum der Konfliktl&ouml;sung erwiesen und sp&auml;ter auch die Kontaktgruppe. Als Milosevic nicht binnen weniger Tage einlenkte, herrschte nach den gescheiterten Verhandlungen in Paris und dem Beginn des Luftkrieges Ratlosigkeit unter den NATO-Partnern. In dieser Situation brachte der deutsche Au&szlig;enminister Fischer am 30. M&auml;rz 1999 f&uuml;nf im Ausw&auml;rtigen Amt entwickelte Forderungen in die allabendlich stattfindende Telefon- konferenz der sogenannten &bdquo;Quint&ldquo; ein, also der Au&szlig;enministr der USA, Gro&szlig;britanniens, Frankreichs, Italiens und Deutschlands. In weiteren Abstimmungsgespr&auml;chen innerhalb der NATO, der EU und der G8 konnte auf der Grundlage dieser f&uuml;nf Punkte ein Friedensplan f&uuml;r das Kosovo entwickelt werden. In den deutschen Medien wurden diese sp&auml;ter oft als &bdquo;Fischer-Plan&ldquo; bezeichnet. &nbsp;Die darin an Milosevic adressierten Forderungen umfassten ein sofortiges und nachweisliches Ende der Gewalt im Kosovo, den Abzug der serbischen Sicherheitskr&auml;fte, die Akzeptanz einer internationalen Milit&auml;rpr&auml;senz, die Zustimmung zur R&uuml;ckkehr aller Fl&uuml;chtlinge und zum ungehinderten Zugang humanit&auml;rer Hilfsorganisationen sowie die glaubhafte Garantie, auf eine politische Rahmenvereinbarung auf Grundlage der Gespr&auml;che von Rambouillet hinzuarbeiten.</p>
<p>Die seit Beginn der milit&auml;rischen Planungen der NATO im Sommer 1998 zunehmende Verlagerung des politischen Prozesses von der Kontaktgruppe in die Allianz hatte aus Sicht der Bundesregierung Russland immer mehr aus den Gespr&auml;chen ausgeschlossen. Dies &auml;nderte sich, als ab Anfang April das Forum der G8 f&uuml;r die Verhandlungen genutzt wurde, was die &bdquo;Quint&ldquo; und Russland wieder an einen Tisch brachte. Diese Verlagerung konnte Deutschland dank seines turnusgem&auml;&szlig;en Vorsitzes in der G8 und seine EU-Ratspr&auml;sidentschaft bewirken. (&hellip;) Wie bereits wenige Jahre zuvor bei der SFOR in Bosnien-Herzegowina sollte Russland erneut milit&auml;risch eingebunden werden, diesmal in die KFOR. Gegen den anfangs erheblichen Widerstand aus Washington gelang es der Bundesregierung, der Belgrader F&uuml;hrung eine Unterbrechung der Luftangriffe in Aussicht zu stellen, sobald sie nachweislich mit dem Abzug ihrer Kr&auml;fte begonnen hatte.&ldquo; (Kriemann S. 77 ff.)</p>
<p>Vor diesem Hintergrund nahm der russische Pr&auml;sident Boris Jelzin den Dialog mit seinem US-Kollegen Bill Clinton auf, woraus Anfang Mai die &bdquo;Troika&ldquo; aus dem russischen Sondergesandten Tschernomyrdin, dem stellvertretenden US-Au&szlig;enminister Talbott und dem finnischen Pr&auml;sidenten Ahtisaari entstand.</p>
<p>Am 20. Mai erkl&auml;rte das Pr&auml;sidentenamt in Belgrad die Bereitschaft, auf Basis der G8-Prinzipien mit den UN zu verhandeln.</p>
<p>Am 31. Mai akzeptierte Belgrad die G8-Prinzipien ohne Vorbehalte.</p>
