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Genauer Hinsehen: Sicherheitslage Afghanistan (Lageberichte + Einzelmeldungen) bis 2017
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Zur Mandatsdebatte Afghanistan: Einzelbeiträge zu UNAMA-Zivilopfer 3. Quartal, Angriffe gegen religiöse Minderheit, afg. Söldner im Irak, Dt. Ansatz Polizeihilfe

Veröffentlicht von: Nachtwei am 23. November 2017 15:24:55 +01:00 (622 Aufrufe)

In Ergänzung meiner Materialien + Anmerkungen zur Mandatsentscheidung ´Resolute Support`"Statt weiter so im Nebel abwärts in Afghanistan ..." hier ergänzende eigene und Fremdbeiträge zu Zivilopfern, afghanischen Söldnern im Irak, deutscher Polizeihilfeansatz aus Sicht des US-SIGAR.

ANHANG  zu

Statt weiter so im Nebel abwärts in Afghanistan: Endlich kritische Überprüfung, Realismus, strategischer Konsens und Exit-Kriterien.

Anmerkungen zur Mandatsentscheidung „Resolute Support“ (23.11.2017)

UNAMA-Quartalsbericht zum Schutz von Zivilisten im bewaffneten Konflikt Januar bis September 2017 vom 12. Oktober 2017, https://unama.unmissions.org/protection-of-civilians-reports  Insgesamt kam es in den ersten Monaten diesen Jahres zu 8.019 Zivilopfern, davon 2.640 Tote und 5.379 Verletzte. Ggb. dem Vorjahrszeitraum ein war das ein Rückgang um sechs Prozent nach vier Jahren mit steigenden Zahlen.

Während von 2016 auf 2017 die Zahl der Verletzten um 9% zurückging, stieg die Zahl der Toten um 6%.

Stark betroffen waren weiterhin Frauen und Kinder. Die Zahl der weiblichen Zivilopfer stieg um 13% auf 1.007, davon 298 Tote. Die Zahl der Kinder unter den Zivilopfern betrug 2.480, davon 689 Tote, ein Rückgang um 1%, bei den toten Kindern ein Anstieg um fünf Prozent. Während weniger Frauen und Kinder bei Bodenkämpfen zu Schaden kamen, nahm die Zahl der durch Suizid- und komplexe Attacken, Luftangriffe und IED`s getöteten und verletzten Frauen und Kinder zu.

Taktischer Kontext: Zu den meisten Zivilopfern (2.807, 35%) kommt es weiterhin bei Bodenkämpfen, allerdings mit einem Rückgang um -15% ggb. demVorjahrszeitraum, von Seiten der Pro-Regierungskräfte (PGE)  -37%. Die Zahl der Zivilopfer durch Suizid- und komplexe Attacken (1.584, 20%), Druckplatten-IED`s und Luftangriffe (6%) nahm hingegen zu.

Verantwortliche: Anti-Regierungskräfte (AGE) verursachten 5.167 (= 64%) Zivilopfer 64%, davon 1.760 Tote, ein Rückgang um ein Prozent ggb. dem Vorjahr. Davon gingen 66% auf das Konto der Taliban, 10% auf das von Daesh/IS, die restlichen auf nicht Identifizierte AGE. Zu 37% der Zivilopfer kam es beim Einsatz von IED und Suizid- und komplexen Attacken. Durch unterschiedslos wirkende IED`s wurden 371 Menschen getötet und 432 verletzt. Ein Drittel der Opfer durch Druckplatten-IED`s waren Kinder.

Pro-Regierungskräfte verursachten 1.578 (20%) Zivilopfer, davon 560 Tote, ein Rückgang um 19%. Stark zu nahmen die Zivilopfer durch Luftangriffe um 52% auf 466, davon 205 Tote. 68% der Zivilopfer durch Luftangriffe waren Frauen und Kinder. 38% der Zivilopfer durch Luftangriffe wurden durch internationale Streitkräfte verursacht.

UNAMA Special Report „Attacken gegen religiöse Stätten, religiöse Führer und Gläubige“ vom 7. November 2017, https://unama.unmissions.org/sites/default/files/unama_report_on_attacks_against_places_of_worship_7nov2017_0.pdf

Seit Januar 2016 gab es 51 Vorfälle von Angriffen auf religiöse Stätten und Gläubige dort, von willkürlichen Tötungen, Entführungen und Einschüchterungen von religiösen Gelehrten und Führern. Hierbei kam es zu 850 Zivilopfer, davon 273 Toten, fast eine Verdoppelung der Zahl der Zivilopfer ggb. dem 7-Jahreszeitraum 2009 bis 2015 (475).

