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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Afghanistan-Besuch im Oktober 2006: Zwischen Anschlagsgefahren und Aufbaufortschritten</title>
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    <span class="xar-mod-title">/ e-politik.de / + Internationale Politik und Regionen</span>

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        <h1>
            Afghanistan-Besuch im Oktober 2006: Zwischen Anschlagsgefahren und Aufbaufortschritten         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 24. November 2006 19:10:45 +02:00 (164926 Aufrufe)            </div>
            <div>    Folgenden Bericht verfasste <strong>Winfried Nachtwei</strong> Ã¼ber seine Reise mit den Obleuten des Verteidigungsausschusses vom 10. bis 14. <br />Oktober 2006 nach Afghanistan:</div>
            <div>    Winfried Nachtwei, MdB<br />Sicherheitspolitischer Sprecher<br />BÃ¼ndnis 90 / Die GrÃ¼nen im Bundestag <p align="right">24.11.2006</p><p align="center"><strong>Afghanistan-Besuch im Oktober 2006:<br /></strong><strong>Zwischen Anschlagsgefahren und Aufbaufortschritten<br /></strong>(mit Exkurs zum Streit Ã¼ber den ISAF-Einsatz in SÃ¼d-AFG)</p><p><em>Am 10.-14. Oktober besuchten die Obleute des Verteidigungsausschusses unter Leitung der Ausschussvorsitzenden Ulrike Merten Kabul, Mazar-e-Sharif, Feyzabad und Kunduz sowie den LufttransportstÃ¼tzpunkt Termez in Usbekistan. Wir holten damit die Reise nach, die im September nach der vom StaatsekretÃ¤r verhÃ¤ngten Besuchssperre kurzfristig abgesagt worden war, die  im Vorfeld der ISAF-VerlÃ¤ngerung aber besonders dringlich gewesen wÃ¤re. FÃ¼r mich ist es nach der Ministerreise im Juli der 6. AFG-Besuch insgesamt. (vgl. Reisebericht â€žBesuch in Nord-Afghanistan: Hoch kritische Monate&quot;) Im Vorfeld bekomme ich auffÃ¤llig oft ein â€žkomm gut zurÃ¼ck!&quot; zu hÃ¶ren. Die Reise erfolgt zu einem Zeitpunkt wachsender Besorgnis Ã¼ber die sich massiv verschlechternde Lage in Afghanistan. </em></p><p><em>In Kabul waren GesprÃ¤chspartner der dt. Botschafter Dr. Seidt, Sonderbotschafter Dr. Frick (Polizeiaufbau) und Beamte des Polizeiprojekts, der Leiter des Nationalen Sicherheitsrats Dr. Rassoul, der stv. Verteidigungsminister Dr. Nuristani, der ISAF Chief of Staff Generalmajor Brown (GB), NATO Senior Civilian Representative to AFG, Botschafter Daan Everts (NL), der Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kabul, Dr. Babak Khalatbari, deutsche Offiziere aus dem ISAF-Headquarter und der dt. Einsatzkompanie. Beim Empfang in der Residenz des Botschafters begegnen wir dem BKA-PrÃ¤sidenten Ziercke samt Mitarbeitern, der hiesigen Leiterin des VN-BÃ¼ros fÃ¼r Drogen + KriminalitÃ¤t (UNODC), Doris Buddenberg, Mitarbeitern des ProjektbÃ¼ro Polizei Kabul und des Zollkriminalamtes.  </em></p><p><em>In Mazar Teilnahme an der KommandoÃ¼bergabe des Regional Command North von Brigadegeneral Markus Kneip zu BG Volker Barth, Briefing durch die FÃ¼hrung des RC North und Dt. Einsatzkontingents, GesprÃ¤che mit Soldaten und zwei dt. Polizisten, Besuch des schwedisch gefÃ¼hrten Provincial Reconstruction Team (PRT) Mazar und GesprÃ¤ch mit dem afghanischen Polizeigeneral Fazli. </em></p><p><em>In Feyza Unterrichtung durch den PRT-Kommandeur, Oberst Robrecht, durch den zivilen Leiter (AA) Hans Mattern und die Vertreterin des BMZ fÃ¼r die Region Kunduz, Dr. Carola Kasburg, GesprÃ¤ch mit Kompaniechefs und Vertrauenspersonen. </em></p><p><em>In Kunduz Unterrichtung durch Oberst Brandstetter und  Dr. Philipp Ackermann, den militÃ¤rischen und zivilen Leitern des PRT, Besichtigung zweier Aufbauprojekte (GTZ, DED), GesprÃ¤che mit DED-Vertretern und Soldaten, â€žAlarm Blitzschlag&quot;.</em></p><p><em>In Termez Briefung durch den Kommodore, Oberst RÃ¼hl, und Mitglieder des Stabes, Einweisung MEDEVAC, GesprÃ¤ch mit EinheitsfÃ¼hrern, Vertrauenspersonen und Geschwaderfeldwebeln.  </em></p><p><strong>Zusammenfassung + Schlussfolgerungen </strong></p><ul><li>Sicherheitslage, Aufbaufortschritte, Entwicklungschancen und Hindernisse differieren auÃŸerordentlich von Provinz zu Provinz und stellen sich auch je nach Erfahrungsperspektive unterschiedlich dar: Wo der Friedensprozess in AFG gefÃ¶rdert und die Krise bewÃ¤ltigt werden soll, ist zu allererst genaues Hinsehen angesagt. </li><li>Leibhaftige Erfahrung des stÃ¤ndigen Bedrohungsstress in Kabul und persÃ¶nliche Einblicke in geduldige zivile Projekte mit â€žAfghan Ownership&quot; im Norden;</li><li>GlaubwÃ¼rdige Betonung des stabilisierenden UnterstÃ¼tzungsansatzes von ISAF/Internationaler Gemeinschaft durch unsere GesprÃ¤chspartner und der zentralen Rolle von Respekt gegenÃ¼ber der einheimischen BevÃ¶lkerung und LegitimitÃ¤t vor Ort dabei (â€žStrategie des guten Beispiels&quot;, so ein schwedischer PRT-Kommandeur). Deshalb bestÃ¼rzen die zwei Wochen spÃ¤ter auftauenden Skandalfotos von 2003 umso mehr. Die BefÃ¼rchtung vor unberechenbaren Reaktionen in Afghanistan bewahrheitet sich zum GlÃ¼ck nicht. </li><li>Eine Entsendung dt. Kampftruppen in den SÃ¼den wÃ¼rde die relativen Erfolge des dt. ISAF-Einsatzes doppelt infrage stellen: Eine Verlegung von KrÃ¤ften aus dem Norden in den SÃ¼den wÃ¼rde im Norden LÃ¼cken reiÃŸen. GefÃ¶rdert wÃ¼rde die Wahrnehmung, dass jetzt auch die bisher hoch angesehenen Deutschen â€žgegen die Paschtunen&quot; kÃ¤mpfen wÃ¼rden. (Dass es im Bundestag hierfÃ¼r auch kein neues Mandat geben wÃ¼rde, ist offensichtlich.) </li><li>Strategische Unklarheit und Uneinigkeit bei der DrogenbekÃ¤mpfung;</li><li>Strategische SchlÃ¼sselrolle des Polizeiaufbaus und die Diskrepanz der Engagements in qualitativer und quantitativer Hinsicht: Der dt. Beitrag muss deutlich aufgestockt und in den Rahmen einer ESVP-Mission gebracht werden, um dem AusmaÃŸ der Herausforderungen gerecht und nicht marginalisiert zu werden. </li><li>Eine offene Frage bleibt, wie der primÃ¤r stabilisierende Charakter von ISAF angesichts der mit SÃ¼d- und Osterweiterung massiv verÃ¤nderten Anforderungen, der Ãœbernahme von SchlÃ¼sselpositionen im ISAF-Hauptquartier ab Februar durch US-Generale und der ISAF-Unterstellung von ca. 11.000 US-Soldaten (z. T. mit Irak-Hintergrund) noch gehalten werden kann. Vor diesem Hintergrund ist die inzwischen unterproportionale Beteiligung DEU`s an der ISAF-FÃ¼hrung ein Handicap.</li><li>Am 22. November positionierte sich die Kanzlerin klar im Bundestag: Eine Ausweitung des BW-Einsatzes werde es nicht geben. Die Bundesregierung wird das gegenÃ¼ber dem wachsenden Druck der VerbÃ¼ndeten nur halten kÃ¶nnen, wenn Ã¼ber das selbstbewusste Vertreten der eigenen Leistungen hinaus (im Unterschied zu manchen Irakkrieg-UnterstÃ¼tzern seit fÃ¼nf Jahren verlÃ¤sslich, unter â€žanders schwierigen&quot; Bedingungen im Norden relativ sehr erfolgreich und bei Afghanen hoch angesehen) die BeitrÃ¤ge zu den eigenen â€žHausaufgaben&quot; verstÃ¤rkt werden (kein Grund zur Selbstzufriedenheit) und die Strategie â€žam Boden&quot; Ã¼berprÃ¼ft und geklÃ¤rt wird. Der Abgleich der Papierkonzepte reicht nicht. Die klingen sowieso Ã¤hnlich.</li><li>Neben der deutlichen StÃ¤rkung des dt. Polizeibeitrags sind Entwicklungs- und Aufbauanstrengungen vor allem in solchen SÃ¼dostprovinzen Ã¼berfÃ¤llig, die neben hÃ¶heren Risiken noch etliche Chancen bergen. Kein politisches Einmauern im Norden! </li><li>Der Druck wird Ã¼ber den NATO-Gipfel in Riga hinaus vor allem zum Februar hin zu nehmen: Dann Ã¼bernimmt ein US-General fÃ¼r ein Jahr das ISAF-Kommando, dann ist nach der â€žWinterpause&quot; wieder mit einem Anstieg von KÃ¤mpfen zu rechen. </li><li>Zeitfaktor: Ein solcher Stabilisierungsprozess wie in AFG braucht viel Zeit und Geduld. Auf der anderen Seite ist nur noch wenig Zeit fÃ¼r schnell wirkende MaÃŸnahmen und eine Korrektur der AFG-Strategie â€žam Boden&quot;. Der Winter schafft eine gewisse Atempause, die unbedingt genutzt werden muss.