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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: &quot;Wir lassen Euch nicht im Stich!&quot; So hatten wir es afghanischen Partnern seit 2006 immer wieder versprochen - UND JETZT? Bedrohte Menschenrechtsaktivistin heute, Reden im Bundestag</title>
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    <span class="xar-mod-title">n-tv + Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Afghanistan + Presse-Link + Interview</span>

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        <h1>
            &quot;Wir lassen Euch nicht im Stich!&quot; So hatten wir es afghanischen Partnern seit 2006 immer wieder versprochen - UND JETZT? Bedrohte Menschenrechtsaktivistin heute, Reden im Bundestag         </h1>
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           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 23. April 2021 17:15:29 +02:00 (70282 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>&Uuml;ber den Notruf der mit dem Tode bedrohten Marzia Rustami aus Kunduz hier ein gro&szlig;er Artikel, der in den Westf&auml;lischen Nachrichten und Partnerzeitungen (Gesamtauflage 400.000) erschien. Was geschieht in den n&auml;chsten Monaten mit den demokratischen und Reformkr&auml;ften, mit den vielen starken Frauen, den Angeh&ouml;rigen von Armee und Polizei, die mit deutschen und internationalen Unterst&uuml;tzen zusammengearbeitet und was auf sie gesetzt haben? Dazu Ausz&uuml;ge aus Bundestagsreden von 2006, als gro&szlig;e Hoffnungen bestanden, aber Warnungen zunahmen, und M&auml;rz 2021, als die Warnungen massiv und Hoffnungen zerst&ouml;rt waren.&nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>&bdquo;Wir lassen Euch nicht im Stich!&ldquo; So hatten wir es afghanischen Partnern seit 2006 immer wieder versprochen - UND JETZT?</strong></p>
<p align="center"><strong>Bedrohte Menschenrechtsaktivistin heute, Bundestagsreden 2006/21</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, 23.04.2021</p>
<p align="center">(Foto: <a href="http://www.facebook.com/winfried.nachtwei">www.facebook.com/winfried.nachtwei</a> )</p>
<p>Hundertfach haben deutsche Politikerinnen und Politiker, insbesondere wir Bundestags-ordnete, gegen&uuml;ber afghanischen Frauen und M&auml;nnern &uuml;ber die Jahre gelobt:</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">&bdquo;Wir lassen Euch nicht im Stich!&ldquo;</span></p>
<p>Angesichts des bedingungslosen und hastigen Abzuges aller internationalen Truppen, Polizisten und Contractors in den Wochen bis 4. Juli, angesichts der Mordkampagne gegen Reformkr&auml;fte in Afghanistan kommt jetzt die Nagelprobe f&uuml;r die Restglaubw&uuml;rdigkeit der Staaten&ldquo;gemeinschaft&ldquo;, insbesondere ihrer westlichen &bdquo;Wertegemeinschaft&ldquo;, und f&uuml;r die Unterst&uuml;tzer einer Friedensentwicklung in Afghanistan:</p>
<ul>
<li>Was geschieht mit den demokratischen und Reformkr&auml;ften, die die Rache der Taliban f&uuml;rchten m&uuml;ssen?</li>
<li>Was geschieht mit der weiblichen H&auml;lfte der afghanischen Bev&ouml;lkerung?</li>
<li>Was geschieht mit den Abertausenden Soldaten, Offizieren und Polizisten, die von deutschen Soldaten und Polizisten ausgebildet und beraten wurden, die zeitweilig gemeinsam im Einsatz waren und wo auch so manche pers&ouml;nliche Beziehung, vielleicht Kameradschaft &nbsp;entstand? Wie kann ein Auseinanderbrechen der afghanischen Sicherheitskr&auml;fte und das Abrutschen in einen entfesselten B&uuml;rgerkrieg verhindert werden, wo diese existentiell am Tropf internationaler Finanzhilfe und Instandsetzungsdienste h&auml;ngen? (Die Instandsetzung der ANA-Bodenfahrzeuge geschah Ende 2020 nur zu 20% durch eigene Kr&auml;fte, zu 80% durch vor allem US-Contractors)</li>