Ein Beispiel vor kurzem am 20. Oktober in der Imam-e-Zaman-Moschee in Kabul: Ein Selbstmordattentäter warf eine Granate in den Frauenbereich, dann zündete er in der zweiten Reihe der Gläubigen seine Sprengstoffweste. Er ermordete 57 Gläubige und verletzte 55, auch Frauen und Kinder. Daesh/IS reklamierte die Verantwortung.

Seit Januar 2016 verursachten Angriffe auf Moscheen, Schreine und andere religiöse Stätten 737 Zivilopfer, davon 242 Tote, in der überwiegenden Mehrzahl schiitische Opfer durch Angriffe von Daesh. In den sieben Jahren zuvor gab es fünf gegen Schiiten gerichtete Attacken, die meisten aber mit unklarem Hintergrund.

Seit Anfang 2016 ist ein deutliches Angriffsmuster gegen schiitische Gläubige erkennbar – und damit gegen die ethnische Minderheit der Hazara.  Seitdem gab es 12 Angriffe gegen schiitische religiöse Stätten und Gläubige mit 689 Zivilopfern, davon 230 Toten. Bei acht der 12 Angriffe übernahm  Daesh die Verantwortung. Vier der Angriffe fanden 2016 statt, acht in den ersten zehn Monaten 2017.

(Hinzu kommen Daesh-Angriffe gegen Hazara generell: so am 23. Juli 2016 gegen eine vor allem von Hazara besuchte Großdemonstration in Kabul, wo Selbstmordattentäter 85 Menschen ermordeten und 413 verletzten – der erste Anschlag gegen eine friedliche Demonstration in Afghanistan.)

2016 und 2017 kam es bisher zu 27 Vorfällen von gezielten Tötungen von religiösen Führern durch AGE mit 51 Zivilopfern, davon 28 Toten, die meisten in 2017 und hauptsächlich durch die Taliban.

Fatemiyoun – afghanische Söldner in Syrien

Die Iran- und Afghanistan-erfahrene FAZ-Redakteurin Friederike Böge berichtete am 23.10. über das „Trainingslager Syrien“: Unter den zeitweilig bis zu 60.000 ausländischen Kämpfern in Syrien im Auftrag des Iran und auf Seiten des Assad-Regimes stellt die „Liwa al Fatemiyoun“ mit mindestens 10.000 schiitischen Afghanen einen erheblichen Teil. Von 2013 bis diesen Oktober sollen mehr als 750 von ihnen in Syrien getötet worden sein. Rekrutiert wurden sie unter afghanischen schiitischen (Hazara)Flüchtlingen im Iran, die dort zum großen Teil in der Illegalität leben und diskriminiert werden, und inzwischen auch direkt in Afghanistan. Geködert werden sie mit der Aussicht auf eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung, mit einem Sold von 770 Euro im Monat und „der Verteidigung des Schreins“ von Zaina, der Tochter Alis, des ersten Imam der Schiiten, deren Mausoleum in Damaskus steht.

In Afghanistan sei man beunruhigt, „was eigentlich mit den Kämpfern geschehen soll, wenn sie in Syrien nicht länger gebraucht werden.“ In Afghanistan könnten die Kämpfer für den Iran eine wichtige Langzeitmission sein.

Schon jetzt schüre der Einsatz der Fatemiyoun in Syrien den Vorwurf gegen Hazara, gegenüber dem Iran loyaler zu sein als gegenüber Afghanistan. Zugleich seien die Hazara über den Anti-IS-Kampf der Fatemiyoun ins Visier des IS geraten. Allein in diesem Jahr seien bei gezielten Angriffen auf Hazara fast 900 Zivilisten ums Leben gekommen.

( http://plus.faz.net/politik/2017-10-23/trainingslager-syrien/71233.html

The German Approach

(aus: SIGAR-Report Reconstructing the Afghan National Defense and Security Forces: Lessons from the U.S. Experience in Afghanistan, Sep. 2017, S. 26 ff., https://www.sigar.mil/pdf/lessonslearned/SIGAR-17-62-LL.pdf )

“Building on a strong historical relationship, including previous German assistance to the Afghan police before World War II, Germany was officially designated as the lead nation for ANP reconstruction at the Geneva Conference in April 2002.

Anticipating its official involvement, Germany conducted a fact-finding mission in Afghanistan in January 2002, followed by an international planning conference for ANP support the following month.

The conference was attended by representatives from 11 international organizations and 18 countries, including the United States. During the conference, Germany pledged €10 million ($8.6 million) toward police reform efforts for 2002 alone.

In March, the German government introduced its comprehensive plan for developing the ANP titled the “German Project for Support of the Police in Afghanistan.” The plan outlined five focus areas: advise on the structure of the organization of the force, rehabilitate the Kabul Police Academy, reconstruct police buildings and institutions (focused mainly on the rehabilitation of the officer academy in Kabul), provide equipment such as police vehicles, and coordinate all other donor activities related to policing.

