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Artikel von Winfried Nachtwei für Zeitschriften u.ä.
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"Der PRÄSIDENT" - ein Thriller, ganz dicht am realen Irrsinn im Weißen Haus (Lesetipp)

Veröffentlicht von: Nachtwei am 2. August 2017 11:51:22 +02:00 (2101 Aufrufe)

So eine Parallelität zwischen aktueller, realer Politik und Thriller ist mir noch nicht begegnet. Autor ist der erfahrene britische Jounalist Jonathan Freedland (u.a. The Guardian), der unter dem Pseudonym Sam Bourne schreibt. Vor gerade zwei Wochen in Deutschland erschienen, als Taschenbuch.  

„Der PRÄSIDENT“ –

Ein Thriller, ganz dicht am realen Irrsinn des Weißen Hauses

Lesetipp von Winfried Nachtwei (2. August 2017)

(Fotos auf www.facebook.com/winfried.nachtwei )

Am 21. Juli, vor zwölf Tagen, erschien der Thriller „Der Präsident“ von Sam Bourne in Deutschland. Vier Tage später stieß ich bei Dussmann in Berlin drauf – und verschlang ihn.

Es waren/sind die Tage, wo der Washington-Korrespondent der FAZ, Andreas Ross, von „Hauen und Stechen“, von „Krieg im Weißen Haus“ berichtet; wo Bettina Gaus heute in der taz warnt, sich an das Chaos und den Irrsinn dort zu gewöhnen: „Donald Trump – oder vielleicht vor allem: der Rest der Welt – hat Glück, dass derzeit keine akute internationale Krise eine spontane Entscheidung von ihm erfordert.. Aber das muss – und dürfe – ja nicht so bleiben.

Noch nie habe ich einen Roman gelesen, der so dicht dran war an aktueller politischer Realität: mit dem Typ des Präsidenten, einem Egomanen und unberechenbaren Demagogen, seinem Umfeld und Chefstrategen („König der Fake-News“), mit dem Machtzynismus … Bei den Nachrichten aus Washington hatte ich das Gefühl, sie wären mit dem Roman synchronisiert. Nur mit dem Unterschied: der Roman-Präsident fühlt sich nach Durchsicht der abendlichen US-Talkshows von der nordkoreanischen Führung zutiefst beleidigt, zu einer harten Reaktion genötigt, zu einer spontanen Entscheidung in einer – vermeintlichen – akuten internationalen Krise.

Sam Bourne ist das Pseudonym des britischen Journalisten Jonathan Freedland. Er war lange Washington-Berichterstatter des Guardian, für den er weiter schreibt, z.B. „Can democracy survive Donald Trump?“ 15.2.2017, https://www.youtube.com/watch?v=1Mm2pZVnWlk  (außerdem für The New York Review of Books und Jewish Chronicle), er moderiert eine zeitgeschichtliche Reihe bei BBC. 2014 erhielt er den Orwell Spezial Prize for journalism. https://www.theguardian.com/profile/jonathanfreedland

Die Startszene: der Drei-Uhr-nachts-Anruf aus der Zentrale des Weißen Hauses, gelesen von Dana Geissler, Lübbe Audio https://www.youtube.com/watch?v=FUTag0B2pRI

WDR 2 Krimitipp

Sam Bourne – DER PRÄSIDENT

Von Christian Beisenherz (24.07.2017)

Ein Krimi, noch spannender als die Nachrichten. Im Mittelpunkt einer, den wir aus den Nachrichten inzwischen gut kennen. Ein unmöglicher US-Präsident. So unmöglich, dass zwei in seinem Stab beschließen: Der Mann muss weg.

"Der Präsident": Na welcher denn? Na welcher wohl? DER natürlich. Der der USA. Und das scheint ein ziemlich unmöglicher Typ zu sein. So dass selbst seine Minister Putschpläne schmieden. Er hat sich schon einiges geleistet: Hat die Mülltrennung abgeschafft. Lässt seine Mitarbeiter flächendeckend Kalender mit nackten Frauen im Weißen Haus aufhängen. Twittert nachts um drei sexistischen Blödsinn. Ach ja, und dann gibt er mitten in der Nacht den Befehl, Nordkorea und China mit Atomwaffen auszuradieren.

Realer Irrsin. Weitergedacht.

