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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Nebel in der WÃ¼ste: Zum Krieg in Libyen</title>
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    <span class="xar-mod-title">n-tv + Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Afghanistan + Presse-Link + Interview</span>

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        <h1>
            Nebel in der WÃ¼ste: Zum Krieg in Libyen         </h1>
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       <div class="xar-mod-content">
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 3. April 2011 13:54:51 +02:00 (157163 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Selten gab es so viel Durcheinander wie jetzt bei der Libyen-Intervention. Rechtfertigungen, Wirkungen und Risiken? W. Nachtwei macht einen KlÃ¤rungsversuch:</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Nebel in der WÃ¼ste:</strong></p>
<p align="center"><strong>Internationale MilitÃ¤rintervention in Libyen - Notwendigkeit + LegitimitÃ¤t, Wirkungen und Risiken?</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB a.D. (Ende MÃ¤rz 2011)</p>
<p><strong><em>PersÃ¶nliche Vorbemerkung</em></strong></p>
<p><em>Die jetzige Auseinandersetzung um die Libyen-Intervention und das deutsche Verhalten dazu erlebe ich aus Distanz zum tagespolitischen GetÃ¼mmel in Berlin: vermittelt Ã¼ber die Medienberichterstattung, ohne die Vielzahl an internen Informationen, Quellen, SachverstÃ¤ndigen der verschiedenen Art, ohne den hochtourigen Beratungsdiskurs unter den AuÃŸen- und Sicherheitspolitikern, in Fraktion, AusschÃ¼ssen etc. Das erschwert die eigene Meinungsbildung. Zugleich spÃ¼re ich ziemliche Erleichterung, nicht selbst in der Verantwortung zu stehen. Die Auseinandersetzung von 1996 (Bosnien), 1999 (Kosovo), 2001 (Mazedonien, Afghanistan), 2006 (Kongo, Libanon), 2007 (Afghanistan Tornados) stecken mir noch in den Knochen.</em></p>
<p><em>Auch wenn wichtige Entscheidungen gefallen sind und inzwischen eine Stellungnahme leichter fÃ¤llt, ist fÃ¼r die deutsche wie grÃ¼ne friedens- und sicherheitspolitische Debatte das Thema Libyen und der deutschen Rolle dabei ganz und gar nicht erledigt. Ein KlÃ¤rungsversuch macht auch jetzt noch Sinn.</em></p>
<p><strong>(1) </strong><strong>Durcheinander</strong></p>
<p>Seit Mitte der 90er Jahre gab es viele heftige und strittige Debatten um militÃ¤rische Kriseninterventionen und die deutsche (Nicht)Beteiligung daran. Bei keiner herrschte soviel Durcheinander wie jetzt angesichts der Libyen-Intervention: in Berlin quer durch die Bundestagsfraktionen, in der deutschen Gesellschaft, aber auch international, in NATO und EU.</p>
<p>Ausnahmen sind die FDP, die blind ihrem Vorsitzenden zu folgen scheint, und die Linke, die mit ihrer dogmatischen Ablehnung jedweden MilitÃ¤reinsatzes notorisch der SchlÃ¼sselfrage ausweicht, wie akut drohende Verbrechen gegen die Menschlichkeit verhindert, wie Schutz vor massivster illegaler (Staats)Gewalt gewÃ¤hrleistet werden kann.</p>
<p>Das Durcheinander erlebte ich selbst. Tagelang war ich hin- und her gerissen.</p>
<p>Wie schnell auch Experten von schnellen LageverÃ¤nderungen Ã¼berholt werden kÃ¶nnen, zeigt das SWP-Aktuell vom 12. MÃ¤rz, das Anfang MÃ¤rz von einem Zusammenbruch des Gaddafi-Regimes ausging.</p>
<p>Verschiedene Diskurse, Perspektiven und Interessen prallen aufeinander oder reden einander vorbei: rechtfertigende GrÃ¼nde, kurz- und mittelfristige Wirksamkeits- und RisikoabschÃ¤tzungen, bÃ¼ndnispolitische Prinzipien, innenpolitische KalkÃ¼le. Verbreitet sind Argumentationsmuster, die sich auf die einen Perspektiven konzentrieren und die anderen vernachlÃ¤ssigen. Einzelne greifen zur moralischen Aufladung: â€žkeine Feigheit vor dem Diktator&quot;, die â€žSchande der deutschen Enthaltung im Sicherheitsrat&quot; auf der einen Seite, â€žKriegstreiber!&quot; auf der anderen Seite. Die Bundestagsdebatte am 18. MÃ¤rz war ein ernÃ¼chterndes Beispiel dafÃ¼r.</p>
<p>Eine verantwortliche AuÃŸen- und Sicherheitspolitik, die menschenrechtsorientiert und Friedenspolitik sein will, muss aber eine nÃ¼chterne AbwÃ¤gung zwischen allen relevanten Perspektiven leisten. Dabei sind die Ungewissheiten erheblich.</p>
