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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Afghanische Menschenrechtsverteidigerin akut mit dem Tod bedroht - Ihr + ihrer mutigen Arbeit begegnete ich 2008 in Kunduz - &quot;Die Taliban arbeiten Todeslisten ab&quot;: NOTRUF!  </title>
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    <span class="xar-mod-title">Asien + Afghanistan + Pressemitteilung</span>

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        <h1>
            Afghanische Menschenrechtsverteidigerin akut mit dem Tod bedroht - Ihr + ihrer mutigen Arbeit begegnete ich 2008 in Kunduz - &quot;Die Taliban arbeiten Todeslisten ab&quot;: NOTRUF!           </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 3. April 2021 10:18:26 +02:00 (82706 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Seit Monaten ersch&uuml;ttet eine Kampagne gezielter Morde an Medienleuten, Regierungsmitarbeitern, zivilgesellschaftlichen Akteuren Afghanistan, meist ohne Bekennermeldung und dadurch noch bedrohlicher. Jetzt ist eine tapfere Menschenrechtsaktivistin, die 36-j&auml;hrige Marzia Rustami, akut mit dem Tod bedroht. Wir lernten sie mit ihrer Peacebuilding-Arbeit im August 2008 in Kunduz kennen. JETZT IST SCHNELLE NOTHILFE ANGESAGT! Dazu habe ich einem Staatsminister im Ausw&auml;rtigen Amt und mehreren Bundestagsabgeordneten geschrieben. Hier (1) der Notruf, (2) ein SPIEGEL-Interview, (3) Auszug meiner Schreiben nach Berlin, (4) Auszug Reisebericht 2008, (5) Berichte von der Kunduzbesetzung 2015. Ich bitte um politische Unterst&uuml;tzung!!!&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;</p></div>
            <div>    <p>,</p>
<p align="center"><strong>Afghanische Menschenrechtsverteidigerin akut mit dem Tod bedroht &ndash;</strong></p>
<p align="center"><strong>Ihr und ihrer mutigen Arbeit begegneten wir 2008 in Kunduz</strong></p>
<p align="center"><strong>&bdquo;Die Taliban arbeiten Todeslisten ab&ldquo; (SPIEGEL-Interview)</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, 30.03.2021</p>
<p align="center">(Fotos auf <a href="http://www.facebook.com/winfried.nachtwei">www.facebook.com/winfried.nachtwei</a> )</p>
<p><strong>Am 25. M&auml;rz</strong> 2021erreichte mich per <strong>&nbsp;E-Mail der folgende alarmierende Notruf von Mariza Rustami</strong>, die sich seit 2004 in Kunduz f&uuml;r Frauen- und Menschenrechte und Peacebuilding in verschiedenen afghanischen und internationalen Organisationen engagiert &ndash; und das unerm&uuml;dlich trotz der &Uuml;berf&auml;lle und zeitweiligen Besetzung der Stadt durch die Taliban in den letzten Jahren.</p>
<p>Bei einer Abgeordnetenreise nach S&uuml;d- , Zentral- und Nordafghanistan waren wir im August 2008 mit der Menschenrechtsaktivistin in Kunduz zusammengetroffen. Hier&uuml;ber und &uuml;ber die Arbeit des &bdquo;Educational Training Center for poor Woman and Girls in Afghanistan&ldquo; (ECW) berichte ich in meinem Reisebericht &bdquo;<em>Viele Lichtblicke bei immer mehr D&uuml;sternis</em>&ldquo;. (s.u.) Zur Delegation geh&ouml;rten auch Kerstin M&uuml;ller, MdB (Gr&uuml;ne) und ehemalige Staatsministerin im Ausw&auml;rtigen Amt, und Niels Annen, MdB (SPD), heute Staatsminister im Ausw&auml;rtigen Amt, Uns begleitete ZEIT-Reporter Dr. Stefan Willeke, heute Chefreporter und Mitglied der Chefredaktion der ZEIT.</p>
<p>Gegenw&auml;rtig ist Frau Rustami Regionalmanagerin beim Afghan Women Network (AWN) in Northeast Afghanistan.</p>
<p><strong>Am 25. M&auml;rz</strong> beschloss der Deutsche Bundestag die Fortsetzung der deutschen Beteiligung am NATO-gef&uuml;hrten Einsatz &bdquo;Resolute Support&ldquo; In der 30-min&uuml;tigen Debatte gingen mehrere Redner*innen mit besonderer Emphase auf das Schicksal der afghanischen Frauen ein, die Fortschritte gegen&uuml;ber der Talibanzeit und den drohenden roll back.</p>
<p><strong>Am 29. M&auml;rz</strong> erschien auf Spiegel-Online das <strong>Interview &bdquo;Die Taliban arbeiten Todeslisten ab</strong>&ldquo; von Susanne Koelbl mit Mariza Rustami.</p>
<p><strong>Am 31. M&auml;rz</strong> forderte ich in einer <strong>E-Mail an AA-Staatsminister Niels Annen</strong> die Bundesregierung eindringlich zu schneller Nothilfe auf. Weitere Hilferufe richtete ich an Abgeordnete meiner fr&uuml;heren Fraktion und Abgeordnete von CDU und SPD, die am 25. M&auml;rz in der Mandatsdebatte gesprochen hatten.</p>
<p><strong>Am selben 31. M&auml;rz </strong>beschloss das Bundeskabinett ihren Umsetzungsbericht zu den <strong>Leitlinien &bdquo;Krisen verhindern, Konflikte bew&auml;ltigen, Frieden f&ouml;rdern</strong>&ldquo; von 2017. In diesen hei&szlig;t es:</p>
