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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Nachtwei: Erkundung in Kongo-Kinshasa - Erfahrungen, Schlussfolgerungen</title>
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    <span class="xar-mod-title">DR Kongo</span>

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        <h1>
            Nachtwei: Erkundung in Kongo-Kinshasa - Erfahrungen, Schlussfolgerungen         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 9. Mai 2006 09:26:44 +02:00 (86121 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Zusammen mit Christian StrÃ¶bele besuchte Winfried Nachtwei vom 18. - 23. April 2006 die Demokratische Republik Kongo. Im Anschluss verfasste er folgenden Erfahrungsbericht (StrÃ¶beles Bericht findet sich <a href="http://www.stroebele-online.de/show/132091.html">hier</a>):</p></div>
            <div>    <p>Winfried Nachtwei, MdB<br />Sicherheits- und abrÃ¼stungspolitischer Sprecher<br />BÃ¼ndnis 90 / Die GrÃ¼nen im Bundestag</p><p>April 2006</p><p align="center"><strong>Erkundung in Kongo-Kinshasa - </strong></p><p align="center"><strong>Erfahrungen, Schlussfolgerungen</strong></p><p><em>Vom 18.-23. April 2006 besuchten Christian StrÃ¶bele und ich die Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo Kinshasa. An den ersten beiden Tagen fÃ¼hrten wir alle GesprÃ¤che zusammen mit der FDP-Kollegin Elke Hoff. C. StrÃ¶bele, der vor zwei Jahren schon mal in der Region war, reiste anschlieÃŸend weiter in den Ostkongo. Ziel unserer Reise war, im Vorfeld der Bundestagsentscheidung Ã¼ber eine deutsche Beteiligung an der geplanten EU-Mission den Stand des Wahl- und Friedensprozesses zu eruieren, Informationen und Meinungen zu der EU-Mission einzuholen (Akzeptanz, Sinn, Machbarkeit, Verantwortbarkeit) und die politischen PrioritÃ¤ten nach der Wahl zu diskutieren. FÃ¼r mich, der ich bisher nur in Somalia, Tunesien und Namibia war, kam das unmittelbare Interesse hinzu, die Geographie, die Menschen, den Verkehr, das Klima in Kinshasa unmittelbar zu erleben. Trotz grundsÃ¤tzlich positiver Haltung zur EU-Mission (â€žwir wollen unterstÃ¼tzen kÃ¶nnen&quot;, vgl. mein Papier vom 16. MÃ¤rz) lag mir an einer echten Erkundung vor Ort, eingeschlossen die MÃ¶glichkeit, mit einer ablehnenden Haltung zurÃ¼ckzukehren.    </em></p><p><em>Mit Hilfe der Botschaft und GTZ konnte ein breites Spektrum an GesprÃ¤chspartnern gewonnen werden - von (Ex-)Warlords bis zu starken einheimischen und internationalen Peacebuilders. Konkret waren es AuÃŸen- und Verteidigungsminister, die VizeprÃ¤sidenten Bemba und Ruberwa, der stellv. politische Chef von MONUC Haile Menkerios (der Eritreer wirkt schon lÃ¤nger am kongolesischen Friedensprozess mit), der stellv. Leiter der politischen Abteilung von MONUC Albrecht Conze, VertreterInnen von UNHCR, UNICEF, von Menschenrechtsorganisationen, der zivilen EU-Missionen EUPOL und EUSEC (Beratung fÃ¼r Polizei- und Armeeaufbau), kongolesische Abgeordnete, VertreterInnen von NGO`s