Kurzrede bei der 7. Pulse-of-Europe-Kundgebung in Münster/Ausstellung "Verschiedene Kriege"

Von: Nachtwei amSo, 30 April 2017 21:21:43 +01:00

Bei endlich wieder Sonnenschein nahmen am 30. April wieder etliche Hundert Menschen an der inzwischen 7. Pulse of Europe Kundgebung in Münster teil. Als eingeladene Redner sprachen Ruprecht Polenz, ehemaliger Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, und ich. Beim "Offenen Mikrofon" sprachen u.a, zwei Schülerinnen des Hittorf-Gymnasiums, die gerade von einem Besuch in der Partnerstadt Orleans zurück waren.



Kurze Rede bei der 7. Kundgebung von Pulse of Europe

am 30.04.2017 in Münster

(Ergänzungen gegenüber dem gesprochenen Wort kursiv, Fotos auf www.facebook.com/winfried.nachtwei )

Liebe Münsteranerinnen und Münsteraner mit Europa im Kopf und im Herzen,

Münster ist (mit Osnabrück) die Stadt des Westfälischen Friedens.

Vor 75 Jahren, 1942, vor knapp drei Generationen, war Münster das totale Gegenteil davon:

Hier war am früheren Hindenburgplatz das Generalkommando der Wehrmacht im Wehrkreis VI, d.h. Rheinland und Westfalen, stationiert. Aus diesem Raum wurden 14 Divisionen in den Krieg gegen die europäischen Nachbarn geschickt, Hunderttausende Männer gegen Norwegen, Niederlande, Belgien, Frankreich, Sowjetunion, Baltikum, Ukraine, Wegbereiter der Massenvernichtung durch Polizeibataillone (allein 16 aus dem Wehrkreis VI) und „Einsatzgruppen“.

Unglaublich, dass weniger als eine Generation später im Westen, Norden und Süden Westdeutschlands frühere Gegner zu Verbündeten, ja Partnern wurden, und mit der EU-Erweiterung 2004 auch die osteuropäischen Nachbarn gegenüber Gesamtdeutschland.

Unabhängig, wie man sonst zu Militär stehen mag: Die Streitkräfte der EU-Mitglieder und europäischen NATO-Staaten sind inzwischen so sehr miteinander verbunden und integriert (am meisten die Niederländer und die Deutschen), dass sie nicht mehr kriegsfähig gegeneinander sind.

Da sind Staaten und Institutionen zusammengewachsen, wie es das wohl noch nie gegeben hat.

Oft übersehen wurde dabei, dass weiterhin erhebliche und wichtige Unterschiede zwischen den europäischen Staaten und Völkern bestehen blieben. Zum Beispiel die sehr verschiedenen historischen Erfahrungen der einzelnen Völker, kollektive Erinnerungen, die bis heute die Wahrnehmung, Interessen, Politik der einzelnen Länder erheblich prägen.

Von daher ist die Ausstellung „Verschiedene Kriege. Nationale Geschichtsbücher über den Zweiten Weltkrieg“, die bis zum 12. Mai in der Bezirksregierung am Domplatz zu sehen ist, von besonderer Aktualität und besonders zu empfehlen. Initiiert vom EU-RUSSIA CIVIL SOCIETY FORUM werden hier die sehr unterschiedlichen Perspektiven der tschechischen, italienischen, polnischen, litauischen, russischen und deutschen Geschichtsbücher deutlich.

Die Nachbarn besser verstehen, ist elementar, wenn wir dem Auseinanderdriften in Europa begegnen, wenn wir deutsche Besserwisserei vermeiden wollen.

Zur Ausstellung „Verschiedene Kriege“: Autorin des deutschen Teils der Ausstellung ist Gudrun Wolff, ehem. Vorsitzende der Deutsch-Russischen Gesellschaft Münster.

Interview von Karin Völker mit Gudrun Wolff in den Westfälischen Nachrichten 29.04.2017, http://www.wn.de/Muenster/2785230-Ausstellung-in-der-Bezirksregierung-Verschiedene-Kriege-Interview-mit-Gudrun-Wolff

Die Ausstellung ist bis zum 12. Mai im Foyer der Bezirksregierung am Domplatz werktags von 8 bis 16 Uhr zu sehen.

Facebook-Seite der Deutsch-Russischen Gesellschaft Münster/Münsterland https://www.facebook.com/drg.muenster/posts/1198048106904277

Website der Ausstellung auf Englisch http://eu-russia-csf.org/index.php?id=626&L=0 , auf Russisch http://eu-russia-csf.org/index.php?id=626&L=1