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Genauer Hinsehen: Sicherheitslage Afghanistan (Lageberichte + Einzelmeldungen) bis 2016
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Im ISAF-Abzugsjahr 2014 Zunahme der Zivilopfer um 22%, durch Bodenkämpfe um 54%! Neuester UNAMA-Bericht)

Veröffentlicht von: Nachtwei am 27. Februar 2015 17:22:37 +02:00 (30903 Aufrufe)

ISAF ist beendet, die Masse der internationalen Truppen ist abgezogen. Manche erwarteten damit einen Rückgang des Krieges in Afghanistan. Das Gegenteil ist der Fall. Hier meine Zusammenfassung des UNAMA-Jahresberichts 2014 zu Zivilopfern.

Im ISAF-Abzugsjahr 2014 Intensivierung des Krieges:

Zunahme der Zivilopfer um 22% auf 10.548 Tote und Verletzte,

durch Bodenkämpfe um 54%! (UNAMA-Bericht 2014)

Winfried Nachtwei (Februar 2015)

Der UNAMA-Jahresbericht 2014 „Schutz von Zivilpersonen im bewaffneten Konflikt“ wurde am 19. Februar veröffentlicht. Am selben Tag erlebte ich in Mazar-e Sharif beim Besuch von Entwicklungsprojekten und Blauer Moschee etwas von dem „anderen“ Afghanistan: quirlige Normalität, relative Ruhe und zusammen mit Entwicklungsexperten eine Bewegungsfreiheit, wie sie internationale  Soldaten und Polizisten hier seit Jahren nicht mehr kennen. (Bericht folgt)

Seit 2009 dokumentiert UNAMA systematisch die Zivilopfer im bewaffneten Konflikt in Afghanistan. Der Jahresbericht 2014 vom 19. Februar 2015 unter

http://unama.unmissions.org/Portals/UNAMA/human%20rights/2015/2014-Annual-Report-on-Protection-of-Civilians-Final.pdf .[1] Da ISAF und die US-Administration in 2013 ihre laufende, detaillierte Berichterstattung zur Sicherheitslage einstellten und die regelmäßigen Berichte des Afghanistan NGO Safety Office (ANSO, jetzt unter INSO) nicht mehr zugänglich sind, ist der UNAMA-Bericht die einzige öffentlich zugängliche Quelle zur Sicherheitsentwicklung in Afghanistan.[2]

(1) Zusammenfassung

In 2014 nahm die Zahl der Zivilopfer gegenüber 2013 um 22% auf 10.548 zu. Sie übertraf damit den bisherigen Negativrekord des Jahres 2011, der bei 7.842 Zivilopfern lag. Im Jahr 2014 kamen im Kontext des bewaffneten Konflikts 3.699 Zivilpersonen zu Tode (3.133 in 2011), 6.849 wurden verletzt (4.709 in 2011), 25% bzw. 21% mehr als 2013.

Erstmalig kamen in Afghanistan im Rahmen des bewaffneten Konflikts die meisten Zivilpersonen bei Bodenkämpfen um`s Leben – 1.092. In den Vorjahren waren IED`s die Killer Nr. 1.

(Lt. New York Times vom 22.10.2014 fielen von März bis August 950 afghanische Soldaten und 2.200 Polizisten!)

Diese katastrophale Sicherheitsentwicklung müsste  j e d e r  Seite zutiefst zu denken geben:

- den Einsatzbefürwortern, weil ISAF kein sicheres Umfeld (so der Kernauftrag) hinterließ. Ob mit der Aufbauhilfe für die afghanischen Sicherheitskräfte (ANSF) die Voraussetzungen für verbesserte und nachhaltige Sicherheit geschaffen wurden, wird sich erst in Jahren zeigen;

- den Sofortabzugs-Befürwortern, weil der ISAF-Abzug den Krieg in Afghanistan keineswegs schrumpfen ließ, sondern mit einer Zunahme an Kämpfen unter Afghanen einherging, mit regelrechten Massakern an Polizisten dort, wo die Alliierten Lücken hinterließen.