<p><strong>Am 2. Juni</strong> kamen Ahtisaari und Tschernomyrdin in Belgrad f&uuml;r vier Stunden mit Milosevic zusammen und &uuml;bermittelten ihm das gemeinsame Positionspapier der Troika, das tags zuvor auf Einladung von Bundeskanzler Schr&ouml;der auf dem Petersberg ausgehandelt worden war. &bdquo;Ganz offensichtlich hatte Tschernomyrdin Weisung von Jelzin, alles Notwendige zur Beendigung des Kriegs im Kosovo zu unternehmen, der mit zunehmender Dauer die innenpolitischen Gegner des russischen Pr&auml;sidenten st&auml;rkte und Reformen gef&auml;hrdete.&ldquo; (S. 97) Milosevic erreichte keinerlei Zugest&auml;ndnisse und empfahl dem serbischen Parlament schlie&szlig;lich, die Bedingungen anzunehmen. Das geschah dann am 3. Juni.</p>
<p>Bis zum 8. Juni erarbeiteten die G8-Au&szlig;enminister einen Entwurf einer UN-Resolution. Parallel dazu stimmte die NATO mit der F&uuml;hrung der jugoslawischen Volksarmee ein milit&auml;risch-technisches Abkommen ab, das am 9.Juni unterzeichnet wurde. Unter Fortsetzung der NATO-Luftangriffe begann der serbische Abzug.</p>
<p>Am fr&uuml;hen Morgen des 10. Juni befahl der NATO-Befehlshaber Europa die Einstellung der Luftangriffe. Wenige Stunden sp&auml;ter verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 1244.</p>
<p>Am 11. Juni verabschiedete der Bundestag das neue KFOR-Mandat (Aufstockung um 2.500 auf 8.500) mit 505 Stimmen bei 24 Gegenstimmen und 24 Enthaltungen.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Der Kosovokrieg h&auml;tte sehr anders aus- bzw. weitergehen k&ouml;nnen:</span></strong></p>
<p>(a) H&auml;tte der <strong>Sonderparteitag der Gr&uuml;nen in Bielefeld</strong> dem eigenen Au&szlig;enminister das Vertrauen entzogen, h&auml;tte das die rot-gr&uuml;ne Koalition nach knapp sieben Monaten gesprengt und den Auszug der Gr&uuml;nen aus der Regierung bedeutet. Am Fortgang des NATO-Luftkrieges h&auml;tte das h&ouml;chstwahrscheinlich nichts ge&auml;ndert, erst Recht nicht am serbischen Vertreibungskrieg. Pr&auml;sident Milosevic h&auml;tte der Regierungsbruch eines zentralen NATO-Landes politisch eher Auftrieb gegeben.</p>
<p>Sehr fraglich ist, ob die Gr&uuml;nen diese Krise &uuml;berstanden h&auml;tten. Eine Spaltung w&auml;re m&ouml;glich gewesen.&nbsp; Ob sie sich von diesem R&uuml;ckschlag h&auml;tten erholen k&ouml;nnen, ist ungewiss.</p>
<p>(b) &bdquo;Bis zuletzt gab es einflussreiche Akteure in der russischen Regierung, die die Unterst&uuml;tzung des Friedensplans und eine NATO-gef&uuml;hrte Friedenstruppe ablehnten. In der NATO &uuml;bte zudem die zentrale Maxime der Glaubw&uuml;rdigkeit einen enormen Handlungsdruck aus. Eine Fortf&uuml;hrung und stetige Ausweitung des Luftkrieges &uuml;ber den Sommer 1999 hinaus war unrealistisch. Das galt nicht nur mit Blick auf die innenpolitische Unterst&uuml;tzung in den einzelnen Mitgliedsstaaten, sondern auch in Bezug auf die Kosten und milit&auml;rischen Mittel; die Best&auml;nde an Pr&auml;zisionswaffen etwa waren fast aufgebraucht. Es stellte sich also die Frage, ob Europa an der Schwelle zum 21. Jahrhundert kurz <strong>vor einem gro&szlig;en Bodenkrieg</strong> stand. Im Mai begann die NATO mit den Planungen einer gro&szlig; angelegten Angriffsoperation mit einer 175.000 Soldaten umfassenden Streitmacht in das Kosovo. &nbsp;(Kriemann S. 107 ff.)</p>