<p><strong>(2) </strong><strong>Rechtfertigung</strong></p>
<p><em>SchlÃ¼sselfragen:</em></p>
<ul>
<li><em>In welchem AusmaÃŸ geschehen Gewalttaten und Menschenrechtsverletzungen? Wer sind die Hauptverantwortlichen?</em></li>
<li><em>Drohen bzw. geschehen VÃ¶lkermord, Kriegsverbrechen, ethnische SÃ¤uberungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wo die Schutzverantwortung (responsibility to protect) der internationalen Gemeinschaft gefordert ist? (Beschluss der UN-Generalversammlung/Abschluss des Weltgipfels von 2005)</em></li>
<li><em>Wie verlÃ¤sslich ist die Informationslage: Was sind handfeste Fakte und erhebliche Indizien, was ist Propaganda, was ist CNN-Faktor?</em></li>
<li><em>Welche Bedeutung hat die Entwicklung in Libyen fÃ¼r internationale, europÃ¤ische und deutsche Sicherheitsinteressen?</em></li>
<li><em>Was tut die internationale Gemeinschaft auf der politischen und nichtmilitÃ¤rischen Ebene zur EindÃ¤mmung von Gewalt und schweren Menschenrechtsverbrechen? Sind diese Mittel ausgeschÃ¶pft?</em></li>
<li><em>Wieweit sind nichtmilitÃ¤rische und militÃ¤rische ZwangsmaÃŸnahmen vÃ¶lkerrechtlich durch den UN-Sicherheitsrat und politisch durch regionale ZusammenschlÃ¼sse legitimiert?</em></li>
<li><em>Welche legitimen Ziele verfolgt die internationale Gemeinschaft, welche wÃ¤ren illegitim? Wie glaubwÃ¼rdig ist sie dabei angesichts der Libyen-Politik der letzten Jahre und der Interessen an Ã–l und FlÃ¼chtlingsabwehr?</em></li>
<li><em>Warum Eingreifen in Libyen - und nicht auch in anderen LÃ¤ndern, wo Menschenrechte systematisch verletzt werden, wo Kriegsverbrechen, ethnische SÃ¤uberungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit geschehen? (Unteilbarkeit der Menschenrechte)</em></li>
</ul>
<p>In Libyen geht es um fundamentale menschliche Sicherheit wie auch um internationale kollektive Sicherheit. Der Konfliktausgang in Libyen hat erhebliche Bedeutung fÃ¼r den Fortgang der arabischen Freiheitsrevolution. Die EuropÃ¤ische Union als Nachbarregion steht hier in besonderer Verantwortung: angesichts ihrer Grundwerte, angesichts der Verletzung dieser Grundwerte durch ein jahrelanges Hofieren des Diktators seitens etlicher EU-Staaten, angesichts ihres besonderen Interesses an einer friedlichen Nachbarschaft. Ein im andauernden BÃ¼rgerkrieg versinkendes Libyen (â€žSomalia am Mittelmeer&quot;) wÃ¼rde massiv europÃ¤ische Sicherheit gefÃ¤hrden.</p>
<p>Am 16./17. Februar begann die Auflehnung gegen das Gaddafi-Regime friedlich im Nordosten und sÃ¼dlich von Tripolis. Binnen weniger Tage hatte die vor allem von jungen Libyern getragene Rebellion enormen Zulauf. Teile der Armee und etliche Vertreter des Gaddafi-Regimes liefen Ã¼ber. Viele der groÃŸen StÃ¤mme kÃ¼ndigten dem Regime ihre LoyalitÃ¤t auf. Das Gaddafi-Regime verlor weite Gebiete und reagierte mit Ã¤uÃŸerster BrutalitÃ¤t. Schweren Waffen sollen gegen die BevÃ¶lkerung eingesetzt worden sein. Dies befÃ¶rderte den bewaffneten Widerstand der Rebellion.</p>
<p>Schon am 26. Februar missbilligte der UN-Sicherheitsrat in der Resolution 1970 die â€žgroben und systematischen Verletzungen der Menschenrechte einschlieÃŸlich der UnterdrÃ¼ckung friedlicher Demonstranten&quot; und die â€žausgedehnten und systematischen Angriffe auf die ZivilbevÃ¶lkerung&quot;, die â€žmÃ¶glicherweise Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen&quot;. Der Sicherheitsrat bekrÃ¤ftigte die Schutzverantwortung der libyschen BehÃ¶rden gegenÃ¼ber der eigenen BevÃ¶lkerung und forderte sie auf, die Menschenrechte und das humanitÃ¤re VÃ¶lkerrecht zu achten. An MaÃŸnahmen beschloss der Sicherheitsrat die Ãœberweisung an den Internationalen Strafgerichtshof, ein Waffenembargo, ein Reiseverbot fÃ¼r 16 FÃ¼hrungspersonen des Regimes, das Einfrieren von VermÃ¶genswerten. Am 1. MÃ¤rz suspendierte die UN-Generalversammlung mit Zweidrittelmehrheit die Mitgliedschaft Libyens im Menschenrechtsrat - ein in der UN-Geschichte erstmaliger Beschluss.</p>
