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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Vor 10 Jahren: &quot;Anforderungen an eine Kabul-Schutztruppe&quot;</title>
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    <span class="xar-mod-title">n-tv + Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Afghanistan + Presse-Link + Interview</span>

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        <h1>
            Vor 10 Jahren: &quot;Anforderungen an eine Kabul-Schutztruppe&quot;         </h1>
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       <div class="xar-mod-content">
           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 8. Oktober 2011 08:56:32 +02:00 (59428 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>AnlÃ¤sslich der Bundestagsentscheidung Ã¼ber die - damals viel weniger umstrittene - deutsche Beteiligung an der UN-mandatierten Internationalen SicherheitsunterstÃ¼tzungstruppe ISAF am 21.12.2001 verfasste W. Nachtwei die folgende Stellungnahme.</p></div>
            <div>    <p><!--[if gte mso 9]><xml> Normal   0   21         false   false   false                             MicrosoftInternetExplorer4 </xml><![endif]--><!--[if gte mso 9]><xml> </xml><![endif]--><!--[if gte mso 10]> <mce:style><!   /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-ansi-language:#0400; 	mso-fareast-language:#0400; 	mso-bidi-language:#0400;} --> <!--[endif] --><!--[if gte mso 9]><xml> </xml><![endif]--><!--[if gte mso 9]><xml> </xml><![endif]--></p>
<h1>Anforderungen an eine Kabul-Schutztruppe</h1>
<p>(1) Nach dem Zusammenbruch des Taliban-Regimes und des Al-Qaida-Netzwerkes und der Petersberg-Konferenz besteht die historisch einmalige Chance einer friedlichen Entwicklung in Afghanistan nach 22 Jahren Krieg. Die Fernsehnachrichten berichten von hoffnungsvoller Stimmung in der BevÃ¶lkerung.</p>
<p>Trotz dieser enormen Fortschritte sind die Voraussetzungen fÃ¼r einen Friedensprozess Ã¤uÃŸerst schwierig und unsicher. Mit den vielen zerstrittenen warlords und ihren Truppen, mit Banden und versprengten Taliban- und Al Qaida-KÃ¤mpfern, mit Waffen und Minen in ÃœberfÃ¼lle, ohne Verwaltungs-, Staats- und Sicherheitsstrukturen und der teilweise katastrophalen humanitÃ¤ren Lage bestehen zugleich â€žgute&quot; Voraussetzungen fÃ¼r ein Post-Taliban-Chaos. Die einzige Alternative dazu ist der durch das Petersberg-Ãœbereinkommen angestoÃŸene Prozess.</p>
<p>(2) Damit die Interimsregierung als prekÃ¤re Koalition Ã¼berhaupt eine Chance hat und nicht zur Beute ihrer militÃ¤risch starken Teile wird, ist neben umfassender humanitÃ¤rer und Aufbauhilfe (und den damit gegebenen positiven Einfluss-/DruckmÃ¶glichkeiten) eine internationale und VN-mandatierte Sicherungstruppe unbedingt notwendig.</p>
<p>Lt. Anlage I des Petersberg-Ãœbereinkommens soll sie die Sicherheit in Kabul und Umgebung gewÃ¤hrleisten (bei Abzug afghan. bewaffneter KrÃ¤fte) und ggfs. in anderen StÃ¤dten und weiteren Gebieten zum Einsatz kommen und den Wiederaufbau unterstÃ¼tzen. Es geht also um einen militÃ¤rischen Beitrag zu Friedenskonsolidierung und nation building, also ausdrÃ¼cklich um einen Friedens- und nicht um einen Kriegseinsatz. Wer gegen Krieg und fÃ¼r die StÃ¤rkung der VN ist, kann grundsÃ¤tzlich nur fÃ¼r eine solche Truppe sein. (Auch die PDS kann ihre programmatisch-prinzipielle Ablehnung von â€žAuslandseinsÃ¤tzen&quot; in diesem Fall nicht mehr vertreten.)</p>