</li><li>Wenn zu Recht immer mehr betont wird, wie sehr es gerade auf die zivilen Aufbauanstrengungen ankomme, dann muss sich das auch ganz anders in Besuchsprogrammen, Wahrnehmungen, Ã–ffentlichkeitsarbeit und Regierungsunterrichtungen niederschlagen. Notorisch ist, dass dt. Polizisten trotz ihrer SchlÃ¼sselrolle bei AFG-Besuchen in der Regel nur am Rande vorkommen. Durch die â€žnatÃ¼rliche&quot; Anziehungskraft der militÃ¤rischen Komponente gerÃ¤t alles andere immer wieder in den Schatten. </li></ul><p><strong>I. Kabul</strong></p><p>Start in Termez um 6.15 Uhr. Ãœber Termez schraubt sich die Transall auf sichere FlughÃ¶he, um dann Ã¼ber den Grenzfluss nach AFG hinein zu fliegen. Im Cockpit der Transall sehe ich gegen 7.00 Uhr voraus die KÃ¤mme des Hindukusch. Die vÃ¶llig kahle Landschaft erscheint wie mit einer Riesenharke durchpflÃ¼gt. </p><p>Als wir um 7.30 butterweich landen, fallen mir der Reihe nach Unterschiede zu meinem letzten Kabul-Besuch in 2003 auf: Neben dem Flugfeld stehen acht F-16-Kampfflugzeuge der NiederlÃ¤nder. Die BegrÃ¼ÃŸung durch Botschaft und MilitÃ¤rattache geht sofort in ein erstes Sicherheitsbriefing Ã¼ber: Wegen erhÃ¶hter Anschlagsgefahr wird â€žanders&quot; gefahren, Verhaltensregeln bei einem Zwischenfall, Anlegen der Schutzweste, Helm griffbereit. Um den Flughafen ist das ISAF-Camp enorm expandiert. Damals waren knapp 7.000 ISAF-Soldaten hier, jetzt Ã¼ber 30.000.  Der Flugzeugfriedhof vor dem Flughafen ist gerÃ¤umt; groÃŸe Reklametafeln sÃ¤umen die ZubringerstraÃŸe zum Flughafen. Im ziemlich dichten Verkehr tummeln sich viele Radfahrer. Mehrfach kÃ¼nden Reklameschilder von Guest-Houses. Die Fahrbahnen grÃ¶ÃŸerer StraÃŸen sind durch BetonblÃ¶cke getrennt. Das soll ÃœberholmanÃ¶ver disziplinieren, aber auch Frontalattacken erschweren. Die Sicherungs- und Sperranlagen im Zentrum der â€žNeuen Stadt&quot; sind weiter gewuchert. Der Kreisel am CIA-Headquarter ist vÃ¶llig still gelegt. Bis zum PrÃ¤sidentenpalast sind vier massive und z.T. tief gestaffelte Schlagbaumbarrieren zu durchfahren. </p><p><strong>Sicherheitslage</strong></p><p>Die Sicherheitslage ist ausgesprochen angespannt. Am 8. September, am Vortag des Massud-Todestages, wurde am Massud-Kreisel ein Anschlag mit 150kg Sprengstoff verÃ¼bt. Da blieb auch von einem neuen gepanzerten US-Fahrzeug nicht mehr viel Ã¼brig. Gestern griff ein SelbstmordattentÃ¤ter auf dem Rad einen Bus der Afghanischen Polizei (ANP) an. Ein Soldat: â€žDie haben hier Sprengstoff im Keller, wie bei uns eine Kiste gutes Bier.&quot; In Kabul gibt es einen Anstieg irregulÃ¤rer KrÃ¤fte, verstÃ¤rkte Kooperation zwischen verschiedenen Gruppen, stÃ¤ndige Weiterentwicklung der Anschlagstechniken. Die Medienwirkung von AnschlÃ¤gen wird eingeplant, die BevÃ¶lkerung soll Vertrauen zur Regierung verlieren. Angesichts des hohen Anschlagsrisikos ist das nÃ¤chste Attentat nur eine Frage der Zeit. </p><p>Als â€žhÃ¶herwertige Ziele&quot; erleben wir die verschÃ¤rfte Sicherheitslage hautnah bei unseren Fahrten zwischen den GesprÃ¤chsterminen: taktische, d.h. sehr offensive und wendige, aber nicht aggressive Fahrweise, intensive Beobachtung der Fahrstrecke, wo auch Rad- oder Rollstuhlfahrer verdÃ¤chtig sind, Sperrung bestimmter StraÃŸenabschnitte. Die Fahrt am 2. Tag vom Hotel zum Flughafen wird  noch mal besonders robust. StÃ¼ndlich wird mit einem Anschlag gerechnet. Es kann jemand mit Weste, mit Auto, mit dem Rad sein, jemand, der einfach an der StraÃŸe im GetÃ¼mmel auf ein lohnendes Ziel wartet. Immerhin: Es wurden auch schon Attentate im Vorfeld verhindert.</p><p>Es ist gut, dass wir so Kabul durch die worst-case-Brille der Soldaten erleben. Die PersonenschÃ¼tzer und Soldaten der Einsatzkompanie mÃ¼ssen monatelang damit umgehen. </p><p>Zugleich ist das nicht die ganze RealitÃ¤t. FÃ¼r andere Deutsche hier - Polizisten, zivile Fachleute - ist die gefÃ¼hlte Unsicherheit weniger krass. NGO-MitarbeiterInnen bewegen sich ungeschÃ¼tzt durch die Stadt. Die GefÃ¤hrdungslagen und Bedrohungswahrnehmungen sind recht unterschiedlich. Trotzdem: Die psychologische Lage ist kritisch. Es gibt Meldungen, wonach Regierungsmitglieder ihre Familien ins Ausland schicken. Kleine und grÃ¶ÃŸere Landbesitzer (Khan`s) verlassen zunehmend die Provinzen, zurÃ¼ck bleibt die verarmte LandbevÃ¶lkerung, die von den Taliban gezielt angegangen wird. Wochenendbesuche bei den Familien von EZ-Mitarbeitern in der Provinz Lowgar sÃ¼dÃ¶stlich von Kabul sind nicht mehr drin. Inzwischen gibt es dort KÃ¤mpfe Ã¼ber mehrere Stunden. </p><p>Die Preise auf dem Waffenmarkt ziehen an: eine Kalashnikov von 200 US $ im Vorjahr auf inzwischen 400 $, die sowjetische Armeepistole Makarov von 400 auf 700 $. Das sind Zeichen einer grassierenden Wiederbewaffnung. â€žDie Taliban sind immer da. Wie lange bleibt ihr?&quot;</p><p><strong>Politische Lage</strong></p><p>Am 7. Oktober vor fÃ¼nf Jahren begann der Krieg gegen Taliban und Al Qaida. Der politische Start damals ging mit viel Euphorie einher. Deutschland war ein sehr wichtiger Partner beim afghanischen Friedensprozess. Bis 2003 schien es besser als im Kosovo zu laufen. Die 2. Phase begann in 2003 mit der Einsicht, dass Kabul doch nicht wie erhofft ins Land hinaus strahlte und wirkte, dass es also einer ISAF-Ausweitung bedurfte. Diese kam dann aber nur Ã¤uÃŸerst zÃ¶gerlich zustande. Deutschland begann mit dem PRT Kunduz, dann auch Feyzabad. Etliche andere VerbÃ¼ndete konzentrierten sich lieber auf den Irak-Krieg. Dadurch gingen enorm Zeit und Ressourcen fÃ¼r Afghanistan verloren. Trotzdem konnte 2005 der Bonn-Prozess erfolgreich mit der Parlamentswahl abgeschlossen werden.</p><p>Seit 2006 wird alles von der sich verschlechternden Sicherheitslage Ã¼berschattet. Auch nach der ISAF-Ausweitung und Aufstockung investiert die Staatengemeinschaft in das besonders komplizierte Afghanistan vergleichsweise wenig:  FÃ¼r den Kosovo (GrÃ¶ÃŸe Hessens) stehen 19.000 Soldaten zur VerfÃ¼gung, fÃ¼r die Ã¤hnlich groÃŸe Provinz Jawzjan (PRT Mazar) ganze 19 Soldaten. </p><p>Das Kabinett ist sehr heterogen, den dort vertretenen Auslandsafghanen fehlt vielfach der gesellschaftliche Unterbau, die Parlamentarier gelten in den Provinzen als entschwunden. Auf der Ebene der institutionellen Strukturen sei AFG bisher eine Erfolgsgeschichte. Das Kernproblem seien die Akteure, die Korruption, die Drogenwirtschaft und die Warlords, die Dominanz von Partikularinteressen. Jeder habe seine eigene Agenda und spezifische LoyalitÃ¤ten - nur keine LoyalitÃ¤t gegenÃ¼ber dem Staat und dem Gemeinwesen.    </p><p><strong>Polizeiaufbau</strong></p><p>Polizei ist   d e r  Faktor fÃ¼r nachhaltige Sicherheit. Der Sicherheitsberater des PrÃ¤sidenten: Die Polizei ist viel wichtiger als die Armee, aber viel schwerer aufzubauen. </p><p>DEU hat hier die Lead-Rolle. Zzt. arbeiten 40 dt. Polizeibeamte von Bund und LÃ¤ndern in AFG (German Police Project Office/GPPO). DEU wendet hierfÃ¼r 12 Mio. â‚¬ /Jahr auf, plus 10 Mio. â‚¬ fÃ¼r den internationalen POL-Besoldungsfonds LOFTA.  Die deutsche Polizeihilfe war anfÃ¤nglich konzipiert fÃ¼r Friedenszeiten und auf Nachhaltigkeit und SoliditÃ¤t orientiert. Der Polizeiaufbau war auf einem guten Weg. Jetzt befindet sich der Polizeiaufbau in einer kritischen Phase. Seit MÃ¤rz ist die Lage in unerwarteter Weise gekippt. Die Polizei erwischte es in einem nicht konsolidierten Zustand. Im SÃ¼den versagte sie vÃ¶llig. </p><p>An der vom THW  wiederaufgebauten und DEU konzipierten Polizeiakademie werden Polizeioffiziere (Saran) in drei Jahren (plus zwei Jahre berufspraktisch) und Pol-Unteroffiziere (Satanman, wie mittlerer Dienst) in einem Jahr ausgebildet. Bis Ende 2005 waren 251 Saran und 2.299 Satanman ausgebildet und insgesamt 1.687 in der Ausbildung. In 2006 gab es bisher ca. 600 AbschlÃ¼sse. Nach einer Evaluierung der Ausbildung wurde ihr praktischer Anteil verstÃ¤rkt.</p><p>Die FrauenfÃ¶rderung bei der Polizei bleibt weit hinter den Erwartungen zurÃ¼ck: Auf die hundert AusbildungsplÃ¤tzen fÃ¼r Frauen in der Polizeiakademie gibt es trotz breiter Werbung bisher nur zwei Bewerbungen. Zurzeit sind 0,17% der Polizisten Frauen. An der Geschlechterfrage stellt sich die Frage nach der Reform-AbsorptionsfÃ¤higkeit der afghanischen Gesellschaft, der ReformprioritÃ¤ten und -Geschwindigkeiten. Zugleich belegen elf psychosoziale Beratungszentren allein der Caritas in Kabul, wie groÃŸ der Bedarf auf Seiten der Frauen nach UnterstÃ¼tzung ist.       </p><p>Bis Ende 2005 wurden 42.000 einfache Polizisten (Patrolman) in acht US-amerikanisch gefÃ¼hrten Regionalen Trainingszentren (auch in Kunduz und Mazar) in 5-7 Wochen ausgebildet. Die Polizisten sind zu 60 % Analphabeten, die Ausbildung ist stark militÃ¤risch orientiert und eher im Widerspruch zu europÃ¤ischen Konzepten. Immer wieder heiÃŸt es, die QualitÃ¤t dieser Ausbildung sei mangelhaft. </p><p>Die Polizei gilt als sehr korrupt. Das ist schon angesichts der â€žGehÃ¤lter&quot; kein Wunder: Der Einstiegssold eines Patrolman lag bisher bei 70 $, eines Captain bei 78 $, eines Brigadegenerals bei 95 $. Nach der Besoldungsreform sollen sie 80/250/550 $ bekommen. Um eine Familie zu ernÃ¤hren, braucht es 200 $. Bei der Reform der Polizeispitze im Mai (Reduzierung der Generale von 319 auf 120, der Colonels von 1.824 auf 305 et.) setzte der PrÃ¤sident in eine Liste von 84 Posten 14 bekannte Kriminelle, was zu erheblichem Konflikt fÃ¼hrte und noch korrigiert werden konnte.  </p><p>Die Polizei soll insgesamt 62.000 Personen umfassen. Als umstrittene NotmaÃŸnahme werden auf PrÃ¤sidentenerlass hin aus Milizen 11.000 Hilfspolizisten rekrutiert. Um die Risiken dieser de-facto-Legalisierung von Milizen einzudÃ¤mmen, soll die Hilfspolizei von der Regierung - und nicht von den Gouverneuren - bezahlt und heimatfern eingesetzt werden.  </p><p>Die USA wollen ihr MilitÃ¤r bis 2010 aus Afghanistan abziehen kÃ¶nnen und powern deshalb gigantisch in den Polizeiaufbau: nach 200 Mio. US-$ in 2005 in diesem Jahr 1,6 Milliarden, Tendenz weiter steigend. Knapp 600 US-Berater sind im Polizeibereich tÃ¤tig, davon allein 70 im Stab des Police Reform Directorate (PRD) des Combined Security Transition Command-AFG. Das PRD setzt sich zu 60% aus MilitÃ¤rs und zu 40% aus Zivilisten Sicherheitsfirmen MPRI und Dyncorp zusammen. Von 500 Polizei-Mentoren stellen die USA 450, andere Staaten zusammen 50. (Die US-Mentoren arbeiten in der Regel Vollzeit, dt. Mentoren haben gleichzeitig viele andere Aufgaben.) </p><p>Solche QuantitÃ¤ten prÃ¤gen den ganzen Polizeiaufbau. â€žEs ist nicht einfach, als Lead-Nation Juniorpartner zu sein&quot;, so ein dt. Polizist. Es heiÃŸt, die USA seien an Kooperation mit den dt. Polizeiberatern interessiert. Angesichts der gigantischen und drÃ¤ngenden Herausforderungen an den Polizeiaufbau und angesichts der akuten Gefahr, bei solchen enormen quantitativen Diskrepanzen marginalisiert zu werden, ist <strong>eine VerstÃ¤rkung des dt. Polizeiengagements (Verdoppelung bis Verdreifachung) unabdingbar. Sinnvoll wÃ¤re seine Einbettung in eine ESVP-Mission.</strong></p><p>Nicht nachvollziehbar ist, dass Ledige im Unterschied zu Verheirateten (alle zwei Monate) keinen Heimflug bezahlt bekommen. (vgl. BroschÃ¼re Polizeiliche Aufbauhilfe in Afghanistan, hrg. vom AA und BMI, Dezember 2005)</p><p><strong>ISAF/NATO</strong></p><p>An ISAF beteiligen sich Anfang November ca. 31.500 Soldaten aus 37 Nationen, davon ca. 1.000 Soldaten aus 11 Nicht-NATO-Mitglieder. </p><table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0"><tbody><tr><td width="154" valign="top"><p align="center">11.250 USA</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">350 Norwegen</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">120 Mazedonien</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">20 Aserbaidschan</p></td></tr><tr><td width="154" valign="top"><p align="center">5.200 GroÃŸbritannien</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">350 Schweden</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">100 Kroatien</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">15 Island</p></td></tr><tr><td width="154" valign="top"><p align="center">2.900 Deutschland</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">320 DÃ¤nemark</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">100 Tschech. Republik</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">10 Irland</p></td></tr><tr><td width="154" valign="top"><p align="center">2.300 Kanada</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">300 Belgien</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">100 Finnland</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">10 Luxemburg</p></td></tr><tr><td width="154" valign="top"><p align="center">2.100 Niederlande</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">200 Australien</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">100 Neuseeland</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">10 Polen</p></td></tr><tr><td width="154" valign="top"><p align="center">1.800 Italien</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">200 Ungarn</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">90 Estland</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">5 Ã–sterreich</p></td></tr><tr><td width="154" valign="top"><p align="center">1.000 Frankreich</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">180 Griechenland</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">60 Slowakei</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">5 Schweiz</p></td></tr><tr><td width="154" valign="top"><p align="center">750 RumÃ¤nien</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">180 Portugal</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">50 Slowenien</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">&nbsp;</p></td></tr><tr><td width="154" valign="top"><p align="center">625 Spanien</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">150 Bulgarien</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">35 Lettland</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">&nbsp;</p></td></tr><tr><td width="154" valign="top"><p align="center">475 TÃ¼rkei</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">140 Litauen</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">30 Albanien</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">&nbsp;</p></td></tr></tbody></table><p>&nbsp;</p><p>Phasen der Mission: nach der Phase 2 Ausweitung (am 31. Juli SÃ¼dregion, am 5. Oktober Ostregion mit USA), Phase 3 Stabilisierung, 4 Ãœbergang (Transition), 5 RÃ¼ckverlegung.</p><p>Die <u>erweiterte NATO-gefÃ¼hrte ISAF</u> agiert auf Grundlage des Ã¼berarbeiteten OPLAN 10302 (Rev.1), der am 04.05.2006 in Kraft trat. Dieser Operationsplan erlaubt Ã¼ber regionale Stabilisierung durch PRT`s hinaus â€žSecurity Operations&quot; gegen gegnerische KrÃ¤fte. DEU Position dazu: Der ISAF-Charakter einer SicherheitsunterstÃ¼tzungsmission muss erhalten bleiben. â€žRobustere&quot; Security Operations sollen dem Ziel der Wiederaufbauarbeit in der Region dienen. Deshalb sei an der klaren Trennung der unterschiedlichen Mandate von OEF und ISAF festzuhalten. (Allerdings wÃ¤chst das Getrennte durch die neue Kommandostruktur gehÃ¶rig zusammen - die Frage ist, in welche Richtung?)</p><p>COMISAF (Kommandeur ISAF) IX Intent:<br /><em>â€žMy guiding intent is, through our actions and a linked information operation firmly rooted in substance, to reinforce the people of AFG `s belief that long-term peace and growing economic prosperity from which everyone can benefit is possible if they continue to give their government, and its international partners, their support and encouragement.&quot;</em></p><p>COMISAF Main Effort:<br /><em>&quot;to extend and deepen the areas in which the Government of AFG (GOA) and International Agencies/NGO`s can safely operate, enabling the Afg. National Security Forces increasingly to take the lead in achieving this aim. (..) I will seize the initiative against those, who oppose the GOA through violent means, by using appropriate and well considered measures - including the robust use of force, should it be necessary - at times and in places of my choosing thereby forcing them to respond to my design.&quot;   </em></p><p>Der <u>Stand der &quot;Insurgency</u>&quot; wird differenziert nach Taliban, HIG, Haqqani, Kriminellen, Regionalen/lokalen Power Broker genau auf der Karte lokalisiert: Die Taliban-â€žFlecken&quot; sind durchgÃ¤ngig nÃ¶rdlich Quetta/Pakistan vom sÃ¼dlichen Paktika bis vor Kandahar und Ã¶stliches Zabul sowie der Nordbogen von Uruzgan. </p><p>Signifikante AktivitÃ¤ten der AufstÃ¤ndischen je Woche in den Regionen Nord, West und Hauptstadt zwischen null und zehn, SÃ¼d von 20/40 im Mai auf 160 im August (ISAF-SÃ¼dausweitung), dann zwischen 70 und 120, Ost von 50 im Mai auf maximal 90. </p><p>Der Stand der Afghan National Army (ANA) und Polizei (ANP) werden sehr unterschiedlich bewertet: Die ANA sei insgesamt auf einem guten Weg, die Polizei sei noch von Korruption geprÃ¤gt und habe einen schlechten Ruf.  </p><p>Ab 2. September lief Ã¼ber zwei Wochen die â€žOperation Medusa&quot; sÃ¼dwestlich Kandahar, Panjwayi Distrikt unter kanadischer FÃ¼hrung im September mit US, NL, GB und AFG KrÃ¤ften. Die Zahlen der getÃ¶teten AufstÃ¤ndischen reichen von 500 bis Ã¼ber 1.000, die der KÃ¤mpfer von 1.000-4.000. </p><p>Operation Medusa erÃ¶ffne ein Fenster der Gelegenheit: Taliban-Spekulation sei gewesen, den SÃ¼den zu halten, um dann - wie in den 90er Jahren - nach Norden vorzudringen. Hier im Raum Kandahar erlitten die Sowjets ihre Niederlage. Deshalb habe eine Niederlage der Taliban hier auch eine psychologische Bedeutung. In BrÃ¼ssel ist inzwischen ein Post-Military-Fund eingerichtet, um die StabilisierungsbemÃ¼hungen zu unterstÃ¼tzen. Aber: Die Internationale Gemeinschaft kÃ¶nne noch so viel tun. Entscheidend sei, was von der Regierung und den Afghanen selbst komme. Hier sei Druck gegen Korruption und Inkompetenz nÃ¶tig. </p><p>Auf meine Frage nach dem Unterschied zwischen Security Operations von ISAF und Counterterrorism von OEF erhalte ich, wie auch schon in Berlin, keine klare Antwort. </p><p>Der Drogenanbau ist vor allem in Zonen der Unsicherheit (Helmand) angewachsen. Die Verbindung zwischen DrogenkriminalitÃ¤t und Regierung zu unterbrechen, sei  d e r  Punkt. (zu den<u> Afghan Development Zones </u>s. S. 7)<u> </u></p><p>Besuch im Informations- und FÃ¼hrungszentrum im ISAF-HQ: Sechs GroÃŸbildschirme an der Stirnwand, mehr als 50 Soldaten aus 20 Nationen arbeiten an ca. hundert Bildschirmen. Hier kÃ¶nnte man den Eindruck haben, als hÃ¤tte ISAF alles im Blick und alles im Griff. Ãœber CNN lÃ¤uft gerade die Kritik des britischen Generalstabschefs am Irakkrieg. </p><p>In der ISAF-FÃ¼hrung ist DEU zzt. noch mit einem Brigadegeneral (Direktor Joint Operation Center) vertreten, ab Februar mit einem Generalmajor als Chef des Stabes neben den drei stv. ISAF-Kommandeuren Sicherheit (US-General mit â€žDoppelhut&quot; ISAF/ Security Operations und OEF), StabilitÃ¤t und Luftoperationen. So manche militÃ¤rische Beobachter bewerten das als Einflussverlust DEU`s im ISAF-Hauptquartier. COMISAF wird fÃ¼r ein Jahr ebenfalls ein US-General sein.  </p><p>Vor dem StabsgebÃ¤ude sind die Fahnen der ISAF-VerbÃ¼ndeten auf halbmast. Sie sind so lange auf halbmast, wie ein toter ISAF-Soldat im Land ist. Ein dt. Offizier kann sich seit April kaum an halbmast-freie Tage erinnern. </p><p><strong>AFG-SÃ¼d</strong></p><p>Zum RC South gehÃ¶ren insgesamt 9.800 Soldaten in den sechs Provinzen Daikondi, Helmand, Kandahar, Nimroz, Uruzgan und Zabul. In Kandahar sind 2.500 kanadische Soldaten, in Helmand 3.800 britische und 10 estnische, in Uruzgan 1.200 niederlÃ¤ndische und 360 australische, in Zabul 800 rumÃ¤nische und 400 US stationiert. CAN hatte das Kommando in der Region SÃ¼d von August bis Oktober. Die Niederlande Ã¼bernahmen im November.  </p><p>Das DrÃ¤ngen nach UnterstÃ¼tzung im SÃ¼den richtet sich nicht nur an Deutschland, sondern auch an Frankreich, Italien, Spanien. DEU solle - so die deutschen GesprÃ¤chspartner einhellig - militÃ¤risch im Norden bleiben. Dort sei man gut aufgestellt. Wer im SÃ¼den kÃ¤mpfe, sei bei den Paschtunen nicht mehr verhandlungsfÃ¤hig. â€žWer im SÃ¼den kÃ¤mpft, kÃ¤mpft gegen die Paschtunen&quot; - so sei auch die Wahrnehmung der der Internationalen Gemeinschaft wohl gesonnenen Afghanen. Die internationalen GesprÃ¤chspartner Ã¤uÃŸern sich in dieser Frage nicht. (vgl. Exkurs) </p><p><strong>Am Abend in Kabul</strong> krasser Weltenwechsel: Erst die Oase der Botschafterresidenz; dann rasende Fahrt durch das dunkle Kabul, wo keine FuÃŸgÃ¤nger und fast keine Fahrzeuge mehr unterwegs sind; schlieÃŸlich die orientalische Super-Oase des Hotels Serena, das im November 2005 von PrÃ¤sident und Ex-KÃ¶nig erÃ¶ffnet wurde. Am nÃ¤chsten Morgen geht der Blick aus dem Fenster Ã¼ber einen Traumpark zu den HÃ¼tten am nahen Berghang. </p><p>Als wir am nÃ¤chsten Morgen in unseren geschÃ¼tzten Fahrzeugen zum Flughafen fahren, sind die umliegenden StraÃŸen - â€žmal wieder&quot; - wegen Anschlagsgefahr gesperrt. Also ist noch mal ganz besonders die Wachsamkeit und Fahrkunst unserer PersonenschÃ¼tzer gefragt. Sie machen das so professionell, dass bei mir die mulmigen GefÃ¼hle der ersten Kabulstunden lÃ¤ngst verweht sind. </p><p>Umso unÃ¼berlegter von uns ist, dass wir die jungen Soldaten der dt. Einsatzkompanie nicht aufsuchen - die jeden Tag unter dem Dauerstress drohender AnschlÃ¤ge ihre Patrouillen fahren und die sich als â€žBW-Rest&quot; in Kabul sowieso von Besuchern aus DEU vergessen vorkommen. Die Kompanie gehÃ¶rt zu der franzÃ¶sischen Battle Group. Die Zusammenarbeit mit der franzÃ¶sischen Seite sei - so heiÃŸt es - nicht gut.   </p><p><strong>II.  Mazar-e-Sharif</strong></p><p>Die BaumaÃŸnahmen im riesigen Camp Marmal sind gegenÃ¼ber Juli enorm vorangekommen. Inzwischen stehen 23 geschÃ¼tzte Unterkunftsmodule. 12,5 Mio. â‚¬ wurden inzwischen verbaut. Ausgebaut wird der militÃ¤rische Teil des Flugplatzes, wo StellplÃ¤tze fÃ¼r Hubschrauber, taktische Kampfflugzeuge, fÃ¼r taktischen und strategischen Lufttransport angelegt werden. </p><p>KommandoÃ¼bergabe unter immer noch knackiger Sonne: angetreten sind Soldaten verschiedener ISAF-Nationen. Auf den TribÃ¼nen hat sich alles versammelt, was in der Provinz und bei den Internationalen Rang und Namen hat. Mit offenen Augen trÃ¤ume ich, dass alle am gleichen Strick in dieselbe Richtung ziehen. Der stv. ISAF-Kommandeur, der kanadische Generalmajor Watts Ã¼bergibt die ISAF-Fahne/RC North, der dt. Generalmajor Glatz (stv. Kommandeur EinsatzfÃ¼hrungskommando) die Fahne des deutschen Kontingents - es ist inzwischen der Wechsel vom 11. zum 12. Kontingent. Brigadegeneral Barth ist uns aus seiner Zeit als Adjutant von StaatssekretÃ¤r Kolbow noch recht bekannt.  </p><p>Am Rande des anschlieÃŸenden alkoholfreien Empfangs treffe ich zwei deutsche Polizeihauptkommissare. Der Plan, die deutschen Polizeiberater aus den anderen Nordprovinzen abzuziehen und in Mazar zu konzentrieren, ist inzwischen rÃ¼ckgÃ¤ngig gemacht.   </p><p><strong>PRT Mazar (SWE)</strong></p><p>Im Transportradpanzer Fuchs rumpeln wir Ã¼ber eine Sandpiste nach Westen zum schwedisch gefÃ¼hrten PRT Mazar. Da die HecktÃ¼r nicht fest geschlossen ist, werde ich an meinem Seeschlitzplatz satt eingesandet. Zuerst GesprÃ¤ch mit dem afghanischen Polizeigeneral Fazli: In der Region Nord gibt es insgesamt 11.000 Polizisten ohne Grenzpolizei. Im BÃ¼rgerkrieg waren die meisten Polizisten verloren gegangen. Inzwischen wurden ReservekrÃ¤fte aus Kunduz fÃ¼r ein Jahr nah Helmand verlegt. </p><p>Briefing durch den SWE Kommandeur und die zivilen Verantwortlichen des PRT, die den Eindruck einer ausgesprochen souverÃ¤nen und kollegialen zivil-militÃ¤rischen Zusammenarbeit machen. Das PRT ist mit seinen 300 Soldaten zustÃ¤ndig fÃ¼r vier Provinzen und einen Raum von 270x260 km. Eine zentrale Rolle spielen die Military Observer Teams, die Verbindungen zu den Ã„ltesten, Mullahs und anderen Akteuren halten. Die Beziehung zur BevÃ¶lkerung sei das Zentrale. Es komme entscheidend auf Verhalten und GlaubwÃ¼rdigkeit an. Es sei eine Langzeitaufgabe, fÃ¼r die man Geduld brauche. </p><p>Im Verantwortungsbereich des PRT passieren 1-2 Attacken/Woche. Es bestehe jetzt ein Fenster der Gelegenheit fÃ¼r eine Sicherheitszone im Norden. Der Kommandeur proklamiert eine â€žStrategie des guten Beispiels&quot;. Einen Schub mÃ¼sse es bei der Polizeiausbildung geben. In Schweden genieÃŸt Peacekeeping und insbesondere auch diese Mission hohe UnterstÃ¼tzung. </p><p>Inmitten des Camp wird an einem HolzhÃ¤uschen gezimmert - es gibt tatsÃ¤chlich eine Sauna. Die Frage stellt sich, wie dieser nordische Brauch interkulturell vertrÃ¤glich gehalten werden kann. </p><p>Der Sand: Schon nach einigen Minuten im Camp sind die Schuhe dick graugelb meliert. Fahrzeuge, die durch die Ebene fahren, sind schon von weitem an ihrer Staubfahne zu erkennen. Wenn hier Hubschrauber stationiert sind, wird die Einsatzbereitschaft erheblich sinken - Mazar soll ca. hundert Tage im Jahr wegen SandstÃ¼rmen und -winden dicht sein.  </p><p>Die <strong>Region Nord</strong> umfasst neun Provinzen mit 7-10 Mio. Menschen. Die Region erstreckt in O-W max. 1.200 km, in N-S max. 400 km und hat 2.300 km internationale Grenze mit Ã¼berwiegend problematischen LÃ¤ndern. Das GelÃ¤nde reicht von LÃ¶ÃŸebenen (Balkh) Ã¼ber das zentralafg. Bergland ((Sari-Pul) bis zum Hindukusch (Takhar, Badaghshan). Im Sommer gehen hier die Temperaturen bis 48Â°, im Winter bis -15/-20Â°. In der Nordregion sind die Usbeken die grÃ¶ÃŸte Gruppe, gefolgt von den Tadschiken, Paschtunen, Turkmenen, Harara. Die einzig ausgebaute StraÃŸe ist die RingstraÃŸe mit zwei bedeutenden Kreuzungen. Schon zwischen Kunduz und Feyza kommen grÃ¶ÃŸere Fahrzeuge wie der FUCHS kaum durch. Umso wichtiger, ja vital sind die Flugpisten, die alle in afghanischem Eigentum sind. </p><p>Auftrag: DurchfÃ¼hrung militÃ¤rischer Operationen in enger Zusammenarbeit mit nichtmilitÃ¤rischen Mitteln, MÃ¶glichkeiten und Organisationen zur UnterstÃ¼tzung der afg. Regierung und des afg. Volkes bei der Schaffung und Aufrechterhaltung eines sicheren Umfelds, wodurch Wiederaufbau und Entwicklung erleichtert werden, sowie Beitrag zur StabilitÃ¤t. Erhalt eigener FÃ¤higkeiten + Eigensicherung. </p><p>Bei allen AktivitÃ¤ten ist das â€žafghanischen Gesicht&quot; zu beachten bzw. zu betonen.</p><table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0"><tbody><tr><td width="154" valign="top"><p align="center"><strong>PRT/ FÃ¼hrung</strong></p></td><td width="154" valign="top"><p align="center"><strong>Einwohner</strong></p></td><td width="154" valign="top"><p align="center"><strong>PRT-Soldaten</strong></p></td><td width="154" valign="top"><p align="center"><strong>Infanterie</strong></p></td></tr><tr><td width="154" valign="top"><p>Kunduz (DEU)</p></td><td width="154" valign="top"><p>            1.800.000</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">470</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">90</p></td></tr><tr><td width="154" valign="top"><p>Mazar  (SWE)</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">4.000.000</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">280</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">125</p></td></tr><tr><td width="154" valign="top"><p>Meymaneh (NOR)</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">900.000</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">150</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">40</p></td></tr><tr><td width="154" valign="top"><p>Feyza (DEU)</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">450.000</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">180</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">70</p></td></tr><tr><td width="154" valign="top"><p>Pol e Kohmri  (UNG)</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">550.000</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">350</p></td><td width="154" valign="top"><p align="center">135</p></td></tr></tbody></table><p>Wenn ca. 460 Einsatzsoldaten fÃ¼r einen solchen riesigen, schwer zugÃ¤nglichen und risikoreichen Raum vorgesehen sind, dann ist das schon sehr auf Kante. UnÃ¼bersehbar ist, dass da keine Reserven drin stecken fÃ¼r einen eventuellen Einsatz im SÃ¼den. Eine solche Verlegung wÃ¼rde sofort die Arbeit im Norden infrage stellen.   </p><p><em>â€žWir wandern auf Wasser. DafÃ¼r brauchen wir SchwimmkÃ¶rper. Und die sind nicht das MilitÃ¤r.&quot;</em> Ohne LegitimitÃ¤t â€žam Boden&quot; kÃ¶nne ISAF nicht bestehen. Deshalb sei es so entscheidend, Netzwerke zu schaffen. Deshalb sei der Respekt vor dem afghanischen Volk, seiner Kultur und Religion so elementar. </p><p>Norwegen stellt die Quick Reaction Force/QRF (ein vermindertes Bataillon). Krisenmanagement: taktische + strategische MEDEVAC (mediz. Evakuierung); Role 2 Einsatzlazarett; Katastrophenschutz; IED-RÃ¤umung; Verbindung zu IG`s + NGO`s; QRF.</p><p align="center"><strong><br />Sicherheitsrelevante ZwischenfÃ¤lle in der Nordregion</strong></p><table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0"><tbody><tr><td width="201" valign="top"><p align="center">&nbsp;</p></td><td width="75" valign="top"><p align="center"><strong>2005</strong></p></td><td width="96" valign="top"><p align="center"><strong>2006</strong></p></td></tr><tr><td width="201" valign="top"><p align="center">April</p></td><td width="75" valign="top"><p align="center">5</p></td><td width="96" valign="top"><p align="center">17</p></td></tr><tr><td width="201" valign="top"><p align="center">Mai</p></td><td width="75" valign="top"><p align="center">2</p></td><td width="96" valign="top"><p align="center">14</p></td></tr><tr><td width="201" valign="top"><p align="center">Juni</p></td><td width="75" valign="top"><p align="center">4</p></td><td width="96" valign="top"><p align="center">36</p></td></tr><tr><td width="201" valign="top"><p align="center">Juli</p></td><td width="75" valign="top"><p align="center">2</p></td><td width="96" valign="top"><p align="center">23</p></td></tr><tr><td width="201" valign="top"><p align="center">August</p></td><td width="75" valign="top"><p align="center">6</p></td><td width="96" valign="top"><p align="center">36</p></td></tr><tr><td width="201" valign="top"><p align="center">September</p></td><td width="75" valign="top"><p align="center">12</p></td><td width="96" valign="top"><p align="center">25</p></td></tr></tbody></table><p>Die HintergrÃ¼nde sind Organisierte KriminalitÃ¤t, politische, kulturelle und religiÃ¶se Motive, EnttÃ¤uschung. In 2006 werden bis zu 650.000 RÃ¼ckkehrer erwartet, davon 300.-400.000 aus Pakistan und zu 50% Paschtunen. </p><p>Zu den <strong><u>Afghan Develpoment Zone (ADZ</u>):</strong> Sie werden von ISAF definiert als <em>â€žRÃ¤ume, in denen durch einen gemeinsamen Einsatz aller Akteure Verbesserungen der Sicherheitslage und der politische Situation gute Voraussetzungen fÃ¼r eine nachhaltige und sich ausbreitende Entwicklung schaffen&quot;</em>. Ziel ist es, geographische RÃ¤ume von strategischer Bedeutung mit positivem Entwicklungspotenzial zu identifizieren und anzugehen. Notwendige Voraussetzung von ADZ sei ein ganzheitlicher + gemeinsamer Ansatz aller infrage kommenden Akteuren. Die ADZ sollen nicht nur fÃ¼r den SÃ¼den gelten. Im Norden kÃ¶nnten entweder stabile RÃ¤ume ausgeweitet oder gefÃ¤hrdete Gebiete stabilisiert werden. HierfÃ¼r kÃ¶nnten vorbereitende Operationen bis Jahresende durchgefÃ¼hrt werden. Der Gesamtrahmen solcher Operationen ist die <em>Operation Argus Resolve</em>, die entlang der RingstraÃŸe verschiede Operationen vorsieht.  </p><p>Das Konzept entstand bei COMISAF General Richards aus den Erfahrungen der letzten Monate und ist Teil einer Counter-Insurgency-Strategie, die sich u.a. auf positive Erfahrungen aus Malaysia stÃ¼tzt. Unter Leitung von PrÃ¤sident Karzai beschloss die Policy Action Group am 16. August die Einrichtung von ADZ im SÃ¼den.  </p><p><strong>Dt. Einsatzkontingent ISAF</strong></p><p>Im Zeitraum des jetzigen 11. Kontingents wurde die Masse der dt. KrÃ¤fte nach Norden und insbesondere Mazar verlegt. Anfang Oktober waren in Kabul noch 552 BundeswehrangehÃ¶rige, in Mazar 1.301, in Kunduz 398, in Feyza 278, in Termez 316, insgesamt 2.834  stationiert. In einem Memorandum of Understandig (MoU) zwischen DEU, NOR und SWE ist der Betrieb der Foward Support Base (FSB, Logistikbasis) Mazar geregelt. Die beiden dt. gefÃ¼hrten PRT in Kunduz und Feyza werden von 14 Nationen unterstÃ¼tzt, BEL, UNG, NOR CHE stellen grÃ¶ÃŸere Kontingente.  </p><p>Die Masse der in Camp Marmal stationierten Soldaten macht Dienst  im Lager. Ca. 800 lokale ArbeitskrÃ¤fte sind zzt. vor allem wegen der BaumaÃŸnahmen hier beschÃ¤ftigt. Fest angestellt sind 200. </p><p>Die in AFG weit verbreitete Leishmaniose hat man zumindest im Camp weitgehend Ã¼berwunden, indem man dem Wirtstier Gerbil und der SandmÃ¼cke als ÃœbertrÃ¤ger weitgehend die Lebensgrundlagen entzogen hat.  </p><p>Von insgesamt 800 Fahrzeugen sind 61% geschÃ¼tzte. Den hÃ¶chsten Schutz gegen Schusswaffen und Minen bieten die Allschutzfahrzeuge DINGO 2, FUCHS, DINGO 1 und der SpÃ¤hwagen FENNEK. Die KlarstÃ¤nde liegen fÃ¼r die DINGOs und den FUCHS bei 76%, WOLF 82/92%, MUNGO 45% (wg. AchsenverstÃ¤rkung). </p><p>28 Bundeswehrsoldaten einschl. Fahrern sind als Berater/Ausbilder bei einem Bataillon (Kandak) der afg. Nationalarmee ANA. Zzt. befindet sich ein anderes ANA-Btl aus dem Norden mit seinen kroatischen Ausbildern im SÃ¼den. Weitere Bataillone des 209. Korps werden von DÃ¤nen und Ungarn ausgebildet. Was wÃ¤re, wenn das von BW beratene Btl in den SÃ¼den verlegt wÃ¼rde? Wenn dann die BW-Berater rausgezogen wÃ¼rden, hÃ¤tte das einen enormen Ansehensverlust bei den Afghanen zur Folge. WÃ¼rden die BW-Berater aber mit in den SÃ¼den gehen, wÃ¤re das jenseits der Grenze des bisherigen Mandats.   </p><p><strong>GesprÃ¤chssplitter</strong>: Bis neue Offiziere Beziehungen zu afghanischen Akteuren aufgebaut haben, dauert es 6-8 Wochen. Wenn dann die Offiziere mit AuÃŸenkontakt alle vier, vereinzelt  sechs Monate wechseln, dann ist das zumal in einer Gesellschaft der persÃ¶nlichen Beziehungen ein Ã¤uÃŸerst ineffizienter Personaleinsatz. Fluktuation gibt es teilweise auch auf afghanischer Seite. Trotzdem: Die Afghanen hÃ¤tten ein enormes GedÃ¤chtnis und wissen sehr gut â€žÃ¼ber uns&quot; Bescheid. DemgegenÃ¼ber gebe es bei den Internationalen viel institutionalisierte Vergesslichkeit. Dass es vor zwei Jahren ein funktionierendes Mentorensystem zur Soldauszahlung gab, geriet danach wieder in Vergessenheit.   </p><p>Die Camps in der Anfangszeit waren fÃ¼r die Afghanen ziemlich â€žeinsehbar&quot;. Jetzt z.B. beim Camp Marmal hÃ¶rt man Musik, weiÃŸ nicht, was die da tun; leben dort vielleicht besser als die allermeisten Afghanen. </p><p>Das Auftreten im Verkehr und auf Patrouillen: Kein â€žWinkeln und LÃ¤cheln&quot; mehr, statt dessen mehr unbewegte Gesichter und mit vorgehaltener Waffe.</p><p>In der Kneipe der Logistiker singen sich einige Soldaten beim selbst gemachten Karaoke begeistert die Seele aus dem Leib. Zwischendurch bekommt der Kommandeur des PRT Feyza die Nachricht, dass eine dÃ¤nische Patrouille Ã¼berfallen worden sei. In Kabul gelingt ISAF in dieser Nacht ein groÃŸer Zugriffserfolg gegen terroristische GroÃŸkaliber.  </p><p><strong>III. PRT Feyzabad</strong></p><p>Aufbruch zum Flugfeld in Mazar. Erstmalig fahren wir Ã¼ber eine neu angelegte AsphaltstraÃŸe, sehe ich Grasflecken, BÃ¼sche, ja einzelne BÃ¤ume. Die Sonne steigt Ã¼ber der zackigen Gebirgswand auf. Die Weite liegt klar und ruhig vor uns. Wann kÃ¶nnte die Welt friedlicher sein? Fotomotive reichlich. </p><p>Der Konturenflug im CH-53 Hubschrauber mit offener Heckklappe verschafft uns Wahnsinnsblicke auf grandiose Landschaften: Erst Ã¼berfliegen wir vegetationslose hohe Sandberge, dann ein immer wilderes Felsengebirge, zeitweilig einem Gebirgsfluss folgend, neben dem sich die Verbindungspiste entlang schlÃ¤ngelt.  Und trotz tiefster und unzugÃ¤nglicher Ã–dnis immer wieder Trampelpfade, eine Herde, HÃ¼tten, ein Feld. Irgendwo in endloser Wildnis sitzt ein Mann auf einem BergrÃ¼cken. </p><p>Die Ã¤uÃŸerst eingeschrÃ¤nkte Erreichbarkeit groÃŸer Teile der Provinz Badahghsan ist das erste Entwicklungshindernis. Die Provinz erstreckt sich Ã¼ber 300 km in N-S-Richtung und 450 km in O-W. Die Infrastruktur ist katastrophal. Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf den â€žStraÃŸen&quot; liegt bei 25 km/h, z. T. nur 12 km/h. FÃ¼r die 240 km von Kunduz braucht es 10-24 Stunden. Viele GÃ¼ter werden Ã¼ber diese Strecke mit Trucks von â€žMÃ¼ller &amp; Partner&quot; angeliefert. Im Winter ist die Strecke eingeschrÃ¤nkt bis gar nicht befahrbar. </p><p><u>Sicherheitslage</u>: Die Beziehungsgeflechte der problematischen Akteure sind sehr wechselhaft und erfordern eine stÃ¤ndige Gradwanderung. Manche Hauptverantwortliche in der Provinz sind in diese oder jene Schmuggelart verwickelt. Ein Machthaber verfÃ¼gt noch Ã¼ber ca. 2.000 Bewaffnete. Taliban haben hier traditionell keinen Zuspruch. Baharak Ã¶stlich von Feyza ist eine Drehscheibe des Drogenschmuggels   </p><p>In 2006 bisher 27 Attacken, davon 6 mit Verletzten (18 im Vorjahrszeitraum). Der vorletzte Angriff auf eine Patrouille geschah wohl, weil sie bei anderen AktivitÃ¤ten â€žstÃ¶rte&quot;. </p><p>Eigene KrÃ¤fte: Zum PRT gehÃ¶ren zzt. insgesamt 419 Personen, darunter drei dt. Kompanien, ein tschechisches (40) und ein dÃ¤nisches (70) Kontingent sowie neun Zivilisten (2 AA, je ein kroatischer und tschechischer Diplomat, je 2 dt. und kroatische Polizisten). Auf dt. Seite kommt auf zwei UnterstÃ¼tzer ein Einsatzsoldat. Die Distrikte sind den einzelnen Nationen zugeordnet: westliche und Mitte DEU, Mitte KROA, Ã¶stliche DÃ„N, unzugÃ¤ngliche Randgebiete (10 Tage Patrouillendauer) vereinzelt und multinational. Agiert wird in Form von  Mobile Observation und Liason Teams (MOLT) und anderen Teamformen. </p><p>Durchschnittlich laufen sieben Patrouillen pro Tag, seit Januar 1.700 insgesamt, davon 160 Langzeitpatrouillen. Die PatrouillentÃ¤tigkeit wird erheblich durch Probleme mit den Sonderfahrzeugen behindert. </p><p>Die <u>Zusammenarbeit</u> mit den Provinzorganen und anderen Akteuren findet in verschieden Formaten statt: Sicherheit, Demilitarisierung/ Demobilisierung + Integration, poppy elimination etc. </p><p>Schwerpunkte der EntwicklungsaktivitÃ¤ten sind Infrastruktur, Bildung und Gesundheit. FÃ¼r CIMIC-AktivitÃ¤ten stehen 15.000 Euro â€žHandgeld&quot; zur VerfÃ¼gung, den DÃ¤nen 1 Mio. Euro! Seit 2004 wurden von DEU-CIMIC 74 MaÃŸnahmen ergriffen, von dÃ¤nischer Seite seit Mai 2005 68. </p><p>Die Einsatzlage der Sonderfahrzeuge sei z.T. desolat. Jede 5. Langzeitpatrouille musste wg. technischer SchÃ¤den abgebrochen werden. Die Fahrzeuge des â€žLeichten Beweglichen Arzttrupps&quot; (LBAT) seien die Achillesferse. Unsinn wÃ¤re gewesen, die Instandsetzung in Mazar zu konzentrieren. In viele Distrikte kommt man gar nicht mit dem FUCHS, also werden mehr WOLF-â€žPÃ¤rchen&quot;  gebraucht. Die fehlen. Insgesamt - so im Kreis der Kompaniechefs - sei man mit gepanzerten Fahrzeugen gut ausgestattet. Allerdings stehen solche Fahrzeuge fÃ¼r die Einsatzvorbereitung in DEU nicht zur VerfÃ¼gung. Also muss die Einweisung in der sowieso knappen Zeit im Einsatzland erfolgen. Wir kÃ¶nnen nicht nachvollziehen, warum im letzten Jahr 40 Mio. Euro â€žeinsatzbedingter Sofortbedarf&quot; nicht abgerufen wurden. </p><p>Der DINGO kÃ¶nne wegen seiner Schwere und MaÃŸe in dieser Provinz nur zu 20/30% eingesetzt werden. Der kleinere WOLF hingegen sei fÃ¼r solche EinsÃ¤tze nicht gebaut. Umbauten vor Ort machen Probleme. Angebracht wÃ¤re die KSK-Variante. </p><p>Die dt. Luftwaffe hat keine Flugzeuge, die nach Feyza fliegen dÃ¼rfen (2-motorig, nur im Notfall). Flugzeuge anderer stehen nicht mehr zur VerfÃ¼gung. Also geht`s nur mit den knappen Hubschraubern. </p><p>AntrÃ¤ge der militÃ¤rischen FÃ¼hrung: u.a. logistische Autarkie erhÃ¶hen, mehr Luftbeweglichkeit (Illusion?), medizinische Evakuierung verbessern, signifikante ErhÃ¶hung der Mittel fÃ¼r quick impact Projekte, Aufstockung der nationalen PolizeiprÃ¤senz, Stationierung von ANA in der Provinz - bisher ist hier keine ANA!</p><p>Die zivil-militÃ¤rische Zusammenarbeit habe sich - so die Feststellung von ziviler Seite - bewÃ¤hrt. Man empfiehlt, die Frage des Erfolgs in AFG nicht in erster Linie an der RauschgiftbekÃ¤mpfung festzumachen. â€žWir kÃ¶nnen in einer fÃ¼r uns vernÃ¼nftigen Frist nichts Grundlegendes daran Ã¤ndern.&quot; Da es keine Alternativen gebe, komme es darauf an, zusÃ¤tzliche Erwerbsquellen zu entwickeln. Man mÃ¼sse das eine hinnehmen, aber den Bauern zugleich andere MÃ¶glichkeiten erÃ¶ffnen. â€žWir brauchen Geduld!&quot;  (Hinter dieser Position stehen Erfahrungen aus Kolumbien und Turkmenistan. Sie entsprechen exakt dem, was uns Feld-Experten der entwicklungsorientierten Drogenkontrolle in Berlin berichteten. Konfrontative â€žschnelle&quot; DrogenbekÃ¤mpfung ist eine Illusion und Sackgasse. Es geht wohl nur mit einer â€žUnwegstrategie&quot;. Hierin scheinen sich die relevanten Akteure keineswegs einig zu sein!)      </p><p>Der DED arbeitet seit 2003/4 hier und hat bisher 8 Mio. Euro fÃ¼r Entwicklungsprojekte investiert. Man arbeite rÃ¤umlich getrennt, in der praktischen Zusammenarbeit sei aber keine solche Distanz spÃ¼rbar. </p><p>Der PRT-Kommandeur hÃ¤tte demgegenÃ¼ber doch lieber alle Ministerien unter einem Dach. Die Stimmung gegenÃ¼ber Hilfsorganisationen und Internationalen sei gut. Die Gesamtstimmung in der BevÃ¶lkerung habe sich nicht verschlechtert.</p><p>GegenÃ¼ber dem ursprÃ¼nglichen Zeitplan sind wir noch kÃ¼rzer vor Ort. Darunter leidet vor allem die PrÃ¤sentation und Wahrnehmung der zivilen Aufbauanstrengungen, von denen inzwischen immer mehr sagen, wie entscheidend es auf sie ankomme. Dass unser Gruppenfoto nur mit dem PRT-Kommandeur und ohne die zivilen SÃ¤ulen geschossen wird, ist symptomatisch. Deshalb: Nie mehr so kurz nach Feyza!