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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: (Klein-)Krieg bei Kunduz - Weizenrekordernte nebenan</title>
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    <span class="xar-mod-title">/ e-politik.de / + Internationale Politik und Regionen</span>

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            (Klein-)Krieg bei Kunduz - Weizenrekordernte nebenan         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 22. Juli 2009 13:21:56 +02:00 (191415 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Vom 10.bis zum 13. Juni 2009 besuchte Winfried Nachtwei Kabul und Kunduz. Im Folgenden findet sich sein Reisebericht:</p></div>
            <div>    <p><!--[if gte mso 9]><xml> Normal   0         21         false   false   false      DE   X-NONE   X-NONE                                                     MicrosoftInternetExplorer4 </xml><![endif]--><!--[if gte mso 9]><xml> </xml><![endif]--><!--  --><!--[if gte mso 10]> <mce:style><!   /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-priority:99; 	mso-style-qformat:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman","serif";} --> <!--[endif]--></p>
<p align="center"><strong>(Klein-)Krieg bei Kunduz - Weizenrekordernte nebenan</strong></p>
<p align="center">Besuch in Kabul und Kunduz Mitte Juni 2009</p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB</p>
<p><em>Vom 10.-13. Juni 2009 besuchte ich Kabul und Kunduz. Vor Ende der Legislaturperiode und den bevorstehenden WahlkÃ¤mpfen hatten Botschaft und Bundeswehr besonders viele offizielle Besuche zu bewÃ¤ltigen - in Kunduz in 10 Wochen Ã¼ber 20! Statt der beabsichtigten ausfÃ¼hrlicheren Einzelreise konnte ich mich der Gruppe um den Parlamentarischen StaatssekretÃ¤r Christian Schmidt, den innenpolitischen Sprecher der Unionsfraktion Dr. Hans-Peter Uhl (CSU) sowie den SPD-Kollegen Rainer Arnold, Uschi Mogg, Hans-Peter Bartels und SPD-Fraktionsreferent Axel Schneider anschlieÃŸen. Die Reise soll Einblicke in die aktuelle Lageentwicklung zweieinhalb Monate vor der PrÃ¤sidentschaftswahl geben, in den Stand des US-Strategiewandels und die seit Ende April zugespitzte Situation im Raum Kunduz. Es ist mein 13. AFG-Besuch.</em></p>
<p><em>In <strong>Kabul</strong> fÃ¼hrten wir GesprÃ¤che mit dem stellvertretenden Botschafter Dr. Christian Buch, im ISAF-Hauptquartier mit dem deutschen Generalmajor Erich-Hans Antoni und weiteren dt. Offizieren, im EUPOL-Compound mit Dr. Karin MÃ¼ller, Head of Rule of Law, Axel Haas, Lt. des dt. EUPOL-Kontingents und Dr. Michael Mark, stv. Leiter des German Police Project Teams (GPPT), mit Innenminister Hamif Atmar, mit den Leitenden von Friedrich Ebert Stiftung, GTZ und DED (Tina Blohm, Andreas Clausing,Jan Rogge) sowie anderen dt. Entwicklungsexperten, mit SchÃ¼lerinnen und Lehrerinnen in der Durani-Schule.</em></p>
<p><em>In <strong>Kunduz</strong> Unterrichtungen durch den Kommandeur RC North, Brigadegeneral Vollmer, dem Kommandeur des PRT Kunduz, Oberst Klein und die AA-Vertreterin Frau PÃ¼rtinger, GesprÃ¤che mit den Kommandeuren der 2. ANA-Brigade und der Polizei Kunduz, dem Chef des Nachrichtendienstes NDS, mit Vertretern von EUPOL, GPPT, GTZ, Entwicklungsorientierter Not- und Ãœbergangshilfe (ENÃœH), USAID, mit Offizieren und Soldaten der Quick Reaction Force 3 sowie anderen.</em></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Zusammenfassung</span></strong>: <strong>Der â€žTradition&quot; von AFG-Reisen entsprechend sind auch jetzt die EindrÃ¼cke und Erkenntnisse sehr gegensÃ¤tzlich. Ã„uÃŸerst beunruhigend ist die kriegerische Entwicklung in einzelnen Distrikten der Provinz Kunduz, die der strategischer Angriffspunkt der Taliban im Norden zu sein scheint. Die Vorjahrsentscheidung der Zentralregierung, die Polizei der Provinz um 537 Stellen zu reduzieren, leistete dem Vorschub. Positiv soll die Entwicklung aber weiter im GroÃŸteil des Nordens sein, auch in Badakhshan. Eine groÃŸe Chance bietet die Rekordgetreideernte und die weitgehende Einstellung des Mohnanbaus im Norden und Nordosten. Auf US-Seite ist die LageeinschÃ¤tzung viel kritischer und der Wille zu schnellen Wirkungen und Erfolgen viel deutlicher/konsequenter als z.B. auf deutscher Seite. Bei Aufbau und Entwicklung gibt es auch im Norden erhebliche VerstÃ¤rkungsmÃ¶glichkeiten.</strong></p>
<p>Unsere 14-sitzige Challenger der Flugbereitschaft muss im russischen Krasnodar am Kuban (zwischen Asowschem Meer und Kaukasus) zum Auftanken zwischenlanden. Das Bodenpersonal ist von altsowjetischer HÃ¶flichkeit und lÃ¤sst uns in einem Umkreis von 10 streng kontrollierten Metern die Beine vertreten. Beim RÃ¼ckflug gibt es diese GroÃŸzÃ¼gigkeit nicht mehr. Die etwas Ã¤ltere Challenger bedarf einer Landehilfe der besonderen Art: Nachdem sich bei der ersten Landung ein LeistenstÃ¼ck der Kabineninnenverkleidung gelÃ¶st und das Haupt eines Kollegen gesucht hatte, stÃ¼tzt er diese bei jeder weiteren Landung ab, um weitere Bretter vorm Kopf oder gar DachschÃ¤den zu vermeiden. So trifft es sich, dass ein Sprecher fÃ¼r Innere Sicherheit handgreiflich Verantwortung fÃ¼r diese Ã¼bernimmt.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">KABUL</span></strong></p>
<p>Erstmalig kommen wir am Kabul International Airport North an, der mit seinen groÃŸzÃ¼gigen Bauten vor zwei Monaten erÃ¶ffnet wurde. Alle paar Minuten startet oder landet eine Transport- oder Passagiermaschine. Vor mir steht Oberstleutnant S. aus Nottuln bei MÃ¼nster. Zuletzt traf ich den Presseoffizier 2007 in Kunduz. Im Norden und Osten des riesigen Flughafenareals schlieÃŸen sich Weinpflanzungen fÃ¼r Rosinen und OlivenbÃ¤ume an.</p>
<p>Die Absicherung des Viertels um PrÃ¤sidentenpalast, ISAF-Hauptquartier, Botschaften, CIA, Camp Eggers ist gegenÃ¼ber dem letzten Herbst noch mal gewachsen: gigantische Mehrfachmauern, vielfach gestaffelte Slalomsperren. Nach dem Simultanangriff auf drei Ministerien am 11. Februar (26 Tote, 50 Verletzte) sind jetzt auch die auÃŸerhalb liegenden Ministerien besser gesichert. Drumherum quirlt der Verkehr, bewegen sich Radfahrer und FuÃŸgÃ¤nger verwegen und ohne erkennbare Risikoscheu durch das Autochaos.</p>