<li>Wie kann der verheerenden und grassierenden Fehlbotschaft entgegengewirkt werden, dass mit dem milit&auml;rischen Abzug auch die ganze zivile internationale Unterst&uuml;tzung verschwinden w&uuml;rde? Wie kann bei der weiter zugesagten umfassenden Finanzhilfe angesichts fehlender Kontrollpr&auml;senz vor Ort ihre Zweckentfremdung durch hochkorrupte Teile der Exekutive verhindert werden?</li>
<li>Wie k&ouml;nnen die vielen auch heute noch existierenden Hoffnungsinseln und die in lokaler Bev&ouml;lkerung verankerten Projekte am Leben gehalten werden? Wie k&ouml;nnen ihre deutschen &nbsp;Unterst&uuml;tzergruppen mit ihren jahrelangen, einmalig verl&auml;sslichen Beziehungen zu afghanischen Partnern trotz Spendenr&uuml;ckgang gest&auml;rkt werden? (Afghanistan-Schulen, Afghanischer Frauenverein, Freundeskreis Afghanistan, Kinderhilfe Afghanistan u.v.a.)</li>
<li>Wo und wie k&ouml;nnen Arrangements mit pragmatischeren Taliban entwickelt werden?</li>
<li>Wie sollten eine k&uuml;nftige UN-Mission und UN-Unterorganisationen in Afghanistan angesichts enorm wachsender Anforderungen gest&auml;rkt werden?</li>
<li>Wie kann der &uuml;bliche Trend gebrochen werden, dass in Konfliktl&auml;ndern mit dem Abzug internationaler Truppen meist auch internationale Aufmerksamkeit, Interesse und Unterst&uuml;tzung schwinden?</li>
<li>Wie kann die Bundesregierung zum Teilabbruch des deutschen Engagements in Afghanistan eine ehrliche und glaubw&uuml;rdige Kommunikation entwickeln &ndash; gegen&uuml;ber der afghanischen &Ouml;ffentlichkeit, den deutschen Entwicklungsexperten und nicht zuletzt gegen&uuml;ber den vielen Tausenden Afghanistan-R&uuml;ckkehrerInnen?</li>
</ul>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(1)</span></strong> <strong><span style="text-decoration: underline;">2021, M&auml;rz</span></strong><strong><span style="text-decoration: underline;">,</span></strong><strong> &bdquo;<span style="text-decoration: underline;">Afghanische Menschenrechtsaktivistin sendet Hilfeschrei &ndash; </span></strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Auf der Todesliste der Taliban&ldquo;</span></strong></p>
<p>(Westf&auml;lische Nachrichten, M&uuml;nstersche Zeitung, Westfalenblatt 22.04.2021)</p>
<p>&bdquo;Marzia Rustami engagiert sich in Afghanistan seit vielen Jahren f&uuml;r Menschenrechte. Mit der R&uuml;ckkehr der Taliban wurde ihre Arbeit immer gef&auml;hrlicher. Jetzt wird sie von den Islamisten mit dem Tode bedroht. Und hat sich darum in einem dramatischen Appell an Winfried Nachtwei gewandt. Von Elmar Ries</p>
<p><a href="https://www.wn.de/Welt/Politik/4407103-Afghanische-Menschenrechtsaktivistin-sendet-Hilfeschrei-Auf-der-Todesliste-der-Taliban">https://www.wn.de/Welt/Politik/4407103-Afghanische-Menschenrechtsaktivistin-sendet-Hilfeschrei-Auf-der-Todesliste-der-Taliban</a></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Afghanische Menschenrechtsverteidigerin akut mit dem Tod bedroht &ndash; Ihr und ihrer mutigen Arbeit begegneten wir 2008 in Kunduz. &bdquo;Die Taliban arbeiten Todeslisten ab&ldquo; </span></strong>(SPIEGEL-Interview), W. Nachtwei, 30.03.2021, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1684">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1684</a></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(2) 2006, 21. September, Erster Besuch afghanischer Parlamentarierinnen im Deutschen Bundestag: Gro&szlig;e Hoffnungen, zunehmende Warnungen &nbsp;</span></strong></p>
