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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Evaluierung des Afghanistan-Einsatzes: Nachtwei vor AuswÃ¤rtigem Auschuss</title>
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    <span class="xar-mod-title">Blog Rhein-Zeitung + Afghanistan + Interview</span>

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            Evaluierung des Afghanistan-Einsatzes: Nachtwei vor AuswÃ¤rtigem Auschuss         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 25. November 2010 13:34:06 +02:00 (167480 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p><img style="float: left; margin: 5px;" src="images/article/20101123_polenz-nachtwei.jpg" alt="Nachtwei mit dem Ausschussvorsitzenden Ruprecht Polenz, ebenfalls aus MÃ¼nster" />Seit mehr als vier Jahren forderte Nachtwei eine Wirksamkeitsbewertung des Afghanistan-Einsatzes. Jetzt nahm er als SachverstÃ¤ndiger in einer Ã–ffentlichen AnhÃ¶rung des AuswÃ¤rtigen Auschusses des Bundestages hierzu Stellung. Hier die - erweiterte - Fassung seiner Stellungnahme:</p></div>
            <div>    <h3>Stellungnahme zum Interfraktionellen Fragenkatalog zur Ã¶ffentlichen AnhÃ¶rung <strong>â€žKriterien der Bewertung des Afghanistan-Einsatzes&quot; </strong>des AuswÃ¤rtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages am 23. November 2010</h3>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB a.D.</p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Vorbemerkung:</span></em></p>
<p><em>Endlich findet eine AnhÃ¶rung zur Frage der Wirksamkeit des Afghanistan-Einsatzes statt. Seit mehr als vier Jahren, seit der offenkundigen VerschÃ¤rfung der Sicherheitslage in 2006, habe ich auf eine Bilanzierung gedrÃ¤ngt. Seit mehr als drei Jahren versuchte ich mit â€žHausmitteln&quot; zu einer laufenden und differenzierten Lageerfassung beizutragen.<a name="_ftnref1" href="index.php/articles/1019#_ftn1"><strong>[1]</strong></a> SPD und BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen forderten in einem gemeinsamen Antrag vom 9. Juni 2010 eine â€žEvaluierung der deutschen Beteiligung an ISAF und des deutschen und internationalen Engagements fÃ¼r den Wiederaufbau Afghanistans seit 2001&quot;und die Einsetzung einer begleitenden Kommission (BT-Drs. 17/1964).</em></p>
<p><em>An der vom Ausschussvorsitzenden Ruprecht Polenz (CDU) geleiteten AnhÃ¶rung von 7.30 bis 10.00 Uhr nahmen als weitere SachverstÃ¤ndige Dr. Babak Khalatbari (Konrad-Adenauer-Stiftung Islamabad), Dr. Citha MaaÃŸ (SWP) und Jan Koehler (Osteuropa-Insitut der Freien UniversitÃ¤t Berlin) teil. Herr Wadir Safi (Kabul University) war am Erscheinen gehindert. Die AnhÃ¶rung verfolgten bis zu 40 Abgeordnete des AuswÃ¤rtigen, aber auch des Verteidigungs- und Entwicklungsausschusses (AWZ), sowie ca. 60 ZuhÃ¶rer, darunter Afghanistan-Verantwortliche und -RÃ¼ckkehrer, Vertreter von Presse und Botschaften. Nicht anwesend ist wegen des heutigen Besuches von COMISAF General Petraeus der Afghanistan-Beauftragte der Bundesregierung, Botschafter Michael Steiner.</em></p>
<p><em>Dieser hatte den Abgeordneten und SachverstÃ¤ndigen im Vorfeld die achtseitige Gliederung des Fortschrittsberichts der Bundesregierung zu Afghanistan zugeleitet, der erstmalig im Dezember vor der fÃ¼r den 16. Dezember geplanten RegierungserklÃ¤rung der Kanzlerin erscheinen soll.<a name="_ftnref2" href="index.php/articles/1019#_ftn2"><strong>[2]</strong></a> Da fÃ¼r das Eingangsstatement im Ausschuss 5-8 Minute vorgegeben waren, konzentrierte ich mich auf die Fragen 3 und 4. Der folgende Text ist gegenÃ¼ber dem mÃ¼ndlichen Vortrag und der vorgelegten Kurzstellungnahme erweitert.</em></p>
