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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: BÃ¼ndnisloyalitÃ¤t, humanitÃ¤res VÃ¶lkerrecht, Tabuzonen - Beispiel Afghanistan. Meine Stellungnahme + Belegtexte zu den EnthÃ¼llungen von SÃ¶nke Neitzel ggb. der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung</title>
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    <span class="xar-mod-title">Asien + Afghanistan + Pressemitteilung</span>

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            BÃ¼ndnisloyalitÃ¤t, humanitÃ¤res VÃ¶lkerrecht, Tabuzonen - Beispiel Afghanistan. Meine Stellungnahme + Belegtexte zu den EnthÃ¼llungen von SÃ¶nke Neitzel ggb. der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung         </h1>
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           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 25. Oktober 2020 16:52:14 +02:00 (74346 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Wegsehen bei Kriegsverbrechen durch den Verb&uuml;ndeten, auf den man sonst so sehr angewiesen ist? Der Milit&auml;rhistoriker S&ouml;nke Neitzel bringt in seinem neuen Werk zu Kontinuit&auml;ten und (Um-)Br&uuml;chen bei deutschen Milit&auml;rs zwischen 1871 und heute einige Enth&uuml;llungen zu v&ouml;lkerrechtswidrigen Einsatzen von US-Kr&auml;ften in Afghanistan. Seit 2006 (!) haben meine Fraktion und ich das immer wieder deutlich kritisiert. Es war ein Reden gegen die Wand, angeschirmt durch entsprechende Koalitionsmehrheiten. Hier meine Stellungnahme und Materialien. &nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>B&uuml;ndnisloyalit&auml;t, humanit&auml;res V&ouml;lkerrecht, Tabuzonen &ndash;</strong></p>
<p align="center"><strong>Beispiel Afghanistan</strong></p>
<p align="center"><strong>Stellungnahme und Belegtexte zu den Enth&uuml;llungen von Prof. S&ouml;nke Neitzel</strong></p>
<p align="center"><strong>gegen&uuml;ber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei (23./25.10.2020)</p>
<p><em>In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 25. Oktober 2020 bespricht Julia Encke, Feuilleton-Leiterin der F.A.S., das neue Werk des Potsdamer Milit&auml;rhistorikers S&ouml;nke Neitzel &bdquo;<strong>Deutsche Krieger &ndash; Vom Kaiserreich zur Berliner Republik &ndash; eine Milit&auml;rgeschichte</strong>&ldquo; ( </em><a href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/themen/bundeswehr-enthuellungen-soenke-neitzels-buch-deutsche-krieger-17018262.html"><em>https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/themen/bundeswehr-enthuellungen-soenke-neitzels-buch-deutsche-krieger-17018262.html</em></a><em> ).Unter dem Titel &bdquo;<strong>Eine Welt f&uuml;r sich</strong>&ldquo; geht die Rezensentin vor allem auf die spektakul&auml;ren Enth&uuml;llungen des Historikers ein: &bdquo;m&ouml;gliche Kriegsverbrechen der Amerikaner und illegale Eins&auml;tze von Bundeswehrsoldaten?&ldquo; Erste Reaktionen erh&auml;lt die F.A.S. auf Anfrage&nbsp; nicht vom Verteidigungsministerium und der Wehrbeauftragten, sondern von Sarah Wagenknecht (Die Linke) und mir als ehemaligem MdB und Mitglied des Verteidigungsausschusses.</em></p>
<p><em>Im Folgenden meine vollst&auml;ndige Stellungnahme (&uuml;bernommene Aussagen <span style="text-decoration: underline;">unterstrichen</span>) und Ausz&uuml;ge aus Berichten, Bundestagsreden und &ndash;antr&auml;gen, in denen meine Fraktion und ich den Umgang des US-Verb&uuml;ndeten mit dem humanit&auml;ren V&ouml;lkerrecht in Afghanistan immer wieder benannt und kritisiert haben.</em></p>
<p><em>(Die Enth&uuml;llungen sollten auf keinen Fall davon ablenken, das sehr wichtige Buch von S&ouml;nke Neitzel insgesamt zu lesen. Eine solche kenntnisreiche L&auml;ngsschnittstudie zu deutschen Milit&auml;rs seit 1871, zu Kontinuit&auml;ten, Br&uuml;chen und Umbr&uuml;chen ist mir bisher nicht begegnet. Angesichts nicht wenig verbreiteter Pauschalbilder verschiedener Couleur brauchen deutsche Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik wie Gesellschaft mehr Klarsicht auf und Einblick in ihre Streitkr&auml;fte. Dazu wird das neue Neitzel-Werk erheblich beitragen k&ouml;nnen. Der Titel &bdquo;Deutsche Krieger&ldquo;, an dem ich mich spontan sto&szlig;e, sollte das nicht behindern, sondern ansto&szlig;en. Nach erstem Einlesen bin ich hoch gespannt auf die weitere Lekt&uuml;re.)</em></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Stellungnahme gegen&uuml;ber der Frankfurter Allgemenen Sonntagszeitung, 23.10.2020</span></strong></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Die Enth&uuml;llungen von S&ouml;nke Neitzel zu US-Kriegsverbrechen in Afghanistan sind ersch&uuml;tternd, aber nicht v&ouml;llig &uuml;berraschend. </span></p>
<p>(Da die regierungsoffiziellen Unterrichtungen zur Sicherheitslage&nbsp; Afghanistan nur ereignisbezogen und damit unzureichend waren, verfasste ich seit 2007 aus allen mir zug&auml;nglichen Quellen Materialien zur Sicherheitslage im ganzen Land. Offiziere sagten mir mehrfach. dass sie sowas in der Bundeswehr nicht bek&auml;men.)</p>
<p>Bei Truppenbesuchen in Afghanistan erfuhren wir von <span style="text-decoration: underline;">Bundeswehrsoldaten, aber auch Zivilexperten immer wieder</span>, dass US-Kr&auml;fte vor allem im Rahmen der Operation Enduring Freedom jahrelang <span style="text-decoration: underline;">wenig bis keine R&uuml;cksicht auf Zivilbev&ouml;lkerung nahmen</span>. Meine Fraktion und ich als ihr sicherheitspolitischer Sprecher kritisierten das immer wieder deutlich in Bundestagsreden und -antr&auml;gen ab 2006, forderten Aufkl&auml;rung und Kurs&auml;nderung. Von Seiten der Bundesregierung gab es nur Wegducken und Schweigen.</p>
<p>Exekutionen von gefangenen Taliban sind eindeutig Kriegsverbrechen. Die politische Haltung des Wegsehens und hinnehmenden Schweigens habe ich selbst miterlebt im M&auml;rz 2009, als nach sehr verl&auml;sslichen deutschen Zeugenaussagen ein US-Kommando in Imam Shahib/Provinz Kunduz f&uuml;nf <span style="text-decoration: underline;">unbescholtene Menschen regelrecht exekutierten</span>.</p>