<p>&bdquo;Gespr&auml;ch mit <strong>14 afghanischen Parlamentarierinnen</strong>, die von Dr. Citha Maa&szlig; (SWP, erfahrene Afghanistan-Kennerin) begleitet werden, und vier Mitgliedern des Verteidigungsausschusses. Die Kolleginnen stammen aus 14 Provinzen aus allen, auch s&uuml;dlichen Landesteilen. Ihre Studienreise nach Deutschland wird vom AA veranstaltet und vom Institut f&uuml;r Auslandsbeziehungen/ifa organisiert. Nacheinander nehmen zw&ouml;lf von ihnen Stellung, konkret, differenziert, offen-kritisch und authentisch. Ihre Botschaften sind eindeutig: Gro&szlig;er Dank f&uuml;r die Befreiung von den Taliban; ISAF muss bleiben; zugleich muss sich an der Politik und am Auftreten der Internationalen Gemeinschaft wie der Regierung kr&auml;ftig was &auml;ndern. Neben Korruption wird vor allem mangelnde R&uuml;cksicht von Teilen der Friedenstruppen auf die einheimischen Traditionen beklagt. Ein so beeindruckendes Gespr&auml;ch haben wir selten erlebt. Kollege Stinner (FDP) meint zu recht, dass dies alle Parlamentarier am besten mit erlebt h&auml;tten. Sie erleben die nachfolgende Plenardebatte 1. Lesung zur Verl&auml;ngerung des ISAF-Mandats von der Zuschauertrib&uuml;ne aus und werden von Vizepr&auml;sident Thierse herzlich empfangen. Ich spreche die Kolleginnen direkt an und bekomme ihre deutliche Zustimmung.&ldquo; (aus meinen Pers&ouml;nlichen Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik, September 2006, Nr. 23)</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Bundestagsdebatte zur Verl&auml;ngerung des ISAF-Mandats</span></strong></p>
<p><a href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btp/16/16051.pdf#P.5006">http://dipbt.bundestag.de/dip21/btp/16/16051.pdf#P.5006</a> ; http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=29%2B120&amp;aid=400</p>
<p><strong>Vizepr&auml;sident Dr. h. c. Wolfgang Thierse</strong>: Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich freue mich, eine Gruppe afghanischer Parlamentarierinnen begr&uuml;&szlig;en zu k&ouml;nnen, die Deutschland, Berlin und unser Parlament besuchen.</p>
<p>(Beifall)</p>
<p>Wir w&uuml;nschen Ihnen f&uuml;r Ihre parlamentarische Arbeit und die Entwicklung Ihres Landes alles Gute. Nun erteile ich das Wort Kollegen Rainer Stinner, FDP-Fraktion.</p>
<p><strong>Dr. Rainer Stinner (FDP):</strong> Herr Pr&auml;sident! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen!</p>
<p>Ich stehe noch ganz unter dem Eindruck eines einst&uuml;ndigen Gespr&auml;ches von Mitgliedern des Verteidigungsausschusses mit unseren parlamentarischen Kolleginnen aus Afghanistan. Ich kann nur sagen: Die Informationen, die wir bekommen haben, waren in ihrer Breite, Vielfalt und Tiefe sehr beeindruckend. Ich w&uuml;rde mir w&uuml;nschen, dass das, was wir in dieser Stunde geh&ouml;rt haben, der ganze Deutsche Bundestag einmal live h&auml;tte erleben k&ouml;nnen. Das h&auml;tte sicher sehr viel Eindruck gemacht.</p>
<p>Nochmals ganz herzlichen Dank f&uuml;r die umfangreichen Informationen!</p>
<p>(Beifall bei der FDP, der CDU/CSU, der SPD und dem B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)</p>
<p>Die FDP-Fraktion wird der Verl&auml;ngerung des Mandates zustimmen. Nach dem Gespr&auml;ch von heute bin ich umso mehr davon &uuml;berzeugt, dass dies eine richtige Entscheidung ist. Das Gespr&auml;ch hat zu zus&auml;tzlichen Argumenten f&uuml;r diese Entscheidung gef&uuml;hrt.</p>
