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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Ziviles Krisenengagement in stÃ¼rmischen Zeiten: VerÃ¤nderte Rahmenbedingungen seit dem Aktionsplan 2004 (Beitrag zu &quot;PeaceLab2016 - KrisenprÃ¤vention weiter denken&quot;) </title>
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    <span class="xar-mod-title"><p>Zivile Konfliktbearbeitung und Friedensf&ouml;rderung</p></span>

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            Ziviles Krisenengagement in stÃ¼rmischen Zeiten: VerÃ¤nderte Rahmenbedingungen seit dem Aktionsplan 2004 (Beitrag zu &quot;PeaceLab2016 - KrisenprÃ¤vention weiter denken&quot;)          </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 23. November 2016 22:50:40 +02:00 (46159 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Krisenbew&auml;ltigung vor zehn Jahren: Mit Balkan, Afghanistan, Kongo, Libanon war das schon heftig. Aus heutiger Sicht waren das noch &uuml;berschaubare Zeiten. Inzwischen h&auml;ufen und beschleunigen sich die akuten Krisen + Konflikte, sind hoch komplex, unberechenbar ... Um im wachsenden Durcheinander was mehr Klarheit zu finden, versuche ich seit etlichen Monaten, das Get&uuml;mmel zu sortieren. Damt zivile Krisenbew&auml;ltigung und Friedensf&ouml;rderung sich nicht in Projektitis oder Wunschdenken verliert, sondern sich n&uuml;chtern den realen Prozessen stellt - und dabei auch das &quot;Risiko&quot; der eigenen Ratlosigkeit in Kauf nimmt. &nbsp; &nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Ziviles Krisenengagement und Friedensf&ouml;rderung in st&uuml;rmischen Zeiten:</strong></p>
<p align="center"><strong>Ver&auml;nderte Rahmenbedingungen seit dem Aktionsplan von 2004</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei (seit 11.7. in Arbeit, letzter Stand 20.12.2016)</p>
<p><em>Der <strong>Aktionsplan Zivile Krisenpr&auml;vention ging 2004</strong> von der Dominanz &bdquo;Neuer Kriege&ldquo; mit Gewalt&ouml;konomien, schwacher, zerfallender Staatlichkeit und privatisierter Gewalt aus. Die Leitlinien &bdquo;Fragile Staaten&ldquo; der Bundesregierung von 2012: &bdquo;&Uuml;ber Jahrhunderte stellten starke, funktionie-rende Staaten die gr&ouml;&szlig;te Gefahr f&uuml;r den globalen Frieden dar. Heute sind vor allem schwache staatliche Gebilde eine gro&szlig;e Herausforderung f&uuml;r die globale Sicherheit.&ldquo;</em></p>
<p><em>Der Aktionsplan von 2004 formulierte aus damaliger Sicht drei strategische Ansatzpunkte: F&ouml;rderung verl&auml;sslicher staatlicher Strukturen (Rechtsstaatlichkeit, Demokratie + verantwortliche Regierungsf&uuml;hrung), F&ouml;rderung von Friedenspotenzialen (Zivilgesellschaft, Medien, Kultur + Bildung) und Sicherung von Lebenschancen (Wirtschaft + Soziales, Umwelt + Ressourcen). Au&szlig;erdem&nbsp; beschrieb er deutsche Beitr&auml;ge zu multilateralen Ans&auml;tzen der Krisenpr&auml;vention auf globalen, regionalen und nationalen Handlungsfeldern sowie die nationale Infrastruktur der Krisenpr&auml;vention</em></p>
<p><em>Die nach der Zusammenfassung folgende Auflistung ist eine unvollst&auml;ndige Sammlung ohne wissenschaftlichen Anspruch. Sie soll dazu anregen, die un&uuml;bersichtlichen, &uuml;berwiegend beun-ruhigenden Ver&auml;nderungen der Kontextbedingungen ungeschminkt, ohne Besch&ouml;nigung wie &Uuml;berdramatisierung wahrzunehmen.</em></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Zusammenfassung</span></strong></p>
<p>(1)Die im <strong>Aktionsplan markierten o.g. Herausforderungen</strong> bestehen weiter und sind keineswegs bew&auml;ltigt. Sie werden von den Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 sogar bekr&auml;ftigt. Kaum &ouml;ffentlich wahrgenommen wird jedoch, dass sich etliche Indikatoren f&uuml;r menschliche Sicherheit im globalen Durchschnitt seit Jahren deutlich verbessert haben: z.B. R&uuml;ckgang von extremer Armut und Analphabetismus, von Gewaltverbrechen (<a href="https://ourworldindata.org/about/">https://ourworldindata.org/about/</a> ), Hinzu kommen u.a.: das schrumpfende Ozonloch (Montreal-Abkommen von vor 30 Jahren wirkt), die Klimakonferenzen von Paris und Marrakesch, die historischen Fortschritte des Friedensabkommens in Kolumbien nach mehr als 50 Jahren B&uuml;rgerkrieg, der &Ouml;ffnung zwischen USA und Cuba; des Atomabkommen mit dem Iran; das enorme Potenzial an Peacebuildern und Erfahrungswissen.</p>
<p>(2) Dass einzelne L&auml;nder und <strong>Regionen &bdquo;aus den Fugen&ldquo;</strong> sind, ist grunds&auml;tzlich keine neue Erscheinung. Was sich aber fr&uuml;her ausblenden lie&szlig;, wird inzwischen auch auf der bisherigen Stabilit&auml;tsinsel Europa, die selbst von multiplen Krisen ger&uuml;ttelt wird, un&uuml;bersehbar und sp&uuml;rbar. (<em>vgl. Jonas Schaible &bdquo;Die Welt ist nicht aus den Fugen. Warum kommt es uns trotzdem so vor?&ldquo;</em></p>
<p><a href="http://www.carta.info/82834/die-welt-ist-nicht-aus-den-fugen-warum-kommt-es-uns-trotzdem-vor/"><em>http://www.carta.info/82834/die-welt-ist-nicht-aus-den-fugen-warum-kommt-es-uns-trotzdem-vor/</em></a><em> )</em></p>
<p>Das <strong>Konfliktumfeld Europas</strong> hat sich ausgeweitet, intensiviert und dynamisiert. Der Nahe und Mittlere Osten durchleidet einen Umbruch historischen Ausma&szlig;es. Die vielen gleichzeitigen, in Ursachen, Verlauf und Wirkungen vielfach verkn&uuml;pften&nbsp; Krisen sind von erheblicher Unberechenbarkeit und wirken nach Europa + Deutschland hinein. Die Grenzen zwischen innen und au&szlig;en verschwimmen zunehmend, Konflikte im Ausland k&ouml;nnen schnell ins Inland ausstrahlen &ndash; und umgekehrt (z.B. T&uuml;rkei, Flucht). Konfrontative Multipolarit&auml;t breitet sich aus auf Kosten kooperativer Politikans&auml;tze; Wiederaufleben zwischenstaatlicher Konflikte&nbsp; &ndash; bis zu Stellvertreterkriegen (Syrien) und direktem Kriegsrisiko (S&uuml;dchinesisches Meer).</p>
