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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Nachtwei zur deutschen OEF-Beteiligung: Nicht mehr dringlich und nicht mehr verantwortbar!</title>
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        <h1>
            Nachtwei zur deutschen OEF-Beteiligung: Nicht mehr dringlich und nicht mehr verantwortbar!         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 7. November 2006 13:35:08 +02:00 (86749 Aufrufe)            </div>
            <div>    Zu dem Schluss, dass &quot;eine weitere deutsche Beteiligung an OEF/Afghanistan fÃ¼r die Absicherung des Stabilisierungsprozesses nicht nur nicht mehr notwendig, sondern auch nicht mehr verantwortbar&quot;, kommt Winfried Nachtwei in seiner Stellungnahme fÃ¼r die grÃ¼ne Bundestagsfraktion. </div>
            <div>    <p align="center">  <strong>Nach fÃ¼nf Jahren Beteiligung an Enduring Freedom:<br /></strong><strong>Nicht mehr dringlich und nicht mehr verantwortbar!</strong></p><p align="center">(Winni Nachtwei, 7.11.2006)</p><p><em>Am 10. November wird der Bundestag abschlieÃŸend Ã¼ber den Antrag der Bundesregierung.  Ã¼ber die weitere deutsche Beteiligung an der US-gefÃ¼hrten Operation Enduring Freedom (OEF) debattieren und beschlieÃŸen.</em></p><p><em>Das OEF-Mandat soll im Kern unverÃ¤ndert bleiben und nur im Umfang von 2.800 auf 1.800 reduziert werden: MarinekrÃ¤fte fÃ¼r die SeeraumÃ¼berwachung am Horn von Afrika (bisher bis zu 1.500, jetzt 1.100 Soldaten, real 330); SpezialkrÃ¤fte (bis 100 Mann KSK) in Afghanistan; je 200 Lufttransport-, SanitÃ¤ts- und UnterstÃ¼tzungskrÃ¤fte statt bisher 500/250/450.   </em></p><p><em>Zum inzwischen sechsten Mal ist sorgfÃ¤ltig zu prÃ¼fen, ob die deutsche Beteiligung an OEF </em></p><ul><li>Â§ <em>sicherheitspolitisch dringlich,</em></li><li>Â§ <em>im Hinblick auf die EindÃ¤mmung von internationalem Terrorismus und Gewalt wirksam</em></li><li>Â§ <em>und hinsichtlich der Folgen und der dabei eingesetzten Soldaten verantwortbar ist. </em></li></ul><p><em>Dabei lassen sich die deutschen BeitrÃ¤ge sinnvoll nur im Kontext der Gesamtoperation Enduring Freedom bewerten. </em></p><p><em>Im Jahr 2001 wie in den Folgejahren kam ich nach sorgfÃ¤ltiger PrÃ¼fung  zu dem Ergebnis, die Bundeswehrbeteiligung an OEF zu befÃ¼rworten und zu empfehlen: â€žOhne OEF kein ISAF&quot;. Ich habe das jeweils ausfÃ¼hrlich begrÃ¼ndet. (vgl. meine Stellungnahmen vom November 2001, vom 14.11.2002 zusammen mit Claudia Roth, vom 6.11.2005 â€žUmfassende TerrorismusbekÃ¤mpfung statt Â´Krieg gegen den Terror`&quot;, <a href="/">http://www.nachtwei.de/</a>) </em></p><p><strong><em>Heute kann ich vor allem angesichts einer erheblich verÃ¤nderten Lage in Afghanistan und der kontraproduktiven Rolle von OEF dabei eine Zustimmung nicht mehr empfehlen.  </em></strong></p><p><strong>1. Klarstellungen </strong></p><ul><li>Â§ Auch fÃ¼nf Jahre nach dem 11. September hÃ¤lt die Bedrohung der internationalen Sicherheit durch Netzwerke und Akteure des internationalen Terrorismus an. Der Irak-Krieg und eine primÃ¤r militÃ¤rische und vielfach gegen Menschen- und VÃ¶lkerrecht verstoÃŸende Art der TerrorbekÃ¤mpfung gaben dem internationalen Terrorismus sogar erheblichen Auftrieb.