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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Kofi Annan ist tot. Begegnungen mit ihm beim WestfÃ¤lischen Friedenspreis, bei der MÃ¼nchner Sicherheitskonferenz, bei &quot;In grÃ¶ÃŸerer Freiheit&quot;  und bei Kosovo 1998 </title>
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    <span class="xar-mod-title">Vereinte Nationen (UNO) + Artikel von Winfried Nachtwei fÃ¼r Zeitschriften u.Ã¤.</span>

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        <h1>
            Kofi Annan ist tot. Begegnungen mit ihm beim WestfÃ¤lischen Friedenspreis, bei der MÃ¼nchner Sicherheitskonferenz, bei &quot;In grÃ¶ÃŸerer Freiheit&quot;  und bei Kosovo 1998          </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 19. August 2018 14:54:42 +02:00 (56555 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Kofi Annan war ein Spitzen-Weltpolitiker, der glaubw&uuml;rdig f&uuml;r gemeinsame Verantwortung auf dem einen Globus stand und k&auml;mpfte. Es war und bleibt&nbsp; d i e&nbsp; Politiker-Alternative zum Trump-Typ. Hier ERinnerungen an pers&ouml;nliche und politisch-inhaltliche Begegnungen.&nbsp; &nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Kofi Annan ist tot. </strong></p>
<p align="center">Begegnungen mit ihm 2008 beim Westf&auml;lischen Friedenspreis,</p>
<p align="center">2005 M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz und Bericht</p>
<p align="center">&bdquo;In gr&ouml;&szlig;erer Freiheit&ldquo;, 1998 Kosovo-Report</p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, Vorstandsmitglied</p>
<p align="center">Deutsche Gesellschaft f&uuml;r die Vereinten Nationen</p>
<p align="center">(Fotos auf <a href="http://www.facebook.com/winfried.nachtwei">www.facebook.com/winfried.nachtwei</a> )</p>
<p><em>Kofi Annan, der siebte Generalsekret&auml;r der Vereinten Nationen (1997-2006), ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Er stand und k&auml;mpfte glaubw&uuml;rdig und mit enormer Ausstrahlung f&uuml;r die Werte der Vereinten Nationen, f&uuml;r Entwicklung, Sicherheit und Menschenrechte f&uuml;r alle, f&uuml;r gemeinsame Verantwortung in einer interdependenten Welt. Er galt als &bdquo;moralisches Gewissen der Welt&ldquo;, als &bdquo;Gesicht der Vereinten Nationen.&ldquo; In den 40 Jahren seiner T&auml;tigkeit f&uuml;r die Vereinten Nationen erlebte er mit dem V&ouml;lkermord in Ruanda 1994, mit Srebrenica 1995 und dem US-Angriff auf den Irak 2003 schwerste politische und humanit&auml;re Niederlagen der (nicht) Vereinten Nationen. Diese Erfahrungen machten ihn zum F&uuml;rsprecher einer Responsibility to Protect.</em></p>
<p><em>Ich hatte das Gl&uuml;ck, ihm zweimal pers&ouml;nlich zu begegnen (siehe die Kurzberichte) &ndash; und oft indirekt &uuml;ber seine Berichte und Stellungnahmen.</em></p>
<p><strong>Hier erste Nachrufe auf ihn:</strong></p>
<p>- &bdquo;UN mourns death of former Secretary-General Kofi Annan, &lsquo;a guiding force for good&rsquo;&ldquo;</p>
<p><a href="https://news.un.org/en/story/2018/08/1017422">https://news.un.org/en/story/2018/08/1017422</a></p>
<p>- &bdquo;A &lsquo;charismatic leader&rsquo; dedicated to making the world a better place for all: officials bid farewell to former UN chief Kofi Annan&ldquo;</p>
<p><a href="https://news.un.org/en/story/2018/08/1017442">https://news.un.org/en/story/2018/08/1017442</a></p>
<p>- &bdquo;Die DGVN trauert um Kofi Annan&ldquo;: <a href="https://www.dgvn.de/meldung/die-dgvn-trauert-um-kofi-annan">https://www.dgvn.de/meldung/die-dgvn-trauert-um-kofi-annan</a> /</p>
<p>- ZEIT 18.08.2018: &bdquo;Kofi Annan ist tot&ldquo;</p>
<p><a href="https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-08/frueherer-un-generalsekretaer-kofi-annan-ist-tot">https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-08/frueherer-un-generalsekretaer-kofi-annan-ist-tot</a></p>
<p>&nbsp;S&uuml;ddeutsche, 20.08. S. 3, &bdquo;Der Menschheit zu Diensten&ldquo; von Stefan Kornelius, <a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/kofi-annan-der-menschheit-zu-diensten-1.4096657?reduced=true">https://www.sueddeutsche.de/politik/kofi-annan-der-menschheit-zu-diensten-1.4096657?reduced=true</a></p>
<p>&nbsp;TAZ 20.08., &bdquo;Mann der Milleniumsziele&ldquo; von Andreas Zumach, <a href="http://www.taz.de/Nachruf-auf-Kofi-Annan/!5528956/">http://www.taz.de/Nachruf-auf-Kofi-Annan/!5528956/</a></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(1) 2008, 11. Oktober, </span></strong></p>
<p><strong>&bdquo;Verleihung des</strong> <strong>Westf&auml;lischen Friedenspreises</strong> der Wirtschaftlichen Gesellschaft f&uuml;r Westfalen und Lippe an den fr&uuml;heren VN-Generalsekret&auml;r Kofi Annan und die Gemeinschaft junger Malteser im Rathaus von M&uuml;nster. Die Festreden halten Au&szlig;enminister Steinmeier f&uuml;r Kofi Annan und Gregorios III. f&uuml;r die Malteser. Johanna Heeremann pr&auml;sentiert vorz&uuml;glich das Libanonprojekt, durch das seit 1998 j&auml;hrlich 150 Behinderten einige Wochen sch&ouml;nste Ferien geschaffen werden.</p>
<p>Auf dem Sonnen beschienen Prinzipalmarkt warten viele Hundert Menschen. Als dann die Preistr&auml;ger mit Oberb&uuml;rgermeister und Stifter auf den Rathausbalkon treten, ist der Jubel gro&szlig;. Kofi Annan meint, so was habe er zuletzt bei der Verleihung des Nobelpreises erlebt.</p>
<p>Spontan gehen schlie&szlig;lich die Preistr&auml;ger &uuml;ber den Prinzipalmarkt zum Theater. Hier kann ich endlich ein Gespr&auml;ch von zwei MUIMUN-Studierenden (M&uuml;nster University International Model United Nations) mit Kofi Annan vermitteln. Das ist ein Sonnentag in jeder Hinsicht.&ldquo; <em>(aus meinen Pers&ouml;nlichen Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik Nr. 40, Oktober 2008)</em></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(2) 2005, 12. Februar </span></strong></p>
<p><strong>M&uuml;nchener Sicherheitskonferenz &bdquo;Frieden durch Dialog</strong>&ldquo;: Mit den Reden von Kofi Annan, Kanzler Schr&ouml;der, Au&szlig;enminister Fischer und Hillary Clinton gibt es so viel F&uuml;rsprache f&uuml;r umfassende und vorbeugende Sicherheitspolitik wie nie zuvor auf der Konferenz. Die &uuml;berzogenen Reaktionen auf den Schr&ouml;der-Vorschlag zur &Uuml;berholung des transatlantischen Verh&auml;ltnisses offenbarte aber zugleich eine sehr selbstbezogene Hyperempfindlichkeit der NATO-Gemeinde.<em>(aus meinen Pers&ouml;nlichen Kurzmeldungen zur Friedens-und Sicherheitspolitik (7), Jan-M&auml;rz 2005)</em></p>
<p><strong>Gespr&auml;ch mit Kofi Annan</strong></p>
<p>Bei der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz traf ich zu einem pers&ouml;nlichen Gespr&auml;ch mit VN-Generalsekret&auml;r Kofi Annan zusammen. Bei dem 15-min&uuml;tigen Gespr&auml;ch gemeinsam mit einem weiteren Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft f&uuml;r die Vereinten Nationen (DGVN) berichtete ich Kofi Annan von der in Deutschland seit der Irak-Krise noch gewachsenen Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die VN. Ich dankte ihm ausdr&uuml;cklich f&uuml;r die beiden wegweisenden VN-Berichte und versicherte ihm, dass Deutschland bzw. Rot-Gr&uuml;n in diesem Entscheidungsjahr f&uuml;r die VN vorbildlich zu ihrer St&auml;rkung und Reform beitragen wolle. Das betonte ich nach Kofi Annans Rede auch im Plenum der Sicherheitskonferenz und hob dabei besonders den Nachholbedarf an zivilen F&auml;higkeiten hervor.</p>