Schon die ersten Wochen von 2015 zeigen, dass afghanische Sicherheitskräfte und Taliban die Kampfsaison 2015 zu einem Wendepunkt im Konflikt machen wollen. Wenn sich die bisherigen Trends von mehr Bodenkämpfen, des Einsatzes von indirektem Feuer und IED`s in bewohnten Gebieten so fortsetzen, dann ist eine weitere Zunahme von Zivilopfern in 2015 höchstwahrscheinlich.

(2) Gefährliche neue Drehung des bewaffneten Konflikts: Erstmalig gab es die meisten Zivilopfer bei Bodenkämpfen und Kreuzfeuer. In 2014 wurden die meisten Menschen bei Bodenkämpfen getötet (1.092) und verletzt (2.513). Das waren 34% aller Zivilopfer und ein Anstieg um 54% ggb. dem Vorjahrszeitraum! (Mehr als die Hälfte der Zivilopfer wurden durch indirektes Feuer von Mörsern und Granaten verursacht.) 43% der Zivilopfer bei Bodenkämpfen werden regierungsfeindlichen Kräften zugeordnet (+51%), 26% Pro-Regierungskräften (+141%).

Das führte zu einem besonderen Anstieg der Opfer bei Kindern (+40% auf 714 Tote und 1.760 Verletzte) und Frauen (+21% auf 256 Tote, 611 Verletzte). UNAMA berichtet über das Schicksal von Frauen, die ihren Ehemann verloren haben und nun alleinige Ernährerin ihrer Familie sind: ein Viertel der Befragten berichtete nach Verlust des Mannes von Gewalt durch Verwandte und im näheren Umfeld (Beschimpfungen, Vertreibung aus dem Haus, Misshandlungen, Zwangswiederverheiratung).

Die Zunahme von Zivilopfern durch Bodenkämpfe erfasst alle Regionen Afghanistans, besonders stark im Süden (von 368 auf 925), Nordosten (129 auf 353) und Norden (196 auf 435). Allein in Helmand wurden 282 Zivilpersonen getötet und 458 verletzt, in Kunar 56/284, Faryab 118/197.

Beispiele: Am 18. August führte ein Mörsereinsatz der ANA in Kunduz City zu 14 Ziviltoten, darunter sieben Kindern, und 14 Verletzten. Am 31. Dezember wurden in Sangin/Helmand bei einer Hochzeitsfeier 29 Frauen und Kinder durch ANA-Mörsergranaten getötet und 53 Zivilpersonen (davon 46 Frauen und Kinder) verletzt.

Zugenommen haben Spezialoperationen, die von ANSF geführt und internationalen Spezialkräften unterstützt wurden: Dabei stieg die Zahl der Zivilopfer um 9% auf 102 Tote und 83 Verletzte.

(Der UNAMA-Bericht 1. Hj. 2014 schilderte die Kämpfe in Helmand zwischen dem 18. und 30. Juni, wo  allein 50 Zivilpersonen getötet und 265 verletzt wurden, 40% Frauen und Kinder, die Mehrzahl der Opfer aus dem Distrikt Sangin. Begonnen hatte es am 18.6. mit einem synchronisierten Angriff von ca. 800 Aufständischen auf ANP-Posten in Sangin, Kajaki, Musa Qala und Nahr-e Saraj. In den tagelangen Kämpfen wechselten die Gebiete mehrfach ihre „Besitzer“.