<p>Die UN-BeschlÃ¼sse blieben ohne Wirkung bei einem Regime, das offenbar gegen Teile des eigenen Volkes Krieg fÃ¼hrte und Stadt fÃ¼r Stadt zurÃ¼ckeroberte. Mitte MÃ¤rz standen Gaddafi-Truppen vor Bengasi. FÃ¼hrer des Regimes hatten mit massiver Rache gedroht. Es bestand - durch die laufende prominente Fernsehberichterstattung unÃ¼bersehbar - akuter und kurzfristiger Handlungsbedarf. Auf DrÃ¤ngen der VetomÃ¤chte GroÃŸbritannien und Frankreich und unterstÃ¼tzt von der Arabischen Liga befasste sich der Sicherheitsrat ab 14. MÃ¤rz auch mit militÃ¤rischen MaÃŸnahmen. Libanon, das zzt. einzige arabische Land im Sicherheitsrat, beantragte eine Flugverbotszone.</p>
<p>Am 17. MÃ¤rz beschloss der Sicherheitsrat Ã¼berraschenderweise eine verschÃ¤rfte Resolution (1973). Die VetomÃ¤chte China und Russland lieÃŸen sie mit ihrer Enthaltung passieren. Der Sicherheitsrat missbilligt die Nichtbefolgung der Resolution 1970 durch die libyschen BehÃ¶rden, wiederholt seine Verurteilung grober und systematischer Menschenrechtsverletzungen und systematischer Angriffe auf die ZivilbevÃ¶lkerung, die â€žmÃ¶glicherweise Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen&quot; und bekrÃ¤ftigt seine â€žEntschlossenheit, den Schutz der Zivilpersonen und der von der ZivilbevÃ¶lkerung bewohnten Gebiete sowie den raschen und ungehinderten Durchlass humanitÃ¤rer Hilfe (...) zu gewÃ¤hrleisten&quot;. Ausgehend von der Feststellung, dass die Situation in Libyen eine â€žBedrohung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit darstellt&quot;, verlangt der Sicherheitsrat</p>
<ul>
<li>eine sofortige Waffenruhe,</li>
<li>betont die Notwendigkeit verstÃ¤rkter BemÃ¼hungen zu einer politischen KonfliktlÃ¶sung,</li>
<li>ermÃ¤chtigt die Mitgliedsstaaten zu allen notwendigen MaÃŸnahmen zum Schutz der ZivilbevÃ¶lkerung (unter Ausschluss auslÃ¤ndischer Besatzungstruppen),</li>
<li>beschlieÃŸt eine Flugverbotszone und ermÃ¤chtigt zu allen notwendigen MaÃŸnahmen,</li>
<li>verstÃ¤rkt das Waffenembargo und weitet das Einfrieren von VermÃ¶genswerten aus.</li>
</ul>
<p>Nie zuvor hat der Sicherheitsrat unter Berufung auf die Schutzverantwortung so weitreichende MaÃŸnahmen beschlossen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Zwischenfazit:</span></p>
<p>Der Schutz der libyschen ZivilbevÃ¶lkerung vor systematischen Angriffen und Menschenrechtsverletzungen war dringlich und notwendig. Es ging um schnell wirkende Nothilfe. Politische, nichtmilitÃ¤rische und militÃ¤rische MaÃŸnahmen der internationalen Gemeinschaft zu diesem Zweck sind legitim und durch Beschluss des Sicherheitsrats vÃ¶lkerrechtlich legal.</p>
<p>Ein darÃ¼ber hinaus auf den Sturz Gaddafis zielendes militÃ¤risches Eingreifen wurde durch den Sicherheitsrat eindeutig nicht legitimiert.</p>
<p>Viele Jahre wurde Diktator Gaddafi hofiert und mit Waffenlieferungen unterstÃ¼tzt. Das internationale Versagen bei der vorbeugenden Schutzverantwortung offenbart die Kurzsichtigkeit und Verlogenheit vieler StaatsfÃ¼hrungen. Dieses Versagen wie auch heutige Partikularinteressen (z.B. FlÃ¼chtlingsabwehr) Ã¤ndern aber nichts an dem akuten Schutzbedarf und Handlungsdruck. Die ZEIT vom 24. MÃ¤rz berichtet, dass vier Frauen bei PrÃ¤sident Obama die militÃ¤rische Intervention gegen Verteidigungsminister Gates durchgesetzt hÃ¤tten: Hillary Clinton, Samantha Power (Beraterin aus dem Nationaler Sicherheitsrat), UN-Botschafterin Susan Rice und Anne-Marie Slaughter (bis vor kurzem Leiterin des Planungsstabs im AuÃŸenministerium) argumentierten alle im Sinne der Schutzverpflichtung. Alle vier sind geprÃ¤gt von den Erfahrungen mit unterlassener Schutzverantwortung in den 90er Jahren - Ruanda, Srebrenica.</p>
<p>Dass die internationale Gemeinschaft doppelte Standards bei ihrem Eintreten fÃ¼r Menschenrechte und der Schutzverantwortung praktiziert, ist offenkundig und widerspricht der Unteilbarkeit der Menschenrechte. Realpolitische Ursachen der oft unterlassenen â€žNothilfe&quot; sind entgegenstehende bzw. fehlende Interessen, mangelnde FÃ¤higkeiten oder Erfolgsaussichten. Das selektive Vorgehen gegen schwere Menschenrechtsverbrechen kann allerdings nicht heiÃŸen, generell auf ein solches Vorgehen zu verzichten.</p>
<p><strong>(3) </strong><strong>Wirksamkeit + Risiken</strong></p>
<p><em>SchlÃ¼sselfragen:</em></p>
<ul>
<li><em>Ist das Mandat klar und erfÃ¼llbar? Welche MaÃŸnahmen kÃ¶nnen in welchen ZeitrÃ¤umen wirken? Welche MaÃŸnahmen kÃ¶nnen den Schutz der ZivilbevÃ¶lkerung fÃ¶rdern? Welche sind notwendig?</em></li>