<p><em>&bdquo;Frieden ist auf Dauer nur dort gew&auml;hrleistet, wo die universellen Menschenrechte eingehalten werden. Die Politik der Bundesregierung folgt einer konkreten Verpflichtung: Menschen vor Verletzungen ihrer Rechte und Grundfreiheiten zu sch&uuml;tzen und tragf&auml;hige Voraussetzungen daf&uuml;r zu schaffen, dass Unterdr&uuml;ckung, Willk&uuml;r und Ausbeutung keine Chance haben. Wo immer sich Deutschland f&uuml;r Krisenpr&auml;vention, Konfliktbew&auml;ltigung und Friedensf&ouml;rderung engagiert, kommt dem Schutz der Menschenrechte zentrale Bedeutung zu. Die Unterst&uuml;tzung und der Schutz von Menschenrechtsverteidigerinnen und &ndash;verteidigern ist</em> <em>ein fester Bestandteil dieser Politik</em>.&ldquo; (S. 50, <a href="https://www.auswaertiges-amt.de/blob/283636/d98437ca3ba49c0ec6a461570f56211f/leitlinien-krisenpraevention-konfliktbewaeltigung-friedensfoerderung-dl-data.pdf">https://www.auswaertiges-amt.de/blob/283636/d98437ca3ba49c0ec6a461570f56211f/leitlinien-krisenpraevention-konfliktbewaeltigung-friedensfoerderung-dl-data.pdf</a>&nbsp;&nbsp; )</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">&nbsp;(1) Der Notruf von Marzia Rustami</span></strong></p>
<p>&bdquo;Dear Mr. Winfried Nachtwei,</p>
<p>This is Mariza Rustami Human Right defender from Kunduz, Afghanistan. You may remember you made a report from my work about peacebuilding when I was with ECW on 2008, as success story the link is bellow:</p>
<p><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=81-90&amp;aid=739&amp;theme=print" target="_blank">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=81-90&amp;aid=739&amp;theme=print</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>During these years I did a lot for protecting and defending from human rights, promoting peace and mobilizing women and youths in different sectors, but now I am in a very horrible situations, and I got you address from Ms. Sussane Koelbl and want to share my problem with you and request for your advice and support, I will write there shortly my story and if you are interested to know more I can write in detail for you.</p>
<p>Afghanistan condition is very worse I am in very difficult and dangerous situation, may I lost my life or some of my children and other family members, we are under threat of Taliban and they just kidnapped my brother-in-law on 28th of Feb 2021 and killed him and send his bloody body to us which it effect badly on each of us, and then they took his photo before and after shooting by his own mobile phone and published&nbsp;on his personal facebook account, the screenshot is attached with this e-mail, then two days later they came after me and my husband because I was in Taliban's list of terror and we could left our house (&hellip;) and I could not go back to my house again, and I came to Kabul by supporting (&hellip;) and currently I am living in a shelter, I could not send my children to school and I am not able to leave the shelter because outside is very dangerous to me and my family, I work more then 16 years for defending human rights and promoting peace but when now I am under threat&nbsp; and I refer to security officials they said that I should take a gun and defend from myself and my family, (&hellip;) I am hopeless and I think all the doors are closed on me, I just remember you that my you can give me some advice and support me that I can exit from this difficult situation,</p>
<p>Kabul is not safe for me because Taliban targeted me and my family and they are looking for us ðŸ˜­ (&hellip;).</p>
<p>I need to leave the country very urgently</p>
<p>I need support, My kids just afraid and they scared during night and always asking me that why Taliban kill us, why they kill my uncle ðŸ’” ðŸ˜¢ ðŸ˜”&nbsp; but I don't have any response for them</p>
<p>Today also Taliban came to my relatives and said to them that we kill Marzia and her husband and we will find them.</p>
<p>Most of the Embassies don't have consulate services that is very difficult to get visa for going out of Afghanistan</p>
<p>my mind does not work and I am very much worry about my future</p>
<p>I contacted Amnesty international they said that they can`t support me to go out, just they can provide me a letter , I contacted with UNAMA they also said that they can`t support me to go out and they just can provide me a supporting letter, and I contacted with some national organization that they support human right defenders I faced with same answer, it means no one is hear to support one who worked to promoting human rights and safety for women under threat but now I am alone and all the doors are closed, it seems international community is busy with welcoming Taliban who killed and are killing many people and provide them read carpet and they forget the people like me who work toward achieving the&nbsp; internationals humanity dreams but now all are changed and no one is take care of the people like me!&nbsp;</p>