<p>An die Tabuzone, dass der gr&ouml;&szlig;te Verb&uuml;ndete sein &quot;Recht des St&auml;rkeren&quot; &uuml;ber das humanit&auml;re V&ouml;lkerrecht stelllte, wurde nicht ger&uuml;hrt, durfte nicht ger&uuml;hrt werden. Das erfuhren offenbar die vielen Bundeswehrsoldaten, die sich selbst rechtsreu verhielten, immer wieder.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Die Hauptverantwortung f&uuml;r diese &quot;Duldsamkeit&quot; gegen&uuml;ber Kriegsverbrechen von Verb&uuml;ndeten liegt nicht bei den Letzten in der milit&auml;rischen Hierarchie, sondern bei den Verantwortlichen der politischen F&uuml;hrung, die dieses Wegsehen betrieben.</span></p>
<p>Konsequenzen:</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Selbstverst&auml;ndlich muss Deutschland aktiv die Ermittlungen der Chefankl&auml;gerin des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag hinsichtlich Kriegsverbrechen in Afghanistan unterst&uuml;tzen, auch im Fall der USA.</span></p>
<p>Im kommenden Jahr wird der Afghanistaneinsatz 20 Jahre alt. &Uuml;berf&auml;llig ist eine systematische, ressort&uuml;bergreifende und unabh&auml;ngige Bilanzierung und Evaluierung des Einsatzes. Diese muss auch die bisherigen Tabuzonen von falscher B&uuml;ndnisloyalit&auml;t zum Thema machen.</p>
<p>Eine Anmerkung au&szlig;erhalb des Protokolls: Von KSK-Soldaten wird richtiger Weise verlangt, dass sie bei rechtsextremen &Auml;u&szlig;erungen von Kameraden melden und nicht in falscher Kameraderie verharren.</p>
<p>Wie will man das glaubw&uuml;rdig fordern, wenn man Stillschweigen und Wegsehen bei Kriegsverbrechen eines Verb&uuml;ndeten erwartet?</p>
<p>Zu den &quot;Privateins&auml;tzen&quot; von Bundeswehrsoldaten kann ich nur wenig sagen (MdB seit 1994): Ich wei&szlig; um die gro&szlig;e Gemeinschaftsleistung der Bundeswehrsoldaten im Rahmen der SFOR- und ALTHEA-Eins&auml;tze in Bosnien und KFOR im Kosovo. Umso mehr irritiert mich diese Hinweise auf Privatisierung von milit&auml;rischer Gewalt durch Bundeswehrsoldaten, die von Vorgesetzten sogar erm&ouml;glicht worden sein soll. Heute w&auml;re sowas eine schwere Straftat. Hier besteht dringender Aufkl&auml;rungsbedarf. &nbsp;</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">07.11.2006: Nach f&uuml;nf Jahren Beteiligung an Enduring Freedom:</span></strong><span style="text-decoration: underline;"> <strong>Nicht mehr dringlich und nicht mehr verantwortbar!</strong></span><strong> Stellungnahme von </strong>&nbsp;Winni Nachtwei, &nbsp;</p>
<p>&nbsp;<a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=83&amp;aid=431">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=83&amp;aid=431</a></p>
<p>(&hellip;) - Aussagen von zivilen und milit&auml;rischen Afghanistan-Experten und afghanischen Parlamentarierinnen laufen &uuml;bereinstimmend darauf hinaus, dass OEF/Afghanistan durch die Art und Weise des Auftretens gegen&uuml;ber der Zivilbev&ouml;lkerung (mangelnder Respekt vor Tradition und Werten) und durch die Art und Weise der Operationsf&uuml;hrung (Hinweise auf vernichtende und oft unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ige Luftangriffe mit wenig Interesse, Gefangene zu machen, und mit wenig R&uuml;cksicht auf zivile Opfer) mehr zur Eskalation von Hass und Gewalt beitr&auml;gt als zur Eind&auml;mmung von Terrorismus und seiner N&auml;hrb&ouml;den. Dass sich die einzelnen Attacken der &bdquo;Oppositionellen Kr&auml;fte&quot; in den S&uuml;dprovinzen von einer &bdquo;Patt-Situation&quot; im Vorjahr zu einem regelrechten Aufstand in diesem Jahr entwickelt haben, wird nicht nur, aber in erheblichem Ma&szlig;e auch der kontraproduktiven Operationsf&uuml;hrung von OEF zugeschrieben.</p>
<p>- Eine selbstverst&auml;ndliche Voraussetzung einer deutschen Beteiligung an Ma&szlig;nahmen der direkten Terrorismus-Bek&auml;mpfung muss die Einhaltung rechtsstaatlicher und v&ouml;lkerrechtlicher Standards sein. Der Umgang der US-Seite mit unter Terrorverdacht stehenden Gefangenen begr&uuml;ndete schon in den zur&uuml;ckliegenden Jahren erhebliche Kooperationshindernisse zwischen deutschen und US-Streitkr&auml;ften. Wegen des Risikos einer v&ouml;lker- und menschenrechtswidrigen Behandlung von Gefangenen in US-Gewahrsam (&bdquo;Beihilfe zu Guantanamo&quot;) durften Bundeswehrsoldaten nach Mitteilung der Bundesregierung Verhaftete nicht an die US-Streitkr&auml;fte &uuml;bergeben. Dieses Kooperationshindernis wird verst&auml;rkt mit Inkrafttreten des Military Commissions Act im Oktober. Hiermit wird der US-Armee die uneingeschr&auml;nkte willk&uuml;rliche Verhaftung von Terrorverd&auml;chtigen sowie die Anwendung folter&auml;hnlicher Verh&ouml;rmethoden erlaubt. Dem US-Pr&auml;sidenten wird das Recht einger&auml;umt, &bdquo;Inhalt und Anwendung der Genfer Konvention zu interpretieren&quot;. Die SZ titelte am 10. Oktober : &bdquo;Das neue Terror-Recht in den USA verh&ouml;hnt alle demokratischen Errungenschaften des Landes.&quot; Hierzu d&uuml;rfen deutsche Soldaten selbstverst&auml;ndlich weder direkt noch indirekt beitragen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Zusammengefasst:</span></p>
<p>OEF schadet dem prek&auml;ren Stabilisierungsprozess und darin ISAF inzwischen auf der politisch-psychologischen Ebene mehr als dass sie ISAF auf der operativen Ebene nutzt. Die Art und Weise von OEF ist f&uuml;r die Glaubw&uuml;rdigkeit und Legitimation des Engagements der Internationalen Gemeinschaft in Afghanistan inzwischen eine erhebliche Belastung. &Uuml;berdies steht die &bdquo;Exterritorialit&auml;t&quot; von OEF in einem immer deutlicheren Widerspruch zum Anspruch der Afghan Ownership, wie sie von der Londoner Konferenz mit dem Afghanistan Compact Anfang des Jahres betont und bekr&auml;ftigt wurde.