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Zivile Konfliktbearbeitung und Friedensförderung

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Nach dem Peacekeeper-Tag in Berlin Festakt "50 Jahre Entwicklungshelferin und -helfer" in Bonn - Anerkennung im Schatten

Veröffentlicht von: Nachtwei am 1. Juli 2013 15:15:04 +02:00 (9502 Aufrufe)

Vor 50 Jahren wurde der Deutsche Entwicklungsdienst DED gegründet. Große Leistungen Tausender EntwicklungshelferInnen seitdem! Der Festakt am 28. Juni sollte das würdigen. Das gelang nicht zuletzt wegen einer "besonderen" Ministerrede nur zum Teil. Hier der Bericht eines Nicht-Entwicklungspolitikers, der aber in etlichen Krisenregionen immer wieder bewundernswerten EntwicklungshelferInnen, z.B. des ZFD, begegnet ist und einen Nachholbedarf an Aufmerksamkeit für diese Menschen sieht.

Nach dem Peacekeeper-Tag in Berlin

Festakt „50 Jahre Entwicklungshelferin und Entwicklungshelfer" in Bonn - Anerkennung im Schatten

Winfried Nachtwei, MdB a.D. (1.7.2013)

 

Am 28. Juni luden das Entwicklungsministerium (BMZ), der AK „Lernen und Helfen in Übersee" (AKLHÜ) und GIZ zu dem Festakt „Eine Erfolgsgeschichte mit Zukunft - 50 Jahre Entwicklungshelferin und Entwicklungshelfer" in das Bonner Wasserwerk ein.

(Vorab-Pressemitteilung mit den Kernaussagen von Minister Niebel u.a. Rednerinnen: www.bmz.de/de/presse/aktuelleMeldungen/2013/juni/130628_pm_144_Dirk-Niebel-wuerdigt-das-Engagement-der-Entwicklungshelferinnen-und-Entwicklungshelfer/ )

Fünfzig Jahre zuvor, am 25. Juni 1963, war in Bonn in Anwesenheit von US-Präsident John F. Kennedy, Bundespräsident Lübke und Bundeskanzler Adenauer der Deutsche Entwicklungsdienst DED gegründet worden. 1964 wurden die ersten 110 deutschen EntwicklungshelferInnen nach Tansania, Libyen, Afghanistan und Indien entsandt, 1993 arbeiteten 1.100 EntwicklungshelferInnen in 30 Ländern. Im Januar 2011 wurde der DED (mit InWEnt) mit der GTZ zur neuen GIZ fusioniert.

Dass seit 1963 28.000 deutsche EntwicklungshelferInnen in mehr als 100 Ländern gegen Armut und Unterernährung, für bessere Lebensbedingungen, nachhaltige Entwicklung und solidarisches Lernen arbeiteten (17.000 davon durch den DED entsandt, 11.000 durch sechs staatlich anerkannte zivilgesellschaftliche Träger), verdient hohe Aufmerksamkeit, Anerkennung und Dankbarkeit - nicht nur der Entsendeorganisationen, sondern durch Politik und Gesellschaft insgesamt.

Bei dem Festakt kam das leider nur sehr zum Teil zum Ausdruck.

Der Festakt: Die Organisation durch das „Friedenspolitische Forum" der GIZ war professionell und freundlich. Der Ort war mit dem zeitweiligen Plenarsaal des Bundestages im Wasserwerk am UN-Campus prominent gewählt. Im Publikum neben MitarbeiterInnen von Ministerium, GIZ  und AKLHÜ VertreterInnen der sechs zivilgesellschaftlichen Entsendeorganisationen (AGEH, Brot für die Welt/Dienste in Übersee, Christliche Fachkräfte International, Eirene, ForumZFD, Weltfriedensdienst), internationale Gäste und einige ehemalige EntwicklungshelferInnen. Die TeilnehmerInnen der zwei Podien waren erfahrungsreiche EntwicklingspraktikerInnen, souverän moderiert von Jana Pareigis von Deutsche Welle TV: Was moderiert EntwicklungshelferInnen? Welche Beiträge leisten sie für die Gesellschaft vor Ort, in Deutschland? Wie bewerten Partnerorganisationen den Einsatz der EntwicklungshelferInnen? Ist er auch in Zukunft erforderlich? Welchen Mehrwert bringen diese Einsätze? Betont wurden die größere Basisnähe und das besondere soziale Engagement der EntwicklungshelferInnen (Dienst „ohne Erwerbsabsicht") und das beidseitige Lernen. Hingewiesen wurde auf veränderte Nachfrage und Tätigkeitsfelder. Der Deutsche Welle Chor, in dem 20 Nationen vertreten sind und der in 30 Sprachen (von Zulu bis Kölsch) singen kann, gab Kostproben harmonischer Vielstimmigkeit und Lebensfreude.

Einige Schatten: Zugleich war es - so schien mir - ein Festakt im Schatten.

