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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: German Police Project Team (GPPT) in Afghanistan - Abbruch nach 19 Jahren: Wertvolle Leistungen der Entsandten, von internationaler + deutscher Politik aber oft vernachlÃ¤ssigt. BerichtsauszÃ¼ge seit 2002</title>
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    <span class="xar-mod-title">Bericht von Winfried Nachtwei</span>

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        <h1>
            German Police Project Team (GPPT) in Afghanistan - Abbruch nach 19 Jahren: Wertvolle Leistungen der Entsandten, von internationaler + deutscher Politik aber oft vernachlÃ¤ssigt. BerichtsauszÃ¼ge seit 2002         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 24. April 2021 18:03:32 +02:00 (77987 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Die strategische Bedeutung der Polizeikomponente bei Kriseneins&auml;tzen ist unstrittig. Dass Deutschland etliche Jahre die Lead-Rolle bei der internationalen Polizeiaufbauhilfe in Afghanistan hatte, ist wenig bekannt und wurde von der Politik zu wenig ernst genommen. Umso wichtiger sind die wertvollen Leistungen der entsandten Polizistinnen und Polizisten von Bund und L&auml;ndern, die ihre Arbeit nicht zum Abschluss bringen konnten. Dass der Einsatz nach 19 Jahren abgebrochen werden muss, schmerzt heftig. Ich w&uuml;nsche sichere Heimkehr! &nbsp; </p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>German Police Project Team (GPPT) in Afghanistan - </strong></p>
<p align="center"><strong>Abbruch nach 19 Jahren: Wertvolle Leistungen der Entsandten,</strong></p>
<p align="center"><strong>von internationaler + deutscher Politik aber oft vernachl&auml;ssigt!</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB 1994.2009 (24.04,2021)</p>
<p align="center">Fotos auf <a href="http://www.facebook.com/winfried.nachtwei">www.facebook.com/winfried.nachtwei</a></p>
<p>Am 21. April best&auml;tigte Innenminister Seehofer gegen&uuml;ber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, dass die zzt. noch 20 Beamten des GPPT bis zum 30. April aus Afghanistan abgezogen werden. Bis 24.04. mittags gab es dazu keine weitere inhaltliche Verlautbarung, nicht vom Ausw&auml;rtigen Amt, nicht vom Bundesinnenministerium, nicht von der Bundespolizei, nicht vom Land NRW als dem Bundesland mit den meisten Entsandten.</p>
<p>Allein das Nieders&auml;chsische Ministerium f&uuml;r Inneres und Sportver&ouml;ffentlichte am 23. Aprileine &nbsp;Stellungnahme von Landesinnenminister Boris Pistorius.</p>
<p>( <a href="https://www.mi.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/presseinformationen/deutschland-beendet-polizeiliches-engagement-in-afghanistan-199717.html">https://www.mi.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/presseinformationen/deutschland-beendet-polizeiliches-engagement-in-afghanistan-199717.html</a> &nbsp;)</p>
<p>Warum solches Schweigen um den &ndash; neben dem im Kosovo &ndash; gr&ouml;&szlig;ten, auf jeden Fall riskantesten internationalen Einsatz deutscher PolizistInnen? OK, wenn Sicherheitsgr&uuml;nde es jetzt erfordern. Ansonsten aber ist der jetzt durch die unilaterale Abzugsentscheidung des US-Pr&auml;sidenten abgebrochene GPPT-Einsatz sehr der Beachtung und Rede wert: Angesichts der deutschen Leadrolle bei der Koordination der internationalen Polizeiaufbauhilfe bis 2006 und der Praktizierung eines zivilpolizeilichen Ansatzes kam dem deutschen Polizeiprojekt eine ganz besondere Bedeutung zu.</p>
<p>Bei Krisen- und Stabilisierungseins&auml;tzen sind Polizeiaufbau und F&ouml;rderung von Rechtsstaatlichkeit elementar, um zu mehr nachhaltiger B&uuml;rgersicherheit zu kommen. Deshalb hatte ich als Mitglied des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages von Anfang an die Polizeikomponente im Blick. Bei fast jedem meiner 20 Afghanistanbesuche traf ich auch mit deutschen PolizistInnen zusammen und begleitete sie mehrfach in ihren Arbeitsfeldern.</p>
<p>Dabei lernte ich ihre Arbeit hoch sch&auml;tzen. Durchg&auml;ngig fiel mir auf, dass die deutschen PolizistInnen ihren afghanischen KollegInnen auf gleicher Augenh&ouml;he begegneten und bei diesen sehr anerkannt waren.</p>
<p>&Auml;u&szlig;erst ern&uuml;chternd war hingegen, dass die strategisch so bedeutsame Arbeit des GPPT im Berliner Politikbetrieb, nicht zuletzt beim Bundestag und den zust&auml;ndigen Aussch&uuml;ssen, aber auch in den Medien nur unzureichend Beachtung fand &ndash; bis heute. Die erste Bundestagsdebatte zum Thema gab es im November 2007, mehr als f&uuml;nf Jahre nach Start! Bei Mandatsdebatten zu ISAF bzw. Resolute Support wurde die Polizeikomponente oft nicht mal erw&auml;hnt, auch nicht bei Dankesworten.</p>
<p>Lebhaft erinnere ich mich an Dutzende KollegInnen von Bundespolizei und L&auml;nderpolizeien, die ihren Einsatzauftrag mit Professionalit&auml;t und Herzblut erf&uuml;llten. (Fotos auf meiner Facebook-Seite) Einigen begegnete ich im Vorstand von &bdquo;Lachen Helfen&ldquo;, der Initiative von Soldaten und Polizisten f&uuml;r Kinder in Krisen- und Kriegsgebieten, wieder.</p>
<p>Es schmerzt mich zutiefst, dass die Toparbeit so vieler deutscher PolizistInnen so zu Ende geht. (Aber vielleicht ist sie noch nicht zu Ende. Wer wei&szlig;, welche Aufgaben auf eine wahrscheinliche k&uuml;nftige UN-Mission in Afghanistan zukommen.)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Der 19-j&auml;hrige Einsatz der deutschen Polizistinnen und Polizisten in Afghanistan verdient Beachtung, hohe und praktische Anerkennung und gro&szlig;en Dank. </span>&ndash; seitens der Politik, der Gesellschaft, aber auch ihrer Vorgesetzten und KollegInnen.</p>
<p>Die folgende Zusammenstellung soll dazu einiges &bdquo;Futter&ldquo; liefern. (Alle meine Berichte und Beitr&auml;ge zur deutschen Polizeiaufbauhilfe Afghanistan sind zusammengestellt in der Dokumentation &bdquo;Polizeiaufbau Afghanistan&ldquo; I, 2002-2008, 39 S., und II, 2009-2019, 20 S.)</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(1) BMI-Kurzdarstellung &bdquo;Das German Police Project Team (GPPT): Einsatz in Afghanistan</span></strong></p>
<p>Das deutsche Polizeiprojekt wurde 2002 in Kabul eingerichtet. Ziel ist es, einen Beitrag zu einer rechtstaatlichen und professionellen Polizei in Afghanistan zu leisten. Diese soll der Bev&ouml;lkerung dienen, sie sch&uuml;tzen und sich den Menschenrechten verpflichtet f&uuml;hlen.</p>
<p>Das GPPT unterst&uuml;tzt mit bis zu 50 Polizisten in den Standorten Kabul und Mazar-e-Sharif den Aufbau der afghanischen Polizei durch Beratung, Mentoring und Fortbildung.</p>