und Zivilgesellschaft, Misereor, deutsche MitarbeiterInnen in internationalen Organisationen und der GTZ, Deutsche mit vieljÃ¤hriger Kongo-Erfahrung. Parallel zu uns befand sich in den ersten beiden Tagen eine EU-Delegation in Kinshasa, bestehend aus dem EU-Sonderbeauftragten fÃ¼r das Afrika der GroÃŸen Seen, Aldo Ajello, den kÃ¼nftigen Kommandeuren der EUFOR-Gesamt-operation, Generalleutnant Viereck, und des Force Headquarters in Kinshasa, dem franzÃ¶-sischen General Damay. Ãœber die GTZ konnte ich am letzten Tag allein noch mehrere Projekte zur ErosionsbekÃ¤mpfung, zur FÃ¶rderung kleiner und mittlerer Unternehmen und ein Demobilisierungscamp fÃ¼r ehemalige MilizionÃ¤re besuchen.</em></p><p><em>Die Kongo-Mission war zehn Tage spÃ¤ter zentrales Thema bei GesprÃ¤chen der Obleute des Verteidigungsausschusses bei den VN in New York und insbesondere beim Departement for Peace Keeping Operations.</em></p><p><strong><u>Zusammenfassung: </u></strong></p><ol><li><strong>Praktisch alle wollen Wahlen</strong>! Die Erwartungen sind sehr hoch. Die Dynamik der zivilgesellschaftlichen Wahlvorbereitung ist enorm. Mit landesweiten Mobilisierungs- und AufklÃ¤rungskampagnen wird die BevÃ¶lkerung auf die Wahlen vorbereitet, die mit 50.000 Wahllokalen und 250.000 Wahlhelfern in diesem verkehrstechnisch desolaten Land eine gigantische logistische und politische Herausforderung sind.</li><li><strong> Explizite Stimmen gegen die EU-Mission</strong> bekamen wir praktisch nicht zu hÃ¶ren. Die Regierenden Ã¤uÃŸerten EinverstÃ¤ndnis, Abgeordnete, zivilgesellschaftliche Akteure und Mitarbeiter von internationalen Organisationen befÃ¼rworteten die Mission ausdrÃ¼cklich, allerdings mit klaren Auflagen: keine bloÃŸe Evakuierungsmission! Strikte NeutralitÃ¤t - ja nicht Schutztruppe fÃ¼r Kabila und andere Machthaber. Manche wÃ¼nschten Ã¼ber den bekannten Abschreckungsauftrag hinaus auch Schutz der Kandidaten durch die EU-Mission im ganzen Land.</li><li>Einzige explizit <strong>andere Stimme</strong> war der alte FÃ¼hrer der grÃ¶ÃŸten demokratischen Oppositionspartei UDPC, Etienne Tshisekedi: Er nennt seit der FristÃ¼berschreitung vor einem Jahr das Referendum und die Wahlen illegal, ruft zum Boykott auf und fordert Dialog. Zu welchen Themen und mit welchen Zielen sagte er nicht. Dass gerade dieser Politiker auÃŸerhalb des Wahlprozesses steht, ist tragisch und ein gewisser Unsicherheitsfaktor. Am meisten AnhÃ¤nger hat die UDPC in Kinshasa und Kasai, allerdings mit abnehmender Tendenz, wie es heiÃŸt. </li><li>GesprÃ¤chspartner mit langer Kongo-Erfahrung sagten Ã¼bereinstimmend, dass schon eine sehr <strong>kleine professionelle Truppe</strong> hohe Abschreckungswirkung erzielen kÃ¶nne. Als erstes Beispiel dafÃ¼r wird immer wieder die EU-Mission Artemis von 2003 genannt, die Ã¼berwiegend von franzÃ¶sischen Soldaten getragen wurde. (Mitgedacht werden muss, dass diese Truppen sehr entschlossen waren und nicht zÃ¶gerten zu schieÃŸen.)