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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: &quot;Sind wir in Afghanistan gescheitert?&quot; Pro + Contra in Publik-Forum 5/2021</title>
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    <span class="xar-mod-title">n-tv + Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Afghanistan + Presse-Link + Interview</span>

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                                            <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=146-11-36-3-97">Any of these categories</a>
                    -                        <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=146%2B11%2B36%2B3%2B97">All of these categories</a>
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        <h1>
            &quot;Sind wir in Afghanistan gescheitert?&quot; Pro + Contra in Publik-Forum 5/2021         </h1>
        <div class="xar-floatright"></div>
       <div class="xar-mod-content">
           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 18. März 2021 11:23:55 +02:00 (71374 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Auf die Frage antworten Ellinor Zeino, Landesdirektorin der Konrad Adenauer Stiftung f&uuml;r Afghanistan, und W. Nachtwei.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>&bdquo;Sind wir in Afghanistan gescheitert?&ldquo;</strong></p>
<p align="center"><strong>Pro + Contra in Publik-Forum 5/2021</strong></p>
<p align="center"><a href="https://www.publik-forum.de/menschen-meinungen/sind-wir-in-afghanistan-gescheitert">https://www.publik-forum.de/menschen-meinungen/sind-wir-in-afghanistan-gescheitert</a></p>
<p><strong>Meine Antwort unter der von der Redaktion gesetzten &Uuml;berschrift</strong></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">&bdquo;Ja, und wir sollten daraus lernen!&ldquo;</span> (1)</p>
<p>Vor fast 20 Jahren begann der internationale Afghanistaneinsatz, der mit der Zeit zum gr&ouml;&szlig;ten, kompliziertesten, teuersten und bei weitem opferreichsten Kriseneinsatz der (westlichen) Staatengemeinschaft, der NATO und Deutschlands wurde.</p>
<p>Der vor allem von den USA gef&uuml;hrte Antiterrorkrieg war ein Desaster. 2017 berichtete die US-Regierung, dass es im Raum Afghanistan/Pakistan die gr&ouml;&szlig;te Konzentration von Terrorgruppen weltweit gebe.</p>
<p>Nach dem schnellen Sturz der Taliban sollte das von 23 Kriegsjahren zerr&uuml;ttete Land im Auftrag der UNO&nbsp; stabilisiert, sollten verl&auml;ssliche Staatlichkeit und Entwicklung gef&ouml;rdert und durch die internationale Unterst&uuml;tzungstruppe ISAF abgesichert werden.</p>
<p>So berechtigt die Oberziele des internationalen Einsatzes und so hoffnungsvoll seine ersten vier Jahre waren, so widerspr&uuml;chlich und unrealistisch war die Umsetzung dieser Ziele.</p>
<p>Ein Teil der Bev&ouml;lkerung erlebte wichtige Fortschritte in der Gesundheitsversorgung, Grundbildung, mit neuen Freiheiten. Erfolgreich waren lokal eingebettete Projekte.</p>
<p>Bei 20 Besuchen vor Ort habe ich sehr viele zivile, milit&auml;rische und polizeiliche Entsandte kennen- und ihre Leistungen hoch sch&auml;tzen gelernt. Sie arbeiteten f&uuml;r mehr Frieden.</p>
<p>Aber die zentralen Sicherheits- und Aufbauziele wurden nicht erreicht. Sicheres Umfeld? 2019 entfielen 41% aller Terrortoten weltweit auf Afghanistan. Der afghanische Staat gilt als extrem korrupt. Mehr als die H&auml;lfte der Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze.</p>
<p>Gravierende Fehler der Staatengemeinschaft trugen wesentlich dazu bei: mangelndes Konfliktverst&auml;ndnis, strategische Dissense, Machbarkeitsillusionen, mangelnde Evaluierungen, verpasste Chancen. Es war ein kollektives politisches F&uuml;hrungsversagen in vielen Hauptst&auml;dten, aus dem endlich gelernt werden muss.</p>
<p>(1) <em><span style="text-decoration: underline;">Anmerkung</span>: Ich selbst spreche nicht explizit von &bdquo;Scheitern&ldquo;, auch wenn ich eindeutig feststelle, dass wesentliche Ziele des internationalen Einsatzes trotz enormen Mittel- und Personalaufwandes verfehlt wurden und dass dies wichtige Teilfortschritte in den Schatten und in Frage stellt. Ich meide das Pauschalurteil &bdquo;Scheitern&ldquo;, </em></p>
<p><em>- weil das&nbsp; bis heute erfolgreiche Leistungen vieler AfghanInnen und internationaler Unterst&uuml;tzer ignoriert und abwertet (vgl. meine &bdquo;Kleine Bilanz&ldquo; auf </em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1669"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1669</em></a><em> ) und </em></p>