<p>US-Pr&auml;sident Clinton favorisierte die Option einer gewaltsamen Einnahme des Kosovo durch Landstreitkr&auml;fte. &bdquo;W&auml;hrend London den Plan unterst&uuml;tzte und die Regierung aufgrund fr&uuml;herer Eins&auml;tze auf dem Balkan eine breite parlamentarische Mehrheit hinter sich wusste, versuchte die Bundesregierung mit aller Macht, den politischen Prozess zur L&ouml;sung des Kosovokonflikts voranzutreiben, um eine Angriffsoperation zu verhindern.. Folglich unterst&uuml;tze sie die KFOR-Vorbereitungen und verlieh ihrer Position Nachdruck, indem sie keine Bundeswehroffiziere f&uuml;r die Planung der Bodenoffensive bereitstellte.&ldquo; (S. 111)</p>
<p>Am 24. Mai stellte der SACEUR den Generalstabschefs der Quint (USA, GB, FR, IT, DEU) die Planungen f&uuml;r verschiedene Optionen einer Bodenoffensive (Vorbereitungszeit 75 Tage) vor. Die Milit&auml;rchefs der USA, GB und FR sprachen sich deutlich f&uuml;r eine Invasion des Kosovo aus. &bdquo;Der deutsche Generalinspekteur &bdquo;von Kirchbach hielt entsprechend der Position der Bundesregierung dagegen. Milit&auml;risch sei die Option zwar durchf&uuml;hrbar, politisch halte er sie jedoch f&uuml;r unm&ouml;glich, in Deutschland sei man sich auf allen Ebenen einig, dass eine gewaltsame Einnahme des Kosovo nicht unterst&uuml;tzt werde.&ldquo; (S. 115)</p>
<p>&bdquo;R&uuml;ckblickend l&auml;sst sich festhalten, dass sich Europa am Ende des 20. Jahrhunderts an der Schwelle eines gro&szlig;en Krieges befand, in dem sich eine Viertelmillion Kombatanten und K&auml;mpfer verschiedener Konfliktparteien mit Hunderten Kampfpanzern, Artillerie und mehr als eintausend Flugzeugen gegen&uuml;bergestanden h&auml;tten. Ob es wirklich bei einem kurzen sechs- bis achtw&ouml;chigen Waffengang geblieben w&auml;re oder sich ein solcher Krieg in Dauer und Umfang wie bereits die Luftschl&auml;ge der NATO ausgeweitet h&auml;tte, bleibt Spekulation. Die NATO h&auml;tte in ihrem ersten Bodenkrieg der viertgr&ouml;&szlig;ten konventionellen Streitmacht in Europa gegen&uuml;bergestanden, deren Kampfwert aufgrund der Erfahrungen in den verschiedenen Kriegen Jugoslawiens nicht untersch&auml;tzt werden darf. (&hellip;)</p>
<p>Milit&auml;risches Effizienzdenken, das von einer rationalen Steuerbarkeit und Berechenbarkeit des Krieges gepr&auml;gt ist, entfaltete im Kosovokrieg in Verbindung mit Zeitdruck eine Dynamik, der sich die Deutschen nicht entziehen konnten. Vieles spricht allerdings daf&uuml;r, dass Deutschland im Falle einer Bodeninvasion nicht einfach aus dem B&uuml;ndnis ausgeschert w&auml;re.&ldquo; Der Druck der Verb&uuml;ndeten w&auml;re enorm gewesen. Laut Kriemann ist &bdquo;im Falle einer deutschen Beteiligung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen: Sie h&auml;tte zum Zerbrechen der rot-gr&uuml;nen Koalition gef&uuml;hrt.&ldquo; (117 f.)