<p>Den VN-Generalsekret&auml;r erlebte ich als freundlich-offenen, bescheidenen Herrn von sanfter W&uuml;rde ohne jedes Spitzenpolitiker- und Machtgehabe. Was f&uuml;r ein Gegentyp zu dem unmittelbar zuvor erlebten US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld.&ldquo; <em>(aus Rundbrief Gr&uuml;ne M&uuml;nster M&auml;rz 2005)</em></p>
<p><strong>Politischer Kontext 2005</strong></p>
<p>&bdquo;Seit Dezember 2004 erschienen zwei Berichte, die im Auftrag des VN-Generalsekret&auml;rs von hochrangigen internationalen Experten erarbeitet wurde und hierzu wegweisende Vorschl&auml;ge machen: &bdquo;Eine sicherere Welt. Unsere gemeinsame Verantwortung&ldquo; und &bdquo;Investing in Development&ldquo; als Zwischenbilanz zur Umsetzung der Millennium Development Goals. Die Flutkatastrophe in S&uuml;dasien mit ihren weltrumspannenden Auswirkungen und Reaktionen bekr&auml;ftigen in f&uuml;rchterlicher Deutlichkeit die Notwendigkeit einer Politik in internationaler Verantwortung.</p>
<p>Die VN-Berichte entwerfen ein umfassendes Konzept kollektiver Sicherheit, die gleicherma&szlig;en durch &bdquo;alte&ldquo; und &bdquo;neue&ldquo; Bedrohungen herausgefordert ist und die die Sicherheitslage aller Staaten einbeziehen m&uuml;sse.</p>
<p>Die VN-Berichte proklamieren Entwicklung als unabdingbare Voraussetzung f&uuml;r kollektive Sicherheit, den Vorrang der Krisenpr&auml;vention, die St&auml;rkung der Kapazit&auml;ten f&uuml;r Friedensdurchsetzung, -sicherung und &ndash;konsolidierung. Die machen Vorschl&auml;ge zur Organisationsreform der VN und f&uuml;r eine repr&auml;sentativere Zusammensetzung des Sicherheitsrates. Das Jahr 2005 soll zum Schl&uuml;sseljahr der weltweiten Mobilisierung gegen extreme Armut und Krankheit und f&uuml;r die Erreichung der Millennium Entwicklungsziele bis 2015 werden. Zugleich werden mit der Aufstellung von Legitimationskriterien klare und enge Grenzen f&uuml;r Milit&auml;reins&auml;tze im Rahmen der VN-Charta gezogen.</p>
<p><a href="http://www.un.org/depts/german/gs_sonst/a-59-565.pdf">http://www.un.org/depts/german/gs_sonst/a-59-565.pdf</a></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(3) </span></strong><strong><span style="text-decoration: underline;">2005, 21. M&auml;rz </span></strong></p>
<p><strong>&bdquo;In gr&ouml;&szlig;erer Freiheit: Auf dem Weg zu Entwicklung, Sicherheit und Menschenrechten f&uuml;r alle&ldquo;, Bericht des Generalsekret&auml;rs an die VN-Generalversammlung</strong><strong>, </strong>A/59/2005<strong>, </strong>Zusammenfassung auf f&uuml;nf Seiten<strong>: </strong><a href="http://www.un.org/depts/german/gs_sonst/a-59-2005-exesumm.pdf">http://www.un.org/depts/german/gs_sonst/a-59-2005-exesumm.pdf</a></p>
<p>Volltext: <a href="http://www.un.org/depts/german/gs_sonst/a-59-2005-ger.pdf">http://www.un.org/depts/german/gs_sonst/a-59-2005-ger.pdf</a></p>
<p><em>Diesen Bericht von Kofi Annan an die VN-Generalversammlung im September 2005 habe ich damals als herausragenden Wegweiser f&uuml;r globale Entwicklung, kollektive Sicherheit und Menschenrechte, f&uuml;r Freiheit von Not, Freiheit von Furcht und Freiheit, in W&uuml;rde zu leben, F&Uuml;R GEMEINSAME VERANTWORTUNG wahrgenommen. Der Blick umfassend und dicht an den menschlichen und politischen Realit&auml;ten, ungeschminkt und (selbst)kritisch, zugleich begr&uuml;ndet ermutigend &ndash; &bdquo;wir k&ouml;nnen es schaffen, wenn &hellip;&ldquo;.</em></p>
<p><em>Leider wurde &bdquo;In gr&ouml;&szlig;erer Freiheit&ldquo; im friedens- und sicherheitspolitischen Diskurs in Deutschland &ndash; so mein Eindruck &ndash; ziemlich wenig wahrgenommen &ndash; wie f&uuml;nf Jahre vorher der Brahimi-Report. Zentrale Appelle Kofi Annans zur St&auml;rkung der VN-F&auml;higkeiten wurden auch von deutschen Regierungen nicht befolgt.</em></p>
<p><em>Auch wenn sich die Welt in den 13 Jahren seitdem in vielerlei Hinsicht ge&auml;ndert und der multiple Problemdruck versch&auml;rft hat - &bdquo;In gr&ouml;&szlig;erer Freiheit&ldquo; hat nichts an Aktualit&auml;t verloren, im Gegenteil: Es ist der konstruktive Gegenentwurf zu der wachsenden Zahl an Geisterfahrern in Regierungs&auml;mtern, die r&uuml;cksichtslos ihr &bdquo;Ego first&ldquo; verfolgen.</em></p>
<p><em>Insofern w&auml;re es sehr angebracht, jetzt auch das Verm&auml;chtnis Kofi Annans wahrzunehmen und vor allem zu beherzigen!</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">AUSZ&Uuml;GE </span><em>(Unterstreichungen von W.N.)</em></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">I. Einleitung: 2005 &ndash; eine historische Chance </span></strong></p>
<p>1. Im f&uuml;nften Jahr des neuen Millenniums liegt es in unserer Macht, unseren Kindern ein erfreulicheres Erbe zu hinterlassen als je eine fr&uuml;here Generation erhielt. <span style="text-decoration: underline;">In den n&auml;chsten 10 Jahren k&ouml;nnen wir die weltweite Armut halbieren und der Ausbreitung der wichtigsten bekannten Krankheiten Einhalt gebieten. Wir k&ouml;nnen das Vorkommen gewaltt&auml;tiger Konflikte und des Terrorismus verringern. Wir k&ouml;nnen die Achtung der Menschenw&uuml;rde in jedem Land erh&ouml;hen. Und wir k&ouml;nnen die internationalen Institutionen den Erfordernissen der Zeit anpassen, um der Menschheit zu helfen, diese hehren Ziele zu erreichen</span>. Wenn wir dieses Wagnis eingehen &ndash; und wenn wir gemeinsam handeln &ndash; k&ouml;nnen wir erreichen, dass die Menschen &uuml;berall in gr&ouml;&szlig;erer Sicherheit und in gr&ouml;&szlig;erem Wohlstand leben und dass sie besser in der Lage sind, ihre grundlegenden Menschenrechte zu genie&szlig;en.</p>
<p>2. Alle Voraussetzungen daf&uuml;r sind vorhanden. In einer Zeit der weltweiten Interdependenz sollten die wohlverstandenen gemeinsamen Interessen und die Impulse unserer gemeinsamen Menschlichkeit das Bindemittel sein, das alle Staaten bei diesem Unterfangen zusammenh&auml;lt. In einer Zeit des globalen &Uuml;berflusses verf&uuml;gt unsere Welt durchaus &uuml;ber die Ressourcen, um die fortbestehende tiefe Kluft zwischen Arm und Reich drastisch zu verringern, sofern sie nur im Dienste aller Menschen eingesetzt werden. Nach einer schwierigen Zeit in den internationalen Angelegenheiten, angesichts neuer Bedrohungen wie auch alter Bedrohungen in neuem Gewand, herrscht vielerorts Sehnsucht nach einem neuen Konsens als Grundlage kollektiven Handelns. Auch besteht der Wunsch, die weitreichendsten Reformen in der Geschichte der Vereinten Nationen einzuleiten, um sie mit den erforderlichen Voraussetzungen und Ressourcen auszustatten, damit sie zur F&ouml;rderung dieser Agenda f&uuml;r das 21. Jahrhundert beitragen k&ouml;nnen.</p>
