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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Bericht von meinem 20. Afghanistan-Besuch: Schlechtere Sicherheitslage, lebensnotwendige UnterstÃ¼tzung, durchhaltende Aufbauprojekte (Mazar-e Sharif und Kunduz) </title>
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    <span class="xar-mod-title">/ e-politik.de / + Afghanistan + Interview</span>

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            Bericht von meinem 20. Afghanistan-Besuch: Schlechtere Sicherheitslage, lebensnotwendige UnterstÃ¼tzung, durchhaltende Aufbauprojekte (Mazar-e Sharif und Kunduz)          </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 30. November 2019 17:40:57 +01:00 (80713 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Endlich ergab sich wieder die Gelegenheit einer Afghanistan-Visite, kurz, aber intensiv. Seit November 2002 war es der 20. Besuch.&nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Schlechtere Sicherheitslage, lebensnotwendige Unterst&uuml;tzung, durchhaltende Aufbauprojekte: Bericht von meinem</strong></p>
<p align="center"><strong>20. Afghanistanbesuch </strong>(Mazar-e Sharif und Kunduz)</p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB a.D. (11/2019)</p>
<p>Im November 2002 besuchte ich erstmalig Afghanistan, im November 2016 das letzte Mal &ndash; genau zu dem Zeitpunkt, als die Taliban das deutsche Generalkonsulat in Mazar-e Sharif zerst&ouml;rten. Seitdem wurden in Kabul durch Terrorangriffe im Mai 2017 die deutsche Botschaft und im September 2019 das &bdquo;Green Village&ldquo; zerst&ouml;rt, der gesicherte, internationale Compound, in dem bis dahin auch deutsche Polizisten und GIZ-Angeh&ouml;rige untergebracht waren. Das diplomatische und zivile Aufbauengagement der Bundesrepublik erlitt damit massive R&uuml;ckschl&auml;ge. (vgl. Reisebericht 2016, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1441">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1441</a> , und &bdquo;M&ouml;rderische Woche in Kabul&ldquo;, 31. Mai 2017, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=36&amp;aid=1475">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=36&amp;aid=1475</a> ,)</p>
<p>Anlass der jetzigen Afghanistanvisite war ein Truppenbesuch des Kommandeurs Einsatz und stellvertretenden Heeresinspekteurs, Generalleutnant Johann Langenegger, den ich am 22.-25. Oktober dankenswerter Weise begleiten durfte.</p>
<p><strong>Meine Besuchsabsicht</strong> war, durch Einblicke in die Sicherheits- und Einsatzlage und wichtige Aufbauprojekte von &bdquo;halb-unten&ldquo; ein realit&auml;tsn&auml;heres Lagebild zu Nordafghanistan zu erhalten. Dieses ben&ouml;tige ich, um das deutsche Afghanistanengagement nach inzwischen 18 Jahren weiterhin relativ fundiert und kritisch-konstruktiv begleiten zu k&ouml;nnen. Das will ich, weil ich durch die Beteiligung an 20 Mandatsentscheidungen zu ISAF seit 2001 bleibend mitverantwortlich bin f&uuml;r den deutschen Afghanistaneinsatz und f&uuml;r die Abertausenden dorthin entsandten Frauen und M&auml;nner. Als Leiter der AG &bdquo;Einsatzr&uuml;ckkehrer&ldquo; im Beirat Innere F&uuml;hrung erfahre ich immer wieder, dass die allermeisten Frauen und M&auml;nner ihr Afghanistaneinsatz nicht los l&auml;sst, als einschneidende und pr&auml;gende Erfahrung, im Positiven wie im Negativen.</p>
<p>Wie bei allen Besuchen nutze ich die Gelegenheit zu Gespr&auml;chen auch mit deutschen Diplomaten, Polizisten und Entwicklungsexperten. Um einen so kurzen Besuch bestm&ouml;glich nutzen zu k&ouml;nnen, bereite ich mich durch Gespr&auml;che mit Zust&auml;ndigen in Berlin und aktuelle Recherchen darauf vor. Wie 2016 beschr&auml;nkt sich der Besuch auf hochgesicherte Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte, gibt es keine Begegnungen mit dem afghanischen Alltag drau&szlig;en und fast keine mit afghanischen Akteuren. Insofern ist meine Realit&auml;tswahrnehmung sehr eingeschr&auml;nkt. Aber &bdquo;n&auml;her dran&ldquo; ergeben sich doch viel mehr an Informationen, Eindr&uuml;cken und Schattierungen als im 5.000 km entfernten Deutschland. Den Zivilflug nach Mazar zahle ich selbstverst&auml;ndlich selbst.</p>
<p>Im Flieger nach Istanbul Zufallsbegegnung und Austausch mit der Spiegel-Korrespondentin Susanne Koelbl, die seit Ende der 1990er Jahre mit hervorragenden Reportagen u.a. aus Kosovo, Afghanistan, Pakistan und Saudi-Arabien berichtet. Sie geh&ouml;rt zu den ganz, ganz wenigen Journalisten, die die deutschen Schwerpunkteins&auml;tze von Anbeginn bis heute verfolgen.</p>
<p>Der Nachtflug in der Turkish Airlines Maschine nach Mazar bleibt wegen etlicher hartn&auml;ckig schreiender Kleinkinder schlaflos. Beim Verlassen der Turkish Airlines Maschine in Mazar f&auml;llt auf, wie viele (mutma&szlig;liche) Deutsche an Bord waren.</p>
<p><strong>Zur Gesamtlage </strong>(Gespr&auml;che in Berlin und Medienberichte)</p>
<p>US-AFG-Sondergesandter Khalilzad sondiere wieder in Doha. Man warte auf Trump`s Entscheidung. Angedacht war eine Truppenreduzierung bei allen Truppenstellern um 20%.</p>
<p>Deutsches Mantra sei: Zzt. auf keinen Fall Truppenabzug ohne politischen Prozess (innerafghanisch, nicht nur zwischen Taliban und USA). Hebel Deutschlands seien Truppenpr&auml;senz und zivile Mittel. Im April hatte sich die EU positioniert: Langfristige Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Afghanistan gebe es weiter, wenn das System mit gutem Gewissen unterst&uuml;tzt werden k&ouml;nne.</p>
<p>Auch bei den Taliban gebe es inzwischen weniger die Haltung, in dem Konflikt milit&auml;risch siegen zu k&ouml;nnen. Bemerkenswert das Interview von CNN India mit dem Taliban-Sprecher Suhail Shaheen vom 14. Oktober, der die Notwendigkeit internationaler Wiederaufbauhilfe f&uuml;r Afghanistan betont. (<a href="https://www.facebook.com/cnnnews18/videos/754547464958577/" target="_blank">https://www.facebook.com/cnnnews18/videos/754547464958577/</a> )</p>