<p><em>- weil ein Afghanistan als nur noch &bdquo;hoffnungsloser Fall&ldquo; nahelegt, das Land, seine Menschen &ndash; mit Begleitman&ouml;vern zur Gesichtswahrung - faktisch &nbsp;aufzugeben, mit garantiert schwerstwiegenden Folgen f&uuml;r die menschliche, regionale und internationale Sicherheit.</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">&bdquo;Nein, es gibt heute starke zivile Kr&auml;fte!&ldquo;</span></p>
<p><strong>So die Antwort von Ellinor Zeino, Landesdirektotrin der Konrad Adenauer Stiftung f&uuml;r Afghanistan: </strong></p>
<p>Afghanistan befindet sich noch immer in einer gesellschaftspolitischen Umbruchphase. Der Entwicklungsprozess ist nicht abgeschlossen, die Wunden des B&uuml;rgerkriegs nicht verheilt. Das Land ist heute jedoch ein anderes als noch vor zwanzig Jahren, als die Taliban es beherrschten. Die Errungenschaften liegen vor allem in der Meinungsfreiheit, einer offenen Debattenkultur und einem Medienpluralismus, der einzigartig in der Region ist und sich deutlich von den staatlich kontrollierten Medien in den Nachbarstaaten unterscheidet. Afghanistan hat eine breite, aktive Zivilgesellschaft. Frauen sind in Regierung und Parlament, in Gerichten und Sicherheitskr&auml;ften vertreten, genie&szlig;en Bildung.</p>
<p>Der Westen und die internationale Gemeinschaft mussten sich jedoch teils von fr&uuml;heren Zielen und Erwartungen verabschieden. Der internationale Afghanistan-Einsatz wurde zum Lernprozess f&uuml;r alle Beteiligten. Heute wird der Friedensprozess und die Aushandlung einer neuen Staats- und Gesellschaftsordnung als innerafghanische Angelegenheit bewertet. Die neue Ordnung muss, wenn sie einen nachhaltigen Frieden schaffen soll, ein inklusiver Kompromiss sein, in dem sich alle Seiten wiederfinden. Eine stabile Ordnung muss die lokalen Realit&auml;ten widerspiegeln und die Diversit&auml;t der Lebenswelten auf Basis einer friedlichen Koexistenz sch&uuml;tzen. Afghanistan steht heute an einem Wendepunkt. In welche Richtung sich das Land und der Friedensprozess entwickeln, ist unklar. Seit zwanzig Jahren war Afghanistan noch nie so nah an einer politischen Verhandlungsl&ouml;sung zwischen Verfechtern einer afghanischen Republik und der radikal-islamischen Taliban-Bewegung. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. Es w&auml;re aber ein Fehler, das Land als gescheitert aufzugeben.<br /> <strong><span style="text-decoration: underline;">Kommentare</span></strong></p>
<p><strong>thomasruttig</strong> 11.03.202109:37</p>
<p>nat&uuml;rlich ist der afghanistan-einsatz gescheitert. der krieg dauert weiter an, in anwesenheit westlicher truppen ist er der intensivste konflikt weltweit geworden &ndash; mit 30% aller kriegsopfer im letzten jahr, dem weltweit gr&ouml;&szlig;ten anteil . die materiellen kriegssch&auml;den betrugen im letzten jahr 51% des bruttoinlandsprodukts. der anteil der beve&ouml;lkerung unter der armutsgrenze war schon vor ausbruch der coronakrise wieder so hoch wie beim sturz der taleban (&uuml;ber 60% laut weltbank, &uuml;ber 80% laut UNO). welche ma&szlig;st&auml;be f&uuml;r ein scheitern braucht man sonst noch? das bedeutet nat&uuml;rlich nicht, dass man afghanistan &quot;aufgeben&quot; soll - aber hierzulande sollte man sich klar dar&uuml;ber werden, dass wir zu dieser katastrophe (f&uuml;r die afghanischen menschen!) beigetragen haben. deshalb muss man daraus auch lernen, wie w. nachtwei schreibt. aber die bundesregierung verweigert eine unabh&auml;ngige, &ouml;ffentliche gesamtevaluierung des einsatzes.</p>
<p>thomas ruttig, ko-direktor afghanistan analysts network (kabul/berlin) <br /> <strong>Franz Foltz</strong> 12.03.202116:36</p>
<p>Kabul ist nicht Afghanistan und es ist sicher das Vorrecht von Frau Heino, die Debatte unter dem Aspekt positiver Erfahrungen im Land zu beurteilen. Aber als interessierter Beobachter der Berichterstattung &uuml;ber Afghanistan in verschiedenen Medien muss ich Herrn Nachtwei Recht geben; sollten sich die Isaf Streitkr&auml;fte zur&uuml;ck ziehen, erwarte ich eine erneute Macht&uuml;bernahme durch die Taliban. <br /> <strong>Georg Lechner 13.03.202118:20 </strong></p>
<p>Der milit&auml;rische Einsatz war von Anfang an verkorkst, denn es ging prim&auml;r um geostrategische Interessen (siehe auch den Beitrag von Hans-Ulrich Seidt in &quot;Orient&quot; 3/2004) und eben nicht um die St&auml;rkung zivilgesellschaftlicher Kr&auml;fte. Daher war den USA (entgegen den &auml;u&szlig;eren Floskeln) das Engagement deutscher und italienischer Soldaten ein Dorn im Auge. Diese Situation bildet auch den Hintergrund des Krimis &quot;Brennende K&auml;lte&quot; von Wolfgang Schorlau. </p>
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