</li><li>Â§ Die BekÃ¤mpfung des internationalen Terrorismus bleibt eine zentrale Herausforderung fÃ¼r die internationale Gemeinschaft und die Bundesrepublik Deutschland im Rahmen der VN, der EU, NATO und OSZE. Sie ist nicht kurzfristig, sondern nur mit langem Atem, mit AugenmaÃŸ und Konsequenz zu bewÃ¤ltigen. </li><li>Â§ Vielfach bestÃ¤tigt hat sich die seit 2001 von rot-grÃ¼ner Bundesregierung und Bundestag vertretene Grundposition, dass Terrorismus nur wirksam eingedÃ¤mmt und bekÃ¤mpft werden kann, wenn die direkte Verfolgung mutmaÃŸlicher TÃ¤ter und UnterstÃ¼tzer, Gefahrenabwehr und MaÃŸnahmen zur Austrocknung der NÃ¤hrbÃ¶den fÃ¼r internationalen Terrorismus Hand in Hand gehen und nicht einander zuwiderlaufen. TerrorbekÃ¤mpfung muss sich strikt an die Normen der Menschenrechte und des VÃ¶lkerrechts halten. Alles andere zerstÃ¶rt die GlaubwÃ¼rdigkeit und Legitimation von TerrorbekÃ¤mpfung und beeintrÃ¤chtigt ihre politische Wirksamkeit dort, wo es strategisch um KÃ¶pfe und Herzen geht. </li><li>Â§ Notwendig ist ein Gesamtansatz von politischen, polizeilichen, nachrichtendienstlichen, entwicklungs- wie kulturpolitischen und anderen Mitteln. MilitÃ¤rische Mittel waren und sind dabei sowohl zur EindÃ¤mmung terroristischer Gefahren (Stabilisierungs- und ÃœberwachungseinsÃ¤tze) wie auch zur direkten BekÃ¤mpfung terroristischer Gruppen und Infrastruktur notwendig, dÃ¼rfen aber nur eine unterstÃ¼tzende und nie eine primÃ¤re Rolle spielen Diese Notwendigkeit bestand seit 2001 in Afghanistan angesichts der Ã¤uÃŸerst gewalttÃ¤tigen Gruppen von Taliban und Al Quaida Resten. Diese Notwendigkeit besteht grundsÃ¤tzlich auch heute zumindest gegenÃ¼ber Teilen der AufstÃ¤ndischen im SÃ¼den. Der explizite â€žKrieg gegen den Terror&quot; ist ein Irrweg.</li><li>Â§ EinsÃ¤tze von KSK-Soldaten im Rahmen von OEF sind klar von EinsÃ¤tzen im Rahmen von ISAF in Afghanistan zu unterscheiden. Letztere sind notwendig und beim Schutz eigener ISAF-KrÃ¤fte ausgesprochen hilfreich. </li></ul><p>Zur militÃ¤rischen BekÃ¤mpfung des internationalen Terrorismus hat die Bundesrepublik in den zurÃ¼ckliegenden Jahren in zweifacher Hinsicht beigetragen: </p><ul><li>Â§ Indirekt zur EindÃ¤mmung terroristischer Gefahren durch den ISAF-Stabilisierungseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan;</li><li>Â§ indirekt und direkt durch Beteiligung an der US-gefÃ¼hrten Anti-Terror-Operation Enduring Freedom durch Bereitstellung von MarinekrÃ¤ften zur Ãœberwachung des Seeraums am Horn von Afrika, durch Bereitstellung von bis zu 100 Spezialsoldaten (Kommando SpezialkrÃ¤fte/KSK) fÃ¼r OEF/Afghanistan sowie durch Bereitstellung von Lufttransport-, SanitÃ¤ts- und UnterstÃ¼tzungskrÃ¤ften. <br /><br />Im Laufe der Jahre wurde das deutsche OEF-Kontingent um eine ABC-Schutzkomponente (Kuwait), MarineaufklÃ¤rer und hinsichtlich der Gesamtobergrenzen von ursprÃ¼nglich 3.900 Soldatinnen und Soldaten schrittweise reduziert. Die deutschen BeitrÃ¤ge zu OEF waren von Anfang an vergleichsweise zurÃ¼ckhaltend. Die Obergrenzen wurden bei weitem nicht ausgeschÃ¶pft. </li></ul><p><strong>2. Parlamentarische Unterrichtung</strong></p><p>Die OEF-Teiloperation am Horn von Afrika unterlag Ã¼ber die Jahre keiner besonderen Geheimhaltung. Noch kÃ¼rzlich konnten sich die Obleute vor Ort umfassend Ã¼ber die Operation unterrichten. (vgl. mein Bericht â€žHeiÃŸ in jeder Hinsicht&quot; vom Oktober 2006)</p><p>Die OEF-Teiloperation in AFG, d.h. der Einsatz des Kommando SpezialkrÃ¤fte, unterliegt demgegenÃ¼ber einer umfassenden und strikten Geheimhaltung: </p><ul><li>- im Einsatzgebiet gegenÃ¼ber anderen BundeswehrkrÃ¤ften, </li><li>- in der Bundeswehr (das vom EinsatzfÃ¼hrungskommando separierte