<p>Schwerpunkte des Engagements sind das Innenministerium, die nationale Polizeiakademie in Kabul (ANPA), das Sergeant Training Center in Mazar-e Sharif, die Kriminalpolizei und die afghanische Grenzpolizei. Es bestehen Flughafenpartnerschaften zwischen Bundespolizeidienststellen und der afghanischen Grenzpolizei an den Flugh&auml;fen in Kabul und Mazar-e-Sharif sowie eine Partnerschaft der Bundespolizeiakademie in L&uuml;beck mit der ANPA in Kabul.&ldquo; ( <a href="https://www.bmi.bund.de/DE/themen/sicherheit/nationale-und-internationale-zusammenarbeit/internationale-polizeimissionen/internationale-polizeimissionen-node.html">https://www.bmi.bund.de/DE/themen/sicherheit/nationale-und-internationale-zusammenarbeit/internationale-polizeimissionen/internationale-polizeimissionen-node.html</a> &nbsp;)</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(2) Aktuelle Berichte aus der Einsatzpraxis</span></strong></p>
<p><strong>&bdquo;Ein Polizeieinsatz in Afghanistan mit H&ouml;hen und Tiefen&ldquo;</strong>, Interview mit Polizeioberkommissarin Lisa Bertelsbeck-H&ouml;ing aus Recklinghausen, die April 2017 bis Mai 2018 in Kabul arbeitete</p>
<p><a href="https://polizei.nrw/artikel/ein-polizeieinsatz-in-afghanistan-mit-hoehen-und-tiefen">https://polizei.nrw/artikel/ein-polizeieinsatz-in-afghanistan-mit-hoehen-und-tiefen</a></p>
<p><strong>R&uuml;ckkehr aus dem Ausland &ndash; Einmal Kabul und zur&uuml;ck</strong>&ldquo; von Sven Meck von der Polizei Siegen, der August 2018 bis August 2019 in Kabul arbeitete.</p>
<p><a href="https://polizei.nrw/artikel/rueckkehr-aus-dem-ausland">https://polizei.nrw/artikel/rueckkehr-aus-dem-ausland</a></p>
<p><strong>WIE ES ANFING</strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(3)&nbsp; Bericht der Fact Finding Mission von hohen Beamten des BMI, AA, BKA u.a. im Januar 2002 (Auszug)</span></strong></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">&bdquo;Zustand der afghanischen Polizei </span>(&hellip;)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">3.2 Wiederaufbau der afghanischen Polizei</span></p>
<p>Die Polizei befindet sich &ndash; wenige Monate nach der Aufl&ouml;sung des Taliban-Regimes &ndash; in einem kl&auml;glichen Zustand. Es fehlt an allen Einsatzmitteln. Seit ca. 20 Jahren hat kein systematischer Unterricht mehr stattgefunden. Mindestens eine ganze Generation ausgebildeter Polizeibeamter fehlt. Neben Wachtmeistern werden ehemalige K&auml;mpfer der Nordallianz als Polizisten eingesetzt. Ziel ist der Wiederaufbau der Polizei in einer Gesamtst&auml;rke von ca. 75.000 Stellen. Dieser Wiederaufbau hat vom Innenministerium her begonnen. (&hellip;)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">3.3 Polizei in Kabul</span></p>
<p>In der Provinz Kabul existiert eine polizeiliche Sonderorganisation mit 14 Regierungsdistrikten.</p>
<p>Die Stadt Kabul, in der trotz totalen Zerst&ouml;rung der meisten Stadtteile 1,7 Mio. Menschen leben, ist in der Polizeistruktur in 12 Distrikte (Schutzbereiche) (..) mit insgesamt 44 Revieren aufgeteilt. Sie umfasst derzeit 10.800 Stellen. Das entspricht einer Polizeidichte von 1:155. Die Polizei untersteht General Salangi (Nordallianz).</p>
<p>In einem Gespr&auml;ch beklagt General Salangi das Fehlen jeglicher Ausr&uuml;stung. Die einzigen 10 Kfz werden der Polizei von Offizieren aus Privatbesitz zur Verf&uuml;gung gestellt. Es gibt keine Funkverbindung zwischen den Distriktleitungen und zwischen ihnen und den Revieren (lediglich zwischen der Kommandantur und den Distriktleitungen). Die einzige Kommunikationsm&ouml;glichkeit bilden Kuriere per Fahrrad. Es fehlt an Uniformen, Schlagst&ouml;cken und Handschellen. Technische Ausr&uuml;stung ist &uuml;berhaupt nicht vorhanden. Sogar an Waffen fehlt es der Polizei (w&auml;hrend in Afghanistan mindestens 600.000 Leute bewaffnet sind).</p>
<p>Bisher haben die Polizeikr&auml;fte noch keine Besoldung erhalten.&ldquo;</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(4) Erster Besuch des Projektb&uuml;ros Polizei Kabul, November 2002</span></strong></p>
<p>(Aus: &bdquo;Besuch in Kabul &ndash; Langer Atem f&uuml;r Afghanistan&ldquo;, Bericht, Ende November2002,<a href="druck/druck%20Langer%20Atem%20fuer%20Afghanistan.htm">http://nachtwei.de/druck/druck%20Langer%20Atem%20fuer%20Afghanistan.htm</a> )</p>
<p>Schl&uuml;sselfrage des Friedensprozesses ist, wie die relative Stabilit&auml;t von Kabul vertieft und auch landesweit gef&ouml;rdert werden kann. Verbreitet ist die Forderung, ISAF-Truppen auch in Provinzst&auml;dten zu stationieren. Das w&uuml;rde ein Vielfaches der jetzigen Truppenst&auml;rke erfordern, die Anforderungen an F&uuml;hrung, Logistik potenzieren und das Risiko erheblich erh&ouml;hen. Dazu sind die Staaten nicht bereit.</p>
<p>Umso wichtiger ist deshalb die F&ouml;rderung afghanischer Sicherheitsstrukturen, der Aufbau eines rechtsstaatlichen Gewaltmonopols aus Armee, Polizei und Justiz. Die USA tragen die internationale F&uuml;hrungsverantwortung f&uuml;r den Aufbau der Armee, Italien f&uuml;r das Justizwesen, Japan f&uuml;r die Entwaffnung und Demobilisierung.</p>
<p>Die Bundesrepublik tr&auml;gt die F&uuml;hrungsverantwortung f&uuml;r den Aufbau der afghanischen Polizei. 12 Beamte von BGS und L&auml;nderpolizeien beraten beim Aufbau von Polizei und Innenministerium, bei der Polizeiausbildung und Rauschmittelbek&auml;mpfung und koordinieren die internationalen Unterst&uuml;tzung. Leiter des Projektb&uuml;ros ist Walter Wolf, Polizeidirektor im BGS, vormals Leiter deutscher Polizeikontingente in Bosnien-Herzegowina und Kosovo und Referent auf der Tagung der Bundestagsfraktion von B&uuml;ndnis 90/Die Gr&uuml;nen &uuml;ber &bdquo;zivile S&auml;ulen internationaler Friedensmissionen&ldquo; im Oktober 2001 in Berlin.</p>
<p>Wo bisher praktisch nichts war, geht der konkrete Polizeiaufbau immer im Dreischritt Geb&auml;ude &ndash; Ausstattung &ndash; Ausbildung. Hohes Lob gibt es f&uuml;r das THW, dessen 5-6 Mitarbeiter mit Hilfe von mehr als 500 Besch&auml;ftigten innerhalb von acht Monaten die Polizeiakademie wieder aufbauten. Hier werden inzwischen 1.400 Polizeisch&uuml;ler aus dem ganzen Land in ein- und dreij&auml;hrigen Kursen zu Polizeiunteroffizieren und &ndash;offizieren ausgebildet. Die Polizeisch&uuml;ler wurden zuvor getestet und auf kriminellen Hintergrund abgecheckt. Die deutschen Polizisten f&uuml;hrten train-the-trainer-Kurse durch und erstellten f&uuml;r die Ausbildung Curricula. Inzwischen fand ein erster Workshop mit Polizeikommandeuren aus fast allen Provinzen statt.</p>
<p>Ein erhebliches Problem bleibt die Entlohnung der Polizisten: Sie bekommen 25 $/Monat &ndash; 100 $ sind aber notwendig, um eine Familie zu ern&auml;hren. Ein weiteres Problem sind die ca. 3.500 Bereitschaftspolizisten, die fast nur aus ehemaligen Mudschaheddin bestehen.</p>