<p>Anl&auml;sslich des ersten AFG-Besuches von US-Verteidigungsminister Esper am 20.10. wurde bekannt gegeben, dass die US-Truppen in AFG im letzten Jahr um 2.000 auf 12.000 reduziert worden seien.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">03.09. Warnung von neun ehemaligen US-Gesandten</span> (darunter f&uuml;nf Kabul-Botschaftern, einem Sonderbeauftragten f&uuml;r AFG und einem stv. Au&szlig;enminister) auf der Website des Atlantic Council: AFG k&ouml;nne in einen &bdquo;totalen B&uuml;rgerkrieg&ldquo; kollabieren, wenn Pr&auml;sident Trump die US-Truppen abziehe, bevor zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban ein Friedensabkommen abgeschlossen sei. Der anf&auml;ngliche Abzug d&uuml;rfe nicht so weit und schnell gehen, dass die Taliban glauben k&ouml;nnten, einen milit&auml;rischen Sieg erringen zu k&ouml;nnen. (<a href="https://www.tolonews.com/afghanistan/ex-envoys-warn-civil-war-if-us-leaves-afghanistan">https://www.tolonews.com/afghanistan/ex-envoys-warn-civil-war-if-us-leaves-afghanistan</a> )</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">02.09. Kabul</span>,21.55 Ortszeit:<span style="text-decoration: underline;">Angriff mit Kfz-Bombe auf das &bdquo;Green Village&ldquo;</span> (Compound f&uuml;r rund 700 ausl&auml;ndische Entsandte, darunter &uuml;ber 60 Deutsche &ndash; GIZ + GPPT), 16 Tote (acht Ausl&auml;nder), 119 &ndash; meist zivile &ndash; Verletzte (25 Ausl&auml;nder). Die Deutschen hatten wenige Wochen zuvor stark gesch&uuml;tzte Container bezogen. Die f&uuml;nf Angreifer wurden von Special Forces get&ouml;tet, eine Tankstelle fing Feuer. (Video der Zerst&ouml;rungen <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Q18ueelqOow">https://www.youtube.com/watch?v=Q18ueelqOow</a> ) Green Village war zuletzt im Januar mit einer Lkw-Bombe angegriffen worden (vier Tote, 90 Verletzte). &nbsp;Lt. SZ v. 04.09. lief zeitgleich zum Anschlag auf TOLO-TV ein Interview mit dem US-Sondergesandten f&uuml;r AFG, Zalmay Khalilzad zu den Eckpunkten des Abkommens mit den Taliban: Man sei grunds&auml;tzlich &uuml;bereingekommen, dass die USA f&uuml;nf Milit&auml;rbasen binnen 135 Tagen r&auml;umen und 5.000 Soldaten abziehen. Im Land verbleibende US-Kr&auml;fte sollten nur noch gegen den lokalen IS-Ableger vorgehen. Die Taliban wollen im Gegenzug garantieren, &bdquo;dass ihr Land kein sicherer Aufenthaltsort mehr f&uuml;r Terroristen werde, an dem Attacken gegen die USA und andere Staaten geplant werden.&ldquo; Innerafghanische Friedensgespr&auml;che sollen folgen.</p>
<p>Am n&auml;chsten Tag protestierten Anwohner des Green Village (und?) gewaltt&auml;tig f&uuml;r den Abzug der internationalen Niederlassung aus ihrer Nachbarschaft. Sie drangen auf das Gel&auml;nde, zerst&ouml;rten Infrastruktur, die Kantine brannte ab, zerst&ouml;rt wurden viele GPPT-und GIZ-Fahrzeuge.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">01.09. Kunduz: Talibanangriff aus drei Richtungen ab 31.08</span>, 01.30 Uhr &uuml;ber mehr als 24 Stunden. Lt. Innenministerium 20 afghanische Sicherheitskr&auml;fte und f&uuml;nf Zivilisten get&ouml;tet, 80 &ndash; meist Zivilisten &ndash; verletzt. Am 31. abends schwere Explosion am zentralen Kreisverkehr, gerichtet gegen ein Treffen der lokalen Sicherheitsf&uuml;hrung, zehn Tote. Einsatz von Spezialeinheiten von NDS, Polizei und Armee, lt. IM 56 Taliban get&ouml;tet. (<a href="https://www.tolonews.com/afghanistan/20-security-force-members-killed-kunduz-battle">https://www.tolonews.com/afghanistan/20-security-force-members-killed-kunduz-battle</a> )</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Zur Lageentwicklung im 1. Halbjahr 2019</span> vgl. &bdquo;UNAMA- und SIGAR-Berichte zu Zivilopfern und Sicherheitslage Afghanistan: Lichtblicke im 1. Halbjahr, jetzt Anschlagswelle Mehr Misstrauens- als Vertrauensbildung&ldquo;, 05.09.2019, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1603">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1603</a></p>
<p><strong>Mazar-e Sharif, Camp Marmal</strong></p>
<p>Herzlicher Empfang durch den Kommandeur des Train, Advise, Assist Command North (TAAC-N) von Resolute Support (RSM), Brigadegeneral J&uuml;rgen Br&ouml;tz. Ihm begegnete ich mehrfach&nbsp; in seiner letzten Funktion als Leiter des Referats Krisenfr&uuml;herkennung in der Abteilung Strategie und Einsatz des BMVg. (Weitere solche Wiederbegegnungen folgen. Das erleichtert den Austausch erheblich.) Auf dem dichten Programm stehen</p>
<p>- Unterrichtungen beim Kommandeur TAAC-N, die Teilnahme an hochrangigen RSM-Runden, Gespr&auml;che mit den Kommandeuren des Force Protection Bataillons und des Logistik-Bataillons, im Feldlazarett Role 2, bei der Air Wing RSM North; Teilnahme an einem Arbeitsessen u.a. mit dem Kommandeur des 209. ANA-Corps, den stellvertretenden Kommandeuren von RSM und Allied Joint Force Command der NATO in Brunssum;</p>
<p>- ein halbt&auml;giger Besuch des deutschen Compounds (Safe Haven)&nbsp; in Camp Pamir/in Kunduz, Unterrichtung durch den Kommandeur, Rundgang und Gespr&auml;ch mit einer bunten Soldatenrunde;</p>
<p>- nur meinerseits Gespr&auml;che mit vier GIZ-MitarbeiterInnen, mit drei Beamten des German Police Project Team (GPPT) in ihren Dienstr&auml;umen in Camp Marmal und bei einem Abendessen mit Generalkonsul Karsten D. Geier, seinen MitarbeiterInnen (ca. sechs Personen) und Personensch&uuml;tzern;</p>
<p>- informelle Gespr&auml;chsm&ouml;glichkeiten bei einem lockeren Abendempfang mit Angeh&ouml;rigen aller Komponenten (AA, Polizisten, GIZ, Bundeswehr), beim Waffelessen im &bdquo;Rosengarten&ldquo; neben dem Rettungszentrum (14-t&auml;gig, Erl&ouml;s f&uuml;r wohlt&auml;tigen Zweck)&nbsp; und abends in der &bdquo;Oase&ldquo;;</p>
<p>- ein Interview mit Radio Andernach.</p>
<p><strong>Sicherheitslage im Norden</strong></p>
<p>Im Norden sollen den rund 50.000 Soldaten und Polizisten der Afghan National Defence and Security Forces (ANDSF) &uuml;ber 6.000 Taliban gegen&uuml;ber stehen. Inzwischen gewinnen die Taliban Unterst&uuml;tzung auch bei anderen ethnischen Gruppen jenseits der Paschtunen<em>. (Anm.: Am 12. Juli berichtete Long War Journal von einer opferreichen Operation einer &bdquo;Red-Unit&ldquo; der Taliban in der Provinz Kunduz. Diese Spezialeinheiten zeichnen sich durch besondere Mobilit&auml;t und Nachtkampff&auml;higkeit aus. </em><a href="https://www.longwarjournal.org/archives/2018/07/afghan-forces-suffer-heavy-casualties-in-kunduz.php"><em>https://www.longwarjournal.org/archives/2018/07/afghan-forces-suffer-heavy-casualties-in-kunduz.php</em></a><em> )</em></p>
<p>Schwerpunktgebiete der Taliban liegen in den Provinzen Faryab (NW), Kunduz und Baghlan. Die Ringroad in Faryab ist f&uuml;r Fahrzeuge, die Taliban der Regierungsseite zuordnen, nicht frei befahrbar. Andere m&uuml;ssen zahlen. (Hier f&uuml;hrte im November 2007 ISAF unter F&uuml;hrung des damaligen Regionalkommandeurs Brigadegeneral Dieter Warnecke erstmalig im Norden mit &bdquo;Harekate Yolo II&ldquo; eine Offensivoperation gegen die Taliban durch.)</p>
<p>In der Provinz Balkh wird ein verst&auml;rktes Einsickern von Taliban beobachtet. (<em>vgl. die Reportage von Marco Seliger in LOYAL 09/2019; inwieweit hier m&ouml;glicherweise auf Seiten des langj&auml;hrigen, Ende 2017 abgesetzten Gouverneurs, Atta Mohammad Noor,&nbsp; ein &bdquo;Doppelspiel&ldquo; stattfindet, kann ich nicht beurteilen</em>.)</p>