<p>Wir alle wissen, Afghanistan erlebt eine dramatische Entwicklung. Ich will es einmal so ausdr&uuml;cken: Wir sind in der Gefahr, den Kampf um Afghanistan zu verlieren. Damit meine ich nicht in erster Linie den milit&auml;rischen Kampf. Ich meine den Kampf um die Herzen, um die Unterst&uuml;tzung und um das Verst&auml;ndnis der afghanischen Bev&ouml;lkerung. Das ist der eigentlich entscheidende Kampf, in dem wir stehen. Wir m&uuml;ssen alles daf&uuml;r tun, diesen Kampf zu gewinnen.</p>
<p>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des B&Uuml;NDNISSES 90/DIEGR&Uuml;NEN)</p>
<p>Wir wissen, der milit&auml;rische Einsatz kann daf&uuml;r nur die Voraussetzung sein. Die eigentliche Entwicklung der Gesellschaft muss &ndash; das wissen wir doch alle &ndash; auf zivilem Gebiet erfolgen. Deshalb m&uuml;ssen wir das Entsprechende tun. Wir m&uuml;ssen aus dieser Situation aber auch die entsprechenden politischen Konsequenzen ziehen, die unser politisches Handeln pr&auml;gen.</p>
<p>(&hellip;)</p>
<p><strong>Winfried Nachtwei (B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN)</strong>: Herr Pr&auml;sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!</p>
<p>Kollegin Knoche, Sie haben behauptet, die Bundesrepublik habe ihr Kriegsziel in Afghanistan nicht erreicht. Sie haben offensichtlich &uuml;berhaupt nicht verstanden, worum es der Bundesrepublik und der internationalen Gemeinschaft insgesamt in Afghanistan geht.</p>
<p>(Beifall beim B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN, bei der CDU/CSU, der SPD und der FDP)</p>
<p>Gerade das deutsche Engagement in Afghanistan ist einschlagendes Beispiel daf&uuml;r, dass wir nicht die ber&uuml;hmte uneingeschr&auml;nkte Solidarit&auml;t praktiziert haben, sondern einen eigenst&auml;ndigen, UN-treuen Weg gegangen sind.</p>
<p>(Beifall beim B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)</p>
<p>Vorhin wurden bereits die 14 sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen aus allen Landesteilen Afghanistans begr&uuml;&szlig;t. Auch ich, Kollege Stinner, bin noch &auml;u&szlig;erst be-eindruckt von der Begegnung mit ihnen. Ohne der Regierung zu nahe treten zu wollen, muss ich sagen: Das eine Stunde dauernde Gespr&auml;ch mit ihnen war f&uuml;r mich lehrreicher als 50 Stunden Unterrichtung durch die Bundesregierung.</p>
<p>(Beifall beim B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD &ndash; Vereinzelt Heiterkeit)</p>
<p>Ihnen sage ich meinen ganz herzlichen Dank! Ich danke Ihnen f&uuml;r Ihr tolles Engagement und f&uuml;r Ihre sehr offenen und kritischen Worte. Ihre Botschaft war eindeutig: ISAF muss fortgef&uuml;hrt werden. Aber es m&uuml;ssen massive Ver&auml;nderungen vorgenommen werden; sonst sind die bisherigen Erfolge akut bedroht. Die internationale Diskussion ist sehr stark von den Forderungen nach mehr Soldaten und nach gr&ouml;&szlig;erer Kampfbereitschaft in Richtung S&uuml;den gepr&auml;gt. Diese Perspektive ist nicht nur verk&uuml;rzt. Ich sage ausdr&uuml;cklich: Das ist ein Irrweg.</p>
<p>(Beifall beim B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN)</p>
<p>Die Bundesregierung hat ein neues Afghanistankonzept vorgelegt. Der darin dargelegte, durchdeklinierte, umfassende Ansatz ist richtig. Wir entnehmen diesem Afghanistankonzept wichtige Informationen und Anregungen. Insofern ist dieses Afghanistankonzept hilfreich. Wenn man &ouml;fter vor Ort ist, wenn man viele Kontakte nach Afghanistan hat, muss man allerdings einr&auml;umen, dass es auch verbesserungsf&auml;hig ist. An manchen Stellen ist es noch zu blass.</p>
<p>(Beifall der Abg. Uta Zapf [SPD])</p>