<p>Mit der Entsendung kann nicht bis Abschluss der letzten Kampfhandlungen der US-StreitkrÃ¤fte und Anti-Taliban-Truppen gewartet werden, die einige hundert km von Kabul entfernt stattfinden. Alles andere liefe auf unterlassene Hilfeleistung und BegÃ¼nstigung vor allem der Nordallianz und der KrÃ¤fte hinaus, die nur ihr eigenes SÃ¼ppchen kochen wollen.</p>
<p>(Rolf Paasch am 18.12. in der FR: Die WiderstÃ¤nde gegen eine rasche Stationierung reiche von Rumsfeld bis StrÃ¶bele. â€žBeide hÃ¤tten die RealitÃ¤ten gerne ihren jeweiligen WÃ¼nschen angepasst, ehe sie die Vereinten Nationen losmarschieren lassen. (...) Beide Haltungen nutzen nur den Falschen in Afghanistan. Dabei mÃ¼ssten alle Friedensbewegten fÃ¼r eine sofortige Verabschiedung eines robusten Mandats nach Artikel VII der UN-Charta werben, damit das Pentagon eben nicht seinen Krieg fortfÃ¼hren kann, ohne auf den politischen Schaden zu achten.&quot;)</p>
<p>(3) Nach den Erfahrungen mit VN-Missionen (vgl. Brahimi-Report von 2000) kommt es entscheidend auf folgende Punkte an:</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Klares und eindeutiges Mandat, klare Kommandostrukturen, keine Vermischung verschiedener Operationen (abschreckendes Beispiel Somalia)</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Robustheit von Auftrag und Befugnissen (Ã¼ber das Blauhelm-Recht auf Selbstverteidigung auch Befugnis, zum Schutz von ZivilbevÃ¶lkerung und der Ã¶ffentlichen Sicherheit Gewalt anzuwenden- also polizeiliche Befugnisse mit militÃ¤rischen Mitteln; nicht zu verwechseln mit Kampfauftrag; dazu Kapitel VII-Mandat erforderlich), was sich in Umfang und AusrÃ¼stung der Truppe angesichts zu erwartender Risiken niederschlagen muss.</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Ausgewogene zivil-militÃ¤rische FÃ¤higkeiten (gut ausgebildete und schnell verfÃ¼gbare PolizeikrÃ¤fte und zivile Experten; zivil-militÃ¤rische Kooperation).</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Zeitfaktor: Die ersten Wochen einer Friedensmission sind entscheidend fÃ¼r ihre Akzeptanz und AutoritÃ¤t. Deshalb kommt es auf den schnellen Einsatz kompetenter KrÃ¤fte an. Ein fÃ¼r MilitÃ¤rinterventionen typisches â€žschnell rein, schnell raus&quot; ist mit den Anforderungen einer friedensunterstÃ¼tzenden VN-Mission allerdings nicht vertrÃ¤glich. Der Zeithorizont muss realistisch sein!</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Die Einigkeit der Internationalen Gemeinschaft entscheidet Ã¼ber ihre AutoritÃ¤t. Deshalb gilt grundsÃ¤tzlich â€žgemeinsam rein, gemeinsam raus&quot;.</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Gerade bei so riskanten und unwÃ¤gbaren EinsÃ¤tzen wie einem in Afghanistan mÃ¼ssen Exit-Strategien klar und vereinbart sein: Wann wÃ¼rde die Truppe abgezogen? Wie kÃ¶nnte sie abgezogen werden? Wer wÃ¼rde den RÃ¼ckzug (immer besonders riskant) unterstÃ¼tzen? (Extraction Force)</p>
<p>(4) Das vom VN-Sicherheitsrat am 20.12. verabschiedete Mandat setzt einen auf Kabul und Umgebung begrenzten Auftrag mit â€žrobusten&quot; Befugnissen fÃ¼r den Zeitraum von sechs Monaten. Die Mitgliedsstaaten der â€žInternationale SicherheitsunterstÃ¼tzungstruppe&quot; ISAF . sollen der afghanischen Ãœbergangsregierung dabei helfen, neue afghanische Verteidigungs- und SicherheitskrÃ¤fte zu bilden und einzusetzen.</p>