<p><em>Das Wortprotokoll der AnhÃ¶rung wird demnÃ¤chst verÃ¶ffentlicht.<a name="_ftnref3" href="index.php/articles/1019#_ftn3"><strong>[3]</strong></a></em></p>
<p><strong>(1) Wie beurteilen Sie die MaÃŸnahmen im zivilen und militÃ¤rischen Bereich, die die Bundesregierung seit der Londoner Konferenz ergriffen </strong><strong>hat?</strong></p>
<p>(a) Das im Februar 2010 auf Antrag der Bundesregierung vom Deutschen Bundestag beschlossene neue Mandat krankt an seiner Abstraktheit und MilitÃ¤rlastigkeit: Die erste Bundeswehraufgabe UnterstÃ¼tzung der afghanischen Regierung bei der â€žAufrechterhaltung der Sicherheit&quot; Ã¼bergeht die Tatsache, dass in Teilen des Einsatzgebietes physische Sicherheit verloren gegangen, (Guerilla-)Krieg zurÃ¼ckgekehrt war und Wiederherstellung von Sicherheit notwendig wurde (â€žFriedenserzwingung&quot; statt â€žFriedensbewahrung&quot;). Die fortgesetzte BeschrÃ¤nkung des Mandats auf die militÃ¤rischen Aufgaben, KrÃ¤fte und FÃ¤higkeiten begÃ¼nstigte eine militÃ¤rlastige Wahrnehmung des Gesamteinsatzes und eine VernachlÃ¤ssigung der politisch-polizeilich-zivilen Aufgaben, KrÃ¤fte und FÃ¤higkeiten.</p>
<p>(b) Richtig ist die Schwerpunktsetzung des militÃ¤rischen Einsatzes stÃ¤rker auf Schutz der BevÃ¶lkerung und Ausbildung der SicherheitskrÃ¤fte. Unehrlich war, diese Schwerpunktverlagerung als eine â€žgrundsÃ¤tzlich defensive Ausrichtung&quot; auszugeben, wo de facto auf taktischer Ebene mehr Offensive praktiziert wird. Der KrÃ¤fteansatz wurde nicht aus dem Bedarf abgeleitet, sondern war ein Verhandlungskompromiss zwischen AA und BMVg.</p>
<p>(c) Die Verdoppelung der Etatmittel fÃ¼r das zivile Engagement (â€žEntwicklungsoffensive&quot;) ist ausdrÃ¼cklich zu begrÃ¼ÃŸen, weil es andere SpielrÃ¤ume schafft und Sinnvolles nicht mehr am Geldmangel scheitern muss. Zugleich ist das Problem mangelnder AbsorptionsfÃ¤higkeit und KorruptionsfÃ¶rderung sehr wohl bewusst.</p>
<p>(d) Nicht erkennbar ist eine - mit afghanischer Seite und VerbÃ¼ndeten abgesprochene - â€žRoad Map&quot; fÃ¼r das deutsche Engagement im deutschen Hauptverantwortungsbereich, orientiert auf eine â€žÃœbergabe in Verantwortung&quot; im Sicherheitsbereich bis 2014.</p>
<p><strong>(2) Wie beurteilen Sie die MaÃŸnahmen, die die afghanische Regierung nach ihrer Selbstverpflichtungen bei der Kabuler Konferenz ergriffen hat, insbesondere hinsichtlich der Verbesserung er RegierungsfÃ¼hrung und der angestrebten innerafghanischen politischen LÃ¶sung?</strong></p>
<p>Diese Frage kÃ¶nnen andere SachverstÃ¤ndige mit umfassender Vor-Ort-PrÃ¤senz besser beantworten. Angesichts des AusmaÃŸes von Klientelismus und Korruption ist von einer sehr tiefen Kluft zwischen Forderungen und Versprechen einerseits und realer Umsetzung andererseits auszugehen.</p>
<p><strong>(3) Wie lautet Ihre EinschÃ¤tzung zu dem von der Bundesregierung vorgelegten Kriterienkatalog? Wie stellt sich dieser im Vergleich zu den â€žBenchmarks&quot; anderer internationaler Organisationen und ISAF-LÃ¤nder dar? Welches sind realistische und in welchem Zeithorizont erreichbare Ziele?</strong></p>
<p>(a) Das Projekt einer Wirksamkeitsbewertung (Evaluierung) des politisch-militÃ¤risch-zivilen Afghanistan-Einsatzes ist seit Jahren Ã¼berfÃ¤llig. Eine ehrliche, ungeschÃ¶nte Zwischenbilanz ist nÃ¶tig, um ein mÃ¶gliches desastrÃ¶ses Scheitern des gesamten Engagements zu verhindern, um einen eskalierten MilitÃ¤reinsatz glimpflich reduzieren zu kÃ¶nnen, um schlieÃŸlich teils zu recht verlorenes Vertrauen etwas zurÃ¼ckgewinnen zu kÃ¶nnen.</p>