<p>Die Polizeiberater haben inzwischen in zehn Provinzen um Kabul herum eine polizeiliche Bestandsaufnahme durchgef&uuml;hrt. Jetzt kommt es darauf an, auch in den Provinzen sichtbare Hilfe zu leisten. Die Bundesrepublik stellte daf&uuml;r Tatortkoffer, Polizeikr&auml;der und Pick-ups zur Verf&uuml;gung. Ansonsten gelten strikt die Grenzen der Ausstattungshilfe: Mittel des unmittelbaren Zwanges wie Schlagst&ouml;cke etc. werden nicht geliefert.</p>
<p>Die deutschen Polizeiberater sind so wirksam, weil sie sich auf etliche &auml;ltere Polizisten (60+) st&uuml;tzen k&ouml;nnen, die in der Vorkriegszeit u.a. in der Bundesrepublik eine Ausbildung absolviert hatten und ein rechtsstaatliches Polizeiverst&auml;ndnis haben. Da das letzte rechtsstaatlich orientierte afghanische Polizeigesetz aus dem Jahr 1968 stammt, l&auml;sst sich hier von einer Art &bdquo;afghanischer 68er&ldquo; reden.</p>
<p>Dar&uuml;ber hinaus wird die internationale Unterst&uuml;tzung koordiniert: Ausbildungsma&szlig;nahmen von Indien, die dreimonatige Polizeigrundausbildung durch die USA, Uniformlieferungen aus China etc.&nbsp; Hauptfinanzier des Polizeiaufbaus ist bisher noch die Bundesrepublik.</p>
<p>(Diese Art beratender Polizeimission ist international ein Pilotprojekt und v&ouml;llig verschieden vom Exekutiveinsatz der 4.000-k&ouml;pfigen VN-Polizei im Kosovo. Wollte man die Polizeiausbildung selbst durchf&uuml;hren, w&uuml;rde man dazu enorm viel Ausbilder ben&ouml;tigen. Dazu ist weder die Staatengemeinschaft noch ein Staat willens oder in der Lage.)</p>
<p>Als kleine Erinnerung an die Heimat &uuml;bergebe ich den Polizisten einen westf&auml;lischen Schinken sowie einige Kilo leckeres Weingummi aus dem M&uuml;nsteraner &bdquo;B&auml;rentreff&ldquo;.</p>
<p>Der VN-Sonderbeauftragte f&uuml;r Afghanistan Lakhdar Brahimi lobt sp&auml;ter in der Deutschen Botschaft ganz besonders die Arbeit Deutschlands beim Polizeiaufbau.</p>
<p>Da die begleitenden Medienvertreter nicht mit zum Polizei-Termin k&ouml;nnen, taucht das Thema Polizeihilfe trotz ihrer enormen strategischen Bedeutung nicht in der Berichterstattung &uuml;ber Fischer`s Kabul-Besuch auf. Verglichen mit dem Milit&auml;reinsatz bleibt die Polizeihilfe praktisch unsichtbar.</p>
<p>(Im Bereich Justiz und Entwaffnung soll sich bisher wenig getan haben. Das droht in 2003 zu einem massiven Problem f&uuml;r den gesamten Aufbauprozess zu werden.)</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(5) Kabul-Besuch August 2003 </span></strong>(Fact Finding vor der ISAF-Ausweitung)</p>
<p>(Aus: Kabul im August 2003 &ndash; Afghanistanpolitik am Scheideweg, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=276">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=276</a> )</p>
<p>Innenminister Jalali (er hat den seltenen Ruf von Integrit&auml;t; er gilt als hoch gef&auml;hrdet): In der Polizeiakademie haben seit 2002 1.500 Polizeisch&uuml;ler die Dreijahresausbildung f&uuml;r Polizeioffiziere begonnen. Diese soll nun verk&uuml;rzt werden. Der ANA-Aufbau sei relativ teuer und brauche Zeit. Die Polizei hingegen k&ouml;nne schneller und billiger aufgebaut werden. Sechs Ausbildungszentren seien in Hauptorten parallel zu UNAMA-Niederlassungen und PRT`s geplant.</p>
<p>F&uuml;r 6.000 Wahllokale m&uuml;sse Sicherheit gew&auml;hrleistet werden. In einem Wettrennen mit der Zeit m&uuml;ssten 60.-80.000 Streifenpolizisten und zehn Einheiten Bereitschaftspolizei aufgestellt werden. Die Polizisten bekommen Vierjahresvertr&auml;ge mit Verl&auml;ngerungsoption. Mit 60 $/ Monat seien aber Freiwillige nicht zu gewinnen &ndash; erst recht keine loyalen.</p>
<p>Mit der deutschen Polizeiausbildung habe man sehr gute Erfahrungen gemacht.</p>
<p><strong>Projektb&uuml;ro Polizei Kabul</strong>, nahe beim ISAF-HQ: Das PBPK besteht aus 17 BeamtInnen von BKA, BGS und L&auml;nderpolizeien mit dem Leitenden Kriminaldirektor Peter Zumhoff (BKA) an der Spitze. Je ein bis zwei Beamte sind zust&auml;ndig f&uuml;r Aus- und Fortbildung, IT/Logistik, Werkstatt, Rauschgift, Terrorismus, Kriminaltechnik. Auftrag des PBPK ist, in Wahrnehmung der dt. Lead-Rolle Beratung und Koordinierung beim Aufbau der afg. Polizei &ndash; bei der Struktur des Innenministeriums, der Ausbildung, der Rauschgiftbek&auml;mpfung, der Ausstattung. Das B&uuml;ro koordiniert die finanziellen und personellen Unterst&uuml;tzungsleistungen von insgesamt 13 Staaten.</p>
<p>Vorschl&auml;ge zur IM-Struktur wurden akzeptiert, noch nicht zu Prozessen (z.B. personelle Umbesetzungen, wo Polizeichefs zugleich gro&szlig;e Drogenh&auml;ndler sind).</p>
<p>Ausbildung: Die zerst&ouml;rte Polizeiakademie wurde mit Hilfe des THW und 300 &ouml;rtlicher Kr&auml;fte wiederaufgebaut. (s.u.). Ein Ausbildungskonzept und Curricula wurden erarbeitet, Lehrg&auml;nge durchgef&uuml;hrt und ein Kurs-Katalog f&uuml;r internationale Partner erstellt. Von insgesamt 36 Ausbildungs- und Fortbildungsma&szlig;nahmen organisiert DEU 26, z.B. Train-the-Trainer Lehrg&auml;nge F&uuml;hrungslehre, Menschenrechte, Polizei im Rechtsstaat, Seminar mit 30 der 32 Provinzkommandeure, Frauenseminar f&uuml;r 40 Polizistinnen, Verwaltungshandeln &ndash; Menschenrechte zusammen mit der gtz in Herat etc. (Seit April haben die USA und Grundausbildung und Ausstattung des einfachen Polizeidienstes &uuml;bernommen.)</p>
<p>Ausstattung: DEU stellte 190 Polizeifahrzeuge, 150 Motorr&auml;der, Uniformen (z.B. f&uuml;r die Grenzpolizei am Flughafen) und Computer zur Verf&uuml;gung. Hamburg lieferte allerdings 40 Paletten mit unbrauchbar gemachten Uniformen!</p>
<p>(Wieder-)Aufbau von bisher elf Polizeistationen mit Hilfe von CIMIC (60.-85.000 &euro;/Station), des Rauschgifthauses, Umbau des Innenministeriums und des Zentralen Kriminalamtes (&bdquo;LKA&ldquo;). Geplant sind das Hauptquartier der Grenzpolizei und ein Geb&auml;ude Terrorismusbek&auml;mpfung.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Schwerpunkte 2003/4</span> sind: Wiederaufbau weiterer Dienstgeb&auml;ude in Kabul und auch in den Provinzen, Aufbau von Einheiten f&uuml;r LKA, Kriminaltechnische Untersuchung, Rauschgift- und Terrorismusbek&auml;mpfung, Aufbau der Grenzpolizei (12.000 bis 2005) und der Fernstra&szlig;enpolizei (2.500 Polizisten innerhalb von drei Jahren gegen illegale &bdquo;Z&ouml;llner&ldquo;).</p>
<p>Hauptproblemfelder sind Sicherheit f&uuml;r die Verfassungs-Loya Jirga, die W&auml;hlerregistrierung ab Herbst (600 Registrierungsteams mit je zwei Fahrzeugen m&uuml;ssen gesch&uuml;tzt werden) und die Wahl sp&auml;testens im September 2004.</p>
<p>Bisher ist das Polizeimandat auf Kabul beschr&auml;nkt. Jetzt m&uuml;sse es auf die Provinzen ausgeweitet werden! Ein zentralistischer Polizeiaufbau allein in Kabul sei aussichtslos. Man warte auf ein politisches Signal.</p>
<p>Zu den PRT: In dt. PRT solle auch ein dt. Polizei-Ausbildungsteam sein. Ein Regionalteam f&uuml;r low level training brauche acht Beamte. Hier seien auch solche des mittleren Dienstes einsetzbar. In anderen PRT sollten ein bis zwei Beamte als Ausbilder t&auml;tig sein.</p>