<p>S&uuml;dlich des Highway 1 (Ringroad) im Norden verl&auml;uft in West-Ost-Richtung der <em>Cross North Transit Corrido</em>r durch die Provinzen Faryab, Sar-e Pul, Samangan nach Baghlan. &Uuml;ber secondary roads und au&szlig;erhalb der prim&auml;ren Kontrollzone von ANDSF und RSM kann hier&uuml;ber per Motorrad und Lkw Nachschub f&uuml;r Taliban-Hochburgen in andere Teile des Nordens rollen, auch im Winter.</p>
<p>Der Norden ist f&uuml;r ganz AFG nicht nur wegen seiner politischen Schwergewichte, sondern auch im Hinblick auf die Energieversorgung von besonderer Bedeutung. Die Hauptstromversorgung l&auml;uft &uuml;ber drei Stromtrassen aus Usbekistan und Tadschikistan in eine Trasse durch den Baghlan-Korridor nach S&uuml;den. Die Sprengung von Strommasten im September 2019 f&uuml;hrte zu Stromausf&auml;llen in einem Drittel des Landes.</p>
<p>Beobachtet wurden Rekrutierungsbem&uuml;hungen des IS-Ablegers im Norden. Es besteht die naheliegende Sorge, dass nach einem Verhandlungsarrangement ein Teil der Taliban zu IS wechseln w&uuml;rde.</p>
<p>Pro Tag gibt es im Norden zwischen 15 bis 25 Sicherheitsvorf&auml;lle und Angriffe.</p>
<p><em>(Anm.: Bei letzten Besuchen im Norden wurde konstatiert, man habe angesichts fehlender Pr&auml;senz in der Fl&auml;che nur noch ein sehr unvollst&auml;ndiges Lagebild. Jetzt habe ich den Eindruck, als verf&uuml;ge man inzwischen dank etlicher, sich erg&auml;nzender Sensoren &uuml;ber ein verl&auml;sslicheres Lagebild.)</em></p>
<p>In Mazar und Berlin hei&szlig;t es &uuml;bereinstimmend, die Lage habe sich im Norden verschlechtert bzw. sei schlecht. Maimaneh, Provinzzentrum von Faryab, sei ohne &bdquo;kinetische&ldquo; Unterst&uuml;tzung durch die US-Operation Freedom`s Sentinel (OFS) nicht zu halten.</p>
<p>Der gerade erschienene <span style="text-decoration: underline;">45. Quartalsbericht des Special Inspector General for Afghanistan Reconstruction</span> (SIGAR) an den US-Congress vom 30.10.2019 best&auml;tigt die o.g. Bewertungen mit konkreten Zahlen (<a href="https://www.sigar.mil/pdf/quarterlyreports/2019-10-30qr.pdf">https://www.sigar.mil/pdf/quarterlyreports/2019-10-30qr.pdf</a> )</p>
<p>- Die Taliban steigerten zwischen 01.06 und 31.08. die Gesamtzahl ihrer Angriffe um 19% ggb. dem Vorjahrszeitraum, 49% davon verursachten Personenschaden. Damit erh&ouml;hten sie ihre Schadenswirkung ggb. dem Vorjahr um 10%. Von 01.06.-31.08. stiegen die ANDSF-Verluste um 5% ggb. dem Vorjahrszeitraum. Auf US-Seite gab es bisher in 2019 17 Gefallene und 124 Verwundete, die h&ouml;chste Zahl an Verlusten in einem Jahr seit f&uuml;nf Jahren (ISAF-Abzug).</p>
<p>Bei den Provinzen mit den meisten gegnerischen Angriffen in 2019 (bis 31.08.) steht die zentrale und lange besonders ruhige Nordprovinz Balkh nach Helmand (1.056), Kandarhar (583), Farah (449) mit 401 Angriffen schon an vierter Stelle!!!</p>
<p>- Die Afghan Special Security Forces (ASSF) f&uuml;hrten bis Ende September mehr Operationen durch als in ganz 2018.</p>
<p>- US- und afghanische Luftstreitkr&auml;fte warfen im September 2019 mehr Munition ab als in jedem Monat seit Oktober 2010.</p>
<p>- RSM und UNAMA meldeten f&uuml;r diesen Sommer einen deutlichen Anstieg der Zivilopfer im Vergleich zum Vorjahrszeitraum (+39%, +42%). Der Juli war der Monat mit den meisten Zivilopfern, die UNAMA je festgestellt hat.</p>
<p><strong>Eigene Kr&auml;fte</strong></p>
<p>Die Afghan National Civil Order Police ANCOP wurde inzwischen der ANA unterstellt, die im Norden damit mehr als die H&auml;lfte der 50.000 ANDSF-Kr&auml;fte ausmacht. Seit April 2019 w&auml;chst neben dem 209. Corps der ANA in Mazar das 217. Pamir-Corps in Kunduz. auf.</p>
<p>Das TAAC-N stellt f&uuml;r seinen Kernauftrag TAA 95 Adviser f&uuml;r das 209. Corps, davon 50 Deutsche (davon auch einzelne im Operation Coordination Center u.a. Einrichtungen) und 15 Adviser f&uuml;r das 217. Corps in Kunduz (nur Deutsche). Ein Handicap der Beratung nur auf Corps-Ebene ist, dass sie weit entfernt ist von der Einsatz- und Umsetzungsrealit&auml;t und &bdquo;hinterm Zaun&ldquo; stattfindet, in der Wirkung also sehr eingeschr&auml;nkt ist. ( Artikel zum Besuch des Parl. Staatssekret&auml;rs Peter Tauber im Juni, <a href="https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/einsatz-ohne-ziel-wie-die-bundeswehr-in-afghanistan-mit-ihrem-auftrag-hadert/24502486.html">https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/einsatz-ohne-ziel-wie-die-bundeswehr-in-afghanistan-mit-ihrem-auftrag-hadert/24502486.html</a> ) Die US-Streitkr&auml;fte beraten auch auf Brigadeebene mit flexiblen &bdquo;<em>Expeditionary Advisory Packages</em>&ldquo; (<a href="http://www.sof.news/afghanistan/expeditionary-advisory-package/">http://www.sof.news/afghanistan/expeditionary-advisory-package/</a> ), die situationsabh&auml;ngig zum Einsatz kommen.</p>
<p>Die Masse der TAAC-N-Kr&auml;fte bilden &ndash; neben dem HQ-Personal &ndash; das Force Protection Bataillon und &nbsp;das Logistik Bataillon.</p>
<p>Bis November 2018 waren Logistik und Force Protection in der Multinational Support Task Force zusammengefasst. Hier erwies sich aber die F&uuml;hrungsspanne als zu weit.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Dislozierung im Raum</span>:</p>
<p>Neben dem Hauptst&uuml;tzpunkt Camp Marmal, von wo aus Adviser zum 20 km entfernten Camp Shaheen fliegen, sind Bundeswehrkr&auml;fte rotierend</p>
<p>- im Camp Pamir s&uuml;dlich Kunduz und</p>
<p>- bei Maimaneh, der Provinzstadt von Faryab, in einem St&uuml;tzpunkt direkt am Flugfeld eingesetzt. Ihr Auftrag ist der Schutz der US-Brigade-Adviser im St&uuml;tzpunkt.</p>
<p>Die Masse der Fl&uuml;ge erfolgt mit russischen Helicoptern Mi-8 (Mi-17) einer zivilen Firma.</p>
<p><strong>Sanit&auml;tsversorgung</strong></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Einsatzlazarett/Rettungszentrum&nbsp; Role 2</span> (notfallchirurgische Ausstattung, erweiterte fach&auml;rztliche Versorgung), benannt nach Oberstabsarzt Dr. Thomas Broer (gefallen am 15.04.2010 in Baghlan durch Panzerfaustbeschuss)</p>
<p>Alle zwei, drei Monate finden &Uuml;bungen statt, zuletzt vor wenigen Tagen am Wochenende. Ausgangslage IED-Explosion mit 20 Verwundeten. Alarmierung aller MitarbeiterInnen. Der &auml;rztliche Leiter hat nach der Schwere von Verletzungen zu entscheiden, wer in welche Kategorie von Behandlungsr&auml;umen kommt, beginnend mit T1 Trauma-Raum (bei Schwerverwundeten Blutung stoppen, Stabilisieren).</p>