<p><strong>Gegen&uuml;ber 2004 haben sich</strong> <strong>Kontextbedingungen f&uuml;r (zivile) Krisenbew&auml;ltigung</strong>, UN-Friedens- sicherung und Friedensf&ouml;rderung erheblich ver&auml;ndert und zum Teil massiv erschwert: Revolution&auml;re Entwicklungen, B&uuml;rgerkriege (Zunahme seit 2007 von vier auf elf) und humanit&auml;re Gro&szlig;katastrophen, die der Aktionsplan so nicht auf dem Schirm hatte; innerstaatliche Kriege als Haupttreiber der gr&ouml;&szlig;ten Fluchtbewegung seit dem 2. Weltkrieg; die Desaster von Regimechange-Interventionen + Antiterrorkrieg (Krisen- und Chaostreiber aus den &bdquo;eigenen&ldquo; Reihen); exzessiver Staatsterrorismus in Syrien, russische und iranische Massivintervention, Waterloo der internationalen &bdquo;Gemeinschaft&ldquo; + &Ouml;ffentlichkeit; wuchernder transnationaler Terrorismus (Entgrenzung von Rekrutierung, Zielen, Methoden); zunehmende Risiken f&uuml;r humanit&auml;re Helfer, Journalisten, NGO`s, Peacekeeper; globalisierte &ouml;ffentliche Kommunikation/Internet, gesellschaftliche Polarisierungen. National-populistische Grundstr&ouml;mungen und Autoritarismus in vielen L&auml;ndern (auch in Europa) in der Offensive; erstarkende radikal antidemokratische und antiuniversalistische Str&ouml;mungen; Demokratie/Rechtsstaatlichkeit/europ&auml;ische Integration unter Stress/zunehmend gef&auml;hrdet. Wie es um das Friedensprojekt Europ&auml;ische Union in einem Jahren steht, ist ungewiss.</p>
<p>Die <strong>k&uuml;nftige Rolle und Politik der USA</strong> unter Pr&auml;sident Trump ist bisher nicht konkreter absehbar. Die tiefe Spaltung der US-Gesellschaft, Charakter und Denkmuster des Pr&auml;sidenten und seines Umfeldes lassen es aber als sehr unwahrscheinlich erscheinen, dass die neue US-Administration in der internationalen Politik eine stabilisierende, gar friedensf&ouml;rderliche Rolle spielen wird. Sie wird wahrscheinlich nationalistischen und rechtspopulistischen Grundstr&ouml;mungen weltweit Auftrieb geben, die internationalen Beziehungen weiter chaotisieren und die sowieso schon schw&auml;chelnde St&auml;rke des Rechts weiter untergraben. Die USA, die als erste 1945 die UN-Charta ratifizierten und mit 27% gr&ouml;&szlig;te Beitragszahler f&uuml;r UN-Friedenssicherung sind, werden k&uuml;nftig vermutlich eine UN-unfreundliche Politik verfolgen. Wo der &bdquo;m&auml;chtigste Staatschef&ldquo; der Welt zugleich der politisch unerfahrenste US-Pr&auml;sident ist, w&auml;chst das Risiko von Fehlentscheidungen mit unabsehbaren Auswirkungen. &bdquo;<em>Mit einer irrlichternden Weltmacht steigt aber auch die Kriegsgefahr.</em>&ldquo; (Bernd Ulrich ZEIT 10.11.2016)</p>
<p>(3) Beim <strong>strategischen Ansatzpunkt &bdquo;F&ouml;rderung verl&auml;sslicher Staatlichkeit</strong>&ldquo; (Rechtsstaatlichkeit) des Aktionsplans sind die Ern&uuml;chterungen erheblich (Unterst&uuml;tzung von Staatsaufbau dauert viel l&auml;nger, ist viel schwieriger und weniger erfolgreich als erwartet), sind die Gegenwinde massiver und die Wirkungsm&ouml;glichkeiten erschwert. Zugleich erleben die meisten Unterst&uuml;tzer-Staaten dieses strategischen Ansatzpunktes einen Akzeptanz- und Legitimationsverlust im Innern.</p>
<p>(4) Beim <strong>strategischen Ansatzpunkt &bdquo;F&ouml;rderung von gesellschaftlichen Friedenspotenzialen</strong>&ldquo; (gesellschaftliche Teilhabe) haben mit den sozialen Medien, internationaler Vernetzung und Kompetenzfortschritten Wirkungschancen zum Teil zugenommen. Sie sind dort aber r&uuml;ckl&auml;ufig, wo Autoritarismus, offensive Bek&auml;mpfung potenzieller &bdquo;Farben-Revolutionen&ldquo; und National-Populismus anwachsen oder sogar die Macht &uuml;bernehmen. (z.B. NGO-/&ldquo;Agenten&ldquo;-Gesetze in Russland, China, Israel)</p>
<p>(5) Beim <strong>strategischen Ansatzpunkt &bdquo;Sicherung von Lebenschancen</strong> in Wirtschaft + Umwelt&ldquo; (Entwicklung) zeigen die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 die f&uuml;r alle L&auml;nder notwendige Entwicklungsrichtung. Sie sind eine globale Chance sondergleichen. Am weiter wachsenden Problem des wachsenden Anteils junger, perspektivloser junger M&auml;nner in vielen schwachen, von Korrupten dominierten Staaten (.z.B. Subsahara) wird zugleich die Sprengkraft und Dringlichkeit des strategischen Ansatzpunktes &bdquo;Sicherung von Lebenschancen&ldquo; deutlich. Bisher ist hier kaum &bdquo;Entsch&auml;rfung&ldquo; in Sicht.</p>
<p>(6) <strong>Multilaterale Handlungsebenen</strong>: In Grundlagedokumenten der UN hat umfassende Conflict Prevention inzwischen h&ouml;chste Priorit&auml;t, gepr&auml;gt von einem kollektiv-gemeinn&uuml;tzigen, friedenspolitischen Verst&auml;ndnis von Pr&auml;vention (im Unterschied zu individuell-eigenn&uuml;tzigem Pr&auml;ventionsverst&auml;ndnis), aktuell die 17 Nachhaltigkeitsziele, insbesondere SDG 16.<a title="" href="#_ftn1">[1]</a></p>
<p>Die Responsibility to Protect (RtoP) wurde einstimmig von der UN-GV 2005 beschlossen (&bdquo;v&ouml;lker-rechtliche Norm im Werden&ldquo;): Primat der Pr&auml;vention schwerer Massenverbrechen; aufwachsende Pr&auml;ventionsstrukturen und &ndash;Netzwerke; Schw&auml;chung der RtoP durch die Libyen-Intervention (Delegitimierung), RtoP-Desaster in Syrien; Schutz der Zivilbev&ouml;lkerung geh&ouml;rt inzwischen zu den Pflichtaufgaben von UN-Missionen. Hoffnungsvolle Erfahrungen mit Zivilem Peacekeeping.</p>
<p>Die Zentralfunktion Friedenssicherung der UN ist dort blockiert, wo Interessen der Veto-M&auml;chte gegeneinander stehen (Syrien, Ukraine). Sie wird seit Jahren geschw&auml;cht durch den R&uuml;ckzug vieler reicher Staaten (auch Deutschland) aus dem UN-Peacekeeping. Dar&uuml;ber hinaus aber gibt es viel mehr an Kooperation und Konsens in der UN und mit ihren Sonderorganisationen, als gemeinhin wahrgenommen wird.</p>
<p>Die Au&szlig;enpolitik der EU ist erheblich geschw&auml;cht durch ihre multiplen Krisen, ihre zunehmende politische Zerrissenheit und den bevorstehenden Brexit. Grunds&auml;tzlich verf&uuml;gt die EU &uuml;ber vielf&auml;ltige Potenziale des zivilen Krisenengagements. Sie unterst&uuml;tzt den Aufbau der Afrikanischen Friedens- und Sicherheitsarchitektur (APSA).</p>