<p>3. Im Jahr 2005 bietet sich uns die Chance, auf diesem Weg entschieden voranzukommen. Im September werden die f&uuml;hrenden Politiker der Welt in New York zusammentreffen, um eine Bilanz der Millenniums-Erkl&auml;rung der Vereinten Nationen zu ziehen, die von den Mitgliedstaaten im Jahr 2000 verabschiedet wurde. In Vorbereitung dieses Gipfeltreffens haben mich die Mitgliedstaaten gebeten, &uuml;ber die Umsetzung der Millenniums-Erkl&auml;rung umfassend Bericht zu erstatten. Diesen Bericht erlaube ich mir heute vorzulegen. Beigef&uuml;gt ist der Vorschlag einer Agenda zur Behandlung w&auml;hrend des Gipfels, die zu entsprechenden Ma&szlig;nahmen f&uuml;hren soll.</p>
<p>4. Bei der Erstellung dieses Berichts habe ich mich auf meine achtj&auml;hrige Erfahrung als Generalsekret&auml;r, mein eigenes Gewissen und meine eigenen &Uuml;berzeugungen sowie auf mein Verst&auml;ndnis der Charta der Vereinten Nationen gest&uuml;tzt, deren Ziele und Grunds&auml;tze zu f&ouml;rdern ich verpflichtet bin. Eine weitere Inspiration waren zwei weitreichende Arbeiten, die sich mit den globalen Herausforderungen unserer Zeit auseinandersetzten &ndash; der Bericht der aus 16 Mitgliedern bestehenden Hochrangigen Gruppe f&uuml;r Bedrohungen, Herausforderungen und Wandel, die ich gebeten hatte, Vorschl&auml;ge zur St&auml;rkung unseres Systems der kollektiven Sicherheit zu unterbreiten (siehe A/59/565), und der Bericht der 250 Experten des Millenniums-Projekts, die die Aufgabe hatten, einen Aktionsplan zur Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele bis zum Jahr 2015 auszuarbeiten.</p>
<p><strong>A. Die Herausforderungen einer sich wandelnden Welt </strong>(Nr. 6-11)</p>
<p><strong>B. Gr&ouml;&szlig;ere Freiheit: Entwicklung, Sicherheit und Menschenrechte</strong></p>
<p>12. Das Leuchtfeuer, an dem wir uns orientieren m&uuml;ssen, sind die Bed&uuml;rfnisse und Hoffnungen der Menschen auf der ganzen Welt. In meinem Millenniums-Bericht &quot;Wir, die V&ouml;lker&quot; (A/54/2000) verwendete ich die einleitenden Worte der Charta der Vereinten Nationen, um darauf hinzuweisen, dass die Vereinten Nationen zwar eine Organisation souver&auml;ner Staaten sind, dass sie aber f&uuml;r die Bed&uuml;rfnisse der Menschen existieren und letztlich in ihrem Dienst stehen m&uuml;ssen. Zu diesem Zweck m&uuml;ssen wir uns zum Ziel setzen, wie ich es vor acht Jahren bei meiner ersten Wahl zum Generalsekret&auml;r formulierte, &quot;ein perfektes Dreieck von Entwicklung, Freiheit und Frieden zu konstruieren&quot;.</p>
<p>13. Die Verfasser der Charta sahen dies sehr klar. Als sie es sich zur Aufgabe machten, die kommenden Generationen vor der Gei&szlig;el des Krieges zu bewahren, verstanden sie, dass dieses Unterfangen nicht gelingen konnte, wenn es auf einer schmalen Basis stand. Sie beschlossen daher, eine Organisation zu gr&uuml;nden, die den Auftrag haben sollte, die Achtung vor den grundlegenden Menschenrechten sicherzustellen, Bedingungen zu schaffen, unter denen Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit gewahrt werden konnten, und &quot;den sozialen Fortschritt und einen besseren Lebensstandard in gr&ouml;&szlig;erer Freiheit zu f&ouml;rdern&quot;.</p>
<p>14. Ich habe diesem Bericht den Titel &quot;In gr&ouml;&szlig;erer Freiheit&quot; gegeben, um die unver&auml;nderte Relevanz der Charta der Vereinten Nationen zu betonen und zu unterstreichen, dass</p>
<p>ihre Ziele im Leben der einzelnen Menschen, M&auml;nner wie Frauen, gef&ouml;rdert werden m&uuml;ssen. Die Idee gr&ouml;&szlig;erer Freiheit beinhaltet au&szlig;erdem, dass Entwicklung, Sicherheit und</p>
<p>Menschenrechte Hand in Hand gehen. <strong>(&hellip;) </strong></p>
<p>16. Nicht nur sind Entwicklung, Sicherheit und Menschenrechte unverzichtbar; sie verst&auml;rken einander auch gegenseitig. Diese Wechselbeziehung ist in unserer Zeit rascher</p>
<p>technologischer Fortschritte, zunehmender wirtschaftlicher Interdependenz, der Globalisierung und geopolitischer Umw&auml;lzungen nur noch st&auml;rker geworden. Man kann zwar Armut und die Verweigerung von Menschenrechten nicht als die &quot;Ursache&quot; von B&uuml;rgerkriegen, Terrorismus oder organisierter Kriminalit&auml;t bezeichnen, doch erh&ouml;hen sie das Risiko von Instabilit&auml;t und Gewalt betr&auml;chtlich. Ebenso sind Kriege und Greueltaten bei weitem nicht die einzigen Gr&uuml;nde daf&uuml;r, dass L&auml;nder in Armut gefangen sind, doch bedeuten sie zweifellos einen R&uuml;ckschlag f&uuml;r die Entwicklung. (..) Gut regierte L&auml;nder, die die Menschenrechte ihrer B&uuml;rger achten, sind besser in der Lage, die Schrecken von Konflikten zu vermeiden und Entwicklungshindernisse zu &uuml;berwinden.</p>
<p>17. <span style="text-decoration: underline;">Aus all dem geht hervor, dass wir ohne Entwicklung keine Sicherheit genie&szlig;en k&ouml;nnen, dass wir ohne Sicherheit nicht in den Genuss der Entwicklung kommen und dass wir beides nicht genie&szlig;en k&ouml;nnen, wenn nicht die Menschenrechte geachtet werden. Wenn nicht alle diese Anliegen gef&ouml;rdert werden, wird keines verwirklicht werden</span>. In diesem neuen Millennium muss unsere Welt durch die Arbeit der Vereinten Nationen dem Tag n&auml;her kommen, an dem alle Menschen frei entscheiden k&ouml;nnen, wie sie ihr Leben f&uuml;hren m&ouml;chten, an dem alle den Zugang zu den Ressourcen haben, der ihre Entscheidung erst sinnvoll macht, und an dem sie &uuml;ber die Sicherheit verf&uuml;gen, um sie in Frieden genie&szlig;en zu k&ouml;nnen.</p>
<p><strong>C. Der Imperativ gemeinsamen Handelns</strong></p>
<p>18. In einer Welt eng miteinander verkn&uuml;pfter Bedrohungen und Herausforderungen liegt</p>
<p>es im Eigeninteresse eines jeden Landes, sich mit ihnen allen wirksam auseinanderzusetzen. Das Ideal der gr&ouml;&szlig;eren Freiheit kann daher nur durch eine breit angelegte, tiefgreifende und nachhaltige globale Zusammenarbeit zwischen den Staaten vorangebracht werden. Eine solche Zusammenarbeit ist m&ouml;glich, wenn die Politik jedes Landes nicht nur die Bed&uuml;rfnisse der eigenen B&uuml;rger, sondern auch die anderer ber&uuml;cksichtigt. Diese Art der Zusammenarbeit f&ouml;rdert nicht nur die Interessen aller, sondern tr&auml;gt auch unserer gemeinsamen Menschlichkeit Rechnung.</p>
<p>19. Mit den in diesem Bericht enthaltenen Vorschl&auml;gen sollen die Staaten gest&auml;rkt und in die Lage versetzt werden, ihren V&ouml;lkern besser zu dienen, indem sie auf der Grundlage gemeinsamer Prinzipien und Priorit&auml;ten zusammenarbeiten &ndash; dies ist ja letzten Endes &uuml;berhaupt der Grund, warum die Vereinten Nationen existieren. Souver&auml;ne Staaten sind die grundlegenden und unverzichtbaren Bausteine des internationalen Systems. Ihnen obliegt es, die Rechte ihrer B&uuml;rger zu garantieren, sie vor Kriminalit&auml;t, Gewalt und Aggression zu sch&uuml;tzen und die Rahmenbedingungen der Freiheit vor dem Gesetz zu schaffen, unter denen der Einzelne gedeihen und die Gesellschaft sich entwickeln kann. Wenn Staaten instabil sind, werden die V&ouml;lker der Welt nicht die Sicherheit, die Entwicklung und die Gerechtigkeit genie&szlig;en, auf die sie ein Anrecht haben. Eine der wichtigsten Aufgaben im neuen Millennium ist daher, sicherzustellen, dass alle Staaten stark genug sind, um den vielen Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind, begegnen zu k&ouml;nnen.</p>