<p>Gestern wurde ein ANA-Soldat eingeliefert. Durch RPG-Beschuss verlor er beide Beine.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">In Kunduz/dt. Camp eine</span> <span style="text-decoration: underline;">Rettungsstation</span>:&nbsp; Hier geht es um lebenserhaltende Ma&szlig;nahmen, Stabilisierung f&uuml;r den Abtransport zum Traumazentrum. Gearbeitet wird hier wesentlich auf der Basis klinischer Erfahrung. Medizinische Ger&auml;te (R&ouml;ntgen etc.) stehen hier nicht zur Verf&uuml;gung.&nbsp; Dieses Erstbehandlungskonzept stamme urspr&uuml;nglich von der US-Marine und gebe es in ganz Europa nicht. Die Teams sind frei zusammengew&uuml;rfelt, aber seien immer dieselben. Ein Arzt ist jedes Jahr sechs Wochen in Afghanistan. Inzwischen hat er 12 Eins&auml;tze hinter sich.</p>
<p><strong>Morgenrunde</strong></p>
<p>wie bei jedem Besuch durch`s aufwachende Feldlager: Vom &bdquo;Dachlokal&ldquo; (Green Beans Coffee/Central Store) Blick &uuml;ber das Camp. Wo fr&uuml;her Unterk&uuml;nfte, Container und Fahrzeuge dicht an dicht standen, erstrecken sich jetzt viele Freifl&auml;chen. Auf der Gedenkst&auml;tte vor der Ostmauer erinnern dutzende Tafeln an die im Norden gefallenen internationalen Soldaten und Soldatinnen. Besonders viele Plaketten und Coins liegen bei dem Feldj&auml;ger-HFw Tobias Lagenstein (28.05.2011 in Taloqan) und einem KSK-Soldaten (04.05.2013 in Baghlan). Vom Bund der EinsatzVeteranen der Bundeswehr liegt vor den Tafeln ein Transparent &bdquo;Ihr seid nicht vergessen&ldquo;.</p>
<p><strong>Kunduz/Camp Pamir/dt. Safe Haven</strong></p>
<p>Siebeneinhalb Jahre sind seit meinem letzten, 10. Besuch in Kunduz im Mai 2012 vergangen. 2004 bis 2007 sah ich Jahr f&uuml;r Jahr die Aufw&auml;rtsentwicklung in der &bdquo;Hoffnungsprovinz Kunduz&ldquo;. 2008 kam dann der &bdquo;Verlust der Initiative&ldquo; (PRT-Kommandeur Buske), ab Fr&uuml;hjahr 2009 die Vielzahl an Gefechten, der un&uuml;bersehbare, asymmetrische Krieg, 2011 Anzeichen f&uuml;r eine Verbesserung der Sicherheitslage, im Oktober 2013 der &ndash; bezogen auf die eigenen Kr&auml;fte &ndash; gut gemeisterte ISAF-R&uuml;ckzug aus Kunduz. Als&nbsp; im August 2014 und April 2015 &uuml;ber gro&szlig;e Offensiven der Taliban in der Provinz Kunduz und gegen die Provinzstadt berichtet wurde, da fand das in deutscher Politik und Medien kaum Beachtung.&nbsp; Die Einnahme und 14-t&auml;gige Besetzung von Kunduz im Herbst 2015 forderte dann um 280 Todesopfer, vertrieb vor allem zivilgesellschaftlich Aktive&nbsp; und wirkte in Afghanistan als Schock. ( <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1373">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1373</a> )</p>
<p>08.10 Uhr am Flugfeld in Camp Marmal Anlegen von Kopfh&ouml;rer/Mikro, Senderhelm, schusssicherer Weste, Halstuch</p>
<p>08.25 Uhr Start&nbsp; der Transporthubschrauber CH-53 und mit Close-Protection Team, zun&auml;chst im Konturenflug, gesch&auml;tzt max. 20 m &uuml;ber Grund, dann in H&ouml;he oberhalb Handwaffenreich-weite. Im Unterschied zu fr&uuml;heren CH-53-Fl&uuml;gen ist jetzt die offene Heckplatte mit einem schweren MG besetzt.</p>
<p>09.08 Uhr Blick auf den Kunduz-Fluss, kurvender Sinkflug, Tiefflug mit Staubfahne.</p>
<p>Vom Landeplatz einige 100 m durch das ANA-Camp Pamir zum extra gesicherten deutschen Compound. Das Camp liegt rund 10 km s&uuml;dlich Kunduz&nbsp; und drei km s&uuml;dlich des Flugplatzes, der noch von UNAMA, USAF und Afghan Airforce (AAF) genutzt wird.</p>
<p>In Camp Pamir sind rund 1.000 ANA-Soldaten stationiert, Korpsstab, im Aufbau befindliche Korpstruppen. Die 1. Brigade liegt im ehemaligen PRT.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Zur ANA</span>: In den letzten Monaten gab es auf Seiten der ANA-F&uuml;hrungsebene eine erhebliche Personalrotation. Anfangs sei Korruption ein gro&szlig;es Problem gewesen. Die Verwickelten seien inzwischen aus dem Korps raus. Die Au&szlig;erdienststellung von rund 2.000 hohen ANA-Offizieren ist abgeschlossen. Sie ging mit einem erheblichen Erfahrungsverlust einher.</p>
<p>Zu bedenken ist: Vor zehn Jahren umfasste ISAF 140.000 Soldaten mit Kampfauftrag, heute sind nur noch ein Zehntel internationale Soldaten im Land, davon Resolute Support nur mit TAA-Auftrag, die eigenst&auml;ndige US-Operation Freedom`s Sentinel mit Kampfauftrag (Force Protection, Counterterrorism)</p>
<p>Ein deutscher Offizier war erstmalig 2008/09 hier. Enorm, welche F&auml;higkeiten die ANA seitdem entwickelt habe: z.B. eine Luna-&auml;hnliche Drohne, die vom Camp starte; die A-29-Erdkampfflugzeuge. Damit habe man k&uuml;rzlich Khanabad (25 km &ouml;stlich Kunduz Richtung Taloqan) in wenigen Stunden zur&uuml;ckerobern k&ouml;nnen. Auch Imam Shahib (70 km n&ouml;rdlich Kunduz) habe man nach einer Woche K&auml;mpfe zur&uuml;ckerobert.</p>
<p>Am 14.04. habe man Kunduz erfolgreich gegen mehrere hundert Taliban verteidigt, ebenfalls am 31.08./01.09. Bei der Wahl habe M&ouml;rserbeschuss auf Kunduz aber 37 Verletzte gefordert. Gew&auml;hlt wurde in jedem Distrikt, aber nicht in jedem Wahllokal.</p>
<p>Die ANA-Rekrutierung liege im Nordosten &uuml;ber dem Soll. Die Personalgewinnung laufe gut. Nach der Grundausbildung gehen die Soldaten direkt in die Truppe und in Operationen. Notwendig sei eine weitere Ausbildung der Einheiten.</p>
<p>Training on the job: gutes Einzelbeispiel eines 43-j&auml;hrigen ANA-Offiziers. Besondere Herausforderungen seien die Planung auf der Zeitschiene, die &bdquo;Beschleunigung&ldquo; der&nbsp; Rettungskette Richtung &bdquo;goldene 6 Stunden&ldquo; (statt bisher 12 Stunden), die Personalf&uuml;hrung und die Herausbildung von Spezialisten.</p>
<p>Betont wird, dass Berater keineswegs immer Stabsoffiziere sein m&uuml;ssten. Beispiel eines Pionierhauptmann, der bestens einen ANA-Oberst beraten k&ouml;nne, oder einer Logistik-Oberleutnant`. Es gelte, die eigenen Offiziere fr&uuml;her ranzulassen.</p>
<p>Einsatzvorbereitung der Adviser: Die interkulturelle Kompetenz sei in Ordnung. Aber man sei zu wenig auf die afghanischen Realit&auml;ten vorbereitet. Wie funktioniert die afghanische Armee?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Checkpoints</span> sind de facto eine wichtige Einnahmequelle und Prestigeobjekte. Zugleich sind die Verlustraten bei Checkpoints enorm. In Aliabad, gerade drei km vom Camp entfernt, seien vor drei N&auml;chten 18 Polizisten regelrecht hingerichtet worden (vgl. <a href="https://tolonews.com/afghanistan/16-police-killed-kunduz-clashes">https://tolonews.com/afghanistan/16-police-killed-kunduz-clashes</a> ). Die Feuerwechsel sah man vom Wachturm. Da leide man mit. (Mehr als die H&auml;lfte der ANDSF-Verluste resultieren aus Angriffen auf Checkpoints, wobei die Taliban zugleich Waffen und Ausr&uuml;stung erbeuten. Seit April 2016 gab es an Checkpoints rund 6.000 Gefallene und knapp 9.000 Verwundete.) Das ist der Hintergrund der Neuausrichtung (<em>Realignment</em>) der Checkpoints.</p>
