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Zivile Konfliktbearbeitung und Friedensförderung

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Bischofskonferenz will Zuschuss für Pax Christi streichen - mein Brief an Reinhard Kardinal Marx

Veröffentlicht von: Nachtwei am 29. Januar 2017 00:46:39 +02:00 (4622 Aufrufe)

Der Katholikentag 2018 in Münster steht unter der Losung "Suche Frieden". Von 2018 an soll es keinen Zuschuss der Bischofskonferenz mehr für die katholische Friedensbewegung Pax Christi geben. Der kurzsichtige und schädliche Streichungsbeschluss müsste rückgängig gemacht werden können.  

Bischofskonferenz will Zuschuss für Pax Christi streichen – Protestbrief an Kardinal Marx

Winfried Nachtwei, MdB a.D. (19.01.2017)

Der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) plant, den bisherigen jährlichen Zuschuss von 60.000 Euro für die katholische Friedensbewegung Pax Christi ab 2018 voll zu streichen. Das berichtete die Süddeutsche Zeitung am 17. Januar unter der Überschrift „Kategorie: unwichtig: (…) Für die katholischen Bistümer, die über den VDD ihre Gemeinschaftsprojekte finanzieren, ist das nicht viel Geld - allein an Kirchensteuern nehmen sie gerade mehr als sechs Milliarden Euro ein. Für Pax Christi, das seine Arbeit überwiegend aus Spenden und Beiträgen finanziert, würden jedoch 20 Prozent der Einnahmen wegfallen; "für uns stellt das die Existenz von Pax Christi auf Bundesebene infrage", sagt die Bundesvorsitzende Wiltrud Rösch-Metzler, die sich "schockiert" zeigt: "Ausgerechnet jetzt, wo die vielen Kriege und Konflikte die Menschen beunruhigen, scheint unsere Friedensarbeit von der Bischofskonferenz nicht mehr gewollt zu sein." http://www.sueddeutsche.de/politik/friedensbewegung-kategorie-unwichtig-1.3335166 )

Der Appell von pax christi an die Bischöfe, die Mittelstreichung zurückzunehmen: http://www.paxchristi.de/meldungen/view/5892902915932160/pax%20christi-Friedensarbeit%20weiter%20f%C3%B6rdern! Und: https://www.kirche-und-leben.de/artikel/dioezesen-streichen-60000-euro-zuschuss-fuer-pax-christi/

Kommentar in Publik Forum von Bettina Röder, https://www.publik-forum.de/Religion-Kirchen/sparen-am-frieden

Der Kontext: Die FAZ berichtete am 21. Januar über die Kürzungspläne zum VDD-Haushalt insgesamt: Demnach soll z.B. der Posten für die katholische Auslandseelsorge von 4,9 Mio. Euro auf 2,5 Mio. gekürzt werden. Kürzungen seien ohne Auswertung der jeweiligen Arbeitsfelder beschlossen worden (ohne Gutachten, gar Tischvorlage, nur „aus dem hohlen Bauch“). Die Leitung des Auswärtigen Amtes habe sich bezüglich des Abbaus der Auslandsseelsorge schon im letzten November an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewandt.

Meine Stellungnahme: Seit Anfang der 80er Jahre ist mir die beharrliche Arbeit der Frauen und Männer von pax christi immer wieder begegnet. Noch vor wenigen Tagen nahm ich an einer Podiumsdiskussion von pax christi im Bistum Münster zu „Internationalem Terrorismus – Herausforderung der christlichen Friedensethik“ teil. Angesichts der wuchernden Krisen und Kriege in unserer Nachbarschaft und des wachsenden Unfriedens hierzulande ist eine Stärkung von Friedenskräften notwendiger denn je. Die Streichung des Zuschusses für pax christi halte ich für in keiner Weise nachvollziehbar, für kurzsichtig und friedenspolitisch schädlich.

Vor diesem Hintergrund wandte ich mich kurzfristig am 19. Januar 2017 mit dem folgenden

Schreiben an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx:

„Sehr geehrter Herr Kardinal,

in der „Süddeutschen“ vom 17. Januar las ich, dass der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) plant, dem deutschen Zweig von Pax Christi ab 2018 den kompletten bisherigen Zuschuss von 60.000 Euro zu streichen.

Gestatten Sie, dass ich Ihnen hierzu meine überaus große Besorgnis mitteile.

Ich tue das vor dem Hintergrund meines 35-jährigen Engagements erst in der Friedensbewegung, seit Mitte der 90er Jahre in der Friedens- und Sicherheitspolitik und seit 2011 als Ko-Vorsitzender des Beirats Zivile Krisenprävention beim Auswärtigen Amt. Seit Anfang der 80er Jahre habe ich die Freundinnen und Freunde von Pax Christi als eine einzigartige Kraft von friedenspolitischer Gewissenhaftigkeit, Glaubwürdigkeit und Beständigkeit, als Fürsprecher und Pioniere für praktische Gewaltlosigkeit und gerechten Frieden erlebt – in einem friedensbewegten Umfeld, wo sonst Unstetigkeit, bloße Militärkritik und manche Ideologismen nicht selten sind.