<p>Nach jahrelangem Bedeutungsverlust wurde die OSZE zum bedeutendsten multilateralen Akteur in der Ukrainekrise.&nbsp; (vgl. aktuell die sehr informative Reportage &bdquo;Schweigend durchs Konfliktgebiet&ldquo; von Marco Seliger in der FAZ 23.11.2016)</p>
<p>Der vorherrschende Trend im internationalen System ist die Schw&auml;chung von Integration, Kooperation und Regelbasiertheit und die Zunahme an Geopolitik, Renationalisierung, Konkurrenz und Konfrontation, eine globale Destabilisierung.</p>
<p><strong>(7) Weitere strategische Ansatzpunkte?</strong> Die bisherigen drei strategischen Ansatzpunkte sind alle auf die Reduzierung von Konfliktursachen orientiert und damit l&auml;ngerfristig angelegt. Sie gelten weiterhin. Wo sich aber Voraussetzungen f&uuml;r eine gemeinsame Ursachenbek&auml;mpfung zersetzen und Wirkungschancen von Ursachenbek&auml;mpfung begrenzt sind, wird die F&ouml;rderung und St&auml;rkung von kooperativen Ans&auml;tzen und ein effektiveres Krisenmanagement umso wichtiger. Die Frage dr&auml;ngt sich auf, ob diese beiden fundamentalen Herausforderungen nicht ein vierter und f&uuml;nfter strategischer Ansatzpunkt in den Leitlinien sein sollte: &bdquo;Zusammenwirken der st&auml;rksten globalen Akteure bei der Bew&auml;ltigung globaler Krisen&ldquo; und &bdquo;Ausgestaltung eines effektiven Krisenmanagements&ldquo;. (Hajo Gie&szlig;mann)</p>
<p>(8<strong>) Grundprobleme</strong></p>
<p>(a) Hierzulande wird seit Jahren und zu recht betont, dass mit Milit&auml;r + Krieg keine Konflikte zu l&ouml;sen seien, dass Dialog entscheidend f&uuml;r Frieden ist. Un&uuml;bersehbar ist zugleich, dass viele Machthaber in anderen Weltgegenden diesen Konsens nicht teilen, sondern im Gegenteil &ndash; und oft auch &bdquo;erfolgreich&ldquo; &ndash; auf autorit&auml;re, milit&auml;rische und Gewaltl&ouml;sungen setzen und an Dialog null interessiert sind.</p>
<p>(b) Der globale Vormarsch national-autorit&auml;r-populistischer Regierungen und Bewegungen zielt gegen die Grundwerte und Normen von UN- und Menschenrechtscharta und die menschenrechtsbasierte liberale Demokratie. Er bedroht diese existenziell &ndash; und damit tendenziell auch das friedliche Zusammenleben der Menschen. (Ziviles) Krisenengagement und Friedensf&ouml;rderung m&uuml;ssen sich nun auch der Dimension des politischen Kampfes stellen. Bernd Ulrich: Mit der US-Wahlnacht &bdquo;<em>hat die gr&ouml;&szlig;te politische und kulturelle Auseinandersetzung begonnen, die wir Nachkriegsmenschen erlebt haben. Der Kampf um die Demokratie ist wieder offen</em>.&ldquo; (10.11.2016)</p>
<p>(c) Zeithorizonte: Zwischen der Rasanz vieler destruktiver Prozesse (mit enormem medialen Widerhall) und der Langsamkeit, medialen &bdquo;Unsichtbarkeit&ldquo; und oft auch Begrenztheit konstruktiver Bem&uuml;hungen/Prozesse geht die Schere immer mehr auseinander.</p>
<p>(d) Krisen- und Gewaltpr&auml;vention ist angewiesen auf effektivere Krisenfr&uuml;herkennung und early action. Akteure milit&auml;rischer Sicherheitspolitik m&uuml;ssen im Rahmen ihres Prim&auml;rauftrages Gefahrenabwehr Worst-case-Entwicklungen einkalkulieren &ndash; &bdquo;Hardliner&ldquo; neigen dabei oft zu &Uuml;berdramatisierungen. Akteure ziviler Konfliktbearbeitung + Entwicklungszusammenarbeit bem&uuml;hen sich im Rahmen ihres Prim&auml;rinteresses an Chancen vor allem um Verstehen, Verst&auml;ndigung und Dialog &ndash; und k&ouml;nnen dabei in eine Verharmlosung von harten Bedrohungen verfallen. Bei allen professionellen Blickwinkeln und Interessen eine realit&auml;tsnahe Wahrnehmungsf&auml;higkeit zu schaffen, ist die gro&szlig;e Kunst.</p>
<p>(e) Um nicht in der Krisenreaktion stecken zu bleiben, vom Strudel der Bad news runtergezogen und gar gel&auml;hmt zu werden, um die Kurve zur Ursachenbek&auml;mpfung zu kriegen, ist viel st&auml;rker das Augenmerk zu lenken auf die Chancen, konstruktiven Potenziale, Prozesse und Akteure, die es auch immer wieder und fast &uuml;berall gibt. Chancenanalysen sind deshalb &uuml;berf&auml;llig.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Trends im Einzelnen: I. Krisentrends, II. Positivtrends </span></strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">I. Krisentrends</span></strong></p>
<p>(1) <strong>Gro&szlig;trends</strong> mit Relevanz f&uuml;r Krisenentwicklungen und &ndash;bew&auml;ltigungen: Globaler Umweltwandel, Ressourcenverknappung (Wasser, B&ouml;den, Rohstoffe); Demographie (&bdquo;Jugend&uuml;berhang&ldquo;, alternde Gesellschaften), Mobilit&auml;t + Urbanisierung (gr&ouml;&szlig;te Migration der Menschheitsgeschichte, wuchernde&nbsp; Megast&auml;dte), Globalisierung (mit Gewinnern und Verlierern) + Fragmentierung, digitale Revolution, technologische + wissenschaftliche Entwicklungen (Smartphone seit Januar 2007, Ambivalenz); auseinanderdriftende Einkommens-, Verm&ouml;gens- und Machtverteilung + Lebenschancen (Massen der Perspektivlosen + &bdquo;Abgeh&auml;ngten&ldquo;); multiple Stresszonen z.B. in Subsahara-Afrika.</p>
<p>(<em>Zu kl&auml;ren ist, welche dieser Gro&szlig;trends ziviles Krisenengagement auch angehen &ndash; und nicht nur ber&uuml;cksichtigen &ndash; sollte; Gefahr der Entgrenzung des Politikfeldes.)</em></p>
<p>(2) <strong>Gewaltkonflikte/Kriege/Gro&szlig;krisen</strong>:</p>
<p>- Von 2007 bis 2014 hat sich die Zahl gr&ouml;&szlig;erer B&uuml;rgerkriege von vier auf elf fast verdreifacht, innerstaatliche Gewaltkonflikte von 31 in 2010 auf 40 2014; Syrienkrieg als B&uuml;rgerkrieg, der durch Staatsterrorismus gez&uuml;ndet wurde, und mehrfacher Stellvertreterkrieg mit Konfessionalisierung, extremer Rolle ausl&auml;ndischer K&auml;mpfer (auf sunnitischer Seite mehrere Zehntausend Nichtsyrer aus mehr als 80 Staaten, ca. 60.000 bei der schiitischen &bdquo;Internationale&ldquo;) und einer eliminatorischen &bdquo;Grosny-Strategie&ldquo; der russischen Luftwaffe; &bdquo;Nie wieder Srebrenica, Irak, Libyen&ldquo;-Gel&ouml;bnisse gescheitert, keine Massenproteste gegen die systematische Bombardierung von Krankenh&auml;usern, Chemiewaffeneinsatz und Politik der verbrannten Erde in Syrien. (Kristin Helberg 5.12.2016, <a href="https://www.boell.de/de/2016/12/05/syrien-grab-der-menschlichkeit-ende-der-moral">https://www.boell.de/de/2016/12/05/syrien-grab-der-menschlichkeit-ende-der-moral</a> )</p>