<p>Keine Operation laufe ohne Verluste. Die Einsatzersthelfer Bravo seien voll bei den afghanischen Opfern dabei. Da k&ouml;nnen sie helfen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Eigene Bedrohungslage</span>: Am 31.08./01.09. wurden acht Raketen auf Camp Pamir abgeschossen, vier schlugen im Lager ein. Das waren so viele wie lange nicht. Zwei Sekunden Warnzeit habe man da. Wenn ein Geschoss in 150 m Entfernung detoniere, dann nehme das schon mit. Die Taliban h&auml;tten ihre Treffgenauigkeit erheblich verbessert.</p>
<p>Die Raketen- und M&ouml;rserbeschuss erfolge aus f&uuml;nf bis sieben km Entfernung, vor allem aus nicht einsehbaren Flusst&auml;lern. Da brauche man dringend einen gen&uuml;gend hohen Turm.</p>
<p>&Uuml;ber F&auml;higkeiten zur Selbstverteidigung gegen Steilfeuerbedrohungen verf&uuml;gen nur die US-Streitkr&auml;fte.</p>
<p>Vordringlich sei eine bessere Aufkl&auml;rung (Turm, kleiner Ballon f&uuml;r 150-300 m H&ouml;he); verbesserter Schutz; verbesserte Wirkung (<em>Anm.: Strittig ist, ob letzteres eine Mandatsfrage oder eine Auslegungsfrage ist).</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Innere Lage</span>: Bei knapp hundert Soldaten vor Ort sei die Hierarchie flach, jeder kenne jeden, &bdquo;wie eine Familie&ldquo;. Bei den Soldaten hei&szlig;e es &bdquo;Kunduz sofort!&ldquo; die wenigsten m&ouml;chten mit Mazar tauschen.</p>
<p>Hier brauche man keine &bdquo;Oase&ldquo; und kein Feldpostamt, wohl aber einen Elektriker, der sei Gold wert.</p>
<p>Mittagessen in der kleinen Kantine mit ca. vier Tischen: Zur Auswahl stehen f&uuml;nf Arten von Einmannpackungen (EPA) und zwei Mikrowellen. Da m&uuml;sse man etwas Zeit mitbringen. Abends gibt es frisches Warmes aus der Feldk&uuml;che.</p>
<p>Auf dem Schotter-Antreteplatz in kleiner Runde und praller Sonne Bef&ouml;rderung einiger Feldwebeldienstgrade durch den TAAC-N-Kommandeur. Zur Bekr&auml;ftigung gibt&rsquo;s herzhaft-wuchtig was auf beide Schultern.</p>
<p>Direkt am San-Posten&nbsp; sind mehrere T-Walls professionell bemalt:</p>
<p>- Wappen von RESOLUTE SUPPORT, eTAA KUNDUZ und einzelnen Verb&auml;nden, eingerahmt von &bdquo;MAKE KUNDUZ GREAT AGAIN&ldquo;</p>
<p>- Auf zwei schwarzen T-Walls um quadratisches Symbol mit Schriftzeichen &bdquo;AUT VIAM INVENIAM &ndash; AUT FACIAM&ldquo; (&bdquo;Entweder ich finde einen Weg oder ich baue einen&ldquo;, Hannibal) und</p>
<p>- &bdquo;VERBA DOCENT &ndash; EXEMPLA TRAHUNT&ldquo; (&bdquo;Worte belehren, Beispiele rei&szlig;en mit!&ldquo;)</p>
<p>- Wappen des Adviser Team TAA 217th Pamir Corps Kunduz</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">R&uuml;ckflug:</span> Schnell verschwinden die gr&uuml;nen Flecken von Kunduz in der Ferne. &Uuml;ber weite, steppen- bis w&uuml;stenartige Fl&auml;chen geht&rsquo;s im kurvenreichen Konturenflug zur&uuml;ck, mal mit einem pl&ouml;tzlichen H&uuml;pfer &uuml;ber eine Hochspannungsleitung, zuletzt mit rund 45&deg; in eine Schlusskurve.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">An Bord gibt es den &bdquo;Daily Media Report</span>&ldquo; von RSM, 24.10.2019, 47 Seiten. Hauptnachrichten:</p>
<p>- F&uuml;nf Marines bei Raketenangriff in Helmand verwundet (einige hundert Marines in Camp Bastion)</p>
<p>- Laut UNAMA wurden im Kontext des bewaffneten Konfliktes zwischen 01.07. und 30.09. 1.174 Zivilpersonen get&ouml;tet, 3.139 verwundet, 42% mehr als im Vorjahreszeitraum!</p>
<p>- R&uuml;cktritt des afghanischen Au&szlig;enministers</p>
<p>- China bereitet Gespr&auml;che zwischen rivalisierenden afghanischen Fraktionen vor. Im letzten Monat besuchte eine Taliban-Delegation Peking.</p>
<p>- Am 22.10. Treffen der Sondergesandten der EU, FR, IT, DEU, NOR, UK und USA im EU-Headquarter: f&uuml;r Restart der Friedensgespr&auml;che.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">&bdquo;R&uuml;ckkehr&ldquo; nach Kunduz?</span></p>
<p>Nach dem - politisch verantworteten - Desaster des Vollabzuges aus Kunduz kehrte Bundeswehr sukzessive mit&nbsp; minimalen Kr&auml;ften nach Kunduz zur&uuml;ck. Ich nehme die R&uuml;ckkehr nur geografisch war, keinen Moment auch gef&uuml;hlt. Im Raum Kunduz treffe ich auf keinen bekannten Ort, wo Erinnerungen hochkommen k&ouml;nnten und Vergleiche m&ouml;glich w&auml;ren (z.B. ehemaliges PRT, Umgebung und Stadt Kunduz).</p>
<p><strong>Gespr&auml;che zu Aufbauprojekten</strong></p>
<p>Besonders interessiert bin ich am Stand einzelner gr&ouml;&szlig;erer Projekten, die ich seit sieben, zehn Jahren beobachte &ndash; und die bisher in Deutschland kaum bis keine Beachtung fanden.</p>
<p><strong>Mit f&uuml;nf GIZ-MitarbeiterInnen</strong> im neuen GIZ-Geb&auml;ude N&auml;he Central Store:</p>
<p>Im Norden arbeiten im Auftrag der GIZ 15-20 internationale Entsandte und rund 1.200 Ortskr&auml;fte, unter ihnen viele H&ouml;herqualifizierte, die bewusst im Land bleiben. Insgesamt arbeiten zzt. f&uuml;r die GIZ in Afghanistan rund 60 Entsandte. Im Nordosten seien auch einige in Feyzabad und Taloqan. Partiell kann in Distrikten/am Boden gearbeitet werden.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">&bdquo;Alphabetisierung und nachholende Grundbildung&ldquo; f&uuml;r die Polizei</span> (ANP): Das Projekt startete 2012 im Norden und l&auml;uft heute in allen 34 Provinzen an ca. 2.000 Standorten, auch an Checkpoints (Mindestgr&ouml;&szlig;e von Kursen vier Teilnehmer). Der Grundkurs l&auml;uft &uuml;ber 12-18 Monate und bringt den Schulabschluss 3. Klasse. Der Aufbaukurs beinhaltet den Stoff der 4.-6. Klasse. Die Kurse sind an den jeweiligen Dienstbetrieb angepasst und schlie&szlig;en mit Pr&uuml;fung und Zertifikat des Bildungsministeriums ab.</p>
<p>Zzt. haben die Grundkurse 25.000 TeilnehmerInnen, die Aufbaukurse 10.000.</p>
<p>Die 1.500 Lehrpersonen, vor allem ehemalige Polizeioffiziere, werden von der GIZ bezahlt. (9 Mio. Euro/Jahr).</p>
<p>Zwei GIZ-Mitarbeiter sind die einzigen Internationalen bei diesem Programm. Zur Illustration wird ein Video vorgef&uuml;hrt. Weiteres zur Ausbildung und Alphabetisierung der Polizei auf <a href="https://www.ez-afghanistan.de/de/project/unterst%C3%BCtzung-der-polizei-%E2%80%93-ausbildung-und-alphabetisierung">https://www.ez-afghanistan.de/de/project/unterst%C3%BCtzung-der-polizei-%E2%80%93-ausbildung-und-alphabetisierung</a> ; Das ABC der Sicherheit &ndash; Alphabetisierung von Polizisten in Bamiyan, <a href="https://akzente.giz.de/de/artikel/das-abc-der-sicherheit">https://akzente.giz.de/de/artikel/das-abc-der-sicherheit</a> )</p>