</li><li><strong>Absehbare Risiken</strong>: Insgesamt wurde das Risikoniveau deutlich niedriger als z.B. in Afghanistan eingeschÃ¤tzt. EuropÃ¤ische - und besonders deutsche - Truppen haben einen groÃŸen Vertrauensvorschuss. Einzelrisiken sind (a) vor allem Regierende, die noch Ã¼ber Bewaffnete verfÃ¼gen (PrÃ¤sident Kabila mit seiner â€žPrÃ¤sidialgarde&quot; und VizeprÃ¤sident Bemba), (b) das schwer einschÃ¤tzbare Potenzial des Wahlboykotts, (c) Strassenkinder, die fÃ¼r Unruhen instrumentalisiert werden kÃ¶nnen, (d) schwer kalkulierbare Bewegungsfreiheit am Boden in den Massenquartieren der 7-Millionen-Stadt und bei starken RegenfÃ¤llen (Unpassierbarkeit durch Ãœberschwemmungen), (e) kurzfristige StimmungsumschwÃ¼nge und Eskalationen bei entsprechenden ZwischenfÃ¤llen, (f) gesundheitliche Risiken. </li><li><strong>Anforderungen an die EU-Truppe</strong>: Sie soll keineswegs - wie manche flÃ¼chtige Formulierung suggeriert - die einzige oder Hauptkraft der Wahlabsicherung sein.</li><ul><li>Sie soll <u>â€žvierte Reihe&quot;</u> sein angesichts sehr unterschiedlich verlÃ¤sslicher Reihen eins bis drei. Die vorderste Linie sind die Wahlhelfer und lokalen wie internationalen Wahlbeobachter (bisher mehr als 20.000 lokale und 100-200 internationale). Die erste Reihe der Wahlabsicherung ist die Polizei, die bisher nur in Gestalt der von EUPOL ausgebildeten Integrierten Polizeieinheiten einigermaÃŸen funktionsfÃ¤hig ist. Die zweite Reihe der kongolesischen Armee FARDC ist wegen miserabler bis fehlender Ausstattung, Besoldung und Ausbildung Ã¼berwiegend unzuverlÃ¤ssig, ja die Hauptbedrohung fÃ¼r die BevÃ¶lkerung. Auch die bisher sechs integrierten Brigaden sind lÃ¤ngst nicht funktionsfÃ¤hig. Die dritte Reihe ist MONUC, die in den Hauptkrisenregionen des Ostens konzentriert, in der Hauptstadt aber nur schwach aufgestellt ist.</li><li>Die <u>Truppe muss wirklich neutral</u> sein, darf auf keinen Fall Schutztruppe z.B. fÃ¼r Kabila sein; und sie darf nicht prioritÃ¤r auf Evakuierung ausgelegt sein. WÃ¤ren diese beiden Bedingungen nicht erfÃ¼llt, wÃ¤re das fÃ¼r den ganzen Wahl- und Friedensprozess kontraproduktiv und eskalationsfÃ¶rdernd. Ein Antrag der Bundesregierung muss solches ausschlieÃŸen. Andernfalls wÃ¤re er nicht zustimmungsfÃ¤hig.</li><li>FÃ¼r den Dreifachauftrag (Abschreckung von WahlstÃ¶rern mit Macht + Ermutigung der WÃ¤hlerInnen, NotfallunterstÃ¼tzung fÃ¼r MONUC auÃŸerhalb Kinshasa, ggfs. Evakuierung) mÃ¼ssen die <u>KrÃ¤fte ausreichend dimensioniert und mÃ¶glichst flexibel einsetzbar</u> sein, um glaubwÃ¼rdig und durchsetzungsfÃ¤hig zu sein. Die bisher â€žgehandelten&quot; ca. 1.500 Soldaten kÃ¶nnen wohl nur die reinen EinsatzkrÃ¤fte sein. EinschlieÃŸlich der verschiedenen UnterstÃ¼tzungskomponenten wird der Gesamtansatz wohl hÃ¶her sein mÃ¼ssen. (Bisher gilt die Faustformel, dass auf einen Einsatzsoldaten drei in den verschiedensten UnterstÃ¼tzungs- und FÃ¼hrungsfunktionen kommen.) Bisher ist nicht nachvollziehbar, wie mit ca. 500 Mann in Kinshasa, die wegen Erholungszeiten auch nur zum Teil auf der StraÃŸe