&ldquo;</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">08.11.2006: Auszug Entschlie&szlig;ungsantrag &nbsp;</span></strong>der Abgeordneten Winfried Nachtwei, Marieluise Beck (Bremen), Dr. Uschi Eid, Kai Gehring, Thilo Hoppe, Ute Koczy, Kerstin M&uuml;ller (K&ouml;ln), Claudia Roth (Augsburg), Rainder Steenblock, J&uuml;rgen Trittin, Renate K&uuml;nast, Fritz Kuhn und der Fraktion B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN zum Antrag der Bundesregierung auf Fortsetzung des Einsatzes bewaffneter deutscher Streitkr&auml;fte bei der Unterst&uuml;tzung der gemeinsamen Reaktion auf terroristische Angriffe gegen die USA auf der Grundlage des Artikels 51 der Satzung der Vereinten Nationen und des Artikels 5 des Nordatlantikvertrags sowie der Resolutionen 1368 (2001) und 1373 (2001) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen. BT-Drs. 16/3150 v. 25.10.2006, BT-Drs. 16/7161 vom 14.11.2007, <a href="http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/16/071/1607161.pdf">http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/16/071/1607161.pdf</a> <strong><span style="text-decoration: underline;">&nbsp;</span></strong>(&hellip;)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">&bdquo;2. Milit&auml;rische Mittel im Kampf gegen den Internationalen Terrorismus weiterhin notwendig </span></p>
<p>Die Bedrohung der internationalen Sicherheit durch Netzwerke und Akteure des internationalen Terrorismus ist noch nicht gebannt. Terroristische und radikalislamistische bewaffnete Gruppen und ihre Unterst&uuml;tzer wie Taliban, Al Qaida und Heckmatyar werden auch weiterhin mit milit&auml;rischen Mitteln bek&auml;mpft werden m&uuml;ssen. Der Irak-Krieg gab dem internationalen Terrorismus erheblichen Auftrieb. Er hat dazu beigetragen, dass improvisierte Sprengfallen und Selbstmordattentate in Afghanistan &ndash; auch im vermeintlich ruhigeren Norden &ndash; zunehmen. Vor allem in den S&uuml;dost- Provinzen, dem Haupteinsatzgebiet der Operation Enduring Freedom (OEF), ist es von Pakistan her zu einer Reorganisation und St&auml;rkung bewaffneter Kr&auml;fte gekommen. Das Ziel, die Bev&ouml;lkerung gegen das milit&auml;rische und zivile Engagement der internationalen Gemeinschaft in Afghanistan aufzubringen und einen Abzug zu erzwingen, gef&auml;hrdet den fragilen Aufbauprozess in Afghanistan. Schl&uuml;ssel f&uuml;r eine erfolgreiche Terrorbek&auml;mpfung ist die strategische Zusammenarbeit mit Pakistan. Ziel muss es sein, den Nachschub f&uuml;r die Terrorgruppierungen aus Pakistan einzud&auml;mmen. Die pakistanische Regierung muss mit politischen Konzepten international dabei unterst&uuml;tzt werden, das staatliche Gewaltmonopol auch in der Grenzregion durchzusetzen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">3. V&ouml;lkerrecht und Military Commissions Act</span></p>
<p>Der zielgerichtete Einsatz milit&auml;rischer Mittel ist sowohl zur Eind&auml;mmung terroristischer Gefahren (Stabilisierungs- und &Uuml;berwachungseins&auml;tze) wie auch zur direkten Bek&auml;mpfung terroristischer Gruppen und Infrastruktur weiterhin notwendig. Er darf aber nur eine unterst&uuml;tzende und nie eine prim&auml;re Rolle spielen. Terrorbek&auml;mpfung muss sich dabei strikt an die Normen der Menschenrechte und des V&ouml;lkerrechts halten. Die Missachtung des V&ouml;lkerrechts zerst&ouml;rt die Glaubw&uuml;rdigkeit und Legitimation von Terrorbek&auml;mpfung und beeintr&auml;chtigt ihre politische Wirksamkeit. Mit dem Inkrafttreten des Military Commissions Act im Oktober 2006 wird der US-Armee die uneingeschr&auml;nkte willk&uuml;rliche Verhaftung von Terrorverd&auml;chtigen sowie die Anwendung folter&auml;hnlicher Verh&ouml;rmethoden erlaubt. Dem US-Pr&auml;sidenten wird das Recht einger&auml;umt, &bdquo;Inhalt und Anwendung der Genfer Konvention&ldquo; zu interpretieren. Unter diesen Bedingungen ist ein erneuter Einsatz deutscher KSK-Soldaten zur Unterst&uuml;tzung von OEF-Kr&auml;ften nicht vorstellbar.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">4. Operationsf&uuml;hrung OEF </span></p>
<p>Die OEF-Mission ist in der gegenw&auml;rtigen Form immer weniger zielf&uuml;hrend und verantwortbar. Die M&ouml;glichkeiten Deutschlands, diese Art der Terrorismusbek&auml;mpfung zu beeinflussen sind begrenzt. Die Bek&auml;mpfung des internationalen Terrorismus ist nur dann aussichtsreich, wenn die direkte Verfolgung mutma&szlig;licher T&auml;ter und Unterst&uuml;tzer, Gefahrenabwehr und Ma&szlig;nahmen zur Austrocknung des N&auml;hrbodens f&uuml;r internationalen Terrorismus Hand in Hand gehen und nicht einander zuwiderlaufen. Notwendig ist ein Gesamtansatz von milit&auml;rischen und politischen, polizeilichen, nachrichtendienstlichen, entwicklungs- wie kulturpolitischen und anderen Mitteln.</p>
<p>Aussagen von zivilen und milit&auml;rischen Afghanistan-Experten und afghanischen Parlamentarierinnen ergeben &uuml;bereinstimmend die Bewertung, dass OEF/Afghanistan durch die Art und Weise des Auftretens gegen&uuml;ber der Zivilbev&ouml;lkerung und durch die Art und Weise einer Operationsf&uuml;hrung, die immer wieder unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig agiert und wenig R&uuml;cksicht auf zivile Opfer nimmt, mehr zur Eskalation von Hass und Gewalt beitr&auml;gt als zur Eind&auml;mmung von Terrorismus und seines N&auml;hrbodens. Dass sich die einzelnen Attacken der &bdquo;Oppositionellen Kr&auml;fte&ldquo; in den S&uuml;dprovinzen von einer &bdquo;Patt-Situation&ldquo; im Vorjahr zu einem regelrechten Aufstand in diesem Jahr entwickelt haben, wird in erheblichem Ma&szlig;e auch der Operationsf&uuml;hrung von OEF zugeschrieben. (&hellip;)&ldquo;</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Stellungnahme Operation Enduring Freedom nach 6 Jahren:</span></strong><strong> Selbstverteidigung ohne Grenzen &ndash; mehr Begleitsch&auml;den als Nutzen</strong>, von Winfried Nachtwei MdB, 14.11.2007 (ausf&uuml;hrlich zu OEF Afghanistan), Auszug zu</p>
<p><strong>&bdquo;Streitpunkt Anti-Terror-Operationen</strong></p>
<p>OEF war notwendig und erfolgreich, um Al Qaida/Taliban in Afghanistan keine ungest&ouml;rte Operationsbasis mehr zu bieten, ihre Ausbildungsstruktur zu zerst&ouml;ren und ihre R&uuml;ckkehr nach Afghanistan in Schranken zu halten. W&auml;hrend und nach dem Irak-Krieg wurden die Anti-Terror-Operationen in Afghanistan erheblich runter gefahren, war die Masse der US-Special-Forces in den Irak verlegt.</p>