<p>- In 2016 elf humanit&auml;re Krisen Level 3, sieben weitete L&auml;nder hoch gef&auml;hrdet; Bedarf humanit&auml;re Hilfe seit 2004 um fast 600% gestiegen.</p>
<p>- Transnationale Vernetzung von Ursachen, Akteuren und Wirkungen; historischer Umbruch des Nahen Osten/Middle East; keine Aussicht auf kurzfristige Entspannung. (keine &bdquo;Unwetterfront&ldquo;, sondern politischer &bdquo;Klimawandel&ldquo;)</p>
<p>- Innerstaatliche Kriege sind Haupttreiber der gr&ouml;&szlig;ten <strong>Fluchtbewegung</strong> seit dem 2. Weltkrieg. Die Eind&auml;mmung und Verh&uuml;tung von Kriegen ist zentral f&uuml;r eine wirksame Bek&auml;mpfung von Fluchtursachen.</p>
<p>- Die Vielzahl von Akteuren und Agenden (und der erhebliche Anteil von Gewaltinteressenten) erschweren Pr&auml;vention und Konfliktl&ouml;sung.</p>
<p>(3) <strong>Transnationaler Terrorismus</strong> (dschihadistisch) seit 2011 wieder stark wachsend (Todesopfer durch Terrorismus in 2011 unter 10.000, in 2014 &uuml;ber 30.000); Entgrenzung der Rekrutierungsbasis (ausl&auml;ndische K&auml;mpfer, Internetradikalisierung von Einzelt&auml;tern), der Ziele (v.a. &bdquo;weiche Ziele&ldquo;/Botschaft &ldquo;jeden kann es treffen&ldquo;) und Mitteln (auch Alltagsgegenst&auml;nde als Waffen).</p>
<p>Strategisches Ziel: Sch&uuml;ren von Angst/Misstrauen/Polarisierung/ Destabilisierung, Provozieren von Fehlreaktionen (&bdquo;Terror macht blind&ldquo;) &ndash; hierbei unter Ausnutzung der globalisierten Medienwirk-lichkeit bisher enorm erfolgreich (emotionale Botschaften mit enormen Reichweiten und Schockeffekten).</p>
<p>Menschliche Opfer sind weiterhin &uuml;berwiegend Muslime. Extreme und demonstrative Brutalisierung bei Boko Haram, Daesh/IS (hier erstmalig mit Staatsbildung). Laut Resolution 2249 des UN-Sicherheitsrates vom 20.11.2015 stellt der IS eine &bdquo;weltweite und beispiellose Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit&ldquo; dar.</p>
<p>Die Bedrohung von menschlicher, staatlicher + globaler kollektiver Sicherheit erfordert unmittelbare Gro&szlig;gefahrenabwehr, St&auml;rkung von gesellschaftlichen und politischen Abwehrkr&auml;ften/Zusammenhalt und koh&auml;rente, l&auml;ngerfristige Ursachenbek&auml;mpfung - zuerst dabei die Vermeidung kontraproduktiver Wirkungen.</p>
<p>(4) <strong>Zwischenstaatliche Konflikte: </strong>Inzwischen zunehmend konfrontative statt kooperative Multipolarit&auml;t (vgl. Globale Trends 2015), R&uuml;ckkehr von Geopolitik, &bdquo;rasante Aufl&ouml;sung des internationalen Systems und seiner Regeln&ldquo; (Andrea B&ouml;hm, ZEIT 6.10.2016); z.T. mit erheblichem&nbsp; Kriegsrisiko&nbsp; und weltwirtschaftlichen Folgen (S&uuml;dchinesisches Meer), Rivalit&auml;t zwischen Saudi-Arabien und Iran, K&auml;ltesturz RUS-Westen nach Krim-Okkupation und verdeckter/hybrider Kriegf&uuml;hrung; regionales Wettr&uuml;sten, Zerfall bestehender Regime f&uuml;r R&uuml;stungskontrolle + Abr&uuml;stung (KSE-Vertrag, Verifikationsmechanismen des Wiener Dokuments, Vertrag &uuml;ber den Offenen Himmel &ndash; &bdquo;<em>&Uuml;ber Jahrzehnte m&uuml;hsam aufgebautes Vertrauen ist dahin</em>&ldquo;, Minister Steinmeier in der FAZ 26.8.2016).</p>
<p>Eine USA unter Pr&auml;sident Trump wird mutma&szlig;lich die fragile Regelbasiertheit des internationalen Systems und kooperative Ans&auml;tze weiter schw&auml;chen. Mit einer irrlichternden Weltmacht USA w&uuml;rde die Kriegsgefahr steigen.</p>
<p>(5) <strong>Krisen- und Chaostreiber </strong>aus den eigenen Reihen des Westens: Interventionen, getragen von Arroganz + Inkompetenz der Macht; Desaster des Antiterror- und Irakkrieges 2003 ff., entgrenzter US-Drohnen- und Geheimkrieg, Nachkriegsversagen (Reports des brit. Unterhauses zu Irak, Libyen); Anti-Terrorkrieg in USA als &bdquo;Gesch&auml;ftsmodell&ldquo; (James Risen); R&uuml;stungsexporte in Krisengebiete; Integrationsversagen, ausgrenzende&bdquo;Ghettobildung&ldquo; von Banlieus mit hohem Migrantenanteil;</p>
<p>erhebliche Glaubw&uuml;rdigkeitsdefizite der &bdquo;westlichen Wertegemeinschaft&ldquo;.</p>
<p>Mit der Pr&auml;sidentschaft von D. Trump k&ouml;nnte das Ende &bdquo;des Westens&ldquo;, mit einem Wahlsieg von Le Pen in Frankreich das Ende des Europ&auml;ischen (Friedens-)Projekts eingel&auml;utet werden.</p>
<p>(6) <strong>Fragile + versagende Staatlichkeit:</strong> Versagen bei staatlichen Grundleistungen + ggb. Extremherausforderungen, Freiraum f&uuml;r Korruption, Organisierte Kriminalit&auml;t, ggfs. Terrorismus.</p>
<p>These &bdquo;<strong>Illusion Statebuilding&ldquo;</strong>: Ern&uuml;chterungen/Entt&auml;uschungen mit extern gest&uuml;tztem Staatsaufbau, der viel langwieriger + komplexer ist als von Politik und &Ouml;ffentlichkeiten erwartet. (z.B. Afghanistan, S&uuml;dsudan) &bdquo;Gef&uuml;hlte Fragilit&auml;t&ldquo; zunehmend in bisher als funktionierend geltenden Demokratien.</p>
<p>(7) <strong>Wachsender Autoritarismus </strong>(&bdquo;halbstarke Staaten&ldquo;): Lt. Bertelsmann Transformation Index 2015 erlebte mehr als die H&auml;lfte der 129 untersuchten Staaten seit 2013 erhebliche Demokratieeinbu&szlig;en (insgesamt 55 Autokratien, 40 &bdquo;harte Diktaturen&ldquo;). T&uuml;rkei auf dem Weg in eine Diktatur. &nbsp;Instrumentalisierung der Terrorismusbek&auml;mpfung gegen die Opposition, Gewaltreaktion auf demokratische Massenbewegungen/Aufst&auml;nde (Umkippen des Arabischen Fr&uuml;hlings, Verhinderung weiterer &bdquo;Farbrevolutionen&ldquo;), Druck auf Medien, demokratische Zivilgesellschaft und Menschenrechte (&bdquo;Agenten-Gesetze&ldquo; in Russland, China, Israel; &bdquo;shrinking spaces&ldquo;, <a href="https://www.boell.de/de/tags/shrinking-spaces">https://www.boell.de/de/tags/shrinking-spaces</a> ). Zunehmender Autoritarismus auch in mehreren EU-Staaten.</p>