sein kÃ¶nnen, neben der Stabilisierungsaufgabe in der Hauptstadt noch die NotfallunterstÃ¼tzung im Land geleistet werden soll. Das <strong>deutsche Kontingent</strong> sollte aus GrÃ¼nden der Einsatzerfahrung und FÃ¤higkeiten grundsÃ¤tzlich auf den Raum Kinshasa begrenzt sein. Zugleich kann diese rÃ¤umliche Begrenzung nicht absolut gelten. FÃ¼hrungskrÃ¤fte - z.B. deutsche Offiziere aus den Headquarters - und Luftfahrzeugbesatzungen mÃ¼ssen sich auch auÃŸerhalb Kinshasa bewegen kÃ¶nnen. Alles andere wÃ¼rde den multinationalen Einsatz behindern und die deutsche Beteiligung daran entwerten. <u>Fazit</u>: Im Sinne einer glaubwÃ¼rdigen Wahlabsicherung ist es sinnvoll, die Kontingente besser groÃŸzÃ¼giger als zu knapp zu bemessen und besser mehr UnterstÃ¼tzung auÃŸerhalb Kinshasas als zu wenig zu ermÃ¶glichen.</li><li>Die mir bisher bekannten Elemente des zentralen Teilauftrages Stabilisierung + Objektschutz in Kinshasa (Fernhalten potenzieller â€žWahlrevisoren&quot; von machtrelevanten Objekten) erscheinen mir schlÃ¼ssig. </li><li>Angesichts der hohen bis Ã¼berhÃ¶hten Erwartungen gegenÃ¼ber der EU-Truppe ist eine <u>Ã–ffentlichkeitsarbeit</u> im umfassenden Sinne notwendig: Die Operation muss sichtbar und beeindruckend beginnen, ohne Antistimmungen zu provozieren. Vorherige und begleitende Ã–ffentlichkeitsarbeit vor allem Ã¼ber Radio muss den Auftrag klar machen und das BÃ¼ndnis mit der Zivilgesellschaft suchen. Der MONUC-Radiosender Okapi bietet da eine gute Ausgangsplattform. </li></ul><li>Die bisher insbesondere von der FDP genannten <strong>Alternativen zur EU-Mission</strong> sind Scheinalternativen und laufen auf ein â€žohne mich - lass mal die anderen machen&quot; hinaus: </li><ul><li>MONUC-VerstÃ¤rkung: die ist grundsÃ¤tzlich nÃ¶tig, im Moment und kurzfristig illusorisch, weil gerade zweimal im Sicherheitsrat abgelehnt. Wer das glaubwÃ¼rdig fordern will, muss aber auch bereit sein, dafÃ¼r ein Bundeswehr-Kontingent auf Dauer zu stellen. Ich halte das fÃ¼r nicht leistbar! </li><li>Mehr Polizei: In Exekutivfunktion mÃ¼ssten Frankreich, Italien usw. liefern. Deutschland wÃ¤re wg. fehlender KrÃ¤fte fÃ¼r geschlossenen Einsatz im Ausland aus dem Schneider. Eine VerstÃ¤rkung der Polizeiberater erfolgt sowieso (Verdoppelung) und wirkt weniger kurz- als mittelfristig. </li><li>Verweigerung einer deutschen Beteiligung, wie z.B. vom Kasseler Friedensratschlag gefordert: Die EU-Mission kÃ¤me nicht zustande; MONUC wÃ¤re vor allem den Risiken in Kinshasa nicht gewachsen; das Risiko von WahlstÃ¶rungen bis Putschversuchen und damit eines RÃ¼ckfalls in kriegerische Auseinandersetzungen wÃ¤re erheblich hÃ¶her; die breite Zivilgesellschaft im Kongo wÃ¼rde massiv entmutigt. Das Risiko, dass die hohen EU-Investitionen in den Wahlprozess und MONUC zu verlorenen Investitionen wÃ¼rden, wÃ¼rde erheblich steigen. </li></ul><li><strong>Nach den Wahlen</strong>: Die bisherige Fixierung der deutschen Diskussion auf die Wahlen, gar nur auf die EU-Mission oder den Bundeswehranteil