<p>Heute f&uuml;hren US-OEF-Kr&auml;fte Kampfeins&auml;tze auf zwei Ebenen durch: erstens im Rahmen der &bdquo;Foreign Internal Defence&ldquo; (Counterinsurgency) als Embedded Training Teams und als eigenst&auml;ndige Einheiten Eins&auml;tze gegen Taliban und Aufst&auml;ndische zusammen mit Afghanischen Sicherheitskr&auml;ften; zweitens als besonders geheime &bdquo;Anti-Terror-Eins&auml;tze&ldquo; gegen besondere herausragende Zielpersonen. Die Gesamtst&auml;rke der US-Special Forces f&uuml;r diese Aufgaben betr&auml;gt &ndash; ohne die Embedded Training Teams - knapp 2.000 Mann.</p>
<p>(&hellip;) Seit der Gewaltexplosion in 2006 gerade in den alten OEF-Operationsgebieten des S&uuml;dens und Ostens und der ISAF-Ausweitung auf ganz Afghanistan stellt sich versch&auml;rft die Frage nach der Wirksamkeit von OEF bei der Eind&auml;mmung von Terrorismus, Gewalt und Militanz.</p>
<p>Hierzu verweigert die Bundesregierung trotz wiederholter Nachfragen unsererseits seit Jahren jede konkrete Auskunft. Beim Besuch der Obleute des Verteidigungsausschusses in Washington Ende Oktober erhielt ich im Pentagon auf meine Frage nach der OEF-Wirksamkeit von einem Unterstaatssekret&auml;r nicht mehr als die Antwort, das sei eine exzellente Frage, die man sich auch des &Ouml;fteren stelle.</p>
<p>Alles, was ich sonst &uuml;ber die Realit&auml;t der Anti-Terror-Operation Enduring Freedom in Afghanistan seit 2006 h&ouml;re und erfahre (insbesondere von deutschen Offizieren wie von landeserfahrenen Zivilexperten), war so beunruhigend wie eindeutig.</p>
<p><strong>Hinweise auf Operationsweisen von OEF</strong></p>
<p>Hochrangige Insider in Berlin beschrieben die Operationsweise von OEF mit Worten, dass es nicht vorrangig um Gefangennahmen gehe, sondern um &bdquo;Zerschlagung&ldquo; der Taliban; dass diese nach entsprechender Aufkl&auml;rung von der Luftwaffe &bdquo;gnadenlos niedergemacht&ldquo; w&uuml;rden.</p>
<p>Meldungen von der OEF-website <a href="http://www.cjtf">www.cjtf</a>82.com &uuml;ber &bdquo;foreign-internal-defence&ldquo;-Operationen, die gemeinsam von Afghan National Security Forces und Koalitionstruppen, sprich Special Forces von OEF, durchgef&uuml;hrt werden:</p>
<p>z.B. 10. Oktober 2007 Uruzgan: F&uuml;r 60 Koalitionssoldaten flogen 13 US-Kampfflugzeuge mehr als 19 Stunden Luftnahunterst&uuml;tzung,</p>
<p>z.B. 19./20. Oktober im Distrikt Musa Qalah/Helmand &sbquo;T&ouml;tung von drei Dutzend Militanten&rsquo; durch Afghanische Sicherheitskr&auml;fte und Koalitionstruppen,</p>
<p>z.B. 27. Oktober im Distrikt Musa Qalah &sbquo;T&ouml;tung von sieben Dutzend Militanten&rsquo;; am selben Tag erstmaliger Einsatz der Kampfdrohne MQ-9 Reaper mit Hellfire-Raketen in Afghanistan.&nbsp; (vgl. Anhang)</p>
<p>13./15./16./21./22./23./26./27./28. Oktober, 1./2./3./4./6./7./8. November jeweils Luft-nahunterst&uuml;tzungseins&auml;tze im Raum Gereshk, Sangin, Musa Qalah, Kajaki-Damm (Hauptkonfliktzone im n&ouml;rdlichen Helmand seit Sommer 2006 und Hauptmohnanbaugebiet. (&hellip;) Von der Operation &bdquo;Maiwand&ldquo; mit 1.800 ANA- und 1.200 US-Soldaten der 82. Airborne Division in der Provinz Ghazni berichtet die Reportage &bdquo;Operation Folter&ldquo; in Focus 26/2007: von Scheinexekutionen, mit denen Verd&auml;chtige zu Aussagen gezwungen werden sollten, von ANA-Soldaten aus dem Norden im Paschtunengebiet, von einer nach drei Kriegseins&auml;tzen zum gro&szlig;en Teil ausgebrannten US-Truppe.</p>
<p>Auf YouTube (Suchworte &bdquo;Afghanistan&ldquo;, &bdquo;OEF 6&ldquo;) sind zahlreiche private, offizi&ouml;se&nbsp; und offizielle Videos zu OEF und den K&auml;mpfen in Sangin, Musa Qalah, Kajaki etc. zu sehen. In &bdquo;Afghan War &ndash; Operation Herrick 4&ldquo;, &bdquo;Kajaki Vikings &ndash; Mountain Warriors&rdquo;, &bdquo;101st Operation Enduring Freedom&ldquo;, &bdquo;Fighting Taliban Stronghold&ldquo;, &ldquo;Three 1000lb Bombs dropped on Taliban Hiding in a Village&rdquo;, &ldquo;B-1-Bombers Attack Taliban Forces&rdquo;, &bdquo;Apache gunship killing Taliban&ldquo; etc. entsteht ein Eindruck von der Intensit&auml;t der K&auml;mpfe am Boden und mit Punkttreffern bis Fl&auml;chenbombardements aus der Luft, eine zielgenaue und verheerende waffentechnische &Uuml;berlegenheit, eine krasse Asymmetrie der St&auml;rke. Filme wie &bdquo;Killing Taliban&ldquo;, &bdquo;Mr. Taliban&ldquo;, &bdquo;Taliban Bodies&ldquo; richten sich direkt und aggressiv an den Taliban-Feind, entw&uuml;rdigen ihn, spotten &uuml;ber seine unf&auml;higen Waffen, drohen ihm mit &uuml;berlegendster Gewalt und rufen ihn zur Kapitulation auf. Die&nbsp; Streifen mit ihrem Geballere sind mit Rockmusik unterlegt.</p>
<p>Die Filme sind ein von Arroganz, ja Hybris der &Uuml;berlegenheit strotzender Angriff auf die Ehre einer traditionalistischen Stammes- und Kriegergesellschaft. Damit lassen sich die K&ouml;pfe und Herzen, die gewonnen werden sollen, in Brand setzten. (&hellip;)&ldquo;</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">06.11.2008: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage</span></strong>der Abgeordneten Winfried Nachtwei, J&uuml;rgen Trittin, Kerstin M&uuml;ller, Ute Koczy, Volker Beck und der Fraktion der Fraktion B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Zur Menschenrechtslage und zu den zivilen Opfern in Afghanistan</span></strong><span style="text-decoration: underline;">,</span> http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/108/1610804.pdf ; <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;ptid=1&amp;catid=39-90-109-120&amp;aid=757">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;ptid=1&amp;catid=39-90-109-120&amp;aid=757</a></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">21./22.03.2009: US-Spezialoperation in Imam Shahib</span></strong></p>
<p><strong>24.3.2009 <span style="text-decoration: underline;">Pressemitteilung &bdquo;OEF-Quersch&uuml;sse</span> gegen Zivilbev&ouml;lkerung und Bundeswehr in Kunduz&quot;</strong> von J&uuml;rgen Trittin, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, und Winfried Nachtwei, sicherheitspolitischer Sprecher, zur Enduring-Freedom-Spezialoperation in der Provinz Kunduz am 21./22.3.2009 ( <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;ptid=1&amp;catid=2-12&amp;aid=830">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;ptid=1&amp;catid=2-12&amp;aid=830</a> , 58.077 Aufrufe bis 23.10.2020)</p>