<p>Der Leiter der Polizeiakademie Kabul w&uuml;nscht dar&uuml;ber hinaus vier bis f&uuml;nf Polizeiausbilder f&uuml;r Kernf&auml;cher.</p>
<p>Das alles w&uuml;rde einen erheblichen personellen und materiellen Mehraufwand zur Folge haben. (Innenminister wie US-Seite tragen den Wunsch nach einer Ausweitung und Verst&auml;rkung des dt. Polizeiengagements sehr deutlich vor. Das AA will hierf&uuml;r weitere zwei Mio. &euro; bereitstellen. Von den 30 Mio. &euro; des AFG-AA-Etats werden 10-12 Mio. f&uuml;r den Polizeiaufbau verwandt.)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Freiwilligengewinnung</span>: Ein ausgeweitetes Engagement erfordert zugleich bessere Anreize f&uuml;r die freiwilligen Polizisten. Bisher seien die Anreize bei Balkaneins&auml;tzen (Relation Risiken/Entfernung zu Leistungen) h&ouml;her als bei AFG, wo die gesetzlichen H&ouml;chsts&auml;tze gezahlt werden. So manche gesetzliche Regelung ist unflexibel und behindert die Motivation von Freiwilligen mehr als dass sie bef&ouml;rdert wird. Hinzu kommt die Haltung mancher Bundesl&auml;nder: Einige verweigern ganz die Freistellung von Beamten f&uuml;r AFG. Andere erlauben keine Verl&auml;ngerung &uuml;ber ein Jahr hinaus, weil sie dann die Geh&auml;lter zahlen m&uuml;ssten.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Besichtigungen</span>: Beim k&uuml;nftigen &bdquo;Zentralen Kriminalamt&ldquo; auf dem Gel&auml;nde des Innenministeriums ist noch die Ausgangslage zu besichtigen: eine alte Fingerabdruckdatei, die von &uuml;ber 70-J&auml;hrigen betrieben wird; ein &bdquo;Labor&ldquo; mit wenigen Beh&auml;ltern und ohne technisches Ger&auml;t; stinkende Zellen. Neu ist die Interpol-Niederlassung. Die Trakte der Polizeiakademie sind ein Paradebeispiel f&uuml;r Wiederaufbaufortschritte in Kabul. Einige Tr&uuml;mmerreste bleiben mit Absicht stehen. In einem Raum trainieren Polizeisch&uuml;ler mittleren Alters Selbstverteidigungstechniken. Zurzeit wird noch ein G&auml;stehaus f&uuml;r internationale Ausbilder errichtet.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Rauschgiftbek&auml;mpfung</span> und Rauschgifthaus: Hier hat GB die internationale Lead-Rolle. Die Drogenbek&auml;mpfung ist getrennt von der sonstigen Polizei in diesem von DEU errichteten und ausgestatten Geb&auml;ude organisiert. Unter dem deutschsprachigen Herrn Satari arbeiten f&uuml;nf Einheiten. Die Ermittlungseinheit umfasst 18, die Zugriffseinheit 30 Mitarbeiter. Bisher wurden Polizisten f&uuml;r f&uuml;nf Provinzen ausgebildet. Eine t&auml;gliche Kommunikation mit den Provinzen gibt es nicht. In sieben Schl&uuml;sselprovinzen (darunter Kunduz und Herat) wird die Masse des Opiums angebaut. Felder gibt es aber inzwischen in allen Provinzen.</p>
<p>Meist sind sie klein, umgeben von Weizen, zum Teil bewacht und vermint. Die Bauern stecken oft in der Schuldenfalle: Mit 1.000 $ wurde viele in den Mohnanbau gelockt. Mit ihren Ernteerl&ouml;sen zahlen sie in endlosen Raten ihre Schulden ab. In manchen Landesteilen sind die Parzellen so klein, dass mit dem Anbau von Weizen kein &Uuml;berleben ist &ndash; zumal Weizen sieben Bew&auml;sserungen braucht, Mohn aber nur zwei. Insofern ist der Mohnanbau f&uuml;r viele Bauern eine nackte Existenzfrage. Verwickelt in den Opiumanbau und &ndash;handel sind viele Machthaber und h&ouml;chste Beamte, z.B. in Kunduz. Gerade wurden bei einem Milit&auml;rkommandeur 31 kg Opium beschlagnahmt &ndash; zu besichtigen im Asservatenkeller. Die Drogenerl&ouml;se flie&szlig;en vor allem in die Waffenbeschaffung, ganz und gar nicht in die F&ouml;rderung von Infrastruktur. Solange die lokalen Machthaber nicht entwaffnet werden, sind Zugriffe nicht m&ouml;glich.</p>
<p>In 2002 wurden ca. 3.400 to Opium in AFG produziert, 2003 k&ouml;nnen es 5.000 to werden, woraus sich 500 to Heroin erstellen lassen.</p>
<p>Die Nationale Drogenkontrollstrategie ist sehr ehrgeizig, in zehn Jahren sollen alle Opiumfelder vernichtet sein. UNDCP, die Drogenbek&auml;mpfungsorganisation der VN, bereist zzt. die Provinzen, um dort Drogenb&uuml;ros aufzubauen, die mit dem Rauschgifthaus in Kabul vernetzt werden sollen. UNDCP-Einheiten sollen die Zugriffe durchf&uuml;hren. Ihre Aufstellung stagniere.</p>
<p>In AFG hat es niemals funktionierende Drogenbek&auml;mpfung gegeben. Das Opiumanbauverbot der Taliban konnte nur durch milit&auml;rische Gewalt durchgesetzt werden. Zurzeit gibt es keine effektive Drogenbek&auml;mpfung. Sie wird mit Ausweitung und Verfestigung von Anbau und Handel immer schwieriger. Wenn die I.G. nicht massiv hilft, droht AFG zu einem &bdquo;Staat&ldquo; zu werden, wo nur noch Drogenh&auml;ndler das Sagen haben.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Reichweite des Polizeiaufbaus</span>: Die afg Kollegen und Polizeisch&uuml;ler sind sehr offen, lernbereit und gutwillig. Doch wie sollen sie das Gelernte, die rechtsstaatlichen Normen umsetzen?</p>
<p>Sie erhalten einen Sold von 40-50 $. 100 $ sind aber notwendig f&uuml;r ein einfaches Leben, 200 $ f&uuml;r das standesgem&auml;&szlig;e Leben eines Polizeioffiziers. Der LOTFA-Fonds f&uuml;r die Auszahlung von Polizeigeh&auml;ltern (Einzahlungen von D&Auml;N, IRL, FIN, GB, CAN, SCHWEIZ und DEU) ist notorisch unterfinanziert.</p>
<p>Schwerbewaffnete Truppen vieler Provinzf&uuml;rsten verhindern jede effektive Polizeiarbeit. Entwaffnung tut not &ndash; von der ist aber nichts zu sehen. Der polizeiliche Ansatz greife zu kurz, wo Gouverneure, Milit&auml;rkommandeure und Polizeichefs die gr&ouml;&szlig;ten Drogenh&auml;ndler sind, wo gegen sie zu ermitteln Todesgefahr f&uuml;r die Ermittler bedeute. Bestimmte Machthaber m&uuml;ssten raus, loyale Gouverneure und Kommandeure m&uuml;ssten eine Chance haben und sich durchsetzen k&ouml;nnen &ndash; nur wie? Die USA h&auml;tten dazu die Power, DEU nicht.</p>
<p>Notwendig sei ein strategischer Ansatz und ein langfristiges Gesamtkonzept, wo Polizeiaufbau von unten und politischer Ansatz von oben Hand in Hand gehen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Anmerkung</span>: Immer deutlicher wird die strategische Schl&uuml;sselrolle des Polizeiaufbaus und die hervorragende Wahrnehmung der dt. Lead-Rolle durch die erstaunlich wenigen Beamten vor Ort. Das wird auch international so gesehen. Im Gegensatz dazu steht die relativ geringe Beachtung, die die dt. Polizeihilfe in Politik &ndash; insbesondere Parlament - und &Ouml;ffentlichkeit in Deutschland findet. Bei Ministerbesuchen mit Medientross &ndash; so meine Erfahrung in AFG und Balkan &ndash; bleiben die PolizistInnen meistens im Hintergrund. Das ist nicht nur undankbar gegen&uuml;ber den verdienten Beamten, sondern auch politisch kontraproduktiv. Es behindert die F&ouml;rderung des immer wichtigeren Instrumentes polizeilicher Auslandseins&auml;tze. Dass diese nicht nur &uuml;bergangsweise, sondern dauerhaft zum Aufgabenspektrum der Polizeien des Bundes und der L&auml;nder geh&ouml;ren, ist bisher zu wenig realisiert worden. F&uuml;r die neue Aufgabe Auslandseinsatz muss eine Stellenreserve geschaffen werden.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(6) Aus &bdquo;Dringende Fragen: AFG auf der Kippe?&ldquo;</span></strong><strong> Juli 2006 (nach Besuch in Nord-AFG) </strong>( <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=380">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=380</a> )</p>
