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Bericht von Winfried Nachtwei
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Pakistan im April - Visite am Abgrund (Teil 2)

Veröffentlicht von: Webmaster am 10. Mai 2009 08:40:48 +01:00 (29881 Aufrufe)

Teil 2 des Berichts:

Pakistan im April - Visite am Abgrund (Teil 2)

Winfried Nachtwei, MdB, Mai 2009

 

Materialien zur Sicherheitslage Pakistans

(Auszug aus "Materialien zur aktuellen Sicherheitslage Afghanistans"

von W. Nachtwei, lfd. aktualisiert seit Sommer 2007)

(Zusammengestellt vor allem mit Hilfe der website www.longwarjournal.com, die sich vor allem auf die  pakistanischen Tageszeitungen Dawn, Daily News, The News, auf BBS South Asia u.a. stützt. Vgl. auch  „Islamist Militancy in the Pakistan-Afghanistan Border Region and US Policy" von K. Alan Kronstadt + Kenneth Katzman, Congressional Research Service CRS Report for Congress Nov. 2008)

Bill Roggio: "Taliban rampage in Pakistan`s Swat district" (LWJ 27.6.2008): Der Distrikt Swat nordwestlich Islamabad war einmal eine sehr populäre Touristenregion für Skifahrer, Bergsteiger und Angler. Der Aufstieg der Taliban unter Mullah Fazlullah brachte den Tourismus zum Erliegen. Im Mai 2007 hatte die PAK Regierung mit Fazlullah ein Friedensabkommen unterzeichnet. Darin wurde Fazlullah verpflichtet, eine Polio-Impfkampagne, Ausbildung für Mädchen und Bemühungen der Regierung um Recht und Ordnung zu unterstützen. Er stimmte auch zu, Ausbildungsstätten für Terroristen zu schließen, Waffenproduktion zu stoppen und die Distriktadministration bei Operationen gegen regierungsfeindliche Kräfte zu unterstützen. Im Gegenzug wurden Anklagen gegen ihn fallen gelassen und sein bisher illegaler Radiosender zugelassen. Nach dem Abkommen überrannten Fazlullah`s Kämpfer Swat und den Nachbardistrikt Shangla und führten die Sharia ein. Eine Gegenoperation von Regierungskräften scheiterte unter erheblichen Verlusten. Die Swat Region gilt  als safe haven für PAK Taliban. Seit 19. Juni töteten Taliban mehrere Prominente der Pakistan People Party, attackierten Polizeiposten und brannten 11 Mädchenschulen nieder.

Auf der Karte der Nordwestgrenzprovinzen und der Tribal Areas sind 7 Distrikte (ca. ein Drittel der Fläche) rot eingefärbt: Sie gelten als Taliban-kontrolliert. (www.longwarjournal.org/maps/pakistan-fata-10.gif)

Lt. FAZ vom 26.6.2008 ist die 3-Millionenstadt Peshawar, Hauptstadt der Nordwestgrenzprovinz  (NWFP), von Islamisten umzingelt. Polizisten sollen inzwischen Patrouillen bei Nacht aufgegeben haben.  Hiermit wird zugleich ein zentraler Nachschubweg für die NATO-Truppen in AFG gefährdet. In der an Peshawar angrenzenden „Khyber Agency", durch die der wichtigste Pass nach AFG verläuft, haben die Islamisten ihre Präsenz erhöht.

Bill Roggio in LWJ 11.7.: Lt. US-Geheimdienst sollen sich in Pakistan mehr als 100 Terrorcamps befinden, zur Ausbildung des militärischen Arms der Taliban, zum Training von Selbstmordattentätern in Afghanistan und Pakistan, für Terrorgruppen in Kashmir, einige Für Al-Qaida-Attacken im Westen, schließlich für die Leibwache von Osama bin Laden. Im Sommer 2007 waren allein in Nord und Süd Waziristan 29 solche Lager bekannt.

Im LWJ vom 13.8. schreibt Bill Roggio von 157 Taliban und Al Qaida Camps und mehr als 400 support locations in der Northwest Frontier Province. Die Camps variieren in Größe und Zweckbestimmung. Schätzungsweise 25-50 seien permanent an einer Stelle, mit Gebäuden. Einige dienen dem Training des bewaffneten Arms der Taliban, einige dem Training von Selbstmordattentätern, einige der Ausbildung verschiedener Kaschmir Terrorgruppen, einige für Al Qaida Operationen gegen den Westen, eins für die Black Guard, die Elite Bodyguard von Osama Bin Laden.

Bei einem US-Drohnen-Angriff gegen ein Trainingscamp in South Waziristan wurden 10 Taliban Kämpfer getötet, darunter der Kommandeur Abdul Rehman, 3 Turkmenen und einige arabische Kämpfer. Es war die 6. bestätigte cross border Attacke gegen safe houses von Taliban + Al Qaida in diesem Jahr am 28.7., 14.5., 16. + 12.3., Ende Januar. Diese Schläge konnten ein weiteres Wachstum von Al Qaida und Tailban in Nordwest Pakistan nicht verhindern.

Lt. Bill Roggio in LWJ 12.9.08 führten die USA seit 31.8. 8 Luftangriffe und Vorstöße nach Nord + Süd-Waziristan, vier davon gegen das Haqqani-Netzwerk.: Am 12.9. gegen den Compound einer von Hekmatyar unterstützten Kaschmir Terrorgruppe in N-Waz. (Predator, 12 Militante getötet); am 8.9. einige Raketen auf die bekannte Manba Ulom Madrassa (gegründet von Jalaluddin Haqqani, in den 89er Jahren Trainingszentrum für Muhahedin gegen die Sowjets.

Lt. VOA vom 23.9.  wurden 60 Militante von der PAK Armee in der NWFP getötet.  Lt. UN sollen 200.000 Menschen auf der Flucht vor Kämpfen und Überschwemmungen sein.

Am 20.9.  Selbstmordanschlag mit 1.000 kg Sprengstoff auf einem Kleinlaster gegen das Marriot-Hotel im Regierungsviertel von Islamabad: 53 Tote, mehr als 260 Verletzte. Das Hotel brannte aus. Der Anschlag zielte auf die Staatsspitze: Ein geplantes Abendessen von neuem Staatspräsidenten, Premierminister und gesamter Führungsspitze einschließlich hoher Militärs wurde kurzfristig in die Residenz des Ministers verlegt.