<p>Die Vorderfront der dt. Botschaft ist nun eine Festung aus Hesko-Mauern und Stahlplatten. Beim Selbstmordanschlag am 17. Januar vor der deutschen Botschaft gegen einen US-Konvoi sind die BotschaftsangehÃ¶rigen knapp an einer Katastrophe mit mehreren Toten vorbeigeschrammt. Unter solchen Bedingungen nicht in eine Wagenburg-MentalitÃ¤t zu verfallen, ist eine besondere Herausforderung.</p>
<p><strong>Politische und Sicherheitslage</strong></p>
<p>Seit dem SelbstmordgroÃŸangriff vom Februar, als die professionelle Reaktion der afghanischen SicherheitskrÃ¤fte (ANSF) noch hÃ¶here Opferzahlen verhinderte, passierte in Kabul nichts SpektakulÃ¤res mehr. Die ANSF tragen seit Januar die Sicherheitsverantwortung in der Hauptstadt, ausgenommen den Distrikt Surobi. Zwischen Januar und Juni 2009 geschahen in Kabul 33 SicherheitsvorfÃ¤lle gegenÃ¼ber 44 im Vergleichszeitraum 2008 und 57 in 2007. Wie riskant es trotzdem ist, zeigen die 200 LÃ¶cher in der Karosserie eines Botschaftsfahrzeuges, in dessen NÃ¤he ein SelbstmordattentÃ¤ter explodiert war.</p>
<p>Kritische Tage wie der Mujahedin-Gedenktag am 28.4. und der Ablauf der verfassungsmÃ¤ÃŸigen Amtszeit des PrÃ¤sidenten am 22.5. blieben vÃ¶llig ruhig. Karzai hat das Machtspiel der Kandidatenaufstellung sehr geschickt gespielt. In seinem â€žSchattenkabinett&quot; gebe es allein vier AuÃŸenminister.</p>
<p>Mehrere neue Minister, insbesondere die fÃ¼r Inneres und fÃ¼r landwirtschaftliche Entwicklung, gelten als effektiv.</p>
<p>Die USA stellen sich anders auf: Die Botschaft wird deutlich aufgestockt. Zweiter Mann bei UNAMA ist seit 2. Juni der US-Amerikaner Peter Galbraith, der Ã¼ber langjÃ¤hrige sicherheitspolitische und UN-Erfahrung (u.a. in Ost-Timor) verfÃ¼gt. Es heiÃŸt, die Obama-Administration verfolge in AFG viel weniger geostrategische Interessen. Man wolle Erfolge bis 2012 vor der nÃ¤chsten PrÃ¤sidentschaftswahl. (Der bisherige COMISAF McKiernan sprach eher von einem Zeithorizont von 10 Jahren.) Die MassivitÃ¤t der US-VerstÃ¤rkung zeigt sich schon in den Hubschauberzahlen: 120 zusÃ¤tzlich allein fÃ¼r den SÃ¼den.</p>
<p><strong>MilitÃ¤rische und Sicherheitslage landesweit:</strong></p>
<p>Zwischen Oktober 2008 und Mai 2009 nahmen die <span style="text-decoration: underline;">Angriffe von AufstÃ¤ndischen</span> um 57% gegenÃ¼ber dem Vorjahrszeitraum zu. Im Oktober 2008 gab es knapp 1.200 SicherheitsvorfÃ¤lle, davon fast 600 SchuÃŸwechsel/Gefechte, 400 IED`s, im Mai 2009 Ã¼ber 1.400, davon ca. 450 IED`s. Dabei ist die Entwicklung regional gespalten. AufstÃ¤ndischenangriffe gab es durchschnittlich pro Tag in Helmand knapp 10,6, Kandahar 4,6, Kunar knapp 4, in Khost um 2, in Paktika, Uruzgan, Zabul um 1,5, Ghazni, Farah um 1, Kunduz um 0,7, Kabul, Herat, Badghis, Nuristan um 0,6, Balkh 0,2, Badakhshan &lt; 0,1.</p>
<p>Von den 444 SicherheitsvorfÃ¤llen in der Woche vom 6.-13. Juli geschahen 64,4% im SÃ¼den, 27,3% im Osten, 4,9% im Westen und 3,4% im Norden. In der Woche 8.-15. Juni geschahen 49% im SÃ¼den, 2,1% im Norden, in der Woche 4.-11. Mai 49,6% im SÃ¼den, 2,5% im Norden.</p>
<p>IED`s verursachen ca. 70% der ISAF-Verluste. Explodierte IED`s nahmen in Okt. 2008-Mai 2009 ggb. dem Vorjahrszeitraum um 39% zu, die entdeckten und von der BevÃ¶lkerung gemeldeten IED`s nahmen um 66% zu.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">GetÃ¶tet (â€žkilled in action&quot;)</span> wurden im Mai 80 afghanische Polizisten (April 60, MÃ¤rz 100), fast 50 ANA-Soldaten und ca. 25 Koalitionssoldaten. Zwischen Oktober 2008 und Mai 2009 wurden nach ISAF-Angaben 505 afghanische Zivilpersonen getÃ¶tet, 75% davon verursacht durch AufstÃ¤ndische. GegenÃ¼ber dem Vorjahrszeitraum wÃ¤re das ein RÃ¼ckgang um 9%. Im Mai 2009 gab es um die 105 Zivilopfer, davon ca. 90 durch AufstÃ¤ndische. (im Juli 2008 gab es mit &gt; 180 die bisher meisten Zivilopfer, davon ca. 110 durch AufstÃ¤ndische und 70 durch Alliierte.)</p>
<p>â€ž<span style="text-decoration: underline;">Pro-Regierungs-Ereignisse</span>&quot; (von Einheimischen gemeldete IED`s und Waffenverstecke, neue Kategorie) nahmen leicht zu und lagen im Mai und April bei je knapp 50. (vgl. US Departement of Defence: Progres toward Security and Stability in AFG. Report to the Congress, June 2009)</p>
<p>Die AufstÃ¤ndischen seien in 2008/09 relativ erfolgreich gewesen, ihrem strategischen Ziel aber nicht nÃ¤her gekommen. Insbesondere im SÃ¼den herrsche eine Pattsituation.</p>
<p><em>(<span style="text-decoration: underline;">Anmerkung</span>: Dass in asymmetrischen Konflikten andauernde Pattsituationen auf eine Niederlage von Regierung und internationalen UnterstÃ¼tzern hinauslÃ¤uft, bleibt unbeachtet. Ich erinnere an den Start des britischen Helmand-Einsatzes vor genau drei Jahren: Geplant als low-risk-Wiederaufbau-Mission blieb er in der entscheidenden Startphase rein militÃ¤risch und geriet dadurch schnell in eine militÃ¤rische Eskalation, wo britische Truppen in Sangin, Musa Qala die blutigsten KÃ¤mpfe seit dem Korea-Krieg erlebten. Captain Leo Docherty, Adjutant des Kommandeurs der brit. Task Force Helmand, bezeichnete das Vorgehen als â€žMusterbeispiel dafÃ¼r, wie man AufstandsbekÃ¤mpfung vermasselt&quot;. (L.D.: Desert of Death - An Soldier`s Journey from Iraq to Afghanistan&quot;, London 2007) Seitdem hat es in Helmand immer mehr ISAF-Soldaten gegeben, immer mehr AnschlÃ¤ge, KÃ¤mpfe, Opfer, Mohnanbau. Wie ist das zu erklÃ¤ren, wie geht ISAF damit um? Die Frage bleibt im Raum stehen. Die gegenwÃ¤rtige US-Offensive erscheint mir als ein gigantischer Versuch, das Steuer doch noch rumzureiÃŸen. Es ist zugleich ein Testfall fÃ¼r die neue US-Strategie und ihren Anspruch, den Schutz der BevÃ¶lkerung zum Dreh- und Angelpunkt zu machen.)</em></p>
