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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: &quot;Krieg verhÃ¼ten, stabilen Frieden fÃ¶rdern!&quot; Mein Beitrag zu ziviler Konfliktbearbeitung in der Arbeitshilfe der Dt. Bischofskonferenz zum &quot;Welttag des Friedens&quot;</title>
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    <span class="xar-mod-title"><p>Zivile Konfliktbearbeitung und Friedensf&ouml;rderung</p></span>

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        <h1>
            &quot;Krieg verhÃ¼ten, stabilen Frieden fÃ¶rdern!&quot; Mein Beitrag zu ziviler Konfliktbearbeitung in der Arbeitshilfe der Dt. Bischofskonferenz zum &quot;Welttag des Friedens&quot;         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 20. Dezember 2016 13:20:17 +02:00 (52607 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Am 1. Januar 2007 feiert die katholische Kirche rund um den Globus den 50. &quot;Welttag des Friedens&quot;. Die Arbeitshilfe dazu steht unter dem Thema &quot;Gewaltlosigkeit - Stil einer Politik f&uuml;r den Frieden&quot;. Nach dem Geleitwort von Kardinal Reinhard Marx folgen Beitr&auml;ge von zehn Autoren, darunter auch dem Generalsekret&auml;r der Gemeinschaft Sant&acute;Egidio/Rom. &nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Krieg verh&uuml;ten, stabilen Frieden f&ouml;rdern!</strong></p>
<p align="center"><strong>Zivile Konfliktbearbeitung als Baustein deutscher Friedenspolitik</strong></p>
<p align="center">von Winfried Nachtwei, MdB a.D.</p>
<p align="center"><em>(ver&ouml;ffentlicht in: &bdquo;Gewaltlosigkeit &ndash; Stil einer Politik f&uuml;r den Frieden&ldquo;. Eine Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz zum 50. Welttag des Friedens am 1. Januar 2017. Die Arbeitshilfe: </em><a href="http://www.dbk-shop.de/media/files_public/wqnnfpqldwu/DBK_5291.pdf"><em>http://www.dbk-shop.de/media/files_public/wqnnfpqldwu/DBK_5291.pdf</em></a><em> )</em></p>
<p>Europa war &uuml;ber Jahrhunderte der Kontinent der Kriege. Nach zwei Weltkriegen und V&ouml;lkermord gelobten sich 1945 die V&ouml;lker der Vereinten Nationen, &bdquo;k&uuml;nftige Geschlechter vor der Gei&szlig;el des Krieges zu bewahren&ldquo; (Pr&auml;ambel der UN-Charta). Das Grundgesetz bestimmte 1949, dass die&nbsp; Bundesrepublik Deutschland &bdquo;als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden in der Welt dienen&ldquo; wolle. Die europ&auml;ische Integration, die Vers&ouml;hnung zwischen ehemaligen Kriegsgegnern und das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland schufen eine beispiellose Friedensentwicklung in Europa. Die deutsche Bev&ouml;lkerung steht seit Jahrzehnten in ihrer ganz gro&szlig;en Mehrheit hinter dem Friedensauftrag des Grundgesetzes und will keinen Krieg mehr.</p>
<p>Trotzdem: In den 90er Jahren kehrte auf dem Balkan wieder Krieg nach Europa zur&uuml;ck. Verantwortliche Politik durfte da nicht wegsehen. Enorm an Bedeutung gewannen seitdem weltweit &nbsp;innerstaatliche Kriege, Zerfall von Staatlichkeit und eine &bdquo;Privatisierung&ldquo; von Gewalt. Solche Kriege sind Fluchtursache Nr. 1. Bisherige Instrumente der Diplomatie und Entwicklungszusammenarbeit reichten nicht mehr aus. Von der UN beauftragte bewaffnete Friedensmissionen konnten im besten Fall einen Waffenstillstand absichern, aber keinen Frieden schaffen. Notwendig wurden zus&auml;tzlich neue Politikans&auml;tze und Instrumente der &bdquo;Zivilen Krisenpr&auml;vention und Konfliktbearbeitung&ldquo;.</p>