Lt. VOA vom 24.9. rief der AFG Verteidigungsminister Wardak in Washington seine PAK Partner auf, eine gemeinsame Streitkraft  zur Bekämpfung des Terrorismus in der Grenzregion zu bilden.

Lt. VOA vom 25.9. meldeten NATO-Offizielle in Kabul, PAK Truppen hätten auf einen NATO Helicopter geschossen, der über AFG Gebiet (Tanai Distrikt/Khost) geflogen sei. Ein PAK Sprecher behauptete demgegenüber, zwei NATO Helicopter hätten einen PAK Sicherheitsposten überflogen.

Lt. AFP vom 26.9. hätten PAK Streitkräfte in einer Operation über einen Monat in der Bajaur Agency in der FATA an der PAK-AFG Grenze (anschließend an die AFG Provinz Kunar) über 1.000 Militante getötet. 27 PAK Soldaten seien bei den Kämpfen umgekommen.

Lt. LWJ vom 10.10. bei einer Suizid-Attacke auf eine Versammlung von Ali Zai Stammesführern in der Orakzai Tribal Agency/NW-PAK wurden 55 Menschen getötet und > 100 verletzt. Die mehr als 500 Versammelten diskutierten die Aufstellung einer Stammesmiliz, um die Region gegenüber den Taliban abzusichern.  Im benachbarten Kohat in Darra Adamkhel waren bei einer Suizid-Attacke auf ein Stammesführertreffen („tribal peace jirga") am 2. März  42 Menschen getötet und 58  verletzt worden. (An der Jirga hatten insgesamt über 1.000 Stammesangehörige teilgenommen; www.dawn.com ) Dort hatten die Stämme seit Januar 2008 versucht sich gegen die Taliban zu organisieren.  Danach hatten die Taliban die Kontrolle über den Indus Highway und den Kohat Tunnel gewonnen.  Bisher gibt es Stammesmilizen in Peshawar, Swat, Dir, Buner, Bajaur, Khyber und Arakzai.  Der Regierung gewann bisher nur die Unterstützung kleiner, zersplitterter Stämme, nicht die von größeren Stämmen.  Die Taliban erhalten Unterstützung vom Zusammenschluss der größeren Stämme.

Mit der Bewegung der Taliban in PAK (Tehrik-e-Taliban/TTB) können militärische, politische und Propaganda-Maßnahmen koordiniert werden.  Führer der TTP ist seit einem Jahr der 35-jährige Baitullah Mehsud. Er gilt bei vielfach als der gefährlichste Terrorist und Jihadist der Gegenwart. Ihm wird ein Großteil der Selbstmordattacken in PAK zugeschrieben. (SZ 18.10.2008)

In Le Monde diplomatique Okt. 2008 schildert Syed Saeem Shazad („Vom Aufstand zum Krieg") Entstehung + Strategie der neuen Taliban-Gruppen.In den 90er Jahren vom PAK Geheimdienst ISI  ausgebildete pakistanische Kaschmir-Kämpfer wurden seit 2003 von den PAK Machthabern bekämpft und zogen sich in die Grenzgebiete zu AFG zurück. Seit Ende 2006 bildete sich eine neue Allianz aus islamistischen Kämpfern aus Zentralasien + arabischen Ländern mit der TTP heraus. Die militärische Strategie der Allianz bezieht sich auf die Gesamtregion und zielt auf die Destabilisierung AFG`s, PAK`s und am Ende auch Indiens.  Ihre Kämpfer glauben an die bevorstehende „Schlacht am Ende der Zeiten". Der Kampf um AFG gilt als „Vorstufe zur Befreiung Palästinas".  Damit  werde ein begrenzter Aufstand zu einem umfassenden Krieg transformiert.

Seit Mitte 2007  verfügten die aus Kaschmir zugewanderten Jihadisten an der AFG-PAK Grenze über ein stabiles Netz an Stützpunkten, wie widerum islamistische Kämpfer aus Mittelasien + islamistische Ideologien aus arabischen Ländern anzogen.  Vor diesem Hintergrund  übernahm bei den Kämpfen in AFG die neue Führungsriege der „Neo-Taliban" das Kommando.  Diese ultraradikalen + sehr gut ausgebildeten „Taliban neuen Typs" breiteten sich in 2006/7 über die gesamten PAK Stammesgebiete aus.  Im Mohmand Distrikt soll es Ende 2007 18.000, im Nachbardistrikt Bajaur 25.000 Taliban gegeben haben.  Auf ihr Konto gehen die Anschläge auf das Serena-Hotel am 14. Januar in Kabul (nach Kaschmirmethode), auf die AFG Führung im April 2008 und die Gefangenenbefreiung von Kandahar.

Angriffsschwerpunkte der Neo-Taliban sind aber die Nachschubwege der NATO.  Durch die den Distrikt Khyber Agency + die Provinz Nangarhar läuft 80% des NATO-Nachschubs (vom Hafen Karatschi aus). Seit Februar 2008 werden die NATO-Konvois systematisch attackiert, gerade auch in PAK. Im August überfielen 35 Talibankämpfer am Stadtrand von Karatschi einen Konvoi mit Waffen für AFG. Im selben Monat sollen mehrere Militärstützpunkte im Süden völlig unterversorgt gewesen sein. Truppenbewegungen und Offensiven seien deshalb eingestellt worden.

Lt. LWJ v. 12.10. zwei Artillerieschläge nach Nord-Waziristan/PAK, nachdem von dort ein US-Außenposten in AFG im Distrikt Barmal/Paktika mit Mörsern angegriffen worden waren. Die Schläge seien mit dem PAK Militär koordiniert worden.

Lt. LWJ v. 16.10. Predator-Attacke mit zwei Raketen gegen ein safe house in der Ladha Region, 6 Personen getötet, 5 verletzt.  Am 12.10. wurden 4 prominente Taliban-Gegner nach einem Treffen von Stammesvertretern in NWFP enthauptet aufgefunden.

Am  23.10. berichtet Mustafa Qadri auf Reuters AlertNet über „The Taliban`s war on woman`s education" (www.alertnet.org): Seit Militante um den Pro-Taliban Mullah Maulana Fazlullah im Oktober 2007 in Swat ihre eigene Verwaltung errichteten, wurden über 100 Mädchenschulen zerstört. Noch letzte Woche wurde eine Mädchenschule im Mingora Distrikt gesprengt. Im Juli brachte TTB in Teilen des Punjab Warnungen heraus, wo Frauen, die sich nicht  sittsam kleiden, mit Säureattentaten ins Gesicht gedroht wurde.