<p>&bdquo;Globalisierung des Autoritarismus&ldquo;: Auff&auml;llig viele Autokraten, die mit dem R&uuml;ckhalt ihrer internationalen &bdquo;Community&ldquo; ohne R&uuml;cksicht auf ihr Image in der Welt&ouml;ffentlichkeit agieren, durch Diplomatie und &ouml;ffentlichen Druck kaum bis gar nicht erreichbar sind und offensiv gegen ihre internationalen Kritiker vorgehen. Offensive, mehr oder weniger verdeckte Propagandaoperationen von autorit&auml;ren Regimen gegen&uuml;ber liberalen Demokratien.</p>
<p><strong>Zunehmender Einfluss religi&ouml;ser Dogmen auf die Politik</strong>: 2006 in 22% der Staaten, 2016 in 33%; in Brasilien ein Viertel der Bev&ouml;lkerung in evangelikalen Pfingstkirchen, in den USA ca. 80 Mio. Evangelikale; Freikirchen in vielen afrikanischen Staaten als Machtfaktor, evangelikale Missionsoffensive (z.T. von US-Fundamentalisten gesteuert und finanziert)), insbesondere in den Kerngebieten des Islam in Afrika. Sunnitisch-wahabitischer Islam mit von Saudi-Arabien finanzierter Propagandaindustrie; in Syrien auf Seiten Assads der &bdquo;erste internationale schiitische Dschihad der Geschichte&ldquo;; in Russland Schulterschluss der russisch-orthodoxen Kirche mit dem Nationalismus Putins;</p>
<p><strong>(8) St&auml;rke des Rechts - Gewalt ist keine L&ouml;sung?</strong> Viele Machthaber praktizieren das Gegenteil und verweigern jedweden Dialog. Hierzulande wird seit Jahren und zu recht betont, dass mit Milit&auml;r + Krieg (in der Regel) keine Konflikte zu l&ouml;sen seien, dass Dialog und kooperative Ans&auml;tze entscheidend f&uuml;r Frieden sind.<a title="" href="#_ftn2">[2]</a> Un&uuml;bersehbar ist zugleich, dass viele Machthaber in anderen Weltgegenden diesen Konsens nicht teilen, sondern im Gegenteil &ndash; und oft auch &bdquo;erfolgreich&ldquo; &ndash; auf konfrontative Interessendurchsetzung, auf milit&auml;rische und Gewaltl&ouml;sungen setzen und an Dialog null interessiert sind.</p>
<p>Gro&szlig; ist die Ratlosigkeit und Uneinigkeit, wie mit solchen Akteuren wirksam umgegangen und wie ihnen begegnet werden kann.</p>
<p>Inzwischen wollen S&uuml;dafrika, Burundi und Gambia den Internationalen Strafgerichtshof verlassen, Russland zieht seine Unterschrift zum Rom-Statut des IStGH zur&uuml;ck (RUS hatte allerdings nie ratifiziert).</p>
<p><strong>(9) Digitalisierung, Globalisierung</strong> <strong>der Kommunikation, Cyber- und Informationsraum</strong>:</p>
<p>In der digitalen Revolution Ver&auml;nderungen elementarer Kulturtechniken (Art zu kommunizieren, sich zu organisieren, zu informieren, zu erinnern, zu orientieren), der permanente Angriff auf das Etablierte. Schattenseiten der &bdquo;explodierenden&ldquo; Informations- und Kommunikationsm&ouml;glichkeiten sind&nbsp; Enthemmungen und Entgrenzungen, jeder kann Massenmedium werden, rasante Verbreitung von Ger&uuml;chten und Falschmeldungen in Krisenlagen (Hysterisierungen), sich selbst best&auml;tigende &bdquo;Gruppenmeinungen&ldquo; (isolierte Echokammern), Emotionalisierung, Anheizen des postfaktischen Trends, anonyme Meinungsmache durch social bots, &auml;u&szlig;erst schnelle destruktive Massenwirkungen.</p>
<p>Im US-Wahlkampf neue Dimension einer zielgerichteten, hoch emotionalisierten, manipulativen Propaganda (datenbasiertes Microtargeting) sowie verdeckter Cyber-Angriffe, die gegen die Glaubw&uuml;rdigkeit des demokratischen Prozesses insgesamt gerichtet gewesen sein sollen.</p>
<p>Nach dem &bdquo;strategischen Gefreiten&ldquo; der &bdquo;strategische Kleinkriminelle&ldquo;, der sich &uuml;ber`s Internet radikalisiert und einen Anschlag mit nationaler, internationaler Auswirkung ver&uuml;ben kann.</p>
<p>Cyber- und Informationsraum sind ein Konfliktfeld von zunehmend strategischer Bedeutung: f&uuml;r hybride Operationen, f&uuml;r Cyberkriminalit&auml;t und Cyberangriffe auf Infrastruktur, Staatsfunktionen, Wirtschaft, B&uuml;rger (vgl. den sehr realistischen Thriller &bdquo;Blackout&ldquo;).</p>
<p><strong>(10) &Ouml;ffentliche Kommunikation +</strong> <strong>Medientrends</strong>: Berichterstattung oftmals verk&uuml;rzend, vereinfachend, konfliktorientiert, wo demokratische Politik eher langwierig, kompliziert und auf Kompromissfindung angewiesen ist; Vorrang von Personalisierung, Skandalisierung, Bad-News, z.T. auch Angstthemen; konstruktive Ereignisse + Akteure demgegen&uuml;ber von geringem Nachrichten- und Unterhaltungswert. &nbsp;(zusammen mit (9) <strong>Revolution&auml;rer Strukturwandel der &Ouml;ffentlichkeit</strong>)</p>
<p><strong>(11)</strong> <strong>Wachsende</strong> <strong>&Auml;ngste</strong> in Europa, auch der Deutschen (vor Terror 2016 bei 73%, ggb. 2015 +21%, &bdquo;Angstindex 2016:&nbsp; <a href="https://www.ruv.de/presse/aengste-der-deutschen">https://www.ruv.de/presse/aengste-der-deutschen</a> ); Motiv &bdquo;Sicherheit&ldquo; wird wahlrelevanter (bisher meist &bdquo;Wirtschaft&ldquo;);&nbsp; <strong>breite + massive Vertrauensverluste</strong> von etablierten Eliten/Demokratie insgesamt; gef&uuml;hlte &Auml;ngste exponentiell gr&ouml;&szlig;er als die objektiven Risiken (&bdquo;Risikoparadox&ldquo;: &Uuml;bersch&auml;tzung marginaler und Untersch&auml;tzung wirklicher Gefahren); &bdquo;postfaktischer Trend&ldquo; der Emotionalisierung, wo Gef&uuml;hle, Ressentiments, &Auml;ngste ausschlaggebend sind und der Wahrheitsgehalt von Aussagen keine Rolle spielt; Politik mit &Auml;ngsten, enthemmtem L&uuml;gen, wachsende Wutwellen, <strong>National-Populismus</strong> (Trumpismus) + rechtspopulistische &bdquo;Internationale&ldquo;, Online-Hass (soziale Medien als &bdquo;Hass-Schleusen&ldquo;, wo der Algorithmus Unzufriedenheiten und Hass in Teilen der Gesellschaft b&uuml;ndelt, verst&auml;rkt und verbreitet); zunehmende Polarisierung + Spaltung von Gesellschaften, schwindende Kommunikations- und Dialogf&auml;higkeit, Entsolidarisierungen; Demokratie + Rechtsstaatlichkeit unter Stress/in der Defensive.</p>