<li><em>Ist eine Flugverbotszone ein geeignetes Mittel? Wieweit kann eine Flugverbotszone von Seiten der Gaddafi-KrÃ¤fte unterlaufen bzw. konterkariert werden?</em></li>
<li><em>Was soll getan werden, wenn der Schutz der ZivilbevÃ¶lkerung nicht erreicht wird?(Plan B)</em></li>
<li><em>Wie hoch ist das Risiko der Konflikteskalation - der Radikalisierung der RegimekrÃ¤fte, der schleichenden Ausweitung der Intervention (Ausweitung der Ziele, Bodeneinsatz)?</em></li>
<li><em>Um einem Endloseinsatz entgegenzuwirken: Was ist die Exitperspektive?</em></li>
<li><em>Wie hoch ist das politische Risiko einer â€žEnteignung&quot; der libyschen Revolution und einer Konfrontation mit Teilen der arabischen Welt?</em></li>
</ul>
<p>Allein die letzten 20 Jahre internationaler Kriseninterventionen zeigten deutlich, dass gute Absichten und rechtfertigende GrÃ¼nde ganz und gar nicht ausreichen. Allzu oft wurden legitime und hehre Ziele nicht erreicht. UN-gefÃ¼hrte Missionen konnten vielfach ihren Friedenssicherungsauftrag nicht erfÃ¼llen, weil sie unzureichend mandatiert und ausgestattet waren, Beispiel Kongo. Andere EinsÃ¤tze der NATO starteten ausdrÃ¼cklich als begrenzte MilitÃ¤roperationen. Der Kosovo-Luftkrieg der NATO 1999 verfehlte zunÃ¤chst sein PrimÃ¤rziel (Verhinderung einer humanitÃ¤ren Katastrophe), als am Boden der serbische Vertreibungsterror eskalierte. Der 2002 vorsichtig begonnene ISAF-Stabilisierungseinsatz in Afghanistan wurde ab 2006 im SÃ¼den und Osten, ab 2009/10 landesweit zur AufstandsbekÃ¤mpfung. (In Deutschland sind fast nur die Eskalationsrisiken bewusst und fast gar nicht die Versagensrisiken bei der Friedenssicherung.)</p>
<p>Auch wenn es bis heute in Deutschland an einer systematischen Auswertung dieser EinsÃ¤tze fehlt, sind bestimmte VersÃ¤umnisse doch offenkundig:</p>
<ul>
<li>Das â€žÃ¤uÃŸerste Mittel&quot; eines MilitÃ¤reinsatzes geriet oft zum Politikersatz. Oft blieben die politischen und zivilen Anstrengungen und Ressourcen weit hinter den militÃ¤rischen zurÃ¼ck.</li>
<li>Unterhalb der Ebene der relativ abstrakten Mandatsziele verÃ¤nderten sich reale Einsatzziele bzw. bestanden de facto unterschiedliche Ziele.</li>
<li>Unzureichende Kenntnis der politischen, sozialen, ethnischen Bedingungen und relevanten Akteure in der Krisenregion fÃ¶rderten eine Instrumentalisierung der internationalen Intervention im innenpolitischen Machtkampf (1999 NATO als â€žLuftwaffe der UCK&quot;); kontraproduktive Wirkungen;</li>
<li>wegen unzureichender personeller und materieller Ausstattung und Einsatzregeln nicht erfÃ¼llbare AuftrÃ¤ge;</li>
<li>Generell: EinsÃ¤tze dauern in der Regel viel lÃ¤nger und sind viel komplizierter, als in der Startphase angenommen wird. Immer wieder erweist sich die gerade unter NichtmilitÃ¤rs verbreitete Erwartung, MilitÃ¤r kÃ¶nne durchgreifen und einen Knoten durchhauen, als blanke Illusion.</li>
</ul>
<p>Die vielen UnwÃ¤gbarkeiten und Risiken von KriseneinsÃ¤tzen befÃ¶rdern generell eine Grundstimmung des Raushaltens - und bei eskalierenden Krisen ZÃ¶gerlichkeit und EntscheidungsschwÃ¤che.</p>
<p>Eine Flugverbotszone ist kein Peacekeeping-Einsatz. Er bedeutet den Einsatz von kriegerischer Gewalt gegen die gegnerische Luftwaffe in der Luft und am Boden und gegen die Luftverteidigung. Einsatz von kriegerischer Gewalt ist trotz aller waffentechnologischer PrÃ¤zision ganz besonders unberechenbar: â€žNebel des Krieges&quot;. Vor dem Hintergrund der o.g. Erfahrungen sind die Zweifel und Warnungen der letzten Wochen wahrlich berechtigt: Ob der Schutz der ZivilbevÃ¶lkerung durch eine Flugverbotszone und andere militÃ¤rische MaÃŸnahmen Ã¼berhaupt erreicht werden kann - oder ob das Ziel durch Zivilopfer und menschliche Schutzschilde, durch Radikalisierung der BodenkriegfÃ¼hrung unterlaufen und konterkariert werden, ob damit nur ein lang andauernder BÃ¼rgerkrieg befÃ¶rdert und die Interventen in ihn hineingezogen werden kÃ¶nnen, ob sich bei ausbleibender Entscheidung die Stimmung in der arabisch-muslimischen Welt sich gegen den Westen wenden wÃ¼rde.</p>