</p><p>Mit auf den Weg bekommen wir eine Video-/Foto-CD-Rom, die von Soldaten in der 2. HÃ¤lfte 2004 (ich erkenne welche) zusammengestellt wurde: â€žWir sind die Helden vom Arsch der Welt&quot;. Was da an Landschaften, Menschen und Musik rÃ¼berkommt, ist eine herb-romantische LiebeserklÃ¤rung an AFG, die auch bei uns zuhause zÃ¼ndet. </p><p><strong>IV.  Kunduz    </strong></p><p>Das kleine GebÃ¤ude am Flughafen ist inzwischen frisch gestrichen. 50 Meter jenseits der BetonflÃ¤che ragt das Leitwerk eines zerstÃ¶rten Flugzeuges aus dem Boden: â€žKunduz Airfield&quot; steht einladend darauf. Zur anderen Seite hin ausgebrannte Fahrzeuge, die man wegen der Verminung der Umgebung besser nicht besucht. Die ganze Ebene um das Flugfeld ist gespickt mit den Resten von KriegsgerÃ¤t. Hier war Ende 2001 Hauptkampfgebiet. GegenÃ¼ber der Einfahrt zum so groÃŸ erscheinenden PRT Kunduz liegt der GeschÃ¼tzturm eines Panzers wie eine SchildkrÃ¶te auf dem RÃ¼cken - ich empfinde das plÃ¶tzlich wie eine Mahnung. </p><p>Ã–stlich von Kunduz geht es in die Berge, werden die Wege schwierig, zeitraubend, z.T. lebensgefÃ¤hrlich. Entscheidend ist das FÃ¼hrungs- und Informationsgeflecht des PRT mit Gouverneur, BÃ¼rgermeister, UNAMA, Provinzrat, Mullahs, Ã„ltesten, ANA, ANP, NDS (Geheimdienst), GO`S + NGO`s, Medien etc. In diesem Geflecht angesichts kurzer Stehzeiten, personeller Fluktuationen und unter Beachtung Ã¶rtlicher Gepflogenheiten wirksam zu sein, ist von vorneherein eine besondere Herausforderung. </p><p>GrundsÃ¤tze des PRT: SouverÃ¤nitÃ¤t respektieren, Hilfe zur Selbsthilfe, Synergien nutzen, Balance zwischen Wirkung und Schutz. </p><p>Das PRT umfasst 481 Deutsche, 15 Belgier und 8 Personen anderer Nationen, zehn Zivilexperten (AA, BMI). Kunduz ist das grÃ¶ÃŸte PRT in ganz AFG, es leistet auch anderen, z.B. den Ungarn in Pol-e-Khomri substanzielle Hilfe.  </p><p><u>Sicherheitslage</u>: illegale Parallelstrukturen (ehemalige Kommandeure der Nordallianz, Korruption), ethnische Unterschiede, wachsende GewaltkriminalitÃ¤t. Durch die Provinz laufen Hauptrouten des Drogenschmuggels.  Der dt. Beitrag zum Wiederaufbau ist breit anerkannt, bedeutet aber keinen automatischen Schutz. Bisher sind keine selbsttragenden Oppositionelle Militante KrÃ¤fte zu beobachten, sie sickern viel mehr vom SÃ¼den in die paschtunischen Gebiete ein. Diese KrÃ¤fte lernen. Sie schieÃŸen bei Nachtpatrouillen z.B. direkt auf die NachtsichtgerÃ¤te. HÃ¶hepunkt der AnschlÃ¤ge und Versuche im August. Nach einer grÃ¶ÃŸeren Festnahmeaktion war sechs Wochen Ruhe, war der September anschlagsfrei! In der gebirgigen Nachbarprovinz Takhar sei es nicht so ruhig. </p><p>Durchschnittlich laufen 20 Patrouillen/Tag und zwei/Nacht. Davon sind mehrere gemeinsam mit ANA-Soldaten bzw. ANP-Polizisten, zwei Langstreckenpatrouillen gehen Ã¼ber mehrere Tage, Es kommt auf hÃ¶here PrÃ¤senz an, um den Gegner in Bewegung zu halten. ErlÃ¤utert wird die sog. â€žerweiterte OperationsfÃ¼hrung&quot;. Gerade nach AnschlÃ¤gen ist es wichtig, â€žraus zu gehen&quot;, sich nicht einzuigeln, wie das manche andere Nationen tun.  Der SchlÃ¼ssel aber ist die StÃ¤rkung der AFG-FÃ¤higkeiten. </p><p>In der Entwicklungszusammenarbeit arbeiten im PRT-Gebiet ca. 30 Deutsche. Die Welthungerhilfe (WHH) ist hier seit vielen Jahren engagiert. Anspruch ist, sich gegenseitig zu ergÃ¤nzen. Vor Ort funktioniere das Zusammenwirken der verschiedenen Organisationen sehr gut. Mit dem Umzug des PRT mitten aus Kunduz an den Flughafen ist zunÃ¤chst die Distanz gewachsen. Ein neues â€žStadthaus&quot; soll von allen PRT-Teilen besetzt werden und Anlaufstelle fÃ¼r die Afghanen sein. Von 2004 bis heute wurden 50 Mio. $ in 1.450 Projekte gesteckt.</p><p>FÃ¼r eine Koranschule wurden sanitÃ¤re Einrichtungen und eine KÃ¼che ermÃ¶glicht. So was wirke wie ein Leuchtturm. Wenn die Koranschulen hier einigermaÃŸen in Ordnung sind, brauchen die Leute nicht nach Pakistan. Dass sogar im PRT ein Gebetsraum eingerichtet wurde, fand hohe Anerkennung. FÃ¼r Polizisten werden sehr gute Kurse angeboten. Ein Drittel der 1.200 haben diese inzwischen absolviert.  </p><p>Fortschritte: 60% der Jungen und 40% der MÃ¤dchen besuchen eine Schule, Das macht Aufbruchstimmung. Die Infrastruktur werde langsam, aber sicher besser. Die Wirtschaft komme in Schwung, vor allem Kleinstunternehmen und KleingeschÃ¤fte. Wenn es nun heiÃŸe,  die NATO mÃ¼sse mehr fÃ¼r den Aufbau tun - â€ždas machen wir hier!&quot; </p><p><u>Exkursion nach drauÃŸen</u>: Ãœber die â€žLine of Communication Pluto&quot; (Nord-SÃ¼d-Verbindung nach Kabul) fahren wir bis zu einem Ãœbersichtspunkt bei Aliabad am SÃ¼drand der Provinz, wo die Kunduz-Ebene beginnt. Die StraÃŸe ist landesuntypisch gut ausgebaut. Rechts und links Felder dicht an dicht. Die Fruchtbarkeit dieser Gegend, wo drei Ernten im Jahr mÃ¶glich sind, springt ins Auge. Hier begegnet uns beim Vorbeifahren immer wieder das berÃ¼hmte â€žWinken + LÃ¤cheln&quot;, von dem in Kabul lÃ¤ngst keine Rede mehr ist. Die BewÃ¤sserungssysteme sind mit dem DINGO nur schwer zu durchfahren. Patrouillen sind hier besser mit dem WOLF und zu FuÃŸ unterwegs. Die Wadis bieten auch fÃ¼r Gegner gute BewegungsmÃ¶glichkeiten.</p><p>In Aliabad stellt uns der GTZ-Team-Leader Eberhard Halbach ein <u>Trinkwasserprojekt</u> vor. Lange mussten sich die Menschen hier ihr Wasser aus dem Kunduz-Fluss holen. Aliabad war frÃ¼her Taliban-Hochburg. Damals arbeitete schon die WHH  hier. Der Ort gilt heute immer noch als unruhig. Das Trinkwasserversorgungssystem Aliabad soll ca. 500 Haushalte (um 3.700 Personen) Ã¼ber HausanschlÃ¼sse mit sauberem Trinkwasser versorgen. ZusÃ¤tzlich werden Ã¶ffentliche Zapfstellen fÃ¼r bedÃ¼rftige Haushalte aus der Umgebung und Durchreisende errichtet. Die GTZ koordiniert das Gemeinschaftsprojekt mit der WHH, Agha Khan Foundation (AKF) und der Gemeinde Aliabad. Die AKF ist fÃ¼r Brunnen, Wasserreservoir und Leitungssystem verantwortlich, die WHH fÃ¼r den Aufbau eines Wassermanagementrates und von Wassernutzervereinigungen. Das System soll ja langfristig und autark funktionieren. Das Projekt hat Pilotcharakter. Die Gesamtkosten betragen 355.000 Euro. Ende Oktober soll das System Ã¼bergeben werden. Eine Schattenseite der Gemeindebeteiligung: Die MÃ¤nner bestanden entgegen GTZ-Empfehlung auf HausanschlÃ¼ssen - damit die Frauen weniger aus dem Haus kommen. (Vgl. die GTZ-BroschÃ¼re â€žTowards a brighter tomomorow - GTZ`s Contribution to Reconstruction and Development in the North East of AFG, July 2005&quot;)   </p><p>In Aliabad soll auch eine einfache FuÃŸgÃ¤ngerbrÃ¼cke Ã¼ber den Kunduz-Fluss gebaut werden. Auch hierbei gilt es, die BevÃ¶lkerung einzubeziehen, damit auch auf Dauer die Instandhaltung der BrÃ¼cke gewÃ¤hrleistet ist. Die Gelder kÃ¶nnten - so wird mir mitgeteilt - aus den â€žNachtwei-Millionen&quot; kommen. Diese insgesamt 10 Mio. Euro hatte ich im FrÃ¼hjahr 2005 dem Verteidigungsministerium im Kontext eines Koalitionsstreits fÃ¼r Zwecke des Ressortkreises â€žZivile KrisenprÃ¤vention&quot; abverhandelt. (Inzwischen wurden dieser Posten â€žstrukturelle KrisenprÃ¤vention&quot; von der Mehrheit des Haushaltsausschuss gesperrt. Die Mittel dÃ¼rfen nur noch im unmittelbaren Kontext von BundeswehreinsÃ¤tzen ausgegeben werden. Damit wird der ursprÃ¼ngliche Zweck  -  StÃ¤rkung der â€žunterernÃ¤hrten&quot; zivilen KrisenprÃ¤vention am Dreh- und Angelpunkt Ressortkreis - widerrufen. Angesichts der aktuellen Diskussion Ã¼ber den RÃ¼ckstand nichtmilitÃ¤rischer Anstrengungen und der StÃ¤rkung vernetzter Sicherheit ist dieser Schritt beispielhaft kurzsichtig und dumm.)</p><p><u>Schulprojekt</u>: CIMIC ermittelte den Bedarf, vom AA kam das Geld. Inzwischen werden 17 Schulprojekte gefÃ¶rdert (Zelte, Brunnen, sanitÃ¤re Einrichtungen), bei denen es auf schnelle Umsetzung ankommt. </p><p>Die Schule vor uns wurde von USAID errichtet und wird von insgesamt 1.000 SchÃ¼lerInnen, darunter 250 MÃ¤dchen besucht.  