<p>(12) <strong>Un&uuml;bersichtlichkeit</strong>, <strong>Ungewissheit, Unberechenbarkeiten, &Uuml;berraschungen</strong>:&nbsp; politische + gesellschaftliche Prozesse sind kaum verl&auml;sslich prognostizierbar (Forsesight-Beitr&auml;ge 2015, SWP-Studie), Krisenfr&uuml;herkennung und &ndash;pr&auml;vention zunehmend schwieriger: Neben den Known Unknowns und den Unknown Unknowns noch die Realit&auml;t der Known Unwants (Nicht wahrhaben Wollen/ Wunschdenken).</p>
<p>(13) <strong>Europa</strong> unter Doppeldruck: die Gro&szlig;krisen/Kriege der Nachbarschaft wirken &uuml;ber Massenflucht und Terrorismus (foreign fighters, homegrown terrorism)&nbsp; in den bisherigen Stabilit&auml;tsraum hinein; zugleich stark anwachsende Renationalisierung, zentrifugale Kr&auml;fte und EU-Feindschaft. Angesichts der Unberechenbarkeit des bisherigen Hauptverb&uuml;ndeten und R&uuml;ckversicherers USA wird die EU auf sich zur&uuml;ckgeworfen. Zugleich w&auml;chst ihre relative globale Bedeutung f&uuml;r eine Politik des friedlichen Interessenausgleichs. Der Super-GAU eines Bruchs der deutsch-franz&ouml;sischen Partnerschaft und eines Auseinanderbrechens der EU ist m&ouml;glich.</p>
<p>(14) <strong>Deutschland</strong>: Die funfundzwanzigj&auml;hrige Ruhelage (&bdquo;von Freunden und Partnern umgeben&ldquo;) bekommt Risse; massiver Anstieg politisch motivierter Gewalt, v.a. von rechts (in den ersten drei Quartalen 2016 &gt; 1.800 Straftaten gegen Fl&uuml;chtlinge, dazu &gt; 800 Straftaten gegen Asylunterk&uuml;nfte), private Aufr&uuml;stung.</p>
<p><strong>Deutsche Beteiligung an internationalen Kriseneins&auml;tzen</strong>:Minimal bei UN-Missionen (Rang 51 der Personalsteller); zwiesp&auml;ltige Ergebnisse: wohl erfolgreiche und gewaltarme Kriegsverh&uuml;tung auf dem Balkan seit 2000; aber Abrutschen des Stabilisierungseinsatzes in Afghanistan in Aufstandsbek&auml;mpfung, erstmalige Beteiligung deutscher Soldaten an Bodenk&auml;mpfen, strategisches Ziele &bdquo;sicheres Umfeld&ldquo; und funktionierende Staatlichkeit seit ISAF-Abzug offenkundig nicht erreicht (&bdquo;nacht&auml;glicher Sinnverlust&ldquo;)</p>
<p>(15)&nbsp; <strong>Steuerungsf&auml;higkeit der Politik</strong> national und international r&uuml;ckl&auml;ufig: H&auml;ufung dynamischer, komplexer Herausforderungen + Krisen, zunehmende Unberechenbarkeit, Volatilit&auml;t: Verunsicherung, Ratlosigkeit, Erfahrung chronischer &Uuml;berforderung; oft Primat der Gefahrenabwehr, wo Konfliktursachen &bdquo;verkn&auml;ult&ldquo; und historisch gewachsen und dadurch nur schwer oder gar nicht erreichbar sind.</p>
<p>Vermehrte Probleme der Personalrekrutierung auf dem Feld der Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik in den deutschen Parteien.</p>
<p>(16) <strong>Peacekeeper, humanit&auml;re Helfer und Menschenrechtsverteidiger</strong>: in mehr L&auml;ndern erh&ouml;hte Risiken, verminderte Wirkungsm&ouml;glichkeiten (&bdquo;Hilfe per Fernsteuerung&ldquo;); zunehmende Diskreditierung/Abwehr von internationale Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Menschenrechtsschutz, NGO`s und Rechtsstaatsf&ouml;rderung als Einmischung/&ldquo;Intervention&ldquo;</p>
<p>(17) <strong>Schere der Geschwindigkeiten + politischen Breitenwirkungen</strong>: Rasante destruktiver Prozesse ggfs. binnen Stunden mit extrem breiter &Ouml;ffentlichkeitswirkung vs. Schneckengang konstruktiver Bem&uuml;hungen, die Jahre und Jahrzehnte brauchen und kaum &ouml;ffentlichen Widerhall finden.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">II. Positivtrends</span></strong></p>
<p><em>(Die bisherigen drei strategischen Ansatzpunkte und Engagements in multilateralen Kontexten sollten zur F&ouml;rderung dieser Positivtrends beitragen. Wieweit sie das auch leisteten, w&auml;re im Einzelfall zu pr&uuml;fen.)</em></p>
<p>(1) <strong>Zahl der Kriegstoten</strong> weltweit pro 100.000 Einwohner heute trotz Syrienkrieg weltweit so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht, von Jahrhunderten ganz zu schweigen (lt. Goldstein/Pinker, The decline of war and violence, Bostonglobe 15.4.2016, globale Kriegstodesrate von 22/100.000 in 1945 auf 0,3 in 2011, 2014 auf 1,4); R&uuml;ckgang von <strong>Gewaltverbrechen</strong>/Rate von T&ouml;tungsverbrechen seit Jahrzehnten in einer wachsenden Zahl an L&auml;ndern, v.a. Europa (Global Study of Homicide 2013, UNODC, <a href="https://www.unodc.org/gsh/">https://www.unodc.org/gsh/</a> )</p>
<p><strong>Friedensabkommen in Kolumbien</strong> nach mehr als 50 Jahren B&uuml;rgerkrieg im Juni 2016, Entfeindung zwischen USA und Cuba; Atomabkommen mit dem Iran. (Infrage gestellt durch die Trump-Administration?)</p>
<p>(2) <strong>Extreme Armut</strong> weltweit: 1870 90% der Weltbev&ouml;lkerung/1.021 Mio., 1970 60%/2.218 Mio., 2011/14% 990 Mio. (SPIEGEL 42/2016); Alphabetisierung heute global bei 89%, 1960 bei 60% (vgl. <a href="https://ourworldindata.org/about/">https://ourworldindata.org/about/</a> ); erleichterter Zugang zu allgemeiner Bildung; in den letzten zehn Jahren R&uuml;ckgang der Malariatoten um 43%, der HIV/Aids-Toten um 42% (Global Burden of Disease); starker R&uuml;ckgang der Kindersterblichkeit (18,5% der bis F&uuml;nfj&auml;hrigen in 1960, 4,3% in 2015); seit dem 20. Jahrhundert starker R&uuml;ckgang der Todesopfer durch Naturkatastrophen. (vgl. Guido Mingels, Fr&uuml;her war alles schlechter, 2015)</p>
<p>(3) <strong>Ozonloch schrumpft</strong>: Das Montreal-Abkommen von vor 30 Jahren wirkt! Das <strong>Klimaschutz-abkommen</strong> der 195 Staaten in Paris, in zwischen von 110 Staaten, darunter USA und China, ratifiziert und in Kraft getreten. Klimakonferenz in Marrakesch f&uuml;r Fahrplan zur Umsetzung der Klimaschutzziele von Paris, 47 L&auml;nder des &bdquo;Climate Vulnarable Forum&ldquo; wollen so schnell wie m&ouml;glich vollst&auml;ndig auf erneuerbare Energien umstellen. Riesige Potenziale erneuerbarer Energien in Afrika: Historisch neuer Entwicklungspfad w&auml;re m&ouml;glich, wenn er nicht durch schlechtes Investitionsklima und Regierungsf&uuml;hrung in etlichen L&auml;ndern behindert w&uuml;rde. (&bdquo;Afrika kann der gr&uuml;ne Kontinent werden&ldquo; , IEA-Direktor Fatih Birol, taz 18.11.2016)</p>