<p>Die Geographie des Landes (weit, offen, flach, vegetationslos) begÃ¼nstigt konventionelle StreitkrÃ¤fte (Panzer, Kampfbomber) und erschwert eine (Guerilla)KriegfÃ¼hrung der schwach Bewaffneten in der FlÃ¤che. Die taktischen MÃ¶glichkeiten verschieben sich, wenn Krieg in stÃ¤dtischen Gebieten stattfindet. Dann ist die ZivilbevÃ¶lkerung besonders bedroht. Dann sind die MÃ¶glichkeiten zu ihrem Schutz aus der Luft besonders gering. Das kann in der militÃ¤rischen Logik die InterventionsluftstreitkrÃ¤fte dazu drÃ¤ngen, verstÃ¤rkt die Infrastruktur der Gadaffi-KrÃ¤fte, ihre FÃ¼hrungs- und Kommunikationseinrichtungen und Logistik anzugreifen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Zwischenfazit:</span></p>
<p>Die umfassende politische Isolation des Gaddafi-Regimes, die VerhÃ¤ngung erheblicher Sanktionen durch den Sicherheitsrat hatte bisher keine erkennbare Wirkung auf die exzessive Gewaltbereitschaft des Regimes. Sanktionen wirken generell in der Regel nicht kurzfristig, sondern eher mittel- bis langfristig.</p>
<p>Wirkung hatten die am 19. MÃ¤rz beginnenden Luftangriffe von Frankreich, USA und GroÃŸbritannien. Sie stoppten die unmittelbar bevorstehende RÃ¼ckeroberung Bengasis und verhinderten hÃ¶chstwahrscheinlich ein groÃŸes Blutbad. Umgekehrt ausgedrÃ¼ckt: Bei einem von der Bundesregierung gewÃ¼nschten Verzicht auf die Luftangriffe wÃ¤re es mit hoher Wahrscheinlichkeit in Bengasi zu einem groÃŸen Massaker gekommen. (Folgen von Tun und Unterlassen)</p>
<p>Die anderen o.g. Risiken bestehen weiter. Sie kÃ¶nnen nicht ausgeschlossen, aber z.T. begrenzt werden. Internationale KrisenbewÃ¤ltigung ist zwangslÃ¤ufig Handeln ins Ungewisse. FÃ¼r diesen Nebel gibt es Nebelscheinwerfer, aber kein Radar. Es liegt aber bei der Politik, fÃ¼r die Einhaltung des begrenzten Einsatzzieles zu sorgen. Eine auf Regimewechsel zielende MilitÃ¤rintervention wÃ¼rde nicht nur gegen die UN-Resolution verstoÃŸen, sie wÃ¤re auch kontraproduktiv. Sie wÃ¼rde auf eine Enteignung der arabischen Revolution hinauslaufen, deren StÃ¤rke ja gerade ihre EigenstÃ¤ndigkeit ist.</p>
<p>Die strikte Einhaltung des UN-Mandats gebietet Vorsicht gegenÃ¼ber der o.g. militÃ¤rischen Logik, von der Schutzfunktion fÃ¼r die Zivilisten immer mehr zu einer Luftwaffe der Rebellen zu werden - wie z.B. wÃ¤hrend des Kosovokrieges gegenÃ¼ber der UCK.</p>
<p>Auch die jetzt in USA und GroÃŸbritannien erwogenen Waffenlieferungen an die Rebellen wÃ¤ren mit dem UN-Mandat eindeutig nicht vereinbar.</p>
<p>Die strikte Einhaltung des UN-Mandats bedeutet, in Kauf zu nehmen, dass Gaddafi ggfs. den Krieg gewinnen und an der Macht bleiben kann. (Auf einem anderen Blatt stehen nichtmilitÃ¤rische MaÃŸnahmen fÃ¼r Gaddafis RÃ¼ckzug. Die jÃ¼ngsten Absetzbewegungen aus der RegimefÃ¼hrung nÃ¤hren Hoffnungen auf eine Implosion des Systems.)</p>
<p>Ungewiss und von auÃŸen nur begrenzt beeinflussbar ist, welchen KrÃ¤ften und welcher Dynamik die internationale Intervention Auftrieb verschafft. Umso wichtiger sind die parallelen politischen BemÃ¼hungen um Waffenstillstand und KonfliktlÃ¶sung.</p>
<p>Die plausible Forderung nach einer Exitstrategie ist unter dem Zeit- und Einigungsdruck multinationaler KrisenbewÃ¤ltigung und der Ungewissheit des Konfliktverlaufs kaum realisierbar. Schnell entwickelt werden muss aber eine Exitperspektive, deren Voraussetzung klare Ziele und ein Zielkonsens sind.</p>
<p><strong>(4) </strong><strong>Gemeinsam + deutscher Beitrag</strong></p>
<p><em>SchlÃ¼sselfragen:</em></p>
<ul>
<li><em>Was ist notwendig fÃ¼r ein kohÃ¤rentes Agieren der internationalen Gemeinschaft und fÃ¼r effektiven Multilateralismus auf Ebene der UN, der EU etc.?</em></li>
<li><em>Was sind kurz- und mittelfristige Auswirkungen auf UN-Multilateralismus, fÃ¼r EuropÃ¤ische Sicherheits- und Verteidigungspolitik, fÃ¼r europÃ¤ische und Westintegration, fÃ¼r das VerhÃ¤ltnis des Westens zur arabischen und muslimischen Welt?</em></li>
<li><em>Was kÃ¶nnen, sollen, mÃ¼ssen deutsche BeitrÃ¤ge sein?</em></li>
</ul>
<p>Geschichte und Lage Deutschlands in der Mitte Europas gebieten kategorisch: Nie mehr allein, keine sicherheitspolitischen AlleingÃ¤nge. Die europÃ¤ische und transatlantische Integration, die Verpflichtung auf das UN-System und das Engagement fÃ¼r effektiven Multilateralismus sind Ecksteine deutscher AuÃŸen- und Sicherheitspolitik, die Friedenspolitik sein soll und will.</p>
<p>Das Gemeinsamkeits-Gebot ergibt sich zweitens aus den Erfahrungen internationaler KrisenbewÃ¤ltigung: Sie ist von keinem Akteur allein, sondern nur im bestmÃ¶glichen Zusammenwirken der verschiedenen Akteure erreichbar.</p>