<p>I don't know is there any possibilities there, any organization that can support us to go out from Afghanistan&nbsp;</p>
<p>Last but not least I am currently working with Afghan Women Network (AWN) as regional&nbsp; Manager in northeast of Afghanistan</p>
<p>I hope you can give me some advices or find out any option for me, I have a lot of hope&nbsp;</p>
<p>Looking forward to hearing back from you&nbsp;</p>
<p>Best</p>
<p>Marzia&ldquo;</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(2) Afghanistan - &bdquo;Die Taliban arbeiten Todeslisen ab. Mein Name steht drauf&ldquo;, SPIEGEL-Interview von Susanne Koelbl</span></strong>, 27.03.2021, 29.03. auf SPIEGEL-ONLINE</p>
<p>&bdquo;Mehr als 16 Jahre lang engagierte sich Marzia Rustami, 36, in der nordafghanischen Stadt Kunduz f&uuml;r Menschenrechte, unter anderem bei der damaligen Gesellschaft f&uuml;r Technische Zusammenarbeit. Nun kehren die Taliban zur&uuml;ck und jagen ihre Gegner. Rustami wird mit dem Tod bedroht und h&auml;lt sich versteckt.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">SPIEGEL</span>: Frau Rustami, die Taliban haben Kunduz mehrfach &uuml;berfallen, trotzdem haben sie ausgehalten. Warum sind Sie nun geflohen?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Rustami</span>: Die Taliban f&uuml;hren Todeslisten, die sie jetzt abarbeiten. Darauf stehen Personen, die nicht mit ihnen kooperieren wollen. Mein Name steht auf einer dieser Listen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">SPIEGEL</span>: Wie ernst nehmen Sie die Drohung?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Rustami</span>: Es geht um Leben und Tod. Am 28. Februar kamen die Taliban zu unserem Haus in Kunduz im Distrikt 3. Mein Schwager arbeitete in der Stadt bei der Drogenbek&auml;mpfungs-beh&ouml;rde, es kam zu einem Handgemenge. Er und mein Mann stehen ebenfalls auf der Liste. Mein Mann konnte entkommen, mein Schwager nicht, er wurde f&uuml;nf Kilometer au&szlig;erhalb der Stadt erschossen. Die Bilder seiner Ermordung luden die Taliban auf seinem eigenen, zu diesem Zeitpunkt noch offenen Facebook-Account hoch. Sie suchten auch nach mir.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">SPIEGEL</span>: Was genau werfen die Taliban Ihnen vor?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Rustami</span>: Sie werfen mir vor, ich h&auml;tte gemeinsame Sache mit den Feinden Afghanistans gemacht und mit den Ausl&auml;nden zusammengearbeitet. Wir haben Frauen ausgebildet, damit sie sich in er Kommunalpolitik und in der Gesellschaft engagieren k&ouml;nnen. Wir halfen Opfern von h&auml;uslicher Gewalt und verstanden uns als Vermittler zwischen religi&ouml;sen F&uuml;hrern und der Gemeinde. Wir gaben denen eine Stimme, die keine Stimme haben. Die Taliban m&ouml;gen es nicht, wenn Frauen ermutigt werden, sich zu bilden und sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">SPIEGEL</span>: 2013 haben die Deutschen das Feldlager Kunduz nach zehn Jahren milit&auml;rischer Pr&auml;senz aufgegeben. Was geschah seither?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Rustami</span>: Unser Wirkungsraum ist mit jedem Jahr kleiner geworden. Urspr&uuml;nglich warenwirin vier Provinzen t&auml;tig, aber irgendwann haben die Taliban um die Stadt herum Checkpoints errichtet. Seit dem zweiten &Uuml;berfall der Taliban auf Kunduz, 2016, konnten wir uns nur noch in der Stadt bewegen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">SPIEGEL</span>: Wie halten die Taliban die B&uuml;rger eute in Schach?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Rustami</span>: Anfang 2020 erhielt ich einen Anruf von einem Repr&auml;sentanten der Taliban. Er bot an, ich k&ouml;nnte mich noch auf ihre Seite schlagen, ich sollte in ihrem Sine reden und sie auch finanziell unterst&uuml;tzen, andernfalls erwarte mich der Tod. Dabei nannte er meine Adresse und meine Arbeitsstelle, er wusste, welches Auto ich nutze, wann ich aus dem Haus gehe und wann ichzur&uuml;ckkehre. Eine Polizistin, die in der N&auml;he wohnte, war bereits ermordet worden. Ich verstand, dass es jetzt ernst war.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">SPIEGEL</span>: Seit wann gibt es Todeslisten?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Rustami</span>: Das erste Opfer war ein Kollege, ein moderater Religionsgelehrter. Es geschah im Jahr 2014. Wir beide arbeiteten damals f&uuml;r &bdquo;Women and Youth for Peace and Development&ldquo;, eine von den USA unterst&uuml;tzte Hilfsorganisation. Die Taliban riefen ihn an und lie&szlig;en ihn wissen, dass er und ich auf ihrer Todesliste stehen. Am n&auml;chsten Tag wurde er mit einer Autobombe get&ouml;tet. Ich arbeitete weiter, bis vor drei Wochen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">SPIEGEL</span>: Wo sind Sie jetzt?