<p><em>(Im Mai 2012 war ich erstmalig dem Alphabetisierungsprojekt begegnet. Damals liefen Kurse von 6-8 Wochen und 6 Monaten in allen l&auml;ndlichen Distrikten und fast allen st&auml;dtischen Polizeistationen des Nordens. </em><em>Der 6-Monatskurs schloss Basisausbildung in Polizeiaufgaben und &ndash;recht, Menschenrechte, Gender, h&auml;usliche Gewalt, Rule of Law, Gesundheitspflege ein. &Uuml;ber 300 einheimische ehemalige Polizisten und Milit&auml;rs sowie Zivile arbeiteten als Lehrkr&auml;fte. F&uuml;r den Unterricht wurden 95 voll ausgestattete Container-Klassenr&auml;ume und acht Zelte f&uuml;r unzug&auml;ngliche Gebiete bereitgestellt. Stolz &uuml;berreichte man mir das erste, von Innenministerium und GIZ herausgegebene Handbuch f&uuml;r Polizeirecht sowie eine Lehrbrosch&uuml;re f&uuml;r Polizeisch&uuml;ler in einfacher Sprache. Seit 2009 haben knapp 13.000 Polizisten in Nord-AFG die 6-Monatskurse durchlaufen. An den Kurzzeitkursen nahmen 6.250 teil. Bericht von 19, Afghanistanreise im Mai&nbsp; 2012 &bdquo;R&uuml;ckzug aus der Verantwortung?&ldquo; </em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1183"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1183</em></a><em> )</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Community-Policing (CP)</span>: Ausgangslage ist das zerr&uuml;ttete Verh&auml;ltnis zwischen Bev&ouml;lkerung und Polizei. Polizei wurde &uuml;ber Jahrzehnte nur als Instrument des Machterhalts erfahren, nicht als sch&uuml;tzende B&uuml;rgerpolizei. Extreme Abneigungen Ziel des Programms ist, Vertrauen zu schaffen. Beide Seiten sollen miteinander reden k&ouml;nnen.</p>
<p>Das Alphabetisierungsprogramm sei schon hilfreich. Haupthindernis seien die schlechten Erfahrungen und die Besetzung von Polizeipositionen nach Loyalit&auml;ten.</p>
<p>Inzwischen spiele Bef&auml;higung eine wachsende Rolle. J&uuml;ngere Kommandeure seien besser qualifiziert. Aber Vorsicht zugleich vor &uuml;berh&ouml;hten westlichen Erwartungen!</p>
<p>CP-Projekte gebe es inzwischen in 15 Provinzen (Badakhshan, Balkh, Jowzjan, Kunduz, Samangan und Takhar im Norden und Kabul, Herat, Bamyan, Kunar, Laghman, Nangarhar, Nuristan, Panjsher, Parwan).</p>
<p>Der Hauptansatz sei, Polizeichefs und Repr&auml;sentanten der Bev&ouml;lkerung (&Auml;lteste) ins Gespr&auml;ch zu bringen. In 2018 fanden 360 &ouml;ffentliche Beratungssitzungen auf Bezirksebene mit rund 7.200 Teilnehmenden statt. Es gehe um Erfolge der kleinen Schritte.</p>
<p>Das Programm l&auml;uft seit 2018 und wird auch von UNDP unterst&uuml;tzt.</p>
<p>Es gibt kleine Trainingseinheiten von dreit&auml;gigen Kursen, Train the Trainer. Die GIZ stelle das Monitoring.</p>
<p>Man habe vor, in 2020 zehn weitere Provinzen einzubeziehen, auch Logar, Paktika, sogar Kandahar und Helmand. Nat&uuml;rlich nicht fl&auml;chendeckend, sondern andockend an bestehenden Strukturen und konstruktiven Ans&auml;tzen. Berichtet werden gute Einzelgeschichten von erfolgreichen kleinen Schritten.</p>
<p>Auch hierbei ist der anwesende GIZ-Mitarbeiter der einzige Internationale.</p>
<p>( <a href="https://www.ez-afghanistan.de/de/project/vertrauen-f%C3%B6rdern-%E2%80%93-polizeiarbeit-b%C3%BCrgernah-gestalten">https://www.ez-afghanistan.de/de/project/vertrauen-f%C3%B6rdern-%E2%80%93-polizeiarbeit-b%C3%BCrgernah-gestalten</a> )</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Shelter f&uuml;r Binnenvertriebene (Internal Displaced Persons/IDP):</span></p>
<p>Die Vertriebenengeschichten sind oft komplex. Fokusprovinzen sind zzt. Balkh, Samangan und Jowzjan.</p>
<p>Ein Shelter umfasst zwei R&auml;ume f&uuml;r sieben Personen und kostet 4.000 Euro. Errichtet in Lehmbauweise sind die Shelter recht stabil. Zu den erg&auml;nzenden kleinen Infrastrukturma&szlig;-nahmen geh&ouml;ren z.B. Solarwasserpumpen.</p>
<p>Am Camp Marmal ist eine Siedlung f&uuml;r knapp 250 Familien entstanden. Flankiert wird das Programm von Ma&szlig;nahmen der Berufsausbildung. Dorfkomitees aus Gemeinden und Fl&uuml;chtlingen sorgen daf&uuml;r, dass die Ausbildungsma&szlig;nahmen in gleichen Teilen der ans&auml;ssigen Bev&ouml;lkerung und den Fl&uuml;chtlingen zugutekommen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">&nbsp;</span></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Berufsausbildungs-Campus Takhta Pul</span></p>
<p><em>(Im Februar 2015 hatte ich den im Bau befindlichen Technical and Vocational (Berufsausbildung) Education and Training (TVET) Campus Takhta Pul bei Mazar-e Sharif besucht. Das Agicultural Veterinary Institute f&uuml;r 720 Studierende und die Technical Teacher Training Academy (Berufsschullehrerakademie) f&uuml;r 500 Studierende nahmen 2016 ihren Betrieb auf. An den beiden Landwirtschaftsschulen in Mazar und der Agricultural High School Kunduz lernen insgesamt 2.000 junge Leute. Am 07. Mai 2017 wurde nun auch das Engeneering College f&uuml;r 720 Studierende feierlich eingeweiht.</em></p>
<p><em>Der TVET-Campus ist Teil eines breiten Berufsausbildungsprogramms der afghanisch-deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Bau und Infrastruktur finanzierte die deutsche Kreditanstalt f&uuml;r Wiederaufbau (KfW Entwicklungsbank). Die Gesellschaft f&uuml;r Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist f&uuml;r Capacity Development verantwortlich.</em></p>
<p><em>Der Campus&nbsp; ist ein zentraler Eckstein f&uuml;r Aufbau und Arbeitsbeschaffung in Afghanistan, wo es einen akuten Bedarf an ausgebildeten Arbeitskr&auml;ften gibt, und soll die gr&ouml;&szlig;te Einrichtung dieser Art in Afghanistan sein (PEM CONSULT zur Er&ouml;ffnung des Engeneering College </em><a href="https://www.pem-consult.de/news/inauguration-of-the-engineering-college-for-720-students-in-balkh-afghanistan.html"><em>https://www.pem-consult.de/news/inauguration-of-the-engineering-college-for-720-students-in-balkh-afghanistan.html</em></a><em> )</em><em>Nach zwischenzeitlichen Berichten soll sich der Campus gut und ungest&ouml;rt entwickelt haben: Perspektiven f&uuml;r tausende j&uuml;ngerer Menschen in der Region, ein Leuchtturm! Jetzt bin ich hoch gespannt &ndash; und angesichts der aktuellen Informationen zu einem Taliban-kontrollierten Gebiet westlich Mazar ziemlich besorgt.&nbsp; Vgl. Bericht von 2015, </em></p>
<p><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1368"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1368</em></a><em> )</em></p>