Ein Talibansprecher in Swat bestritt eine Verantwortung für die Schulzerstörungen. Das seien auswärtige Elemente, die die politische Bewegung diskreditieren wollten.

Lt. FAZ v. 24.10. bei einer Drohnen-Attacke auf eine Koranschule im Gebiet von Dandy Darpakhel (Haqqani) 8 Personen getötet, bei einer PAK Offensive in der Region Bajau 23 Militante.

Angriffe auf Stammestreffen: Lt. LWJ v. 26.10.  griffen Taliban in der Matta Region/Swat (NWFP) erneut ein Stammestreffen an, töteten 7 Stammesmitglieder und nahmen 60 als Geiseln. Der Stammesführer behauptete, eine Stammesmiliz von mehr als 10.000 Stammesmitgliedern organisiert zu haben. Problem dieser Anti-Taliban-Stämme ist lt. LWJ ihre relative Isolation. Diese Stämme seien wie Inseln in einem Meer von Taliban, die den Stämmen im Verhältnis 20:1 und durch ihre überregionale Koordination überlegen seien.  Bisher wurden Hunderte Stammesführer ermordet und manchmal enthauptet.  In der. taz v. 28.10. stellt sich der Konflikt so dar: Am 25./26.10. hatten sich in der Stadt Gwalerai über 4.000 Stammesangehörige zu einer Versammlung getroffen. Sie beschlossen, alle Mädchenschulen in der Region wiederzueröffnen und eine Stammesmiliz aufzustellen. Die TTP  wurde ultimativ zum Verlassen des Gebietes aufgefordert.  Als das Ultimatum am 26.10. ablief nahmen Kämpfer von Maulana Fazlullah 80 Stammesälteste gefangen. Die Stammesmiliz befreite die meisten Geiseln und tötete ein Dutzend Militante. Daraufhin wurden die letzten 12 Geiseln erschossen.

Am 6.11. Suizid-Attacke auf ein Stammestreffen des Salarzai Stammes im Bajaur Distrikt, 22 Stammesangehörige, darunter der Führer der Stammesmiliz getötet, 45 verwundet. (Das PAK Militär führt seit August im Bajaur Distrikt Anti-Taliban-Operationen. Dabei sollen lt. Führung des paramilitärischen Frontier Corps mehr 1.500 Taliban und ausländische Kämpfer getötet und 950 Militante gefangen genommen worden sein, darunter mehr als 300 Uzbeken, Tadschiken, Afghanen und Hazara. (LWJ 6.11.)

Am 7.11. 4 Raketen von Predator gegen ein Camp in Kunsham, Nord Waziristan, 14 Tote, darunter angeblich 7 Al Qaida Kämpfer.  Am 14.11. Raketenangriff mit drei Predator auf einen Compound in Garyom in Nord-Waziristan, 12 Tote, darunter 5 „Ausländer". (Dies sind die beiden ersten US-Drohnenangriffe nach Pakistan seit der Kommandoübergabe bei CENTCOM an General Petraeus und 29. Cross-Border-Attacke in diesem Jahr, davon 22 seit 31. August - gegenüber 10 in 2006/7. LWJ 14.11.)

Am 10.11. Überfall von ca. 60 maskierten Bewaffneten der PAK Taliban auf einen Nachschubkonvoi für die NATO in AFG in der Khyber Tribal Agency und Entführung von 13 Containern samt Fahrern und zwei HUMVEE der US-Army. (Schätzungsweise 70% des NATO-Nachschubs geht über diese Strecke, der Rest über Chaman/Balutschistan oder auf dem Luftweg.  Der größte Angriff geschah im März, als hier 30 Tankzüge bombardiert wurden.) Der am 11.11. geschlossene Grenzübergang Torkham  wurde am 17.11. wieder geöffnet

Am 27.11. in Bermel/Paktika nach Raketenattacken von PAK Gebiet 22 Artilleriesalven von ISAF auf die Raketenstellungen, koordiniert mit dem PAK Militär.

Am 5.12. Predator-Angriff mit zwei Hellfire gegen ein Tailban safe house bei Mir Ali/Nord Waziristan, 4 Tote und viele Verwundete. (33. Cross-Border-Attacke in 2008, LWJ 5.12.)

Am selben Tag zwei Bombenanschläge auf Shiiten-Versammlungen: ein Suizid-Attentäter mit Fahrzeug versuchte in der Arakzai Tribal Agency zu einem Treffen shiitischer Stammesältester vorzudringen, wurde aber an einem Polizei-Checkpoint gestoppt und sprengte sich dort, 7 Menschen getötet.  Eine Autobombe wurde vor einer von Shiiten genutzen Versammlungshalle in Peshawar zur Explosion gebracht, dabei wurden 21 Menschen getötet, darunter 3 Kinder und 4 Frauen. (LWJ 5.12.)

Die PAK Regierung habe die Kontrolle über den besiedelten Swat Distrikt verloren, so der Vizepräsident der Awami National Party, der Regierungspartei in der NWFP. Die Kämpfe im Swat-Tal, der außerhalb der Stammesgebiete liegenden früheren Ferienparadies („Schweiz PAK`s") hatten vor mehr als einem Jahr begonnen.  (s.o.) Während einer Parlamentsanhörung im Oktober gestand das PAK Militär ein, dass Swat, der Nachbardistrikt Shangla und andere Distrikte außerhalb der Stammesgebiete unter Kontrolle der Taliban seien.  (LWJ 6.12.)

Am 15.12. Predator-Angriff mit Hellfire gegen ein „Taliban safe house" nahe Miramshah in Nord-Waziristan.

Am 16.12.  in der Matta-Region/Swat der religiöse und Stammesführer Pir Samiullah und 8 Gefolgsleute bei Taliban-Angriff getötet, zwei später öffentlich enthauptet, ca. 40 gefangen genommen. Später wurde der begrabene Samiullah von Taliban ausgegraben und öffentlich aufgehenkt. Samiullah war der erste Stammesführer, der eine Stammesmiliz gegen die Taliban aufgestellt hatte. (LWJ 17.12., vgl Überfall Ende Oktober)

Am 22.12. Predator-Angriff mit Hellfire auf safe houses in zwei Dörfern in Süd-Waziristan, acht Tote. (36. cross-border-Attacke in 2008)

Angriffsserie auf NATO-Nachschub in Peshawar: Am 30.11. Raketenattacke auf einen Truck Terminal in Peshawar, ein Fahrer getötet, ein anderer verwundet, 3 Container zerstört.