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Rustami</span>: Nach dem Mord an meinem Schwager packten wir zwei Koffer und flohen in eine andere Stadt. Mein Mann, unsere vier Kinder und ich sind erst mal in einem Schutzhaus untergekommen, das afghanische Unterst&uuml;tzer bedrohten Menschenrechtsaktivisten zur Verf&uuml;gung stellen. Wir haben unser Lebe gerettet. Wir k&ouml;nnen aber nur ein paar Wochen bleiben. Wir gehen fast nie raus, nachts lassen wir das Licht an, weil die Kinder Angst haben.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">SPIEGEL</span>: Was haben Sie vor?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Rustami</span>: Es gibt hier niemanden, der uns auf Dauer sch&uuml;tzt. Ich frage mich, wo ist die internationale Gemeinschaft jetzt? Ich bin entsetzt dar&uuml;ber, dass denen, die uns verfolgen, bei den Friedensverhandlungen in Doha und Ankara der rote Teppich ausgerollt wird, aber wir sollen sterben. Ich mache mir gr&ouml;&szlig;te Vorw&uuml;rfe. All die Organisationen und Repr&auml;sentanten, mit denen ich gearbeitet habe, sind heute fort und meine Familie wegen meiner Arbeit in t&ouml;dlicher Gefahr. Ich wollte nie weg hier, ich liebe Afghanistan und Kunduz und meine Arbeit, aber jetzt muss ich fort. Ich suche ein Land, das uns aufnimmt.&ldquo;</p>
<p><a href="https://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-die-taliban-arbeiten-ihre-todeslisten-ab-mein-name-steht-darauf-a-fdac2243-a5a6-4f12-883a-884bb96cb81c">https://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-die-taliban-arbeiten-ihre-todeslisten-ab-mein-name-steht-darauf-a-fdac2243-a5a6-4f12-883a-884bb96cb81c</a></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(3) Aktuell zu Marzia Rustami </span></strong></p>
<p>- Auf <strong>Facebook</strong> <a href="https://www.facebook.com/marzia.rustami97/?ref=page_internal">https://www.facebook.com/marzia.rustami97/?ref=page_internal</a> ;</p>
<p><a href="https://www.facebook.com/marzia.rustami97/photos/?ref=page_internal">https://www.facebook.com/marzia.rustami97/photos/?ref=page_internal</a></p>
<p>- <strong>UN Afghanistan</strong>: &bdquo;A women who refused to stay at home&ldquo;, 08.12.2020, <a href="https://afghanistan.un.org/en/102018-woman-who-refused-stay-home">https://afghanistan.un.org/en/102018-woman-who-refused-stay-home</a></p>
<p>- Women`s voices on peace heard in Kunduz&ldquo;, <strong>reliefweb / OCHA</strong>, 14.03.2021, <a href="https://reliefweb.int/report/afghanistan/women-s-voices-peace-heard-kunduz">https://reliefweb.int/report/afghanistan/women-s-voices-peace-heard-kunduz</a></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(4) Aus meinen Schreiben an Mitglieder der Bundesregieung und des Bundestages</span></strong></p>
<p>AUSZUG:</p>
<p>&bdquo;Vor wenigen Tagen erhielt ich per E-Mail den Notruf der Menschenrechtsaktivistin Marzia Rustami aus Afghanistan. Sie erinnerte mich daran, dass wir ihr bei einem Afghanistanbesuch deutscher Abgeordneter im August 2008 in Kunduz begegnet waren und von ihr &uuml;ber das gesellschaftliche Peacebuilding des &bdquo;Educational Training Center for poor Women und Girls in Afghanistan&ldquo; (ECW) informiert wurden. (vgl. mein damaliger Reisebericht unter <a href="downloads/bericht/sommer2008_reisebericht-afgh_nachtwei" target="_blank">http://nachtwei.de/downloads/bericht/sommer2008_reisebericht-afgh_nachtwei</a> )</p>
<p>Ihr Schreiben ist alarmierend. Sie wird von den Taliban offenbar mit dem Tode bedroht, nachdem schon ihr Schwager im Februar von den Aufst&auml;ndischen ermordet worden war. Sie dokumentierten das demonstrativ in den sozialen Medien. (&hellip;)</p>
<p>Die Unterst&uuml;tzung der jungen afghanischen Zivilgesellschaft und ihrer demokratischen Kr&auml;fte war seit 2002 immer ein zentrales Anliegen deutscher Afghanistanpolitik. In der deutschen &Ouml;ffentlichkeit wurde dies leider viel zu wenig wahrgenommen.</p>
<p>Beim Eintreten f&uuml;r die Menschenrechte ist die Unterst&uuml;tzung von Menschenrechtsverteidigern ein Kernelement. Die Bedrohungslage von Marzia Rustami ist ein Ernstfall, wo dringend und schnell Nothilfe geleistet werden <strong>muss</strong>.</p>
<p>Mir ist bewusst, dass Politiker*innen nicht st&auml;ndig in Einzelf&auml;llen aktiv werden k&ouml;nnen. In diesem Fall muss aber die Bundesregierung ihre M&ouml;glichkeiten nutzen, die mit dem Tod bedrohte Menschenrechtsaktivistin mit ihrer Familie aus Afghanistan in Sicherheit zu bringen.</p>