<p>Um den Comprehensive Approach am Boden und die Koordination zwischen Regierung, UNAMA und USFOR-A innerhalb der â€žclear, hold, build&quot;-Counterinsurgency-Strategie voranzubringen, initiierte ISAF das &quot;<span style="text-decoration: underline;">Action District Program</span>&quot;. Als â€žPilot Action Districts&quot; wurden fÃ¼nf Distrikte (Ghormach, Surobi, Arghandab/Zabul, Tagab/Kapisa, Kandahar City) ausgewÃ¤hlt. Umfassende Anstrengungen sollen kritische Distrikte stabilisieren, wo sich die Lage verschlechtert bzw. die Chance zur Stabilisierung besteht. Die Umsetzung soll im FrÃ¼hsommer 2009 beginnen. Meine Frage auch nachtrÃ¤glich im Verteidigungsausschuss, was der Unterschied zu dem frÃ¼heren, dann aber versandeten Konzept der &quot;Afghan Development Zones&quot; sei, bleibt unbeantwortet.</p>
<p>Transfer of Lead Security Responsibility (TLSR): Nach Kabul sollen bis Jahresende weitere Distrikte unter Verantwortung der ANSF gestellt werden. Die US-Seite will bis dahin weitere Erfolge vorweisen kÃ¶nnen.</p>
<p>Auf US-Initiative wird die <span style="text-decoration: underline;">ISAF-FÃ¼hrungsstruktur</span> in AFG geÃ¤ndert: Unterhalb des COM ISAF (Doppelhut mit COM US-StreitkrÃ¤fte in AFG), der vor allem fÃ¼r den Comprehensive Approach zustÃ¤ndig ist, kommt als neue Ebene das Intermediate Headquarter fÃ¼r die OperationsfÃ¼hrung. (UnabhÃ¤ngig von ISAF und OEF operiert US-CENTCOM mit direkt unterstellten Special Forces gegen â€žHochwertziele&quot; in AFG.)</p>
<p>Ich habe den Eindruck, dass die neue US-Seite die Lage kritischer beurteilt als bisherige Akteure im ISAF-HQ. Hier betont man, die ISAF-Gesamtoperationen laufe planmÃ¤ÃŸig, es gehe trotz RÃ¼ckschlÃ¤ge in die richtige Richtung. Allerdings hielten Fortschritte und Aufbau nicht mit den Erwartungen Schritt. Das ist eine Botschaft, die wir an diesem Ort schon seit Jahren hÃ¶ren.</p>
<p>Ein hÃ¶herer Offizier: â€žWenn Sie die VerhÃ¤ltnisse schnell Ã¤ndern wollen, dann mÃ¼ssen die Frauen das Regiment Ã¼bernehmen.&quot;</p>
<p><strong>Polizeiaufbau</strong></p>
<p><strong>EU-Polizeimission EUPOL</strong>: Im Vergleich zu den letzten Besuchen fÃ¤llt als erstes die enorme Expansion des EUPOL-Compounds auf: die neuen GebÃ¤ude, die stÃ¤rkeren SicherheitsmaÃŸnahmen. Bis April war EUPOL noch auf drei Ã–rtlichkeiten verteilt. Heute umfasst EUPOL 239 Internationale, davon 158 Polizisten (53 Deutsche, davon 41 Polizisten und 7 Contractors). Die Zielstruktur liegt bei 400, davon 120 Deutsche. Nach Verbesserung der Rahmenbedingungen ist das Bewerberaufkommen mit dem 16. und 17. Call gut geworden. Die Beamten werden fÃ¼r ein Jahr sekundiert, eine VerlÃ¤ngerung sei praktisch ausgeschlossen. Angesichts der langen Einarbeitungszeiten sei das bedauerlich. Etliche wÃ¤ren zu lÃ¤ngeren Einsatzzeiten bereit.</p>
<p>Klargestellt wird das - auch unter Abgeordneten oft noch nicht realisierte - Mandat von EUPOL: Begleitung (mentoring) und Beratung auf der Ministerialebene und im Management, von FÃ¼hrungspersonal, train the trainers. EUPOL-Beamte arbeiten zzt. in Kabul und 15 weiteren Provinzen, auch Helmand, Uruzgan, Herat, Deutsche nur in Kabul und Nord. Alle EUPOL-Filialen sind in MilitÃ¤rcamps</p>
<p>untergebracht und hÃ¤ngen an bilateralen Abkommen zwischen EUPOL und PRT-Nation. (Die TÃ¼rkei blockierte ein generelles Abkommen mit ISAF.) Dass in Mazar und Kunduz fÃ¼r zwei Juristen kein angemessener Unterkunftsraum zur VerfÃ¼gung steht, stÃ¶ÃŸt auf allgemeines UnverstÃ¤ndnis. Auf ISAF-Seite ist spÃ¤ter von einem MissverstÃ¤ndnis die Rede.</p>
<p>In Kabul arbeiten EUPOL-Beamte vor allem im Innenministerium (ca. 20), der Kabul City Police (10), Polizeiakademie. In manchen Abteilungen stehen einem EUPOL-Beamten 20 US-Berater gegenÃ¼ber. Hinsichtlich der Expertise fÃ¼hlt sich EUPOL keineswegs unterlegen. Der dt. Berater des Innenministers wird hoch geschÃ¤tzt.</p>
<p>Die Rechtsstaatsmission (Rule of Law) konzentriert sich auf KorruptionsbekÃ¤mpfung in der Polizei, StÃ¤rkung der StaatsanwÃ¤lte und Genderprojekte. Der Innenminister will die Zahl der bisher 625 Polizistinnen auf 5.000 erhÃ¶hen.</p>
<p>(ZweiwÃ¶chentlicher Newsletter unter <a href="http://www.consilium.europa.eu/showPage.aspx?d=1562&amp;lang=EN">www.consilium.europa.eu/showPage.aspx?d=1562&amp;lang=EN</a>)</p>
<p><strong>German Police Project Team/GPPT</strong>: In 2007 (Ãœbergang zu EUPOL) umfasste das GPPT nur noch 10 Beamte zur Abwicklung der angefangenen Projekte. Wegen des begrenzten Auftrages von EUPOL wurde die bilaterale dt. Polizeihilfe personell und finanziell verstÃ¤rkt. Zzt. umfasst das GPPT 63 Beamte, 23 Stammpersonal und 40 Kurzzeittrainer. In 2009 stehen 35,2 Mio. Euro zur VerfÃ¼gung, davon 10 Mio. fÃ¼r den LOFTA-Fonds (PolizeigehÃ¤lter).</p>
<p>Schwerpunkte sind Aufbau von Polizeiinfrastruktur (FakultÃ¤t Grenzpolizei an der Polizeiakademie, HQ Afghan National Civil Order Police/ANCOP (Bereitschaftspolizei, gilt als am wenigsten korrupt) und Verkehrspolizei in Kabul, AuÃŸenstelle der Polizeiakademie und Erweiterung des Police Taining Centers in Mazar, Police Taining Center in Kunduz, HQ ANP in Feyzabad) und Ausbildung im Rahmen des â€žFocused District Development&quot;. Hierbei erfÃ¤hrt die Polizei eines ganzen Distrikts eine achtwÃ¶chige Kurzausbildung und wird anschlieÃŸend â€žon the job&quot; 2-4 Monate begleitet. (Fraglich ist, ob eine so kurze Begleitphase reicht.) Der volle FDD-Zyklus dauert 6-8 Monate. Zu der frÃ¼heren Methode, einzelne Ausgebildete zurÃ¼ck in ihre Einheiten zu schicken, heiÃŸt es: Wenn man jemand in die Jauchegrube schmeiÃŸt, soll man sich nicht wundern, wenn er auch schnell stinkt.</p>
<p>Zu bedenken sei das Arbeitsumfeld, wo AFG auf dem â€žGood Governance Index&quot; der Weltbank bei &lt; 10% liege (Deutschland &gt;90%).</p>
<p><strong>Innenminister Hanif Atmar</strong> empfÃ¤ngt uns mit ganz besonderer Herzlichkeit. Jeden Tag fallen 6-10 Polizisten, gestern waren es 8. Elf Distrikte (von 399) sind auÃŸer Regierungskontrolle (â€žschwarze Distrikte&quot;), fÃ¼r 124 gilt â€žhigh level threat&quot; (z.B. Bala Murghab/Badghis) , 40 medium (z.B. Chahar Dara/Kunduz), 190 low. Die PrioritÃ¤ten sind:</p>
