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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Antwort auf den Offenen Brief des TrÃ¤gerkreises &quot;Bundeswehr raus aus Afghanistan&quot;</title>
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        <h1>
            Antwort auf den Offenen Brief des TrÃ¤gerkreises &quot;Bundeswehr raus aus Afghanistan&quot;         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 8. Oktober 2007 18:44:22 +02:00 (91576 Aufrufe)            </div>
            <div>    Winfried Nachtwei hat eine ausfÃ¼hrliche Antwort auf den Offenen Brief des TrÃ¤gerkreises â€žBundeswehr raus aus Afghanistan&quot; an die Delegierten des auÃŸerordentlichen Parteitags von BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen formuliert. im folgenden dokumentieren wir seine Antwort:<br /></div>
            <div>      <p>Zum Offenen Brief der Kampagne â€žBundeswehr raus aus Afghanistan&quot; an die Delegierten des auÃŸerordentlichen Parteitags von BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen</p><p align="center">Winni Nachtwei, MdB, sicherheits- und abrÃ¼stungspolitischer Sprecher</p><p>8.10.2007</p><p>Liebe Freundinnen, liebe Freunde,</p><p>seit Jahren fordern VertreterInnen verschiedener Friedensorganisationen den Abzug von Bundeswehr und ISAF  aus Afghanistan. In diesem Jahr geschah das als Kampagne mit einer zentralen Demo in Berlin am 15. September.</p><p>Wie in den Vorjahren antworte ich gerne, weil die Ã¶ffentliche Auseinandersetzung um das deutsche und internationale Afghanistan-Engagement unabdingbar ist und weil ich Eure grundsÃ¤tzliche Intention teile - fÃ¼r Frieden und gegen auslÃ¤ndische Bevormundung, gar Besatzung in Afghanistan, gegen den Irrglauben von militÃ¤rischen â€žLÃ¶sungen&quot;, fÃ¼r den Primat ziviler Konfliktbearbeitung.</p><p>Deshalb habe ich mir auch erlaubt, mich zu Beginn meiner Rede auf dem GÃ¶ttinger Parteitag an die gleichzeitig stattfindende Berliner Demonstration zu wenden:</p><p><em>â€žHeute findet in Berlin eine Demonstration unter der Losung â€žBundeswehr raus aus Afghanistan&quot; statt. Ich kenne etliche der teilnehmenden Organisationen, mit denen wir z.T. gut zusammenarbeiten. Ich teile die Sorgen von Mitgliedern des Grundrechte-Komitees, von â€žEirene&quot;, IPPNW und anderen Ã¼ber die Gewalteskalation in Afghanistan. Ich teile ihre Kritik an unzureichenden Aufbauanstrengungen. Diese Demonstranten grÃ¼ÃŸe ich ausdrÃ¼cklich.</em> (Beifall)</p><p><em>Zugleich widerspreche ich den Pauschalbildern im Aufruf zur Demonstration:</em></p><p><em>Die sehr unterschiedliche afghanische RealitÃ¤t wird reduziert auf ein geschlossenes KatastrophengemÃ¤lde, die Fortschritte neben den RÃ¼ckschritten werden ignoriert.</em></p><p><em>Ich widerspreche der Gleichsetzung von ISAF gleich Besatzer gleich Enduring Freedom, als sei alles Krieg. In Wirklichkeit unterscheidet sich ISAF sehr von Region zu Region. Im Norden, dem deutschen Hauptverantwortungsbereich, ist ISAF eindeutig eine UnterstÃ¼tzungstruppe, Stabilisator in einem Umfeld vieler Gewaltakteure, ausdrÃ¼cklich keine Besatzungstruppe. WÃ¼rde die Bundeswehr, wÃ¼rde ISAF dort abgezogen, wÃ¤re das gegen den Willen der dortigen BevÃ¶lkerung.