<p>&bdquo;(...) In der Nacht vom 21. auf den 22. M&auml;rz fand in Imam Sahib n&ouml;rdlich von Kunduz eine Spezialoperation von Kr&auml;ften der Operation Enduring Freedom statt. Bei der Operation gegen angebliche &quot;Hochwertziele&quot; im G&auml;stehaus des B&uuml;rgermeisters wurden f&uuml;nf Personen erschossen, darunter nach unseren Informationen aus der Region ein Koch, ein Fahrer, ein privater Wachmann und ein Verwandter sowie eine m&auml;nnliche behinderte Haushaltshilfe. Vier bis f&uuml;nf Personen seien (...) entf&uuml;hrt worden. Der B&uuml;rgermeister, ein bew&auml;hrter Kooperationspartner der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, befand sich im Nachbarhaus und wurde nicht anger&uuml;hrt. &Uuml;ber 1.000 Menschen demonstrierten in Imam Sahib friedlich gegen die Operation.</p>
<p>ISAF und das Wiederaufbauteam PRT Kunduz h&auml;tten keine M&ouml;glichkeit gehabt, die Operation zu beeinflussen, weil nichts mit dem PRT abgestimmt war. Hinzu komme, dass es bei der Operation keine Schadensbegrenzung und hinterher keine Kompensationsangebote gegeben habe. Die Presseerkl&auml;rung des US-Milit&auml;rs zu der Operation sei voller Unwahrheiten.</p>
<p>Eine solche Spezialoperation schadet politisch massiv der wichtigen Arbeit von Entwicklungshelferinnen und -helfern sowie ISAF und Bundeswehr in Nord-Afghanistan. Es gie&szlig;t &Ouml;l in das Feuer der Aufstandsbewegung. Der schwere Vorfall best&auml;tigt die jahrelange Kritik gerade unter landeskundigen Soldaten und Zivilexperten, dass die eigenst&auml;ndige OEF durch aggressive Operationen und separates Kommando dem gesamten internationalen Engagement und der Zentralregierung viel mehr schadet als nutzt. Seitdem ISAF f&uuml;r ganz Afghanistan zust&auml;ndig ist, ist eine zweite (OEF) und gar eine dritte (CIA black operations) Paralleloperation durch nichts zu rechtfertigen und kontraproduktiv.</p>
<p>In der Phoenix-Runde &quot;Unter den Linden&quot; am 23. M&auml;rz forderte J&uuml;rgen Trittin Verteidigungsminister Jung zweimal zu einer Stellungnahme zu dem Vorfall auf. Der Minister leugnete ein Fehlverhalten der US-Kr&auml;fte. Ein Wort gegen die OEF-Quersch&uuml;sse gegen die Arbeit der eigenen Soldaten in Kunduz ist von ihm nicht zu h&ouml;ren. Das ist Feigheit vor dem Freund zulasten unserer Soldatinnen und Soldaten sowie Entwicklungshelferinnen und -helfern.&quot;</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">&bdquo;Tod im G&auml;stehaus &ndash; Gr&uuml;ne kritisieren US-Einsatz gegen afghanische Zivilisten&ldquo;</span></strong> von Peter Blechschmidt, SZ 25.03.2009</p>
<p>&bdquo;Die Gr&uuml;nen haben scharfe Kritik an einem amerikanischen Milit&auml;reinsatz in Nordafghanistan ge&uuml;bt, bei dem vorige Woche f&uuml;nf Zivilisten get&ouml;tet worden waren. Der Einsatz fand im Zust&auml;ndigkeitsbereich des deutschen Aufbauteams (PRT) in Kundus statt, war aber nach Darstellung der Gr&uuml;nen-Politiker J&uuml;rgen Trittin und Winfried Nachtwei nicht mit dem deutschen Kommandeur abgestimmt. Das Verteidigungsministerium in Berlin erkl&auml;rte dazu lediglich, zu operativen Details mache man keine Angaben. (&hellip;) Der Einsatz in der Nacht vom 21. Auf den 22. M&auml;rz richtete sich gegen ein Anwesen in Imam Sahib n&ouml;rdlich von Kundus. (&hellip;) Nach Angabe von Trittin und Nachtwei, die sich auf zuverl&auml;ssige Quellen in der Region berufen, wurden dabei im G&auml;stehaus des B&uuml;rgermeisters von Imam Sahib f&uuml;nf Menschen erschossen: der Koch, ein Fahrer, ein privater Wachmann, ein Verwandter des B&uuml;rgermeisters und eine &bdquo;m&auml;nnliche behinderte Haushaltshilfe&ldquo;. Der B&uuml;rgermeister selbst befand sich im Nachbarhaus und blieb unverletzt. Trittin und Nachtwei bezeichneten ihn als &bdquo;bew&auml;hrten Kooperationspartner der deutschen Entwicklungszusammenarbeit&ldquo;. (&hellip;) Trittin und Nachtwei erkl&auml;rten, Spezialoperationen wie diese schadeten eder Arbeit von Entwicklungshelfern und Bundeswehr massiv. Der Vorfall best&auml;tige die jahrelange Kritik unter landeskundigen Soldaten und Experten, dass die OEF durch ihr aggressives Vorgehen dem internationalen Engagement mehr schade als nutze.&nbsp; Die gr&uuml;nen-Politiker kritisierten auch Verteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU), der ein Fehlverhalten der US-Kr&auml;fte leugne. Ein Wort zu den OEF-Quersch&uuml;ssen gegen die Arbeit der eigenen Soldaten sei von ihm nicht zu h&ouml;ren. Das sei &bdquo;Feigheit vorm Freund&ldquo;.&nbsp; (&hellip;)&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Redeauszug MdB J&uuml;rgen Trittin in der Bundestagsdebatte am 26.03.2009</span></strong><span style="text-decoration: underline;"> zu</span> Regierungserkl&auml;rung der Bundeskanzlerin zum bevorstehenden NATO-Gipfel, zum Antrag der Gr&uuml;nen &bdquo;&Uuml;berpr&uuml;fung und Korrektur der Strategie beim Afghanistanengagement vor dem NATO-Gipfel in Stra&szlig;burg&ldquo;&nbsp; u.a. (nach Bundeskanzlerin Merkel, Au&szlig;enminister Westerwelle u.a.), <a href="https://dip21.bundestag.de/dip21/btp/16/16214.pdf">https://dip21.bundestag.de/dip21/btp/16/16214.pdf</a></p>
<p>&bdquo;(&hellip;) Wenn Sie die vernetzte Sicherheit ernst nehmen, dann muss der Skandal ein Ende haben, dass derzeit mehr Feldj&auml;ger als Bundespolizisten in der Polizeiausbildung besch&auml;ftigt sind. Das ist ein Versagen der Bundesregierung bei der vernetzten Sicherheit.</p>
<p>(Beifall beim B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN)</p>