<p>Ich stelle ein paar Fragen, auf die dort keine Antwortgegeben wird: Warum kam es zu einem so breiten Aufstand im s&uuml;dlichen Afghanistan? Warum w&auml;chst die Abneigung in Teilen der afghanischen Bev&ouml;lkerung nicht nur gegen&uuml;ber der Regierung, sondern auch gegen&uuml;ber der internationalen Gemeinschaft insgesamt? Welche Rolle spielen dabei die Art und Weise der Drogenbek&auml;mpfung, die Art und Weise der milit&auml;rischen Terrorbek&auml;mpfung und das oft r&uuml;cksichtslose Umgehen mit den Traditionen und Werten der Einheimischen? Was sind die Schlussfolgerungen? Die deutschen Beitr&auml;ge gelten &ndash; diese Erfahrung habe ich gemacht &ndash; insgesamt als besonders sinnvoll und wirksam, sie sind durchweg gut angesehen. Der deutsche ISAF-Beitrag, der eindeutig auf den Norden bezogen ist, muss unbedingt fortgef&uuml;hrt werden. Kollegin Knoche, das m&uuml;ssen einige endlich in den Kopf kriegen: Es gibt in Nachkriegssituationen wie dieser keinen Aufbau, keine Entwicklung ohne ein Mindestma&szlig; an Sicherheit. Das ist die simple, aber entscheidende Erfahrung, die hier umgesetzt wird.</p>
<p>(Beifall beim B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN, bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP)</p>
<p>Anderes muss deutlich verbessert werden, verst&auml;rkt werden, korrigiert werden. Ich habe Hinweise darauf bekommen, dass das richtige Konzept der Provincial Reconstruction Teams in der Umsetzung doch an vielen Stellen hakt. Hier muss vieles zusammengef&uuml;hrt werden.</p>
<p>Den qualitativ ausgezeichneten deutschen Beitrag zum Polizeiaufbau m&uuml;ssen wir quantitativ aufstocken. Bisher, das m&uuml;ssen wir eingestehen, ist er quantitativ ein Kleckern.</p>
<p>(Beifall bei Abgeordneten des B&Uuml;NDNISSES 90/DIE GR&Uuml;NEN und der SPD)</p>
<p>Hier m&uuml;ssen wir auch quantitativ klotzen.</p>
<p>Ferner m&uuml;ssen wir unsere Bem&uuml;hungen um den Aufbau verst&auml;rken, Stichwort: Afghan Ownership. Schlie&szlig;lich brauchen wir eine Korrektur auf parlamentarischer Ebene. Ich stelle fest, dass wir den ganzen Komplex, die Riesenherausforderung Afghanistan, viel zu sehr in den einzelnen Aussch&uuml;ssen, ressortorientiert, diskutieren.</p>
<p>(Beifall bei Abgeordneten der SPD)</p>
<p>Die verschiedenen Aussch&uuml;sse m&uuml;ssen zusammenkommen. Was wir aus dem Verteidigungsministerium mitgeteilt bekommen, m&uuml;ssen wir zusammenf&uuml;hren mit dem, was wir aus den anderen Bereichen bekommen. Dann k&ouml;nnen wir den richtigen, umfassenden Ansatz auf der parlamentarischen Ebene vern&uuml;nftig begleiten, kontrollieren, weiterbringen.</p>
<p>(Beifall beim B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)</p>
<p>An der Staatengemeinschaft ist es, &Uuml;berpr&uuml;fungen &ndash; nicht der Konzepte; da gibt es viele und die sind insgesamt schl&uuml;ssig und gut &ndash; und Korrekturen bei der Bek&auml;mpfung von Drogenanbau und Terrorismus und nicht zuletzt beim Umgang mit den Traditionen und Werten der afghanischen Bev&ouml;lkerung vorzunehmen.</p>
<p>Sehr geehrte Kolleginnen aus Afghanistan, Sie haben uns bei Ihrem Besuch deutlich gemacht, dass ISAF unbedingt fortgesetzt werden muss, dass sich aber zugleich der Kurs der internationalen Gemeinschaft geh&ouml;rig &auml;ndern muss.</p>
<p>Ich sage Ihnen: Wir haben verstanden. Wir lassen Sie nicht im Stich, und zwar zu unserem gemeinsamen Nutzen. Das haben wir nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen. Ich danke Ihnen.</p>