<p>(a) Transparenz, Verantwortlichkeit und KorruptionsbekÃ¤mpfung; hier dÃ¼rfe es keine Straflosigkeit geben; der politische Wille sei vorhanden; (b) Polizeiausbildung, die jetzt sehr gut auf Distriktebene laufe; (c) ausreichende PolizeistÃ¤rke, um Gebiete auch halten zu kÃ¶nnen; bei Ã¤hnlicher Einwohnerzahl wie Berlin habe man nur halb so viele Polizisten. Die jetzige Soll-StÃ¤rke betrÃ¤gt 96.800, die Ist-StÃ¤rke ca. 80.000. Der Minister will eine ZielgrÃ¶ÃŸe von 160.000; (d) police intelligence (AufklÃ¤rung und Nachrichtengewinnung); (e) Wahlabsicherung: 30.000 Polizisten zusÃ¤tzlich seien nÃ¶tig, 10.000 erhalten bis zur Wahl ein Basistraining.</p>
<p>DrogenbekÃ¤mpfung: Wo Drogengelder eine Hauptquelle des lokalen Aufstandes seien, sei die ZerstÃ¶rung (interdiction) von drug industries ein legitimes Ziel. Noch vor zwei Wochen wurden in Helmand mehr als 100 to Drogenkomponenten beschlagnahmt. Angesichts des starken Taliban-Widerstandes wÃ¤re die Polizei allein dazu nicht in der Lage gewesen, war MilitÃ¤r absolut notwendig. Aber das reiche nicht. Notwendig seien law enforcement, wirtschaftliche Alternativen, Ã–ffentlichkeitskampagnen.</p>
<p>Zur DrogenbekÃ¤mpfung in der Region gebe es wohl viele Meetings, aber keine reale Kooperation - nur etwas mit Tadschikistan und Iran. BekÃ¤mpfung von Drogen und Terrorismus hÃ¤ngen eng zusammen.</p>
<p>Der fÃ¼r die BewÃ¤ltigung krasser RealitÃ¤ten zustÃ¤ndige Innenminister Ã¤uÃŸert einen Traum: Ausbau von Schulen zu AbschlÃ¼ssen nach deutschem Standard; eine Druckerei fÃ¼r SchulbÃ¼cher, die lt. GTZ-Studie 7-8 Mio. Euro kosten wÃ¼rde.</p>
<p>Beim PressegesprÃ¤ch lobt der Minister die deutsche Polizeihilfe in hÃ¶chsten TÃ¶nen. Es ist eine Mischung aus Ehrlichkeit (angesichts der entsandten PersÃ¶nlichkeiten und im Vergleich zu anderen Nationen) und HÃ¶flichkeit. Dass er seinen Dank sogar an das dt. Parlament richtet, ist von der Sache her Ã¼bertrieben. Denn zum RÃ¼ckstand der deutschen Polizeihilfe hat wesentlich ihre jahrelange Nichtbeachtung im Bundestag beigetragen: Im Dezember 2007 debattierte der Bundestag erstmalig Ã¼ber den Polizeiaufbau in AFG!</p>
<p><strong>Aisha e Durani-MÃ¤dchengymnasium</strong></p>
<p>Auf der lÃ¤ngeren Fahrt dorthin bekommen wir wenigstens einige EindrÃ¼cke vom quirligen Leben auf den StraÃŸen und MÃ¤rkten. Bei soviel lebendiger NormalitÃ¤t relativiert sich das BedrohungsgefÃ¼hl, was</p>
<p>bei den sonstigen Fahrten im geschÃ¼tzten Fahrzeug, bei taktischer Fahrweise und angesichts der Festungen der GrÃ¼nen Zone mitschwingt.</p>
<p>Das Gymnasium ist seit der WiedererÃ¶ffnung vor einigen Jahren im traditionseichsten, Ã¤ltsten und ersten SchulgebÃ¤ude des Landes untergebracht und nach einer Dichterin aus der Zeit des KÃ¶nigs Timor Schah benannt.</p>
<p>Die Schule wird von 1.300 SchÃ¼lerinnen in zwei Schichten von je sechs Unterrichtsstunden ab 6.45 bzw. 11.00 Uhr besucht. In den Klassen 4-10 gibt es Deutschunterricht.</p>
<p>Ein MÃ¤dchenchor singt zu unserer BegrÃ¼ÃŸung â€žWir sind Menschen einer Erde, aber was machen wir daraus ...&quot;</p>
<p>In der Bibliothek unterhalten wir uns mit sechs 16-/17-jÃ¤hrigen SchÃ¼lerinnen auf Deutsch. Vier waren zur medizinischen Behandlung in Deutschland, eine ist dort geboren - ihre Eltern waren vor 30 Jahren nach Deutschland gekommen. Zwei der SchÃ¼lerinnen wohnen im â€žSteinhaus&quot;. Auf dem Land dÃ¼rften die MÃ¤dchen nur bis zur 6./7. Klasse in die Schule gehen. Vier wollen Lehrerinnen werden, eine Krankenschwester, eine - die in Deutschland geborene - StaatsanwÃ¤ltin. Am besten habe ihnen in Deutschland gefallen, dass die Menschen dort so frei seien. FÃ¼r ihr Land wÃ¼nschen sie sich, dass alles in Ordnung und friedlicher werde.</p>
<p>In Deutschland herrsche ein Bild, wonach es in AFG dauernd Explosionen gebe, die Kinder nicht zur Schule kÃ¶nnten, die Frauen geschlagen wÃ¼rden. Letzteres habe aber abgenommen. Manche Afghanen stellen ihr Land oft schlechter dar, um mehr Hilfe zu bekommen. Am meisten Verbesserungen habe es bei StraÃŸen, Bildung und Gesundheit gegeben.</p>
<p>Ich erwÃ¤hne - obwohl Opposition - den historischen Fortschritt, dass es in Deutschland erstmalig eine Kanzlerin gebe. Ein PersonenschÃ¼tzer empfiehlt mir daraufhin den Film â€žFÃ¼nf Uhr am Nachmittag&quot; der iranischen Regisseurin Samira Makhmalbaf Ã¼ber das Afghanistan nach Ende der Taliban-Herrschaft. Die Tochter eines alten Kutschers trÃ¤umt davon, eines Tages PrÃ¤sidentin von Afghanistan zu sein. Die Jury der Evangelischen Filmarbeit empfahl ihn als â€žFilm des Monats Juli 2004&quot;.</p>
<p>(<a href="http://www.afghan-aid.de/durani/index.htm">www.afghan-aid.de/durani/index.htm</a>)</p>
<p><strong>Aufbau und Entwicklung</strong></p>
<p>Seit einigen Monaten leitet Tina Blohm das Kabuler BÃ¼ro der Friedrich-Ebert-Stiftung. Zentrale Projekte der FES sind der Aufbau demokratischer Plattformen, die FÃ¶rderung von AussÃ¶hnung, VergangenheitsbewÃ¤ltigung und friedliche Konfliktbearbeitung, das â€žYoung Leaders Forum&quot; zur FÃ¶rderung begabter NachwuchskrÃ¤fte, die Qualifizierung und Vernetzung von NachwuchsjournalistInnen und die FÃ¶rderung einer demokratisch orientierten Medienlandschaft. (<a href="http://www.fes.org.af/">www.fes.org.af</a>; hier auch der Newsletter des YLF)</p>
<p>GTZ und DED haben neue Landesdirektoren (jeweils fÃ¼r 3 Jahre), beides sehr erfahrene Entwicklungsexperten. Jan Rogge (DED) arbeitete viele Jahre in Mittelamerika, Andreas Clausing (GTZ) war schon in den 70er Jahren in AFG, spricht Dari und kennt noch viele Leute von damals. Dazwischen arbeitete er u.a. im Sudan + Ã„thiopien, Balkan, Kaukasus, zuletzt Zentralasien. FÃ¼r die GTZ arbeiten in AFG 750 Menschen, davon 50 Entsandte, beim DED 30 Internationale, 28 OrtskrÃ¤fte und 40 einheimische FachkrÃ¤fte.</p>
<p>Boomsektoren sind gegenwÃ¤rtig Bau, Telekommunikation und Bildung Ã¼berwiegend mit afghanischen Investoren. In grÃ¶ÃŸeren StÃ¤dten gibt es ein regelrechtes Fieber nach Bildung und eine unglaubliche Dynamik gerade auch auf dem privaten Bildungssektor (Englisch, Computer). Besonders dringlich sind berufliche Bildung und Weiterbildung.</p>
<p>Die Getreideernte ist in diesem Jahr extrem gut, man sieht auf dem Land neue Maschinen, Trucks mit landwirtschaftlichem GerÃ¤t. Jetzt findet auf dem Land WertschÃ¶pfung statt.</p>