<p>20. Die Staaten k&ouml;nnen dies jedoch nicht allein bewerkstelligen. Wir brauchen eine aktive Zivilgesellschaft und einen dynamischen Privatsektor. Beide nehmen einen immer gr&ouml;&szlig;eren und bedeutenderen Anteil des Raums ein, der fr&uuml;her ausschlie&szlig;lich Staaten vorbehalten war, und es liegt auf der Hand, dass die hier skizzierten Ziele ohne ihr umfassendes Engagement nicht erreicht werden k&ouml;nnen.</p>
<p>21. Wir ben&ouml;tigen au&szlig;erdem agile und wirksame regionale und globale zwischenstaatliche Institutionen, um kollektives Handeln zu mobilisieren und zu koordinieren. Als einziges universales Organ der Welt mit einem Mandat f&uuml;r Fragen der Sicherheit, der Entwicklung und der Menschenrechte tragen die Vereinten Nationen eine besondere Last. (&hellip;)</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">II. Freiheit von Not</span></strong></p>
<p>25. In den letzten 25 Jahren ist die extreme Armut weitaus st&auml;rker zur&uuml;ckgegangen als je zuvor. Dank der erzielten Fortschritte, bei denen China und Indien an der Spitze standen, ist es buchst&auml;blich Hunderten von Millionen M&auml;nnern, Frauen und Kindern &uuml;berall auf der Welt gelungen, der dr&uuml;ckenden Last der extremen Verarmung zu entrinnen und nunmehr besseren Zugang zu Nahrungsmitteln, Gesundheitsversorgung, Bildung und Wohnraum zu genie&szlig;en.</p>
<p>26. Nichtsdestoweniger sind gleichzeitig Dutzende von L&auml;ndern &auml;rmer geworden, verheerende Wirtschaftskrisen haben Millionen von Familien in die Armut getrieben, und wachsende Ungleichheit in vielen Teilen der Welt bewirkt, dass die Fr&uuml;chte des Wirtschaftswachstums nicht gleicherma&szlig;en geteilt werden. Mehr als eine Milliarde Menschen&ndash; ein Sechstel der Menschheit &ndash; leben auch heute noch von weniger als einem Dollar pro Tag und verf&uuml;gen nicht &uuml;ber die Mittel zum &Uuml;berleben angesichts chronischen Hungers, von Krankheiten und Umweltgefahren. Mit anderen Worten, es handelt sich um eine Armut, die zum Tod f&uuml;hrt. Ein einziger Stich einer Malaria &uuml;bertragenden M&uuml;cke gen&uuml;gt, um ein Kind zu t&ouml;ten, wenn kein Moskitonetz oder kein Zugang zu medizinischer Behandlung vorhanden ist, die einen Dollar kosten w&uuml;rde. (&hellip;)</p>
<p>27. Jahrhunderte lang wurde diese Art von Armut als trauriger, aber unvermeidbarer Bestandteil des menschlichen Daseins angesehen. Heute ist diese Ansicht weder intellektuell noch moralisch zu rechtfertigen. Die Gr&ouml;&szlig;enordnung und die Reichweite der Fortschritte, die von L&auml;ndern in jeder Weltregion erzielt wurden, haben gezeigt, dass Armut sowie M&uuml;tter- und S&auml;uglingssterblichkeit in k&uuml;rzester Zeit drastisch verringert werden k&ouml;nnen und dass gleichzeitig die Bildung, die Gleichstellung der Geschlechter und andere Aspekte der Entwicklung auf spektakul&auml;re Weise vorangebracht werden k&ouml;nnen. <span style="text-decoration: underline;">Die beispiellose Kombination von Ressourcen und Technologien, die uns heute zur Verf&uuml;gung steht, bedeutet, dass wir wahrhaftig die erste Generation sind, die &uuml;ber die Werkzeuge, das Wissen und die Ressourcen verf&uuml;gt, um das von allen Staaten in der Millenniums-Erkl&auml;rung gegebene Versprechen einzul&ouml;sen, &quot;das Recht auf Entwicklung f&uuml;r jeden zur Wirklichkeit werden zu lassen und die gesamte Menschheit von Not zu befreien</span>.&quot; (Nr. 28-73)</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">III. Freiheit von Furcht</span></strong></p>
<p>74. <span style="text-decoration: underline;">W&auml;hrend auf dem Gebiet der Entwicklung die unzureichende Umsetzung ein Problem darstellt, ist auf dem Gebiet der Sicherheit trotz des vielfach gestiegenen Gef&uuml;hls der</span> <span style="text-decoration: underline;">Bedrohung nicht einmal ein grundlegender Konsens vorhanden, und wenn eine Umsetzung &uuml;berhaupt stattfindet, ist diese nur allzu oft umstritten</span>.</p>
<p>75. Wenn wir uns nicht auf eine gemeinsame Bewertung dieser Bedrohungen und auf ein gemeinsames Verst&auml;ndnis unserer Pflichten bei ihrer Bew&auml;ltigung einigen k&ouml;nnen, werden die Vereinten Nationen kaum in der Lage sein, allen ihren Mitgliedern und allen Menschen der Erde Sicherheit zu bieten. In diesem Fall werden wir denen, die Freiheit von Furcht erstreben, bestenfalls auf unvollkommene Weise helfen k&ouml;nnen.</p>
<p><strong>A. Eine Vision der kollektiven Sicherheit</strong></p>
<p>76. Alarmiert durch die Uneinigkeit unter den Mitgliedstaaten hinsichtlich der angemessenen Rolle der Vereinten Nationen bei der Gew&auml;hrleistung kollektiver Sicherheit &ndash; ja so-gar hinsichtlich der Art der schwersten Bedrohungen, denen wir uns gegen&uuml;bersehen &ndash; setzte ich im November 2003 die Hochrangige Gruppe f&uuml;r Bedrohungen, Herausforderungen und Wandel ein. Die Gruppe legte ihren Bericht &quot;Eine sicherere Welt: Unsere gemeinsame Verantwortung&quot; (A/59/565) im Dezember 2004 vor.</p>
<p>77. Ich teile vollauf die in dem Bericht skizzierte breite Vision und die darin zum Ausdruck kommende Argumentation f&uuml;r ein umfassenderes Konzept der kollektiven Sicherheit: ein Konzept, das sich der neuen wie auch der alten Bedrohungen annimmt und das den Sicherheitsanliegen aller Staaten Rechnung tr&auml;gt. Ich bin der festen &Uuml;berzeugung, dass dieses Konzept abweichende Auffassungen von Sicherheit zusammenf&uuml;hren und uns bei der Auseinandersetzung mit den Dilemmata der heutigen Zeit Orientierung bieten kann.</p>
<p>78. <span style="text-decoration: underline;">Zu den Bedrohungen des Friedens und der Sicherheit im 21. Jahrhundert geh&ouml;ren nicht nur internationale Kriege und Konflikte, sondern auch zivile Gewalt, organisierte Kriminalit&auml;t, Terrorismus und Massenvernichtungswaffen. Auch Armut, t&ouml;dliche Infektionskrankheiten und Umweltzerst&ouml;rung geh&ouml;ren dazu, da diese ebenso katastrophale Folgen haben k&ouml;nnen. Alle diese Bedrohungen k&ouml;nnen f&uuml;r viele Menschen den Tod oder eine Verminderung ihrer Lebenschancen bedeuten. Sie alle k&ouml;nnen die Staaten als das tragende Element des internationalen Systems untergraben</span>.</p>
<p>79. Reichtum, Geografie und Macht bestimmen, welche der unterschiedlichen Bedrohungen wir als am dr&auml;ngendsten empfinden. Die Realit&auml;t l&auml;sst uns jedoch keine Wahl. Die kollektive Sicherheit h&auml;ngt heute davon ab, dass wir akzeptieren, dass Bedrohungen, die in einer Weltregion als h&ouml;chst dringlich angesehen werden, f&uuml;r alle gleicherma&szlig;en von h&ouml;chster Dringlichkeit sind.</p>
<p>80. In unserer von Globalisierung gepr&auml;gten Welt sind die Bedrohungen, denen wir uns gegen&uuml;bersehen, miteinander verkn&uuml;pft. Die Reichen sind den gleichen Bedrohungen wie die Armen ausgesetzt, und die Starken sind den Schwachen gegen&uuml;ber ebenso exponiert, wie es umgekehrt der Fall ist. Ein nuklearer Terroranschlag auf die Vereinigten Staaten oder Europa h&auml;tte verheerende Auswirkungen auf die gesamte Welt. Gleiches gilt jedoch auch f&uuml;r den Ausbruch einer neuen, hoch ansteckenden Pandemie in einem armen Land, das &uuml;ber kein wirksames Gesundheitssystem verf&uuml;gt.</p>