Am 1.12. Überfall von ca. 25 Taliban auf einen Container Terminal in Peshawar an der Ring Road: 2 Fahrer getötet,  21 Fahrzeuge zerstört, darunter 18 Lkw`s, 2 Kräne und ein Mannschaftstransporter. (Daily Times 2.12.)

Am 2.12. IED unter einer Brücke gegen NATO-Konvoi, 3 Verwundete. (LWJ 2.12.) Noch drei Wochen zuvor hatte das PAK Militär eine Operation gestartet, um die Taliban aus dem Distrikt Peshawar zu drängen. Das Frontier Corps sprach anschließend von einem Erfolg.

Am 7.12. zwei Angriffe: Ca. 200-300 Kämpfer feuerten Raketen gegen das Eingangstor des Portward Logistic Terminal, schlugen 9 Wachmänner in die Flucht und feuerten dann mit Panzerfäusten so lange in den Compound, bis die Polizei nach mehr als 40 Minuten reagierte. Ein Wachmann wurde getötet, 106 NATO-Fahrzeuge, darunter 70 Humvees, geschützte Jeeps, Lkw`s, Feuerwehrfahrzeuge sowie 6 Container wurden zerstört. Bei einer zweiten Attacke stürmte eine große Talibanstreitmacht den Al Faisal Terminal, 3 Pakistani wurden getötet, 62 Humvees und andere Fahrzeuge zerstört.  Ein US-Militärsprecher nannte die Wirkung der Attacken „militärisch unbedeutend".  (LWJ 7.12.)

Am 8.12. in den frühen Morgenstunden Taliban-Angriff auf den Bilal Terminal an der Ring Road von Peshawar: mehr als 50 Fahrzeuge mit Versorgungsgütern für die NATO zerstört. Außerdem wurde ein NATO-Konvoi mit Panzerfäusten in der Region beschossen, keine Schäden. (LWJ 8.12.)

Am 12./13.12. 3 Attacken innerhalb von 24 Stunden in Peshawar: Am 12.12. 14 NATO-Trucks und etliche Container zerstört am Bilal und World Logistic Terminal, am 13.12. noch mal 11 NATO-Trucks und 13 Container am Bilal Terminal.  (LWJ 13.12.)

Inzwischen erklärten der Karatschi-Güterfrachtverband und der Khaiber-Spediteursverband, aus Sicherheitsgründen keine Transporte mehr für NATO und US-Militär zu übernehmen. (taz 18.12.) Die fast 4.000 Lkw-Fahrer des Khyber-Verbandes wollen erst wieder fahren, wenn die USA ihre Drohnenattacken einstellen. Der Streik soll zugleich darauf abzielen, die Preise in die Höhe zu treiben. Hinter den Anschlägen auf die Nachschubdepots soll der 26-jährige Taliban-Kommandeur Hakimullah Masud stecken. (Spiegel online 21.12.)

2009

Am 19. Januar 2009 erneute Schließung des Khyber Pass für NATO-Nachschub durch die PAK Behörden nach Feuerüberfall auf einen Militärstützpunkt an Khyber. (5. Schließung seit September 2008)

Am 3.2. Zerstörung einer Brücke auf der Nachschubroute der NATO in der Jamrud Region am Kyber Pass. Die Region war seit einigen Monaten ein Taliban Hot Spot. Am 30. schloss das Militär den Kyber Pass und begann mit einer Säuberungsaktion. Der Operation endete nach weniger als einer Woche und wurde als Erfolg bezeichnet.

Lt. LWJ v. 16.2. Predator-Attacke mit Hellfire gegen ein Ausbildungslager in der Sarpal Region der Kurram Tribal Agency, mehr als 30 Tote.  Am 14.2. waren bei einem Luftschlag in Malik Khel in Süd-Waziristan 25 Uzbeken, Al Qaida und Taliban Kämpfer umgekommen.

Swat-„Friedensabkommen" (Malakand Accord) zur Einführung der Sharia: Am 16. Februar 2009 Unterzeichnung eines Vertrages zwischen der Regierung der Nordwest-Grenzprovinz und dem Geistlichen Maulana Sufi Mohammed, dem Schwiegervater von Maulana Fazlullah, in Peshawar.  Demnach darf in der Region Malakand mit dem Swat-Tal und den Distrikten Malakand, Shangla, Buner, Dir, Chitral und Kohistan (ein Drittel der NWFP!)  die Sharia eingeführt werden. Im Gegenzug sollen die Taliban die Waffen niederlegen.

In 18 Monaten Terror und blutigen Zusammenstößen waren Hundete Menschen um`s Leben gekommen und ca. ein Drittel der 1,5 Mio. Tal-Bewohner auf der Flucht.

Noch im vorigen Jahr wurden die Islamisten im Swat-Tal abgewählt und stimmte eine große Mehrheit für die säkulare Awami National Party.

Jetzt wird, so der verbreitete Vorwurf, ein Terrorregime legalisiert. Über den Taliban-Sender FM 91 werden angebliche „Verräter" namentlich verkündet, „wer ausgelassen tanzte, sich den Bart rasieren ließ, die Ehe brach oder Sympathien für die Regierenden in Islamabad zeigte", „wer (...) vor dem Scharia-Gericht zu erscheinen hat - und wer bereits verurteilt ist. Die Leichen dieser Unglücklichen finden die Menschen am Morgen auf dem Marktplatz von Mingora, an den Beinen aufgehängt, die Köpfe abgeschnitten und auf die Fußsohlen gelegt, als letzte Schmach für die Toten. (...) Inzwischen dürfen Frauen bei Todesstrafe keine Märkte mehr besuchen und Mädchen nicht mehr in die Schule gehen. Polizisten werden die Ohren abgeschnitten, wenn sie den Befehlen Islamabads folgen." (Susanne Koelbl in Spiegel 9/2009, S. 105)

In der Region, im Rest des Landes und international stieß das Abkommen auf heftige Kritik. Bisher haben die PAK Taliban nur eine zehntägige Waffenruhe verkündet.

Am 20.2. Suizidanschlag auf eine Trauerprozession von Schiiten in Dera Ismail Khan in NWFP mindestens 31 Tote und mehr als 85 Verletzte.