<p>Mehrfach seien Besucher aus der Zentrale in Deutschland mit groÃŸer Skepsis hergekommen. Vorm Abflug hieÃŸ es dann jedes Mal: â€žIch hÃ¤tte nicht gedacht, was doch an Arbeit mÃ¶glich ist.&quot; Man wÃ¼nscht sich in Deutschland ein differenzierteres Bild der Lage, mehr VerstÃ¤ndnis und mehr Ã–ffentlichkeit fÃ¼r die Entwicklungszusammenarbeit.</p>
<p>AusdrÃ¼cklich hervorgehoben werden Deutsch-Afghanen, die als Entwicklungshelfer zurÃ¼ckgekommen seien und Hervorragendes leisten wÃ¼rden. Einer habe nach 30 Jahren seinen Lehrer wieder getroffen. Oder solche CIMIC-Soldaten, die zum x. Male in AFG seien. Die verstÃ¼nden was vom Land!</p>
<p>(vgl. Newsletter â€žDeutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan&quot;, Ã¼ber <a href="http://www.afghanistan.ded.de/">www.afghanistan.ded.de</a>)</p>
<p>Auf die Frage der GrÃ¼nen-Kollegin Ute Koczy vom 15.6.2009, <em>in welcher HÃ¶he und fÃ¼r welche Schwerpunkte Mittel fÃ¼r den zivilen Wiederaufbau in AFG zum Stichtag 15.6.2009 aus dem Bundeshaushalt der Jahre 2008 und 2009 abgeflossen seinen</em>, antwortete Ministerin Wieczorek-Zeul:</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  <em>Die BMZ-Gelder kommen Ã¼berwiegend den Schwerpunkten guter RegierungsfÃ¼hrung, Rechtsstaatlichkeit, FÃ¶rderung von Frauen, Versorgung mit erneuerbarer Energie und Trinkwasser, nachhaltige Wirtschaftsentwicklung durch Ausbau wirtschaftlicher Infrastruktur und Schaffung von Einkommen, Grund- und Berufsbildung, dem Afghanistan Reconstruction Trust Funds, Vorhaben der entwicklungsorientierten Not- und Ãœbergangshilfe und ErnÃ¤hrungssicherung, Integration von RÃ¼ckkehrern zugute. In 2008 bereitgestellt 124 Mio. Euro, abgeflossen 114,6; in 2009 91,6 Mio./52,6 Mio.</em></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  <em>Die AA-Gelder gehen in den Polizei- und Justizaufbau, UnterstÃ¼tzung des Wahlprozesses, Umfeldstabilisierung in den PRT`s, SekundÃ¤rbildung, Hochschulkooperation, kultureller Wiederaufbau sowie Drogen- und TerrorismusbekÃ¤mpfung, HumanitÃ¤re Hilfe fÃ¼r FlÃ¼chtlinge, Binnenvertriebene und RÃ¼ckkehrer, humanitÃ¤res MinenrÃ¤umen und Hilfe bei Naturkatastrophen. . In 2008 bereitgestellt 70,7 Mio., abgeflossen 71,3 Mio.; in 2009 100,1 Mio./70,1 Mio. Mio.Gemeinsam aus Mitteln des BMZ, AA und BMVg werden Vorhaben des Provincial Development Funds (PDF) finanziert. In 2008 vom BMVg bereitgestellt 1,7 Mio., abgeflossen 1,7 Mio.; in 2009 1,5 Mio./0,5 Mio.</em></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  <em>Sondermittel des Ministeriums fÃ¼r ErnÃ¤hrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz dienen der FÃ¶rderung der Landwirtschaft im Rahmen des bilateralen Trreuhandfonds der Bundesregierung mit der WelternÃ¤hrungsorganisation (FAO). In 2008 bereitgestellt 3,4 Mio., abgeflossen 2,75 Mio.; in 2009 2,45 Mio./0,6 Mio.(Antwortschreiben vom 23.6.2009)</em></p>
<p>Auf dem Weg zum Flughaben geht es eine Strecke Ã¼ber die Jalalabad-Road. Ãœber mehr als einen Kilometer ist sie ein Freiluftbaumarkt fÃ¼r (StraÃŸen-)Baumaschinen, KrÃ¤ne etc.</p>
<p>Den Transall-Flug Ã¼ber den Hindukusch erlebe ich im Cockpit. Schon nach 10 Minuten sind wir Ã¼ber den schneebedeckten Bergen - und bald danach jenseits der Luftraumkontrolle von Kabul. Als Wolken aufkommen und etwas dichter werden, suchen die vier Augenpaare der Besatzung angestrengt den Luftraum ab. Wir fliegen ja nach Sichtflugbedingungen. Bei Dunkelheit ist Schluss mit der Fliegerei. Dabei sind Flugverbindungen hierzulande angesichts der schwierigen und riskanten Landwege besonders wichtig.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">KUNDUZ (+ REGION NORD)</span></strong></p>
<p><strong>Aufbau und Entwicklung</strong></p>
<p>(<em>Die GesprÃ¤che unserer Kurzvisite in Kunduz konzentrieren sich stark auf die militÃ¤rische Seite. Wir verbleiben im PRT - und bekommen deshalb nichts von dem zu sehen, was ich seit Anfang 2004 alljÃ¤hrlich als Aufbaufortschritte erlebte. Ein umfassenderes Bild der â€žAufbaulage&quot; ergibt sich deshalb nicht. Hierzu bringen aber insgesamt 20 Info-BlÃ¤tter zur Aufbau- und Entwicklungsarbeit in Nordost-Afghanistan, von denen 12 bisher auf der Website des AuswÃ¤rtigen Amtes verÃ¶ffentlicht sind, viele Informationen: www.auswartiges-amt.de/diplo/de/Aussenpolitik/RegionaleSchwerpunkte/ AfghanistanZentralasien/Engagement-Kundus-FactSheets,navCtx=53336.</em>)</p>
<p>Der Norden sei Vorbild fÃ¼r das Ã¼brige AFG. In allen Provinzen gehe es relativ gut voran. Nur noch 0,6% des afghanischen Mohns stamme aus dem Norden. Es gebe nur noch einige 100 Hektar Mohnfelder in Faryab und Badakhshan. FÃ¼r ein Jahr â€žmohnfrei&quot; gebe es eine Mio. $ PrÃ¤mie fÃ¼r Provinzrat und Gouverneur. Vom Drogenschmuggel sei der Norden allerdings weiter betroffen. 15% gehen durch den Norden, 50% nach Iran, 35% nach Pakistan.</p>
<p>Nach den bisherigen Erfahrungen stehen die Chancen gut fÃ¼r einen ruhigen Verlauf der Wahlen.</p>
<p>Nachdem es in den letzten Jahren fÃ¼r die LandbevÃ¶lkerung angesichts der DÃ¼rre oft ums Ãœberleben ging, habe die jetzige Rekordernte den Provinzen groÃŸe ÃœberschÃ¼sse erbracht.</p>
<p>Das von uns im letzten August besuchte Umspannwerk in Mazar lÃ¤uft inzwischen voll. Beim Teacher Training Center in Mazar ist ein neues LehrgebÃ¤ude im Bau, wurde vor zwei Wochen der Grundstein fÃ¼r ein Wohnheim gelegt. Im Deutschen Haus arbeiten 10 Internationale mit 50-70 einheimischen MitarbeiterInnen.</p>
<p>In den Provinzen Kunduz und Takhar arbeiten die dt. EZ-DurchfÃ¼hrungsorganisationen GTZ, KfW und DED mit 35 Internationalen und 150 einheimischen MitarbeiterInnen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Schwerpunkte der deutschen Aufbau- und Entwicklungsarbeit</span> in den beiden Provinzen (und Badakhshan) sind:</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  Grundbildungsprogramm (auch in Kabul und Paktia) Teacher Training Center in Mazar</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  stÃ¤dtische Wasserversorgung Kunduz, Imam Shahib, Taloqan und Feyzabad, Wiederherstellung des Wasserkraftwerks Khanabad (Fertigstellung 2011),</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  wirtschaftliche Infrastrukturentwicklung (StraÃŸen, BrÃ¼cken, marktbezogene Infrastruktur),</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  Wiederaufbau des Provinzkrankenhauses Balkh,</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  Dt. Polizei Projektteam (Police Training Centers Mazar und Kunduz).</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  Der Flughafen Mazar wird zu einem der modernsten in Zentralasien ausgebaut. Die 35 Mio. Euro Kosten werden von Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten erbracht.</p>