&quot;</em> (Beifall)</p><p>Ihr seht: Eurer EinschÃ¤tzung der Lage und Entwicklung in Afghanistan widerspreche ich weiterhin deutlich. Als jemand, der inzwischen acht Mal vor Ort war, weiÃŸ ich vermehrt um die Grenzen meiner Afghanistan-Kenntnisse. Allerdings wird mir jedes Mal deutlicher, wie sehr sich eine Pauschalwahrnehmung dieses in vieler Hinsicht zerklÃ¼fteten Landes und des Agierens der heterogenen und oft widersprÃ¼chlichen Internationalen â€žGemeinschaft&quot; verbietet.</p><p>Der Reihe nach.</p><p><strong>(a) â€žRÃ¼ckgrat OEF&quot;:</strong> Ihr behauptet, die Bundesregierung habe von Anfang an den Fehler gemacht, ihre Antiterror-Strategie an den â€žKrieg gegen den Terror&quot; der USA zu binden. Die Beteiligung an Enduring Freedom und der Tornado-Einsatz seit April 2007 seien das â€žRÃ¼ckgrat des deutschen Engagements in einem der Ã¤rmsten LÃ¤nder der Welt&quot;.</p><p>Wer SchrÃ¶ders Wort von der â€žuneingeschrÃ¤nkten SolidaritÃ¤t&quot; fÃ¼r die reale Politik hÃ¤lt, kann das glauben. Die tatsÃ¤chliche deutsche Politik sah aber von Anfang an anders aus: PrioritÃ¤t fÃ¼r den politischen Petersberg-Prozess im Rahmen der Vereinten Nationen; UnterstÃ¼tzung von (Wieder-)Aufbau und Entwicklung im Rahmen der UN-mandatierten ISAF zunÃ¤chst in der Hauptstadt, dann auch in anderen Provinzen; verlÃ¤sslicher und fÃ¼hrender Beitrag zu SicherheitsunterstÃ¼tzungstruppe ISAF; realiter sehr begrenzte und nur zeitweilige UnterstÃ¼tzung von OEF mit bis zu 100 KSK-Soldaten. Hier von der OEF-Beteiligung als â€žRÃ¼ckgrat des deutschen Engagements&quot; zu sprechen, ist blanker Unsinn - hinsichtlich des Personal- und Finanzmitteleinsatzes, hinsichtlich des politischen Stellenwerts und der militÃ¤rischen Wirkung.</p><p><strong>(b) Das GroÃŸe Scheitern</strong>: Ihr behauptet, â€žkeine der AbsichtserklÃ¤rungen, im Â´Schutz des MilitÃ¤rs (...) den Aufbau rechtsstaatlicher und demokratischer Strukturen voran zu bringen, hat sich erfÃ¼llt. Der Krieg und die andauernde Besatzung mÃ¼ssen als gescheitert betrachtet werden.&quot;</p><p>Eure Bewertung besticht durch ihre Unterschiedslosigkeit. Ihr ignoriert die positiven Entwicklungen bis 2004/5 - von der allerdings in Teilen des Landes, insbesondere im SÃ¼den und Osten (fast) nichts ankam. Ihr ignoriert die z.T. enormen Fortschritte, die es im Zentrum, in Provinzen des Nordens und Westens bis heute gibt. Dort gibt es immer wieder AnschlÃ¤ge und Beschuss, Akte von SchwerstkriminalitÃ¤t, aber keine KÃ¤mpfe. ZustÃ¤nde eines asymmetrischen Krieges herrschen in Teilen der SÃ¼d- und SÃ¼dostprovinzen, aber nicht z.B. im Norden, der mit seiner 1.200 km O-W- und 400 km N-S-Ausdehnung 30% der FlÃ¤che und 40% der BevÃ¶lkerung Afghanistans und erhebliche Konfliktpotenziale umfasst. Auftrag, Einsatzregeln, KrÃ¤fteumfang, Ausstattung und Einsatzalltag von ISAF im Norden zeigen: Dort findet ein Stabilisierungs- und Friedenssicherungseinsatz und kein Kampf- und Kriegseinsatz statt.</p><p>ISAF und Bundeswehr verhalten sich nicht als Besatzer, sondern ausdrÃ¼cklich als UnterstÃ¼tzer - sogar wenn es bei bestimmten Gouverneuren schwer fallen kann. Von der groÃŸen Masse der BevÃ¶lkerung werden sie auch nicht als Besatzer wahrgenommen. Beispielhaft dafÃ¼r ist die Reaktion einer groÃŸen Versammlung von Rechtsgelehrten, Lehrern etc. in Kunduz nach dem Selbstmordanschlag auf Bundeswehrsoldaten im Mai. In einer Resolution sprachen sie sich vehement fÃ¼r den Verbleib des PRT aus.