In der New York Times vom 22.12.2014 berichtete Rod Nordland über die dreitägigen Kämpfe Ende November im früheren Camp Bastion. Den britischen Hauptstützpunkt in Helmand hatten die letzten britischen und US-Truppen einen Monat zuvor verlassen. In den jetzigen Camp Shorab Maidan befindet sich das Hauptquartier des 215th ANA-Corps. Den Aufständischen war es gelingen, das Camp zu infiltrieren. Zwischen Juni und November fielen über 1.300 afghanische Soldaten und Polizisten in einer Provinz, die doppelt so groß wie Brandenburg ist und aus fruchtbaren Flusstälern und Wüste besteht! Die härtesten Kämpfe liefen in Sangin (67.000 Einwohner, 508 km2), wo die Aufständischen innerhalb einer Meile um das Distriktzentrum standen. Polizisten berichteten, das hier nur noch die asphaltierte Straße unter Kontrolle der Regierungskräfte gewesen sei. Ein jüngster Bericht von „Coffey International Development“ komme zu dem Ergebnis, dass sich seit dem Abzug der internationalen Kräfte Korruption, Sicherheit und öffentliche Dienstleistungen verschlechtert hätten. 2010/11 standen in Helmand mehr als 40.000 ausländische Soldaten.

http://www.nytimes.com/2014/12/23/world/taliban-push-into-afghan-districts-that-us-had-secured.html .[3])

(3) Durch von regierungsfeindlichen Kräften eingesetzte IED`s wurden 925 Zivilpersonen getötet und 2.053 verletzt, ein Anstieg um 3%. Durch Druckplatten-IED`s wurden 417 Zivilpersonen getötet und 385 verletzt. Der Einsatz dieser IED`s verstößt gegen das völkerrechtliche Verbot von Antipersonenminen.

Zivilopfer durch IED nahmen am stärksten zu im Nordosten (von 137 auf 288), Central (von 138 auf 204) und Norden (von 254 auf 357). Im Süden gab es einen leichten Rückgang – allerdings auf Extremniveau (von 1108 auf 1013).

(4) Bei 107 Selbstmordanschlägen und komplexen Angriffen wurden 371 Zivilpersonen getötet und 1.211 verletzt, ein Anstieg um 28% ggb. 2013. Ein Beispiel: Bei einem Selbstmordangriff bei einem Volleyballspiel mit 400 Zuschauern am 23. November in Yahya Khel/Paktika wurden 53 Zivilpersonen getötet (davon 21 Kinder) und 85 verletzt. Getötet wurden auch 10 Polizisten. Keine Konfliktpartei übernahm die Verantwortung. Auch die Taliban verurteilten den Angriff und kündigten eine Untersuchung an. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den seit Dezember 2011 opferreichsten Anschlag in Afghanistan.

Durch targeted killings wurden 753 Zivilpersonen getötet und 361 verletzt, ein Rückgang um 5%. Die Anschläge richteten sich vor allem gegen Stammesälteste, Regierungsvertreter, Mullahs (17 Angriffe)und Justizangehörige (40 Angriffe).

Bestrafungen durch Paralleljustiz regierungsfeindlicher Kräfte: 49 Vorfälle mit summarischen Hinrichtungen, 17 Enthauptungen, Amputationen. Dabei vervierfachte sich die Zahl der Opfer auf 96.

Auf humanitäre Minenräumer verübten Aufständische 17 Angriffe. Dabei wurden 34 Menschen getötet und 17 verletzt.  Ausführlich dargestellt wird das parallele Justizsystem der Taliban in Nord-Helmand.

Gegen den Wahlprozess richteten sich 242 Angriffe von regierungsfeindlichen Kräften. Dabei wurden 74 Zivilpersonen getötet und 306 verletzt.

(5) Verursacher der Zivilopfer waren lt. UNAMA 2014

-          Regierungsfeindliche Kräfte/AGE: 72% aller Zivilopfer mit 2.643 Toten und 4.902 Verletzten, eine Zunahme um 18% ggb. dem Vorjahr.