Kommando â€žFÃ¼hrung Operationen von SpezialkrÃ¤ften&quot;/FOSK), </li><li>- im parlamentarischen Raum (Unterrichtung nur der Obleute), </li><li>- gegenÃ¼ber der Ã–ffentlichkeit. </li></ul><p>Nachdem es unter Minister Scharping im ersten Halbjahr 2002 nicht einmal Unterrichtungen der Obleute gab, wurde mit Minister Struck und der Vorgabe des neuen Koalitionsvertrages (â€žDie parlamentarische Kontrolle von SpezialeinsÃ¤tzen wird gewÃ¤hrleistet&quot;) eine Geheimunterrichtung der Obleute des Verteidigungsausschusses eingefÃ¼hrt. Im Jahr 2005 gab es sieben solcher Unterrichtungen, an denen dreimal die Kollegen des AuswÃ¤rtigen Ausschusses beteiligt waren, im Jahr 2003 acht. </p><p>Die grÃ¼ndliche Unterrichtung war eine entscheidende Voraussetzung unserer damaligen Zustimmung. Auf DrÃ¤ngen der damaligen Regierungsfraktionen hat am 14. November 2001 der Bundesminister des AuswÃ¤rtigen im Namen der Bundesregierung zu Protokoll gegeben (BT-Drs. 14/7447):</p><p><em>â€žDie Bundesregierung sichert dem Deutschen Bundestag und den beteiligten AusschÃ¼ssen kontinuierliche Unterrichtung Ã¼ber alle den Einsatz bewaffneter deutscher StreitkrÃ¤fte im Rahmen dieses Mandats betreffende Fragen zu. SpÃ¤testens nach der HÃ¤lfte des in Ziffer 4 des Antrags der Bundesregierung genannten Zeitraums wird die Bundesregierung dem Deutschen Bundestag einen bilanzierenden Gesamtbericht Ã¼ber den Einsatz der bewaffneten deutschen StreitkrÃ¤fte vorlegen.&quot;</em></p><p>Die Bundesregierung hat bei jeder VerlÃ¤ngerung zugesagt, sich an die Protokollnotiz zu halten. Die schwarz-rote Regierungskoalition hat sich nicht daran gehalten und erst nach unserer diesbezÃ¼glichen Mahnung bei der ersten Lesung von OEF im Bundestag gerade (6.11.) einen bilanzierenden Gesamtbericht vorgelegt.</p><p>Zu OEF/Afghanistan fehlt weiterhin jede genauere Unterrichtung durch die Bundesregierung. Trotz vielfacher mÃ¼ndlicher und schriftlicher Anforderungen durch die Fraktion von BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen wurde keine bewertende Zwischenbilanz von fÃ¼nf Jahren OEF Afghanistan und des deutschen Beitrags dazu erbracht. Der diesbezÃ¼gliche Brief von JÃ¼rgen Trittin und mir an die vier Minister Steinmeier, Jung, SchÃ¤uble und Wieczorek-Zeul vom 5. September wurde auf den letzten DrÃ¼cker am 6. November beantwortet.</p><p>Bei der Sitzung des Verteidigungsausschusses am 25. Oktober blieb der Spitzenvertreter eines zustÃ¤ndigen deutschen Dienstes jede Antwort auf Fragen zur Gesamtoperation OEF schuldig.  Auch bei der ersten Lesung des Antrags der Bundesregierung am 26. Oktober 2006 verzichteten die Minister des AuswÃ¤rtigen und der Verteidigung auf jede konkrete Bewertung von OEF. Die Unterrichtung der Fraktionsvorsitzenden und Obleute durch die beiden Minister am 7. November brachte hier keine Besserung. Damit entzieht die Bundesregierung einer fundierten und verantwortlichen Parlamentsbeteiligung die Grundlage.</p><p><strong>3. OEF (Marine) - Horn von Afrika</strong></p><p>Die OEF-Teiloperation am Horn von Afrika soll Terroristen den Zugang zu RÃ¼ckzugsgebieten verwehren und potenzielle Verbindungswege abschneiden. Dieser grundsÃ¤tzlich sinnvolle, in seiner Wirksamkeit aber schwer messbare Teilauftrag hat sich inzwischen zu einer Ãœberwachungsoperation an einer fÃ¼r den Welthandel strategisch wichtigen Seepassage (Ã–l, Container) ausgeweitet.