According to a former German Special Representative for Police Sector Reform, the German program intended to “start with the backbone.”

Based on fiscal sustainability considerations and European force model calculations of police-to-population ratios, Germany, Afghanistan, and the international community agreed to a final ANP force size of 62,000 police (44,300 uniformed police, 12,000 border police, 3,400 highway patrol, and 2,300

counternarcotics police).

During a July 2002 meeting between the Minister of Interior, Taj Mohammad Wardak, and both U.S. and German representatives, Wardak declared his intention to have a “fully professional, well-trained, modern police force within six months,” however, no specific deadlines were officially set.

At the time, Afghanistan had an interim police force of 50,000–70,000 men who were largely untrained and severely lacking in equipment.

Moreover, “between 70 and 90 percent” of the force was illiterate, and the force included many “former fighters who were loyal to warlords and local leaders rather than to the new central government.”

According to Amnesty International, only 120 of 3,000 police officers in Kandahar Province had received formal police training and lacked basic education; Amnesty International also noted an extensive record of human rights abuses among these officers.

Minister Wardak acknowledged these impediments to reaching his goal, including the lack of educated recruits, and further noted that low police salaries were disincentives for recruiting the right people.

Further, the dearth of literate police recruits compromised the very basis of the German police plan, which required senior officers and NCOs to receive university-level training.

In 2002, Germany launched its official police reform program by deploying 40 civilian police advisors to Kabul. This was widely criticized as being insufficient and only enough to train several hundred police officers in the capital itself.

For Germany, police training and reform were seen as a civilian mission, not a military one. Their efforts were further constrained by national caveats restricting movement and activities of German personnel. For example, German advisors were required to train Afghan police on civilian policing methods within the confines of German bases, and thus were not exposed to the realities of actual Afghan urban and rural policing environments.

Furthermore, as the German effort focused only on officers and NCOs in Kabul, field training for the forces already in place across the country was neither conducted, nor planned.

At the ministerial level, efforts to develop and reform the Ministry of the Interior (MOI) were nearly nonexistent. Only one German advisor was assigned to the ministry, despite the ministry being described as deficient in even the most basic systems and inadequate to oversee and govern the ANP.

German officials would later report they believed their role as the lead nation was to be the lead advisor and coordinator for police development activities; they did not believe this entailed full responsibility for developing or retraining the entire ANP.

The German view ran counter to the U.S. assumption that Germany would be responsible for police reform in its entirety, to include local patrol officers, and would serve as the majority contributor of training personnel, resources, and funding.

While the Germans made progress in the five focus areas of their police support project, most of Germany’s funding focused on building infrastructure, primarily the Kabul Police Academy.

The academy officially opened in August 2002 with 1,500 police recruits enrolled.

Although it is possible a few hundred NCOs may have graduated near the end of 2003 and the beginning of 2004, based on the Germans’ three-year officer curriculum, the first trained police at the officer level would not have graduated until 2005. Taking into consideration the stated 62,000 force size goal, one expert noted that “the German approach would have taken decades.”

This restricted effort left local security outside of Kabul largely under the control of untrained police

 


Publikationsliste
Vortragsangebot zu Riga-Deportationen, Ghetto Riga + Dt. Riga-Komitee

Ende 1941/Anfang 1942 rollten Deportationszüge aus Deutschland und Österreich nach Riga.

1989 stieß ich auf die Spuren der verschleppten jüdischen Frauen, Männer und Kinder.

Mit meinem bebilderten Vortrag "Nachbarn von nebenan - verschollen in Riga" stehe ich gern für Erinnerungsveranstaltungen und Schulen zur Verfügung. (Anlage)

Vorstellung der "Toolbox Krisenmanagement"

Von der zivilen Krisenprävention bis zum Peacebuilding: Die 53-seitige Broschüre stellt kompakt und klar auf jeweils einer Themenseite Prinzipien, Akteure und Instrumente des Krisenmanagements vor. Bei einem Kolloquium im Bundestag in Berlin wurde die Schrift einem Fachpublikum vorgestellt. Erstellt von AutorInnen des Zentrums Internationale Friedenseinsätze ZIF und der Stiftung Wissenschaft und Politik SWP ist die "Toolbox" ein wichtiger Beitrag zur friedens- und sicherheitspolitischen Grundbildung auf einem Politikfeld, wo die Analphabetenrate in der Gesellschaft, aber auch in Medien und Politik sehr hoch ist. ... www.zif-berlin.de

zif
Auf dem Foto überreicht W. Nachtwei den AutorInnen seine 2008 erschienene Broschüre zur Zivilen Krisenprävention und Friedensförderung.

Mehr zur Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure bei der zivilen Konfliktbearbeitung u.a.:

Tagebuch
    • Meine persönlichen Jahresrückblicke + Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik (Nr. 1-50 im Tagebuchformat)

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