<p>Ich habe deshalb Staatsminister Niels Annen, der als MdB-Kollege an unserer Afghanistanreise im August 2008 teilgenommen hatte, am 31. M&auml;rz eindringlich um Nothilfe gebeten, ebenfalls den Referatsleiter AP05 im AA. Von beiden kamen heute erste gute R&uuml;ckmeldungen.</p>
<p>Ich bitte Sie und Ihre Fraktionskolleg*innen, die Hilfsbereitschaft in der Bundesregierung angesichts dieser mit dem Tode bedrohten Menschenrechtsaktivistin zu st&auml;rken. Menschen wie Marzia Rustami sind erste Parter*innen einer menschenrechtsbasierten deutschen Au&szlig;en- und Friedenspolitik. Hundertfach haben wir deutsche Bundestagsabgeordnete ihnen versprochen, wir w&uuml;rden sie nicht im Stich lassen. Ich erinnere mich an meine eigenen Worte bei einer ISAF-Mandatsdebatte, als erstmalig auf der Zuschauertrib&uuml;ne afghanische Parlamentarierinnen sa&szlig;en. Die Gespr&auml;che anschlie&szlig;end waren unglaublich ermutigend. (&hellip;)</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(5) Aus meinem Reisebericht: &bdquo;Viele Lichtblicke bei immer mehr D&uuml;sternis &ndash; Besuch in West-, S&uuml;d-, Zentral-, Nord-Afghanistan&ldquo;, September 2008,</span></strong> S. 32, <a href="downloads/bericht/sommer2008_reisebericht-afgh_nachtwei">http://nachtwei.de/downloads/bericht/sommer2008_reisebericht-afgh_nachtwei</a></p>
<p>(&hellip;)<strong> Gesellschaftliches Peace Building</strong></p>
<p><strong>Marzia Rustami</strong> vom &ldquo;Educational Training Center for poor Women + Girls of AFG&rdquo; (ECW) in Kunduz und die DED-Friedensfachkraft Corinna Vigier, die seit &uuml;ber zwei Jahren das Peacebuilding Department dieser NGO ber&auml;t, berichten gemeinsam &uuml;ber Peace Building im Nordosten AFGs. Auch hier wird als erstes die Vielfalt der relevanten Konflikte betont &ndash; um Ressourcen (vor allem Nutzungsrechte von Wasser + Land), Familienkonflikte (arrangierte Ehen, Erbstreitigkeiten, Konflikte &uuml;ber Geschlechterrollen), Macht, Taliban vs. Regierung/Internationale. Bei Befragungen von afghanischen Vertretern von Zivilgesellschaft und Regierung in Kunduz, die ECW einige Monate zuvor durchgef&uuml;hrt hatte, war interessanterweise der Konflikt &bdquo;Taliban vs. Regierung/Internationale&ldquo; f&uuml;r niemanden priorit&auml;r!</p>
<p>Versch&auml;rft werden die Konflikte durch die R&uuml;ckkehrerproblematik, das explosive Bev&ouml;lkerungswachstum zwischen 3,2-4,5% (!), hohe Arbeitslosigkeit und Analphabetenquote, Korruption und Vetternwirtschaft, bad governance (&hellip;), Agitation der Bev&ouml;lkerung entlang ethnischer + religi&ouml;ser Linien, geringe Islamkenntnis, mangelhafte F&auml;higkeiten zur Konfliktl&ouml;sung, Kriegskultur, hohe Traumatisierung, Kleinwaffenschwemme (ein Mann mit weniger als drei Waffen gelte als &bdquo;entwaffnet&ldquo;) sowie durch &ouml;kologische Faktoren wie D&uuml;rre, unkontrollierte Abholzung und Umweltverschmutzung.</p>
<p>Der ECW Peace Building Ansatz zielt auf die St&auml;rkung von Konfliktl&ouml;sungsf&auml;higkeiten innerhalb der afghanischen Gesellschaft durch Trainings mit Mullahs, Journalisten, Lehrern, Frauen + Jugendlichen, Zusammenarbeit mit bestehenden Strukturen (z.B. Shuren) und durch erfahrene afghanische Kr&auml;fte. Einzelaktivit&auml;ten waren zun&auml;chst Workshops in Kunduz, Baghlan + Takhar, Durchf&uuml;hrung der &bdquo;Peace Caravan&ldquo; zusammen mit der Mediothek (Dialogprojekt mit bekannten Pers&ouml;nlichkeiten, Musikern etc. zwischen Kunduz + Khost), Training in Friedens-Journalismus, Koordination des <span style="text-decoration: underline;">National Peace Days am 21. September</span>.</p>
<p>Inzwischen legt ECW Peacebuilding Department seinen Schwerpunkt verst&auml;rkt auf internsivere + langfristigere Projekte wie z.B. dreiw&ouml;chige Trainings f&uuml;r 450 Shura-Mitglieder in Kunduz + Baghlan. Praktisch &bdquo;nebenbei&ldquo; wurde auch ein&nbsp;&nbsp; Workshop mit UNAMA-Mitarbeitern zu Konfliktanalyse und &ndash;l&ouml;sung durchgef&uuml;hrt. Gerade angelaufen sind die Projekte &bdquo;Shuras for Peace&ldquo; mit Religi&ouml;sen und Frauen Shuren in Takhar + Kunduz (AA-gef&ouml;rdert) und &bdquo;Youth`s Peace Network Kunduz&ldquo; (gef&ouml;rdert von DED/ZFD). Das ECW Peace Building Project mit seinen insgesamt 15 Personen hat inzwischen ein dreib&auml;ndiges, reich illustriertes Peace Building Handbuch herausgegeben. Ein weiteres Projekt ist eine Kampagne (DED/ZFD gef&ouml;rdert) gegen Spielzeugwaffen f&uuml;r Kinder &ndash; mit Abstand das verbreitetste Geschenk f&uuml;r die Feiertage nach Ramadan, die dieses Jahr Ende September/Anfang Oktober stattfinden. (&bdquo;No Guns for Eid&ldquo;)</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(6) Berichte von der Kunduz-Besetzung im Herbst 2015</span></strong></p>