<p>81. <span style="text-decoration: underline;">Ausgehend von der Erkenntnis der Verflochtenheit der Bedrohungen m&uuml;ssen wir einen neuen Sicherheitskonsens begr&uuml;nden, dessen oberster Grundsatz lauten muss, dass alle Anspruch auf Freiheit von Furcht haben und dass alles, was einen bedroht, alle bedroht</span>. Sobald wir dies einsehen, k&ouml;nnen wir gar nicht anders, als gegen das gesamte Spektrum der Bedrohungen anzugehen. Wir m&uuml;ssen gegen HIV/Aids ebenso robust vorgehen wie gegen den Terrorismus und gegen die Armut ebenso wirksam wie gegen die Proliferation. Wir m&uuml;ssen uns genauso sehr darum bem&uuml;hen, die Bedrohung durch Kleinwaffen und leichte Waffen auszur&auml;umen wie die Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen. Dar&uuml;ber hinaus m&uuml;ssen wir allen diesen Bedrohungen fr&uuml;h genug und mit allen uns zur Verf&uuml;gung stehenden Mitteln pr&auml;ventiv begegnen.</p>
<p>82. Wir m&uuml;ssen sicherstellen, dass sich Staaten an die von ihnen unterzeichneten Sicherheitsvertr&auml;ge halten, damit diese auch in Zukunft f&uuml;r alle Staaten von Nutzen sind. Eine konsequentere &Uuml;berwachung, wirksamere Durchf&uuml;hrung und gegebenenfalls strengere Durchsetzung sind wesentlich, wenn die Staaten auf die multilateralen Mechanismen vertrauen und sie zur Konfliktvermeidung nutzen sollen.</p>
<p>83. Dabei handelt es sich nicht um theoretische Fragen, sondern um Fragen von lebens-notwendiger Dringlichkeit. Wenn wir in diesem Jahr nicht zu einem Konsens &uuml;ber sie gelangen und beginnen, entsprechend zu handeln, wird sich diese Chance vielleicht nie wie-der ergeben. Wenn, dann m&uuml;ssen wir die Vereinten Nationen in diesem Jahr zu dem wirk-samen Instrument zur Konfliktverh&uuml;tung machen, als das sie schon immer gedacht waren, indem wir in mehreren priorit&auml;ren politischen und institutionellen Schl&uuml;sselbereichen t&auml;tig werden.</p>
<p>84. Wir m&uuml;ssen handeln, um zu gew&auml;hrleisten, dass katastrophaler Terrorismus niemals Wirklichkeit wird. Dies wird eine neue globale Strategie erfordern, die damit beginnt, dass sich die Mitgliedstaaten auf eine Definition des Terrorismus einigen und diese in ein um-fassendes &Uuml;bereinkommen aufnehmen. Es wird auch erfordern, dass alle Staaten umfassende &Uuml;bereinkommen gegen die organisierte Kriminalit&auml;t und die Korruption unterzeichnen, ratifizieren, durchf&uuml;hren und einhalten. (&hellip;)</p>
<p>86. Wir m&uuml;ssen die H&auml;ufigkeit von Kriegen und das Kriegsrisiko weiter verringern. Zu diesem Zweck gilt es, sowohl die Wichtigkeit der Entwicklung zu betonen, wie in Abschnitt II beschrieben, als auch die Instrumente zu st&auml;rken, mit denen die milit&auml;rische und zivile Unterst&uuml;tzung geleistet wird, die f&uuml;r die Pr&auml;vention und Beendigung von Kriegen und f&uuml;r die Festigung eines dauerhaften Friedens notwendig ist. Investitionen in Pr&auml;vention, Friedensschaffung, Friedenssicherung und Friedenskonsolidierung k&ouml;nnen Millionen</p>
<p>Menschenleben retten. W&auml;ren in den fr&uuml;hen neunziger Jahren nur zwei Friedensabkommen &ndash; das Abkommen von Bicesse in Angola und die Friedensabkommen von Arusha in Ruanda &ndash; erfolgreich durchgef&uuml;hrt worden, so h&auml;tten wir den Tod von beinahe drei Millionen Menschen verhindern k&ouml;nnen</p>
<p><strong>B. Verh&uuml;tung von katastrophalem Terrorismus</strong></p>
<p><strong>C. Nukleare, biologische und chemische Waffen</strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">D. Verringerung des Kriegsrisikos und der H&auml;ufung von Kriegen</span></strong></p>
<p>106. <span style="text-decoration: underline;">Keine Aufgabe ist f&uuml;r die Vereinten Nationen von grundlegenderer Bedeutung als die Verh&uuml;tung und Beilegung t&ouml;dlicher Konflikte</span>. <span style="text-decoration: underline;">Insbesondere die Pr&auml;vention muss im Mit-telpunkt aller unserer Anstrengungen stehen</span>, vom Kampf gegen die Armut und der F&ouml;rde-rung einer nachhaltigen Entwicklung &uuml;ber den Ausbau der nationalen Kapazit&auml;ten f&uuml;r die Konfliktbew&auml;ltigung, die F&ouml;rderung der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit sowie die Eind&auml;mmung des Zustroms von Kleinwaffen und leichten Waffen bis hin zur Leitung von operativen Pr&auml;ventionsma&szlig;nahmen, wie beispielsweise der Leistung Guter Dienste, der Entsendung von Missionen des Sicherheitsrats und vorbeugenden Eins&auml;tzen.</p>
<p>107. Die Mitgliedstaaten m&uuml;ssen sicherstellen, dass die Vereinten Nationen &uuml;ber die geeignete Struktur und ausreichende Ressourcen zur Wahrnehmung dieser unverzichtbaren Aufgaben verf&uuml;gen.</p>
<p><strong>Vermittlung </strong></p>
<p>108. Zwar ist der Beweis nicht leicht zu f&uuml;hren, doch haben die Vereinten Nationen mit ziemlicher Sicherheit viele Kriege verhindert, indem sie durch den Einsatz der &quot;Guten Dienste&quot; des Generalsekret&auml;rs halfen, Konflikte auf friedlichem Wege beizulegen. <span style="text-decoration: underline;">In den vergangenen 15 Jahren wurden au&szlig;erdem mehr B&uuml;rgerkriege durch Vermittlung beendet als in den zwei Jahrhunderten zuvor, was haupts&auml;chlich darauf zur&uuml;ckzuf&uuml;hren war, dass die Vereinten Nationen die F&uuml;hrung &uuml;bernahmen, M&ouml;glichkeiten f&uuml;r Verhandlungen boten, f&uuml;r die strategische Koordinierung sorgten und die Ressourcen zur Durchf&uuml;hrung von Friedensabkommen bereitstellten</span>. Wir k&ouml;nnten jedoch ohne Zweifel noch viel mehr Menschenleben retten, wenn wir &uuml;ber entsprechende Kapazit&auml;ten und das n&ouml;tige Personal verf&uuml;gten. <strong>Ich fordere die Mitgliedstaaten nachdr&uuml;cklich auf, dem Generalsekret&auml;r f&uuml;r seine Guten Dienste zus&auml;tzliche Ressourcen zur Verf&uuml;gung zu stellen</strong>.</p>
<p><strong>Sanktionen </strong></p>
<p>109. Sanktionen sind ein unverzichtbares Mittel, &uuml;ber das der Sicherheitsrat verf&uuml;gt, um Bedrohungen des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit pr&auml;ventiv entgegenzutreten. Sie stellen den notwendigen Mittelweg zwischen einem echten Krieg und blo&szlig;en Worten dar. In manchen F&auml;llen k&ouml;nnen Sanktionen zum Abschluss von Vereinbarungen beitragen. In anderen k&ouml;nnen sie gemeinsam mit milit&auml;rischem Druck eingesetzt werden, um Rebellengruppen oder Staaten, die in flagranter Weise gegen die Resolutionen des Sicherheitsrats versto&szlig;en, zu schw&auml;chen und zu isolieren.</p>
<p>110. Der Einsatz von finanziellen und diplomatischen, Waffen-, Flugverkehrs-, Reise- und Rohstoffsanktionen gegen die kriegf&uuml;hrenden Parteien und insbesondere diejenigen Ein-zelpersonen, die am unmittelbarsten f&uuml;r verwerfliche Politiken verantwortlich sind, wird auch in Zukunft ein entscheidender Bestandteil des Instrumentariums der Vereinten Nationen sein.</p>