<p><strong>Vorrang der zivilen Konfliktbearbeitung</strong></p>
<p>Ihr Grundanliegen ist, Krieg zu verh&uuml;ten, Konflikte ohne Gewalt vorrangig mit zivilen Mitteln zu bearbeiten und zu l&ouml;sen, Gewalteskalationen zu verhindern und stabilen Frieden zu f&ouml;rdern. Dabei geht es um operative kurzfristige Gewaltpr&auml;vention in Konflikten (z.B. internationale Beobachter und UN-Sonderbeauftragte)&nbsp; und strukturbezogene l&auml;ngerfristige Bek&auml;mpfung von Konfliktursachen (z.B. schlechte Regierungsf&uuml;hrung, Minderheiten-diskriminierung). Die Prim&auml;rverantwortung f&uuml;r eine friedliche Konfliktbearbeitung liegt bei den Konfliktparteien selbst. Sie kann und sollte aber von au&szlig;en erheblich unterst&uuml;tzt werden. F&uuml;r komplexe Konflikte gibt es kein pr&auml;ventives &bdquo;Allheilmittel&ldquo; und keine Erfolgsgarantie.</p>
<p>Die Zivile Konfliktbearbeitung kam Ende der 90er Jahre in L&auml;ndern der EU, aber auch in der UN auf die Tagesordnung. In ihren Friedensdenkschriften von 2000 und 2007 betonten die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland den Vorrang der zivilen Konfliktbearbeitung f&uuml;r einen &bdquo;Gerechten Frieden&ldquo;. Zivile Konfliktbearbeitung ist praktizierte professionelle Gewaltfreiheit.</p>
<p>In Deutschland wurde ein erstes Handlungsfeld die Arbeit f&uuml;r gesellschaftliche Entfeindung und Verst&auml;ndigung auf dem Balkan. Hier setzt die Initiative f&uuml;r den Zivilen Friedensdienst (ZFD) an, die erheblich von christlichen Friedensgruppen ausging und ab 1998 von der Bundesregierung gef&ouml;rdert wurde. Die ausgebildeten Fachleute des ZFD gehen nicht als Besserwisser in Konfliktgebiete, sondern unterst&uuml;tzen &ouml;rtliche Friedenskr&auml;fte auf deren Anforderung hin. Ihre St&auml;rke ist ihre N&auml;he zu den Konfliktgesellschaften mit ihren Friedensmachern, ihr langer Atem und ihre Zuversicht. Zurzeit arbeiten rund 300 Fachkr&auml;fte in knapp 40 L&auml;ndern. Seit Gr&uuml;ndung wurden mehr als 1.100 Fachleute entsandt.</p>
<p>Ein zweites Handlungsfeld wurde die Bereitstellung von Zivilexperten f&uuml;r internationale (staatliche) Friedensmissionen von UN, OSZE und EU. Seit 2002&nbsp; trainiert das Zentrum Internationale Friedenseins&auml;tze (ZIF) in Berlin Fachleute f&uuml;r Wahlbeobachtung und Missionsaufgaben wie Demokratisierung, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Verwaltungsaufbau, Sicherheitssektorreform, Vers&ouml;hnungsarbeit. Das ZIF gilt als eine der f&uuml;hrenden Einrichtungen dieser Art weltweit.</p>
<p><strong>Friedensf&auml;higkeiten</strong></p>
<p>Als weitere neue Instrumente entstanden das Programm &bdquo;zivik&ldquo; zur Unterst&uuml;tzung lokaler Friedensakteure, die Deutsche Stiftung Friedensforschung in Osnabr&uuml;ck, die Arbeitsgemeinschaft Frieden und Entwicklung. Krisenpr&auml;vention wurde zu einem Schwerpunkt deutscher Entwicklungszusammenarbeit. Gest&auml;rkt wurden deutsche Beteiligungen an Internationalen Polizeimissionen, die beim Aufbau einer rechtsstaatlichen Polizei helfen sollen.</p>