<p>(b) Bisher gibt es seitens der Bundesregierung keine fortlaufende Sicherheitslage Afghanistan, aus der Trends und Schwerpunkte erkennbar wÃ¤ren, sondern nur Berichterstattung Ã¼ber Einzelereignisse.<a name="_ftnref4" href="index.php/articles/1019#_ftn4">[4]</a> Auch gibt es keine umfassende zivile und Aufbaulage. Es Ã¼berwiegen Input- und TÃ¤tigkeitsberichte zu Sektoren und Projekten. Eine positive Ausnahme sind die BMZ -Studien von Jan Koehler u.a..<a name="_ftnref5" href="index.php/articles/1019#_ftn5">[5]</a> Ãœber die Jahre bildeten sich Strukturen von BeschÃ¶nigung, SelbsttÃ¤uschung, RealitÃ¤tsverlust und TÃ¤uschung heraus. Das Abdriften der frÃ¼heren Hoffnungsprovinz Kunduz ab 2007/2008 wollte man in der politischen FÃ¼hrung in Berlin nicht wahrhaben.<a name="_ftnref6" href="index.php/articles/1019#_ftn6">[6]</a> Die SchlÃ¼sselfrage nach der Wirksamkeit des deutschen und internationalen Engagements und damit nach dem Sinn des Einsatzes wurde nur â€žpolitisch&quot;, nicht systematisch-seriÃ¶s beantwortet. Eine realitÃ¤tsnahe und glaubwÃ¼rdige Bewertung der eigenen Wirkungen war damit nicht mÃ¶glich. Das lieferte die Ã–ffentlichkeit dem Ã¼blichen Bad-News-Mechanis-mus aus und leistete Pauschalwahrnehmungen und Vertrauensverlust Vorschub.</p>
<p>(c) Die methodischen Probleme einer Wirksamkeitsbewertung sind erheblich, aber kein Hinderungsgrund: Untersuchungen werden erschwert, gar verhindert durch UnzugÃ¤nglichkeit vieler Regionen, durch den Mangel an verlÃ¤sslichen â€žSensoren&quot;, durch Eigeninteressen der vielen beteiligten Nationen, Organisationen, Ressorts (Selbstrechtfertigung, Absicherungsdenken). MilitÃ¤rische, politische und zivile Akteure haben sehr unterschiedliche WirkungsmÃ¶glichkeiten und sind damit sehr verschieden evaluierbar. MilitÃ¤rischer Alltag auf der taktischen Ebene ist die Orientierung auf und die Messung von kurzfristigen Effects.<a name="_ftnref7" href="index.php/articles/1019#_ftn7">[7]</a> Im politischen Prozess, bei FÃ¶rderung von Nachhaltigkeit ist das nicht mÃ¶glich. Eine besondere Herausforderung ist, in einem doppelt komplexen Umfeld von Multilateralismus und fragmentierter afghanischer Gesellschaft Wirkungen zu identifizieren und zuzuordnen. SchlieÃŸlich: Wirksamkeitsbewertungen dÃ¼rfen nicht missverstanden werden als eine Art individuelle Leistungskontrolle fÃ¼r die Entsandten vor Ort.</p>
<p>(d) Im Mittelpunkt des Fortschrittsberichts steht richtigerweise der deutsche Hauptverantwortungsbereich im Norden, vor allem die fÃ¼nf Provinzen im Norden und Nordosten. Dabei muss aber die bisher Ã¼bliche deutsche Nabelschau Ã¼berwunden werden: Mit im Blick sein mÃ¼ssen das enorm aufgewachsene US-Engagement im Norden wie auch die Entwicklung in anderen Regionen. Was in Helmand und Kandahar geschieht, ist fÃ¼r den Norden von eminenter Bedeutung.</p>
<p>(e) Der vorliegende Katalog von 27 Bereichen/Handlungsfeldern ist sehr umfassend - und birgt damit zugleich das Risiko, sich analytisch zu Ã¼bernehmen, sich politisch zu verzetteln und in der Ã–ffentlichkeit nicht mehr kommunizierbar zu sein. Deshalb bedarf es - zusÃ¤tzlich - der Schwerpunktbildung und Priorisierung nach Dringlichkeit, Wirkungschancen und Zeithorizonten. Schwerpunktfelder sollten sein:</p>
<p>- physische Sicherheit der Afghanen und LeistungsfÃ¤higkeit der ANSF (afghanische SicherheitskrÃ¤fte), Bedrohungspotenzial fÃ¼r internationale Sicherheit</p>
<p>- LeistungsfÃ¤higkeit von Verwaltung und Konfliktregelung auf subnationaler Ebene</p>