<p>Alle Sanktionen des Sicherheitsrats sollten wirksam durchgef&uuml;hrt und durchgesetzt werden, indem die Kapazit&auml;t der Staaten zur Durchf&uuml;hrung von Sanktionen gest&auml;rkt, mit gen&uuml;gend Ressourcen ausgestattete &Uuml;berwachungsmechanismen eingerichtet und die humanit&auml;ren Folgen gemildert werden.</p>
<p>Angesichts des schwierigen Umfelds, in dem Sanktionen oftmals eingesetzt werden, und angesichts der in den letzten Jahren gewonnenen Erfahrungen m&uuml;ssen k&uuml;nftige Sanktionsregime au&szlig;erdem sorgf&auml;ltig strukturiert werden, um das Leid, das unschuldigen Dritten &ndash; namentlich der Zivilbev&ouml;lkerung der Zielstaaten &ndash; zugef&uuml;gt wird, m&ouml;glichst gering zu halten und die Integrit&auml;t der beteiligten Programme und Institutionen zu sch&uuml;tzen.</p>
<p><strong>Friedenssicherung </strong></p>
<p>111. Durch die Entsendung von Friedenssicherungskr&auml;ften haben die Vereinten Nationen &uuml;ber die Jahrzehnte hinweg einen gro&szlig;en Beitrag zur Stabilisierung von Konfliktzonen geleistet, und etwa in den letzten 15 Jahren auch dazu, L&auml;ndern in der Konfliktfolgezeit beizustehen. Seit der Herausgabe des Berichts der Sachverst&auml;ndigengruppe f&uuml;r die Friedensmissionen der Vereinten Nationen (A/55/305-S/2000/809, Anlage), durch den wichtige Reformen im Management unserer Friedenssicherungseins&auml;tze veranlasst wurden, hat das wiederhergestellte Vertrauen der Mitgliedstaaten in die Friedenssicherung der Vereinten Nationen zu einem sprunghaften Anstieg der Nachfrage gef&uuml;hrt, sodass die Vereinten Nationen jetzt mehr Missionen als je zuvor im Feld unterhalten. Der Gro&szlig;teil dieser Missionen befindet sich in <span style="text-decoration: underline;">Afrika, einem Kontinent, f&uuml;r den &ndash; wie ich leider nicht umhin kann festzustellen &ndash; die entwickelten L&auml;nder immer weniger bereit sind, Truppen zu stellen</span>. Aus diesem Grund sind unsere Kapazit&auml;ten bis aufs &Auml;u&szlig;erste beansprucht.</p>
<p>112. <strong>Ich appelliere an die Mitgliedstaaten, mehr zu tun, um sicherzustellen, dass die Vereinten Nationen &uuml;ber wirksame Friedenssicherungskapazit&auml;ten verf&uuml;gen, die den an sie gestellten Anforderungen entsprechen</strong>. Ich fordere sie insbesondere nachdr&uuml;cklich auf, durch die Schaffung von strategischen Reserven, die im Rahmen von Vereinbarungen der Vereinten Nationen rasch verlegbar sind, unsere Optionen f&uuml;r die Entsendung von Eins&auml;tzen zu verbessern. Der Ausbau der Kapazit&auml;ten der Vereinten Nationen sollte nicht im Wettstreit mit den bewundernswerten Anstrengungen stehen, die derzeit von vielen Regionalorganisationen unternommen werden, sondern sollte vielmehr in Zusammenarbeit mit diesen erfolgen. Beispielsweise bilden die Beschl&uuml;sse der Europ&auml;ischen Union, verf&uuml;gungsbereite Einsatzgruppen einzurichten, und der Afrikanischen Union, afrikanische Reservekapazit&auml;ten zu schaffen, eine &auml;u&szlig;erst wertvolle Erg&auml;nzung unserer eigenen Anstrengungen. <strong>In der Tat halte ich nunmehr die Zeit f&uuml;r gekommen, einen entschlossenen Schritt nach vorne zu tun und ein ineinandergreifendes System von Friedenssicherungskapazit&auml;ten einzurichten, das es den Vereinten Nationen erm&ouml;glichen wird, mit den zust&auml;ndigen Regionalorganisationen im Rahmen verl&auml;sslicher und berechenbarer Partnerschaften zusammenzuarbeiten</strong>.</p>
<p>113. Da die Rechtsstaatlichkeit ein wesentlicher Bestandteil eines dauerhaften Friedens ist, haben die Friedenssicherungs- und Friedenskonsolidierungskr&auml;fte der Vereinten Nationen die feierliche Verantwortung, selbst die Gesetze einzuhalten und insbesondere die Rechte der Menschen zu achten, denen zu helfen ihr Auftrag ist. Angesichts der j&uuml;ngst erhobenen Anschuldigungen gegen Verwaltungspersonal und Friedenssicherungskr&auml;fte der Vereinten Nationen wegen angeblicher Verfehlungen sollte das System der Vereinten Nationen sein Bekenntnis zur Achtung, Einhaltung und Umsetzung des V&ouml;lkerrechts, der grundlegenden Menschenrechte und der grundlegenden Normen eines ordnungsgem&auml;&szlig;en Verfahrens bekr&auml;ftigen. Ich werde mich daf&uuml;r einsetzen, die internen Kapazit&auml;ten der Vereinten Nationen zur Wahrnehmung der Aufsicht &uuml;ber Friedenssicherungseins&auml;tze zu st&auml;rken, und ich erinnere die Mitgliedstaaten an ihre Verpflichtung, alle Angeh&ouml;rigen ihrer nationalen Kontingente, die in den Staaten, in die sie entsandt wurden, Straftaten begehen, strafrechtlich zu verfolgen.</p>
<p><strong>Ich bin insbesondere &uuml;ber F&auml;lle best&uuml;rzt, in denen Friedenssicherungskr&auml;fte der Vereinten Nationen Minderj&auml;hrige und andere besonders schutzbed&uuml;rftige Personen sexuell ausgebeutet haben sollen, und habe f&uuml;r solche Straftaten eine Politik der Nulltoleranz verf&uuml;gt, die f&uuml;r das gesamte an Operationen der Vereinten Nationen beteiligte Personal gilt. Ich lege den Mitgliedstaaten eindringlich nahe, bei ihren nationalen Kontingenten dasselbe zu tun</strong>.</p>
<p><strong>Friedenskonsolidierung </strong></p>
<p>114. Es ist eine traurige Tatsache, dass unsere Erfolgsbilanz bei der Vermittlung und Durchf&uuml;hrung von Friedensabkommen durch einige verheerende Fehlschl&auml;ge getr&uuml;bt wird. In der Tat ereigneten sich mehrere der gewaltt&auml;tigsten und tragischsten Episoden der 1990er Jahre nach der Aushandlung von Friedensabkommen &ndash; beispielsweise 1993 in Angola und 1994 in Ruanda. <span style="text-decoration: underline;">Etwa die H&auml;lfte aller L&auml;nder, die gerade Kriege &uuml;berwunden haben, gleiten binnen f&uuml;nf Jahren wieder in die Gewalt ab. Diese Tatsachen sprechen eine klare Sprache: wenn wir Konflikte verh&uuml;ten wollen, m&uuml;ssen wir daf&uuml;r sorgen, dass Friedensabkommen auf dauerhafte und nachhaltige Weise durchgef&uuml;hrt werden. Doch genau dort klafft bei den institutionellen Mechanismen der Vereinten Nationen eine gewaltige L&uuml;cke</span>: Kein Teil des Systems der Vereinten Nationen befasst sich auf wirksame Weise mit der Herausforderung, L&auml;ndern beim &Uuml;bergang vom Krieg zu dauerhaftem Frieden behilflich zu sein. <strong>Daher schlage ich den Mitgliedstaaten vor, zu diesem Zweck eine zwischenstaatliche Kommission f&uuml;r Friedenskonsolidierung sowie innerhalb des VN-Sekretariats ein B&uuml;ro zur Unterst&uuml;tzung der Friedenskonsolidierung zu schaffen</strong>.</p>