<p>Ein â€žAltfall&quot; ist die alte BrÃ¼cke Ã¼ber den Kunduz-Fluss bei Chahar Dara, deren Erneuerung schon seit drei Jahren im GesprÃ¤ch ist. Begonnen wurde inzwischen mit dem Bau der â€žMischa-Meier-BrÃ¼cke&quot;, der zweiten BrÃ¼cke Ã¼ber den Kunduz-FluÃŸ zwischen den Distrikten Chahar Dara und Aliabad. Die 1,7 Mio. Euro werden aus dem Infrastrukturtopf der Bundeswehr bestritten. Vor Monaten wurde ein Chahar Dara StabilitÃ¤tsfonds mit zusÃ¤tzlichen 500.000 Euro von AA und BMZ geschaffen. Ein sehr wichtiges Zeichen war nach unserem Besuch die vom AA-Vertreter Hermann Nicolai Ã¼berbrachte deutsche Spende von KoranbÃ¤nden und Teppichen fÃ¼r 40 Moscheen in diesem Krisendistrikt.</p>
<p>In Takhar wurde eine wichtige BrÃ¼cke von der Flut zerstÃ¶rt. Zzt. suche man noch nach Mitteln fÃ¼r den Wiederaufbau.</p>
<p>Im Rahmen des Provincial Development Fonds (PDF) werde aus ressortgemeinsamen Mitteln durch ein afghanisch-deutsches Entscheidungsgremium verschiedenste dringliche Kleinprojekte finanziert. Zzt. liegen AntrÃ¤ge Ã¼ber ca. 2 Mio. $ pro Provinz vor. Zur VerfÃ¼gung stehen aber nur 800.000 Euro/Provinz. â€žWir kÃ¶nnten viel mehr gebrauchen.&quot; Notwendig seien grÃ¶ÃŸere Projekte, so in der Infrastruktur. Aber dafÃ¼r stehe nicht genug Geld zur VerfÃ¼gung.</p>
<p>Ein langjÃ¤hriger dt. EZ-Mitarbeiter in Kunduz kritisiert den vorherrschenden â€žSensationsjournalismus&quot;. Man biete Projektbesuche an. Aber oft fehle bei Journalisten das Interesse.</p>
<p><strong>Polizeiaufbau</strong></p>
<p>Die Provinz Kunduz erstreckt sich Ã¼ber eine FlÃ¤che von 220 x 200 km (Rheinland-Pfalz plus Saarland) und besteht aus 6 Distrikten. Um in den gebirgigen Nordosten oder SÃ¼dosten der Provinz zu kommen, braucht man 8 Stunden. Kunduz war bekannt als Kornkammer AFG`s. Von den 1,2 Mio. Einwohnern sind 350.000 SchÃ¼lerinnen und SchÃ¼ler. Fast alle Ethnien sind hier vertreten. In Kunduz ist der Paschtunenanteil 25-30%. Ende 2001 war Kunduz eine der letzten Taliban-Hochburgen. Hekmatjar stammt aus dieser Provinz.</p>
<p>Lt. General Rasaq, ANP-Chef in der Provinz, sei Kunduz fÃ¼r die Islamisten ein strategischer Angriffspunkt, zumal der ISAF-Nachschub vermehrt Ã¼ber den Norden, also durch Kunduz laufe.</p>
<p>Ein groÃŸes Problem sei der Polizei-Stellenplan (Tashkil). Im vorigen Jahr wurden durch Beschluss der Zentralregierung 537 Stellen gestrichen! FÃ¼r ein Gebiet mit 450.000 Einwohnern gebe es ganze 96 Polizisten, davon 33 Offiziere. (Ein EUPOL-Beamter: Es gebe Distrikte von 30x30 km praktisch ohne Polizei.) Posten mussten von 8 auf 4 Mann reduziert werden. Polizisten mÃ¼ssen tagsÃ¼ber kontrollieren und nachts kÃ¤mpfen. KÃ¼rzlich wurden an einem Checkpoint 4 Polizisten erschossen. Viele entlassene Polizisten seien Ã¼bergelaufen und kÃ¤mpften nun gegen die eigenen KrÃ¤fte.</p>
<p>Der Polizeigeneral bezeichnet die Arbeitslosigkeit und damit tausende frustrierter junger MÃ¤nner als Hauptgefahr. Ein wichtiger Machtfaktor seien die Mullahs. Der Gegner versuche diese durch UnterstÃ¼tzungen zu beeinflussen. Er schlieÃŸt mit den Worten: â€žBitte unterstÃ¼tzen Sie unser PRT!&quot;</p>
<p>Im Rahmen des <span style="text-decoration: underline;">Focused District Development</span> wird in diesem Jahr die Polizei von 10 Distrikten ausgebildet, im nÃ¤chsten Jahr weitere 20. AnschlieÃŸend werden die Polizisten Ã¼ber mehrere Monate von je 4 Polizisten und FeldjÃ¤gern in ihren Distrikten begleitet.</p>
<p>FÃ¼r die 10 Mio. Einwohner des Norden stehen 12.000 Polizisten zur VerfÃ¼gung (1 : 600).</p>
<p><strong>MilitÃ¤rische und Sicherheitslage</strong></p>
<p><strong>Nord</strong></p>
<p>Zum Regional Command North gehÃ¶ren zzt. 5.500 Soldaten und 5 PRT`s.</p>
<p>Das 209. ANA-Korps bestand bis Anfang 2009 aus einer Brigade mit 3.500 Soldaten. Jetzt wird die 2. Brigade aufgebaut, in 2010 die 3. Brigade.</p>
<p>Die Sicherheitslage im Norden ist insgesamt viel besser als die im SÃ¼den und Osten. Kritisch sind Kunduz und Ghormach im Nordwesten. Nach einer erfolgreichen ANA-Operation werde in Ghormach jetzt erstmalig der Comprehensive Approach umgesetzt.</p>
<p><strong>Kunduz und Takhar</strong></p>
<p>Auch im PRT Kunduz sind die Hesko-Mauern weiter angewachsen. Das PRT ist mit zzt. Ã¼ber 1.000 Soldaten (davon ca. 650 PRT-AngehÃ¶rige des 19. Kontingents und Ã¼ber 200 QRF) weit Ã¼ber die alle Planungen hinaus belegt. Knapp 50 deutsche und 70 belgische Soldaten sind im Rahmen der OMLT`s fÃ¼r das Logistik- bzw. Infanterie-Bataillon der 2. Brigade eingesetzt.</p>
<p>Im Provincial Advisory Team (PAQT) Taloqan sind um die 40 Soldaten. Ihr Einsatzgebiet reicht im Umkreis bis eine Stunde Fahrzeit. Der GroÃŸteil der Provinz Takhar ist fÃ¼r ISAF deshalb unbekannt.</p>
<p>Sehr hilfreich ist die Drohne Luna als TrÃ¤ger der schnellen AufklÃ¤rung. Seit Januar erfolgten 210 Luna-FlÃ¼ge zwischen zwei bis 6 Stunden. Die AufklÃ¤rungsdrohne KZO kommt ab Sommer zum Einsatz.</p>
<p>Nach ISAF-Kriterien ist die Bedrohungslage nirgendwo hoch. Kritisch sind aber die Distrikte Chahar Darrah und Aqtash, identifiziert sind RÃ¼ckzugsrÃ¤ume von AufstÃ¤ndischen und SelbstmordattentÃ¤tern.</p>
<p>Raketenangriffe gab es 2009 bisher 15, 12 davon Richtung PRT (3 EinschlÃ¤ge im PRT, geringer Sachschaden). Seit fÃ¼nfeinhalb Wochen gab es keinen Raketenangriff mehr.</p>
<p>IED`s gab es bisher 28, davon 6 gegen ISAF, 4 gegen ANSF, 16 entdeckt, 2 beim Verlegen explodiert. Die letzte IED-Attacke erfolgte am 7.6. auf Little Pluto, der Hauptverbindungsstrecke nach Chahar Darrah. Die Angriffe erfolgen in der Regel kombiniert mit Handwaffenbeschuss.</p>
<p>Hinterhalte gab es bisher 33, davon 12 gegen ISAF, 19 gegen ANSF.</p>