Gründe für die Streichung des Zuschusses sind mir nicht bekannt. Ich kann und will nicht vermuten, dass eine Geringerschätzung von friedenspolitischer Basisarbeit dabei eine Rolle gespielt haben kann. Noch zum Welttag des Friedens am 1. Januar 2017 brachte ja die Deutsche Bischofskonferenz zum Thema „Gewaltlosigkeit – Stil einer Politik für den Frieden“ eine vorzügliche Arbeitshilfe heraus, die Sie mit einem Geleitwort ehrten (und zu der ich einen Beitrag leisten durfte).

Mit der Streichung des Zuschusses würde die einzige inhaltliche Stelle der deutschen Sektion, die der Generalsekretärin, gefährdet. Dies würde nach meiner Einschätzung die Arbeit der Sektion massiv beeinträchtigen und diese „wichtige Stimme in der kirchlichen Debatte über den Frieden“ (Ihr Schreiben an die Pax-Christi-Bundesvorsitzende Wiltrud Rösch-Metzler lt. SZ) schwächen. Nach meiner ernüchternden Erfahrung ist das Spenden- und Beitragsaufkommen auf dem Feld der Friedensarbeit und Friedenspolitik – im Unterschied z.B. zu humanitärer Hilfe - seit vielen Jahren ausgesprochen spärlich. Hier „alternative Einnahmequellen zu erschließen“, ist besonders mühsam und bedarf besonderer Investitionen.

Die finanzielle und praktische Schwächung von Pax Christi würde zugleich eine kontraproduktive Botschaft nahelegen: In Zeiten rapide wachsender friedenspolitischer Bedrohungen und Herausforderungen, wo endlich auch die Bundesregierung ihre Fähigkeiten zum zivilen Krisenengagement und Friedensförderung deutlich verstärken will (vgl. die neuen Leitlinien), reduziert die Katholische Kirche in Deutschland ihr Engagement für einen wichtigen Friedensakteur. Dies würde nicht nur in meinen Augen die Glaubwürdigkeit des kirchlichen Friedensengagements beeinträchtigen.

Seit Beginn meiner Arbeit im Deutschen Bundestag 1994 erfuhr ich in der Politik wechselnder Koalitionen eine notorische Kluft zwischen dem breiten und ehrlich-gemeinten Friedenswillen einerseits und der Vernachlässigung der zivilen Fähigkeiten und der dafür notwendigen Ressourcen andererseits. Das beschädigte jahrelang die Glaubwürdigkeit deutscher Außenpolitik, die Friedenspolitik sein soll, und ist bei vielen in mahnender Erinnerung.

Ich würde es außerordentlich begrüßen, wenn die deutschen Bischöfe einen Weg finden würden, eine Schwächung von Pax Christi als eines wichtigen Friedensakteurs der Katholischen Kirche in Deutschland zu vermeiden. Das wäre auch ein Zeichen der Ermutigung in einer Zeit, die Ermutigung und Befähigung ganz besonders braucht.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und verbleibe

mit besten Grüßen

Ihr

Winfried Nachtwei


Publikationsliste
Vortragsangebot zu Riga-Deportationen, Ghetto Riga + Dt. Riga-Komitee

Ende 1941/Anfang 1942 rollten Deportationszüge aus Deutschland und Österreich nach Riga.

1989 stieß ich auf die Spuren der verschleppten jüdischen Frauen, Männer und Kinder.

Mit meinem bebilderten Vortrag "Nachbarn von nebenan - verschollen in Riga" stehe ich gern für Erinnerungsveranstaltungen und Schulen zur Verfügung. (Anlage)

Vorstellung der "Toolbox Krisenmanagement"

Von der zivilen Krisenprävention bis zum Peacebuilding: Die 53-seitige Broschüre stellt kompakt und klar auf jeweils einer Themenseite Prinzipien, Akteure und Instrumente des Krisenmanagements vor. Bei einem Kolloquium im Bundestag in Berlin wurde die Schrift einem Fachpublikum vorgestellt. Erstellt von AutorInnen des Zentrums Internationale Friedenseinsätze ZIF und der Stiftung Wissenschaft und Politik SWP ist die "Toolbox" ein wichtiger Beitrag zur friedens- und sicherheitspolitischen Grundbildung auf einem Politikfeld, wo die Analphabetenrate in der Gesellschaft, aber auch in Medien und Politik sehr hoch ist. ... www.zif-berlin.de

zif
Auf dem Foto überreicht W. Nachtwei den AutorInnen seine 2008 erschienene Broschüre zur Zivilen Krisenprävention und Friedensförderung.

Mehr zur Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure bei der zivilen Konfliktbearbeitung u.a.:

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