<p>(Beifall beim B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN, bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP)</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(3) 2021, 25. M&auml;rz</span></strong><strong><span style="text-decoration: underline;">, aus der Bundestagsdebatte zur Verl&auml;ngerung des Resolute-Support-Mandats</span></strong><span style="text-decoration: underline;">, <strong>Zerst&ouml;rte Hoffnungen </strong></span>( <a href="https://dip21.bundestag.de/dip21/btp/19/19218.pdf">https://dip21.bundestag.de/dip21/btp/19/19218.pdf</a> )</p>
<p>(&hellip;)</p>
<p><strong>Dr. Johann David Wadephul (CDU/CSU), </strong>(&hellip;)</p>
<p>Frau Kollegin, ich will wiederholen, was Frau &Ouml;zoÄŸuz vorhin schon gesagt hat. In diesem Land sind gerade Frauen von den Taliban in einer brutalen Steinzeitart misshandelt worden, wie wir es noch nicht erlebt haben. Wir &ndash; Sie haben das fr&uuml;her unterst&uuml;tzt &ndash; haben durch den Einsatz unserer Bundeswehr gerade f&uuml;r die Bildung der Frauen etwas erreicht. Wer jetzt abzieht und das Land den Taliban &uuml;berl&auml;sst, &uuml;berl&auml;sst auch die Frauen in Afghanistan wieder den Taliban, und das ist dann Ihre Verantwortung.</p>
<p>(Beifall bei der CDU/CSU)</p>
<p>Genderpolitik gibt es nicht nur hier, wenn es um das Sternchen geht. Genderpolitik gibt es auch in Afghanistan.</p>
<p>(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD)</p>
<p>Zeigen Sie Engagement! Engagieren Sie sich! Zeigen Sie, dass Sie regierungsf&auml;hig sind. Es gibt viele taffe Frauen in Afghanistan. Gucken Sie sich die Dokumentation im ZDF &uuml;ber eine B&uuml;rgermeisterin an, die sagt: Wir wollen weiterhin die Unterst&uuml;tzung der Alliierten, damit wir unser Land weiter aufbauen k&ouml;nnen. &ndash; Es ist eine Demokratie, nat&uuml;rlich nicht unbedingt so wie in der Schweiz oder in der Bundesrepublik, aber es ist ein demokratisches Land, das f&uuml;r Freiheit und f&uuml;r Rechtsstaatlichkeit k&auml;mpft. Das m&uuml;ssen wir unterst&uuml;tzen.</p>
<p>(&hellip;)</p>
<p><strong>Siemtje M&ouml;ller (SPD): </strong>Frau Pr&auml;sidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen!</p>
<p>Immer, wenn ich solche Reden wie gerade hier von der AfD h&ouml;re und ertragen muss, denke ich an Shajillah Hadeed. Frau Hadeed habe ich auf einer Afghanistanreise 2019 kennengelernt. Sie war damals Vorsitzende des Frauenrates der Provinz Balch. In einer dieser typischen Runden mit lauter m&auml;nnlichen Gespr&auml;chsteilnehmern sa&szlig;en wir bei einem landestypischen Mittagessen in einem Zelt, und Frau Hadeed, gekleidet in ein farbenfrohes Gewand, mit einem lockeren Kopftuch, nutzte die Gunst der Stunde, um einen flammenden Appell an die deutsche Delegation zu richten. Sie sprach von ihrer pers&ouml;nlichen Situation in der Zeit der Talibanherrschaft, von Unterdr&uuml;ckung, Entrechtung, Willk&uuml;r, Gewalt gegen&uuml;ber Frauen und M&auml;dchen und von ihrer Furcht vor dem wachsenden Einfluss der Taliban, davor, dass sich genau dieselbe Situation wieder einstellen w&uuml;rde, wenn wir abz&ouml;gen. Sie beschwor uns, die internationale Pr&auml;senz fortzuf&uuml;hren, und lie&szlig; sich dabei auch nicht von den Beschwichtigungsversuchen des anwesenden Provinzgouverneurs beirren; denn sie wusste ganz genau, dass sie hier nicht zu gehorchen hatte &ndash; wie unter anderen Regimen &ndash;, sondern als freie, stolze Frau dort sprechen durfte. Mich hat das zutiefst bewegt; denn f&uuml;r diese Frauen lohnt es sich dort zu sein.</p>
<p>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)</p>