<p>Wenn Sie die lokalen Kr&auml;fte st&auml;rken wollen, dann stellt sich die Frage, wie sich das mit dem Vorfall am vergangenen Wochenende vereinbaren l&auml;sst, als in Imam Sahib in der Provinz Kunduz das G&auml;stehaus eines mit uns verb&uuml;ndeten B&uuml;rgermeisters &ndash; m&ouml;glicherweise hat ihn auch Herr Jung bei seinem letzten Treffen mit den Stammes&auml;ltesten getroffen &ndash; von einer Geheimdienstoperation der Amerikaner betroffen war. Nach EUPOL-Angaben &ndash; nicht nach NGO-Angaben &ndash; hatte diese Operation zur Folge, dass vier Personen entf&uuml;hrt worden sind. Der Leibw&auml;chter, der Koch, der Fahrer und ein weiterer Angestellter des B&uuml;rgermeisters sind erschossen worden. Das alles hat im Norden Afghanistans statt-gefunden, also dort, wo Deutschland Verantwortung tr&auml;gt. Es ist ohne Zustimmung und Unterrichtung Deutschlands passiert. Wenn Sie von vernetzter Sicherheit reden, dann m&uuml;ssen Sie endlich daf&uuml;r sorgen, dass mit solchen Kommandoaktionen, die den Erfolg der NATO-Operation massiv infrage stellen, in ganz Afghanistan und insbesondere dort, wo die Deutschen Verantwortung haben, endlich Schluss gemacht wird. Das ist die Herausforderung, wenn man &uuml;ber vernetzte Sicher-heit redet. (&hellip;)&ldquo;</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">31.3.2009 Telefonat mit einem landeskundigen Deutschen &uuml;ber die US-Geheimoperation</span></strong><strong> in Imam Shahib in der Nacht vom 21. Auf den 22. M&auml;rz 2009 </strong>(pers&ouml;nliche Aufzeichnungen)</p>
<p>&bdquo;In dieser Form im Norden neu, erstmalig mit T&ouml;tungen. Ganz normale einfache Leute seien exekutiert worden. Ein Deutsch-Afghane machte eine halbe Stunde danach ein Video mit seinem Handy. Jede Leiche habe er gefilmt. Zwei im Bett erschossen, einer unter der Bettdecke; der Wachmann, der eine Kalaschnikow hatte, als letzter, auch der &bdquo;Dorftrottel&quot;. Alle, die was bezeugen konnten, seien erschossen, ermordet, exekutiert worden! Nicht im Kampf! Es seien keine Kalaschnikow-Sch&uuml;sse, nur ged&auml;mpfte Sch&uuml;sse zu h&ouml;ren gewesen. Der B&uuml;rgermeister habe sich mit seiner Familie verschanzt. Das PRT gab dem Deutsch-Afghanen zu verstehen, er solle ja nicht das Video zeigen.</p>
<p>Lt. US-Seite seien zwei Tadschiken und zwei Araber verhaftet und weggeflogen worden. (...) Grotesker Fehler, fass f&uuml;nf Dienstboten liquidiert wurden. Das sei nicht mal ein ziviler &bdquo;Kollateralschaden&quot;. Dass sowas im deutschen Verantwortungsbereich geschehe, straffreies &bdquo;Abknipsen&quot;. Das alles sei nachgewiesen. Er selbst sei am Morgen danach vor Ort gewesen, Christoph Reuter (STERN) auch. Es war Mord! BMVg-Interpretation treffe nicht zu! Keine afghanische Beteiligung vor Ort - au&szlig;er Wagen des Po9lizeichefs, der 200 m entfernt stand. Im PRT deutlich: kein OEF! Im PRT sei man stark sauer, voll br&uuml;skiert. Die afghanische Regierung mache keinen &Auml;rger, weil die Operation bez. Zielpersonen wahrscheinlich erfolgreich und die Opfer kleine Leute.&quot;</p>
<p>(Ver&ouml;ffentlicht am 03.09.2013 in &bdquo;Dokudrama &uuml;ber den Luftschlag von Kunduz vor 4 Jahren - Hintergr&uuml;nde und politische Verantwortung&ldquo;, D &bdquo;Umgang mit der Zivilbev&ouml;lkerung &ndash; Doppelstandards&ldquo; von W. Nachtwei, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1232" target="_blank">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1232</a> )</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">US-Kommandoaktion in Kunduz: Bundesregierung darf nicht l&auml;nger schweigen,</span></strong>ver&ouml;ffentlicht von: <a href="index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 2. April 2009, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;ptid=1&amp;catid=2-40&amp;aid=840">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;ptid=1&amp;catid=2-40&amp;aid=840</a> &nbsp;&nbsp;(55866 Aufrufe bis 25.10.2020) <strong>&nbsp;</strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Auszug aus Sicherheitsvorf&auml;lle in der Region Afghanistan </span></strong><strong><span style="text-decoration: underline;">&nbsp;Nord 2006 bis April 2010</span></strong>&ldquo; von W. Nachtwei,&nbsp;&nbsp;</p>
<p>&nbsp;<a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=968">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=968</a> (80.455 Aufrufe bis 25.10.2020)</p>
<p>&bdquo;(&hellip;) 10.3.2009 &nbsp;Beschuss des Plateaus Kunduz mit drei Raketen, davon eine an der Au&szlig;enmauer des PRT eingeschlagen.</p>
<p>13.3. Raketeneinschlag im PRT Kunduz beim Hubschrauberlandeplatz, keine Explosion und Personensch&auml;den.&nbsp; Am 14.3. Raketeneinschlag 500 m au&szlig;erhalb des PRT Kunduz, keine Personen- und Sachsch&auml;den.&nbsp; Wenige km vom PRT Feyzabad bei einem Unfall eines Wolf MSS ein Soldat get&ouml;tet.&nbsp; (&hellip;)</p>
<p>In der Nacht vom 21. auf 22. M&auml;rz&nbsp; in Imam Sahib n&ouml;rdlich Kunduz vor der tadschikischen Grenze <strong>Geheimoperation von US-Kr&auml;ften</strong> (OEF? CIA?) gegen einen vermuteten hochrangigen Terroristen im G&auml;stehaus des B&uuml;rgermeisters. Dabei wurden f&uuml;nf Personen erschossen (es soll sich um einen Koch, Fahrer, privaten Wachmann + Verwandten und m&auml;nnliche behinderte Haushilfe handeln). Vier Personen wurden gefangen genommen und abtransportiert. Das PRT und ISAF war nur kurzfristig &uuml;ber die Landung von Transportmaschinen informiert. Von der Operation erfuhr man aus der Presse. Am Folgetag demonstrierten mehr als 1.000 Menschen friedlich.&nbsp; (Am 2.4. erscheint im STERN eine Reportage des erfahrenen AFG (Irak) Reporters Christoph Reuter: Er beschreibt eine regelrechte Exekution! Mehrere Anfragen der Gr&uuml;nen an das Ministerium werden mit der Version der US-Presseverlautbarung beantwortet. Lt. Aussagen von verl&auml;sslichen Deutschen in Kunduz sei diese rundum erlogen. Vgl. &bdquo;IWPR Probe Challenges US Account of Kunduz Killings&ldquo;, 16.4., <a href="http://www.iwpr.net">www.iwpr.net</a>) )</p>
<p>24.3. bei &Uuml;berfall auf einen von ANP gesch&uuml;tzten Geldtransporter s&uuml;dlich Kunduz zwei Polizisten und ein Angreifer get&ouml;tet. (&hellip;)</p>
<p>27.3. bei einem Hinterhalt in <span style="text-decoration: underline;">Kunduz</span> zwei AFG Polizisten get&ouml;tet. Zwei US-Soldaten im Camp Shaheen des 209. ANA Korps in Dihdadi/<span style="text-decoration: underline;">Balkh</span> beim Sport durch einen afg. Wachsoldaten erschossen. Dieser nahm sich anschlie&szlig;end selbst das Leben.</p>