</p><p>Erheblich anders sind Verhalten und Ansehen von OEF - und z.T. auch ISAF - im SÃ¼den. Dort habe man, wie ich noch im Mai in Kabul von einem SÃ¼d-Kundigen erfuhr, tatsÃ¤chlich die Menschen verloren - ausgenommen damals noch Uruzgan, wo die NiederlÃ¤nder die ISAF-Hauptverantwortung tragen. Verdichtet hat sich unsere EinschÃ¤tzung, dass OEF der TerrorbekÃ¤mpfung und Stabilisierung mehr schadet als nutzt und eingestellt werden muss.</p><p>Seit mehr als einem Jahr beobachte nicht nur ich die zunehmend kritische Entwicklung in Afghanistan, die enorme Zunahme von Gefechten und AnschlÃ¤gen vor allem im SÃ¼den und Osten, den Vertrauensverlust von Zentralregierung und Internationaler Gemeinschaft. â€žAfghanistan steht auf der Kippe&quot; (so meine Warnung im Juli 2006), â€ždas Zeitfenster droht sich zu schlieÃŸen&quot; (Dr. S. Kinnemann, Berater von PrÃ¤sident Karzai 2002-06).</p><p>Pauschal und kategorisch brecht Ihr den Stab Ã¼ber die Entwicklung Afghanistans und das internationale Engagement dort. Dabei verabsolutiert Ihr nicht nur die vielen Schatten. Ihr scheint auch die Ã¤uÃŸerst schwierigen Ausgangsbedingungen eines von mehr als 20 Kriegsjahren zerstÃ¶rten und zerrÃ¼tteten Landes und einer hoch fragmentierten Gesellschaft vÃ¶llig zu unterschÃ¤tzen.</p><p><strong>(c) Das zivil-militÃ¤rische VerhÃ¤ltnis</strong>: Auch wir kritisieren seit langem das MissverhÃ¤ltnis zwischen den Aufwendungen fÃ¼r das MilitÃ¤r und den zivilen Aufbau. Das konterkariert den Anspruch auch der Bundesregierung von der PrioritÃ¤t des zivilen Aufbaus. Der Tornado-Einsatz hat dieses MissverhÃ¤ltnis verschÃ¤rft. Wir fordern mindestens eine Verdoppelung der Aufbaugelder.</p><p>Falsch wÃ¤re jeder Anspruch der MilitÃ¤rs auf Unterordnung der zivilen Akteure. Meiner Erfahrung nach ist das im Bereich von â€žStabilisierungs-ISAF&quot; nicht der Anspruch und erst Recht nicht RealitÃ¤t. Da wÃ¼rden sich auch MilitÃ¤rs schnell die ZÃ¤hne ausbeiÃŸen.</p><p>Richtigerweise legen humanitÃ¤re und Hilfsorganisationen Wert auf Distanz zum MilitÃ¤r. Das ist notwendig fÃ¼r ihre humanitÃ¤re Unparteilichkeit und ihre VertrauenswÃ¼rdigkeit in der BevÃ¶lkerung - und damit ihren Schutz durch ihre Gastgeber. Zugleich betonen auch viele Hilfsorganisationen und NGOs die Notwendigkeit internationaler MilitÃ¤rprÃ¤senz: zur eigenen RÃ¼ckversicherung, als Puffermacht zwischen verschiedenen Gewaltakteuren, als Voraussetzung dafÃ¼r, dass hier Ã¼berhaupt grÃ¶ÃŸere Entwicklungsorganisationen, UN-Organisationen, Polizeiausbilder etc. arbeiten kÃ¶nnen. Entsprechend Ã¤uÃŸerte sich auf unserem Parteitag der GeneralsekretÃ¤r der Welthungehilfe PreuÃŸ oder Thomas Gebauer von medico international  nach seiner RÃ¼ckkehr aus Afghanistan am 14. September in der taz.</p><p>Wo es um UN-mandatiertes Statebuilding ohne existierendes internes Gewaltmonopol, aber mit vielen starken Gewaltakteuren  geht, da ist militÃ¤rische Friedenssicherung unumgÃ¤nglich.</p><p><strong>(d) Der Polizeiaufbau</strong>: Der Aufbau einer einigermaÃŸen funktionsfÃ¤higen Polizei (und Justiz) ist von strategischer Bedeutung fÃ¼r selbsttragende Sicherheit in Afghanistan. Hier hatte Deutschland von 2002 bis Juni die internationale FÃ¼hrungsrolle. Das Ergebnis ist sehr unzureichend - allerdings auch nicht denkbar schlecht. Der deutsche Ansatz einer rechtstreuen und bÃ¼rgernahen Polizei war keineswegs falsch. Er bleibt deutlich besser als der US-Ansatz einer mit Hilfe privater Sicherheitsfirmen schnell ausgebildeten, militarisierten Polizei, die dann vor allem Kanonenfutter wurde. Gutes wurde gerade beim Aufbau der Polizeiakademie geleistet. Die deutschen Polizeiberater begegneten ihren afghanischen Kollegen mit Respekt. Allerdings waren und sind die BemÃ¼hungen vom Umfang her vÃ¶llig unzureichend.