Allerdings dÃ¼rfen Brunnen, sanitÃ¤re Einrichtungen und RÃ¤ume nicht zusammen benutzt werden. Nach vielen GesprÃ¤chen wurde ein â€žKompromiss&quot; gefunden: Die MÃ¤dchen werden drauÃŸen unter SonnendÃ¤chern unterrichtet. FÃ¼r sie wird ein eigener Brunnen angelegt. Jenseits der Schulmauer wird ein eigenes GebÃ¤ude fÃ¼r die MÃ¤dchen errichtet. In den letzten sechs Monaten gab es in der Region sechs AnschlÃ¤ge auf Schulen. </p><p>Der <u>Dt. Entwicklungsdienst (DED</u>) arbeitet in AFG in 2005/6 auf den Feldern</p><ul><li>- FÃ¶rderung einer nachhaltigen Entwicklung (8 Projekte in Kabul, Nordost und Mazar, eins auch in Herat und Jalalabad))</li><li>- Entwicklungsorientierte Nothilfe (zwei in Kabul + Mazar, Herat, Kandahar + Jalalabad)</li><li>- Wasser und Energie (zwei in Kabul, Wardak, Herat): angepasste und erneuerbare Energien</li><li>- DemokratiefÃ¶rderung, Zivilgesellschaft + Kommunalentwicklung, einschlieÃŸlich Beratung einheimischer Organisationen (16 Projekte in Kabul + Nachbarprovinzen, Kunduz, Balkh, Jawzjan, Norden) </li><li>- Kommunalentwicklung (zwei in Kunduz, Feyza + Kabul)</li><li>- Ziviler Friedensdienst/ZFD (9 Projekte in Kabul, Norden, Herat, Bamyan, Ghazni)</li></ul><p>Das <u>ZFD-Programm AFG</u> des DED lÃ¤uft seit 2004 und zunÃ¤chst bis 2012 angelegt. 12, spÃ¤ter 18 FriedensfachkrÃ¤fte arbeiten mit 10 afg. Partnerorganisationen zusammen. Die Handlungsfelder sind: VersÃ¶hnungsarbeit durch BildungsmaÃŸnahmen und StÃ¤rkung von Informations- und Kommunikationsstrukturen; StÃ¤rkung lokaler Konfliktregelungsstrukturen. Der Rahmen ist der nationale â€žAction Plan on Peace, Reconciliation and Justice in AFG&quot; vom Dezember 2005. (vgl. DED: Kurzdarstellung Ziviler Friedensdienst in Afghanistan, Oktober 2006) </p><p>Von Corinna V., die ich im Airbus nach Termez treffe, und Cornelia Brinkmann, der ZFD-Mitstreiterin von Anfang an, erfahre ich einiges aus der ZFD-Praxis in AFG: C. arbeitet in der Peacebuilding-Abteilung des â€žEducational + Training Centers for poor women + girls&quot; (ECW, seit 1997 in Kabul) in Kunduz. Zzt. werden Kurse fÃ¼r Mitglieder Ã¶rtlicher Shuren (RÃ¤te) durchgefÃ¼hrt. Die Frauen-Shura von Kunduz soll nach eigenen Angaben 5.000 Mitglieder haben. Kurse in Konfliktbearbeitung gibt es auch fÃ¼r religiÃ¶se Shuren und Mullahs sowie als Train-the-Trainers Programme, um auch die Distrikte auf dem Land zu erreichen. Das erste Gebot ist Respekt. Die andere C. hat bei Oxfam und Afghanaid in Badakhshan gearbeitet. (Vgl. Lessons learned of a pilot project, Dezember 2005)  In solchen Peace Building Kursen geht es z.B. um Familienkonflikte, die schnell eine ganze Dorfgemeinschaft spalten kÃ¶nnen, um RÃ¼ckkehrerkonflikte etc. Dort gab es mehr als 40 Zielgruppen (Ã„lteste, Mullahs, Lehrer, Parlamentskandidaten, Kommandeure ...). GesprÃ¤chskontakte waren mit 3.500 Menschen, hinter denen ca. 17.000 Menschen standen.  Diese ZFD-Frauen scheinen so dicht an einer Gesellschaft der primÃ¤r mÃ¼ndlichen Kommunikation, den Menschen und ihren Konflikten dran zu sein wie kaum jemand sonst. Und dann als einzelne europÃ¤ische Frau im wilden Badakhshan - unglaublich. Doch solche Arbeit ist unsichtbar. Dabei wÃ¤re die Wahrnehmung und VerÃ¶ffentlichung solcher Arbeit und der Erfahrungen mit den Afghanen dabei enorm wichtig: als Korrektur des Ã¼blichen AFG-Bildes der Warlords, Drogenbarone, Taliban und Korrupten, als Indikator, ob Ã¼ber die GewalteindÃ¤mmung hinaus FriedensfÃ¶rderung in AFG Ã¼berhaupt Sinn macht.   </p><p>Die Nachwuchsgewinnung fÃ¼r die EZ in AFG macht immer wieder Probleme. Medienberichte Ã¼ber AnschlÃ¤ge in AFG wirken immer wieder abschreckend. </p><p>Bei der Haushaltsdebatte Ã¼ber den Entwicklungsetat am 22.11. teilt die Ministerin mit, dass mehrere Millionen Euro kurzfristig in die entwicklungsorientierte Nothilfe in den SÃ¼dostprovinzen Khost und Paktia gehen sollen. Insgesamt wendet DEU seit 2002 jÃ¤hrlich 80 Mio. Euro fÃ¼r die EZ in AFG auf, festgelegt bis 2010.</p><p>Bei der <u>Fahrt durch Kunduz</u> fÃ¤llt mir nach zwei Jahren Unterbrechung doch einiges auf: Die wichtigen InnenstadtstraÃŸen sind asphaltiert Die Rohbauten von 2004 sind fertig. Viele, viele GeschÃ¤fte und auffÃ¤llig oft an der HauptstraÃŸe afghanisch-deutsche Projektschilder. </p><p>Der Kunduz-Tag endet wie in einem SommergÃ¤rtchen im gemÃ¼tlichen Innenhof eines PRT-GebÃ¤udes. Er scheint zu enden. Denn als alle brav in ihren Betten liegen, ertÃ¶nt um 22.45 Uhr eine Sirene und die Lautsprecherdurchsage â€ž<u>Alarm! Blitzschlag</u>! Alarm! Blitzschlag!&quot; in stÃ¤ndiger Wiederholung. Ein FeldjÃ¤ger in voller Montur und NachtsichtgerÃ¤t auf dem Helm holt uns ab in den nÃ¤chsten Schutzraum, die Kantine. Unweit von unserem Besuchsort von heute Nachmittag wurde bei Anghur Bogh (wie schon am 28. Juni) eine Nachtpatrouille aus WOLF und FENNEK mit Schusswaffe und drei PanzerfÃ¤usten (RPG 7) Ã¼berfallen. Ein Soldat wurde am Unterschenkel verletzt. Diese PanzerfÃ¤uste sind nicht zielgenau. Aber gegenÃ¼ber einem Volltreffer gibt es keinen Vollschutz. Schnell fÃ¤hrt VerstÃ¤rkung raus. </p><p>Ãœber die HintergrÃ¼nde des Anschlags wird spekuliert: War das die Antwort auf unsere heutige massive PrÃ¤senz in der Gegend? Gibt`s vielleicht unter GewalttÃ¤tern einen â€žWettbewerb&quot;, wer den FENNEK mit seinen bekannten AufklÃ¤rungsfÃ¤higkeiten ausschaltet?  </p><p> <strong>V. Termez</strong></p><p>Das Einsatzgeschwader Termez besteht aus 302 Dienstposten mit 182 verschiedenen Verwendungen. Sechs C-160 (Transall) stehen fÃ¼r den taktischen Lufttransport in der Nordregion, nach Kabul und darÃ¼ber hinaus zur VerfÃ¼gung, dazu 5-6 CH-53 Transport-Hubschrauber, die PrimÃ¤rrettungsgerÃ¤t sind. Alle 200 Flugstunden, d.h. ungefÃ¤hr alle vier Monate ist die Inspektion in der Industrie angesagt. Das dauert dann 2-3 Monate. Wenn die CH-53 in Mazar im Freien stationiert wÃ¤ren, wÃ¼rden die Wartungsintervalle zwangslÃ¤ufig kÃ¼rzer. </p><p>Zwei Transall stehen der NATO mit insgesamt 1.200 Flugstunden/Jahr zur VerfÃ¼gung. 600 Stunden wurden bisher in Anspruch genommen. Besondere Beanspruchungen: besonders viel Staubentwicklung, hohe Temperaturen bis Ã¼ber 50Â°, FlughÃ¶hen von 6.-7.000 m Ã¼ber den Hindukusch, keine Flugsicherung, keine Anflughilfen, oft BehelfsflugplÃ¤tze.  </p><p>Besichtigung des MEDEVAC-FluggerÃ¤ts: In der Transall sind zwei Intensiveinheiten untergebracht, im Hubschrauber eine plus PlÃ¤tze fÃ¼r zwei Leichtverletzte. Die Bundeswehr ist im Bereich MEDEVAC fÃ¼r den ganzen Norden zustÃ¤ndig. Eine solche technische und personelle Ausstattung hat auch niemand sonst.       </p><p>Wie jedes Mal so begegne ich auch jetzt in Termez wieder Soldaten aus MÃ¼nster - Oberst RÃ¼hl und Oberleutnant Scholz kommen vom dortigen Lufttransportkommando. Abschied von Major d. Res. Dr. JÃ¼rgens, der uns die ganze Zeit sehr kundig, souverÃ¤n und offen begleitet hat. </p><p>Im BW-Airbus spreche ich einen Bundespolizisten an, der seit 2003 beim Polizeiprojekt fÃ¼r Kfz zustÃ¤ndig ist. Mit anderen Kollegen engagiert er sich fÃ¼r eine Schule bei Kabul, der man SchulmÃ¶bel besorgen will. 500 Euro fehlen noch. Am 25. November findet die offizielle Ãœbergabe statt. </p><p>Der Airbus ist bis auf wenige Polizisten und uns Zivilisten voller Soldaten, darunter auch einige anderer Nationen. AuffÃ¤llig ist, wie sehr hier Individuen - und nicht Gemeinschaften  - zurÃ¼ckkommen.   </p><p><strong>Exkurs zu AFG-SÃ¼d</strong></p><p>Von Landeskundigen hÃ¶re ich, dass es in den letzten fÃ¼nf Jahren in weiten Teilen des Landes nur OEF-EinsÃ¤tze, aber fast nichts an Aufbau + Entwicklung gegeben habe. ISAF kommt jetzt z.T. in Regionen, in die vorher auch OEF und ANA nie vorgedrungen waren. </p><p>Die <strong>Niederlande</strong> haben 10% ihres ganzen Heeres in AFG. Vor der Ãœbernahme der ISAF-FÃ¼hrung durch die NATO im August 2003 stellte das Deutsch-NiederlÃ¤ndische Korps aus MÃ¼nster das ISAF-Kommando. Im Februar 2006 wurde in den NL Ã¼ber eine Peace-Support-Mission gestritten. Die heutige Dimension war damals nicht klar. Zur Auflage wurde damals die klare Trennung von OEF gemacht. Das erste NL-Kontingent (Deployment Task Force)  startete im MÃ¤rz und hatte die Logistik, v.a. das Kamp Holland in Tarin Kowt/Uruzgan aufzubauen. Eine besondere Herausforderung war, Konvois mit bis zu 50 Fahrzeugen, darunter etliche Trucks, Ã¼ber 185 km von Kandahar durch Unruhegebiet nach Tarin Kowt durchzubringen. Das gelang mit eigener F 16 bzw. Apache-Absicherung ohne Verluste. Der NL-Einsatz war flankiert von einer groÃŸen politischen Initiative: Anfang Mai lud der NL-Au</div>


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