<p>115. Eine Kommission f&uuml;r Friedenskonsolidierung k&ouml;nnte die folgenden Aufgaben wahr-nehmen: Sie k&ouml;nnte unmittelbar nach einem Krieg die Planung der Vereinten Nationen f&uuml;r einen dauerhaften Wiederaufbau verbessern und sich dabei insbesondere auf fr&uuml;hzeitige Anstrengungen zur Schaffung der notwendigen Institutionen konzentrieren; sie k&ouml;nnte dabei behilflich sein, eine berechenbare Finanzierung f&uuml;r rasche Wiederaufbauma&szlig;nahmen sicherzustellen, indem sie unter anderem einen &Uuml;berblick &uuml;ber die vorhandenen Finanzie-rungsm&ouml;glichkeiten durch Pflicht- und freiwillige Beitr&auml;ge und durch st&auml;ndige Finanzie-rungsmechanismen zusammenstellt; sie k&ouml;nnte die Koordinierung der Vielzahl von Aktivi-t&auml;ten der Fonds, Programme und Einrichtungen der VN in der Konfliktfolgezeit verbessern; sie k&ouml;nnte ein Forum schaffen, in dem die Vereinten Nationen, die gro&szlig;en bilateralen Geber, die truppenstellenden L&auml;nder, die ma&szlig;geblichen regionalen Akteure und Organisationen, die internationalen Finanzinstitutionen und die Regierung oder &Uuml;bergangsregierung des betreffenden Landes Informationen &uuml;ber ihre jeweiligen Wiederaufbaustrategien in der Konfliktfolgezeit austauschen k&ouml;nnen, um gr&ouml;&szlig;ere Koh&auml;renz zu erzielen; sie k&ouml;nnte in re-gelm&auml;&szlig;igen Abst&auml;nden die Fortschritte bei der Verwirklichung der mittelfristigen Wieder-aufbauziele &uuml;berpr&uuml;fen, und sie k&ouml;nnte daf&uuml;r sorgen, dass dem Wiederaufbau nach Konflikten l&auml;nger politische Aufmerksamkeit gewidmet wird. Meiner Ansicht nach sollte ein solches Organ keine Fr&uuml;hwarn- oder &Uuml;berwachungsfunktionen wahrnehmen, doch w&auml;re es von Nutzen, wenn die Mitgliedstaaten jederzeit den Rat der Kommission f&uuml;r Friedenskonsolidierung heranziehen und Hilfe aus einem st&auml;ndigen Fonds f&uuml;r Friedenskonsolidierung beantragen k&ouml;nnten, um ihre innerstaatlichen Institutionen zur Konfliktminderung auszubauen, namentlich durch die St&auml;rkung der rechtsstaatlichen Institutionen. (Nr. 116-117)</p>
<p>118. Die Beteiligung der internationalen Finanzinstitutionen ist von ausschlaggebender Bedeutung. Ich habe Gespr&auml;che mit ihnen aufgenommen, um festzustellen, wie sie unter geb&uuml;hrender Ber&uuml;cksichtigung ihres Mandats und ihrer Satzung am besten einbezogen</p>
<p><strong>Kleinwaffen, leichte Waffen und Landminen</strong></p>
<p>120. Von der Anh&auml;ufung und Verbreitung von Kleinwaffen und leichten Waffen geht nach wie vor eine schwerwiegende Bedrohung des Friedens, der Stabilit&auml;t und der nachhaltigen Entwicklung aus. Seit der Verabschiedung des Aktionsprogramms zur Verh&uuml;tung, Bek&auml;mpfung und Beseitigung des unerlaubten Handels mit Kleinwaffen und leichten Waffen unter allen Aspekten im Jahr 2001 ist das Bewusstsein f&uuml;r das Problem gestiegen, und verschiedene Initiativen zu seiner Bew&auml;ltigung wurden eingeleitet. Wir m&uuml;ssen jetzt wirkli-che Fortschritte erzielen, indem wir sicherstellen, dass Waffenembargos besser durchgesetzt werden, indem wir Programme f&uuml;r die Entwaffnung ehemaliger Kombattanten st&auml;rken und indem wir ein rechtsverbindliches internationales &Uuml;bereinkommen zur Regelung der Kennzeichnung und R&uuml;ckverfolgung von Kleinwaffen und leichten Waffen und ein entsprechendes &Uuml;bereinkommen zur Verh&uuml;tung, Bek&auml;mpfung und Beseitigung unerlaubter Waffenvermittlungsgesch&auml;fte aushandeln. <strong>Ich fordere die Mitgliedstaaten nachdr&uuml;cklich auf, sich sp&auml;testens bei der &Uuml;berpr&uuml;fungskonferenz des Aktionsprogramms im kommenden Jahr auf ein &Uuml;bereinkommen zur Regelung der Kennzeichnung und R&uuml;ckverfolgung zu einigen und die Verhandlungen &uuml;ber ein &Uuml;bereinkommen &uuml;ber unerlaubte Waffenvermittlungsgesch&auml;fte zu beschleunigen.</strong> (&hellip;)</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">E. Anwendung von Gewalt </span></strong></p>
<p>122. Schlie&szlig;lich muss ein wesentlicher Teil des Konsenses, nach dem wir streben, in einer <span style="text-decoration: underline;">Einigung dar&uuml;ber bestehen, wann und wie Gewalt angewandt werden kann, um den Welt-frieden und die internationale Sicherheit zu verteidigen</span>. In den letzten Jahren hat diese Frage zu einer tiefen Spaltung der Mitgliedstaaten gef&uuml;hrt. Sie waren uneins dar&uuml;ber, ob Staaten das Recht haben, milit&auml;rische Gewalt pr&auml;emptiv anzuwenden, um sich gegen unmittelbar drohende Gefahren zu verteidigen; ob sie das Recht haben, sie pr&auml;ventiv einzusetzen, um sich gegen latente oder nicht unmittelbar drohende Gefahren zu verteidigen, und ob sie das Recht &ndash; oder vielleicht die Pflicht &ndash; haben, sie sch&uuml;tzend anzuwenden, um die B&uuml;rger von Drittstaaten vor V&ouml;lkermord oder &auml;hnlichen Verbrechen zu retten.</p>
<p>123. &Uuml;ber diese Fragen muss eine Einigung herbeigef&uuml;hrt werden, wenn die Vereinten Nationen &ndash; wie urspr&uuml;nglich gedacht war &ndash; ein Forum f&uuml;r die Beilegung von Meinungsver-schiedenheiten und nicht nur eine B&uuml;hne f&uuml;r das Ausagieren von Differenzen sein sollen.</p>
<p>Dennoch bin ich der Meinung, dass die Charta der Vereinten Nationen in ihrer jetzigen</p>
<p>Fassung eine gute Grundlage f&uuml;r die notwendige Verst&auml;ndigung bietet.</p>
<p>124. Unmittelbar drohende Gefahren sind durch Artikel 51 vollst&auml;ndig abgedeckt, der das naturgegebene Recht souver&auml;ner Staaten zur Selbstverteidigung im Falle eines bewaffneten Angriffs gew&auml;hrleistet. Juristen erkennen schon lange an, dass dies sowohl einen unmittelbar drohenden als auch einen bereits erfolgten Angriff umfasst.</p>
<p>125. Wenn es sich nicht um eine unmittelbar drohende Gefahr, sondern um eine latente Bedrohung handelt, &uuml;bertr&auml;gt die Charta dem Sicherheitsrat die volle Autorit&auml;t f&uuml;r die An-wendung milit&auml;rischer Gewalt, auch pr&auml;ventiv, um den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren. Was V&ouml;lkermord, ethnische S&auml;uberungen und andere derartige Verbrechen gegen die Menschlichkeit betrifft, sind diese nicht auch Bedrohungen des Welt-friedens und der internationalen Sicherheit, bei denen sich die Menschheit um Schutz an den Sicherheitsrat wenden k&ouml;nnen sollte?</p>
<p>126. Es geht nicht darum, Alternativen zum Sicherheitsrat als Quelle der Autorit&auml;t zu finden, sondern darum, seine Arbeitsweise zu verbessern. Wenn der Rat erw&auml;gt, die Anwendung milit&auml;rischer Gewalt zu genehmigen oder zu billigen, sollte er zu einer gemeinsamen Auffassung dar&uuml;ber gelangen, wie der Ernst der Bedrohung einzustufen ist, ob die vorgeschlagene Milit&auml;raktion einem redlichen Motiv dient, ob ein plausibler Grund zu der Annahme besteht, dass andere Mittel als die Anwendung von Gewalt der Bedrohung m&ouml;glicherweise Einhalt gebieten k&ouml;nnten, ob die milit&auml;rische Option der vorliegenden Bedrohung angemessen ist und ob eine realistische Aussicht auf Erfolg besteht. Falls sich der Rat verpflichten sollte, Milit&auml;raktionen anhand dieser Kriterien zu begr&uuml;nden, so w&uuml;rde dies die Transparenz seiner Beratungen erh&ouml;hen und dazu beitragen, dass seine Beschl&uuml;sse so-wohl von den Regierungen als auch von der Welt&ouml;ffentlichkeit eher respektiert werden.</p>
<p><strong>Daher empfehle ich dem Sicherheitsrat, eine Resolution zu verabschieden, in der diese Grunds&auml;tze festgeschrieben werden und in der er seine Absicht kundtut, sich von ihnen leiten zu lassen, wenn er Beschl&uuml;sse &uuml;ber die Genehmigung oder Mandatierung der Anwendung von Gewalt trifft.</strong></p>
<p><strong>IV. Freiheit, in W&uuml;rde leben</strong></p>
<p>(&hellip;)</p>
<p>A. Herrschaft des Rechts (Nr. 133-139)</p>