Neue Waziristan Taliban Allianz: Lt. LWJ v. 23.2. gründeten  die höchsten Taliban-Führer von Nord- und Süd-Waziristan, Hafiz Gul Bahadar, Mullah Nazir und Baitullah Mehsud, den „Council of United Mujahideen". Die Allianz will ausdrücklich Mullah Muhammad Omar und Osama bin Laden`s Kampf gegen US-Präsident Obama, PAK Präsident Zardari und AFG-Präsident Karzai unterstützen. Damit sei die Behauptung, Bahadar und Nazir seien Pro-Regierungs-Talibab, erledigt. Die Bildung der Allianz trage zur Konsolidierung des expandierenden Netzwerks von Taliban, Al Qaida und zentralasiatischen Terrorgruppen, das auf beiden Seiten der AFG-PAK Grenze operiere.

Pakistanisches Militär meldet „Sieg über Taliban in den Regionen Bajur und Mohmand": Das behauptete der Kommandeur der in den  Regionen eingesetzten pakistanischen Streitkräfte, die dort im August 2008 eine Offensive begann. Bei den Kämpfen sollen mehr als 1.500 Menschen umgekommen sein, darunter 97 Soldaten.  (Focus 1.3.2009, LWJ 1.3.)

Am 3.3. Angriff von 12 Kämpfern auf das Cricket-Team von Sri Lanka in Lahore, wobei 5 Polizisten und zwei Zivilisten getötet rund Dutzende verwundet wurden. Die Täter konnten entkommen.

Bei einem Predator-Angriff mit zwei Hellfire auf einen  angeblichen Taliban Compound in der Region Sararogha (Süd-Waziristan), einem Stützpunkt von Baitullah Mehsud, wurden 8 Menschen getötet, darunter auch Uzbeken und Araber. (LWJ 1.3.)

Am 15.3. Predator mit Hellfire gegen einen angeblichen Al Qaida und Taliban Compound im Distrikt Bannu/NWFP, 4 Tote.

Am 25.3. Predator gegen einen Taliban Konvoi in Makeen/Süd-Waziristan mit 8 Toten.; am 26.3. gegen einen Compound in der Sokhel Region/Nord-Waziristan mit 5 Toten.

Zwei Angriffe auf NATO Trucking Terminals in Peshawar: Am 15.3. mehr als 40 Kämpfer mit Benzinbomben und Panzerfäusten gegen den Pak-Afghan Container Terminal, Zerstörung von mehr als 20 Trucks. Am 16.3. 50-60 Kämpfer gegen den Al Faisal Terminal, Zerstörung von mehr als 30 Fahrzeugen, darunter geschützte Humvees.

Am 27.3. Granatenangriff auf eine Brücke zwischen Peshawar und dem Grenzübergang Torkham, der zur 7. Schließung der NATO-Nachschublinie seit September 2008 führte. Am selben Tag morgens Angriff auf den Farhad Terminal an der Peshawar Ring Road, wobei 12 Trucks in Brand gesetzt wurden.  Zwei Tage vor dem Angriff hatten die pakistanischen Behörden die Betreiber der 16 Terminals aufgefordert, zur Vermeidung von  Überfällen keine NATO-Trucks über Nacht zu beherbergen.

Lt. LWR v. 26.3. Suizid-Attacken auf eine Moschee am 2. März im Distrikt Pishin/Belutschistan mit 6 Ziviltoten, am 12. März vor einem Fort in der Khyber Tribal Agency mit drei Toten und am 16. März bei einem Markt in Rawalpindi 14 Ziviltote. (Im Februar gab es 5 Suizidangriffe, im Januar drei.)

Lt. LWJ v. 26.3. Suizid-Attacke auf ein Stammestreffen in einem Hotel der Jandola Grenzregion, 11 Stammesangehörige getötet, 25 verwundet.  Die Stämme stehen in Oppostion zu den Taliban.

Am 27.3. Suizid-Angriff in einer voll besetzten Moschee in Bagiari/Distrikt Jamrud in der Khyber Agency, mehr als 70 Tote, 125 verwundet.  (LWR 28.3.)

Lt. LWR v. 29.3. Entführung von 12 Polizisten des Shin Qamar Checkpoint in der Khyber Agency durch Taliban.

Am 30.3. führte ein Dutzend Militante  einen koordinierten Angriff auf die Manawan Police Training School in Lahore durch. Der Angriff der z.T. uniformierten Terroristen begann beim Morgenappell von 850 Polizeischülern. Bei dem achtstündigen Kampf wurden nach unterschiedlichen Quellen zwischen 13 bis 30  Polizisten getötet und fast 100 weitere verletzt. Zwei Terroristen wurden getötet, zwei sprengten sich in die Luft, sechs konnten lebend gefasst werden.  Lahore, Hauptstadt der Provinz Punjab, liegt 12 km von der Grenze zu Indien entfernt  und galt bis vor kurzem als eine der letzten Inseln der Normalität in Pakistan - bis zum Überfall auf die srilankische Cricket-Mannschaft am 3. März.

Lt. LWR v. 1.4. am selben Tag erstmalig Predator-Attacke in der Orakzai Agency/Khadzai/Arakzai gegen einen Compound des hohen Taliban Kommandeurs Hakeemullah Mehsud. Dabei sollen 12 Taliban getötet worden sein. Hakeemullah soll Operationen gegen die NATO-Nachschubwege in Pakistan geführt haben, wobei mehr als 500 NATO Fahrzeuge und Container zerstört worden seien. (Vgl. auch den Kommentar in der Daily News, v. 3.4.wonach die örtliche Bevölkerung den Drohnen-Angriff nicht ablehne.)

Am 2./3.4. Taliban Attacke auf den Port World Logistic Terminal an der Peshawar Ringroad, 9 Fahrzeuge zerstört.

Am 4.4. lt. LWR Predator-Angriff auf den compound des Taliban Führers Tariq Khan in Data Khel/Miramshah in Nord-Waziristan., 13 Tote

Am 4.4. Suizid-Angriffe  auf Sicherheitskräfte: Camp der Frontier Constabulary im F-7/3 Distrikt in Islamabad in Nähe des UN compound, 8 Tote, 5 Verletzte.  (Zur selben Zeit befinde ich mich mit der Delegation von Ministerin Wieczorek-Zeul wenige Kilometer entfernt in der Deutschen Botschaft.) Drei Tage zuvor hatte der pakistanische Geheimdienst die Warnung herausgegeben, dass 14 Selbstmordattentäter nach Islamabad und Lahore eingedrungen seien.