<p>BeitrÃ¤ge zu einem effektiven Multilateralismus sind gefragt auf der Ebene politischer BeschlÃ¼sse in UN, EU etc., bei der Umsetzung politischer, nichtmilitÃ¤rischer und militÃ¤rischer MaÃŸnahmen und der Beteiligung daran. Dabei gibt es nach aller Erfahrung in UN, EU und NATO keinen Beteiligungsautomatismus. Politische BeschlÃ¼sse sind das eine, Art und AusmaÃŸ der Beteiligungen je nach LeistungsfÃ¤higkeit und -bereitschaft selbstverstÃ¤ndlich das andere. Eklatant ist dieser Unterschied bei UN-gefÃ¼hrten Peacekeeping-Missionen: Ihr Personal stammt zum geringsten Teil aus den stÃ¤ndigen Mitgliedsstaaten des Sicherheitsrats.</p>
<p>Deutschland verfÃ¼gt trotz Afghanistaneinsatz und neuer Bundeswehrreform Ã¼ber etliche militÃ¤rische FÃ¤higkeiten, mit denen die Umsetzung der UN-Resolution 1973 unterstÃ¼tzt werden kÃ¶nnte: Marineschiffe fÃ¼r das Waffenembargo von See, Beteiligung an der AWACS-LuftraumÃ¼ber-wachung, ECR-Tornados gegen die libysche Luftverteidigung.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Zwischenfazit:</span></p>
<p>Das Vorpreschen des franzÃ¶sischen PrÃ¤sidenten Sarkozy war das Gegenteil von vertrauensbildend.</p>
<p>Zusammen mit der Arabischen Liga erreichte der UN-Sicherheitsrat am 17. MÃ¤rz in der Akutsituation eine vorher nicht erwartete Handlungsbereitschaft.</p>
<p>Die frÃ¼he kategorische Festlegung des AuÃŸenministers und der Bundeskanzlerin gegen eine Flugverbotszone nahmen den deutschen Diplomaten jeden Verhandlungsspielraum. (Vor dem sehr anders gelagerten Irakkrieg behielt sich AuÃŸenminister Fischer diesen Spielraum und nutzte ihn.)</p>
<p>Die Enthaltung der Bundesregierung minderte den politischen Druck der Resolution auf das Gaddafi-Regime. In einer zentralen Frage von internationaler und europÃ¤ischer Sicherheit praktizierte die Bundesrepublik erstmalig in ihrer Geschichte einen Alleingang gegenÃ¼ber allen grÃ¶ÃŸeren VerbÃ¼ndeten.</p>
<p>Bei einer deutschen Zustimmung im Sicherheitsrat hÃ¤tte es selbstredend Druck fÃ¼r eine deutsche militÃ¤rische Beteiligung gegeben. Aber mit dem hÃ¤tte man souverÃ¤n und differenziert umgehen kÃ¶nnen.</p>
<p>Die Bundesregierung verweigerte sogar die militÃ¤rische UnterstÃ¼tzung des wenig riskanten Waffenembargos. Das deutsche â€žEntlastungsangebot&quot; der Beteiligung am AWACS-Einsatz Ã¼ber Afghanistan war ein durchsichtiges Beruhigungspflaster.</p>
<p><strong>(5) Innenpolitik</strong></p>
<p><em>SchlÃ¼sselfragen:</em></p>
<ul>
<li><em>Welchen Stellenwert haben innenpolitische Gegebenheiten und parteipolitische KalkÃ¼le?</em></li>
<li><em>Wie ist im Kontext der deutschen Parlamentsbeteiligung bei AuslandseinsÃ¤tzen die Haltung von Bundestag und Ã–ffentlichkeit bzw. Gesellschaft?</em></li>
<li><em>Was ist nÃ¶tig und (nicht) mÃ¶glich fÃ¼r eine Zustimmung des Bundestages und Akzeptanz in der BevÃ¶lkerung?</em></li>
</ul>
<p>Dass AuÃŸenpolitik auch von innenpolitischen Interessen beeinflusst wird, ist altbekannt und nicht ehrenrÃ¼hrig. FragwÃ¼rdig und politisch schÃ¤dlich wird es da, wo parteitaktische KalkÃ¼le handlungsleitend und ausschlaggebend fÃ¼r AuÃŸenpolitik werden.</p>
<p>Im Fall Libyen waren fÃ¼r die meisten Akteure innenpolitische Motive ausschlaggebend: Beim Vorpreschen des franzÃ¶sischen PrÃ¤sidenten Sarkozy waren sie obszÃ¶n offenkundig. Der Schwenk von US-PrÃ¤sident Obama geschah unter dem Druck des Kongresses - und gegen die fortgesetzten Bedenken der MilitÃ¤rfÃ¼hrung. Die Regime der Arabischen Liga wollen vor allem die Opposition im eigenen Land beruhigen. Und in Deutschland hatte im Hinblick auf die Landtagswahlen keine Partei ein Interesse, bei einer interventionsskeptischen BevÃ¶lkerung als InterventionsbefÃ¼rworter aufzufallen. Das galt fÃ¼r die Union, die SPD, die GrÃ¼nen, das galt existenziell fÃ¼r die FDP.</p>
<p>Seit einigen Jahren verschiebt sich das auÃŸenpolitische Meinungsklima in Deutschland. Vor dem Hintergrund der ernÃ¼chternden Erfahrung mit dem Afghanistaneinsatz wuchs die Skepsis gegenÃ¼ber deutschen Beteiligungen an internationaler KrisenbewÃ¤ltigung. BefÃ¶rdert wurde das durch Bundesregierungen, die zunehmend, aber wenig Ã¼berzeugend deutsche Sicherheitsinteressen betonten - und den Kontext internationaler kollektiver Sicherheit immer weniger zur Sprache brachten.</p>