<p><em>(Aus: W.N., &bdquo;Stell Dir vor, es ist Krieg, ISAF geht, es gibt Kriegsopfer mehr denn je &ndash; und kaum jemand hierzulande sieht noch hin. Kommentar zur Resolute Support Debatte im Bundestag vor dem Hintergrund der zeitweiligen Eroberung von Kunduz, 22.12.2015, </em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1383"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1383</em></a><em> )</em></p>
<p>Was in Kunduz und in Afghanistan insgesamt ein Schock war, wurde 2015 von der deutschen Politik und &Ouml;ffentlichkeit kaum wahrgenommen. Dabei war der Raum Kunduz von 2004 bis zum ISAF-Abzug so sehr ein Schwerpunkt deutschen Krisenengagements wie keine andere Konfliktregion in der bundesdeutschen Au&szlig;en-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik.</p>
<p><strong>UN-Untersuchungsbericht zur Taliban-Besetzung von Kunduz am </strong><strong>28. September 2015 </strong>(12.12.2015)</p>
<p><a href="https://unama.unmissions.org/sites/default/files/special_report_on_kunduz_province_12_december_2015.pdf">https://unama.unmissions.org/sites/default/files/special_report_on_kunduz_province_12_december_2015.pdf</a></p>
<p>W&auml;hrend der Taliban-Offensiven in der Provinz Kunduz vom 24. April bis 13. Mai und 20. bis 30. Juni hatten die Aufst&auml;ndischen zunehmend Kontrolle &uuml;ber weite Teile der Provinz gewonnen. Zum Zeitpunkt des Angriffs kontrollierten sie das Verwaltungszentrum des Dasht-e Archi Distrikts, gro&szlig;e Teile der Distrikte Chahar Darah, Qala-e Zal und Imam Shahib, zeitweise auch das Distriktzentrum von Chahar Darah.</p>
<p>Der gut geplante <strong>Angriff der Taliban auf Kunduz City</strong> traf auf wenig Widerstand. Die afghanischen Sicherheitskr&auml;fte wurden Richtung Flughafen getrieben. Sofort befreiten die Taliban &uuml;ber 600 m&auml;nnliche H&auml;ftlinge aus dem Gef&auml;ngnis, einige wurden mit Waffen ausgestattet, um mit gegen die Sicherheitskr&auml;fte (ANDSF) zu k&auml;mpfen. In den Folgetagen gingen ANDSF, unterst&uuml;tzt von US-Soldaten, zum Gegenangriff &uuml;ber. Die heftigen K&auml;mpfe dauerten bis zum 13. Oktober, als die Taliban ihren offiziellen R&uuml;ckzug aus Kunduz bekanntgaben. Am 3. Oktober kam es trotz eindringlicher Vorwarnungen durch &bdquo;&Auml;rzte ohne Grenzen&ldquo; (MSF) zu einem US-Luftangriff auf ihr Krankenhaus, wobei 30 Menschen get&ouml;tet (darunter 13 MSF-Mitarbeiter und zehn Patienten) und 37 verletzt wurden. Das Hospital war mit seiner Trauma-Behandlung einzigartig in der ganzen Nordostregion. (<em>vgl auch Friederike B&ouml;ge &bdquo;Eine folgenreiche Verwechslung&ldquo;, FAZ 26.11.2015 </em><a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/angriff-auf-das-krankenhaus-in-kundus-war-eine-folgenreiche-verwechslung-13934333.html">http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/angriff-auf-das-krankenhaus-in-kundus-war-eine-folgenreiche-verwechslung-13934333.html</a> )</p>
<p><strong>Zivilopfer</strong>: Insgesamt sind lt. UNAMA in den mehr als zwei Wochen der Besetzung von Kunduz und den umliegenden Distrikten 280 Zivilpersonen get&ouml;tet (davon 43 Frauen und 23 Kinder) und 559 verwundet worden. Der gr&ouml;&szlig;te Teil der Menschen kam bei den K&auml;mpfen zu Schaden. Die Gesamtzahl der Zivilopfer entspricht zehn Prozent aller Zivilopfer des ganzen Jahres 2014, dem Jahr mit den meisten Opfern, die seit 2009 von UNAMA dokumentiert wurden.</p>
<p>Taliban verlegten unterschiedslos wirkende Druckplatten-IED`s an Zufahrtsstra&szlig;en nach Kunduz und in zivilen Geb&auml;uden vor ihrem R&uuml;ckzug.</p>
<p><strong>Zusammenbruch der Ordnung</strong>: Die Abwesenheit von staatlichen Organen, der Zusammenbruch von minimaler Recht und Ordnung f&uuml;hrte in diesen zwei Wochen zu einer Schutzlosigkeit in Bezug auf die meisten fundamentalen Menschenrechte. Das Chaos erm&ouml;glichte ein Umfeld, in dem willk&uuml;rliche T&ouml;tungen und andere Formen der Gewalt gegen Zivilisten und zivile Objekte, Kriminalit&auml;t und Zerst&ouml;rung von Eigentum um sich griffen.</p>
<p>Es gab etliche Berichte von gezielten T&ouml;tungen w&auml;hrend des Angriffs und der folgenden Besetzung. Berichtet wurde von Zivilisten, die durch unbekannte Scharfsch&uuml;tzen beim Besorgen von Lebensmitteln und Wasser get&ouml;tet worden waren.</p>
<p>Mehrfach wurden F&auml;lle berichtet, wo Taliban Zivilpersonen t&ouml;teten (z.B. den Ehemann einer nicht anwesenden NGO-Mitarbeiterin), wo es zu Exekutionen im Rahmen einer Paralleljustiz kam. Die Beschuldigung: Arbeit f&uuml;r die Regierung oder die ANSF.</p>