<p>- materielle Infrastruktur (Trinkwasser, Energie, Transport)</p>
<p>- Gesundheitsversorgung</p>
<p>- Bildung, Lehrerausbildung, berufliche Bildung, UniversitÃ¤ten</p>
<p>- BeschÃ¤ftigung vor allem fÃ¼r junge Leute (49% sind jÃ¼nger als 15 Jahre; die Zahl der 15-</p>
<p>bis 19-JÃ¤hrigen steigt in den nÃ¤chsten fÃ¼nf Jahren um 1 Million auf 3,7 Millionen).</p>
<p>(Schwerpunktsetzung bedeutet nicht, sich von anderen Feldern zu verabschieden. Die FÃ¶r-</p>
<p>derung zum Beispiel von Zivilgesellschaft und innerafghanischen ReformkrÃ¤ften ist weiterhin dringend nÃ¶tig, auch wenn sie relevante Wirkungen erst mittelfristig entwickeln kann.)</p>
<p>(f) Ein wichtiger Punkt fehlt: die eigenen KrÃ¤fte, nicht nur die bekannten militÃ¤rischen FÃ¤higkeiten und KapazitÃ¤ten, auch die - weniger bis gar nicht bekannten - diplomatischen, zivilen und polizeilichen, sowie der Stand ihres Zusammenwirkens und des Erfahrungslernens. Die zivil-militÃ¤rische Zusammenarbeit in den PRT`s gilt offiziell als vorbildhaft. Auch wenn sich die Zusammenarbeit im Alltag vor Ort deutlich verbessert haben soll. Es gibt weder eine gemeinsame Lage noch ein institutionalisiertes GedÃ¤chnis. Eine Evaluierung der PRT`s war mal vorgesehen, wurde aber von der politischen Ebene gestoppt. Unter Insidern ist Konsens, dass der viel beschworenen Comprehensive Approach in erster Linie Lippenbekenntnis und kaum RealitÃ¤t ist.</p>
<p>(g) Um zu tatsÃ¤chlichen Indikatoren zu kommen, mÃ¼ssen die vorgelegten Gliederungspunkte operationalisiert werden. Ausgesprochen lehrreich sind hierzu die Lage- und Evaluierungsberichte anderer VerbÃ¼ndeter und Institutionen.<a name="_ftnref8" href="index.php/articles/1019#_ftn8">[8]</a></p>
<p>- Der seit 2008 erscheinende, inzwischen neunte <span style="text-decoration: underline;">kanadische Quartalsbericht</span> geht aus von sechs PrioritÃ¤ten, runtergebrochen auf 21 Benchmarks und jeweils 44 Fortschrittsindikatoren, Ausgangslagen und Zielen fÃ¼r 2011.<a name="_ftnref9" href="index.php/articles/1019#_ftn9">[9]</a></p>
<p>- Das unabhÃ¤ngige â€žThe Liaison Office&quot; (TLO) aus Kabul erstellte eine <span style="text-decoration: underline;">Vierjahresbilanz zum niederlÃ¤ndischen Engagement</span> in der sÃ¼dlichen Unruheprovinz Uruzgan, ausgehend von seiner Startstudie von 2006. Hier werden fÃ¼r Development sechs Felder, fÃ¼r Governance fÃ¼nf und Security drei Felder bewertet, auÃŸerdem die verschiedenen internationalen Akteure. Die TLO-Studie kommt zu einem differenziert positiven Ergebnis.<a name="_ftnref10" href="index.php/articles/1019#_ftn10">[10]</a></p>
<p>- Der Halbjahresbericht von Pentagon und anderen US-Ressorts &quot;<span style="text-decoration: underline;">Report to Congress on Progress Toward Security and Stability in Afghanistan</span>&quot;<a name="_ftnref11" href="index.php/articles/1019#_ftn11">[11]</a> bringt als einziger eine landesweite Bewertung, fokussiert auf die - von ISAF definierten - 80 Key Terrain Districts und 41 Area of Interest Districts. Governance, Development, Security und UnterstÃ¼tzung fÃ¼r Regierung bzw. AufstÃ¤ndische werden in fÃ¼nf Stufen bewertet.</p>
<p>- Das <span style="text-decoration: underline;">Bewertungssystem von ISAF</span> ist am umfassendsten und differenziertesten, aber zugleich nur wenig einsehbar.<a name="_ftnref12" href="index.php/articles/1019#_ftn12">[12]</a> In 2009 wurden zehn â€žEffects&quot; fÃ¼r Sicherheit, RegierungsfÃ¼hrung und Aufbau/Entwicklung bewertet. GegenwÃ¤rtig gibt es zwei Bewertungs&quot;welten&quot;: umfassend von den PRT`s Ã¼ber die Regionalkommandos bis zum ISAF Joint Command in Kabul (operatives Hauptquartier); reduziert auf wenige grobe Kriterien zu Sicherheit, wenig zu RegierungsfÃ¼hrung auf der politisch-strategischen Ebene des ISAF-Headquarter unter General Petraeus. Hier steht offenbar die politische Definitionsmacht und Botschaftskontrolle im Vordergrund.</p>