<p>DEU ist die Lead-Nation beim Polizeiaufbau. Die kleine Zahl deutscher Polizeiberater hat &ndash; so auch meine pers&ouml;nliche Erfahrung &ndash; sehr gute Arbeit geleistet. Der deutsche Ansatz ist durchdacht, gr&uuml;ndlich und rechtsstaatorientiert. Zugleich sind vermehrt Kritiken am Polizeiaufbau zu h&ouml;ren: Die Polizeireform sei &bdquo;zu gr&uuml;ndlich&ldquo; und wirke zu wenig in die Breite. Das Image der Polizei sei vor allem wegen der Korruption sehr schlecht. Und schlie&szlig;lich gibt es bei der Um- und Neubesetzung von Spitzenpositionen einen scharfen Dissens mit Karzai und den USA, die an sehr belasteten Polizeigeneralen festhalten wollen.</p>
<p>Zudem macht die Rekrutierung deutscher Polizeibeamter f&uuml;r den Einsatz in AFG erhebliche Probleme.</p>
<p>Um den Aufbau von Polizei, Zollverwaltung etc. nachhaltig werden zu lassen, sind internationale Mentoren gerade auch in den Provinzen von zentraler Bedeutung. Die Bereitschaft der Staaten, solche Mentoren bereitzustellen, ist &auml;u&szlig;erst gering. Das zeigte sich extrem bei der Doha-II-Konferenz im Februar, wo eine entsprechende Anfrage auf null Resonanz stie&szlig;.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(7)&nbsp; Kabul Oktober2006</span></strong></p>
<p>(Aus Afghanistan-Besuch im Oktober 2006: Zwischen Anschlagsgefahren und Aufbaufortschritten (mit Exkurs zum Streit &uuml;ber den ISAF-Einsatz in S&uuml;d-AFG), 24.11.2006 <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=81&amp;aid=440">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=81&amp;aid=440</a> )</p>
<p>Polizei ist&nbsp;&nbsp; d e r&nbsp; Faktor f&uuml;r nachhaltige Sicherheit. Der Sicherheitsberater des Pr&auml;sidenten: Die Polizei ist viel wichtiger als die Armee, aber viel schwerer aufzubauen.</p>
<p>DEU hat hier die Lead-Rolle. Zzt. arbeiten 40 dt. Polizeibeamte von Bund und L&auml;ndern in AFG (German Police Project Office/GPPO). DEU wendet hierf&uuml;r 12 Mio. &euro; /Jahr auf, plus 10 Mio. &euro; f&uuml;r den internationalen POL-Besoldungsfonds LOFTA.&nbsp; Die deutsche Polizeihilfe war anf&auml;nglich konzipiert f&uuml;r Friedenszeiten und auf Nachhaltigkeit und Solidit&auml;t orientiert. Der Polizeiaufbau war auf einem guten Weg. Jetzt befindet sich der Polizeiaufbau in einer kritischen Phase. Seit M&auml;rz ist die Lage in unerwarteter Weise gekippt. Die Polizei erwischte es in einem nicht konsolidierten Zustand. Im S&uuml;den versagte sie v&ouml;llig.</p>
<p>An der vom THW wieder aufgebauten und DEU konzipierten Polizeiakademie werden Polizeioffiziere (Saran) in drei Jahren (plus zwei Jahre berufspraktisch) und Pol-Unteroffiziere (Satanman, wie mittlerer Dienst) in einem Jahr ausgebildet. Bis Ende 2005 waren 251 Saran und 2.299 Satanman ausgebildet und insgesamt 1.687 in der Ausbildung. In 2006 gab es bisher ca. 600 Abschl&uuml;sse. Nach einer Evaluierung der Ausbildung wurde ihr praktischer Anteil verst&auml;rkt.</p>
<p>Die Frauenf&ouml;rderung bei der Polizei bleibt weit hinter den Erwartungen zur&uuml;ck: Auf die hundert Ausbildungspl&auml;tzen f&uuml;r Frauen in der Polizeiakademie gibt es trotz breiter Werbung bisher nur zwei Bewerbungen. Zurzeit sind 0,17% der Polizisten Frauen. An der Geschlechterfrage stellt sich die Frage nach der Reform-Absorptionsf&auml;higkeit der afghanischen Gesellschaft, der Reformpriorit&auml;ten und &ndash;Geschwindigkeiten. Zugleich belegen elf psychosoziale Beratungszentren allein der Caritas in Kabul, wie gro&szlig; der Bedarf auf Seiten der Frauen nach Unterst&uuml;tzung ist.</p>
<p>Bis Ende 2005 wurden 42.000 einfache Polizisten (Patrolman) in acht US-amerikanisch gef&uuml;hrten Regionalen Trainingszentren (auch in Kunduz und Mazar) in 5-7 Wochen ausgebildet. Die Polizisten sind zu 60 % Analphabeten, die Ausbildung ist stark milit&auml;risch orientiert und eher im Widerspruch zu europ&auml;ischen Konzepten. Immer wieder hei&szlig;t es, die Qualit&auml;t dieser Ausbildung sei mangelhaft.</p>
<p>Die Polizei gilt als sehr korrupt. Das ist schon angesichts der &bdquo;Geh&auml;lter&ldquo; kein Wunder: Der Einstiegssold eines Patrolman lag bisher bei 70 $, eines Captain bei 78 $, eines Brigadegenerals bei 95 $. Nach der Besoldungsreform sollen sie 80/250/550 $ bekommen. Um eine Familie zu ern&auml;hren, braucht es 200 $. Bei der Reform der Polizeispitze im Mai (Reduzierung der Generale von 319 auf 120, der Colonels von 1.824 auf 305 et.) setzte der Pr&auml;sident in eine Liste von 84 Posten 14 bekannte Kriminelle, was zu erheblichem Konflikt f&uuml;hrte und noch korrigiert werden konnte.</p>
<p>Die Polizei soll insgesamt 62.000 Personen umfassen. Als umstrittene Notma&szlig;nahme werden auf Pr&auml;sidentenerlass hin aus Milizen 11.000 Hilfspolizisten rekrutiert. Um die Risiken dieser de-facto-Legalisierung von Milizen einzud&auml;mmen, soll die Hilfspolizei von der Regierung &ndash; und nicht von den Gouverneuren &ndash; bezahlt und heimatfern eingesetzt werden.&nbsp;</p>
<p>Die USA wollen ihr Milit&auml;r bis 2010 aus Afghanistan abziehen k&ouml;nnen und powern deshalb gigantisch in den Polizeiaufbau: nach 200 Mio. US-$ in 2005 in diesem Jahr 1,6 Milliarden, Tendenz weiter steigend. Knapp 600 US-Berater sind im Polizeibereich t&auml;tig, davon allein 70 im Stab des Police Reform Directorate (PRD) des Combined Security Transition Command-AFG. Das PRD setzt sich zu 60% aus Milit&auml;rs und zu 40% aus Zivilisten Sicherheitsfirmen MPRI und Dyncorp zusammen. Von 500 Polizei-Mentoren stellen die USA 450, andere Staaten zusammen 50. (Die US-Mentoren arbeiten in der Regel Vollzeit, dt. Mentoren haben gleichzeitig viele andere Aufgaben.)</p>
<p>Solche Quantit&auml;ten pr&auml;gen den ganzen Polizeiaufbau. &bdquo;Es ist nicht einfach, als Lead-Nation Juniorpartner zu sein&ldquo;, so ein dt. Polizist. Es hei&szlig;t, die USA seien an Kooperation mit den dt. Polizeiberatern interessiert. Angesichts der gigantischen und dr&auml;ngenden Herausforderungen an den Polizeiaufbau und angesichts der akuten Gefahr, bei solchen enormen quantitativen Diskrepanzen marginalisiert zu werden, ist eine Verst&auml;rkung des dt. Polizeiengagements (Verdoppelung bis Verdreifachung) unabdingbar. Sinnvoll w&auml;re seine Einbettung in eine ESVP-Mission.</p>