<p>HumanitÃ¤re Hilfe â€žja&quot;, Teilnahme an internationaler Friedenssicherung, gar Friedenserzwingung &quot;lieber nein&quot;.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Zwischenfazit:</span></p>
<p>Die Verweigerung jeder militÃ¤rischen Beteiligung an dem internationalen Libyeneinsatz entsprach der Grundstimmung in der BevÃ¶lkerung, die ganz Ã¼berwiegend eine solche ablehnte.</p>
<p>Die Bundesregierung passte sich insbesondere in den Worten des AuÃŸenministers dieser Stimmung an.</p>
<p>Die â€žkleinen Bundestagswahlen&quot; in Baden-WÃ¼rttemberg und Rheinland-Pfalz fÃ¶rderten bei allen Parteien die parteipolitische Orientierung.</p>
<p>Nichts desto weniger hÃ¤tte eine prinzipienorientierte und fÃ¼hrungsstarke Bundesregierung in Bundestag wie Ã–ffentlichkeit Zustimmung zu einem deutschen Ja im Sicherheitsrat wie auch zu einer militÃ¤rischen UnterstÃ¼tzung unterhalb des Einsatzes von Kampfflugzeugen erreichen kÃ¶nnen.</p>
<p><strong>(6) AbwÃ¤gung: Was ist notwendig und verantwortbar?</strong></p>
<p>AuÃŸenminister Westerwelle erweckte den Eindruck, als sei deutsche Sicherheitspolitik aus Erfahrungen klÃ¼ger geworden. Richtig war sein DrÃ¤ngen auf politische und nichtmilitÃ¤rische Wege der KonflikteindÃ¤mmung, begrÃ¼ndet und berechtigt seine Skepsis gegenÃ¼ber der Wirksamkeit eines Flugverbots, seine Warnung vor Eskalationsdynamiken und -risiken und seine Mahnung, vom Ende her zu denken. Ich war Ã¼berrascht, wie sehr ich mit seinen Bedenken Ã¼bereinstimmte.</p>
<p>Ein Politiker in Regierungsverantwortung dÃ¼rfte sich aber nicht mit Bedenken begnÃ¼gen, die sich in erster Linie auf die eigenen Risiken beziehen. Nur von einem Ende her zu denken reicht nicht. Es gibt mehrere mÃ¶gliche â€žEnden&quot;. Als Spitzendiplomat eines Landes mit Gewicht in UN, NATO und EU muss er sich den akuten SchlÃ¼sselfragen stellen:</p>
<ul>
<li>Was ist hier und jetzt notwendig zum Schutz vor drohenden schwersten Menschenrechtsverbrechen?</li>
<li>Was kann und muss die Bundesregierung tun, um die politischen und militÃ¤rischen MaÃŸnahmen zum Schutz so wirksam wie mÃ¶glich zu machen und die - unvermeidlichen - Risiken unter Kontrolle zu halten? Wie das Notwendige auch verantwortbar machen?</li>
</ul>
<p>Hier konstatierte der Vorsitzende des AuswÃ¤rtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz (CDU), zu Recht eine â€žoperative LÃ¼cke&quot;.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Fazit:</span></p>
<p>Die BeschlÃ¼sse des UN-Sicherheitsrats zu Libyen waren notwendig und legitim. Die Wirksamkeit der beschlossenen MaÃŸnahmen war ungewiss, die Risiken der internationalen Intervention erheblich. Eine deutsche Zustimmung wÃ¤re dennoch sicherheits- und bÃ¼ndnispolitisch geboten gewesen.</p>
<p>Die Bundesregierung schwÃ¤chte mit ihrer Enthaltung im Sicherheitsrat und ihrer kategorischen Vorfestlegung die politische Front gegen Gaddafi. Sie reduzierte damit zugleich ihre diplomatischen EinflussmÃ¶glichkeiten.</p>
<p>BezÃ¼glich einer deutschen militÃ¤rischen Beteiligung versetze ich mich in die noch vertraute Rolle der mitentscheidenden Parlamentarier: Angesichts des Durcheinanders unter VerbÃ¼ndeten und des dichten Informationsnebels hÃ¤tte ich eine Entsendung der Tornado-Kampfflugzeuge nicht verantworten kÃ¶nnen. DarÃ¼ber hinaus wÃ¤re ein GrÃ¼nes Votum fÃ¼r die Tornados angesichts des breiten Nichtbeteiligungskonsenses unter den Parteien auch innenpolitisch nicht durchhaltbar gewesen.</p>
<p>MÃ¶glich und nÃ¶tig wÃ¤re hingegen die UnterstÃ¼tzung des Waffenembargos auf See.</p>
<p>Die Argumentation des AuÃŸenministers simulierte Erfahrungslernen und behauptete AbwÃ¤gung, ohne sie transparent zu machen. Seine Argumentation lÃ¶ste die Dilemmata internationaler KrisenbewÃ¤ltigung einseitig auf. Sie lief im Klartext auf den Widerruf des Kosovo- und Afghanistaneinsatzes und eine generelle Absage an die responsibility to protect hinaus. Die Zustimmung der Linken war der Lohn - und der Widerspruch der meisten AuÃŸen-, Friedens- und Sicherheitspolitiker, die sich der kollektiven Sicherheit im UN-System verpflichtet fÃ¼hlen.</p>