<p>Nachts seien die Stra&szlig;en unsicher, tags&uuml;ber gehe es. Nach Samangan, Taloqan und Feyzabad k&ouml;nne man mit dem Auto. Westlich von Mazar, in der Gegend von Takhta Pul, seien Taliban in die D&ouml;rfer eingesickert. Viele Sch&uuml;ler kommen aus D&ouml;rfern mit Taliban. Der Campus habe eine hohe Akzeptanz und arbeite weiterhin ungest&ouml;rt. Die Taliban wollen wohl nicht die Sympathien der Bev&ouml;lkerung verscherzen und als Zerst&ouml;rer auftreten. Insgesamt sei die Sicherheitslage aber schlechter geworden.</p>
<p>Zzt. werden in Takhta Pul ca. 1.500 Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler von rund 150 Lehrpersonen unterrichtet. F&uuml;r 110 Frauen stehen gut ausgestatte Unterk&uuml;nfte zur Verf&uuml;gung. Einzugsgebiet ist der ganze Norden.&nbsp; Der Campus arbeitet solide eigenst&auml;ndig, flankiert von Trainingsma&szlig;-nahmen f&uuml;r das Lehrpersonal. Ein sehr landeserfahrener deutscher Consultant&nbsp; begleitet von Anfang an die Entwicklung des Campus. Unter staatlichen Bildungseinrichtungen soll dieser Campus f&uuml;hrend sein.</p>
<p><strong>Mit drei Polizisten des GPPT</strong></p>
<p>In Mazar sind zzt. 15 deutsche Polizeibeamte, in Kabul sollten es eigentlich 35 sein. Nach dem Angriff auf &bdquo;Green Village&ldquo; besteht in Kabul aber keine Arbeitsf&auml;higkeit, geht es um Erhalt von Strukturen.</p>
<p>In Mazar arbeitet GPPT an zwei Schwerpunkten: (a) am Flughafen Beratung der Afghan Border Politice (&uuml;ber 200 Polizisten) bei Passkontrolle, Dokumentenexperten, Vorkontrollen und Interpol-Komponente;</p>
<p>(b) im <em>Sergeant Training Center</em> (STC) der ANP (fr&uuml;her Regionales Ausbildungszentrum, Baustart 2008, deutsch finanziert, 2014 &Uuml;bergabe an die afghanische Seite) f&uuml;r Polizei-Unteroffiziere, ostw&auml;rts an Camp Marmal anschlie&szlig;end. Die Polizeisch&uuml;lerzahlen schwanken zwischen 120/300 und 1.500. Die Absolventen des STC sind bei Operationen an vorderster Front dabei. GPPT-Aufgaben sind:</p>
<p>- Beratung der Leitung</p>
<p>- Fortbildung der mittleren Ebene</p>
<p>- Training f&uuml;r Wachmannschaften des STC</p>
<p>- Insgesamt train the trainer.</p>
<p>Plus der deutschen Polizei sei: Sie war durchg&auml;ngig da. Das schaffe Vertrauen. Bei Beratungsbedarf werde man als erstes gefragt. Die Afghanen wollen wohl eher deutschen Standard.</p>
<p>Heimatbundesl&auml;nder: Niedersachsen und Baden-W&uuml;rttemberg tragen die Beteiligung an internationaler Polizeihilfe voll mit. Der Dienstellenleiter des Niedersachsen war selbst im Auslandseinsatz. Insgesamt sei man eineinhalb Jahre weg. Manchmal fehle es an Anerkennung. Das werde von vielen angesprochen.</p>
<p><em>(Ich bin erleichtert zu h&ouml;ren, dass das Ausbildungszentrum noch gut laufen soll und dass GPPT nicht nur Spitzenberatung betreibt, sondern auch noch dichter an der Ausbildung dran ist. Ob die Beratungskapazit&auml;ten ausreichen, um Wirkung zu erzielen, kann ich nicht beurteilen. In diesen Tagen findet am neuen Fachgebiet &bdquo;Internationale polizeiliche Beziehungen&ldquo; an de Dt. Hochschule der Polizei in M&uuml;nster erstmalig eine Tagung zur Evaluation von polizeilichen Auslandseins&auml;tzen statt. Auf die Ergebnisse bin ich gespannt.)</em></p>
<p><strong>Andere Aufbauprojekte </strong></p>
<p><strong>PATRIP-Foundation: </strong>Pakistan-Afghanistan-Tajikistan Regional IntegrationProgram: Unterst&uuml;tzung von wirtschaftlicher, sozialer Entwicklung in den Grenzregionen der drei L&auml;nder, um politische Spaltungen zu &uuml;berbr&uuml;cken und grenz&uuml;berschreitende Kooperation zu st&auml;rken. Hierbei geht es um Br&uuml;cken, Stromversorgung, M&auml;rkte, Gesundheitsstationen. Immer m&uuml;ssen die Menschen beider Seiten davon profitieren. Umsetzung &uuml;ber NGO`s. Die Projekte gehen mit Capacity Building einher.</p>
<p>Erster und gr&ouml;&szlig;ter Geber ist das dt. Ausw&auml;rtige Amt. Luxemburg und Welthungerhilfe sind ebenfalls beteiligt. Das Programm funktioniere gut. &Auml;hnliches gebe es in der Sahelzone.</p>
<p>( <a href="http://www.patrip.org/en/home/">http://www.patrip.org/en/home/</a> )</p>
<p><strong>AA-Schwerpunkte </strong>sind Stabilisierung (Polizeiaufbau, Unterst&uuml;tzung staatlicher und zivilgesellschaftlicher Strukturen) und humanit&auml;re Hilfe (Binnenvertriebene, R&uuml;ckkehrer, humanit&auml;res Minenr&auml;umen); Projekte z.B. zu Jugendf&ouml;rderung in bestimmten Stadtteilen, Rechtsstaatsf&ouml;rderung, Frieden und Mediation (z.B. Verhandlungstraining f&uuml;r Gespr&auml;che mit den Taliban, Schaffung humanit&auml;rer Zug&auml;nge auf taktischer Ebene, Optionen einer Verfassungsreform), Wiederaufbau einer zweiten gro&szlig;en historischen Gartenanlage (nach Bagh-e Babur, <a href="https://sz-magazin.sueddeutsche.de/aussenpolitik/keiWie%20m-der-hoffnung-79451">https://sz-magazin.sueddeutsche.de/aussenpolitik/keiWie m-der-hoffnung-79451</a> )</p>
<p><strong>EZ-Schwerpunkte</strong> sind gute Regierungsf&uuml;hrung, Wirtschafts- und Besch&auml;ftigungsf&ouml;rderung (inkl. Berufsbildung), kommunale Infrastruktur und Stadtentwicklung sowie Grund- und Sekundarbildung. (Gesamt&uuml;bersicht der von AA und BMZ finanzierten Projekte auf <a href="https://www.ez-afghanistan.de/de/front">https://www.ez-afghanistan.de/de/front</a> )</p>
<p>Deutschland arbeitet zusammen mit 15 afghanischen Ministerien (mit ihren Provinz- und Distriktbeh&ouml;rden), drei staatlichen Organisationen, Provinzr&auml;ten, Gemeindeentwicklungsr&auml;ten sowie 84 deutschen, internationalen und afghanischen NGO`s.&nbsp; <a href="https://www.ez-afghanistan.de/de/page/nro-partner">https://www.ez-afghanistan.de/de/page/nro-partner</a></p>
<p><strong>Er&ouml;ffnung des Darul-Aman-Palastes</strong> am 20.08.2019 durch Pr&auml;sident Ashraf Ghani in Anwesenheit vieler Regierungsmitglieder, Politiker, Aktivisten und anderer G&auml;ste. Der Palast wurde in den 1920er Jahren nach dem Vorbild des Berliner Reichstages errichtet und sollte das Parlament, die Regierung und das Oberste Gericht aufnehmen. Zerst&ouml;rt im B&uuml;rgerkrieg der 1990er Jahre von den Mudschaheddin war die Ruine des Darul-Aman-Palastes seitdem Symbol des kriegszerst&ouml;rten Afghanistan. Der Wiederaufbau begann im Mai 2016. Dass er jetzt gelang, wurde in Deutschland praktisch nicht zur Kenntnis genommen. Ich wurde zuf&auml;llig durch ein Deutschlandfunk-Interview mit Martin Gerner darauf aufmerksam. ( <a href="https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-scala-aktuelle-kultur/audio-afghanistan-wie-frauen-mit-filmen-gegen-die-taliban-kaempfen-100.html">https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-scala-aktuelle-kultur/audio-afghanistan-wie-frauen-mit-filmen-gegen-die-taliban-kaempfen-100.html</a> ; <a href="https://tolonews.com/afghanistan/ghani-inaugurates-darulaman-palace-after-its-renovation">https://tolonews.com/afghanistan/ghani-inaugurates-darulaman-palace-after-its-renovation</a> ; Thomas Ruttig zum Wiederaufbau des Palastes und die Auseinandersetzung darum. 04.06.2016, <a href="https://thruttig.wordpress.com/2016/06/04/2546/">https://thruttig.wordpress.com/2016/06/04/2546/</a> ; aktuell zur Er&ouml;ffnung &nbsp;</p>