<p>(4) <strong>Dialog-, Kooperations- und&nbsp; Integrationsprozesse</strong> innergesellschaftlich und zwischenstaatlich1; internationaler Austausch und Partnerschaftsbeziehungen, Jugendwerke und Sch&uuml;leraustausche; auch die multinationale Integration von Streitkr&auml;ften, die fr&uuml;her/anderswo der Hort des Nationalen sind/waren (am fortgeschrittensten beim Deutsch-Niederl&auml;ndischen Korps in M&uuml;nster) und inzwischen auf eine strukturelle Kriegsunf&auml;higkeit untereinander hinausl&auml;uft.</p>
<p>(5) <strong>Menschenrechtsbewusstsein</strong>: &bdquo;Noch nie so viel wie heute&ldquo;, &bdquo;Rekordzahl an Demokratien&ldquo; (Prof. Anja Mihr 19.10.2016 bei SPD-Konferenz zu Ziviler Krisenpr&auml;vention; es stellt sich die Frage, ob diese These angesichts der weltweiten national-populistischen und autorit&auml;ren Grundstr&ouml;mung noch zu halten ist)). Farbrevolutionen: &uuml;berwiegend gewaltfreie Rebellionen/Aufst&auml;nde vor allem junger Menschen gegen Korruption, schlechte Regierungsf&uuml;hrung, autorit&auml;re Herrscher, Perspektivlosigkeit, zentrale Rolle sozialer Medien dabei (Georgien 2003, Ukraine 2004, Libanon, Kirgisien 2005)</p>
<p><strong>Friedensf&ouml;rdernde Rolle von Religionen</strong>, religi&ouml;sen Gruppen und Akteuren als Akteure der Vers&ouml;hnung und Friedensstifter; Beispiel der Gemeinschaft Sant` Egidio (n&auml;chstes Welttreffen 2017 in M&uuml;nster+Osnabr&uuml;ck) &ndash; <em>Erg&auml;nzungsbedarf &ndash;</em></p>
<p>(6) <strong>UN-Friedenssicherung</strong>: Anstieg der uniformierten UN-Peacekeeper von 53.400 in 2004 auf 103.500 in 16 Missionen 2016, Polizeikomponente in derselben Zeit von 6.000 auf ca. 13.000. J&uuml;ngster Erfolg in Liberia, wo UNMIL endet. Sehr erfolgreicher UN-Peacekeeping-Gipfel im September 2015 mit Zusagen &uuml;ber 40.0000 Peacekeeper, 8.000 allein durch China. (<span style="text-decoration: underline;">Allerdings</span>: &bdquo;Zwei-Klassen-Peacekeeping&ldquo;: Hauptfinanziers der Eins&auml;tze haben sich als Truppensteller erheblich zur&uuml;ckgezogen. Westliche Staaten von zwei Drittel Ende der 90er Jahre auf 8% heute) Fortschritte bei der Umsetzung der UN-Resolution 1325 &bdquo;Frauen, Frieden und Sicherheit&ldquo; (dt. Nationaler Aktionsplan seit 2012). UN-Reviews zeigen mehr Bereitschaft zu selbstkritischem Erfahrungslernen als viele UN-Mitglieder (z.B. Deutschland).</p>
<p>Teilweiser Funktionswandel von Milit&auml;r dort, wo es im Rahmen des UN-Systems auf Friedens-sicherung und Menschenw&uuml;rde verpflichtet ist; erfolgreiche Kriegsverh&uuml;tung und Basisstabilisierung durch UN-mandatierte NATO- und EU-Eins&auml;tze in Bosnien &amp; Herzegowina und Kosovo.</p>
<p>(7) <strong>Umfassende</strong> <strong>Conflict Prevention</strong> im UN-Kontext: in Grundlagendokumenten inzwischen von h&ouml;chster Priorit&auml;t, gepr&auml;gt von einem kollektiv-gemeinn&uuml;tzigen, friedenspolitischen Verst&auml;ndnis von Pr&auml;vention (im Unterschied zu individuell-eigenn&uuml;tzigem Pr&auml;ventionsverst&auml;ndnis). Aktuell die 17 Nachhaltigkeitsziele, insbesondere SDG 16.</p>
<p><strong>Responsibility to Protect (RtoP</strong>): einstimmig von UN-GV 2005 beschlossen, &bdquo;v&ouml;lkerrechtliche Norm im Werden&ldquo;, Primat der Pr&auml;vention schwerer Massenverbrechen; aufwachsende Pr&auml;ventionsstrukturen und &ndash;Netzwerke; Schutz der Zivilbev&ouml;lkerung inzwischen geh&ouml;rt inzwischen zu den Pflichtaufgaben von UN-Missionen. Hoffnungsvolle Erfahrungen mit Zivilem Peacekeeping.</p>
<p>Die Akzeptanz der RtoP wurde massiv besch&auml;digt durch den Fall Libyen 2011, wo die RtoP-Resolution des Sicherheitsrates von den Interventen in Richtung Regimechange missbraucht und die Responsibility to Rebuild zugleich v&ouml;llig missachtet wurde.</p>
<p>(8) <strong>Regionalorganisationen</strong>: <strong>OSZE</strong> nach jahrelangem Bedeutungsverlust inzwischen bedeutendster multilateraler Akteur in der Ukrainekrise; <strong>Zivile EU-Missionen</strong>: 23 seit 2003, davon 11 abgeschlossen; Entwicklung der Afrikanischen Friedens- und Sicherheitsarchitektur <strong>APSA.</strong></p>
<p>(9) <strong>Internationale Strafgerichtsbarkeit</strong>: historische Urteile gegen Staatsverbrecher (Afrik. Sonder-gericht gegen Ex-Diktator des Tschad; UN-Tribunal zum fr&uuml;heren Jugoslawien gegen Karadzic, Internationaler Strafgerichtshof gegen Bemba); die Anklagebeh&ouml;rde des IStGH steht kurz vor der Entscheidung, ob ein Ermittlungsverfahren gegen die USA wegen m&ouml;glicher Verbrechen in Afghanistan beantragt werden soll (das w&auml;re ein historischer Schritt gegen die Straflosigkeit der St&auml;rksten); 2017 tritt die erweiterte Zust&auml;ndigkeit des IStGH f&uuml;r den Straftatbestand des Angriffskrieges in Kraft.</p>
<p>(10) <strong>Deutsche Verantwortung:</strong> Das wirtschaftlich besonders starke, relativ stabile und international besonders angesehene Land (mit Ansehensverlusten bei etlichen EU-Partnern) ist zunehmend in einer faktischen F&uuml;hrungsrolle, bef&ouml;rdert durch den Teilr&uuml;ckzug der USA. Deutschland: Gestiegenes relatives Gewicht, besondere Rolle in der internationalen Klimapolitik, konstruktiver Ruf als &bdquo;Br&uuml;ckenbauer&ldquo; in gespaltener Internationaler Gemeinschaft (vgl. Pr&auml;sident der International Crisis Group Guehenno auf dem PeaceLab-Blog).</p>
<p>(11) <strong>B&uuml;rgerschaftliches und mitmenschliches Engagement </strong>lokal/national/international von NGO`s, Kirchen, Solidarit&auml;tsbewegungen, b&uuml;rgerschaftliche Fl&uuml;chtlingshilfe, hohe Spendenbereitschaft, Bewegung f&uuml;r &bdquo;Effektiven Altruismus&ldquo;; gesellschaftlicher Behauptungswillen&nbsp; nach Terroranschl&auml;gen, &bdquo;heroische Gelassenheit&ldquo;; die 2013 gegr&uuml;ndeten &bdquo;Wei&szlig;helme&ldquo; (&bdquo;Syrische Zivilverteidigung&ldquo;, Tr&auml;ger des Alternativen Nobelpreises 2016, <a href="http://www.frient.de/news/details/news/hbs-die-weisshelme-syriens-mutige-helfer/">http://www.frient.de/news/details/news/hbs-die-weisshelme-syriens-mutige-helfer/</a> ); &bdquo;<em>Musiker im Widerstand in Mali&nbsp; - bedroht von Terrorismus, radikalen Imamen und korrupter Regierung</em>&ldquo; (SZ 4.1.2016), Kraft der Zuversicht; Internationale &bdquo;Charta f&uuml;r politische Teilhabe&ldquo; gegen die Einschr&auml;nkung zivilgesellschaftlicher Spielr&auml;ume (Oktober 2016, <a href="https://civiccharter.org/">https://civiccharter.org/</a> )</p>