Die Terminierung war zweifach unglücklich: Der 28. Juni war auch der letzte Sitzungstag des Bundestages vor der Sommerpause. Damit war eine Nichtteilnahme von Bundestagsabgeordneten vorprogrammiert. Um 17.00 Uhr zog die Grundsteinlegung des neuen GIZ-Bürogebäudes in der Friedrich-Ebert-Allee einige prominente Gäste ab, so den Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und Minister Dirk Niebel. Dieser hielt vorher eine „Rede zum Festakt", die eine „Würdigung des Engagements der Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer" bringen sollte. Wie er aber seinen Redetext mit Tempo ablas, wurde die verbale Würdigung zu einer lustlosen Pflichtübung. Zur Grundsteinlegung erschienen mehr als 150 Gäste - gerade so viele waren auch für den Festakt angemeldet, wo am Ende viele Plätze leer waren. Drei Tage danach ist von einer nachträglichen Pressemitteilung der Veranstalter nichts zu sehen, die Presseresonanz bleibt singulär - ein Artikel im lokalen Generalanzeiger. (www.general-anzeiger-bonn.de/news/politik/Mit-Festakt-wird-an-dieGruendung-erinnert-article1086444.html )

 

Rückblicke: Der 40-jährige Geburtstag des DED war 2003 mit Symposien, Fachgesprächen und einem großen Sommerfest in Anwesenheit von Bundespräsident Rau und anderen Staatsoberhäuptern begangen worden. Zum 50. Jahr der DED-Gründung kamen am 24.-26. Mai 2013 am Werbellin-See auf Initiative des Freundeskreises ehemaliger Angehöriger des DED und von ded50 mehr als 750 ehemalige EntwicklungshelferInnen und MitarbeiterInnen des DED zusammen. In der letzten Maiwoche richtete der DED-Freundeskreis in Anzeigen im Bonner Generalanzeiger und der taz schwere Vorwürfe an den Minister: Er habe „den DED mit fadenscheinigen Einspar-Argumenten zerschlagen und die Reste in die neue GIZ gezwungen". Der Freundeskreis „appelliert an die Entscheidungsträger in Zivilgesellschaft, Staat und Politik, sich für einen neuen EntwicklungsDienst einzusetzen, der zivilgesellschaftlich getragen und öffentlich mitfinanziert ist." (www.ded-freundeskreis.de ) Vor diesem Hintergrund kündigte „Entwicklungspolitik online" einen „Festakt in getrübter Stimmung" an. (www.epo.de )

 

Persönliche Anmerkung: Die Art des Redevortrags des Ministers und seine kurze Präsenz machten seine Worte der Anerkennung zur reinen Pflichtübung. Wäre ich Entwicklungshelfer gewesen, hätte ich das als grobe Unhöflichkeit, ja Mißachtung empfunden.

Über den Kreis von BMZ, GIZ und zivilgesellschaftlichen Trägerorganisationen hinaus waren nur wenige weitere Organisationen und Institutionen (z.B. der humanitären Hilfe, AA) und relativ wenige ehemalige EntwicklungshelferInnen vertreten. Die Fachöffentlichkeit schien kaum, die allgemeine Öffentlichkeit gar nicht einbezogen zu sein. Die Chance, öffentliche Aufmerksamkeit und Anerkennung für die engagierten Frauen und Männer des deutschen Entwicklungsdienstes zu schaffen, wurde vertan.

Auf dem „Tag des Peacekkepers" am 12. Juni und anderen friedens- und sicherheitspolitischen Konferenzen der letzten Tage (Evang. Akademie Berlin/EKD, Dt. Forum Sicherheitspolitik/BAKS) war ein zentrales und Dauerthema der umfassende, vernetzte Ansatz, die Suche nach dem optimalen Zusammenwirken verschiedener außen-, friedens- und sicherheitspolitischer Akteure bei komplementären Zielen. Von dieser Perspektive war im Wasserwerk nichts zu hören.

 

 


Publikationsliste
Vortragsangebot zu Riga-Deportationen, Ghetto Riga + Dt. Riga-Komitee

Ende 1941/Anfang 1942 rollten Deportationszüge aus Deutschland und Österreich nach Riga.

1989 stieß ich auf die Spuren der verschleppten jüdischen Frauen, Männer und Kinder.

Mit meinem bebilderten Vortrag "Nachbarn von nebenan - verschollen in Riga" stehe ich gern für Erinnerungsveranstaltungen und Schulen zur Verfügung. (Anlage)

Vorstellung der "Toolbox Krisenmanagement"

Von der zivilen Krisenprävention bis zum Peacebuilding: Die 53-seitige Broschüre stellt kompakt und klar auf jeweils einer Themenseite Prinzipien, Akteure und Instrumente des Krisenmanagements vor. Bei einem Kolloquium im Bundestag in Berlin wurde die Schrift einem Fachpublikum vorgestellt. Erstellt von AutorInnen des Zentrums Internationale Friedenseinsätze ZIF und der Stiftung Wissenschaft und Politik SWP ist die "Toolbox" ein wichtiger Beitrag zur friedens- und sicherheitspolitischen Grundbildung auf einem Politikfeld, wo die Analphabetenrate in der Gesellschaft, aber auch in Medien und Politik sehr hoch ist. ... www.zif-berlin.de

zif
Auf dem Foto überreicht W. Nachtwei den AutorInnen seine 2008 erschienene Broschüre zur Zivilen Krisenprävention und Friedensförderung.

Mehr zur Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure bei der zivilen Konfliktbearbeitung u.a.:

Tagebuch
    • Meine persönlichen Jahresrückblicke + Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik (Nr. 1-50 im Tagebuchformat)

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