<p>- <span style="text-decoration: underline;">UNAMA</span> stÃ¼tzt sich vor allem auf die Indikatoren der Millenium Development Goals.<a name="_ftnref13" href="index.php/articles/1019#_ftn13">[13]</a></p>
<p>(h) Fallbeispiel Sicherheit: Wo ein sichereres Umfeld und Schutz der BevÃ¶lkerung der Auftrag sind, reichen SicherheitsvorfÃ¤lle/kinetc events (Feuerwechsel und Gefechte, SprengstoffanschlÃ¤ge, indirektes Feuer) als Kriterium nicht aus. Hier sind Bewegungsfreiheit und ZugÃ¤nglichkeit zu Distrikten fÃ¼r Staatsbedienstete, Helfer, BevÃ¶lkerung, SicherheitsgefÃ¼hl ausschlaggebend. Dies erfassen UNAMA und Afghanistan NGO Safety Office (ANSO).<a name="_ftnref14" href="index.php/articles/1019#_ftn14">[14]</a> Ein â€ždesired end state&quot; aus der Sicht weiter Landesteile wÃ¤re immer noch die Lage im Norden, insbesondere in Mazar.</p>
<p>(i) Realistische Ziele und Zeithorizonte:</p>
<p>- <span style="text-decoration: underline;">Zeithorizont (Sofort)Abzug 2011</span>: Ich kenne keine Hinweise, dass dies zu einem RÃ¼ckgang von Kriegsgewalt fÃ¼hren wÃ¼rde. Ich habe nur Hinweise, dass dann eine Gewaltexplosion erwartet wird: BÃ¼rgerkrieg im Norden, ausstrahlende Destabilisierung nach Pakistan und Richtung zentralasiatische Republiken.</p>
<p>- <span style="text-decoration: underline;">Zeithorizont VerantwortungsÃ¼bergabe und KampftruppenrÃ¼ckzug 2014</span>: Dieses Datum ist gesetzt, zu allererst durch die nÃ¤chste US-PrÃ¤sidentschaftswahl. Eine â€žbegleitete Verantwortung&quot; im Sicherheitsbereich muss innerhalb weniger Jahre erreicht werden. Das scheint - wenn Ã¼berhaupt - nur mit grÃ¶ÃŸter und gut konzertierter Anstrengung am ehesten mÃ¶glich bei der afghanischen Armee ANA. Eine solide Polizei ist bis 2014 sicher nicht erreichbar. Dasselbe gilt fÃ¼r eine ansatzweise wirksame subnationale Verwaltung und die anderen Felder von Aufbau und Entwicklung. Die notwendige und gewollte militÃ¤rische Abzugsperspektive in den nÃ¤chsten drei Jahren muss flankiert werden durch eine verlÃ¤ssliche, zivile und polizeiliche UnterstÃ¼tzungsprÃ¤senz deutlich darÃ¼ber hinaus.</p>
<p>Im nÃ¤chsten FrÃ¼hsommer kommt die Stunde der Wahrheit: Dann wird erkennbar sein, ob die groÃŸe Anstrengung dieses Jahres Wirkung zeigt, ob der jahrelange Trend von immer mehr SicherheitsvorfÃ¤llen (im 3. Quartal 2010 +59% gegenÃ¼ber dem Vorjahrszeitraum) gestoppt, gar umgekehrt werden konnte.</p>
<p><strong>(4) Welche VerÃ¤nderungen schlagen Sie fÃ¼r das weitere deutsche Engagement in Afghanistan vor?</strong></p>
<p>Eine Bilanzierung darf kein Selbstzweck sein. Sie soll realistische Ausgangsbasis fÃ¼r politische Schlussfolgerungen sein.</p>
<p>Ich konzentriere mich hier auf die vordringlichen Voraussetzungen eines aussichtsreichen und verantwortbaren deutschen Engagements.</p>
<p>(a) Ein <span style="text-decoration: underline;">klares und erfÃ¼llbares Mandat</span> von Bundesregierung/Bundestag fÃ¼r das deutsche Engagement: Die Hauptziele mÃ¼ssen realitÃ¤tsnÃ¤her benannt werden. Ãœber die Verpflichtung des Parlamentsbeteiligungsgesetzes hinaus sollten auch zentrale politische, zivile und polizeiliche Aufgaben und KrÃ¤fte definiert werden. Nur so kÃ¶nnen die RÃ¼ckstÃ¤nde im nichtmilitÃ¤rischen Bereich aufgeholt werden. (<span style="text-decoration: underline;">Umfassendes Mandat</span>)</p>