</p><p>Das Problem der Seesicherheit in einem Seeraum von hÃ¶chster Bedeutung und hohen GefÃ¤hrdungen ist ein Thema kollektiver Sicherheit und nicht der Landes- oder BÃ¼ndnisverteidigung. OEF/Horn von Afrika ist eine Coalition of the Willing und insofern auch kein Einsatz im Rahmen eines Systems kollektiver Sicherheit. Insofern sind die verfassungsrechtlichen Grundlagen dieses Einsatzes sehr problematisch und klÃ¤rungsbedÃ¼rftig. </p><p>DarÃ¼berhinaus stellt sich die Frage nach der Dringlichkeit und Leistbarkeit des Einsatzes am Horn von Afrika angesichts der Tatsache, dass die Bundesmarine mit dem Libanon-UNIFIL-Einsatz umfassend und auf lÃ¤ngere Zeit gebunden sein wird.</p><p><strong>4. OEF (KSK) - Afghanistan</strong></p><p>In den zurÃ¼ckliegenden Jahren war der deutsche Beitrag schon immer zurÃ¼ckhaltend - hinsichtlich Einsatzdauer, Einsatzarten, Zahl der eingesetzten Soldaten. Laut Medienberichten wurden die Soldaten Ã¼berwiegend in der sog. SpezialaufklÃ¤rung eingesetzt. Die Belastungen und Risiken fÃ¼r die Soldaten waren nichts desto weniger extrem. Der Minister teilte der Ã–ffentlichkeit mit, dass es seit Oktober 2005 keinen KSK-Einsatz im Rahmen von OEF mehr gegeben habe. </p><p>Nicht in Frage steht fÃ¼r mich, dass ein Teil der â€žOppositionellen Militanten KrÃ¤fte&quot; in Afghanistan, so die Kern-Taliban, angesichts ihrer Kriegsziele und KriegsfÃ¤higkeit ohne militÃ¤rische Mittel nicht eingedÃ¤mmt werden kÃ¶nnen, also militÃ¤risch bekÃ¤mpft werden mÃ¼ssen.  Nach aller Erfahrung lÃ¤sst sich aber eine solche Guerilla, zumal sie Ã¼ber solche RÃ¼ckzugsgebiete wie die Stammesgebiete in Pakistan verfÃ¼gt, auch nicht militÃ¤risch besiegen. Umgekehrt gilt: Eine solche Art von Guerilla hat schon dann politisch gewonnen, wenn sie nur lange genug durchhÃ¤lt und einen Stabilisierungs- und Aufbauprozess blockiert.</p><p>Seit der ISAF-Ausweitung nach SÃ¼den und damit in die Hauptunruheprovinzen stehen britische, kanadische, us-amerikanische, australische und niederlÃ¤ndische ISAF-Truppen in schweren KÃ¤mpfen mit aufstÃ¤ndischen KrÃ¤ften.</p><p>In Frage zu stellen ist aber, ob eine deutsche Beteiligung an der US-gefÃ¼hrten Coalition of the Willing OEF/Afghanistan wie in den Vorjahren noch notwendig, zielfÃ¼hrend und verantwortbar ist. </p><p><strong><em>GegenÃ¼ber 2005 hat sich die Lage in Afghanistan in mehrfacher Hinsicht erheblich geÃ¤ndert</em></strong>:</p><ul><li>Â§ Die afghanischen Parlamentswahlen im September 2005 erforderten in besonderem MaÃŸe eine groÃŸrÃ¤umige Absicherung. HierfÃ¼r waren OEF und deutsche KrÃ¤fte dabei notwendig und hilfreich. OEF/AFG umfasste bis vor kurzem ca. 19.000 US-Soldaten plus 1.500 Soldaten aus 17 Nationen, darunter hauptsÃ¤chlich Spezialsoldaten aus sechs LÃ¤ndern (ohne Deutschland). <br /><br />Nach der West-, SÃ¼d- und Osterweiterung in diesem Jahr ist die NATO-gefÃ¼hrte und VN-mandatierte UnterstÃ¼tzungstruppe <strong>ISAF inzwischen in ganz Afghanistan</strong> aktiv und stationiert. Ihre KrÃ¤fte wurden deshalb mehr als verdreifacht auf ca. <strong>31.000 Soldatinnen und Soldaten</strong>. (Regional Command North 2.700 SoldatInnen, RC West 1,800, RC South 9.800, RC East 10.000, RC Capital 4.500) Mit der Unterstellung eines groÃŸen Teils der US-KrÃ¤fte unter ISAF reduziert sich der Umfang von <strong>OEF in Afghanistan auf ca. 8.000</strong>. Das eigenstÃ¤ndige US-OEF-Headquarter â€žCombined Forces Land - AFG&quot; wird nach dem 30. November deaktiviert. Die geschrumpfte OEF-AFG wird dann in â€žDoppelhut-Funktion&quot; vom stellvertretenden ISAF Kommandeur (Deputy