Neuere Studien zur Sicherheitslage Afghanistan

Von: Nachtwei amDo, 19 April 2012 09:49:00 +01:00

Wer die Lageentwicklung in Afghanistan nicht oberflächlich-verzerrt, sondern realitätsnäher wahrnehmen will, sollte in mehrere neuere Studien blicken: die Quartalsberichte des Afghanistan NGO Safety Office ANSO, die CSIS-Studien, den Jahresbericht von UNAMA zu Zivilopfern..Hier die Links

 



Studien zur Sicherheitslage Afghanistans

Die Erfassung der tatsächlichen Sicherheitslage wird erschwert durch die extremen Unterschiede zwischen den Provinzen/Distrikten, durch selektive, einseitige und interessenbestimmte Darstellungen und pauschale, vom Bad-News-Mechanismus geprägte Wahrnehmungsmuster bei uns. Seit August 2007 versuchte ich das notwendige GENAUER HINSEGHEN durch meine Materialien zur Sicherheitslage AFG zu befördern. Die letzte Ausgabe stammt vom Mai 2011. (www.nachtwei.de/index.php/articles/news/1044 )Seitdem habe ich eine Aktualisierung nicht geschafft. Ersatzweise möchte ich auf mehrere besonders informationsreiche Studien hinweisen:

- ANSO Quarterly Data Report des Afghanistan NGO Safety Office, zuletzt Q.4 2011: Im Unterschied zu ISAF, die einen Rückgang der Sicherheitsvorfälle in 2011 meldet, registriert ANSO bei "von bewaffneter Opposition initiierten Angriffen" einen Anstieg um 14% - ein abgeflachter Trend gegenüber 65%-Anstieg in 2010 und 42% in 2009. Sehr aufschlussreich ist die Provinzübersicht: In Helmand sind die Angriffe um 72% auf 2416 gestiegen, in Badakhshan (Abbau des dt. PRT) um 63% auf 57; die Angriffe gingen zurück vor allem in Nordprovinzen: Balkh um 21% auf 144, Kunduz um 42% auf 205, Baghlan um 64% auf 81, Takhar um 76% auf 34. Zur Strategie der Internationalen Gemeinschaft resümmiert ANSO-Direktor Nic Lee: „the only coherent strategy the international community ever had in Afghanistan ... was the one to leave". www.ngosafety.org/index.php?pageid=67

- „Afghanistan: The Failed Metrics of Ten Years of War" von Anthony H. Cordesman, Center for Strategic & Internationals Studies CSIS Washington, 9. Februar 2012: Äußerst materialreich und differenziert zu allen Aspekten der Sicherheitsentwicklung  www.csis.org/publication/afghanistan-failed-metrics-ten-years-war

- Annual Report 2011 - Protection of Civilians in Armed Conflict in Afghanistan, UNAMA & UN Office of the High Commissioner for Human Rights, Kabul Februar 2012: In 2011 Anstieg der Zivilopfer gegenüber 2010 um 8% auf 3.021 und 25% gegenüber 2009. Davon seien 2.332 (77%) von der bewaffneten Opposition verursacht worden (Anstieg um 14% ggb. 2010), 410 (14%) von Pro-Regierungskräften (-4%). Der Anstieg der Zivilopfer durch Aufständische resultierte aus dem verstärkten Einsatz von Druckplatten-IED`s, die unterschiedslos wie Antipersonenminen wirken, aus der verheerenderen Wirkung von Selbstmordattentaten (80% mehr Tote) und der Zunahme von gezielten Tötungen von Zivilisten - 495 Angriffe auf Gouverneure, lokale Verwaltungsangestellte, Mitglieder von Provinz und Peace Councils und Stammesälteste. www.unama.unmissions.org/Portals/UNAMA/human rights/March PoC Annual Report Final.pdf