<p>(b) Wirksamkeitsbewertungen sollen wirksamere UnterstÃ¼tzungsmaÃŸnahmen und Politik ermÃ¶glichen. Diese brauchen zwingend entsprechende und verfÃ¼gbare <span style="text-decoration: underline;">PersonalkapazitÃ¤ten</span>. Das gilt vor allem fÃ¼r die Diplomatie, die bisher schon mangels Masse vor Ort den Primat der Politik nicht ausfÃ¼llen kann, und das gilt fÃ¼r die Polizeihilfe, die endlich eine verlÃ¤ssliche Rekrutierungsstruktur und einen Pool an neuen Stellen in Deutschland braucht. â€žVom Einsatz und Auftrag her denken&quot; muss ressortÃ¼bergreifend gelten und muss den bisherigen Primat innenpolitischer Interessen ablÃ¶sen. Angesichts des Akzeptanzverlustes des Afghanistan-Einsatzes bedarf es aber enormer Ãœberzeugungskraft und innenpolitischer Risikobereitschaft. Ich weiÃŸ allerdings nicht, woher diese FÃ¼hrungsstÃ¤rken im Jahr der Landtagswahlen herkommen sollen.</p>
<p>(c) Um die eigene Politik so kohÃ¤rent wie mÃ¶glich zu machen und den richtigen Anspruch des Comprehensive Approach mit Leben zu fÃ¼llen, ist eine ressortgemeinsame Lageerfassung, Planung und Auswertung, d.h. eine <span style="text-decoration: underline;">ressortgemeinsame Task Force</span> der Regierung dringend nÃ¶tig. Zumindest bis zum Ende der 16. Legislaturperiode galt, dass auch auf Seiten des Bundestages ein Mehr an Ressortgemeinsamkeit nÃ¶tig und mÃ¶glich gewesen wÃ¤re. Bezeichnend ist, dass es zum ressortÃ¼bergreifenden Thema der zivil-militÃ¤rischen Beziehungen und Zusammenarbeit nie eine gemeinsame Meinungsbildung der verschiedenen AusschÃ¼sse zusammen gab.</p>
<p>(d) Ohne den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Ressorts zu nahe treten zu wollen: Nach aller Erfahrung wird eine interne Evaluierung durch LoyalitÃ¤ten, Legitimations- und Ressortinteressen, individuelle RÃ¼cksichtnahmen beeintrÃ¤chtigt. Von eingebundenen Beamten kann nicht erwartet werden, dass sie politische Fehler markieren und ggfs. ein Scheitern feststellen. Eine verlÃ¤ssliche und glaubwÃ¼rdige Evaluierung braucht <span style="text-decoration: underline;">organisierte UnabhÃ¤ngigkeit</span> und politisches Gewicht.<a name="_ftnref15" href="index.php/articles/1019#_ftn15">[15]</a></p>
<p>(e) Kommunikation: An der Schwelle des zehnten (!) Jahres steckt der Afghanistan-Einsatz in dem Dilemma, dass er fÃ¼r einen glimpflichen und verantwortbaren Ausgang besonderer Anstrengungen bedarf, zugleich aber in der BevÃ¶lkerung die Ablehnung dominiert und unter Soldaten und Politikern die Zweifel am Sinn und der ErfÃ¼llbarkeit des Einsatzes massiv sind. Nach Jahren einer beschÃ¶nigenden offiziellen â€žInformationspolitik&quot; ist nun eine <span style="text-decoration: underline;">ehrliche und differenzierte Kommunikation</span> des Afghanistan-Engagements unabdingbar. Die letzte Chance dazu bietet der kommende â€žFortschrittsbericht&quot;. In ihm mÃ¼ssen die massiven politischen Fehler deutscher und internationaler Afghanistanpolitik, beginnend mit â€žunseren&quot; unter Rot-GrÃ¼n, rÃ¼cksichtslos benannt werden. Der Fortschrittsbericht muss seine Fortsetzung in Quartals- bzw. Halbjahresberichten finden.</p>
<p><strong>AbschlieÃŸende Bemerkung:</strong></p>
<p>Wer Afghanistan besucht, kommt immer wieder mit gespaltenen EindrÃ¼cken zurÃ¼ck.</p>
<p>Deprimierend ist meist das, was man zum politischen Prozess, auch zur VerschÃ¤rfung der Sicherheitslage erfÃ¤hrt.</p>