<p>28.3. IED-Angriff auf einen gesch&uuml;tzten Versorgungstransport des PRT Kunduz nach Taloqan, kein Personenschaden und kaum Sachschaden.</p>
<p>3.4. Einschlag von 5 Raketen auf dem Plateau Kunduz au&szlig;erhalb des PRT. Keine Personen- und Sachsch&auml;den.</p>
<p>&Uuml;bergang vom 18. auf das 19. Deutsche Einsatzkontingent ISAF. Am 5. April doppelter Wechsel im PRT Kunduz: milit&auml;risches Kommando von Oberst Uwe Benecke auf Oberst Georg Klein, ziviler Leiter von Dr. Peter Ptassek auf Hermann Nicolai.</p>
<p>Am selben Tag nach feierlichem Spatenstich f&uuml;r die &bdquo;Mischa-Meier-Br&uuml;cke&ldquo; (Teilnahme von politisch Verantwortlichen der Provinz, Bev&ouml;lkerung und PRT-Kommandeur) im Distrikt Chahar Darreh/<span style="text-decoration: underline;">Kunduz</span> Beschuss der Foward Operation Base des PRT, Schusswechsel &uuml;ber mehrere Stunden, keine eigenen Personensch&auml;den. Bei der Hinfahrt zur Feier war ein Dingo mit IED angegriffen und erheblich besch&auml;digt worden. Am fr&uuml;hen Nachmittag auch Beschuss von Bundeswehrkr&auml;ften s&uuml;dlich des PRT mit Raketen. Bei allen Vorf&auml;llen keine Personensch&auml;den.</p>
<p>6.4. Kurz nach Besuch von Bundeskanzlerin&nbsp; Angela Merkel in <span style="text-decoration: underline;">Kunduz</span> gingen am 6.4. zwei Raketen au&szlig;erhalb des PRT nieder. Die Taliban-Behauptung, die Raketen seien gegen die Kanzlerin gerichtet gewesen, sind nur begrenzt glaubw&uuml;rdig. Die vielen Medien, die die Raketen in die &Uuml;berschriften ihrer Berichte &uuml;ber den Merkelbesuch setzten, lie&szlig;en sich mal wieder grob fahrl&auml;ssig instrumentalisieren.&nbsp;&nbsp;</p>
<p>7.4. Rakete Richtung Plateau Kunduz nahe Flughafen, keine Sch&auml;den.</p>
<p>9.4. Beschuss einer dt. Patrouille durch mehrere T&auml;ter auf Motorr&auml;dern mit Panzerabwehrwaffen in Chahar Darreh/<span style="text-decoration: underline;">Kunduz</span>, keine Personen- und Sachsch&auml;den.</p>
<p>12.4. 5 Raketen au&szlig;erhalb des PRT <span style="text-decoration: underline;">Kunduz</span> niedergegangen, keine Sch&auml;den. Beschuss einer ANP/ANA-Patrouille in Kunduz/Kunduz, je ein AFG Polizist und Soldat get&ouml;tet.</p>
<p>13.4. IED-Anschlag auf eine Bundeswehrkolonne am Rand von <span style="text-decoration: underline;">Mazar</span>, zwei gesch&uuml;tzte Fahrzeuge besch&auml;digt, kein Personenschaden.</p>
<p>14.4. nordwestlich von <span style="text-decoration: underline;">Kunduz</span> schoss eine dt.-afg. Patrouille auf einen Motorradfahrer, der alle Warnhinweise und Warnsch&uuml;sse missachtet hatte. Der Fahrer wurde verletzt und im PRT behandelt. W&auml;hrend des R&uuml;ckmarsches der Patrouille um die Mittagszeit Beschuss mit Handfeuerwaffen durch mehrere Militante, Feuergefecht, keine eigenen Personen- und Sachsch&auml;den. (&hellip;)</p>
<p>21.4. (&hellip;) Am sp&auml;ten Vormittag ca. 20 km&nbsp; nordwestlich Kunduz dt. OMLT-Soldaten und ANA-Soldaten von Militanten beschossen, keine Personen- und Sachsch&auml;den.</p>
<p>23.4. Beschuss des Plateau Kunduz mit einer Rakete, keine Sch&auml;den.</p>
<p>26.4. n&auml;chtlicher Angriff auf das Distrikthauptquartier in Birka/<span style="text-decoration: underline;">Baghlan</span>, wobei Feuer gelegt und ein Polizist get&ouml;tet wurde.&nbsp;</p>
<p>25.4. IED-Attacke auf dt- Patrouille in Baharak/Badakhshan 40 km &ouml;stlich des PRT Feyzabad, keine Personensch&auml;den, leichte Sachsch&auml;den.</p>
<p>29.4. vormittags 15 km s&uuml;dlich <span style="text-decoration: underline;">Kunduz</span> (PLUTO) Kfz-<strong>Selbstmordattacke</strong> auf dt. Patrouille, 5 Soldaten verwundet. Am selben Tag abends (16.25 Uhr dt. Zeit) Beschuss einer PRT-Patrouille mit Handfeuerwaffen und RPG 10 km nordwestlich <span style="text-decoration: underline;">Kunduz</span>. Nach Durchsto&szlig;en des <strong>Hinterhalts zweiter Hinterhalt</strong> 5 km nordwestlich Kunduz. Beim Feuergefecht der 21-j&auml;hrige <strong>Hauptgefreite Sergej Motz</strong> vom J&auml;gerbataillon 292 aus Donaueschingen get&ouml;tet, 4 Soldaten leicht verletzt. Bei diesem Hinterhalt begegnete Bundeswehr in Nord-AFG erstmalig einem milit&auml;risch operierenden Gegner. (Ein deutscher General: &bdquo;Wie auf der Panzertruppenschule&ldquo;) Es ist das erste Mal in der Geschichte des AFG Einsatzes und der Auslandseins&auml;tze insgesamt, dass ein Bundeswehrsoldat im Feuergefecht f&auml;llt. Alle anderen in AFG durch gegnerische Einwirkung gefallenen Soldaten waren durch Sprengstoffattacken, also nicht im Kampf get&ouml;tet worden. Das widerlegt das von der Linken seit Jahren gepflegte Zerrbild, die Bundeswehr habe sich von Anfang an in AFG in einem Kriegseinsatz befunden.</p>
<p>An diesem Tag befindet sich Au&szlig;enminister Steinmeier in Kabul.</p>
<p>6.5. in Dehna Ghori/<span style="text-decoration: underline;">Baghlan</span> der Distriktgouverneur, sein Sohn und zwei Angestellte bei einem &Uuml;berfall auf ihr Fahrzeug get&ouml;tet.&nbsp;&nbsp;</p>
<p>In der Nacht vom 6. auf 7.5. in Varduj 60 km s&uuml;d&ouml;stlich von <span style="text-decoration: underline;">Feyzabad</span> <strong>Festnahme des Terrordrahtziehers Abdul Razeq</strong> durch AFG Kr&auml;fte mit Unterst&uuml;tzung des KSK. Er soll verantwortlich sein f&uuml;r mehrere Anschl&auml;ge, darunter auf eine deutsche Patrouille am 26.6.2008. &Uuml;berstellung an die Schwerpunktstaatsanwaltschaft des Inlandsgeheimdienstes NDS. Erstmalig l&uuml;ftet jetzt die Bundesregierung die bisherige Totalgeheimhaltung zu KSK-Operationen.&nbsp;</p>