Am selben Tag einige Stunden eher Suizid-Attacke an einem Checkpoint des Frontier Corps in Miramshah/Nord-Waziristan, 5 Zivilpersonen, zwei Schulkinder und ein Soldat getötet, 39 verletzt.

Lt. LWR v. 5.4. durch Suizid-Attentäter an einer schiitischen Moschee im Distrikt Chakwal/Punjab mehr als 24 Gläubige getötet und mehr als 100 verletzt. Der 16-17-jährige Attentäter zündete den Sprengstoff am Eingang der Moschee. Dies war der 14. größere Anschlag auf eine Moschee bzw. ein religiöses Ereignis in Pakistan seit Dezember 2007.

Lt. DAWN v. 6.4. am selben Tag drei Helferinnen und ein Fahrer des von USAID unterstützten Project Rise International in Mansehra`s  Kund Bangla Gebiet getötet, vermutlich vom Ex-Ehemann einer der getöteten Frauen.

Die Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) in der Bajaur Agency erklärten am 6.4. eine Amnestie für alle Anti-Taliban-Elders. Zugleich riefen sie intern Vertriebene (IDP`s) in Flüchtlingslagern auf, in die Stammesgebiete zurückzukehren. (Daily Times 7.4.)

Das PAK Innenministerium will eine Anti-Terror-Force von 100.000 Mann aufstellen, je 20.000 für jede Provinz. (DAWN 7.4.)

Lt. LWR v. 9.4. kündigte Sufi Mohammed, Führer der Pro-Taliban TNSM und Schwiegersohn von Mullah Fazlullah das von ihm vermittelte Swat-Friedensabkommen („Malakand Akkord") auf, weil die Zentralregierung keine gesetzgeberischen Schritte zur Einführung der Sharia getan habe.  Am 13.4. unterzeichnete Präsident Asif Ali Zardari die zuvor vom Parlament gebilligte „Nizam-e-Adl Regulation", die die Einrichtung von Sharia-Gerichts-höfen erlaubt. Das Abkommen beinhaltet auch den Rückzug der Armee aus Swat, die Freilassung aller gefangenen Taliban und die Einstellung aller Strafverfahren gegen Taliban Führer und Kämpfer. Im Vorfeld der Parlamentsabstimmung hatte ein TNSM-Sprecher damit gedroht, alle Parlamentsmitglieder zu Nicht-Muslimen  zu erklären, die gegen das Gesetz stimmen würden. (LWJ 13.4.)

Lt. Wallstreet Journal soll seit dem Abkommen die Zahl der Taliban Kämpfer in Swat dramatisch von geschätzten 2.000 bis 4.000 auf 6.000 bis 8.000 angestiegen sein. Zugleich konnten die Taliban ihre Rekrutierungs- und Steuerbasis mit dem Abkommen verdoppeln. Die Malakand Division umfasst lt. Zensus von 1998 4,3 Mio. Einwohner. Hinzu kommen die FATA mit ca. 6,5 Mio.

Die größte bewaffnete Gruppe  in Swat soll die Tora Bora Gruppe unter dem Al Qaida Kommandanten Ibn Amin mit mehr als 1.000 Kämpfern sein. Amin führt das Swat-Kontingent der  „Shadow Army" (Lashkar al Zil), die paramilitärische Elitetruppe von Al Qaida. Die Shadow Army soll 8.000 bis 12.000 Kämpfer aus den verschiedenen bewaffneten Gruppen umfassen, die vor allem auf Zug- und Kompanieebene kämpfen und auch als embedded Trainers bei Taliban in AFG und PAK fungieren.  Ihr neuer Kommandeur ist der Libyer Abdullah Sa'id, Nachfolger des durch einen Predator-Luftangriff im Oktober 2008 getöteten Khalid Habib. In LWJ veröffentlicht am 13.4. eine Zusammenfassung seiner umfassenden Stellungnahme zur AFG-Strategie  von Al Qaida und Taliban. Dabei nennt Sa'id sich Führer der „Qaidat al-Jihad fi Khorasan".  Khorasan umfasst große Gebiete von AFG, PAK, Usbekistan, Tadschikistan und Iran.  Bei Jihadisten gilt Khorasan als der Platz, wo sie ihren Feinden die erste Niederlage zufügen werden - in der Muslimversion von Armagedon. Die letzte Schlacht soll in der Levante - Israel, Syrien und Libanon.

Lt. LWJ v. 15.4. Suizid-Angriff auf einen Polizei-Checkpoint im Charsadda Distrikt in der NWFP, 10 Polizisten und 6 Zivilpersonen getötet. Lt. LWJ-Zählung war dies die 56. größere Attacke auf PAK Sicherheitskräfte seit dem Kampf um die „Rote Moschee" im Juli 2007.

Taliban Übernahme des Distrikt  Buner (NWFP) südlich Swat, 60 Meilen von Islamabad, am 8.4.: Taliban bewegen sich frei, patrouillieren auf Hauptstraßen und kontrollieren auch die Heimstätten der Stammesführer, die Stammesmilizen aufgestellt hatten. Die Sicherheitskräfte bleiben in ihren Posten und haben Anordnung, nicht gegen die Taliban zukämpfen. Taliban Kämpfer beginnen  damit, ihr radikales Sharia-Verständnis in die Tat umzusetzen: Fernseher, Bilder, Audio- und Videokassetten werden in Brand gesetzt. (Im letzten Herbst hatten PAK Militär und Regierung Stammesführer dazu ermuntert, Stammesmilizen (Lashkars) gegen die Taliban aufzustellen. In Swat stand Pir Samiullah und sein Stamm für PAK`s „Erwachen". Mit seiner Exekution und öffentlichen Zuschaustellung brach der Stammeswiderstand in Swat zusammen.  (LWJ 10.4.)

Überfall auf zwei Terminals bei Peshawar am 12.4.: ein Toter, 10 zerstörte Lkw`s.

Am 15.4. Freilassung von Maulana Abdullah Aziz, dem früheren Führer der Roten Moschee in Islamabad, durch Beschluss des PAK Supreme Court.  Bei den Kämpfen um die Rote Moschee - ca. ein Kilometer entfernt von Parlament und Präsidentenpalast - waren im Sommer 2007  11 Sicherheitsleute und mehr als 100 Studenten um`s Leben gekommen. Von Hunderten Verhafteten kam Aziz jetzt als letzter frei. (LWJ 16.4.) Am 17.4. rief er an der Roten Moschee vor Tausenden Anhängern zum Jihad und zur landesweiten Umsetzung der Sharia auf.