<p>Nicht nachvollziehbar ist, dass Ledige im Unterschied zu Verheirateten (alle zwei Monate) keinen Heimflug bezahlt bekommen.</p>
<p>(vgl. Brosch&uuml;re Polizeiliche Aufbauhilfe in Afghanistan, hrg. vom AA und BMI, Dezember 2005)</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(8) Polizeiaufbau in Afghanistan: NOTRUF</span></strong><strong>, Ende August 2007</strong></p>
<p>Angesichts des Anschlags auf die deutschen Polizisten in Kabul war auff&auml;llig, wie schnell die Diskussion wieder nur um Bundeswehr und Mandat kreiste. Dabei verdient der Polizeiaufbau h&ouml;chste Aufmerksamkeit!</p>
<p>Der Aufbau einer einigerma&szlig;en funktionsf&auml;higen und rechtsstaatlichen Polizei hat &ndash; neben dem der Justiz und Armee &ndash; eine strategische Schl&uuml;sselrolle f&uuml;r Gewalteind&auml;mmung und Friedensf&ouml;rderung in Afghanistan. Es ist eine notwendige Br&uuml;cke von fl&uuml;chtiger Sicherheit durch ISAF zu nachhaltiger Sicherheit. Ein Eckpfeiler dieser Br&uuml;cke, die EU-Polizeimission EUPOL AFG, droht zu brechen!</p>
<p>&nbsp;Die Herausforderungen in diesem Bereich sind gigantisch: Eine &auml;u&szlig;erst schlechte Polizei (Analphabetenrate, Minibezahlung, Korruption, schlechter Ausbildungsstand, anderweitige Loyalit&auml;ten) ist mit einer Vielfalt von Gewaltakteuren (kein funktionierendes Gewaltmonopol), grassierender Kriminalit&auml;t und regelrechten Gewaltkulturen konfrontiert.</p>
<p>Deutschland hatte im Rahmen der internationalen Arbeitsteilung die F&uuml;hrungsverantwortung f&uuml;r den Polizeiaufbau (Gro&szlig;britannien bei Drogenbek&auml;mpfung, Italien bei Justiz). Die nach Afghanistan entsandten PolizistInnen von Bund und L&auml;ndern leisteten, so auch mein pers&ouml;nlicher Eindruck, qualitativ gute Arbeit, z.B. beim Aufbau der Polizeiakademie. Mit zuerst 12 und zuletzt 42 BeamtInnen und 12 Mio. Euro/Jahr war das Unternehmen zugleich krass unterdimensioniert. Die Schw&auml;che des deutsch-koordinierten Polizeiaufbaus war die Einladung an die USA, mit ihrer Art von Polizeihilfe loszupowern: mit einem von 200 Mio. auf 2 Mrd. $ steigenden Etat, mit aberhunderten Beratern und Ausbildern, mit dem so teuren wie fragw&uuml;rdigen Einsatz privater Sicherheitsfirmen, mit einem militarisierten Polizeikonzept.</p>
<p>Um den Polizeiaufbau auf breitere Schultern zu bringen, l&ouml;ste Mitte Juni die EU Mission EUPOL AFG das dt. Polizeiprojektb&uuml;ro ab.</p>
<p>Der Polizeiaufbau ist seitdem vom Regen in den Wolkenbruch gekommen!</p>
<p>Der personelle Aufwuchs l&auml;uft &auml;u&szlig;erst schleppend. Inzwischen sind erst 60 PolizistInnen vor Ort. Bis M&auml;rz 2008 soll die Planst&auml;rke von 195 erreicht werden. &Uuml;ber die vom dt. Polizeiprojekt eingebrachten Fahrzeuge, R&auml;ume, Computer hinaus verf&uuml;gt EUPOL &uuml;ber keine weitere Ausstattung. Weitere Fahrzeuge sind auch nicht in Sicht. Dadurch wird Au&szlig;enarbeit massiv behindert. Das EU-Budget wurde kurzfristig von 58 Mio. auf 43,6 Mio. Euro gek&uuml;rzt. &Uuml;ber Projektmittel f&uuml;r Bau- und Ausstattungsprojekte verf&uuml;gt EUPOL gar nicht. Diese werden &uuml;ber das verbliebene 10-k&ouml;pfige Dt. Polizeiprojektteam beigesteuert.</p>
<p>Vor Wochen habe ich hierzu an die zust&auml;ndigen Minister Steinmeier und Sch&auml;uble einen regelrechten Brandbrief geschrieben. Er wurde ausweichend und besch&ouml;nigend beantwortet.</p>
<p>Wo die Zeit dr&auml;ngt, r&uuml;hrt die katastrophale Lage der Polizeimission an den Nerv des ganzen internationalen Afghanistan-Engagements und konterkariert die anderen Aufbaubem&uuml;hungen.</p>
<p>Die Bundesregierung ist hier in der Pflicht, schleunigst und energisch auf Abhilfe zu dr&auml;ngen.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(9) 2012 Mazar-e Sharif, Expandierende Polizeiausbildung</span></strong><strong>, </strong><em>Bericht von der 17. Afghanistanreise: &bdquo;R&uuml;ckzug aus der Verantwortung?&ldquo; (12/2012)</em>( <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1183">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1183</a></p>
<p>Im Sommer 2008 erlebte ich beim Besuch von Au&szlig;enminister Steinmeier die Grundsteinlegung zum Police Training Center direkt ostw&auml;rts neben Camp Marmal bei Mazar-e Sharif. Einige Wochen sp&auml;ter standen schon die ersten Geb&auml;ude im Rohbau. Damals, sechs (!) Jahre nach ihrem Start, bekam die deutsche Polizeiaufbauhilfe endlich einen quantitativen Schub. Vier Jahre sp&auml;ter ist das Ausbildungszentrum enorm expandiert und beherbergt auf 500 x 1000 m das Regional Police Training Center North (RPTC) mit der Nebenstelle der Kabuler National Police Academy.&nbsp; Einen halben Tag verbringe ich bei den gastfreundlichen Beamten des GPPT. Im Rahmen des GPPT arbeiten hier allein knapp 90 deutsche Polizeibeamte, darunter sechs Polizistinnen, inzwischen vor allem als Mentoren und Berater. (61 im RPTC, 15 Administration) An der Polizeiakademie arbeiten 27 dt. Polizeiberater. Von den Polizisten in Mazar kommen 37 von der Bundespolizei, 13 aus NRW, je 6 aus Bayern und Niedersachsen, je 5 aus Berlin und Hessen, 4 aus Rheinland-Pfalz, 3 aus Th&uuml;ringen, je 2 aus Baden-W&uuml;rttemberg, Sachsen und BKA, je 1 aus Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, niemand aus Brandenburg (grunds&auml;tzlich), aus Bremen, Hamburg, Saarland, Sachsen-Anhalt. Sie werden unterst&uuml;tzt von 47 lokalen &Uuml;bersetzern.</p>
<p>Die Trainingskapazit&auml;ten wachsen auf: in Mazar von 400 in 2011 auf 1.400 (davon 600 Akademie) im Juni 2012, in Kunduz von 120 auf 530. Landesweit wird die polizeiliche Breitenausbildung von bisher 37 Police Training Centers in den RPTC West, South, East, North (mit Au&szlig;enstellen in Kunduz, 540 Pl&auml;tze, und Badakhshan, 80 Pl&auml;tze), dem National PTC Wardak und einem PTC in Helmand konzentriert. Zusammen mit der Polizeiakademie (2.250 Pl&auml;tze) stehen dann 16.000 Ausbildungspl&auml;tze zur Verf&uuml;gung. Zu bedenken ist, dass einfache Polizisten und Unteroffiziere auf f&uuml;nf Jahre verpflichtet sind, Offiziere auf zehn Jahre.</p>
<p>Auf einem &Uuml;bungsplatz beobachte ich Polizeisch&uuml;ler beim &Uuml;ben einer Fahrzeugkontrolle. In der achtw&ouml;chigen Grundausbildung ist 70% Praxis. Bei ca. 70% der Ausbildung geht es um &Uuml;berlebensf&auml;higkeit. Um der Innent&auml;tergefahr vorzubeugen, haben die Polizeisch&uuml;ler nur Holzgewehre.</p>
<p>In einer Uffz-Klasse halte ich eine kurze Ansprache. Die hier brav sitzenden jungen Polizisten sind zugleich begeisterte Fu&szlig;- und Volleyballspieler. Die deutschen Polizisten w&uuml;rden ihnen gegen&uuml;ber gnadenlos verlieren.</p>