<p>B. Menschenrechte (Nr. 140-147)</p>
<p>C. Demokratie (Nr. 148-152)</p>
<p>V. St&auml;rkung der Vereinten Nationen (Nr. 153-219)</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(4) 1998, 16. Oktober </span></strong></p>
<p><strong>Kosovo-Konflikt, Androhung von Luftangriffen: Pers&ouml;nliche Erkl&auml;rung zur Abstimmung nach &sect; 31 GO von </strong><strong>Winfried Nachtwei, Kerstin M&uuml;ller (K&ouml;ln), Volker Beck (K&ouml;ln) (B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN</strong>) <a href="http://dip21.bundestag.de/dip21/btp/13/13248.pdf">http://dip21.bundestag.de/dip21/btp/13/13248.pdf</a> :</p>
<p>&bdquo;(&hellip;) Heute hat der Bundestag erstmalig in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland &uuml;ber die Beteiligung der Bundeswehr an einem ausdr&uuml;cklichen Kampfeinsatz abzustimmen. Das Gewicht der heutigen Entscheidung wird kaum dadurch gemindert, dass die Luftangriffe der NATO wegen des bisherigen Einlenkens des jugoslawischen Pr&auml;sidenten und der in Aussicht stehenden OSZE-&Uuml;berwachungsmission weniger wahrscheinlich geworden sind.</p>
<p>Hauptverantwortlicher f&uuml;r diese &auml;u&szlig;erste Zuspitzung des Kosovo-Konfliktes ist der jugoslawische Pr&auml;sident und Hauptkriegsverbrecher Milosevic mit seiner bis zum Krieg eskalierenden jahrelangen Unterdr&uuml;ckungspolitik gegen&uuml;ber der albanischen Bev&ouml;lkerungsmehrheit und seiner v&ouml;lligen Taubheit gegen&uuml;ber den Appellen der internationalen Gemeinschaft. Mitverantwortlich ist aber auch diese internationale Gemeinschaft selbst, die gegen&uuml;ber dem Kosovo-Konflikt &uuml;ber Jahre eine deklamatorische, uneinheitliche und konzeptionslose Politik betrieb, den bewundernswerten gewaltfreien Widerstand der Kosovo-Albaner im Stich lie&szlig; und damit den Bef&uuml;rwortern eines bewaffneten nationalen &bdquo;Befreiungskampfes&quot; Auftrieb verlieh. Fr&uuml;hzeitige und hartn&auml;ckige Initiativen unserer Fraktion - und vor allem unseres Kollegen Gerd Poppe - zur L&ouml;sung des Kosovo-Konflikts fanden bei der herrschenden Politik nicht das notwendige Geh&ouml;r; Menschenrechtsaktivisten, zum Beispiel das Balkan Peace Team, blieben ohne jede offizielle F&ouml;rderung. Exemplarisch f&uuml;r die auch in diesem Hause vorherrschende Ignoranz gegen-&uuml;ber dem Pulverfass Kosovo war die Bundestagsdebatte zum Kosovo, die in die Abendstunden des 7. Mai 1998 abgedr&auml;ngt wurde, w&auml;hrend das f&uuml;r den Wahlkampf so &bdquo;wichtige&quot; Bekenntnisthema Bundeswehrgel&ouml;bnis in Frankfurt/Oder das Bundestagsplenum am folgenden Morgen zu bester Medienzeit besch&auml;ftigte.</p>
<p>Auch als die serbischen &bdquo;Sicherheitskr&auml;fte&quot; den Kampf gegen die UCK zum Krieg gegen die kosovo-albanische Zivilbev&ouml;lkerung ausgeweitet hatten, blieben die beschlossenen Sanktionen der westlichen Staaten gegen&uuml;ber Jugoslawien halbherzig und deshalb unglaubw&uuml;rdig.</p>
<p><strong>Zuletzt schilderte UN-Generalsekret&auml;r Kofi Annan in seinem Bericht Anfang Oktober</strong> eindeutig die Lage der in die W&auml;lder geflohenen Zivilbev&ouml;lkerung. Da Hilfsorganisationen zu ihnen keinen ungehinderten Zugang h&auml;tten, drohe mit dem kommenden Winter f&uuml;r Zehntausende von Menschen eine humanit&auml;re Katastrophe. Die ma&szlig;geblichen westlichen M&auml;chte schlossen von vornherein eine gro&szlig;e von den UN gef&uuml;hrte internationale Polizeiaktion aus und fixierten sich einzig auf die Planung eines Milit&auml;reinsatzes der NATO. Dieser wurde damit angesichts des n&auml;her r&uuml;ckenden Winters und der bisherigen Starrheit des jugoslawischen Pr&auml;sidenten zur einzigen und alternativlosen Option, um die humanit&auml;re Katastrophe abzuwenden und den Forderungen der Resolution 1199 des UN-Sicherheitsrates zum Durchbruch zu verhelfen. Zugleich war aber die Option von NATO-Luftschl&auml;gen mit einem enormen Eskalationsrisiko behaftet. Niemand wusste, was geschehen w&auml;re, wenn die Luftangriffe nicht das gewollte politische Einlenken, sondern eine Verh&auml;rtung der serbischen Haltung gebracht und der UCK Auftrieb verschafft h&auml;tten. Die Androhung massiver milit&auml;rischer Gewalt war - wieder einmal - Resultat einer gescheiterten, weil vernachl&auml;ssigten Krisenpr&auml;vention und hochriskant. Dass sie nach Ank&uuml;ndigung der vollen deutschen Beteiligung offenbar gewirkt und den serbischen Pr&auml;sidenten im letzten Moment zum Einlenken gebracht hat, kann alle nur mit Erleichterung erf&uuml;llen.</p>
<p>Der von der OSZE zu kontrollierende Abzug der serbischen Sicherheitskr&auml;fte ist die Grundvoraussetzung, die drohende humanit&auml;re Katastrophe abzuwenden, die Menschenrechte im Kosovo wiederherzustellen und eine friedliche Konfliktl&ouml;sung anbahnen zu k&ouml;nnen. Nach aller ern&uuml;chternden Erfahrung ist aber weiterer Druck auf Milosevic unverzichtbar, um ihn verhandlungs- und kompromissbereit zu halten.</p>
<p>Zugleich k&ouml;nnen wir nicht hinnehmen, dass die Androhung der NATO-Luftangriffe ohne ein klares Mandat des UN-Sicherheitsrates erfolgte. Dies steht im Widerspruch zum V&ouml;lkerrecht und beeintr&auml;chtigt das Gewaltmonopol der UN. Die Selbstmandatierung der NATO schw&auml;cht massiv die Autorit&auml;t der UN und schafft f&uuml;r die k&uuml;nftige internationale Ordnung einen gef&auml;hrlichen Pr&auml;zedenzfall. Er leistet der Wiederauferstehung eines internationalen Rechts der St&auml;rkeren Vorschub. Der unmandatierte Milit&auml;reinsatz der NATO wird dadurch noch gef&auml;hrlicher, dass seine Hauptbetreiber ihn keineswegs als absoluten Ausnahmefall verstehen, sondern als einen bedeutenden Schritt bei dem Bestreben, die NATO bei der Verteidigung vitaler Interessen jenseits der B&uuml;ndnisverteidigung unabh&auml;ngiger von einer UN- Mandatierung zu machen. Wie anders sind &Auml;u&szlig;erungen des bisherigen Verteidigungsministers R&uuml;he und anderer CDU-Vertreter zu verstehen, ein UN- Mandat sei ein Ideal und &bdquo;K&ouml;nigsweg&quot; (also nicht der Alltag), und die NATO k&ouml;nne sich bei ihren Auf-</p>
<p>gaben der Krisenbew&auml;ltigung nicht von einem russischen Veto abh&auml;ngig machen? Der Widerspruch des unmandatierten Milit&auml;reinsatzes der NATO zum geltenden V&ouml;lkerrecht l&auml;sst sich nicht kleinreden und kaschieren. Auf der anderen Seite ist es &uuml;berzogen und verk&uuml;rzt, ihn als &bdquo;v&ouml;lkerrechts- und grundgesetzwidrigen Angriffskrieg&quot; zu bezeichnen und damit auf eine Stufe zu stellen zum Beispiel mit dem deutschen &Uuml;berfall auf Polen. Dass das Prim&auml;rziel der NATO-Drohung eindeutig humanit&auml;r ist, dass es um die Durchsetzung der Sicherheitsratsresolution 1199 als Voraussetzung eines Friedensprozesses im Kosovo geht, kann nicht einfach beiseite gewischt werden.</p>
<p>Wir stehen heute in dem Dilemma zwischen aktueller humanit&auml;rer Herausforderung und der f&uuml;r den Weltfrieden elementaren Verpflichtung auf das V&ouml;lkerrecht. Dieser Konflikt ist nicht l&ouml;sbar. Deshalb stimmen wir mit Enthaltung. (&hellip;)</p></div>


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