Bis auf das letzte klingt das mehr oder weniger wie aus den Nachrichten abgeschrieben. Aber so richtig wohl fühlen wir uns alle nicht mit Mr. Trump am Atomknopf, oder? Insofern könnte man sagen, Sam Bourne hat hier in seinem Thriller den realen Irrsinn nur ein bisschen weitergedacht. Und man weiß nicht so richtig: Soll das Fiktion sein, Realsatire oder ein politischer Debattenbeitrag? Selbst dem aufmerksamsten Leser wird es nicht gelingen, im Buch einen Namen des Präsidenten zu finden. Wir sollen da eben als Leser den echten Donald vor Augen haben. Die Sunday Times nennt das Buch eine beißende Satire.

Zum Thriller macht das Buch, dass sich zwei, die ganz nah dran sind am Präsidenten, gegen ihn verschwören. Stabschef und Verteidigungsminister sind sich sicher: Der Mann muss weg. Er ist eine reale Gefahr für das Land und für die Welt. Und dazu spielen sie alle Optionen durch. Wirklich alle. Eben bis hin zur Idee, den Präsidenten zu ermorden.

Es droht das Ende der Demokratie

Ich frage mich lange: Ist das für den Autor eine ernsthafte Option? Und das bringt auch mich als Leser in ein Dilemma. Denn die Verschwörer machen sich die Entscheidung nicht leicht. Argumentieren selbst mit der Verfassung. Und eine andere Figur, die von den Plänen Wind bekommt, nimmt die Gegenposition ein. Ist sozusagen die Stimme der Vernunft. Ja, für die USA war Regime change in anderen Ländern, die ihnen nicht passten, immer eine Option. Aber im eigenen Land? Das wäre Verrat an der Verfassung, womöglich das Ende der Demokratie.

Der Autor, Sam Bourne, ist Journalist. Da sind die Nachrichten sein tägliches Geschäft. Eigentlich heißt er Jonathan Freedland, ist Brite, war auch Reporter für die Washington Post. Ist aktuell bei der BBC. Mein Eindruck: Der spielt hier Optionen durch. Was wäre, wenn? Der Thriller als Gedankenspiel. Was er als Journalist nicht schreiben kann, das verpackt er in eine fiktionale Handlung. Da kann er alles schreiben.

Gucken Sie direkt danach keine Nachrichten!

Mein Fazit: Ein kleines bisschen subtiler, ein bisschen weniger 1:1 Trump wäre mir lieber gewesen. So von der Ausgangslage her. Und wenn der Stabschef über die natürliche Überlegenheit des heterosexuellen weißen Mannes schwadroniert, dann ist das sehr real - Entschuldigung - zum Kotzen. Ich habe es aber wirklich sehr gerne gelesen. Zumal nicht alles so läuft, wie ich es erwarte. Es ist spannend, skurril, es regt tatsächlich zum Nachdenken an. Und das funktioniert jetzt in den Ferien auch am Pool oder auf dem Balkon. Dann aber vielleicht nicht direkt danach Nachrichten gucken, sonst kommen Sie noch durcheinander…

http://www1.wdr.de/radio/wdr2/programm/lesen/sam-bourne-der-praesident100.html


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Ende 1941/Anfang 1942 rollten Deportationszüge aus Deutschland und Österreich nach Riga.

1989 stieß ich auf die Spuren der verschleppten jüdischen Frauen, Männer und Kinder.

Mit meinem bebilderten Vortrag "Nachbarn von nebenan - verschollen in Riga" stehe ich gern für Erinnerungsveranstaltungen und Schulen zur Verfügung. (Anlage)

Vorstellung der "Toolbox Krisenmanagement"

Von der zivilen Krisenprävention bis zum Peacebuilding: Die 53-seitige Broschüre stellt kompakt und klar auf jeweils einer Themenseite Prinzipien, Akteure und Instrumente des Krisenmanagements vor. Bei einem Kolloquium im Bundestag in Berlin wurde die Schrift einem Fachpublikum vorgestellt. Erstellt von AutorInnen des Zentrums Internationale Friedenseinsätze ZIF und der Stiftung Wissenschaft und Politik SWP ist die "Toolbox" ein wichtiger Beitrag zur friedens- und sicherheitspolitischen Grundbildung auf einem Politikfeld, wo die Analphabetenrate in der Gesellschaft, aber auch in Medien und Politik sehr hoch ist. ... www.zif-berlin.de

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Auf dem Foto überreicht W. Nachtwei den AutorInnen seine 2008 erschienene Broschüre zur Zivilen Krisenprävention und Friedensförderung.

Mehr zur Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure bei der zivilen Konfliktbearbeitung u.a.:

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