<p>7. bis 8.5. <strong>stundenlanges Feuergefecht</strong> 12 km westlich von <span style="text-decoration: underline;">Kunduz</span> zwischen 29 Soldaten einer dt. Patrouille, 100 ANA-Soldaten, 60 Polizisten und Militanten auf Motorr&auml;dern, die vorher die Patrouille mit Handfeuerwaffen und Panzerf&auml;usten beschossen hatten. (&hellip;) Die Bundeswehrsoldaten hatten daraufhin die Verfolgung der Angreifer aufgenommen. 7 Militante sollen dabei erschossen und 14 verwundet worden sein. Das BMVg gab bekannt, dass mindestens zwei Gegner von Bundeswehrsoldaten get&ouml;tet worden seien. (Mit diesem Gefecht scheint auch ISAF/Bundeswehr ihre Taktik ge&auml;ndert zu haben: Bisher wurde bei Beschuss zur&uuml;ckgeschossen, um den Gegner niederzuhalten und sich selbst herausl&ouml;sen zu k&ouml;nnen, wurde jetzt die Verfolgung aufgenommen.)&nbsp;</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">&bdquo;Fr&uuml;h vertane Chancen&ldquo;</span></strong>(Auszug aus &bdquo;Die Politik und Afghanistan: pers&ouml;nliche Bilanz und Ausblick eines politischen (Mit-)Auftraggebers&ldquo;, in Rainer L. Glatz/Rolf Tophoven, Am Hindukusch &ndash; und weiter? Die Bundeswehr im Auslandseinsatz: Erfahrungen, Bilanzen, Ausblicke, Bonn 2015, S. 317 f.)&nbsp;</p>
<p>&bdquo;Wie konnte es zum Wegrutschen des internationalen Afghanistaneinsatzes kommen, der als Stabilisierungsunterst&uuml;tzung hoffnungsvoll begonnen hatte, ab 2006/2008 aber zu kriegerischer Aufstandsbek&auml;mpfung eskalierte?</p>
<p>Kaum bewusst war in New York, Br&uuml;ssel, Washington, Berlin und anderen Hauptst&auml;dten, dass man sich in Afghanistan auf das gr&ouml;&szlig;te und komplexeste Projekt internationaler Friedenskonsolidierung und Terrorbek&auml;mpfung eingelassen hatte &ndash; in einem Land, das von 23 Jahren Krieg verheert war. Viel zu wenig und zu sp&auml;t wurde erkannt, dass schwere strategische Fehler von vorneherein viele richtig Absichten konterkarierten:</p>
<p>- Die Internationale Gemeinschaft agierte auf der Basis vage gehaltener UN-Mandate ohne gemeinsame Strategie, ja mit kontr&auml;ren strategischen Ans&auml;tzen. Der strategische Dissens zwischen Gegnerfokussierung, Statebuilding-Verachtung, Vorrang des Irak-Krieges auf Seiten der Bush-Administration und eher Bev&ouml;lkerungsorientierung, Statebuilding-Unterst&uuml;tzung auf Seiten der UN, Bundesrepublik und anderer wurde &uuml;ber Jahre auf der politischen Ebene des B&uuml;ndnisses nicht ausgetragen. (&hellip;)</p>
<p>- Die Gruppe der &bdquo;Peacebuilder-Nationen&ldquo; vermied wohl die Gro&szlig;fehler des gr&ouml;&szlig;ten Verb&uuml;ndeten, der bei seinem entgrenzten Antiterrorkrieg millionenfach K&ouml;pfe und Herzen beleidigte und verlor. Die selbst verantworten Fehler waren aber schlimm genug. Es dominierte die naive Einstellung, mit &bdquo;Billig-Peacekeeping&ldquo; Afghanistan von Kabul aus binnen weniger Jahre stabilisieren zu k&ouml;nnen. &Uuml;berh&ouml;hten Erwartungen stand eine extreme Unterausstattung vor allem der Aufbauinvestitionen und &ndash;kapazit&auml;ten gegen&uuml;ber. (&hellip;)&ldquo;</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">14.10.2015: Auszug aus dem Bericht der Unabh&auml;ngigen Kommission zur Untersuchung des Einsatzes des G36-Sturmgewehres in Gefechtssituationen &nbsp;</span></strong>(vgl.<a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1374">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1374</a> )</p>
<p>&bdquo;(&hellip;) <span style="text-decoration: underline;">5. Abschlie&szlig;ende Bemerkungen</span></p>
<p>(&hellip;) Die Auswertung der bundeswehrinternen Berichte zu Schusswechseln und Gefechten und die umfassende Befragung einsatz- und gefechtserfahrener Soldaten aus allen gr&ouml;&szlig;eren Eins&auml;tzen und insbesondere des Afghanistaneinsatzes ergaben durchweg ein eindeutiges Ergebnis:</p>
<p>Deutsche Soldaten sind im Kontext von Pr&auml;zisionsabweichungen des Sturmgewehrs G36 nicht gefallen und nicht k&ouml;rperlich verwundet worden. Es zeigten sich auch keine Anhaltspunkte f&uuml;r Zweifelsf&auml;lle.</p>
<p>Ebenfalls fanden sich keine Hinweise, dass deutsche Soldaten &uuml;ber eine nicht auszuschlie&szlig;ende abstrakte Gef&auml;hrdung hinaus auch konkret einer h&ouml;heren Gef&auml;hrdung aufgrund des Pr&auml;zisionsverhaltens des G36 ausgesetzt waren.</p>
<p>Die Aussagen der befragten Soldaten zu ihren Erfahrungen mit dem G36, zu ihren <strong>Einsatz- und Gefechtserfahrungen</strong> zeugten durchweg von hoher Professionalit&auml;t und Ernsthaftigkeit. Sie traten ausgesprochen verantwortungsbewusst und besonnen auf. Dass zur Erf&uuml;llung des milit&auml;rischen Auftrages immer auch die besondere R&uuml;cksichtnahme auf die Zivilbev&ouml;lkerung geh&ouml;rt, ist f&uuml;r unsere Soldaten offenkundig eine Selbstverst&auml;ndlichkeit.</p>
<p>(&hellip;)</p>
<p>Deutlich widerlegt wurde im Rahmen der Untersuchungen die verzerrende Darstellung von Auslandseins&auml;tzen der Bundeswehr unterschiedslos als Kriegseins&auml;tze. Viele Eins&auml;tze der Bundeswehr blieben &ndash; gl&uuml;cklicherweise &ndash; ohne jeglichen oder doch zumindest ohne einen nennenswerten Einsatz milit&auml;rischer Gewalt.</p>
<p>Die Untersuchungen und vor allem die Gespr&auml;che der Kommission mit gefechtserfahrenen Soldaten f&uuml;hrten hingegen durch die sch&auml;rfsten Seiten des deutschen Einsatzes in Afghanistan &ndash; in die Welt des infanteristischen Kampfes Mann gegen Mann, &bdquo;der oder ich&ldquo;, Tod oder Leben. Die angesichts dieser Einsatzrealit&auml;t erheblich intensivierte Ausbildung und insbesondere das Nahbereichsschie&szlig;en verst&auml;rken die Dimension milit&auml;rischer Gewaltaus&uuml;bung und konfrontieren den Soldaten viel direkter mit den Wirkungen seines Waffeneinsatzes.</p>
<p>Den Kommissionsmitgliedern wurde dabei erneut eindringlich deutlich, wie extrem die Anforderungen an Einsatzsoldaten in Bodenk&auml;mpfen sind.</p>
<p>Unsere pers&ouml;nlichen Begegnungen mit der kriegerischen Einsatzrealit&auml;t der Bundeswehrsoldaten in Afghanistan bekr&auml;ftigt unsere Grundhaltung, dass die politische Leitung und das Parlament h&ouml;chst verantwortlich mit dem Einsatz von Soldaten der Bundeswehr umgehen m&uuml;ssen: bei der Einsatzentscheidung, bei der Einsatzausstattung und -f&uuml;hrung, bei der Wirkungskontrolle und insbesondere auch gegen&uuml;ber den Einsatzr&uuml;ckkehrern und deren Familien. Von diesen tragen etliche oft noch lange an den Einsatzfolgen, w&auml;hrend ihre Auftraggeber l&auml;ngst mit anderen Aufgaben befasst sind.&ldquo;</p></div>


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