<p><strong>5th Herat International Women`s Film Festival (HIWFF</strong>), nach zweij&auml;hriger Unterbrechung&nbsp; am 26.-29.08.2019 in Kabul, <strong>Bericht von Martin Gerner</strong></p>
<p>60 Filme wurden in drei Kinos&auml;len gezeigt, ein Saal priorit&auml;r f&uuml;r Familienbesuche &ndash; entsprechend einer fr&uuml;heren afghanischen Tradition.</p>
<p>&bdquo;(&hellip;) In Europa haben wir von den vorigen Ausgaben des Festivals nicht oder kaum Notiz genommen. Nat&uuml;rlich wegen der immer gleichen, negativen Schlagzeilen vom Hindukusch. Suggeriert wird eine permanente Armut an kulturellen Veranstaltungen in Afghanistan. Das HIWFF stellt diesem westlichen Narrativ eine vitale, junge Generation an Filmemachern und Filmemacherinnen entgegen, dazu die Wiederentdeckung eines Publikums, das sich trotz gro&szlig;er Risiken in die wenigen Kinos&auml;le von Kabul wagt. Die Message ist klar: Ja, es gibt eine rege Filmwelt in Afghanistan. Und ja, afghanische Filme k&ouml;nnen international durchaus mit konkurrieren, auch wenn vor allem bei abendf&uuml;llenden Produktionen viele Luft nach oben ist.<br /> Soweit ich mich umgeschaut habe, bin ich der einzige westliche Journalist auf diesem Filmfestival gewesen. Und das in doppelter Rolle, weil auch als Mitglied der internationalen Jury f&uuml;r Dokumentarfilm angefragt und eingeladen. (&hellip;)</p>
<p>Ein Novum diesmal: Das Festival expandiert in das Land hinein. Neben Kabul und Herat (wo die ersten drei Ausgaben stattfanden) jetzt auch Bamiyan und Jalalabad, die paschtunische Metropole im Nordosten, an der Grenze zu Pakistan. Bemerkenswert, weil hier Kultur und Film weitgehend m&auml;nnlich gepr&auml;gt sind, weibliche Regisseure absolute Ausnahmen bleiben. Auch haben es bisher nur sehr wenige paschtunische Filme auf das Festival geschafft. Ich selbst habe 2011 ein Seminar &uuml;ber Story telling im Dokumentarfilm in Jalalabad gegeben. Es waren damals ausschlie&szlig;lich M&auml;nner unter den 25 Teilnehmern. Weibliche Autorinnen haben es in dem sehr traditionsbewussten Werteraster der paschtunischen Gesellschaft oft schwerer als in Herat oder Kabul. Deshalb ist es erkl&auml;rtes Ziel der Festivalmacher, in Zukunft auch paschtunische Regisseurinnen mehr teilhaben zu lassen und sie zu Filmproduktionen zu animieren. (&hellip;)&ldquo; (<a href="http://martingerner.de/no-sell-out-to-taliban-herat-international-womens-film-festival/">http://martingerner.de/no-sell-out-to-taliban-herat-international-womens-film-festival/</a> ; <a href="https://hiwff.com/">https://hiwff.com/</a> )</p>
<p><strong>Nachbemerkung</strong></p>
<p>Vorm R&uuml;ckflug fr&uuml;hmorgens an der Rollbahn: der tiefe Schatten des Marmal-Gebirges, der vorsichtig aufhellende, blanke Himmel. Zu dieser Zeit erscheint Afghanistan immer wieder als Oase des Friedens. Im modernen, blitzsauberen Abflugterminal erinnern unsere hochger&uuml;steten Close Protectors an die realen Bedrohungspotenziale. Der Abschied von ihnen ist wieder besonders herzlich.</p>
<p>Vor der Reise kam mir der Gedanke, dass dies m&ouml;glicherweise mein letzter Besuch in Afghanistan sein w&uuml;rde. Man wird ja &auml;lter. Der Gedanke hat sich vor Ort verfl&uuml;chtigt.</p>
<p><strong>Letzte AFG-Beitr&auml;ge</strong></p>
<p>- Artikel in den Westf&auml;lischen Nachrichten 08.11.2019, <a href="https://www.wn.de/Welt/Politik/4023063-Afghanistan-Experte-und-Sicherheitspolitiker-Winfried-Nachtwei-war-zum-20.-Mal-am-Hindukusch">https://www.wn.de/Welt/Politik/4023063-Afghanistan-Experte-und-Sicherheitspolitiker-Winfried-Nachtwei-war-zum-20.-Mal-am-Hindukusch</a></p>
<p>- UNAMA-Halbjahresbericht I/2019&nbsp; + j&uuml;ngste SIGAR-Berichte zu Zivilopfern, Sicherheits- und Risikolage in Afghanistan: R&uuml;ckgang der Zivilopfer um 27%, <span style="text-decoration: underline;">aber:</span> Anstieg der Zivilopfer durch Pro-Regierungskr&auml;fte um 31%, Anschlagswelle seit Juli, 06.09.2019, <a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1603">www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1603</a></p>
<p>- Einmalige Langzeitstudie zu deutschen Afghanistan-R&uuml;ckkehrern: Wie verarbeiten sie ihre Einsatzerfahrungen, wie stehen Sie drei Jahre danach zum AFG-Einsatz?, Kommentierte Zusammenfassung der Studie mit Erg&auml;nzungen zum&nbsp; Einsatzkontext, <a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1576">www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1576</a> und ANHANG II, Sicherheitsvorf&auml;lle in AFG-Nord M&auml;rz bis Oktober 2010, <a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1574">www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1574</a></p>
<p>- Erste Kommentare zur Ank&uuml;ndigung eines US-Teilabzuges aus Afghanistan von T. Ruttig, A. Cordesman/CSIS, TOLOnews, Longwar Journal u.a., 23.12.2018, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1566">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1566</a></p>
<p>- &bdquo;Gehen oder bleiben?&ldquo; Mein Vortrag bei der 32. Afghanistan-Tagung in Villigst &ndash; vier Wochen vor der Ank&uuml;ndigung eines US-Teilr&uuml;ckzugs aus Afghanistan, 24.11.2018, (Bericht folgt) <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1563">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1563</a></p>
<p><strong>Reiseberichte: </strong></p>
<p>2016: <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1441">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1441</a></p>
<p>2015: <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1345">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1345</a></p>
<p>2012: <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1183">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1183</a></p>
<p>2011: <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=81&amp;aid=1067">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=81&amp;aid=1067</a></p>
<p>2009: <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=81&amp;aid=930">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=81&amp;aid=930</a></p>
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