www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + Beiträge von Winfried Nachtwei :: 25 Jahre Menschenkette: Friedenspolitik braucht zivilgesellschaftliche Impulse http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&catid=2%2B11%2B82&aid=768 en-us Webmaster hourly 1 http://backend.userland.com/rss
Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Abrüstung und Rüstungskontrolle + Pressemitteilung
Browse in:  Alle(s) » Meine Themen » Sicherheitspolitik und Bundeswehr
Alle(s) » Meine Themen » Abrüstung und Rüstungskontrolle
Alle(s) » Publikationstyp » Pressemitteilung
Any of these categories

25 Jahre Menschenkette: Friedenspolitik braucht zivilgesellschaftliche Impulse

Veröffentlicht von: Webmaster am 22. Oktober 2008 19:29:03 +01:00 (75377 Aufrufe)

Anlässlich des 25-jährigen Jahrestages der größten Friedensdemonstration in Deutschland, erklärt Winfried Nachtwei, sicherheits- und abrüstungspolitischer Sprecher:

Im Herbst 1983 demonstrierten bundesweit 1,3 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürger für nukleare Abrüstung und gegen die Stationierung von Atomraketen in Deutschland und Europa. Der Protest gegen die sogenannte Nachrüstung und den Wahn des nuklearen Aufrüstens war und bleibt richtig. Wir unterstützen weiterhin mit Nachdruck den Abzug der Atomwaffen aus Deutschland und die weltweite nukleare Abrüstung und Nichtverbreitung. Hierfür brauchen wir weiterhin eine unabhängige Friedensbewegung, die sich aktiv für eine Entmilitarisierung der internationalen Politik und die Sicherheit von Menschen einsetzt. Sicherheitspolitik, die Friedenspolitik sein will, ist auf zivilgesellschaftliche Impulse und Unterstützung angewiesen.

Die Friedensbewegung mag gegenwärtig auf der Straße an Sichtbarkeit verloren haben. Aber das Fundament an Gruppen, die aktiv und zum Teil hochprofessionell für Frieden und zivile Krisenbewältigung arbeiten, hat sich, wie man etwa an der Plattform für zivile Konfliktbearbeitung oder der Deutschen Stiftung Friedensforschung sehen kann, verbreitert. Die Friedensbewegung war immer dann am stärksten, wenn sich Einzelne und Friedensgruppen nicht vor den parteipolitischen Karren der SED, DKP, PDS oder jetzt der Linken spannen ließen. Dies gilt auch in der gegenwärtigen Afghanistan-Debatte. Viele Friedensbewegte wissen, dass nicht nur ein "Weiter so!", sondern auch ein sofortiger Truppenabzug die Friedenschancen in Afghanistan zunichte machen würden. Deshalb brauchen wir einen Strategie- und Kurswechsel.

Am 22.10.1983 demonstrierten mehr als eine Million Menschen in der damaligen Bundesrepublik gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen in Europa. Besondere Aufmerksamkeit erlangte dabei die etwa 100 km lange "Menschenkette" zwischen Stuttgart und Ulm, an der etwa 400.000 Menschen beteiligt waren. Genau einen Monat später, am 22.11.1983 stimmte der Bundestag gegen die Stimmen der Grünen der Stationierung von 96 Cruise Missiles und 108 Pershing II-Raketen in Deutschland zu. Erst mit dem Amtsantritt Gorbatschows wurde die Spirale des Wettrüstens beendet.

Die damalige "neue Friedensbewegung" war eine breite und politisch sehr heterogene Massenbewegung und ein wichtiger Teil der neuen sozialen Bewegungen. Millionen von Bürgerinnen und Bürgern haben in diesen Jahren hochkompetent über Fragen von Krieg und Frieden gestritten und damit zu einer Demokratisierung und Zivilisierung der Sicherheitspolitik beigetragen. Den kommunistischen Friedensbewegten ist es trotz erheblicher Unterstützung aus der DDR nicht gelungen, den Protest nur gegen die NATO und das kapitalistische System zu lenken. Die unabhängige Friedensbewegung suchte blockübergreifende Kontakte und wirkte letztendlich daran mit, dass es sechs Jahre später zur friedlichen Revolution und zum Zusammenbruch des hochgerüsteten real existierenden Sozialismus gekommen ist.