<p><strong>Entf&uuml;hrungen</strong>: Zahlreich berichtet wurde von der Entf&uuml;hrung ziviler M&auml;nner. Zwischen Kunduz und Takhar wurden Fahrzeuge und Lkw`s angehalten, junge M&auml;nner und Jungen ausgew&auml;hlt und entf&uuml;hrt. In den meisten F&auml;llen ist ihr Verbleib bis heute unbekannt.</p>
<p><strong>Razzien, v.a. nach Menschenrechts- und FrauenaktivistInnen</strong>: UNAMA best&auml;tigt, dass in den ersten Tagen der Besatzung Taliban-K&auml;mpfer systematisch Haus f&uuml;r Haus mit vorbereiteten Listen (Namen, Adressen, Organisation) nach zivilgesellschaftlichen und Frauenrechts-Aktivisten, &ouml;ffentlich aktiven Frauen, nach Menschenrechtsverteidigern und Mitarbeitern von NGO`s und anderen internationalen Organisationen, einschlie&szlig;lich UNAMA, Journalisten, Anw&auml;lten, Richtern und Staatsanw&auml;lten durchsuchten. Da viele Taliban sich in Kunduz City nicht auskannten, konnten einige Frauenaktivistinnen entkommen. Als die gezielte Suche von weiblichen Menschenrechtsverteidigern im Land bekannt wurde, flohen andere Aktivistinnen aus Baghlan, Takhar, Badakhshan und Faryab &ndash; vielfach nach Kabul.</p>
<p>Die Organisiertheit und Koordination der Suche nach aktiven Frauen wirft Fragen auf. Etliche Interviewte &auml;u&szlig;erten die Bef&uuml;rchtung, dass Gruppen der bewaffneten Opposition Regierungsinstitutionen infiltriert h&auml;tten, die detaillierte Informationen &uuml;ber die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen haben. Die meisten wollen nicht mehr nach Kunduz zur&uuml;ckkehren.</p>
<p><strong>Eingesperrte und Fl&uuml;chtlinge</strong>: W&auml;hrend der Taliban- Besetzung mussten ca. 150.000 Einwohner trotz heftiger K&auml;mpfe in Teilen der Stadt in ihren Wohnungen ausharren. Eingeschr&auml;nkt war ihr Zugang zu Lebensmitteln, sauberem Wasser und Strom. &Uuml;ber 15.000 Familien flohen in andere Landesteile, die meisten in der Nordregion (8.300 Familien nach Taloqan, 1.200 nach Mazar-e Sharif, 1.550 nach Baghlan, 800 nach Badakhshan). Inzwischen sollen bis zu 8.000 Familien zur&uuml;ckgekehrt sein. W&auml;hrend der K&auml;mpfe wurden alle 497 Schulen geschlossen, mehr als 350.000 Kinder konnten nicht ihre Schulen besuchen. 20 Schulen wurden besch&auml;digt, vier Schulen wurden von Taliban wie ANDSF f&uuml;r milit&auml;rische Zwecke missbraucht.</p>
<p><strong>Pl&uuml;nderungen</strong>: Zu Beginn der Besetzung hatten die Taliban verk&uuml;ndet, Zivilisten, auch Regierungsangestellten w&uuml;rde nichts geschehen. Die Wirklichkeit sah anders aus. Taliban-K&auml;mpfer und/oder Gelegenheits-Kriminelle pl&uuml;nderten das UNAMA Kunduz Office wie auch die B&uuml;ros der Afghanischen Unabh&auml;ngigen Menschenrechtskommission, mehrerer lokaler und internationaler NGO`s, Medien, des Departments f&uuml;r Frauenangelegenheiten und andere Verwaltungsb&uuml;ros. In einigen F&auml;llen stahlen Taliban aus den B&uuml;ros vertrauliche Dokumente, Ausstattung, auch Fahrzeuge von NGO`s, UNAMA und humanit&auml;ren Organisationen.</p>
<p>Von Taliban wie von Mitgliedern der ANDSF wurden K&ouml;rper von Toten gest&uuml;mmelt und gesch&auml;ndet.</p>
<p><strong>Medien-Niederlassungen und Journalisten</strong>: Gepl&uuml;ndert und zerst&ouml;rt wurden die B&uuml;ros mehrerer Medien-Niederlassungen. In einigen F&auml;llen suchten Taliban die Wohnh&auml;user von Journalisten auf, um ihren Aufenthaltsort zu ermitteln. Laut <em>Afghan Journalists Safety Committee</em> flohen w&auml;hrend der K&auml;mpfe mehr als 100 Journalisten aus der Provinz Kunduz. Besorgt waren etliche um das Wohlergehen ihrer Kontakte und Quellen, deren Details in den B&uuml;ros in die H&auml;nde der Taliban gefallen waren.</p>
<p>Am 12. Oktober gab es einen ausdr&uuml;cklichen Versuch, Journalisten zu bedrohen und einzusch&uuml;chtern. Die Milit&auml;r-Kommission der Taliban verurteilte in einem Statement die Berichterstattung der zwei TV-Kan&auml;le Tolo TV und 1TV und erkl&auml;rte deren Niederlassungen zu &bdquo;milit&auml;rischen Zielen&ldquo; und die Mitarbeiter zu &bdquo;Feindpersonal&ldquo;. Die beiden Kan&auml;le hatten vor her von Beschuldigungen berichtet, wonach Taliban in Kunduz geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen und M&auml;dchen ausge&uuml;bt h&auml;tten. Am 16. Oktober rief auf der Taliban Website ein Artikel direkt zu Angriffen auf Medien-Niederlassungen und Journalisten auf, die &bdquo;f&uuml;r den Westen arbeiten und von ihm bezahlt werden&ldquo;. Solche Niederlassungen m&uuml;ssten milit&auml;rische Ziele sein und eliminiert werden.</p>
<p>Auch nach dem Abzug der Taliban dauerten Drohungen gegen Journalisten in Kunduz an.</p>