<p>Es zeigt zudem, dass wir in Afghanistan auf der richtigen Seite stehen: auf der Seite der Freiheit und der Selbstbestimmung dieser Frau, stellvertretend f&uuml;r die afghanische Bev&ouml;lkerung.</p>
<p>Liebe Kolleginnen und Kollegen, 20 Jahre Afghanistan-Einsatz hei&szlig;t leider nicht, dass alles gut ist.</p>
<p>Es ist immer noch gef&auml;hrlich und m&uuml;hsam dort. Aber 20 Jahre nach dem 11. September scheint fast in Vergessenheit geraten zu sein, was f&uuml;r ein Land Afghanistan damals war. Damals gab es keinen regelm&auml;&szlig;igen Schulbesuch; es gab nicht einmal Schulgeb&auml;ude f&uuml;r M&auml;dchen. Es gab keine Wahlen. Es gab kein Rechtssystem. Es gab &ouml;ffentliche Steinigungen. Afghanistan war ein Hort des inter-nationalen Terrors. All das hat sich gl&uuml;cklicherweise ge&auml;ndert, auch dank der internationalen Kr&auml;fte und der intensiven Aufbauarbeit, die durch die zivilen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Helferinnen und Helfer vor Ort geleistet wird.</p>
<p>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)</p>
<p>In einer denkbar unw&auml;gbaren Lage wollen wir heute zu einer Verl&auml;ngerung des Mandates kommen. Eine belastbare Vereinbarung zwischen den Konfliktparteien w&auml;re die Grundlage f&uuml;r den m&ouml;glichen Abzug. Die Friedensverhandlungen zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung stocken, ebenso die zwischen den Taliban und den USA.</p>
<p>Ich stelle hier mal die Frage: Welches Signal w&uuml;rden wir an die NATO senden, wenn wir jetzt abziehen? Das Signal: &bdquo;F&uuml;r uns gilt nicht mehr gemeinsam rein, gemeinsam raus&ldquo;?</p>
<p>Welches Signal w&uuml;rden wir an die afghanischen Sicherheitskr&auml;fte senden, die wir aufgebaut haben und die jeden Tag in Auseinandersetzungen mit den Taliban Verluste hinnehmen? Das Signal: &bdquo;Wir entziehen euch die Unterst&uuml;tzung und &uuml;berlassen euch den Taliban, die nur darauf lauern, dass sich ein aus ihrer Sicht m&uuml;der Westen endlich zur&uuml;ckzieht&ldquo;?</p>
<p>Welches Signal w&uuml;rden wir an Frauen wie Shajillah Hadeed senden? &ndash;</p>
<p>Ich finde, wir d&uuml;rfen sie nicht alleine lassen, die afghanischen Sicherheitskr&auml;fte nicht und die Bev&ouml;lkerung von Afghanistan nicht; sie setzen auf uns.</p>
<p>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)</p>
<p>Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan war intensiver als alle anderen Eins&auml;tze. Er hat eine ganze Generation gepr&auml;gt. Er hat die Bundeswehr ver&auml;ndert. Trotz aller Erfolge m&uuml;ssen wir anerkennen, dass viele Dinge anders gelaufen sind, als wir sie uns vorgestellt hatten. Es gab R&uuml;ckschl&auml;ge, Anschl&auml;ge; wir haben 59 tote Soldaten zu beklagen. Den Angeh&ouml;rigen und den gefallenen Soldaten gegen&uuml;ber sind wir zum Gedenken, zum respektvollen Umgang mit dem Einsatz und einem In-Verbindung-Bleiben verpflichtet.</p>
<p>Und gerade weil der Abzug vermutlich nicht realisiert wird und die Taliban dann auch wieder gegen internationale Kr&auml;fte Gewalt aus&uuml;ben werden, muss der Schutz unserer Soldatinnen und Soldaten oberste Priorit&auml;t haben. Kolleginnen und Kollegen, Demokratie l&auml;sst sich nur schwer exportieren, und Afghanistan hat noch einen langen Weg vor sich. Aber lassen Sie uns weiterhin Wegbegleiter sein, Wegbegleiter von Shajillah Hadeed, all der anderen Frauen und M&auml;dchen und der afghanischen Bev&ouml;lkerung! Lassen Sie uns beweisen, dass sie auf uns z&auml;hlen k&ouml;nnen!</p>
<p>Vielen Dank.</p>
<p>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)</p></div>


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