<p>Wir besuchen auch eine Kindertagesst&auml;tte mit ca. 20 Kindern der im RPTC besch&auml;ftigten Frauen. Die Einrichtung haben die deutschen PolizistInnen gesponsert. Eine ulkige Szene ergibt sich, als vor der Kamera zwei lachende Polizistenpakete neben einem Jungen in die Knie gehen &ndash; drei strahlende Glatzen. Drau&szlig;en sind die Polizeisch&uuml;ler unterwegs zum Mittagessen. Am laufenden Band freundliche Begr&uuml;&szlig;ungen zwischen den afghanischen und deutschen Kollegen.</p>
<p>Hauptzielgruppe des GPPT ist die Afghan Uniform Police (AUP), die allgemeine Polizei. F&uuml;r die paramilit&auml;rische Bereitschaftspolizei ANCOP sind Trainer der European Gendamerie Force zust&auml;ndig, ausdr&uuml;cklich nicht die dt. Polizisten. Seit April 2011 hat sich das Aufgabenprofil der deutschen Polizeiberater deutlich verschoben: Weg vom direkten Training hin zum Mentoring der afg. Ausbilder, von Polizisten in Stabs- und Verwaltungsfunktionen, zur Verbesserung der Ausbildungsqualit&auml;t und Unterst&uuml;tzung der Professionalit&auml;t. Entscheidend sei, dass die Trainer eigenst&auml;ndig w&uuml;rden, sich Gedanken machen.</p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Aktualisierung:</span></em><em>PTC an das afg. Innenministerium. Seit September ist kein deutscher Polizist mehr vor Ort. Insgesamt wurden 2012 in den von DEU errichteten PTC und Schulen mehr als 10.000 Polizisten ausgebildet, darunter &uuml;ber 750 Polizeitrainer. Lt. &bdquo;Fortschrittsbericht AFG&ldquo; der Bundesregierung vom November 2012 ist DEU damit der gr&ouml;&szlig;te Akteur im Bereich der Trainerausbildung. (</em><a href="http://www.auswaertiges-amt.de/cae/servlet/contentblob/632316/publicationFile/174653/121128_Fortschrittsbericht_2012.pdf"><em>www.auswaertiges-amt.de/cae/servlet/contentblob/632316/publicationFile/174653/121128_Fortschrittsbericht_2012.pdf</em></a></p>
<p>Seit 2009 beteiligte sich DEU an dem von den USA initiierten umfassenden Programm zur gezielten Ausbildung und Begleitung ganzer Distrikt-Polizeien (<em>Focused District Development/FDD</em>). Seit 24. Oktober 2011 sind dt. Polizisten nicht mehr an FDD beteiligt. Eigentlich sei es ein gutes Programm gewesen. Es brauchte aber viel Personal, insbesondere die von Soldaten begleiteten Ausfahrten in die Distrikte (je vier Polizisten und Feldj&auml;ger, zwei Sprachmittler + Schutzkomponente). Der Sinn von FDD wurde auch dadurch infrage gestellt, dass Polizeichefs und Polizisten immer wieder schnell versetzt wurden und so ein kontinuierliches Mentoring untergraben wurde.</p>
<p>Als Handicap der dt. Polizeihilfe bleibt: Wo die Begleitung nach den relativ sehr kurzen Trainingskursen entf&auml;llt, wo es keine Beratung am Arbeitsplatz gibt, ist die &bdquo;R&uuml;ckfallquote&ldquo; hoch und die Chance auf nachhaltige Wirkung viel geringer. Was bleibt von der Ausbildungsinvestition in den PTC`s?</p>
<p>(<em>Im Mai 2012 betrug der Personalschwund der ANP -1.400, d.h. ca. 1% der Gesamtst&auml;rke</em>.)</p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Aktualisierung</span></em>: <em>Offen bleibt, wie die milit&auml;rischen Police Advisor Teams der US-Streitkr&auml;fte wirken, die noch das Mentoring in der Fl&auml;che praktizieren. Offen bleiben die Parallelstrukturen au&szlig;erhalb der ANP: Village Stability Operations + Afghan Local Police (ALP), Critical Infrastructure Protection Program (CIPP), &bdquo;ungesetzliche Milizen&ldquo;. Der Halbjahresbericht des Pentagon &bdquo;on Progress Toward Security and Stability in AFG&ldquo; vom Dez. 2012 bringt eine &Uuml;bersicht zur ALP in 137 Distrikten landesweit. Demnach umfasste die ALP in den Distrikten Kunduz Stadt 225, Chara Darah 280, Imam Shahib 295, Dashte Archi 230, in zwei Distrikten von Takhar insgesamt 600, in Pul-e Khumri/Baghlan 321 etc. (</em><a href="http://www.defence.gov/news/1230_Report_final.pdf"><em>www.defence.gov/news/1230_Report_final.pdf</em></a><em> )Das CIPP lief offiziell am 30.9.2012 aus. Ein Teil wurde von der ALP &uuml;bernommen. Das hartn&auml;ckigste und andauerndste Problem sind die ungesetzlichen Milizen. Lt. Vorsitzendem des High Peace Council sollen diese Milizen allein in der Provinz Kunduz ca. 4.500 Mann umfassen. Im September gab es mehrere blutige Zwischenf&auml;lle mit ihnen &ndash; und in Kunduz Proteste f&uuml;r ihre Entwaffnung. </em><em>(vgl. Bei Afghanistan Analysts Network Gran Heward: Legal, illegal: Militia recruitment and (failed) disarmament in Kunduz, 10.11.2012, </em><a href="http://www.aan-afghanistan.con/print.asp?id=3108"><em>www.aan-afghanistan.con/print.asp?id=3108</em></a><em> )</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Bewerberlage bei GPPT</span>: Sie sei ausgezeichnet. 90% der Kurzzeittrainer h&auml;tten verl&auml;ngert. Seit 1. Januar 2012 geht das aber nicht mehr. Einige Absolventen der AFG-Kurse an der Bundespolizeiakademie seien jetzt in der Warteschleife. Ich frage nach dem pers&ouml;nlichen Gewinn des Einsatzes: Die Aufgaben seien hier viel breiter als in der Heimat. Man mache hier mehr Erfahrungen als in vier Jahren zu Hause. Es bringe mehr Selbstverwirklichung im Beruf. F&uuml;r polizeiliche F&auml;higkeiten im engeren Sinne sei er Einsatz kein besonderer Gewinn. Da sei ein FBI-Besuch ergiebiger. Die Karrierevertr&auml;glichkeit sei unterschiedlich. Wer bei der Bundespolizei im h&ouml;heren Dienst was werden wolle, m&uuml;sse ein Jahr im Ausland gewesen sein. In den L&auml;ndern und Dienststellen gebe es eher die &uuml;blichen Vorw&uuml;rfe (&bdquo;Du machst Geld und Urlaub, wir m&uuml;ssen deine Arbeit machen&ldquo;)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Alphabetisierung und &bdquo;nachholende Grundbildung&ldquo; f&uuml;r Polizisten</span> der ANP: Besuch der</p>
<p>GIZ-PIU (Police Implementation Unit), in der drei afghanische und zwei deutsche MitarbeiterInnen das seit 2009 laufende Programm organisieren. Ca. 70% der afghanischen Polizisten sind Analphabeten. Das Programm f&uuml;r alle 114 l&auml;ndlichen Distrikte und fast alle st&auml;dtischen Polizeistationen des ganzen Nordens beinhaltet Kurse von 6-8 Wochen und 6 Monaten. Der 6-Monatskurs schlie&szlig;t Basisausbildung in Polizeiaufgaben und &ndash;recht, Menschenrechte, Gender, h&auml;usliche Gewalt, Rule of Law, Gesundheitspflege ein. &Uuml;ber 300 einheimische ehemalige Polizisten und Milit&auml;rs sowie Zivile arbeiten als Lehrkr&auml;fte. F&uuml;r den Unterricht wurden 95 voll ausgestattete Container-Klassenr&auml;ume und acht Zelte f&uuml;r unzug&auml;ngliche Gebiete bereit gestellt. Stolz &uuml;berreicht man mir das erste, von Innenministerium und GIZ herausgegebene Handbuch f&uuml;r Polizeirecht sowie eine Lehrbrosch&uuml;re f&uuml;r Polizeisch&uuml;ler in einfacher Sprache. Seit 2009 haben knapp 13.000 Polizisten in Nord-AFG die 6-Monatskurse durchlaufen. An den Kurzzeitkursen nahmen 6.250 teil.</p>