Commander/ DCOM) Security, einem US-General, gefÃ¼hrt, der mit separaten Kommandostrukturen und VerbÃ¤nden einerseits fÃ¼r Sicherheitsoperationen von ISAF und Antiterroroperationen von OEF andererseits zustÃ¤ndig ist. (Der Deputy Commander Stabilisation wird von GB gestellt, der DCOM Air von Niederlanden, der Chef des Stabes von Deutschland.) Viele lebenswichtige UnterstÃ¼tzungen (<strong>Evakuierung, LuftnahunterstÃ¼tzung</strong>), die frÃ¼her von OEF fÃ¼r ISAF bereit gestellt wurden, werden nun <strong>von ISAF</strong> selbst gestellt. </li><li>Â§ Aussagen von zivilen und militÃ¤rischen Afghanistan-Experten und afghanischen Parlamentarierinnen laufen Ã¼bereinstimmend darauf hinaus, dass <strong>OEF/</strong>Afghanistan durch die <strong>Art und Weise des Auftretens gegenÃ¼ber der ZivilbevÃ¶lkerung </strong>(mangelnder Respekt vor Tradition und Werten) und durch die Art und Weise <strong>der OperationsfÃ¼hrung</strong> (Hinweise auf vernichtende und oft unverhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸige Luftangriffe mit wenig Interesse, Gefangene zu machen, und mit wenig RÃ¼cksicht auf zivile Opfer) mehr zur Eskalation von Hass und Gewalt beitrÃ¤gt als zur EindÃ¤mmung von Terrorismus und seiner NÃ¤hrbÃ¶den. Dass sich die einzelnen Attacken der â€žOppositionellen KrÃ¤fte&quot; in den SÃ¼dprovinzen von einer â€žPatt-Situation&quot; im Vorjahr zu einem regelrechten Aufstand in diesem Jahr entwickelt haben, wird nicht nur, aber in erheblichem MaÃŸe auch der kontraproduktiven OperationsfÃ¼hrung von OEF zugeschrieben.</li><li>Â§ Eine selbstverstÃ¤ndliche Voraussetzung einer deutschen Beteiligung an MaÃŸnahmen der direkten Terrorismus-BekÃ¤mpfung muss die <strong>Einhaltung rechtsstaatlicher und vÃ¶lkerrechtlicher Standards</strong> sein. Der Umgang der US-Seite mit unter Terrorverdacht stehenden Gefangenen begrÃ¼ndete schon in den zurÃ¼ckliegenden Jahren erhebliche Kooperationshindernisse zwischen deutschen und US-StreitkrÃ¤ften. Wegen des Risikos einer vÃ¶lker- und menschenrechtswidrigen Behandlung von Gefangenen in US-Gewahrsam (â€žBeihilfe zu Guantanamo&quot;) durften Bundeswehrsoldaten nach Mitteilung der Bundesregierung Verhaftete nicht an die US-StreitkrÃ¤fte Ã¼bergeben. Dieses Kooperationshindernis wird verstÃ¤rkt mit Inkrafttreten des <strong>Military Commissions Act</strong> im Oktober. Hiermit wird der US-Armee die uneingeschrÃ¤nkte willkÃ¼rliche Verhaftung von TerrorverdÃ¤chtigen sowie die Anwendung folterÃ¤hnlicher VerhÃ¶rmethoden erlaubt. Dem US-PrÃ¤sidenten wird das Recht eingerÃ¤umt, â€žInhalt und Anwendung der Genfer Konvention zu interpretieren&quot;. Die SZ titelte am 10. Oktober : â€žDas neue Terror-Recht in den USA verhÃ¶hnt alle demokratischen Errungenschaften des Landes.&quot; Hierzu dÃ¼rfen deutsche Soldaten selbstverstÃ¤ndlich weder direkt noch indirekt beitragen. </li></ul><p><strong><u>Zusammengefasst:</u></strong> </p><p><strong>OEF schadet</strong> dem prekÃ¤ren Stabilisierungsprozess und darin ISAF inzwischen auf der politisch-psychologischen Ebene mehr als dass sie ISAF auf der operativen Ebene nutzt. Die Art und Weise von OEF ist fÃ¼r die GlaubwÃ¼rdigkeit und Legitimation des Engagements der Internationalen Gemeinschaft in Afghanistan inzwischen eine erhebliche Belastung. Ãœberdies steht die â€žExterritorialitÃ¤t&quot; von OEF in einem immer deutlicheren Widerspruch zum Anspruch der Afghan Ownership, wie sie von der Londoner Konferenz mit dem Afghanistan Compact Anfang des Jahres betont und bekrÃ¤ftigt wurde.