<p>Rekrutierung und Einsatz von Kindern: UNAMA erhielt glaubw&uuml;rdige Berichte von einer hohen Zahl an Kindersoldaten beim Angriff auf Kunduz. In medizinischen Einrichtungen in Kunduz seien &bdquo;mindestens 200&ldquo; verletzte Kindersoldaten behandelt worden, die meisten von ihnen Jungen zwischen 10 und 17 Jahren. Viele sollen durch Druck auf die Familien dazu gezwungen worden sein, Waffen aufzunehmen.</p>
<p>(<em>vgl. auch &bdquo;The Report on the Investigation of Human Rights and Humanitarian Rights Situation in Kunduz Province Armed Conflict&ldquo;, Afghan Independent Human Rights Commission, </em><a href="http://www.aihrc.org.af/media/files/Kondoz_English.pdf"><em>http://www.aihrc.org.af/media/files/Kondoz_English.pdf</em></a><em> )</em></p>
<p><strong>Reportage &ldquo;Gigantischer Beutezug&rdquo; von Susanne Koelbl im SPIEGEL </strong>52/19.12.2015 &uuml;ber die kurzzeitige Eroberung von Kunduz durch die Taliban, die Hintergr&uuml;nde und die Folgen bis heute (Video: S. Koelbl &uuml;ber ihre AFG-Reise <a href="http://spiegel.de/sp522015kunduz">http://spiegel.de/sp522015kunduz</a> ):</p>
<p>&bdquo;(&hellip;) Ausgerechnet Kunduz. Ausgerechnet die Stadt, die Deutschland zum Zentrum seiner Aufbaubem&uuml;hungen gemacht hatte, fiel in die H&auml;nde der Taliban. Zwar nur f&uuml;r 15 Tage, danach eroberten die Regierungstruppen sie zur&uuml;ck. Aber Kunduz ist jetzt ein anderer Ort. Die Frauen gehen wieder voll verschleiert, auf den Stra&szlig;en stehen Pick-ups mit Maschinengewehren. Hotels nehmen keine Fremden mehr auf, niemand will mit Ausl&auml;ndern gesehen werden. Wenn die Taliban davon erfahren, kann das t&ouml;dlich sein. Die Basare sind zwar wieder ge&ouml;ffnet, der Brotpreis sank auf normales Niveau, doch das Gef&uuml;hl von Sicherheit ist weg. Und fast alle von Deutschland m&uuml;hsam mitaufgebauten Institutionen sind zerst&ouml;rt. (&hellip;) Am 28. September ahnte Hassina Sarwadi, 34, Direktorin des Frauenhauses von Kunduz, nicht, dass sich gleich alles aufl&ouml;sen w&uuml;rde, woran sie geglaubt hatte: Polizei, Gerichte, Provinzregierung, ja der ganze Staat. (&hellip;) Soldaten, Geheimdienstler, Polizisten waren l&auml;ngst geflohen. Sie hatten Kunduz den Extremisten &uuml;berlassen, kampflos.&ldquo;</p>
<p>Wie das passieren konnte?</p>
<p>Laut einer vom Pr&auml;sidenten berufenen Untersuchungskommission herrsche &bdquo;zwischen den Koalitionspartnern, dem Pr&auml;sidenten und dem Regierungsvorsitzenden Abdullah eine &acute;so starke Atmosph&auml;re von Misstrauen und Unklarheit`, dass sich diese auf allen Ebenen des Staates fortsetze: vom Sicherheitsapparat in Kabul bis hinunter zum &ouml;rtlichen Kommandeur in Kunduz. Niemand h&ouml;re mehr auf irgendwen.&ldquo; In Kunduz existierte &bdquo;am Tag des Angriffs &acute;keine Kommandostruktur`, was zu einem kollektiven Versagen aller Sicherheitskr&auml;fte f&uuml;hrte. Jeder rettete nur noch sich selbst.&ldquo;</p>
<p>Koelbl schildert die organisierte Nichtzusammenarbeit in Kunduz zwischen Gouverneur und seinem Stellvertreter, zwischen Polizei- und Armeechef &ndash; und dass Geheimdiensterkenntnisse &uuml;ber die geplante Offensive der Taliban vorlagen. Aber es wurden keine Konsequenzen gezogen.</p>
<p>&bdquo;Als die Taliban in der Stadt waren, besorgte eine eigene Truppe das Niederbrennen der Institutionen. Sie gingen systematisch vor, von West nach Ost. Die Extremisten schonten lediglich, was sie als n&uuml;tzlich betrachteten, das von Deutschen errichtete Krankenhaus etwa. Das Lehrer-Trainingszentrum am Flughafen dagegen z&uuml;ndeten sie an, das B&uuml;ro der Gesellschaft f&uuml;r Internationale Zusammenarbeit (GIZ) pl&uuml;nderten sie.</p>
<p>Sie brannten drei Polizeistationen nieder, das alte und neue Hauptquartier der Armee, das Gerichtsgeb&auml;ude. Schreibtische, Computersysteme, Regale, St&uuml;hle und Ger&auml;te wurden abtransportiert. Es war nicht nur ein milit&auml;rischer Sieg, sondern auch ein gigantischer Beutezug. Ein gro&szlig;er Teil der Ausstattung der Provinzverwaltung und der dortigen Sicherheitskr&auml;fte wechselte auf die Seite des Feindes, darunter Hunderte Polizei-, Armee- und Regierungsautos, 2 Panzer, 37 Humvees, Nachtsichtger&auml;te und etwa 1000 Waffen.</p>
<p>Das Versammlungshaus des Provinzrats, (..) ist jetzt eine Ruine mit verru&szlig;ten Fensterh&ouml;hlen, der Komplex der Gemeindeverwaltung ausger&auml;uchert. Von den Wasserwerken und dem Amt f&uuml;r Dorfentwicklung stehen nur noch die verkohlten Mauern.</p>
<p>Selbst ins Studentinnenwohnheim brachen die Taliban ein. Sie stahlen die Laptops der M&auml;dchen, K&uuml;hlschr&auml;nke, Radioger&auml;te, ihren Goldschmuck, Teppiche. An diesem Tag waren die Studentinnen zum Opferfest bei ihren Familien. (&hellip;)&ldquo;</p>
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