daran, ist kurzsichtig und provinziell. EU und Deutschland mÃ¼ssen gerade nach den Wahlen am Ball bleiben und vor allem auf vier Feldern verlÃ¤ssliche UnterstÃ¼tzung leisten: verstÃ¤rkte Fortsetzung bei der Sicherheitssektorreform (Polizei, Armee, Justiz), an der sich die Bundesrepublik (wieder) aktiv mit Personal beteiligen muss; Verkehrsinfrastruktur (Eisenbahn!); gutes RegierungsfÃ¼hrung und KorruptionsbekÃ¤mpfung - und als schwierigste Herausforderung - die RÃ¼ckgewinnung der Kontrolle Ã¼ber die kongolesischen BodenschÃ¤tze fÃ¼r Staat und Gesellschaft von den nationalen und internationalen RÃ¤ubern. Ohne die Verstetigung des europÃ¤ischen Engagements bliebe die EU-Mission eine teure Aktion â€žWasserschlag&quot;, geeignet zur AbkÃ¼hlung und Deeskalation in einer heiÃŸen Situation, aber nicht mehr. </li><li><strong>Die Bundesregierung</strong> nimmt vor allem in Gestalt des Verteidigungsministers ihre internationale Verantwortung und politische FÃ¼hrungsaufgabe ausgesprochen dilettantisch war. Statt zÃ¼gig eine eigene klare Position zu beziehen, wirkte sie mehr als Getriebene und Schwankende zwischen Erwartungen auf internationaler Ebene und Abwehrhaltung in den eigenen Reihen. Die Ã–ffentlichkeitsarbeit ist schwammig und formelhaft. Die verbreiteten Zweifel an der EU-Mission werden dadurch eher verstÃ¤rkt als entkrÃ¤ftet. Unzureichend waren vor allem ihre Anstrengungen, die Ã–ffentlichkeit nach Jahren des internationalen Wegsehens gegenÃ¼ber dem opferreichsten Krieg nach dem Zweiten Weltkrieg von der besonderen Bedeutung und Chance des Friedensprozesses im Kongo zu Ã¼berzeugen. </li><li><strong>Neue Koalitionen fÃ¼r Kongo</strong>: Der â€žafrikanische Weltkrieg&quot; im Kongo war der Spitzenreiter der â€žvergessenen&quot; Konflikte. EntwicklungspolitikerInnen, NGO, Hilfsorganisationen, Kirchen und regional zustÃ¤ndige Journalisten hatten immer groÃŸe MÃ¼he, Aufmerksamkeit fÃ¼r diesen schwer durchschaubaren Konflikt zu finden und die Mauern der GleichgÃ¼ltigkeit zu Ã¼berwinden. Offenbar finden viele komplizierte Konflikte hierzulande erst ein breiteres Interesse in Politik und Ã–ffentlichkeit, wenn deutsche Soldaten involviert sind. Dieses Fenster der Gelegenheit sollte von allen genutzt werden, denen die FriedensfÃ¶rderung im Kongo am Herzen liegt bzw. denen die zentrale Bedeutung einer friedlichen Entwicklung des Kongo bewusst ist. Interesse und Engagement fÃ¼r Kongo mit den Kongolesen zu fÃ¶rdern, muss PrioritÃ¤t haben - und nicht das Schaulaufen der bloÃŸ kritischen Wortmeldungen. Ein GroÃŸteil der aktuellen deutschen Kongo-Diskussion erschÃ¶pft sich darin. </li><li><strong>Sicht der VN-Peacekeeping-Abteilung sowie deutscher + Ã¶sterreichischer VN-Akteure:</strong> Nachdem eine MONUC-VerstÃ¤rkung im Sicherheitsrat abgelehnt wurde, ist die EU, die hier den Ruf groÃŸer VN-VerlÃ¤sslichkeit hat, der einzige Ausweg, eine glaubwÃ¼rdige Abschreckungsmacht gegen Wahlverlierer zu organisieren. Dass dies alles von franzÃ¶sischer Seite mit spezifischen