<p>GegenÃ¼ber den VerbÃ¼ndeten erweist sich die Bundesrepublik inzwischen als wiederholt unzuverlÃ¤sslich. Wer so bÃ¼ndnis-rÃ¼cksichtslos mit dem AWACS-Verband als dem einzigen multinationalen Verband der NATO umgeht, wer sich im Sicherheitsrat von allen VerbÃ¼ndeten absetzt, wer sich sogar aus dem Waffenembargo auf See zurÃ¼ckzieht, der kann sich fÃ¼r absehbare Zukunft alle Integrationsfortschritte in NATO und ESVP abschminken.</p>
<p>Mit dem von der Kanzlerin mitgetragenen Westerwelle-Kurs ergeben sich erhebliche Implikationen fÃ¼r die neue Bundeswehrreform. Warum noch â€žvom Einsatz her denken&quot;?</p>
<p>Eine erhebliche Gefahr ist, jetzt in einen Tunnelblick auf die kriegerische Auseinandersetzung in Libyen zu geraten - und darÃ¼ber aus den Augen zu verlieren</p>
<ul>
<li>die politischen Anstrengungen zur KonfliktlÃ¶sung,</li>
<li>die friedlichen Freiheitsbewegungen und Transformationsprozesse in anderen arabischen LÃ¤ndern,</li>
<li>die akute Gewalteskalation in der ElfenbeinkÃ¼ste. Die UN melden inzwischen ca. 1 Million FlÃ¼chtlinge. Die International Crisis Group drÃ¤ngte in einem Offenen Brief an den UN-Sicherheitsrat am 25. MÃ¤rz auf schnelles Handeln, um KÃ¤mpfe zu stoppen und ethnischen SÃ¤uberungen und Massenverbrechen vorzubeugen. Andreas Zumach, taz-Korrespondent in Genf, warnte vor wenigen Tagen vor einer mÃ¶glichen Eskalation von der Dimension Ruanda in den nÃ¤chsten Wochen. Wie glaubwÃ¼rdig und handlungsfÃ¤hig ist das Sicherheitsratsmitglied Deutschland in diesem Fall?</li>
</ul>
<p><strong>PersÃ¶nliche grÃ¼ne Nachbemerkung</strong></p>
<p>Seit Mitte der 90er Jahre hat keine deutsche Partei so sehr um AuslandseinsÃ¤tze, ihre ZulÃ¤ssigkeit und Verantwortbarkeit gestritten wie die GrÃ¼nen, streckenweise geradezu stellvertretend fÃ¼r die Gesellschaft. Unter hohem Risiko fÃ¼r den Zusammenhalt der Partei und unter erheblichen Mitgliederverlusten wurde um den richtigen Weg in der deutschen Friedens- und Sicherheitspolitik gekÃ¤mpft. Die GrÃ¼nen bewiesen dabei eine erhebliche Konfliktbereitschaft und -fÃ¤higkeit, ihr FÃ¼hrungspersonal eine erhebliche FÃ¼hrungsfÃ¤higkeit. (Parallel engagierten sich die GrÃ¼nen fÃ¼r neue Instrumente und FÃ¤higkeiten der Zivilen Konfliktbearbeitung und FriedensfÃ¶rderung, die ab 1998 unter Rot-GrÃ¼n entstanden. Der Aktionsplan â€žZivile KrisenprÃ¤vention&quot; der Bundesregierung von 2004 ging auf unsere Initiative zurÃ¼ck.)</p>
<p>Im Rahmen der Friedens- und Sicherheitspolitischen Kommissionen der Partei leisteten die GrÃ¼nen 2008 eine selbstkritische Auswertung der verschiedenen AuslandseinsÃ¤tze und entwickelten differenzierte Kriterien zur deutschen Beteiligung an internationaler KrisenbewÃ¤ltigung.</p>
<p>Die GrÃ¼nen kÃ¤mpften und kÃ¤mpfen um einen verantwortbaren Kurs in der Friedens- und Sicherheitspolitik.</p>
<p>AuÃŸenminister Westerwelle begnÃ¼gt sich damit, vor dem innenpolitischen Wind zu segeln. In einem Politikfeld von lauter Klippen ist das der garantierte Schiffbruch.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Vertiefend:</span></p>
<p>- â€žBrennpunkt Libyen&quot; auf <a href="http://www.frieden-sichern.de/">www.frieden-sichern.de</a>, Informationsportal der der Deutschen Gesellschaft fÃ¼r die Vereinten Nationen (DGVN), hier auch Link zum Regionalen Informationszentrum der UN und die Libyen-AktivitÃ¤ten aller wichtigen UN-Gremien und Sonderorganisationen</p>
<p>- â€žFÃ¼r eine neue Politik gegenÃ¼ber den LÃ¤ndern Nordafrikas und des Nahen Ostens&quot;, Antrag der Bundestagsfraktion von BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen, BT-Drs. 17/5192 vom 23.3.2011</p>
<p>- Franziska Brandner, Mitglied des EuropÃ¤ischen Parlaments (GrÃ¼ne): Themen-Dossier Nordafrika, www.franziska-brandner.eu/index.php?id=199</p>
<p>- Hans-Georg Ehrhart (IFSH): Eingreifen in Libyen, aber wie? 17. MÃ¤rz 2011</p>
<p>- Wolfram Lacher: Libyen nach Qaddafi - Staatszerfall oder Staatsbildung?, SWP-Aktuell 12. MÃ¤rz 2011</p>
<p>- Claudia Major/Christian MÃ¶lling (SWP): Nur ja kein MilitÃ¤reinsatz in Libyen, in: Financial Times Deutschland 28. Februar 2011</p>
<p>- Vorsitzender der (Katholischen ) Deutschen Kommission Justitia et Pax, Bischof. Dr. Stephan Ackermann: ErklÃ¤rung zum militÃ¤rischen Vorgehen gegen Libyen, 29. MÃ¤rz 2011</p>
<p>Â </p></div>


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