<p>DarÃ¼berhinaus versuchen die regierungsfeindlichen KrÃ¤fte mit â€žnightletters&quot; und Morden eine EinschÃ¼chterung â€žvon unten&quot;: gegen ANSF-AngehÃ¶rige, gegen lokale Mitarbeiter von Entwicklungsorganisationen. Manche Projekte wurden inzwischen eingestellt. In der Nacht vom 5. zum 6.6. wurde der FAO-Compound am Stadtrand mit PanzerfÃ¤usten und Handwaffen angegriffen, wobei zwei WachmÃ¤nner verletzt wurden. Auch wenn der Hintergrund noch unklar ist, wirkt dieser erstmalige Angriff auf eine zivile Organisation doch verunsichernd.</p>
<p>Die regierungsfeindlichen KrÃ¤fte sind weiterhin ein Gemenge aus verschiedenen Gruppierungen bis zu kriminellen KrÃ¤ften. Keine Belege gibt es fÃ¼r die PrÃ¤senz auslÃ¤ndischer KÃ¤mpfer. Auch Ausweichbewegungen aus Pakistan oder dem SÃ¼den sind bisher nicht feststellbar.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">SchulschlieÃŸungen</span>: Hier ist die Lage unÃ¼bersichtlich. Die meisten erfolgten im â€žPaschtunengÃ¼rtel&quot;, z.T. tage- oder wochenweise. Wo schon 9-12-jÃ¤hrige MÃ¤dchen als heiratsfÃ¤hig gelten, trifft ihre Unterrichtung durch Lehrer immer wieder auf Ablehnung. Es fehle noch an Lehrerinnen.</p>
<p>Die <span style="text-decoration: underline;">Absicht des PRT-Kommandeurs</span> ist, die Sicherheitslage im GroÃŸraum Kunduz</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  durch konsequente UnterstÃ¼tzung aller ANSF-Operationen</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  (...)</p>
<p>zu verbessern, um die sich verstÃ¤rkenden AufstÃ¤ndischen-AktivitÃ¤ten zu stÃ¶ren und das Vertrauen der BevÃ¶lkerung zurÃ¼ckzugewinnen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Neue IntensitÃ¤t des bewaffneten Konflikts</span>: Seit dem 29. April 2009 haben die AufstÃ¤ndischen-Angriffe und ZusammenstÃ¶ÃŸe eine neue IntensitÃ¤t erreicht. Vorher erfolgten ÃœberfÃ¤lle nach der hit-and-run-Taktik, zielten AnschlÃ¤ge auf die Vernichtung einzelner Fahrzeuge, Soldaten und Polizisten. Damals beschrÃ¤nkten sich deutsche ISAF-Soldaten darauf, bei Beschuss zurÃ¼ckzuschieÃŸen, den Gegner â€žunten zu halten&quot; und sich von ihm zu lÃ¶sen bzw. durchzubrechen. Jetzt zeigen die komplexen Angriffe regelrecht militÃ¤rische Ausbildung und FÃ¼hrung und zielen mit Mehrfachfallen auf die Vernichtung ganzer Einheiten. Bis zu unserem Besuch ereignen sich sieben solcher Gefechte. Erstmalig in der Geschichte der Bundeswehr fÃ¤llt ein Soldat im Kampf (29.4.), erstmalig werden etliche Gegner im Kampf getÃ¶tet (7.5. mindestens zwei, 4.6. mindestens zehn), erstmalig erhÃ¤lt Bundeswehr in AFG LuftnahunterstÃ¼tzung nicht nur mit â€žshow of force&quot; im Tiefflug und Flairs, sondern mit Bordwaffen (15.6.). Am 19.7. werden erstmalig ein MÃ¶rser (3 Granaten) und der SchÃ¼tzenpanzer Marder eingesetzt.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Beispiel Gefecht am 4. Juni</span>: Vom 3.5. bis 14.6. lief die Operation â€žSahda Ehlm&quot; in einem 30-km-Radius um Kunduz. Nordwestlich Kunduz liegen einige Ortschaften mit mutmaÃŸlichen AufstÃ¤ndischen. Mit Checkpoints sollten ihre Bewegungen gestÃ¶rt werden. Gegen 16.30 Uhr wird ein SpÃ¤htrupp bei Aq Shakh beschossen. Der anrÃ¼ckende VerstÃ¤rkungszug wird aus vorbereiteten Stellungen Ã¼ber mehr als einen km ca. eine halbe Stunde lang beschossen. Obwohl mehrere AufstÃ¤ndische getroffen wurden, greifen die Gegner weiter an. In einer Feuerpause beginnen ISAF- und ANA-Soldaten den RÃ¼ckmarsch. An einer Kreuzung befinden sich viele Zivilpersonen, die angeblich von AufstÃ¤ndischen aus den HÃ¤usern getrieben worden seien (als Deckung fÃ¼r den Abtransport von Verwundeten). Danach kommt es zu einem dritten Hinterhalt. Die Soldaten werden von beiden Seiten mit PanzerfÃ¤usten in hoher Zahl beschossen, z.T. mehrere auf ein Fahrzeug. Bis zu vier A-10 der US-Airforce leisten mit Tiefflug und Flairs (TÃ¤uschkÃ¶rper) LuftnahunterstÃ¼tzung. Wegen mangelnder Unterscheidbarkeit am Boden kommt es nicht zum Waffeneinsatz. Insgesamt ziehen sich Feuerwechsel und Gefechte mit Unterbrechungen Ã¼ber fÃ¼nf Stunden hin. Auf der Seite der mehr als 80 AufstÃ¤ndischen werden mindestens 10 Tote gezÃ¤hlt, keine Verluste auf Seiten ISAF (ca. 120 Soldaten) und ANA. Einige Soldaten sind aber psychisch nicht mehr einsatzfÃ¤hig.</p>
<p>Es heiÃŸt: WÃ¤re die VerstÃ¤rkung nicht rechtzeitig gekommen, hÃ¤tten die ISAF-Soldaten mit ihrer besseren Ausbildung und Bewaffnung nicht den Kampf aufgenommen - und auch einige Male schlicht GlÃ¼ck gehabt -, hÃ¤tte es auf Seiten der Bundeswehr hÃ¶chstwahrscheinlich Tote und Verwundete in hoher Zahl gegeben. Zugleich behielt man in dem relativ dicht besiedelten Gebiet die Umsicht, zivile Opfer strikt zu vermeiden.</p>
<p>Die Gruppen- und ZugfÃ¼hrer, d.h. junge MÃ¤nner in den Zwanzigern vom Hauptfeldwebel bis zum Oberleutnant, tragen die Hauptverantwortung vor Ort.</p>
<p>In den Tagen danach machten die Soldaten ein Debriefing durch, erst im Rahmen ihrer Gruppe/Teil-einheit, dann mit dem MilitÃ¤rpsychologen.</p>
<p>Unter den Soldaten ist der Drang nach schweren Waffen, vor allem HubschrauberunterstÃ¼tzung unÃ¼berhÃ¶rbar. Zu spÃ¼ren ist der soldatische Grundmechanismus von Kriegen â€žentweder wir oder die&quot; und der kameradschaftliche Zusammenhalt als elementarer Antrieb.</p>
<p>Eigene Tote, Verwundete, Traumatisierte haben Bundeswehrsoldaten inzwischen schon etliche Male erlebt. Jetzt haben sie das getan, wofÃ¼r sie militÃ¤risch ausgebildet sind, was sie bisher nie tun mussten - tÃ¶ten. Wie bewÃ¤ltigen sie das? Wie werden StaatsbÃ¼rger in Uniform damit fertig - mit dem sich einbrennenden Film eines solchen Ãœberlebenskampfes? Wie bewÃ¤hrt sich jetzt Innere FÃ¼hrung, die Bindung der Bundeswehr an die Werte des Grundgesetzes?</p>
<p>Ein Journalist, der schon einige Tage hier ist, beobachtet bei den Soldaten eine besondere Ernsthaftigkeit. Ein AFG-erfahrener dt. Diplomat in Kabul lobt die â€žentschlossene Besonnenheit&quot; der Bundeswehrsoldaten.</p>