<p>2004 beschloss das Bundeskabinett einen Aktionsplan &bdquo;Zivile Krisenpr&auml;vention, Konfliktl&ouml;sung und Friedenskonsolidierung&ldquo;, mit dem das ganze Politikfeld systematisch gest&auml;rkt werden sollte. Strategische Ansatzpunkte der zivilen Konfliktbearbeitung wurden die F&ouml;rderung verl&auml;sslicher staatlicher Strukturen und gesellschaftlicher Friedenspotenziale sowie die Sicherung von Lebenschancen in Wirtschaft und Umwelt. Der Aktionsplan beeindruckte mit der Vielfalt an Ma&szlig;nahmen, die in der &Ouml;ffentlichkeit oft kaum bekannt sind.</p>
<p>Der Aktionsplan galt in der deutschen und internationalen Fach&ouml;ffentlichkeit als bedeutender Fortschritt an Friedensf&auml;higkeit. Seine Handicaps waren aber die relative &bdquo;Unsichtbarkeit&ldquo; des Politikfeldes (verh&uuml;tete Gewalt sieht man nicht), die Widerspr&uuml;che verschiedener Ressortpolitiken (z.B. R&uuml;stungsexporte in Spannungsgebiete) und seine jahrelang stagnierende finanzielle und personelle Ausstattung. Die zivilen F&auml;higkeitsr&uuml;ckst&auml;nde monierten auch einsatzerfahrene Offiziere immer wieder.</p>
<p><strong>Neue Leitlinien &bdquo;Krisenengagement und Friedensf&ouml;rderung&ldquo;</strong></p>
<p>Einen neuen Schub bekam die zivile Konfliktbearbeitung in Deutschland mit dem 2010 gebildeten Unterausschuss des Bundestages zum Thema, der H&auml;ufung n&auml;her r&uuml;ckender Kriege und Krise, dem Review-2014-Prozess des Ausw&auml;rtigen Amtes und der Bildung der Abteilung &bdquo;Stabilisierung&ldquo;. Mit den neuen Leitlinien &bdquo;Krisenengagement und Friedensf&ouml;rderung&ldquo; der Bundesregierung, die im Fr&uuml;hjahr 2017 den Aktionsplan abl&ouml;sen sollen, soll das deutsche zivile Krisenengagement deutlich mehr Muskeln und Orientierung bekommen. Besonders dringlich sind</p>
<p>- die Etablierung einer integrierten Krisenfr&uuml;herkennung und fr&uuml;her ziviler Handlungsf&auml;higkeit,</p>
<p>- die St&auml;rkung von Konflikt-, Chancen- und Wirkungsanalyse in der Bundesregierung und in der Forschung,</p>
<p>- ein besseres Zusammenwirken von Ressorts und gesellschaftlichen Akteuren durch ressortgemeinsame Analyse, Planung, Ausbildung, &Uuml;bung und Einsatzauswertung,</p>
<p>- ein planm&auml;&szlig;iger Aufwuchs an schnell verf&uuml;gbaren Zivil- und Polizeiexperten (Aufholprogramm),</p>
<p>- die Stimmigkeit (Koh&auml;renz) der Ressortpolitiken und die Beachtung des &bdquo;do no harm&ldquo;-Prinzips (Vermeidung nicht-beabsichtigter sch&auml;dlicher Folgen) durch alle Ressorts und Akteure,</p>
<p>- eine Kommunikationsstrategie, um die vielf&auml;ltigen Pr&auml;ventionsbem&uuml;hungen und Friedenschancen bekannter zu machen und &uuml;ber blo&szlig;e Zustimmung hinaus breite &ouml;ffentliche und politische Unterst&uuml;tzung zu gewinnen,</p>
<p>- die St&auml;rkung der zivilen Konfliktbearbeitung in der OSZE, der EU, der UN und Regionalorganisationen.</p>
<p>Wo sich Kriege und Krisen in der europ&auml;ischen Nachbarschaft h&auml;ufen, ist zivile Konfliktbearbeitung notwendiger denn je. Zum Nulltarif ist sie nicht zu haben. Sie braucht kluge Politik, Investitionen und Fachleute.</p></div>


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