</p><p><strong>Angesichts dieser erheblich verÃ¤nderten Rahmenbedingungen ist eine weitere deutsche Beteiligung an OEF/Afghanistan fÃ¼r die Absicherung des Stabilisierungsprozesses nicht nur nicht mehr notwendig, sondern auch nicht mehr verantwortbar</strong>. Als Parlament kÃ¶nnen wir nicht einerseits UntersuchungsausschÃ¼sse zu RechtsverstÃ¶ÃŸen im Rahmen des Anti-Terror-Kampfes und mÃ¶glichen deutschen Beteiligungen auf den Weg bringen und andererseits Soldaten in immer dickere rechtliche â€žGrauzonen&quot; schicken. </p><p>Unbenommen von einer OEF-Nichtbeteiligung ist der Einsatz von Spezialsoldaten im Rahmen von ISAF. Eine Beteiligung deutscher bewaffneter StreitkrÃ¤fte an direkter TerrorismusbekÃ¤mpfung kann nur dann verantwortet werden, wenn hierbei die Einhaltung vÃ¶lker- und menschenrechtlicher Standards gewÃ¤hrleistet ist und der Ansatz und die Umsetzung der Operation geeignet ist, tatsÃ¤chlich zur EindÃ¤mmung von Gewalt und Terror beizutragen.</p><p><strong>5. BÃ¼ndnispolitische Implikationen</strong></p><p>Deutsche Sicherheitspolitik agiert grundsÃ¤tzlich nicht unilateral, sondern in Systemen kollektiver Sicherheit im Sinne eines effektiven Multilateralismus. Insofern spielen bÃ¼ndnispolitische und transatlantische ErwÃ¤gungen bei Einsatzentscheidungen immer eine erhebliche Rolle. Sie kÃ¶nnen bei solchen Entscheidungen aber nicht das primÃ¤re und ausschlaggebende Argument sein. An erster Stelle muss immer die Frage nach der sicherheitspolitischen Dringlichkeit und ZweckmÃ¤ÃŸigkeit, der vÃ¶lkerrechtlichen LegalitÃ¤t und Verantwortbarkeit eines Einsatzes stehen. Das ist beim Irak-Krieg besonders deutlich geworden. </p><p>Auch wenn sich die Bundesregierung in ihrem Antrag zur weiteren deutschen OEF-Beteili-gung u.a. auch auf Artikel 5 des NATO-Vertrages (BÃ¼ndnisfall) bezieht, so ist OEF doch ausdrÃ¼cklich keine BÃ¼ndnisoperation, sondern eine US-gefÃ¼hrte Coalition of the Willing. Im Unterschied dazu ist die VN-mandatierte UnterstÃ¼tzungstruppe ISAF seit August 2003 eine NATO-gefÃ¼hrte BÃ¼ndnisoperation mit 26 NATO-Mitgliedsstaaten und 13 Nichtmitgliedern als Truppenstellern. Die USA sind erst neuerdings bei ISAF dabei. </p><p>Die (Nicht-)Beteiligung an OEF hat deshalb eventuell transatlantische, nicht aber bÃ¼ndnispolitische Implikationen. Angesichts der gigantischen Chaospotenziale, die US-Politik bei der BekÃ¤mpfung des internationalen Terrorismus produziert hat, und angesichts der einseitigen Distanzierung der Bush-Administration von der proklamierten Wertegemeinschaft mÃ¼ssten transatlantische Irritationen verkraftbar sein.  </p><p>Von erheblicher bÃ¼ndnispolitischer Bedeutung und Brisanz ist demgegenÃ¼ber die Frage der nationalen Vorbehalte (caveats) und der (Nicht-)Einsetzbarkeit von nationalen ISAF-Kontingenten im umkÃ¤mpften SÃ¼den Afghanistans. Weitgehend unbeachtet von der internationalen Ã–ffentlichkeit steht hier die NATO zum ersten Mal in ihrer Geschichte seit Monaten in harten BodenkÃ¤mpfen. Angesichts der erheblichen Opfer der kanadischen und britischen ISAF-Truppen im SÃ¼den und einer ungleichen Risikoverteilung wachsen in ISAF und NATO die Spannungen zwischen GroÃŸbritannien, USA, Kanada einerseits und Frankreich, Spanien, Deutschland andererseits. Der Knall beim bevorstehenden NATO-Gipfel in Riga ist absehbar. (vgl. die jÃ¼ngste Studie der International Crisis Group â€žCountering Afghanistan`s Insurgency: No Quick Fixes&quot;, 