<p>Motivierend hingegen sind immer wieder die Begegnungen mit den vielen phantastischen und mutigen Menschen, mit Afghaninnen und Afghanen, mit internationalen UnterstÃ¼tzern.</p>
<p>Auch hier im Saal sind einige Afghanistan-RÃ¼ckkehrer.</p>
<p>Stellvertretend mÃ¶chte ich mit Ihnen unseren Diplomaten, Soldaten, Entwicklungshelfern, Polizisten danken fÃ¼r ihre hervorragende Arbeit. Ich habe Sie vor Ort erlebt.</p>
<p>Sie verdienen Interesse an Ihrer Arbeit, an Ihren Erfahrungen. Daran fehlt es hierzulande meist, oft auch in den eigenen Institutionen.</p>
<p>VerlÃ¤ssliche Aufmerksamkeit und FÃ¼rsorge brauchen diejenigen, die kÃ¶rperlich und/oder seelisch verwundet wurden, brauchen die AngehÃ¶rigen.</p>
<p>Soldaten stehen in der Pflicht zum treuen Dienen.</p>
<p>Die Politik steht Ihnen allen gegenÃ¼ber in der Pflicht zu einem klaren, erfÃ¼llbaren und verantwortbaren Auftrag, zur Ehrlichkeit.</p>
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<p><a name="_ftn1" href="index.php/articles/1019#_ftnref1">[1]</a> Brief von JÃ¼rgen Trittin und Winfried Nachtwei an die Minister Steinmeier, Jung, Wieczoreck-Zeul, SchÃ¤uble, 5. September 2006; â€žGenauer Hinsehen: SicherheitsvorfÃ¤lle Afghanistan, v.a. Region Nord bis Mitte August 2010&quot; und â€žBetter News statt Bad News aus Afghanistan&quot;, Nr. VII, Mai 2010, beides unter www.nachtwei.de</p>
<p><a name="_ftn2" href="index.php/articles/1019#_ftnref2">[2]</a> Die Gliederung umfasst unter Sicherheit neun Felder und 41 Unterpunkte, unter Staatswesen und RegierungsfÃ¼hrung elf Felder mit 34 Unterpunkten, unter Wiederaufbau und Entwicklung sieben Felder mit 23 Unterpunkten.</p>
<p><a name="_ftn3" href="index.php/articles/1019#_ftnref3">[3]</a> <a href="http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a03/anhoerungen/index.html">www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a03/anhoerungen/index.html</a>; zusammenfassender Bericht Ã¼ber die AnhÃ¶rung in â€žHeute im Bundestag&quot; Nr. 384, <a href="http://www.bundestag.de/presse/hib/2010_11/2010_384/01.html">www.bundestag.de/presse/hib/2010_11/2010_384/01.html</a>. Am 24. November berichten SÃ¼ddeutsche Zeitung und Junge Welt von der AnhÃ¶rung.</p>
<p><a name="_ftn4" href="index.php/articles/1019#_ftnref4">[4]</a> WÃ¶chentlich erstellt das Bundesministerium der Verteidigung eine &quot;Unterrichtung des Parlaments&quot;, die unter â€žVS - Nur fÃ¼r den Dienstgebrauch&quot; an die Abgeordneten der zustÃ¤ndigen AusschÃ¼sse geht. Inzwischen steuern auch das AuswÃ¤rtige Amt und das Entwicklungsministerium zu den UdP bei.</p>
<p><a name="_ftn5" href="index.php/articles/1019#_ftnref5">[5]</a> Jan BÃ¶hnke/Jan Koehler/Christoph ZÃ¼rcher: Assessing the Impact of Development Cooperation in North East Afghanistan 2005-2009, Final Report, Bonn 2010</p>
<p><a name="_ftn6" href="index.php/articles/1019#_ftnref6">[6]</a> Vgl. W. Nachtwei: Der ISAF-Einsatz der Bundeswehr - Anmerkungen zu einer Ã¼berfÃ¤lligen Bilanzierung, in: Friedensgutachten 2010, Berlin 2010. Die aktualisierte Fassung (Stand Oktober 2010) erscheint in KÃ¼rze im Jahrbuch des Hauses der Niederlande MÃ¼nster.</p>
<p><a name="_ftn7" href="index.php/articles/1019#_ftnref7">[7]</a> Bei der Command Post Exercise â€žNemesis Sword&quot; des 1 (Ge/NL) Corps Ende Oktober 2010 in Bergen wurde das exemplarisch vorgefÃ¼hrt: In den drei Dimensionen External + Internal Security und Support to Humanitarian Assistance und zehn Lines of Effort tÃ¤gliche Bewertung der Wirkungen gemessen an den gesetzten Zielen und Ausgangslagen.</p>