Interessen angestoÃŸen worden sei, wird bestritten. AusdrÃ¼cklich gewarnt wird vor verweigerter Wahlabsicherung: Wenn dann die Wahlen â€ždaneben gehen&quot; wÃ¼rden, hÃ¤tte das viel grÃ¶ÃŸere Kosten zur Folge. Insgesamt wird eine zu groÃŸe ZÃ¶gerlichkeit der EuropÃ¤er bei VN-gefÃ¼hrten Missionen konstatiert. Damit werde das politische Gewicht dieser Missionen geschmÃ¤lert und die Last der Risiken weitgehend auf Dritte-Welt-LÃ¤nder abgeschoben. (Zeitgleich eskaliert eine Haushaltskrise bei der VN, die ab Juli ihre HandlungsfÃ¤higkeit infrage stellen kann!) </li></ol><strong><br /></strong><p><strong>Reisebericht Kongo-Kinshasa</strong></p><p>Der Anflug auf Kinshasa bestÃ¤tigt zunÃ¤chst alle dÃ¼steren Erwartungen: Ãœber dem Kongo durchfliegen wir hoch getÃ¼rmte und aufgewÃ¼hlte Wolkengebirge, mÃ¼ssen fÃ¼nfmal Ã¼ber Kinshasa kreisen, Gewitterblitze zucken, ein Regenbogen strahlt. Beim Landeanflug liegt besiedeltes Land weitestgehend im Dunkeln, unterbrochen nur von wenigen Lichtquellen. Erst bei der Landung wird das Flackern vieler kleiner offener Feuer sichtbar. AuÃŸerhalb der Maschine umfÃ¤ngt uns schwÃ¼le WÃ¤rme. Auf der Fahrt mit den Botschaftswagen durchqueren wir auf dem Boulevard Lumumba den Riesenslum Masina mit seinen ca. 2 Millionen Bewohnern: In der DÃ¼sternis rechts und links Massen an Menschen, kleine VerkaufsplÃ¤tze sind schwach von Gasfunzeln erhellt. Zerbeulte bis schrottreife Kleinbusse mit lÃ¼ckenhafter Beleuchtung quellen Ã¼ber von Passagieren. Ein VW-Bus nimmt mindestens 20 Personen mit, auch auf der StoÃŸstange. Menschen schlagen sich von der einen StraÃŸenseite zur anderen durch den chaotischen Verkehrsstrom durch. Ampeln und Zebrastreifen gibt es hier nicht. </p><p>Das Hotel liegt dann in der anderen Welt von Gombe, dem Viertel der Botschaften, RegierungsgebÃ¤ude sÃ¼dlich vom Kongo-Fluss. Diese GebÃ¤ude sind alles (Hoch-)Sicherheitszonen. Am Kongo liegen die Residenzen in Traumlage am Fluss. Der Blick geht rÃ¼ber nach Brazzaville, der Hauptstadt der Republik Kongo.  </p><p><strong>Zur Lage in der DRC und zur EU-Mission allgemein</strong></p><p>Der <u>kongolesische Staat</u> verfÃ¼gt Ã¼ber 560 Mio. US-$ EinkÃ¼nfte, vergleichbar einer kleineren deutschen GroÃŸstadt. Davon sind 58% international finanziert. Seit Mobutu ist die Kleptokratie regelrechte Staatsphilosophie. Die Familie des PrÃ¤sidenten Kabila soll ca. 1 Mrd. $ angehÃ¤uft haben. So wird z.B. vom Etatposten fÃ¼r MilitÃ¤rgehÃ¤lter ein GroÃŸteil vorher abgegriffen. Bei den Soldaten kommt eher selten der Mini-Sold von 10 $/Monat an - 50 $ wÃ¤ren notwendig. Damit ist ihr plÃ¼nderisches Verhalten vorprogrammiert. Dieser Typ MilitÃ¤r kommt dem des 30-jÃ¤hrigen Krieges sehr nah. Die FARDC schafft keine Sicherheit, sondern Unsicherheit. Milizen sind manchmal eine Art â€žHeimwehr&quot; gegen die Armee.