2.11.2006) </p><p>Die deutsche Haltung, Ã¼ber begrenzte logistische UnterstÃ¼tzungsleistungen fÃ¼r ISAF-SÃ¼d keine Kampftruppen zu schicken, ist wohl begrÃ¼ndet und richtig. Die VorwÃ¼rfe an die deutsche Adresse sind zum Teil ausgesprochen unglaubwÃ¼rdig. </p><p>Nicht vergessen ist, dass die Bundesrepublik Ã¼ber Jahre der grÃ¶ÃŸte und besonders verlÃ¤ssliche Truppensteller von ISAF war. Als in 2003 die Notwendigkeit einer ISAF-Ausweitung in die Provinzen deutlich wurde - und von vielen internationalen NGO`s vehement gefordert wurde -, da begann die Bundesrepublik mit dem Aufbau der Provincial Reconstruction Teams/PRT in Kunduz, dann Feyzabad. Viele andere NATO-VerbÃ¼ndete hielten sich demgegenÃ¼ber in Afghanistan sehr zurÃ¼ck und engagierten sich lieber im verheerenden Irak-Krieg. So ging wichtige Zeit fÃ¼r die landesweite Stabilisierung verloren. </p><p>Die Nordregion ist strukturell gÃ¼nstiger als die SÃ¼d- und Ostprovinzen. Deshalb ist aber ISAF-Arbeit im Norden weder leicht noch risikolos. Das deutsch gefÃ¼hrte Regional Command North umfasst eine FlÃ¤che, die grÃ¶ÃŸer ist als Deutschland, aber Ã¼ber weite Teile extrem unwegsam ist. Wo vielfach Warlords und Drogenwirtschaft das Sagen haben, sollen fÃ¼nf PRT`s mit insgesamt 1.430 Soldaten (davon 460 fÃ¼r den Einsatz drauÃŸen) in Kooperation mit Afghanischer Nationalarmee und Polizei fÃ¼r schrittweise mehr Sicherheit sorgen. Von diesen knapp bemessenen KrÃ¤ften welche in den SÃ¼den abzuordern, wÃ¼rde die relativen Aufbauerfolge auf`s Spiel setzen, die im Norden unverkennbar sind. </p><p>Hinzu kommt, dass eine deutsche Beteiligung am Kampfeinsatz im SÃ¼den das besondere Ansehen Deutschlands unter den Afghanen massiv beschÃ¤digen wÃ¼rde: Denn wer dort kÃ¤mpft, so die Perzeption auch bei der Internationalen Gemeinschaft wohl gesonnenen Afghanen, kÃ¤mpfe â€žgegen die Paschtunen&quot; - und nicht gegen Taliban, Terroristen etc. So bekamen es wir Obleute des Verteidigungsausschusses bei unserem kÃ¼rzlichen Besuch in Kabul sehr deutlich zu hÃ¶ren.  </p><p>SchlieÃŸlich: Ãœber die Art und Weise der ISAF-OperationsfÃ¼hrung im SÃ¼den wissen wir seitens der Bundesregierung praktisch nichts. Es heiÃŸt auch, die Englisch-Muttersprachler USA, GB, CAN und AUS wÃ¼rden sich in ihrer Informationspolitik abschotten. Angesichts der Ãœbernahme des ISAF-Kommandos an einen US-General ab Februar und des ZusammenrÃ¼ckens von ISAF-Sicherheitsoperationen und OEF-EinsÃ¤tzen beim DCOM Sec besteht das erhebliche Risiko, dass ISAF â€žamerikanisiert&quot; wird. Dieser Verdacht wird noch nicht dadurch entkrÃ¤ftet, dass der jetzige ISAF-Kommandeur Richards und der NATO-Befehlshaber Jones immer mehr betonen, dass der Kampf im SÃ¼den nicht militÃ¤risch, sondern nur durch verstÃ¤rkten Aufbau gewonnen werden kÃ¶nne.  </p><p>Trotzdem: Die deutsche Position wird in den nÃ¤chsten Monaten immer stÃ¤rker unter Druck geraten und immer schwerer zu halten sein. Mir ist ein RÃ¤tsel, wie diese Art von Bundesregierung diese Gradwanderung schaffen will. </p><p><strong>6. Der andere BÃ¼ndnistest </strong></p><p>FÃ¼r den Ãœbergang von extern durch ISAF gestÃ¼tzter Sicherheit zu selbst tragender Sicherheit ist der Aufbau einer funktionsfÃ¤higen Polizei und Justiz von strategischer Bedeutung. Deutschland hat seit 2002 die internationale Lead-Rolle beim Polizeiaufbau. Mit relativ geringen KrÃ¤ften und Mitteln (inzwischen 40 Polizeibeamte, 12 Mio Euro/Jahr) leistete die Bundesrepublik qualitativ hervorragende