<p>Damit sind wesentliche Anforderungen angenÃ¤hert. Zugleich bleibt KlÃ¤rungsbedarf:</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Auch 5.000 Mann (die â€žNetto&quot;-Schutztruppe ist wegen des Anteils der UnterstÃ¼tzungskrÃ¤fte wesentlich kleiner) kÃ¶nnen in einer chaotischen und fremden 1,5 Mio. Stadt mit Flughafen in 50 km Entfernung nur begrenzt und schwerpunktmÃ¤ÃŸig Sicherheit schaffen: Wer kÃ¼mmert sich um die allgemeine Ã¶ffentliche Sicherheit? Arbeitsteilung mit afghanischen SicherheitskrÃ¤ften?</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Wieweit ist Trennung von Kommandostrukturen und Operationen real und in der Ã¶ffentlichen Wahrnehmung gewÃ¤hrleistet? Dass es Kommunikation zwischen beiden Operationen gibt, ist selbstverstÃ¤ndlich notwendig, dass USA fÃ¼r Extraction Force zur VerfÃ¼gung stehen, macht Sinn. Aber wie wird gewÃ¤hrleistet, dass ISAF nicht von Enduring Freedom dominiert wird?</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Solche und andere Umsetzungsfragen werden in einem Military Technical Agreement (MTA) zwischen ISAF und Ãœbergangsregierung geregelt: Was sind seine Festlegungen?</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Was ist genauer unter der UnterstÃ¼tzung fÃ¼r afghanische SicherheitskrÃ¤fte zu verstehen: sinnvoll als Hilfe zur Herausbildung eines staatlichen Gewaltmonopols, fragwÃ¼rdig als bloÃŸe AufrÃ¼stung einer Seite? Wer soll das leisten? (bisher gute Erfahrung auf dem Balkan z.B. mit Polizeiausbildung durch OSZE)</p>
<p>(5) KlÃ¤rung des Bedarfs an militÃ¤rischen FÃ¤higkeiten/Umfang angesichts des Auftrags und der GrÃ¶ÃŸe und Risiken des Einsatzraumes. Was ist leistbar, was ist verantwortbar?</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Welche militÃ¤rischen KrÃ¤fte und FÃ¤higkeiten sind notwendig, insgesamt und seitens der Bundeswehr?</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Wie kann ihre FÃ¼hrung, Versorgung, ggfs. VerstÃ¤rkung oder Evakuierung gewÃ¤hrleistet werden, ohne dabei unkalkulierbar von anderen abhÃ¤ngig zu sein? (z.B. Transport)</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Wie kann insgesamt das Risiko fÃ¼r die entsandten Soldaten in verantwortbarem Rahmen gehalten werden?</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  VerfÃ¼gt die Bundeswehr Ã¼ber die notwendigen personellen und materiellen FÃ¤higkeiten und AusrÃ¼stung (FÃ¼hrung, AufklÃ¤rung, Transport, Schutz) oder sind diese auf dem Balkan gebunden?</p>
<p>Auf dieser Ebene brauchen wir ganz besonders offene und ehrliche Beratung von militÃ¤rischen Fachleuten/MilitÃ¤rs. Denn hier sind die TÃ¤uschungsgefahren besonders groÃŸ:</p>
<p>- Politiker, zumal â€žUngediente und Kriegsdienstverweigerer&quot; wie bei Rot-GrÃ¼n, neigen dazu, dem MilitÃ¤r alles mÃ¶gliche zuzutrauen, damit aber auch seine LeistungsfÃ¤higkeiten zu Ã¼berschÃ¤tzen. Das wird begÃ¼nstigt durch die Grundhaltung und -botschaft militÃ¤rischer FÃ¼hrer: â€žWir organisieren das schon&quot;.</p>
<p>- Die Grundstimmung in der militÃ¤rischen FÃ¼hrung der Bundeswehr ist inzwischen keineswegs frank und frei.</p>
<p>W. Nachtwei, 21.12.2001</p>
<p>Â </p></div>


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