</p><p>Die Verkehrsinfrastruktur ist desolat. Ãœberregionale StraÃŸenverbindungen gibt es nicht. FÃ¼r die einzige â€žHauptverbindungsstraÃŸe&quot; im Westen zwischen Kinshasa-Kikwit braucht man fÃ¼r 520 km mindestens zwei Tage. Bei groÃŸem Regen wird alles unpassierbar. Verstopfte AbwassergrÃ¤ben in der Stadt fÃ¼hren schnell zu Ãœberschwemmungen. Im Stadtgebiet sehen wir immer wieder Eisenbahngleise, die offenbar lange keine ZÃ¼ge mehr gesehen haben.   </p><p>Ende 2003 lag das jÃ¤hrliche Prokopfeinkommen bei 99 US-$, ein Viertel des Niveaus von 1960. Die DRC gehÃ¶rt zu den zehn Ã¤rmsten LÃ¤ndern der Welt und kÃ¶nnte zu den fÃ¼nf reichsten Schwarzafrikas gehÃ¶ren. Die reichen BodenschÃ¤tze im Osten und SÃ¼dosten werden im Interessen vielfÃ¤ltigster Interessen, nur nicht der kongolesischen BevÃ¶lkerung, ausgebeutet: von Uganda in Ituri (Gold), von Ruanda in Nord-/SÃ¼d-Kivu (Zinnerz, Coltan), von Sambia aus Katanga (Kupfer, Kobalt), von internationalen Bergbaugesellschaften, vermehrt von russischen und chinesischen Interessen. (Vgl. den Bericht des Oppositionspolitikers Christoph Lutundula im Auftrag des kongolesischen Ãœbergangsparlaments vom Juni 2005; Bericht eines Experten-Panels der VN Ã¼ber die illegale Ausbeutung natÃ¼rlicher Ressourcen in der DRC vom Oktober 2002)  Deutsche Investitionen in der DRC liegen bei ganzen 13,5 Mio. $ und werden massiv durch die allgemeine Rechtlosigkeit behindert.    </p><p>Mit der im Februar 2006 in Kraft getretenen neuen Verfassung soll die Macht des PrÃ¤sidenten beschnitten werden zu Gunsten der 26 Provinzen mit ihren eigenen EinkÃ¼nften, Provinzversammlungen und gewÃ¤hlten Gouverneuren.     </p><p>Vom VN-Haushalt gehen ungefÃ¤hr 50% in Peacekeeping, davon 1/5 in <u>MONUC</u> als grÃ¶ÃŸte VN-Mission. Katanga schafft MONUC schon nicht mehr. Der VN-Sicherheitsrat lehnte eine weitere Brigade fÃ¼r Katanga ab. Die halbe Brigade uruguayischer Blauhelme reiche gerade fÃ¼r Eigenschutz und Evakuierung. FÃ¼r die Sicherheit in der Hauptstadt bringe sie nichts. Wenn es WahlfÃ¤lschungen und Chaos gebe, hat MONUC zwei Alternativen: (a) Abzug aus Kinshasa, (b) VerstÃ¤rkung in Kinshasa durch Abzug aus dem Osten.</p><p>Die <u>EU-Mission</u> sei kein solcher militÃ¤rischer Einsatz wie bei Artemis, wo vÃ¶llige Anarchie und Massaker wÃ¼teten. Es gehe viel mehr darum, von gewaltsamen Wahl&quot;korrekturen&quot; im Machtzentrum abzuhalten, Putschisten so lange zu isolieren, bis sie aufgeben. Es geht ausdrÃ¼cklich nicht um Kontrolle der (mindestens) 7-Millionenstadt oder den Einsatz gegen Demonstranten, gegen die keine Soldaten mit Kriegswaffen helfen. Die Anforderung nach der EU-Truppe kam logischerweise nicht von den Regierenden Kongos, sondern von den Strategen des VN-Departement for Peacekeeping-Operations in New York. </p><p>Botschafter Reinhard Buchholz, der nach etlichen Posten in Afrika reichlich Erfahrung mit Krisen- und Kriegssituationen hat, betont, wie wichtig eine zeitliche und rÃ¤umliche Begrenzung der EU-Mission sei. Ansonsten gerate man schnell in einen Sumpf.  </p><p><strong><a href="index.php/articles/333">Zum Bericht Teil 2.</a></strong></p></div>


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