</p><p>Seit 2002 habe ich immer wieder versucht, fÃ¼r den Polizeiaufbau mehr Aufmerksamkeit und Engagement zu mobilisieren. Es war und ist ein Fehler von strategischer Dimension, dass der Polizeiaufbau in Politik und Ã–ffentlichkeit so wenig Aufmerksamkeit findet. FÃ¼r mich war es immer ein RÃ¤tsel, warum es auch in der Friedensbewegung nie sonderliches Interesse an der Frage gegeben hat.</p><p><strong>(e) Politik der Bundesregierung</strong>: Mit ihrem Ã¼berarbeiteten Afghanistan-Konzept zeigt die Bundesregierung wohl etwas mehr Einsicht in den Ernst der Lage, aber praktisch keine Bereitschaft, daraus auch die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Von Strategiewechsel, von neuen Aufbauanstrengungen keine Spur. Allerdings sÃ¤he die Ãœbernahme der US-Strategie noch erheblich anders aus, sowohl quantitativ wie auch hinsichtlich des Einsatzgebietes und der Einsatzarten.</p><p><strong>(f) Tornado-Einsatz</strong>: Nach zweimaligen Besuchen beim Tornado-Geschwader in Mazar-e-Sharif und Befragungen der Bundesregierung hat sich meine EinschÃ¤tzung des Tornado-Einsatzes nicht grundsÃ¤tzlich geÃ¤ndert. (vgl. meine Zwischenergebnisse unter <a href="/">http://www.nachtwei.de/</a>): Dass der Stabilisierungseinsatz von der Tornado-AufklÃ¤rung profitiert, lÃ¤sst sich nicht bestreiten. Auch wenn die Tornados wegen ihres langsamen AufklÃ¤rungszyklus zur direkten Zielmarkierung weniger geeignet sind, ist es keineswegs auszuschlieÃŸen, dass sie zumindest mittelbar zu den Kampfoperationen und Luft-Boden-EinsÃ¤tzen im SÃ¼den und Osten beitragen und dass da eine Trennung zwischen ISAF und OEF kaum noch mÃ¶glich ist. Unsere Fragen dazu an die Bundesregierung wurden bisher nicht beantwortet. Die von uns geforderte schriftliche Einsatz-Evaluierung liegt bisher nicht vor. DarÃ¼ber hinaus stehen die Tornados unverÃ¤ndert fÃ¼r eine schrÃ¤ge PrioritÃ¤tensetzung.</p><p><strong>(g) Konsequenzen eines Abzuges</strong>: Bei GesprÃ¤chen mit demokratischen KrÃ¤ften der afghanischen ZivilbevÃ¶lkerung und mit afghanischen ParlamentarierInnen  wurde einhellig und dringend vor einem Abzug gewarnt. In einem solchen Fall rechnet man fest mit einer schnellen Machtergreifung der Taliban vor allem im SÃ¼den und SÃ¼dosten und mit einem Wiederaufbrechen von BÃ¼rgerkrieg in anderen Landesteilen. Angesichts der enormen Konflikt- und Gewaltpotenziale ist das keine unzulÃ¤ssige Dramatisierung. Erinnert sei nur an die Jahre nach dem sowjetischen Abzug (1989 ff), als die â€žStaatengemeinschaft&quot; Afghanistan den RÃ¼cken zukehrte.</p><p>Heute kÃ¤me noch ein weiteres Risiko hinzu: Die Auswirkungen einer Re-Talibaniserung Afghanistans auf den Atomwaffenstaat Pakistan.</p><p>Besonders absurd wÃ¤re, mit den deutschen Soldaten - und in ihrem Gefolge zwangslÃ¤ufig auch den meisten Helfer, Polizisten etc. - gerade diejenigen abzuziehen, die in der afghanischen BevÃ¶lkerung immer noch besonders angesehen und die auch relativ am erfolgreichsten sind.</p><p>Eure Abzugsforderung ist sicher gut gemeint. Ihre Folgen wÃ¤ren zum jetzigen Zeitpunkt aber viel mehr Gewalt und Krieg und UnterdrÃ¼ckung statt weniger.</p><p>Ihr kÃ¶nnt nicht wirklich meinen, dass wir GrÃ¼ne das in Kauf nehmen sollten.