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>(c) Ein drittes denkbares, aber am wenigsten wahrscheinliches Szenario w&auml;re eine <strong>einseitige Einstellung der Kampfhandlungen von Seiten der NATO und ihr R&uuml;ckzug</strong> gewesen. Die Massenvertreibung der Kosovoalbaner w&auml;re damit hingenommen worden. Freie Bahn h&auml;tte der serbische Vertreibungsterror gehabt, der m&ouml;glicherweise in eine Totalvertreibung gem&uuml;ndet w&auml;re. Die sowieso schon wacklige Stabilit&auml;t der Nachbarstaaten w&auml;re damit gef&auml;hrlich unter Druck geraten.&nbsp; Der Krieg am Boden zwischen UCK und serbischen Kr&auml;ften w&auml;re garantiert nicht erloschen, sondern eskaliert. Gewertet als Niederlage h&auml;tte der NATO-R&uuml;ckzug die Glaubw&uuml;rdigkeit des gr&ouml;&szlig;ten Milit&auml;rb&uuml;ndnisses der Welt ins Mark getroffen. Ethnischen Nationalisten h&auml;tte eine solche Entwicklung ermutigt.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Zitate aus der Buchpr&auml;sentation</span></strong></p>
<p><strong>Der ehemalige Tornado-Pilot</strong>: Sehr wichtig sei das Parlamentsmandat gewesen. Es war eine gro&szlig;e St&uuml;tze, Verpflichtung und R&uuml;ckendeckung. Beim Anflug entlang der Adriak&uuml;ste w&auml;re man 5 Minuten ins Landesinnere schon unter Bedrohung gewesen. Da habe man gesp&uuml;rt, wie eng unser Europa ist.</p>
<p>Die Deutschen und Europ&auml;er flogen nur &uuml;ber das s&uuml;dliche Serbien und Kosovo, &bdquo;von uns sah keiner Belgrad&ldquo;. Dort flogen vor allem die Amerikaner. Die USA stellten die Masse, heute w&auml;re das genauso, wenn nicht st&auml;rker.</p>
<p>&bdquo;Wir haben den begrenzten Luftkrieg gewonnen.&ldquo; Vielleicht w&auml;re er bei besserer Politik gar nicht n&ouml;tig gewesen.</p>
<p>Auf der A61 fallen ihm heute Laster aus Serbien auf, zum Beispiel aus Nis, wo eine Radarstellung war. Beim &Uuml;berholen freue er sich, dass der Laster ganz normal durch Deutschland fahre. Das sei jetzt Geschichte.</p>
<p><strong>Der Spitzendiplomat</strong>, der schon 1995 in Dayton dabei war: &bdquo;Wenn wir bei Dayton mehr Druck gemacht h&auml;tten und weitsichtiger gewesen w&auml;ren, h&auml;tte 1999 vielleicht vermieden werden k&ouml;nnen. 1995 war die Chance.&ldquo;</p>
<p>Lehrreich sei der Umgang mit milit&auml;rischen Analysen gewesen. In den 78 Kriegstagen sei er fast jeden Morgen bei der Morgenlage im Verteidigungsministerium auf der Bonner Hardth&ouml;he dabei gewesen, oft als einziger Zivilist.&nbsp; Da habe man ganz andere Einblicke bekommen. Im AA k&ouml;nne man auch Analysen schreiben und sie revidieren, aber da gehe es nicht um Leben und Tod. Bei anderer Gelegenheit h&auml;tten die Milit&auml;rs ihnen und dem Au&szlig;enminister erkl&auml;rt, was jetzt passieren w&uuml;rde. Der Eindruck entstand, sie h&auml;tten es im Griff, in vier/f&uuml;nf Tagen sei es zu Ende. Aber da gebe es ja die Grunderfahrung, dass kein Kriegsplan den ersten Schuss &uuml;berlebe.</p>
<p>In der politischen Klasse habe es wenig Verst&auml;ndnis f&uuml;r milit&auml;rische Fragen gegeben.</p>
<p><em>(Anm.: Das hat sich bis heute kaum gebessert. Vor diesem Hintergrund ist das ge&auml;u&szlig;erte Vertrauen in das Parlamentsmandat eine zwiesp&auml;ltige Angelegenheit.)</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Aus meinen pers&ouml;nlichen Aufzeichnungen vom 11. Juni, Fraktionssitzung und Bundestagsplenum </span></strong>( <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1584">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1584</a> )</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Au&szlig;erordentliche Fraktionssitzung:</span></p>