<p><strong>Danach</strong></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Zwei Tage nach</span> unserem Wegflug aus Kunduz am 15.6. mehrstÃ¼ndiges Gefecht: ca. 15 km nordwestlich Kunduz, Beschuss einer ANA Kompanie mit belg. OMLT mit Handwaffen und RPG; die zur Hilfe gerufene QRF befreit die afghanischen und belgischen Soldaten aus der Umzingelung, Bei der angeforderten US-LuftnahunterstÃ¼tzung kommt es erstmalig zum Waffeneinsatz einer A-10 (Bordkanone und Rakete) im Nordosten. An dem ca. sechsstÃ¼ndigen Gefecht sind etwa 200 afghanische, dt. und belgische Soldaten beteiligt. 2 ANA Soldaten und mindestens 5 Angreifer wurden getÃ¶tet.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Zehn Tage nach</span> unserem Kunduz-Besuch werden in Chahar Dara 6 km sÃ¼dwestlich des PRT Kunduz KrÃ¤fte der Schutzkompanie mit Handfeuerwaffen und RPG angegriffen. Bei AusweichmanÃ¶ver stÃ¼rzt ein â€žFuchs&quot; in einen Wassergraben und Ã¼berschlÃ¤gt sich. Drei Soldaten sind eingeklemmt und ertrinken in dem 2 m tiefen Wasser, vier weitere kÃ¶nnen trotz Beschuss gerettet werden. Mehrere A-10 Thunderbolt leisten LuftnahunterstÃ¼tzung mit show of force.</p>
<p>Am selben Tag werden<strong> </strong>drei Zivilhelfer des â€žDevelopment and Humanitarian Services for Afghanistan&quot; in Aqcha/<span style="text-decoration: underline;">Jowzjan</span> (Nordwest) durch IED getÃ¶tet.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Am nÃ¤chsten Tag</span> bricht in Deutschland wieder eine der Ã¼blichen â€žBlitzdebatten&quot; aus - Stimmen, die schwerere Waffen, die â€žKlartext&quot; (â€žDeutschland fÃ¼hrt Krieg&quot;) fordern.</p>
<p>Wo Soldaten in Kunduz zu Recht ihre Kriegssituation ehrlich beim Namen genannt und nicht beschÃ¶nigt haben wollen, da hÃ¶re und spÃ¼re ich im heiÃŸen Berlin zugleich Kriegstrommler aus entgegen gesetzten Richtungen:</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  solche, die endlich wieder â€žkriegsfÃ¤hig&quot; sein wollen;</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  solche, die schlichtweg die taktische Ebene (Kleinkrieg in einzelnen Distrikten) und die strategische Ebene (Auftrag StabilisierungsunterstÃ¼tzung) durcheinander bringen;</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  solche, die sich endlich bestÃ¤tigt fÃ¼hlen, nachdem sie seit Jahren den friedenssichernden ISAF- und Bundeswehreinsatz als Kriegseinsatz verkannt bzw. verzerrt haben.</p>
<p>Hohe Bundeswehroffiziere nennen diese Debatte absurd: Wo sich die neue US-Regierung gerade von der Ideologie des â€žKrieg gegen den Terror&quot; verabschiede, drÃ¤ngen hierzulande viele jetzt in diese Richtung.</p>
<p>Eine solche - in erster Linie von BefÃ¼rwortern des AFG-Einsatzes verantwortete - Debatte wirkt wie â€žfriendly fire&quot;: weiterer Akzeptanzverlust in Deutschland, Verunsicherung fÃ¼r die Soldaten und ihre AngehÃ¶rigen, Abschreckung fÃ¼r die freiwilligen Entwicklungshelfer und Polizeiausbilder, die so dringend und mehr benÃ¶tigt werden.</p>
<p>Die Spitzen der Bundesregierung agieren bei alledem Ã¼berwiegend reaktiv und geduckt, eher beschÃ¶nigend, nie ressortgemeinsam, insgesamt ohne ehrliche Ãœberzeugungskraft und GlaubwÃ¼rdigkeit - halbherzig. Angesichts der gefÃ¤hrlichen AbwÃ¤rtsdynamik in AFG und der Chancen des US-Strategie-wandels ist das grob fahrlÃ¤ssig. GegenÃ¼ber den Millionen Afghaninnen und Afghanen, die immer noch besonders auf Deutschland setzen, gegenÃ¼ber den tausenden Soldaten und hunderten Aufbauhelfern, Polizisten und Diplomaten, die in AFG Bewundernswertes leisten, ist das unverantwortlich.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Weitere Berichte und Stellungnahmen von W.N. zu Afghanistan/Pakistan - Auswahl</span></strong><strong> </strong>(ohne BundestagsantrÃ¤ge und -reden; vollstÃ¤ndige Liste und Texte unter <a href="../../../../../">www.nachtwei.de</a>)</p>
<p>- AWACS-Einsatz Ã¼ber Afghanistan: mehr Sicherheit oder mehr Krieg? Beratungspapier 19.6.2009</p>
<p>- Pakistan im April - Visite am Abgrund, Reisebericht Mai 2009</p>
<p>- â€ž<strong>Better News statt Bad News</strong> aus Afghanistan&quot;, V/Juni ,IV/MÃ¤rz 2009, III/November, II/September 2008, I/August 2007</p>
<p>- <strong>Materialien zur Sicherheitslage</strong> Afghanistans (+ Pakistans), lfd. aktualisiert seit Sommer 2007, Kurz- und Langfassung (intern), Juni 2009</p>
<p>- PersÃ¶nliche ErklÃ¤rung zur namentlichen Abstimmung Ã¼ber die Fortsetzung des deutschen ISAF-Einsatzes am 16.10.2008 zusammen mit Claudia Roth, Kerstin MÃ¼ller, BÃ¤rbel HÃ¶hn, Britta HaÃŸelmann, Katrin GÃ¶ring-Eckardt u.a.; Brief an die KollegInnen der Bundestagsfraktion zur bevorstehenden ISAF-Entscheidung, 14.10.2008</p>
<p>- Vor der ISAF-Mandatsentscheidung: JÃ¼ngste EindrÃ¼cke aus Kabul, Mazar-e Sharif und Kunduz, Bericht von der Obleutereise Ende September/Anfang Oktober 2008</p>
<p>- Krieg in Afghanistan - â€žBundeswehr im Krieg&quot;!? Stellungnahme Oktober 2008</p>
<p>- Kurswechsel statt Sofortabzug - Zur Forderung nach einem kurzfristigen Truppenabzug aus Afghanistan, Stellungnahme 26.9.2008</p>
<p>- Viele Lichtblicke bei immer mehr DÃ¼sternis - Besuch in West-, SÃ¼d-, Zentral-, Nord-Afghanistan<strong>, </strong>Reisebericht September 2008</p>
<p>- Zwischenberichte zum prekÃ¤ren Stand der EU-Polizeimission in Afghanistan und zur Ausbildung fÃ¼r polizeiliche AuslandseinsÃ¤tze beim Institut fÃ¼r Aus- und Fortbildung der Polizei NRW in BrÃ¼hl, November 2007</p>
<p>- Enduring Freedom nach sechs Jahren: Selbstverteidigung ohne Grenzen - mehr BegleitschÃ¤den als Nutzen, 14.11.2007</p>
<p>- Dokumentation â€žPolizeiaufbau in Afghanistan 2002-2007&quot;, eigene Berichte und Initiativen</p>
<p>- Folienvortrag â€žAfghanistan: Wie weiter?&quot;, Januar 2008</p>
<p>- Afghanistan-Besuch im Oktober 2006: Zwischen Anschlagsgefahren und Aufbaufortschritten (mit Exkurs zum Streit Ã¼ber den ISAF-Einsatz in SÃ¼d-AFG), 24.11.2006</p>
<p>- Nach fÃ¼nf Jahren Beteiligung an Enduring Freedom: Nicht mehr dringlich und nicht mehr verantwortbar, 7.11.2006</p>
<p>- Besuch in Nord-Afghanistan: Hoch kritische Monate, Reisebericht 24. Juli 2006</p>
<p>- Dringende Fragen<strong>: Afghanistan auf der Kippe?</strong> Juli 2006<strong></strong></p>
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