<p><strong>(12) Globalisierte Kommunikation,</strong> <strong>Internet + soziale Medien </strong><em>(Positiv- und Krisentrend zugleich)</em>: enorme M&ouml;glichkeiten der Informationsbeschaffung, der Kommunikation, Partizipation und sozialen/politischen Mobilisierung (vgl. Startphase des &bdquo;Arabischen Fr&uuml;hlings&ldquo;; vgl. Anti-TTIP-Kampagne; &nbsp;Ted-Konferenzen; <a href="http://www.perspective-daily.de/">www.perspective-daily.de</a> f&uuml;r &bdquo;konstruktiven Journalismus, <a href="http://n21.press/frueher-war-alles-schlechter-konstruktiver-journalismus/">http://n21.press/frueher-war-alles-schlechter-konstruktiver-journalismus/</a> ); (internationale) Recherchenetzwerke wie European Investigative Collaborations von 12 Medienh&auml;usern (darunter SPIEGEL, Newsweek, <a href="https://eic.network/">https://eic.network/</a> ), SZ/NDR/WDR&ndash; vgl. Krisentrend 9) und 10)</p>
<p>(13) <strong>Lernprozesse</strong>: UN-Reviews; Pr&auml;sident Obama`s Interventionsskepsis; &bdquo;Iraq Inquiry&ldquo; der Chilcot-Untersuchungskommission in GB (Juli 2016); Aufbauhilfe und EZ auch unter erschwerten Sicherheitsbedingungen (Risk Management Office der GIZ); enorme Erfahrungs- und Kompetenzpotenziale von Hunderttausenden Frauen + M&auml;nnern aus Dutzenden Krisenengagements</p>
<p>(14) <strong>Ressort- und akteurs&uuml;bergreifende Zusammenarbeit</strong> (integrierte, vernetzte Ans&auml;tze) und Management of Diversitiy: Praxisfortschritte gab es dort, wo die operativen Ziele kompatibel, verschiedene Mandate, Organisationskulturen wahrgenommen und Akteursegoismen hintangestellt wurden. Neue politische Koalitionen jenseits traditioneller politischer &bdquo;Lager&ldquo;.</p>
<p>(15) <strong>Neuere Instrumente der zivilen Konfliktbearbeitung</strong> in Deutschland etabliert, von allen Bundestagsparteien inzwischen anerkannt + bew&auml;hrt (ZIF, ZFD, zivik, EZ und Krisensensibilit&auml;t, FriEnt, DSF, Internationale Polizeimissionen), aber in der Ressourcenausstattung noch erheblich hinter der milit&auml;rischen Sicherheitspolitik zur&uuml;ck; Kapazit&auml;ten aus Verf&uuml;gbarkeit und nicht aus Bedarfsanalyse abgeleitet, weiterhin ohne breitere &ouml;ffentliche Wahrnehmung/Ausstrahlung.</p>
<p>Wachsender politischer Zuspruch zu Ziviler Konfliktbearbeitung in Bundestag und Bundesregierung&nbsp; seit ca. drei Jahren, inhaltlich getragen aber weiterhin nur von einer relativ schmalen Community und wenigen Fachpolitikern. Dringend notwendig ist ein &bdquo;Aufholprogramm&ldquo; mit zivilen Planzielen.</p>
<p>(16)<strong> Au&szlig;en- und friedenspolitische Einstellungen</strong>: In Deutschland verbreitete Antikriegshaltung, Vorrang ziviler Au&szlig;enpolitik, internationaler Aufbauunterst&uuml;tzung und humanit&auml;rer Hilfe. Seit 2014 wachsende Mehrheit f&uuml;r eher aktive Politik bei der Bew&auml;ltigung von internationalen Problemen, Krisen und Konflikten (2015 66%, vorher jahrelang ca. 50:50; Bev&ouml;lkerungsumfrage 2015 des ZMSBw). Kirchliche Friedensdenkschriften (EKD 2007, katholische Bisch&ouml;fe 2000) pr&auml;gen den friedensethischen Diskurs (&bdquo;gerechter Frieden&ldquo;).</p>
<p>(Weltweit aber sehr heterogene Einstellungen zu Krieg + Frieden, oftmals auch &bdquo;heroische&ldquo; Einstellungsmuster)</p>
<p>(17) <strong>Peacebuilder, Mediatoren, &bdquo;Friedensmacher&ldquo;</strong> auf verschiedenen Ebenen: von Abertausenden krisenerfahrenen Friedenspraktikern (viele au&szlig;erhalb traditioneller Friedensbewegung) bis zu&nbsp; UN-Sondergesandten und&nbsp; etlichen Friedens-Nobelpreistr&auml;gerInnen (Vorbilder), Best Practices, Friedenserfolge.</p>
<div><br clear="all" /><hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Eine sicherere Welt: Unsere gemeinsame Verantwortung, Bericht der Hochrangigen Gruppe f&uuml;r Bedrohungen, Herausforderungen und Wandel, UN-GV Dez. 2004</p>
<p>- In gr&ouml;&szlig;erer Freiheit: Auf dem Weg zu Entwicklung, Sicherheit und Menschenrechte f&uuml;r alle, Bericht des UN-SG Kofi Annan, M&auml;rz 2005 (zum Milleniumsgipfel)</p>
<p>- HIPPO-Report S/2015/446 vom 15.7.2015</p>
<p>- Report of the SG on the UN and conflict prevention: a collective recommitment, S/2015/730 v. 25.9.2015</p>
<p>- UN-GV, Sustainable Development Goals (SDGs), 25. September 2015, seit 1. Januar 2016 in Kraft getreten (SDG 16: <em>Friedliche und inklusive Gesellschaften im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung f&ouml;rdern, allen Menschen Zugang zur Justiz erm&ouml;glichen und effektive, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen</em>)</p>
<p>- Report of the SG &ldquo;One Humanity: Shared Responsibility&rdquo; for the World Humanitarian Summit, A/70/709 v. 31.1.2016</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Das gilt vor allem f&uuml;r innerstaatliche Konflikte. Zugleich ist eine historische Tatsache, dass der Weltkriegskonflikt mit dem v&ouml;lkerm&ouml;rderischen Nazi-Deutschland von den alliierten Armeen entschieden wurde. Was im kollektiven Ged&auml;chtnis der europ&auml;ischen Nachbarn selbstverst&auml;ndlich verankert ist, scheint mir in Deutschland teilverdr&auml;ngt zu sein. Die UN-Charta gesteht den Staaten ausdr&uuml;cklich das Recht auf nationale Selbstverteidigung als Ausnahme vom internationalen Gewaltverbot zu. Ruanda ist das bekannteste Beispiel, wo eine reale M&ouml;glichkeit, einen sich anbahnenden V&ouml;lkermord milit&auml;risch zu verhindern, nicht wahrgenommen wurde.</p>
</div>
</div></div>


           <br />
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