<p>Dieses Projekt erscheint mir besonders sinnvoll: Es f&ouml;rdert Basisf&auml;higkeiten bei einer f&uuml;r die Zukunft des Landes besonders wichtigen Personengruppe; die Durchf&uuml;hrung ist gepr&auml;gt von <em>Afghan Ownership</em>. Insgesamt scheinen hier die Voraussetzungen f&uuml;r eine nachhaltige Wirkung am ehesten gegeben zu sein.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(10) Aufbauhilfen in Afghanistan unter immer schwereren Bedingungen</span></strong><strong> &ndash; Kurzbesuch </strong>in Kabul und Mazar-e Sharif im November 2016, (Begegnungen mit GPPT-Polizisten in Kabul + Mazar), <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1440">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1440</a></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(11)</span></strong><span style="text-decoration: underline;"> <strong>Angriff auf Green Village,</strong></span><strong> September 2019, </strong>Auszug aus UNAMA-Halbjahresbericht I/2019&nbsp; + j&uuml;ngste SIGAR-Berichte zu Zivilopfern, <a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1603">www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1603</a></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">03.09. Warnung von neun ehemaligen US-Gesandten</span>(darunter f&uuml;nf Kabul-Botschaftern, einem Sonderbeauftragten f&uuml;r AFG und einem stv. Au&szlig;enminister) auf der Website des Atlantic Council: AFG k&ouml;nne in einen &bdquo;totalen B&uuml;rgerkrieg&ldquo; kollabieren, wenn Pr&auml;sident Trupm die US-Truppen abziehe, bevor zwischen der afg. Regierung und den Taliban ein Friedensabkommen abgeschlossen sei. Der anf&auml;ngliche Abzug d&uuml;rfe nicht so weit und schnell gehen, dass die Taliban glauben k&ouml;nnten, einen milit&auml;rischen Sieg erringen zu k&ouml;nnen. (<a href="https://www.tolonews.com/afghanistan/ex-envoys-warn-civil-war-if-us-leaves-afghanistan">https://www.tolonews.com/afghanistan/ex-envoys-warn-civil-war-if-us-leaves-afghanistan</a> )</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">02.09. Kabul, Polizeidistrikt 9</span><strong>, </strong>21.55 Ortszeit:Angriff mit Kfz-Bombe auf das Green Village (Camp von ausl&auml;ndischen Entsandten, Polizisten &ndash; auch deutschen -, etc.), 16 Tote (acht Ausl&auml;nder), 119 &ndash; meist zivile &ndash; Verletzte (25 Ausl&auml;nder). 400 Ausl&auml;nder seien evakuiert worden. Die f&uuml;nf Angreifer wurden von Special Forces get&ouml;tet, eine Tankstelle fing Feuer. (Video der Zerst&ouml;rungen <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Q18ueelqOow">https://www.youtube.com/watch?v=Q18ueelqOow</a> ) Green Village war zuletzt im Januar mit einer Lkw-Bombe angegriffen worden (vier Tote, 90 Verletzte). (<a href="https://www.tolonews.com/afghanistan/taliban-truck-bomb-attack-kabul-kills-16">https://www.tolonews.com/afghanistan/taliban-truck-bomb-attack-kabul-kills-16</a> ) Lt. SZ v. 04.09. lief zeitgleich zum Anschlag auf TOLO-TV ein Interview mit dem US-Sondergesandten f&uuml;r AFG, Zalmay Khalilzad zu den Eckpunkten des Abkommens mit den Taliban: Man sei grunds&auml;tzlich &uuml;bereingekommen, dass die USA f&uuml;nf Milit&auml;rbasen binnen 135 Tagen r&auml;umen und 5.000 Soldaten abziehen. Im Land verbleibende US-Kr&auml;fte sollten nur noch gegen den lokalen IS-Ableger vorgehen. Die Taliban wollen im Gegenzug garantieren, &bdquo;dass ihr Land kein sicherer Aufenthaltsort mehr f&uuml;r Terroristen werde, an dem Attacken gegen die USA und andere Staaten geplant werden.&ldquo; Innerafghanische Friedensgespr&auml;che sollen folgen. Am n&auml;chsten Tag protestierten Anwohner des Green Village f&uuml;r den Abzug der internationalen Niederlassung aus ihrer Nachbarschaft.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">01.09. Kunduz: Talibanangriff</span> aus drei Richtungen ab 31.08, 01.30 Uhr &uuml;ber mehr als 24 Stunden. Lt. Innenministerium 20 afg. Sicherheitskr&auml;fte und f&uuml;nf Zivilisten get&ouml;tet, 80 &ndash; meist Zivilisten &ndash; verletzt. Am 31. abends schwere Explosion am zentralen Kreisverkehr, gerichtet gegen ein Treffen der lokalen Sicherheitsf&uuml;hrung, zehn Tote. Einsatz von Spezialeinheiten von NDS, Polizei und Armee, lt. IM 56 Taliban get&ouml;tet. (<a href="https://www.tolonews.com/afghanistan/20-security-force-members-killed-kunduz-battle">https://www.tolonews.com/afghanistan/20-security-force-members-killed-kunduz-battle</a> )</p>
<p><strong>(12) 20. Und letzter AFG-Besuch: Gespr&auml;ch mit drei Polizisten des GPPT in Mazar, Oktober 2019 </strong>(aus: &bdquo;Schlechtere Sicherheitslage, lebensnotwendige Unterst&uuml;tzung, durchhaltende Aufbauprojekte&ldquo;: Bericht von meinem 20. Afghanistanbesuch(Mazar-e Sharif und Kunduz,, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1613">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1613</a> )</p>
<p>In Mazar sind zzt. 15 deutsche Polizeibeamte, in Kabul sollten es eigentlich 35 sein. Nach dem Angriff auf &bdquo;Green Village&ldquo; besteht in Kabul aber keine Arbeitsf&auml;higkeit, geht es um Erhalt von Strukturen.</p>
<p>In Mazar arbeitet GPPT an zwei Schwerpunkten: (a) am Flughafen Beratung der Afghan Border Politice (&uuml;ber 200 Polizisten) bei Passkontrolle, Dokumentenexperten, Vorkontrollen und Interpol-Komponente;</p>
<p>(b) im <em>Sergeant Training Center</em> (STC) der ANP (fr&uuml;her Regionales Ausbildungszentrum, Baustart 2008, deutsch finanziert, 2014 &Uuml;bergabe an die afghanische Seite) f&uuml;r Polizei-Unteroffiziere, ostw&auml;rts an Camp Marmal anschlie&szlig;end. Die Polizeisch&uuml;lerzahlen schwanken zwischen 120/300 und 1.500. Die Absolventen des STC sind bei Operationen an vorderster Front dabei. GPPT-Aufgaben sind:</p>
<p>- Beratung der Leitung</p>
<p>- Fortbildung der mittleren Ebene</p>
<p>- Training f&uuml;r Wachmannschaften des STC</p>
<p>- Insgesamt train the trainer.</p>
<p>Plus der deutschen Polizei sei: Sie war durchg&auml;ngig da. Das schaffe Vertrauen. Bei Beratungsbedarf werde man als erstes gefragt. Die Afghanen wollen wohl eher deutschen Standard.</p>
<p>Heimatbundesl&auml;nder: Niedersachsen und Baden-W&uuml;rttemberg tragen die Beteiligung an internationaler Polizeihilfe voll mit. Der Dienstellenleiter des Niedersachsen war selbst im Auslandseinsatz. Insgesamt sei man eineinhalb Jahre weg. Manchmal fehle es an Anerkennung. Das werde von vielen angesprochen.</p>
<p><em>(Ich bin erleichtert zu h&ouml;ren, dass das Ausbildungszentrum noch gut laufen soll und dass GPPT nicht nur Spitzenberatung betreibt, sondern auch noch dichter an der Ausbildung dran ist. Ob die Beratungskapazit&auml;ten ausreichen, um Wirkung zu erzielen, kann ich nicht beurteilen. In diesen Tagen findet am neuen Fachgebiet &bdquo;Internationale polizeiliche Beziehungen&ldquo; an de Dt. Hochschule der Polizei in M&uuml;nster erstmalig eine Tagung zur Evaluation von polizeilichen Auslandseins&auml;tzen statt. Auf die Ergebnisse bin ich gespannt.)</em></p></div>


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