</p><p><strong>(h) Eure Bezugsgruppen</strong>: Sehr auffÃ¤llig ist, auf wen Ihr Euch bezieht und auf wen nicht.</p><p>Habt Ihr schon mal gefragt, wer vor allem in Afghanistan den Abzug von ISAF und speziell der Bundeswehr fordert und wer nicht? Welchen Gruppen leiht Ihr Eure Stimme? Sind es vor allem die demokratischen und FriedenskrÃ¤fte? Unserer Erfahrung nach sind in diesen Kreisen die Stimmen fÃ¼r Abzug am schwÃ¤chsten und fÃ¼r Verbleib am stÃ¤rksten.</p><p>Mit keinem einzigen Wort erwÃ¤hnt Ihr, dass Statebuilding in Afghanistan wesentlich ein multilaterales Projekt im Auftrag und z.T. unter dem Dach der Vereinten Nationen ist. Wer da aussteigt, erteilt zugleich einem zentralen UN-Projekt eine Absage. Das muss man dann aber auch im UN-Rahmen legitimieren kÃ¶nnen. Waren die UN und ihre Kernaufgabe kollektiver internationaler Friedenssicherung nicht eine zentrale Lehre aus dem 2. Weltkrieg? Und sind die UN trotz ihrer Fehler und Defizite nicht auch heute noch die SchlÃ¼sselinstitution fÃ¼r den Weltfrieden?</p><p>Zugleich beansprucht Ihr Ã¼beraus selbstbewusst, dass die Demonstranten und Demonstrantinnen in Berlin eine â€ždeutliche Mehrheit in unserem Land&quot; vertreten wÃ¼rden. Die Umfragewerte sind bekannt. Allerdings darf die Frage nach den Motiven dieser BevÃ¶lkerungsmehrheit gestellt werden. Euch dÃ¼rfte bekannt sein, dass sich die zunehmende Ablehnung des Afghanistaneinsatzes lÃ¤ngst nicht nur aus friedenspolitischer Verantwortung speist, sondern dass da auch Absagen an Politik internationaler Verantwortung und latente Renationalisierungstimmungen eine erhebliche Rolle spielen.</p><p><strong>(i) FriedensfÃ¶rderung</strong>: Als Akteure der Friedensbewegung wÃ¤rt ihr Ã¼berzeugender, wenn ihr nicht nur bei der MilitÃ¤rkritik stehen bleiben wÃ¼rdet, sondern - sagen wir mal - wenigstens 20% auf VorschlÃ¤ge zur FriedensfÃ¶rderung in Afghanistan verwenden wÃ¼rdet.</p><p><strong>(j) Unser Votum</strong>:  Wenn wir am 12. Oktober Ã¼ber den Antrag der Bundesregierung im Bundestag abzustimmen haben, geht es um ISAF, die Tornados und die Afghanistanpolitik der Bundesregierung insgesamt. Die GrÃ¼ne Fraktion ist sich einig im DrÃ¤ngen fÃ¼r verstÃ¤rkten Aufbau und einen Strategiewechsel, fÃ¼r die Fortsetzung von ISAF und die Einstellung von OEF. Wir sind uns uneinig in der EinschÃ¤tzung der Tornados und der Art und Weise, wie wir einerseits an die Afghanen eine Botschaft der VerlÃ¤sslichkeit Ã¼bermitteln kÃ¶nnen und gleichzeitig am besten Druck auf die Bundesregierung fÃ¼r einen Strategiewechsel machen kÃ¶nnen. Vor diesem Hintergrund wird wahrscheinlich eine Mehrheit der Fraktion dem Antrag der Bundesregierung nicht zustimmen, eine Minderheit wird wahrscheinlich zustimmen.</p><p>Ich werde mich der Stimme enthalten, um damit meine seit mehr als einem Jahr vorgebrachte Kritik an der unzureichenden Afghanistanpolitik der Bundesregierung zu unterstreichen und zugleich die Abzugs-Botschaft eines Nein zu vermeiden. Ich will keine Ermutigung der Gewaltfraktionen und eine Entmutigung der demokratischen KrÃ¤fte.</p><p>Auch wenn sich unsere Argumentations-â€žGrÃ¤ben&quot; in den letzten Jahren kaum geÃ¤ndert haben, bin ich dennoch an einer Fortsetzung der Auseinandersetzung interessiert, dann aber mÃ¶glichst auch mal direkt und mÃ¼ndlich.</p><p>Mit besten GrÃ¼ÃŸen</p><p>Winni Nachtwei</p></div>


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