-          Pro-Regierungskräfte/PGF: 14% der Zivilopfer mit 468 Toten und 757 Verletzten (12% durch ANSF, 2% durch internationale Streitkräfte), eine Zunahme um 51% ggb. dem Vorjahr – trotz Maßnahmen zur Verringerung der Zivilopfer. Durch Pro-Regierungs-Milizen wurden 53 Zivilpersonen getötet und 49 verletzt, durch internationale Streitkräfte 101/50. 62% der Zivilopfer der PGF gab es bei Bodenkämpfen, 10% bei Search Operationen, 11% bei Luftangriffen.

-          10% der Zivilopfer waren nicht zuzuordnen.

(6) Binnenflüchtlinge

Infolge des bewaffneten Konfliktes wurden 2014 156.193 Menschen zu Binnenflüchtlingen (+8% ggb. 2013), die meisten in den Central-Provinzen Kapisa, Maidan, Wardak, Logar, in Helmand, im Norden in Faryab und Kunduz.

(7) Afghan Local Police (27.950 Mann in 157 Distrikten in 29 Provinzen): Bei 105 Zwischenfällen wurden von der ALP 52 Zivilpersonen getötet und 69 verletzt. (1% aller Zivilopfer) Mehrere Fälle von Einschüchterungen und Vertreibungen durch ALP-Kräfte sind dokumentiert, so von 150-200 Familien in der Provinz Farah.

Nichtsdestoweniger: Viele Gemeinden begrüßten weiterhin die Stabilität und verbesserte Sicherheit durch die ALP – besonders in solchen Gebieten, wo sie auch rekrutiert und stationiert war. Die Lage im Nordosten, insbesondere in der Provinz Kunduz, bleibt beunruhigend. Mehr als die Hälfte der durch ALP verursachten Zivilopfer geschehen im Nordosten, ein Anstieg um 34% ggb. dem Vorjahr. Geschildert werden Schritte zur Verfolgung von Straftaten und Menschenrechtsverletzungen durch ALP-Mitglieder.

(8) Illegale bewaffnete Gruppen („Pro-Government armed groups“): Für 2014 beobachtete UNAMA einen signifikanten Anstieg von Übergriffen ggb. der Zivilbevölkerung. Bei 85 Zwischenfällen wurden 53 Zivilpersonen getötet und 49 verletzt, ein Anstieg um 85%, bei Ziviltoten sogar um 194%. Die Mehrzahl der Fälle geschah bei Bodenkämpfen. Die Zunahme von Zivilopfern korrespondiert mit der zunehmenden Aktivität solcher Gruppen vor allem im Norden und Nordosten. In Kunduz, Baghlan und Faryab starteten die Taliban groß angelegte Offensiven, denen die Regierung mit der Mobilisierung bewaffneter Gruppen begegnete. Der wachsende Einfluss dieser Gruppen unterminierte die Regierungsautorität. In etlichen Distrikten – z.B. Khanabad in Kunduz – waren die offiziellen Sicherheitskräfte einfach zu schwach. In Khanabad kämpfen 900 bis 1.200 Bewaffnete verschiedener Milizen um Kontrolle über das Gebiet (S. 85). Am 4. August töteten hier Milizionäre einen Lehrer, der sich öffentlich gegen illegale Abgaben gestellt hatte. Am 22. Oktober erschoss ein Bewaffneter einen Mitarbeiter der Schulverwaltung in Khanabad vor den Augen seiner Familie. Die Begründung: Er habe sich geweigert, einem mit dem Kommandeur einer Miliz verbundenen Schüler bessere Noten zu geben.

Im September während der Taliban-Offensive auf Kunduz-City bekamen illegale Milizen Waffen von den ANSF. (vgl. „Umzingelung von Kunduz: Warum die Taliban wieder so erfolgreich sind“, http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1311 )

Älteste berichteten UNAMA von ihrer Befürchtung, dass dies die Milizen ermutigen würde, mit der Praxis illegaler Abgaben weiterzumachen. UNAMA konnte keinen Fall ermitteln, wo Angehörige solcher Gruppen für ihre Taten belangt worden wären. Auf Seiten der Regierung wurden keine Bemühungen beobachtet, diese Gruppen aufzulösen und zu entwaffnen.