BeitrÃ¤ge. Angesichts der riesigen Herausforderungen und des quantitativ ungleich hÃ¶heren, qualitativ aber umstrittenen US-Engagements (600 Berater, 1,6 Mrd $ in 2006!) mÃ¼ssen Deutschland und die EU vom guten Kleckern zum besseren Klotzen kommen: Der deutsche Beitrag muss schnell und erheblich aufgestockt (Verdoppelung bis Verdreifachung) und in eine ESVP-Mission Ã¼berfÃ¼hrt werden. Dasselbe gilt fÃ¼r Justizaufbau und DrogenbekÃ¤mpfung, womit Italien und GroÃŸbritannien als die anderen Lead-Nationen ebenfalls Ã¼berfordert sind. </p><p><strong>7. Begrenzte KapazitÃ¤ten und andere FriedenseinsÃ¤tze</strong></p><p>Bei jeder Einsatzentscheidung ist der Gesamtkontext deutscher Beteiligungen an multinationalen FriedenseinsÃ¤tzen, der anderen Herausforderungen an internationale Sicherheit sowie der Ã¼berall begrenzten KapazitÃ¤ten fÃ¼r FriedenseinsÃ¤tze zu beachten. Schon jetzt sind die multinationalen Engagements und â€žInvestitionen&quot; auf dem Balkan, im Irak, in Afghanistan, bei VN-gefÃ¼hrten Friedensmissionen in Afrika hÃ¶chst ungleich. </p><p>In Darfur grassiert ein schleichender VÃ¶lkermord. Hier ist die Internationale Gemeinschaft ganz besonders und unausweichlich gefordert - angesichts der Dimension von Gewalt und menschlicher Not, angesichts der Verpflichtung der Internationalen Gemeinschaft, gegen VÃ¶lkermord und vÃ¶lkermÃ¶rderische Entwicklungen einzuschreiten. </p><p>Wenn irgendwo ein robuster Friedenseinsatz heutzutage dringlich, geboten und legitim ist, dann in Darfur.  Bisher fehlen die politischen Voraussetzungen fÃ¼r eine stÃ¤rkere VN-gefÃ¼hrte Mission, die die bisherige zu schwache Mission der Afrikanischen Union ablÃ¶sen kÃ¶nnte. Woran aber weder eine VN-Mission noch eine verstÃ¤rkte AU-Mission scheitern darf, sind die notwendigen militÃ¤rischen KapazitÃ¤ten. Von den EuropÃ¤ern werden hier nicht Bodentruppen, sondern vor allem UnterstÃ¼tzungskrÃ¤fte (Logistik, Transport, SanitÃ¤tsversorgung) benÃ¶tigt. </p><p>Die Bereitstellungen fÃ¼r die deutsche Beteiligung an OEF nennen genau solche FÃ¤higkeiten. Warum sollen KapazitÃ¤ten noch fÃ¼r ein ein im o.g. Sinne Ã¤uÃŸerst fragwÃ¼rdiges Mandat vorgehalten und damit gebunden werden, wo sie doch viel besser bei einem dringlichen Rettungseinsatz Verwendung finden kÃ¶nnten?   </p><p><strong>8. Konsequenzen</strong></p><p>Die Bundesregierung ist aufgefordert,</p><ul><li>Â§ unverzÃ¼glich eine bewertende Zwischenbilanz zu fÃ¼nf Jahren OEF als Gesamtoperation und der deutschen Beteiligung daran vorzulegen; </li><li>Â§ der Unterrichtungs- und Evaluierungspflicht fÃ¼r den Einsatz bewaffneter StreitkrÃ¤fte unverzÃ¼glich und umfassend nachzukommen;</li><li>Â§ - die Geheimhaltung von bewaffneten EinsÃ¤tzen auf das auf den Schutz von Operationen und Personen notwendige MaÃŸ zu beschrÃ¤nken und Parlament und Ã–ffentlichkeit soweit wie mÃ¶glich Ã¼ber SpezialeinsÃ¤tze zu informieren; notwendig ist eine institutionalisierte Kontrolle von geheimhaltungsbedÃ¼rftigen MilitÃ¤reinsÃ¤tzen mit direkten KontrollmÃ¶glichkeiten;</li><li>Â§ - gegenÃ¼ber BÃ¼ndnispartnern bei der gemeinsamen BekÃ¤mpfung des internationalen Terrorismus auf die Einhaltung der Menschenrechte und des humanitÃ¤ren KriegsvÃ¶lkerrechts zu drÃ¤ngen;</li><li>Â§ - die deutschen personellen und finanziellen BeitrÃ¤ge zum Polizeiaufbau deutlich aufzustocken und in der EU auf eine Polizeimission der ESVP fÃ¼r Afghanistan hinzuwirken. </li></ul></div>


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