Taliban Vormarsch auf Mardan (südwestlich Swat, NWFP): Am 16.4. ermordeten Taliban zwei Frauen, eine Mitarbeiterin der NGO National Rural Support Program und eine Beraterin einer lokalen Vereinigung. Seit Anfang März  verübten Taliban Sprengstoffanschläge auf zwei Mädchenschulen, Dutzende CD- und Video-Geschäfte und einen Strommasten. Sie erzwangen die Schließung von mehr als 100 CD Shops und verboten Barbieren das Rasieren von Bärten.  Solche Kampagnen gingen auch den Taliban-Übernahmen in Tank, Bannu, Hangu, Lakki Marwat, Swat, Arakzai und Bajaur voraus. Durch Mardan war auch vor Tagen ein Konvoi mit 10 Fahrzeugen voller Kämpfer mit schweren Waffen von Buner bis Malakand gefahren, unbehelligt von Sicherheitskräften.

Die Übernahme von Mardan wäre ein Schritt  zur weiteren Umzingelung von Peshawar, der Provinzhauptstadt.  (LWR 17.4.)

Am 18.4. Suizid-Angriff auf Sicherheitskräfte mit Kfz an einem Checkpoint im NWFP-Distrikt Hangu, als ein Militärkonvoi passierte, 27 Tote, davon 25 Polizisten und Soldaten, 11 Militärfahrzeuge, der Checkpoint und angrenzende Häuser zerstört. (LWJ 18.4.)

Am 19.4. Predator-Attacke mit zwei Hellfire gegen ein mutmaßliches Taliban und Al Qaida Trainingscamp bei Wana/Süd-Waziristan, 3 Kämpfer getötet. Letzte Predator-Attacke am 8.4. (LWR 19.4.)

Am 29.4. Predator-Attacke mit zwei Hellfire gegen ein Taliban safe house in Kanigoram unweit Wana/Süd-Waziristan, lt. Geo News 8 Taliban getötet. 5. Predator-Attacke im April und 16. seit Jahresbeginn. (LWJ 29.4.)

The Afghan-Pakistan militant nexus" in BBC News South Asia v. 20.4.: Beschreibung der militanten Verbindungen der AFG-PAK Nachbarprovinzen Helmand-Chaghai, Kandahar-Quetta, Zabul-Toba Kakar, Süs Waziristan-Paktika, Nord Waziristan-Paktia/Khost, Kurram-Kyber-Nangarhar, Mohmand-Bajaur-Kunar, Uruzgan-Ghazni-Wardak-Logar, Swat.

Am 25.4. starben 7, nach anderen Angaben 12 Mädchen zwischen vier und zwölf Jahren, als sie in einer Mädchenschule im Luquman Banda Gebiet im Distrikt Dir mit einer „Spielzeug-Bombe" spielten.

In Shangla besetzten mehr als 70 Taliban Kämpfer ein Hospital, andere übernahmen die Kontrolle über Verwaltungsgebäude.

Taliban-Vormarsch auf die bisher ruhigeren Distrikte Mansehra und Haripur:  Mehr als 100 schwer bewaffnete Taliban errichteten eine Operationsbasis in der Kala Dhaka Region und nahmen ein Trainingscamp in Loniyian wieder in Betrieb.  (LWJ 23. + 29.4.) In Haipur ist der Tarbela Damm mit seinemn Wasserreservoir bedroht. Haripur grenzt an die Margala Hügel, die zum Territorium der Hauptstadt gehören, wie auch an die Punjab-Distrikte Attock und Rawalpindi. Attock beherbergt zwei größere Nuklearprojekte: Den Wah Cantonment Ordnance Komplex mit drei Standorten, wo Nuklearwaffen und Komponenten gelagert und Flugzeuge und Raketen für Nukleareinsätze modifiziert werden, und der Kamra Airbase in der Nähe vermutlich mit nuklearfähigen Kampfflugzeugen. Rawalpindi schließlich ist  d i e  Garnisonsstadt Pakistans. Hier liegen die Hauptquartiere von Heer und Luftwaffe sowie einige Forschungseinrichtungen für Nuklearwaffen. (In 2007 unternahmen Taliban uns Al Qaida mehrere Suizidattacken auf mutmaßliche pakistanische Nukleareinrichtungen. Am 21.8.2008 töteten zwei Selbstmordattentäter 70 Pakistani und verwundeten mehr als 1.000 bei Angriffen außerhalb des Wah Komplexes. Im Sommer und Herbst 2007 griffen Selbstmordattentäter Sicherheitskräfte in Nähe der Sargodha Airbase an. Dort befindet sich das Hauptquartier der Luftwaffe und ist lt. NTI die Heimatbasis der nuklearfähigen F-16 und der balistischen Raketen Hatf-III/Ghaznavi/M-11. )(LWJ 23.4.)

Gleichzeitig bewegen sich die Taliban auf die Distrikte Swabi, Mardan und Malakand zu.

Lt. LWJ v. 24.4. wurden Pakistan Rangers, eine dem Innenministerium unterstellte paramilitärische Truppe, in den Margala Hügel nördlich von Islamabad eingesetzt. In Buner wurden inzwischen 250 Mann der ärmlich ausgestatteten und trainierten Grenzpolizei von Taliban zurückgeschlagen.

Vertreter von US-Militär und Geheimdienst äußern ihren Horror angesichts der Geschwindigkeit des Talibanvormarsches und dem Ausbleiben einer starken pakistanische Antwort.  Die Taliban brauchten Jahre, um ihre Macht in den FATA zu konsolidieren. Die Kämpfe um Swat dauertenzwei Jahre. „But the blitzkrieg takeover of Buner and the swift redirection of force into neighboring districts marks a dramatic change in the pace of the conflict." Die pakistanische Armee sitze an der Seitenlinie, während die Taliban zur Hintertür von Islamabad vorrücken. Warum schicke die Regierung schwache Kräfte, wo sei die Armee? Die Armee sitze absichtsvoll am Rande, entweder durch Verluste demoralisiert oder unwillens zu kämpfen, während Pakistan brenne. Es gehe nicht um Ausrüstung, Flugzeuge und Nachtsichtgeräte, sondern zuerst darum, Rückgrat zu zeigen.

Lt. LWR v. 29.4. erzielten die Taliban ihren ersten großen Sieg im Kampf um Buner: Nach Einnahme der Polizeistation von Pir Baba nahmen die 53 Grenzpolizisten uns 17 Polizisten gefangen, darunter auch de Polizeichef.