<p><a name="_ftn8" href="index.php/articles/1019#_ftnref8">[8]</a> Eine umfassende und laufend aktualisierte Datensammlung zu Indikatoren fÃ¼r Sicherheit, RegierungsfÃ¼hrung/Rule of Law, Wirtschaft und LebensqualitÃ¤t sowie Ã¶ffentliche Meinung und Umfragen, afghanische Untersuchungen prÃ¤sentiert der Brookings Afghanistan Index Tracking Variables of Reconstruction and Security in Post-9/11 Afghanistan, letzter Stand 11. November 2010, <a href="http://www.brookings.edu/">www.brookings.edu</a></p>
<p><a name="_ftn9" href="index.php/articles/1019#_ftnref9">[9]</a> Canada`s Engagement in Afghanistan, Quarterly Report to Parliament, April to June 2010, <a href="http://www.afghanistan.gc.ca/canada-afghanistan/documents/r06_10/index.aspx">www.afghanistan.gc.ca/canada-afghanistan/documents/r06_10/index.aspx</a></p>
<p><a name="_ftn10" href="index.php/articles/1019#_ftnref10">[10]</a> The Dutch Engagement in Uruzgan 2006-2010. A socio-political assessment, August 2010, <a href="http://www.tlo-afghanistan.org/publications/province-district-assessments/dutch-engagement-uruzgan-tlo-report-2010">www.tlo-afghanistan.org/publications/province-district-assessments/dutch-engagement-uruzgan-tlo-report-2010</a></p>
<p><a name="_ftn11" href="index.php/articles/1019#_ftnref11">[11]</a> Zuletzt Ã¼ber den Zeitraum 1. April bis 30. September 2010, November 2010, <a href="http://www.defence.gov/pubs/November_1230_Report_Final.pdf">www.defence.gov/pubs/November_1230_Report_Final.pdf</a></p>
<p><a name="_ftn12" href="index.php/articles/1019#_ftnref12">[12]</a> Die reichhaltige Datenbank von ISAF ist allen ISAF-Truppenstellern zugÃ¤nglich. In der Vergangenheit nutzten nur die USA dieses Potenzial fÃ¼r die eigene umfassende Bewertung, nicht die Bundesrepublik.</p>
<p><a name="_ftn13" href="index.php/articles/1019#_ftnref13">[13]</a> Indicators of Sustainable Development: Guidelines and Methodologies, October 2007 Third Edition (Economic &amp; Social Affairs), <a href="http://www.un.org/esa/sustdev/natlinfo/indicators/guidelines.pdf">www.un.org/esa/sustdev/natlinfo/indicators/guidelines.pdf</a></p>
<p><a name="_ftn14" href="index.php/articles/1019#_ftnref14">[14]</a> Zweiwochenberichte und Quartalsberichte (zuletzt 3. Quartal bis 30. September 2010) jeweils zu den einzelnen Provinzen. ANSO wird von der EuropÃ¤ischen Kommission, dem norwegischen AuÃŸenministerium, der Swiss Agency for Development and Cooperation und der Welthungerhilfe gefÃ¶rdert. Zum Schutz der ZivilbevÃ¶lkerung vgl. auch Nowhere to Turn - The Failure to Protect Civilians in Afghanistan. A Joint Briefing Paper by 29 Aid Organizations Working in Afghanistan for the NATO Heads of Government Summit, Lisbon, November 2010 (u.a. Oxfam, AIHCR, Afghanaid, Christian aid, CPAU, Open Society Foundations, <a href="http://www.oxfam.de/sites/www.oxfam.de/files/afghanistan-nowhere-to-turn-2010-11.pdf">www.oxfam.de/sites/www.oxfam.de/files/afghanistan-nowhere-to-turn-2010-11.pdf</a></p>
<p><a name="_ftn15" href="index.php/articles/1019#_ftnref15">[15]</a> Der Vorschlag der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft Afghanistan (AGA) zur Einsetzung einer unabhÃ¤ngigen SachverstÃ¤ndigenkommission fÃ¼r Afghanistan fand 2008 bei der Regierung und Koalition keine Zustimmung.</p></div>
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Hin weis:&#160;
                <em>    <p>Die Stellungnahme lÃ¤sst sich <a href="downloads/20101123_aa-oeff-anhoerung-bewertung-agh-einsatz_stellungnahme-nachtwei.pdf">hier</a> als PDF-Datei herunterladen.</p></em></p>


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