(9) Luftoperationen

Mit dem Rückgang von Luftwaffeneinsätzen sank auch die Zahl der Zivilopfer durch Luftwaffeneinsätze um 13% auf 104 Tote und 58 Verletzte.

(10) Kein Frieden durch Abzug – bisher im Gegenteil:

UNAMA beobachtet, dass der Abzug der internationalen Truppen, insbesondere der Rückgang an Luftnahunterstützung für afghanische Bodentruppen regierungsfeindlichen Kräften vermehrt Gelegenheiten zu groß angelegten Operationen gab. In manchen Gebieten führten sie Operationen mit mehreren hundert Kämpfern durch, um bisher von der Regierung kontrollierte Gebiete zu nehmen und zu halten. Außerhalb „urbaner“ Zentren insbesondere im Süden, Südosten und Osten beschränkt sich die Präsenz der ANSF und Regierung in vielen Distrikten auf die Distriktzentren.



[1]  Vgl. auch Kate Clark: „The Human Cost of the Afghan War: UN reports sharp rise in the killed and injured”, 18. Februar 2015, Afghanistan Analysts Network, https://www.afghanistan-analysts.org/the-human-cost-of-the-afghan-war-un-reports-sharp-rise-in-the-killed-and-injured/ ; Zusammenfassung des UNAMA-Halbjahresberichts I/2014  http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1300 , Jahresbericht 2013 www.nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1266 ; Arvid Bell/Cornelius Friesendorf: „Ziel verfehlt – Die Mitverantwortung der NATO für zivile Opfer in Afghanistan“, HSFK-Standpunkt 6/2014, http://hsfk.de/fileadmin/downloads/standpunkt0614.pdf

[2] Anthony Cordesman: „Afghanistan – Losing the Forgotten War?”, CSIS, 23. Februar 2015 http://csis.org/files/publication/150223_Losing_Forgotten_War.pdf

[3] Im April 2014 erschien „An Intimate War – An Oral History oft he Helmand conflict 1978- 2012“ von Mike Martin, Hauptmann der Reserve der britischen Streitkräfte. Der Paschtu-Kundige war zwei Jahre als Offizier in Helmand, entwickelte die britische Human Terrain und Cultural Capability und war Berater einiger Kommandeure der Task Force Helmand. Auf Basis von 150 Interviews vor Ort kam er zu dem Ergebnis, dass die britische Armee die Konflikte in Helmand schlichtweg nicht verstanden hätte. Insbesondere die Wahl von Helmand als zentrales britisches Einsatzgebiet kritisiert er. Hierhätten britische Soldaten im 19. Jahrhundert Kriegsverbrechen begangen. Als die britischen Streitkräfte im Mai 2006 nach Helmand kamen, hätte man nur den Auftrag gehabt, die Regierung zu unterstützen und Taliban zu bekämpfen. Wer aber genauer „die Regierung“ und „die Taliban“ gewesen seien, habe man nicht gewusst. Ohne Vorstellung von Aufbau und mit massiven Luftangriffen habe man die Menschen gegen sich aufgebracht. (Beispiel das verwüstete Now Zad 2007). Ein Mangel an Sprachkenntnissen hätte es ermöglicht, dass die britischen Streitkräfte in Helmand immer wieder von einzelnen Fraktionen und Machthabern für ihre Interessen vereinnahmt worden seien. Das britische Verteidigungsministerium versuchte das Erscheinen des Buches und seine Präsentation im traditionsreichen „United Royal Services Institute“ zu verhindern. Unter Verteidigungsminister Philip Hammond, der gerade zum Außenminister ernannt wurde, soll das britische Verteidigungsministerium eine extensive Pressezensur praktiziert haben. Im Afghanistaneinsatz kamen 448 britische Soldaten um`s Leben, die meisten von ihnen in Helmand. (FAZ 10. April 2014)


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