Seit Jahren tauschen Taliban gefangenes Sicherheitspersonal gegen gefangene Kämpfer aus. Oft aber ermorden, verstümmeln oder enthaupten sie aber auch ihre Gefangenen, um die pakistanischen Sicherheitskräfte zu demoralisieren. Die Armee begann ihre Operation in Buner am 28.4. nach Attacken auf die Taliban am 26.4. und bereite den Einsatz von zwei Brigaden regulärer Truppen gegen die schätzungsweise 400-500 Kämpfer vor.  Mit dem Armeeeinsatz soll auch er Talibanvormarsch insbesondere zur Hazara Division mit den Distrikten Abbotabad, Battagram, Haripur, Kohistan und Mansehra gestoppt werden. Hierdurch führt auch der Karakorum Highway als strategische Verbindung zwischen Pakistan und China.

Kämpfe im Distrikt Dir NWFP westlich von Swat: Taliban kontrollieren noch viel vom Norden. Das PAK Militär startete Operationen in der Madain Region in Lower Dir am 26. April. Von hier stammt Sufi Mohammed, der das Swat-Abkommen arrangierte. Schon am 27.4. hatten Regierung und Militär triumphalistisch verkündet, Dir sei unter Kontrolle, 75 Taliban und 10 Sicherheitskräfte seien getötet worden. Eingesetzt wurden Helicopter, Artillerie und Luftangriffe. (LWJ 30.4.)

3. Tag der Kämpfe in Buner: Starke Kämpfe werden aus verschiedenen Gebieten gemeldet, 64 Taliban sollen lt. Militär getötet worden sein. Kommandos der Special service Group führten einen Luftangriff gegen das Distrikthauptquartier von Daggar   (LWJ 1.5.09)

Ca. 60 Taliban attackierten in Dir einen Außenposten der paramilitärischen „Dir Levies". (LWJ 1.5.)

Mehr als 100 Taliban attackierten in Spinal Mangi/Mohmand Agency, einen Außenposten der paramilitärischen Mohmand Rifles des Frontier Corps. Zwei Monate zuvor hatte das Militär einen größeren Sieg behauptet. (LWJ 2.5.)

Swat Taliban gegen Islamisches Berufungsgericht, das die Provinzregierung für die Malakand Division etablieren will. In den letzten zwei Wochen entführten die Taliban 15 Sicherheitskräfte und ermordeten zwei - 6 Grenzpolizisten am 20.4., 5 Polizisten am 28.4. und 4 am 30.4.. Am 3. Mai wurden zwei Regierungsleute entführt und enthauptet. (LWJ 3.5.)

Einen Tag nach ihrer Erklärung, das Swat-Abkommen sei praktisch gekündigt, attackierten die Taliban einen Militärkonvoi und töteten einen Soldaten. (LWJ 4.5.)

6. Mai: schwere Kämpfe im Swat-Tal. Offensive der PAK Armee mit Kampfhubschrauber, Kampfflugzeugen und Artillerie, Zehntausende auf der Flucht vor allem aus Mingora. Bei der seit anderthalb Wochen laufenden Offensiven sollen laut PAK Medien bisher 350 Menschen umgekommen sein, am 6.5. allein 100.

Rede an die Nation" des PAK Premierministers Gilani: er erklärt das Swat-„Friedensabkommen" für gescheitert; PAK stehe in einer „Schlacht um das Überleben".

9.5. Predator-Attacke mit vier Hellfire gegen ein Taliban safe house in Süd-Waziristan, nach unterschiedlichen Quellen 5 bis 10 Tote. (LWJ 9.5.)

11.5. Krieg in Swat und Flüchtlingskatastrophe: Lt. UNHCR flohen in den letzten 12 Tagen ca. 360.000 Menschen aus den umkämpften Gebieten des Swat-Tals und der Malakand-Region. Seit August 2008 seien mehr als 900.000 Menschen aus den Distrikten Dir, Swat und Buner geflohen. Die Regierung behauptet, die PAK Sicherheitskräfte hätten seit Beginn der Offensive ca, 700 Taliban getötet, 22 Soldaten seien gefallen. US-Experten bewerten diese Zahlen als weit übertrieben. Die PAK hat nach eigenen Angaben 12.00 bis 15.000 Soldaten in den Kampf gegen 4.000 bis 5.000 Taliban geschickt. (FAZ 12.5., LWJ 11.5.)

Suizid-Attacke mit Kfz gegen einen Checkpoint der Grenzpolizei in Darra Adam Khel, 10 Tote, darunter ein 6-jähriges Mädchen und zwei Sicherheitskräfte.

Die Bundesregierung stellt 3 Mio. Euro Soforthilfe für die Flüchtlinge zur Verfügung.

 

 


Publikationsliste
Vortragsangebot zu Riga-Deportationen, Ghetto Riga + Dt. Riga-Komitee

Ende 1941/Anfang 1942 rollten Deportationszüge aus Deutschland und Österreich nach Riga.

1989 stieß ich auf die Spuren der verschleppten jüdischen Frauen, Männer und Kinder.

Mit meinem bebilderten Vortrag "Nachbarn von nebenan - verschollen in Riga" stehe ich gern für Erinnerungsveranstaltungen und Schulen zur Verfügung. (Anlage)

Vorstellung der "Toolbox Krisenmanagement"

Von der zivilen Krisenprävention bis zum Peacebuilding: Die 53-seitige Broschüre stellt kompakt und klar auf jeweils einer Themenseite Prinzipien, Akteure und Instrumente des Krisenmanagements vor. Bei einem Kolloquium im Bundestag in Berlin wurde die Schrift einem Fachpublikum vorgestellt. Erstellt von AutorInnen des Zentrums Internationale Friedenseinsätze ZIF und der Stiftung Wissenschaft und Politik SWP ist die "Toolbox" ein wichtiger Beitrag zur friedens- und sicherheitspolitischen Grundbildung auf einem Politikfeld, wo die Analphabetenrate in der Gesellschaft, aber auch in Medien und Politik sehr hoch ist. ... www.zif-berlin.de

zif
Auf dem Foto überreicht W. Nachtwei den AutorInnen seine 2008 erschienene Broschüre zur Zivilen Krisenprävention und Friedensförderung.

Mehr zur Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure bei der zivilen Konfliktbearbeitung u.a.:

Tagebuch
    • Meine persönlichen Jahresrückblicke + Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik (Nr. 1-50 im Tagebuchformat)

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