<p>- Kerstin/Fraktionsvorsitzende dankt Joschka herzlich f&uuml;r seine hervorragende Leistungen. Er lacht erstmalig seit Monaten wie ein Schneek&ouml;nig angesichts des langanhaltenden Beifalls, aus dem unsere Kritiker aber um einiges eher aussteigen.</p>
<p>- Joschka: Dank auch zur&uuml;ck an die Fraktion und Partei, die trotz Zweifel gestanden h&auml;tten. Sie hatten es schwerer als ich. Wir begannen bei Vorstellungen zu &bdquo;neuer NATO&ldquo; &ndash; jetzt seien wir wieder beim UN-Sicherheitsrat angekommen.</p>
<p>Mit der gestrigen Verabschiedung des Stabilit&auml;tspaktes wurde deutlich, dass Pr&auml;vention keine Sonntagsrede sei!&nbsp; Jetzt komme es darauf an, die Gestaltungsm&ouml;glichkeiten voll zu nutzen. UN-St&auml;rkung, Stabilit&auml;tspakt vorn, EU als entscheidende Plattform, das sei alles deutsche Politik.</p>
<p>Die Demokratisierungskomponente habe eine &uuml;berragende Bedeutung. Verantwortliche Kriegsverbrecher d&uuml;rften nicht an der Macht bleiben wie in Bosnien. (&hellip;)</p>
<p>- &bdquo;Kritiker&ldquo; haben keine Einw&auml;nde mehr gegen eine Friedenstruppe, wollen aber v.a. nicht die Absegnung der &bdquo;Doppelstrategie&ldquo; (<em>Luftangriffe und Diplomatie</em>) unterschreiben. Ansonsten letzte, an den Haaren herbeigezogene Kritiken, um eine Enthaltung begr&uuml;nden zu k&ouml;nnen.</p>
<p>- Antje V. votiert f&uuml;r schnelle Nachbereitung &ndash; und wird von Joschka schroff abgewatscht.</p>
<p>- W.N. kritisiert deutlich den Antrag der PDS, die gegen KFOR stimmt und in ihrem Entschlie&szlig;ungsantrag den Abzug aller Kontingente vom Balkan fordert. (Beifall)</p>
<p>(&hellip;)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Bundestag zu KFOR-II-Mandat (plus 2.500 auf 8.500):</span></p>
<p>- Joschka h&auml;lt Regierungserkl&auml;rung. Starker Vor-Beifall. Er hoffe, dass dies der letzte Krieg in Europa sei. Jetzt d&uuml;rfe Krieg nicht wieder Mittel der Politik sein, sondern es&nbsp; m&uuml;sse das Bem&uuml;hen sein, ihn aus Europa zu verbannen. (KFOR-Antrag <a href="http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/14/011/1401133.pdf">http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/14/011/1401133.pdf</a> )</p>
<p>Die Doppelstrategie wurde konsequent durchgehalten.</p>
<p>Um wieviel schlimmer w&auml;ren die Folgengewesen, wenn wir weggeschaut h&auml;tten &ndash; die Herrschaft der Gewalt h&auml;tte sich durchgesetzt. (ca. 10 Mal Beifall von fast allen) (nichts sagt er zu den Kriegskosten, au&szlig;er den &bdquo;beklagenswerten ziv. Opfern&ldquo;)</p>
<p>- Gysi: praktisch nichts zu KFOR.</p>
<p>(Vormittag der brennenden Augen)</p>
<p><strong>&nbsp;</strong></p>
<p><strong>DER KRIEG IST AM ENDE, DER WAFFENSTILLSTAND STEHT!!</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p></div>


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